Lebensfragen

„Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?“

Es ist wohl die am häufigsten gestellte Frage von Kritikern und ich muss gestehen: Wenn ich zum ersten Mal meinen eigenen Blog betreten würde mit all den Beiträgen zum Thema „Regretting Motherhood“ und denen mit dem Schlagwort „Mamafrust“ gekennzeichneten Postings, ich würde sicherlich verwundert, wenn nicht gar entsetzt die gleiche Frage stellen. Ja, warum bitte schön verfasse ich denn am laufenden Meter Texte, in denen es sich immer und immer wieder um den stressigen, nervigen und energiezehrenden Alltag als hochsensible Mutter dreht? Warum habe ich denn überhaupt Kinder in die Welt gesetzt? Weiß doch Jeder, dass Muttersein nicht nur Glück pur bedeutet, sondern auch mit einer gehörigen Portion Stress bestückt ist! Nimm dir einen heißen Kakao und ein paar von den Vanillekeksen (die auf dem Backblech sind noch warm!) aus meiner Küche und mache es dir bequem: Ich will dir gerne eine Antwort auf deine Fragen geben.

Wie hatte ich mir denn überhaupt vorher ein Leben mit Kindern vorgestellt?

Als wir damals in der Phase waren, uns Gedanken über mögliche Kinder zu machen, führte ich ein ziemlich geordnetes Leben. Ich stand mitten im Leben, wohnte mit meinem Verlobten und meiner Katze seit ein paar Jahren in dieser kleinen zweieinhalb-Zimmer-Wohnung, hinter der mehrmals am Tag die Regional- und Güterzüge herbrausten und ging als gelernte Hotelfachfrau einer (zugegebenermaßen stupiden) Arbeit in einem Büro nach. Dass ich eine hochsensible Person bin, das wusste ich damals noch nicht.

"Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?"Ja, mir war schon aufgefallen, dass ich ziemlich dünnhäutig und empfindlich war. So belastbar wie Andere und Multitaskingfähig war ich jedenfalls nicht. Mein extremes Bedürfnis nach Zeit für mich alleine und ruhigen Aktivitäten störte mich aber auch nicht besonders, schließlich konnte ich mir nach der Arbeit und am Wochenende viel Zeit zum Lesen und Musikhören nehmen und die freien Stunden mit meinem ebenso ruhigen und introvertierten Verlobten in Übereinstimmung genießen.

Wir harmonierten sehr gut miteinander (und tun das glücklicherweise auch heute noch, vielleicht sogar inzwischen noch ein bisschen mehr). Zu unserem Glück fehlten nur noch zwei Kinder, um die Familie zu komplettieren und unserem Leben eine sinnvolle und vor allem erfüllende Aufgabe zu geben. Wir würden sicher zwei ebenso ruhige Kinder bekommen, das Elternsein in vollen Zügen genießen und vor allem viel Spaß bei der Erziehung und mit den Kindern haben.

Dass es auch mal anstrengende Phase geben würde, sei es mit einem Trotzkind, das sich filmreif im Supermarkt auf den Boden wirft, weil es die Schokolade nicht haben darf oder dass wir in Sachen Erziehungsratschlägen mit unseren Schwiegermüttern aneinandergeraten könnten, das kalkulierten wir mit ein. Weiß ja Jeder, dass auch stressige Momente dazugehören! Zeit für uns selbst würden wir selbstverständlich noch genauso viel haben, während die Kinder schliefen oder spielten oder bei den Großeltern wären. Wäre doch alles so einfach zu organisieren wie bisher auch. Dachten wir.

"Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?"Heute sind fast sechs Jahre seit der Geburt unseres ersten Sohnes vergangen und mein Leben fühlt sich nicht nach Sonnenschein mit wenigen dunklen Wolken an, sondern eher wie Dauerschietwetter hinterm Deich mit regelmäßigen Gewitterwolken und nur ab und an blitzt die Sonne mal kurz durch.

Ja mehr noch, oftmals fühle ich mich in meinem eigenen Leben wie im Gefängnis. Für wenige Momente ist die Tür meiner Zelle geöffnet, so dass ich nach Draußen gehen und mein Leben als Mutter als Freiheit und Freude empfinden kann. Zu oft spüre ich jedoch die dicken Gitterstäbe, die mir die Luft zum Atmen nehmen und meine Mutterrolle bedauern lassen.

Wie kann das sein? Immerhin sind es doch zwei Wunschkinder, die wir da haben, beide geliebt und gewollt! Und dass der Alltag auch mal stresst, das weiß man doch wohl wirklich vorher!

Wirklich?

Ganz ehrlich, wenn ich vorher gewusst hätte, was es tatsächlich bedeutet, Mutter zu sein, ich weiß nicht, ob wir uns für diesen Schritt entschieden hätten!

Vorher überlegen und hinterher erleben sind zwei Paar Schuhe.

Natürlich macht man sich vorher so seine Gedanken. Aber Gedanken sind etwas anderes als Gefühle. Man kann das Leben, wie es sich mit Kindern anfühlen wird, als Kinderloser nur vorstellen, nicht aber vor-empfinden. Du stellst dir lächelnde Babies, schlafende Babies und an der Brust-nuckelnde Babies vor. Du glaubst nicht, dass dein Baby ein Schreikind wird, das dir drei Monate am Stück den Schlaf rauben wird. Und selbst wenn du es dir vorstellst, kannst du vorher nicht wissen, wie sich ein derartiger Schlafentzug auf dein Gemüt auswirken wird.

"Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?"Sicher, früher hast du nachts auch nie geschlafen, sondern im Club gefeiert. Aber da konntest du am Sonntag schlafen und deinen Kater auf der Couch auskurieren. Dein Bedürfnis nach Schlaf wird dir mit Baby nicht so einfach erfüllt. Denn es möchte nach einer schlaflosen Nacht trotzdem gefüttert, gewickelt und umsorgt werden. Egal, ob du schon am Ende mit deinen Kräften bist oder nicht.

Und am Ende mit meinen Kräften war ich. Nicht nur in der Babyzeit, ich bin es auch heute noch oft genug. Denn fehlender Schlaf ist ja nur ein Thema von vielen.

Hast du dich denn nicht langsam an Kinder gewöhnt, könntest du jetzt fragen. Sicher, an die Anwesenheit meiner Kinder habe ich mich gewöhnt. Nicht jedoch an die Fremdbestimmtheit, an die permanente Aufmerksamkeit, die meine Jungs einfordern. Ich hatte immer gedacht, Kinder könnten sich auch gut und gerne und lange alleine beschäftigen. Meine können und wollen es jedenfalls nicht. Oder sie sind noch zu klein dafür.

Was es für mich persönlich schwer macht, mein Leben als Mutter so zu leben, wie ich es mir vorgestellt hatte, sind auch die Einschränkungen, die meiner Hochsensibilität geschuldet sind.

Niemals hätte ich es früher für möglich gehalten, dass mich selbst leisestes Singen und Summen meines Fünfjährigen aus dem Nebenraum morgens wecken und vehement stören würde. Vom langen Schreien eines Säuglings ganz zu schweigen! Da war ich schon nach zwei Minuten fertig mit der Welt, wenn ich meine Kinder nicht augenblicklich beruhigen konnte.

Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich in einer oder zwei freien Stunden nicht vollständig auftanken könnte, sondern, im Gegenteil, immer schon gestresst zu Uhr schielen würde, wann das nächste Kind nach Hause kommt oder mit dem Mittagsschlaf fertig ist.

"Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?"Noch so eine Frage, die mir oft gestellt wird: Warum wir uns überhaupt für ein zweites Kind entschieden hätten? Nicht nur wegen meiner Zeiten mit postpartaler Depression, sondern auch, weil ich doch schon einen Einblick ins Muttersein bekommen hatte.

Zum einen wollten wir auch trotz Wochenbettdepression ein zweites Kind, zum anderen kann man nach nur sechs Wochen Muttersein nur schwer behaupten, einen wirklichen Einblick ins Leben einer Mutter bekommen zu haben, denn bereits nach diesen sechs Wochen machte sich Maxis Bruder Mini auf den Weg.

Im Traum hätte ich mir nicht vorstellen können, wie lange mich Schmatzen, Nasehochziehen und das Mitansehenmüssen von klebrigen Honigfingern am Frühstückstisch über Jahre begleiten würde und dabei tatsächlich fühlbare Schmerzen in meinem Brustkörper auslöst.

Wie sehr es mich stören würde, wenn kleine Kinder sich nicht dafür entschuldigen, wenn sie dir auf den Fuß treten, sondern direkt noch einmal unbemerkt drüber trampeln, das hatte ich vorher nicht geahnt.

Dass Geschwister sich mehrmals am Tag streiten können, wusste ich aus eigener Erfahrung. Dass es dabei um für mich nicht nachvollziehbare „Kinkerlitzchen“ geht, wie die Frage, wer heute dran ist, die Kerzen auszupusten und auf wessen Seite vom Tisch die Erdbeermarmelade steht, dass doch der Bruder schon beim letzten Mal das Garagentor öffnen durfte und sich diese Streitereien über den ganzen Tag ziehen, das hatte ich nicht eingeplant.

Ich habe ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis. Und ich bin ein Mensch, der seine Energie gerne beisammenhält und sie für mich wichtige Dinge einsetzt. Ich war nicht darauf vorbereitet, meine Energie für den Bruderzwist um die Marmelade oder ewige „Mama? Mamaa? Mamaaaa?“-Fragen aufzuwenden.

"Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?"Es fällt mir heute immer noch schwer zu akzeptieren, dass Kinder im Kindergartenalter noch nicht selbstständig genug sind. Dass man ab Herbst jeden Tag dreimal fragen muss, ob auch jedes Kind beim Rausgehen an Mütze, Schal und Handschuhe gedacht hat (und trotzdem ständig der zweite Handschuh fehlt oder die Wollmütze unauffindbar ist). Dass man sie immer und immer wieder am Straßenrand daran erinnern muss, vor dem Überqueren nach links und rechts zu gucken. Dass es keine gute Idee ist, die schmierigen Hände am T-Shirt abzuwischen oder die Tapete von der Kinderzimmerwand abzuknibbeln.

Permanent für die Kinder mitdenken, obwohl ich schon hundertmal die gleichen Regeln erklärt habe. Das meine ich mit unnötigem Energieverbrauch. Immerhin muss ich auch noch an meine eigene Mütze denken, nebenbei den Großeinkauf bei Edeka organisieren, die Wäsche waschen und den ganzen anderen Alltag nebenbei stemmen. Ach so, und Zeit für mich zum Erholen wollte ich ja auch noch einplanen.

Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, dass der Tagesablauf von den Kindern bestimmt wird und ich meine freie Zeit hintenanstellen muss, wenn der Kindergarten mal wieder einen Tag geschlossen ist. Oder wenn ein Kind krank ist. Oder wenn es jetzt und auf der Stelle mit mir basteln will.

"Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?"Das muss für Außenstehende sehr herzlos klingen, zumal kein Kind absichtlich krank wird oder etwas dafür kann, wenn die Erzieherinnen einen Mitarbeiterausflug veranstalten. Und ehrlich gesagt dachte ich früher auch, dass mir solche Tage nichts ausmachen würden. Dass ich liebend gerne mit meinen Kindern spielen und basteln und durch die Betten hüpfen würde. Die traurige Wahrheit ist: Ich mache es nicht gerne.

Zu sehr gehen meine Wunschvorstellungen aus kinderlosen Zeiten mit meiner hochsensiblen Realität auseinander. Zu schnell bin ich gestresst und reizüberflutet und will nur noch meine Ruhe haben. Klappt in der Regel nicht mit zwei Energiebündeln um mich herum, die nur höher, schneller und weiter kennen.

Und wenn mir die Zeit zum Regenerieren und Akkus aufladen fehlt, gehe ich auch gestresst in die nächste Begegnung mit meinen Kindern. Keine glückliche Lösung, weder für mich noch für Mini und Maxi.

Als Kinderlose habe ich mir zwar auch vorgestellt, dass es mal Streit und Stress mit den Kindern geben würde. Allerdings war ich der festen Überzeugung, dass ich solchen Situationen mit einer stoischen Ruhe und Gelassenheit begegnen würde. Damals kam es schließlich so gut wie nie vor, dass ich ungeduldig und dauergestresst war. Früher hatte ich noch genug Zeit und Möglichkeiten zur Regeneration.

"Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?"Heute sind diese Momente rar gesät und ehrlich gesagt brauche ich nach manchen Stresssituationen viel länger, um wieder zu meiner Mitte und der daraus resultierenden Gelassenheit zu finden. Deswegen empfinde ich mein Muttersein oft genug als stressiges Hamsterrad in Dauerschleife, in der die Mama kaum Gelegenheit hat, mal auszusteigen. Der nächste Programmpunkt wartet bestimmt schon auf mich!

Wie sehr fehlt es mir, einfach mal wieder am Wochenende nur auf dem Sofa herumzugammeln, Lesen, Musik hören, Dösen inklusive. Aber mit zwei actiongeladenen Kindern ist das hier nicht möglich. „Mama, wann machen wir was?“ „Papa, mir ist langweilig!“ sind nur zwei von zig Aufforderungen, endlich den Hintern hoch zu kriegen und in den Zoo zu fahren, auf den Spielplatz zu gehen, die Rennstrecke im Kinderzimmer zu bauen oder die Bastelsachen hervorzukramen.

Ich mache das alles auch gerne, aber noch lieber mache ich auch einfach mal gerne nichts.

Kinder zu haben stellt man sich als Kinderloser meist in entspannten Momenten vor, vielleicht sieht man sich die süßen Babies auf der Säuglingsstation an oder man guckt eine TV-Serie, in der glückliche Mütter ihre permanent schlafenden Kinder im Kinderwagen vor sich herschieben. Möglicherweise sieht man auch eine gereizte Mutter auf dem Spielplatz ihr Kind anbrüllen und denkt sich: „So wie die würde ich aber nicht reagieren. Und überhaupt hätte ich nicht so ein verzogenes Kind!“

Dann greift man zusammen mit seinem Partner in die Tüte Chips, macht es sich wieder vor dem Fernseher gemütlich und entspannt augenblicklich in der romantischen Vorstellung von eigenen Kindern. In dieser kinderlosen Realität kommt ja auch nicht zum x-ten Mal der Sohn zur Tür herein und sagt, dass er nicht schlafen könnte, wie schon die drei Wochen zuvor. Das zehrt auf Dauer an jeden Nerven und an meinen schon nach dem zweiten Mal.

"Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?"Ich erlebe gerade eine sehr herausfordernde Zeit mit meinen beiden Jungen. Ehrlich gesagt hatte ich gehofft, mein Hadern mit der Mutterrolle würde sich nur auf die Anfangszeit beschränken. Aber ich lerne immer noch viele Facetten an meinem Christine-Ich kennen, die mit meinem Christine-Mamasein nur schwer zu vereinbaren sind. Die Unlust am Spielen, meine Ungeduld mit zwei albernden Kleinkindern oder meine Geräuschempfindlichkeit sind nur ein paar Beispiele von Vielen.

Ich will Niemanden davon abhalten, Kinder zu bekommen, auch, wenn es gerade vielleicht ein wenig danach klingen mag. Im Gegenteil. Aber ich möchte dennoch betonen, dass man (und vor allem eine hochsensible Person!) sich vorher nur in sehr geringem Ausmaß ausmalen kann, wie das Leben mit Kind aussehen wird. Wieviel Nerven auch stille und harmoniebedürftige Kinder kosten können. Dass ausgeglichene Eltern nicht zwangsläufig ruhige Kinder bekommen werden. Was es wirklich bedeutet, vierundzwanzig Stunden am Tag für viele, viele Jahre Verantwortung für einen anderen Menschen zu tragen (und ich kann es jetzt auch nur für die ersten knapp sechs Jahre sagen, der Rest ist auch für mich noch nicht greifbar (wahrscheinlich ist das auch besser so)).

Ich glaube, dass sehr viele Mütter dieser Herausforderung namens Mamasein im Groben problemlos gewachsen sind und das ist auch gut so! Allerdings möchte ich darauf wetten, dass unter denen, die permanent Schwierigkeiten mit ihrer Belastungsgrenze, der Fremdbestimmtheit und dem ständigen Trubel zuhause haben, ganz viele hochsensible Mamas sind (wobei ich nicht behaupten will, dass alle hochsensiblen Mütter automatisch überfordert sind oder sich fremdbestimmt fühlen!).

"Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?"Diejenigen sensiblen Seelen, die sich vorher als patent und belastbar empfanden, die sich ihr Leben mit Kind erfüllend vorgestellt hatten, aber erst mit Nachwuchs überhaupt erst mit ihrer überempfindlichen Seite konfrontiert wurden.

Und das meist mit voller Wucht. In einem Ausmaß, das vielleicht erschreckend, ja, beinahe angsteinflößend ist. Warum komme ich mit meinem Leben plötzlich nicht mehr klar? Bin ich keine gute Mutter? Wieso fühlt sich jetzt auf einmal alles so einengend und falsch an? Kriege ich das überhaupt hin? Gut für ein Kind zu sorgen? Und Herrgott nochmal: Ich hätte mir doch vorher überlegen können, was es bedeutet ein Kind zu haben!

Nein. Das kann Niemand vorher.

Wichtig ist es jetzt, nicht zu verzweifeln! Sich Hilfe und Unterstützung zu suchen. Beim Mann, im Familien- und Freundeskreis, vielleicht in Form einer Tagesmutter, einer Au-Pair oder einer Haushaltshilfe. Es ist für alle Mütter, aber vor allem für hochsensible Mütter von immenser Bedeutung, auf ihre Selbstfürsorge und Erfüllung eigener Bedürfnisse zu achten. Am besten so früh und so oft wie möglich und vor allem ohne schlechtes Gewissen.

Das hat nichts mit Egoismus, sondern mit gesunder Eigenliebe zu tun! Gerade wenn wir uns um andere kümmern, müssen wir auch gut für uns sorgen.

Denn dann können wir anschließend auch wieder viel entspannter auf unsere geliebten Kinder zugehen. Und wenn es nur eines gibt, was dabei hilfreich ist, dann die Überlegung, welche drei Personen im Handy unter den Notfallnummern gespeichert werden, von denen man immer baldige Unterstützung erwarten darf.

Und das ist auch wirklich das Einzige, was man sich tatsächlich schon vorher als Kinderlose überlegen könnte.

33 Gedanken zu „„Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?““

  1. Frühlingskindermama sagt:

    Diese Gedanken und Fragen treiben mich auch immer wieder um und nein, man kann es vorher nicht wissen, wie leicht oder schwer einem das Leben mit Kindern fallen würde und wie sehr man unter den ganz normalen, alltäglichen Anforderungen leiden würde. All das, was Du erwähnst, bereitet mir auch Schwierigkeiten, und das hätte ich vorher nie gedacht. Zwar habe ich mich auch früher nicht als besonders belastbar empfunden, aber habe auch nicht für möglich gehalten, dass das Leben mit Kindern (für mich) so belastend sein würde. Eine Bekannte ist das Gegenbeispiel: sie dachte früher immer, Kinder wären absolut nix für sie und ihr fehlt dafür jegliche Geduld. Seit sie ihre Tochter hat, ist sie total glücklich („die schönste Zeit ihres Lebens“) und hat jetzt sogar eine Erzieherinnenausbildung gemacht, mit Anfang 40. Wahnsinn, oder? Genau der gegensätzliche Weg. Schon komisch, wie alles so gekommen ist. Es ist, wie es ist. Wir sind so und andere sind anders. Nur dass die anderen eben keine Schuldgefühle haben (müssen…).
    Liebe Grüße!

    1. Christine sagt:

      Hallo meine Liebe,
      ich danke dir herzlich für deine Einschätzung!
      Ja, es ist wirklich spannend (aber auch gut so!), dass es auch andersherum funktioniert :-D Freut mich wirklich sehr für deine Bekannte!
      Das Schwerste ist das Akzeptieren, es ist ein Prozess. Und wenn wir das geschafft haben, vergeht vielleicht auch irgendwann das schlechte Gewissen. Stück für Stück.
      Alles Liebe dir!!
      Christine

  2. SilkeAusL sagt:

    Hi Christine,
    habt Ihr eigentlich schon einmal einen Kindergeburtstag gefeiert? DAS ist nämlich auch so ein Punkt, den ich mir in meinen tiefsten (Alb-)träumen nicht hätte vorstellen können. Zu Hause feiern? Unvorstellbar.
    Wir haben also in einem Indoor-Spielpark gefeiert. Ich kam mir so hilflos und überflüssig vor. 2 Kinder hatten abgesagt, dafür waren noch von dem einen eingeladenen Kind die Geschwister nebst Eltern und ein „fremdes“ Kind dabei. Ich blieb immer am Tisch und passte nicht auf die Sachen auf, während das Elternpaar hinter den Kindern her ist. Sehr trostlos.
    Ich habe meine Kindergeburtstage immer zu Hause mit Spielen(Topfschlagen etc.)erlebt und würde es auch meinen Kindern gerne bieten. Aber ich habe das Gefühl, ich habe einfach keine Kraft dazu, schon gar nicht alleine. Die Vorbereitung dazu ist dabei gar nicht so schlimm. Aber bei der Durchführung würde ich glaube ich kläglich versagen :( Ich kann nämlich zugegebenermaßen auch ganz schlecht mit fremden Kindern umgehen.

    Ich wünsche Dir trotzdem ein RUHIGES Weihnachtsfest mit hoffentlich wenigen Enttäuschungen(auf beiden Seiten, der der Eltern UND der Kinder…)

    LG Silke

    1. Christine sagt:

      Hallo liebe Silke,
      ha! Da sprichst du was an! Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal zuhause Kindergeburtstag gefeiert. Es geht mir da genau wie dir: Ich hatte den Ehrgeiz, es genauso toll zu organisieren wie meine Mutter bei uns damals. Mit Topfschlagen, Schokoladenessen usw. Ich habe es erstaunlicherweise nicht nur geschafft, sondern für meine Verhältnisse habe ich mich sogar selbst übertroffen (vor allem, weil ich die vorhandenen Mütter ausblenden und mich nur auf die Kinder und den Spaß konzentrieren konnte. Keine Ahnung wie ich das geschafft habe -.-).
      Dieses Jahr allerdings werden wir keine solche Party zuhause machen. Es ist mir einfach zu viel und zu stressig. Obwohl ich es den Kindern so gönnen würde und früher die Eltern, die nur zu McDonalds gingen, in eine Schublade gesteckt habe. Heute würde ich wohl aus selbiger zurückwinken.
      Ich werde aber mal ausführlich darüber bloggen, das Thema ging mir nämlich letztens schon durch den Kopf.

      Glückwunsch trotzdem, dass du den Indoor-Spielplatz organisiert und überlebt hast! Prost! ;-)

  3. Linde sagt:

    Oh ich lese da mich wieder. Und nein man kann es nicht vorher wissen. Ich wünsche mir zur Zeit nichts mehr als in einem Kloster in Tibet zu sein.
    Der Große ist Autist und hat somit seine Abläufe. Seine Regeln. Meinen Wahnsinn. Es nervt mich jeden Satz 30 mal hintereinander zu hören. Es nervt mich nirgends hinzugehen weil es ihm zu laut, zu voll, zu fremd ist. Sein gefuchtel. Und dann noch seine Schwester. Sie mit fast 2 Jahren gefühlt immer noch dauerstillt. Sobald ich mich hinsetze muss sie ran. Dann das hopsen aufm Sofa. Dann draufstellen auf die sofalehne. Zig Ermahnungen und nichts fruchtet.
    Mein Mann lacht immer wenn ich sage das er ja jetzt auf Arbeit geht und dort Ruhe hat. Und das ich jetzt lieber für ihn arbeiten gehen würde. Und er ist Bäcker in schichtsystem. XD

    1. Christine sagt:

      Liebe Linde,
      ich wusste nicht, ob ich nach deinem Kommentar lachen oder heulen sollte ;-) Wahrscheinlich von beidem ein bisschen…
      Ich wünsche dir so viel Kraft und frage mich, wo du die bisher eigentlich hergenommen hast?
      Meinen Respekt, du starke Frau!!
      Alles Liebe dir weiterhin,
      Christine

  4. Hauptstadtpflanze sagt:

    Mir fällt zu Deinem Text eine Freundin ein, die keine Kinder möchte. Sie macht sich diese Entscheidung nicht leicht und fragt sich, ob sie es eines Tages bereuen wird oder sogar was mit ihr nicht stimme, dass sie sich keine Kinder wünscht. Und Du kannst Dir vorstellen, dass sie von anderen jede Menge dummer Fragen beantworten muss. Daher ist „hättest Du es Dir nicht vorher überlegen können…“ eine saudoofe Frage. Weil man diesen Erwartungen als Frau oder Paar eben auch ausgesetzt ist und weil es kein einfacher Weg ist, keinen Kinderwunsch zu haben.
    Dir wünsche ich sehr, dass es leichter und heller wird. Und heute frohe Weihnachten! Svenja

    1. Christine sagt:

      Liebe Svenja,
      oh das ist wirklich so schlimm, dass man sich als Frau schon fragen muss, ob mit einem was nicht stimmt, weil man keine Kinder möchte und sich so dem Idealbild der Gesellschaft bewusst abwendet. Ich empfinde es sogar als ziemlich verantwortungsvoll, sich darüber Gedanken zu machen, wenn der Impuls, kinderlos zu bleiben, auftaucht. Schade, dass sie so viel Gegenwind aushalten muss…
      Danke für deine Gedanken und deine lieben Wünsche!
      Guten Rutsch ;-)
      Christine

  5. Lydia sagt:

    Danke. Danke. Danke für diesen Text. Ich lese ihn immer und immer wieder und werde ihn mir abspeichern. Ich bin eine dieser sensiblen Seelchen, fühle mich hiermit mit Dir verbunden und kann den Text zu 100% nachempfinden. Jeden einzelnen Satz. Danke. Ich bin froh, nicht allein zu sein damit. Ich liebe meine Kinder über alles und würde sie um nichts auf der Welt hergeben wollen. Aber trotzdem geht es mir ganz oft genauso wie Dir. Übrigens ist unsere Große (3,5 Jahre) ebenfalls hochsensibel. Toxische Mischung ;-)

    1. Christine sagt:

      Bitte bitte bitte gerne :)
      Danke für deine offenen Worte! Ich sende dir hochsensible Grüße zurück!
      Alles Liebe für dich weiterhin
      Christine

  6. Anna sagt:

    Ich danke dir für den ehrlichen Artikel! Es tut so gut zu lesen, dass man mit solchen Gedanken nicht alleine ist. Heutzutage strebt ja jeder nach Perfektion und das Mutterdasein ist schon schwierig genug und das permanent schlechte Gewissen vorprogrammiert. Aber als Hochsensible scheint alles noch schwieriger. Das Streben nach Harmonie steht meiner Meinung nach im kompletten Gegensatz zum Leben mit einem 2-jährigem Energiebündel und lässt mich manchmal schon morgens verzweifeln. Dann bin ich froh wenn sie in der Kita ist und habe gleich wieder ein schlechtes Gewissen deswegen.

    1. Christine sagt:

      Liebe Anna,
      auch dir danke ich für einen ehrlichen Einblick und die lieben Worte, die du mir dagelassen hast!
      Ich wünsche dir sehr, dass 2018 ein entspannteres Jahr für dich wird und du mit dem Älterwerden deines Energiebündels positive Veränderungen wahrnimmst :)
      Liebe Grüße
      Christine

  7. Martina sagt:

    Liebe Christine, danke für den Beitrag!! Du sprichst mir aus der Seele! Leider ist meine Situation sogar noch brenzliger: ich bin alleinerziehend, habe ein extrem hyperaktives Kind, arbeite Vollzeit und meine Familie wohnt weit weg. Meist krieche ich total am Zahnfleisch und bin sehr verzweifelt. Mitgefühl oder Verständnis gibts keins – nur mit allerlei Ratschlägen werde ich bombardiert. Oft bekam ich zu hören, ich müsse nur lernen, um Hilfe zu bitten. Aber Fehlanzeige: auch bei ausdrücklicher Bitte, haben die meisten abgelehnt zu helfen und waren unverbindlich. Und überhaupt habe ich ja „nur“ ein Kind. Das dürfte doch zu schaffen sein… :'( Ist es, aber ich bin sehr unglücklich und hätte es mir nie im Leben ganz so schwer vorgestellt. Liebe Grüße, Martina

    1. Christine sagt:

      Liebe Martina,

      das stelle ich mir in der Tat sehr kräftezehrend vor: Wenn du sowieso schon an allen Fronten alleine kämpfst und dann statt Hilfe blöde Sprüche erntest. Es ist sehr schade, dass unsere Gesellschaft immer noch zu wenig Mitgefühl aufbringt und Alleinerziehende immer noch nicht die Unterstützung bekommen, die sie verdient haben!
      Toll, dass du trotzdem nicht aufgibst und deinen Alltag schaffst!
      Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und sende dir ganz viel Kraft für’s neue Jahr!
      Liebe Grüße
      Christine

  8. Anonym sagt:

    http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/14/harald-martenstein-regretting-motherhood-mutter-kind-beziehung

    Vielleicht wäre es für einige Mütter, die der Autorin hier immer beipflichten und ausschließlich Mitleid mit ihr haben, sinnvoll, sich diesen Artikel durchzulesen. Wenn man so hochsensibel und empathisch ist, müsste man eigentlich auch das unausgesprochene Leid der Kinder nachvollziehen können. Und sich nicht ausschließlich mit der eigenen Selbstfürsorge beschäftigen…

    Manche Artikel auf dieser Seite sind schon für Außenstehende schrecklich zu lesen. Wenn ich mir aber vorstelle, dass die eigenen Kinder sie irgendwann lesen werden, wird mir schlecht… Aber vielleicht sind sie sie ja nicht so sensibel wie ihre Mutter und stecken das locker weg, statt davon einen Schaden zu tragen oder daran zu zerbrechen…

    Und selbst wenn sie noch zu klein sind, um im Internet zu surfen, kriegen sie diese Gefühle jetzt schon jeden Tag unbewusst mit. Und ich glaube nicht, dass es sie glücklich und zufrieden macht….

    1. mARi sagt:

      Ich weiß nicht, ob Sie – da Sie hier ganz anonym posten – an einer ehrlichen Auseinandersetzung interessiert sind. Ich versuche mal eine Differenzierung:
      Ich kenne das Interview, auf das Martenstein anspielt. Ich war auch entsetzt darüber, wie die Mutter ihr Bereuen so offen vor ihrer Tochter artikuliert hat. Gleichzeitig konnte ich zumindest teilweise verstehen, warum sie die Situation als Mutter nicht noch mal so hätte wählen wollen. Ich persönlich habe darin vor allem gesellschaftliche Benachteiligungen von Müttern gesehen. Es geht bei der Diskussion also teilweise um echte Probleme, die dringend – auch öffentlich – diskutiert werden müssen.
      Mein Eindruck von diesem Blog ist ein anderer: Ich sehe zwischen den Zeilen eine Mutter, die um Antworten auf die Frage ringt, wie ihre Mutterschaft mit ihrer Hochsensibilität zu vereinbaren ist. Die eben NICHT nur um ihrer selbst willen um ihre Fassung ringt, sondern besonders zu dem Zweck, anschließend wieder in liebevoller und zugewandter Art und Weise für ihre Kinder da zu sein.
      Was passiert, wenn die Kinder diesen Blog entdecken, ist trotzdem eine spannende Frage – allerdings für alle Elternblogs, und davon gibt es ja nicht wenige…

      1. Anonym sagt:

        Ja, ich wäre an einer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem Thema wirklich interessiert. Weiß nur nicht, ob das hier wirklich erwünscht ist.

        Das Thema ist ja auch schwierig, aber hier auf dem Blog gibt es in den Kommentaren ausschließlich Mitgefühl und Verständnis für die Mutter. Und an einen einzigen Kommentar kann ich mich erinnern, bei dem jemand gesagt hat, dass man auch an Kinder denken sollte und nicht nur an die eigenen Probleme… Sie bekommen das doch alles mit und glauben auch, dass sie daran Schuld sind, dass die Mama die meiste Zeit unglücklich ist.

        Aber wie gesagt, ich weiß nicht, ob hier jemand abweichende Meinungen lesen möchte

    2. Karin sagt:

      Kommentare wie dieser hier und der angegebene Artikel zeigen ziemlich deutlich, warum dieser Blog so wichtig ist.
      Als Frau hat man immer noch dem Mythos der sich selbst aufopfernden Mutter (die das alles selbstverständlich auch noch mit einem dankbaren Lächeln erträgt) zu entsprechen. Und wenn dem nicht so ist dann soll Frau doch wenigstens den Anstand haben sich für ihre Gefühle zu schämen und sie verheimlichen…
      In der Welt „da draußen“ stoßen Mütter mit solchen Gefühlen oft nur auf Unverständnis und Verachtung.
      Deshalb, liebe Christine, bitte lass dich nicht unterkriegen und schreib weiter so offen und ehrlich über die unangenehmen Aspekte des Mutterseins.
      Ich nehme jetzt mal einfach an, ich spreche auch für viele andere Leserinnen wenn ich sage: das ist sehr wertvoll!
      Außerdem denke ich auch, dass es nicht die sinnvollste Art und Weise ist, seinen Kindern vorzuleben der beste Umgang mit negativen Gefühlen besteht darin, diese zu verdrängen und zu ignorieren..
      Beste Grüße

      1. Anonym sagt:

        Jede Mutter (mich inklusive) kann bestimmt sehr viele Beispiele nennen, warum es manchmal anstrengend, stressig, nervtötend usw. ist. Aber ich weiß nicht, ob es viele sind, die die letzten 5 Jahre mit den Kindern als ständiges Schietwetter mit immerhin ein paar Sonnenstrahlen bezeichnet haben…. Und ich kenne auch keine, die das Wort „Fremdbestimmung“ in Bezug auf die eigenen leiblichen Kinder verwendet. Sie sind doch nicht fremd??

        Und ja, ich bin der Meinung, dass man als Eltern (und nicht nur als Mutter) sich bis zu einem bestimmten Grad und auch je nach Alter des Kindes aufopfern muss.

        Ist von der Natur halt so vorgesehen, anders funktioniert es halt nicht. Die Kinder werden sich später ja wiederum hoffentlich für die eigenen Kinder aufopfern. Bei der Mutter fängt ja alles schon mit der Schwangerschaft und Geburt an (ist doch auch anstrengend und schmerzhaft).
        Es heißt ja nicht, dass man als Mutter kein Recht auf Freizeit, Selbstwerwirklichung usw. hat. Aber kann man das ohne schlechtes Gewissen auf Kosten des Kindes mit allen Mitteln durchsetzen?

    3. Christine sagt:

      Als ich den eingefügten Link aufgerufen habe und als erstes die Karikatur über dem eigentlichen Text sah, schossen mir augenblicklich Tränen des Mitgefühls in die Augen. Dabei ist es lediglich eine Karikatur, eine Zeichnung dessen, worum es in diesem Artikel geht. Aber ich konnte sofort den Schmerz mitfühlen, den diese gemalte Frau empfindet. Schützend hält sie ihr Baby im Arm, mit großen Augen unendlicher Traurigkeit. Liebe zum Kind und Ablehnung der Mutterrolle vereinen sich zu einem großen Widerspruch, den diese Mutter kaum ertragen kann. Derweil das unschuldige Baby in ihren Armen, voller Hoffnung und Zuversicht auf dieses Leben, blickt es freudestrahlend auf zu seiner Mama, von der es sich erhofft, sie würde genauso empfinden.
      Beide haben mein tiefstes Mitgefühl, jeder auf seine Weise.

      Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

      1. Anonym sagt:

        Ich habe die Zeichnung gar nicht so genau angeschaut. Aber die einzige Person, für die ich Mitgefühl empfand, war die junge Frau, für die in diesem Augenblick die Welt unwiederbringlich zusammengebrochen ist.
        Ich finde auch, dass das Leid von einem unschuldigen Baby mehr wiegt, als das Bereuen der Mutter, ein Kind in die Welt gesetzt zu haben.
        Ist wahrscheinlich aber nicht so einfach von dem Egoismus und Selbstmitleid wegzukommen…

  9. Julia sagt:

    Hallo liebe Christine!

    Ich möchte mich eigentlich gar nicht unbedingt zur obenstehenden Debatte äußern, aber dieser Artikel gibt so vieles wieder, was ich auch fühle, dass ich meine Rückmeldung an dich gerne unter ihn als Kommentar schreibe.
    Danke für diesen Blog, in dem ich, wie sicher viele andere auch, schon länger immer wieder still mitlese. Es ersetzt für mich oft den direkten Austausch mit anderen Müttern, der auf dieser ehrlichen Basis kaum möglich und vielleicht sogar zu schmerzhaft wäre.
    Ich bewundere dich für den Schritt, deine Gedanken öffentlich zu machen, und auch wenn es mich nichts angeht- ich bin sicher du bist jemand, der, wenn es soweit ist, auch den direkten Austausch mit seinen Kindern darüber bewältigen könnte.
    Jede Mutter hat ihre eigene Geschichte, ich bin gerade erst dabei, mir über meine klar zu werden.
    Oft genug habe ich keine Ahnung, was eigentlich mein Problem ist.
    Immer wieder habe ich das Gefühl, es ist einfach eine Frage der Energie, wieviel Liebe/Zuwendung/etc man seinem Kind/seinen Kindern geben kann, und es fühlt sich einfach nicht gut an, ihnen- wieso auch immer- immer ein bisschen mehr als man hat zu geben.
    In deinem Fall, mit zwei Geburten so knapp hintereinander und dem Aufwand, den der Alltag bedeutet, könnte ich mir gut vorstellen, dass das vielleicht auch ein Grund ist, wieso es länger als du es dir gewünscht hättest dauert, dich deutlich und langanhaltend besser zu fühlen.
    Ich glaube fest daran, dass die Zeit irgendwann kommt- für dich wie für mich :).
    Und bis dahin- keine von uns, die das Muttersein (auch) als schmerzhaft empfindet, hat sich das so ausgesucht- aber es ist, finde ich, ein guter, ein mutiger Weg, den du gehst.
    Danke <3

    1. Christine sagt:

      Hallo liebe Julia,

      auch, wenn du schon länger still mitliest, möchte ich dich doch noch ganz herzlich willkommen heißen auf meinem Mama-Blog für hochsensible Mütter!
      Ich freue mich, dass du dich hier so wohlfühlst und mir so einen netten Kommentar und so warmherzige Worte dagelassen hat.

      Ich finde es ist ein sehr berechtigtes ungutes Gefühl, seinen Kindern nicht mehr zu geben, als man kann. Was ja nicht heißt, dass du ihnen nicht mehr geben könntest, aber eben unter der zwingenden Voraussetzung, dass du deine Reserven mit mehr Energie auffüllst. Und das ist ja bei uns hochsensiblen Müttern oft das große Dilemma, dass wir kaum Zeit und Raum für uns selbst finden, die Akkus wieder aufzuladen.
      Manchmal gibt es Tage, da strotze ich nur so vor Energie und dann denke ich: „Ach, so muss es sich für Nicht-Sensible anfühlen, die ihre Akkus viel schneller wieder aufladen können, bzw. bei denen äußere Reize und Stress die Batterie nicht (oder nicht so schnell) leeren können.“ Wie gerne würde ich dieses Gefühl und diese Energie für immer aufrecht erhalten, denn dann wäre ich deutlich belastbarer im Umgang mit den Kindern. Aber das ist eben die Aufgabe von uns hochsensiblen Müttern, immer wieder auf uns zu achten und uns Freiräume zu schaffen und uns vor allem kein schlechtes Gewissen einreden zu lassen, wir wären egoistisch und selbstsüchtig!

      Ganz lieben Dank nochmal für deinen Kommentar! Es ist schön zu wissen, dass es Menschen (Mütter) da Draußen gibt, die Verständnis für mich, aber auch für sich selbst, aufbringen ♥

  10. Sabrina sagt:

    Liebe Christine, liebe anonyme Kritikerin,

    eigentlich habe ich mich schon gewundert warum es so lange dauert bis sich die Empörung hier breit macht. In anderen Blogs und Foren wird man schon angegangen wenn man bekennt, dass man meistens froh ist abends Abstand zum Kind zu haben.

    Ich möchte gerne etwas zum Begriff „Fremdbestimmung“ loswerden. Dieses Wort beschreibt mein Leben seit ich ein Kind habe einfach am besten. Vorher wäre es mir im Traum nicht eingefallen den Begriff zu verwenden. Ich kannte ihn nicht einmal. Mein Kind ist mir nicht (mehr) „fremd“, es ist jetzt 17 Monate alt und gehört zu mir. Aber es „bestimmt“ mein Leben. Unbewusst natürlich. Es ist ein ganz normales Kind, das so viel Aufmerksamkeit wie möglich einfordert und das ist gut so. Aber: Für mich fühlt sich das oft schrecklich an. Wirklich grausam. So als ob einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Es bereitet mir körperliches und seelisches Unbehagen. Ich werde ständig gezwungen meine Aufmerksamkeit von mir selbst und meinem Leben auf das Kind zu lenken. Die Verantwortung lastet schwer, ebenso das ständige schlechte Gewissen.
    Liebe anonyme Kriterikerin: Glaubst du wirklich jemand der so fühlt wünscht sich nicht selbst inständig diese negativen Gefühle würden doch endlich verschwinden? Sich fremdbestimmt zu fühlen hat nichts mit „Jammern auf hohem Niveau“ zu tun. Es bringt einen an den Rand der Verzweiflung. Selbstwirksamkeit zu erfahren ist ja genau das, was ein Kind möchte – hochsensible Mütter hingegen kommen zu selten in den Genuss.
    Wenn ich nicht auf Christines Blog gestoßen wäre, hätte ich sicherlich noch weniger Kraft für mein Kind und würde mich zudem sehr allein fühlen. Denn im Alltag habe ich ständig das Gefühl als Mutter zu versagen, weil ich oft negativ denke und dann auch noch davon träume wie schön es früher war. Ich trage also einen Dauerkonflikt mit mir selbst aus.

    Ich bin unendlich dankbar, dass es Christine und ihren Blog gibt. Seitdem ich hier lese habe ich das Gefühl mit meinen Problemen mit der Mutterrolle etwas konstruktiver umgehen zu können. Das wäre sicher nicht so, wenn Christine unreflektiert, egoistisch oder herzlos schreiben würde. Im Gegenteil, aus ihren Worten liest man doch die Liebe zu ihren Kindern heraus. Ich bin ganz sicher, dass ihre Kinder sie verstehen werden, wenn Erklärungen notwendig werden sollten. Es ist einfach nicht gerecht jemanden zu verurteilen der Schwierigkeiten mit einer Rolle hat, in die man selbst so wenig einbringen kann.

    Ich hoffe es ist verständlich, was ich sagen wollte.

    Sabrina

    1. Anonym sagt:

      Ich finde, es ist schrecklich und grausam, wenn man solche Gefühle den eigenen Kindern gegenüber empfindet. Über den eigenen Nachwuchs zu schreiben, dass sie einem die Luft zum Atmen wegnehmen, dass einem übel wird, wenn man sie allein betreuen sollte oder man nur widerwillig mit ihnen spielt oder Aufmerksamkeit schenkt. Das ist doch einfach grausam…
      Merken die ganzen hochsensiblen Mütter, die hier mitlesen, das nicht???? Vielleicht sind alle hier einfach zu sehr mit der eigenen Persönlichkeit und den eigenen Bedürfnissen beschäftigt? Was ist mit den Bedürfnissen der Kinder? Sind sie nicht wichtig genug, um sich mit etwas weniger Ich-Zeit und Selbstbestimmung zufrieden zu geben? Vielleicht würde es helfen, die Prioritäten zumindest für die nächsten paar Jahre etwas zu verschieben? Und eine Zeit lang sich und seine Wünsche etwas zurücknehmen?

      Es geht doch so gut wie allen Eltern so, warum redet aber kaum jemand von Fremdbestimmung oder bereut gar seine Elternschaft? Vielleicht weil es von Natur so vorgesehen ist, dass man sich zurücknimmt, bis der Nachwuchs aus dem gröbsten raus ist? Genau so wie Kinderwunsch: den hat man normalerweise, weil es einfach von der Natur vorgesehen ist, dass man seine Gene weitergeben möchte. Und genauso ist es doch von der Natur vorgesehen, dass man sich nach der Geburt um den Nachwuchs kümmern möchtr. Auch wenn es mit Nachteilen für sich selbst verbunden ist.

      Vielleicht ist dieses ganze Bereuen der Mutterschaft die Folge der postnatalen Depressionen? Aber dann kann man es doch behandeln und nicht jahrelang nur rumheulen, wie anstrengend das ist? Alleine seinen Kindern zu Liebe…

      Und ich glaube nicht, dass man in so einem Fall seine Kinder wirklich liebt, auch wenn das immer gesagt wird. Wenn ich jemanden liebe, könnte ich nicht zu demjenigen sagen: „ich habe dich zwar lieb, aber ich hätte auch kein Problem damit, wenn du nie geboren wärest“.
      Vielleicht könnte die Blogautorin sich selbst diese Fragen stellen und sie auch ehrlich beantworten… Zeit genug hätte sie ja jetzt dazu, wo die beiden Söhne endlich Vollzeit fremdbetreut werden…

      Wie kann man nur wissen (und mehrfach darüber schreiben), dass die Kinder am liebsten die Zeit mit der Mutter verbringen würden, aber sie trotzdem fremden Menschen überlassen, weil es zu stressig ist????

      1. Sabrina sagt:

        Liebe anonyme Kritikerin,
        ich möchte gar nicht auf alle deine Vorwürfe im Einzelnen eingehen, frage mich allerdings schon woher du das Recht nimmst zu behaupten hochsensible Mütter würden nur „rumheulen“ und wären „grausam“.
        Wenn es dir so widerstrebt hier Dinge zu lesen die nicht in dein Weltbild passen und die dich zu derartigen emotionalen Ausbrüchen bewegen, dann ist es vielleicht besser du suchst dir einen anderen Blog. An einem Austausch, darüber sind wir uns wohl einig, bist du doch eindeutig nicht interessiert, oder?
        Ich bin tief erschüttert mit welcher Abfälligkeit du über Christine und ihre Gedanken, Gefühle und Entscheidungen sprichst und hoffe für dich, dass du dir niemals von anderen solche Worte anhören musst. Dir geht es vermutlich gerade nicht gut – aber bitte lasse deinen Frust nicht an anderen aus, indem du ihnen ein schlechtes Gewissen einredest und dich moralisch über sie stellst. Nutze deine Energie lieber für deine Kinder – das hat die Natur schließlich so vorgesehen.

        Ich könnte jetzt noch mehr schreiben, möchte mich aber nicht auf dieses Niveau einlassen und schon gar nicht verantworten, dass derartige Dinge Christines eigentliche Artikel überlagern. Das wäre schlimm.

        Liebe Grüße,
        Sabrina

      2. mARi sagt:

        Ist es vielleicht möglich, dass Sie sich bisher noch nie mit dem Thema Hochsensitivität beschäftigt haben? Das lese ich nämlich aus ihren Kommentaren heraus. Das wäre allerdings Grundlage für die Diskussion. Was nämlich alle (hochsensitiven) Leser hier voraussetzen und von sich selbst kennen, ist ein großer Anspruch, besonders in Beziehungen mit anderen Menschen. Man muss also davon ausgehen, dass die Mütter selbst unter den negativen Gefühlen ihren Kindern gegenüber am meisten leiden und sich verzweifelt wünschen, es wäre anders. Zudem beschreiben die meisten, dass diese Gefühle in Zeiten der Überforderung auftreten (bei einigen Müttern sind diese Zeiten nur leider der Normalzustand).
        Ich finde es Ihrerseits grausam, die Mütter für eine Empfindung grausam zu nennen, von der sie selbst wünschten, sie hätten sie nicht.
        Dass die Kinder unter ihrer Stimmung leiden könnten, ist ihnen nur zu bewusst und macht es für sie nur noch schlimmer. Ich wiederhole: Mein Eindruck von diesem Blog ist, dass eine Mutter aus Liebe zu ihren Kindern (denn Liebe ist ja mehr als das momentane Gefühl) versucht, ihr Gefühlschaos in den Griff zu bekommen. Das finde ich nicht grausam oder egoistisch.

  11. Anonym sagt:

    Das macht irgendwie keinen Sinn, hier darüber zu diskutieren. Aber vielleicht stellt sich Christine diese Fragen mal selbst und überlegt sich, was ihre Antworten für die Zukunft ihrer Kinder bedeuten. Mein Eindruck war bis jetzt, dass sie sich in erster Linie um sich selbst Sorgen macht.
    Ich finde es schon sehr komisch, dass es niemandem auffällt, wie schlimm manche Aussagen sind… Würde denn jemand von den Lesern gerne von der eigenen Mutter auch nur einen einzigen der folgenden Sätze gerne hören und danach auch noch Mitgefühl für die Mutter haben?
    -Mir wird übel, wenn ich nur daran denke, die nächsten 2 Tage mit dir verbringen zu müssen.
    -Mir würde es reichen, wenn ich dich 2 Stunden pro Woche sehen würde.
    -Ich fühle mich fremdbestimmt, weil du im Garten spielen willst, statt zum Strand zu fahren.
    -Ich gebe dich vormittags zu der Tagesmutter und nachmittags in den Kindergarten, weil ich den ganzen Tag zur Entspannung brauche.
    -Ich nehme dich raus aus dem Kindergarten, weil es dir dort schlecht geht, bin aber nach 5 Tagen schon zu Tode gestresst.
    -Als ich erfahren habe, dass du ein Junge wirst, bin ich zusammengebrochen und habe mich betrunken.

    Wie unsensibel muss man sein, um so etwas dem eigenen Kind an den Kopf zu werfen?

    Und öffentlich darüber schreiben, dass man seinem Kind den plötzlichen Kindstod wünscht oder ihn Hurensohn nennt oder monatelang gehasst hat? Ist das normal? Er könnte es doch später lesen, oder wäre das ok für die Mutter? Wahrscheinlich würde sie auch von ihm Verständnis für ihr Leid erwarten, statt an sein Leid zu denken…

    Aber es macht eh keinen Sinn. ….

    1. mARi sagt:

      Nun ja, eine Diskussion macht tatsächlich so keinen Sinn. Denn ich habe mir Mühe gegeben, auf Ihre Argumente einzugehen, Sie gehen aber nicht auf meine ein, sondern wiederholen nur immer wieder dasselbe. Ja, es ist sehr nachvollziehbar, warum Sie das alles so schrecklich finden. Aber Sie haben noch keinen Vorschlag gemacht, was eine Mutter denn machen soll, wenn sie diese Gefühle und Gedanken nun mal HAT. Und Sie haben nicht auf meine Frage geantwortet, ob Sie sich schon mal mit dem Thema Hochsensibilität beschäftigt haben…

  12. An sagt:

    Hallo Christine!
    Ich bin zufällig auf diesen Blog gestossen. Und besonders dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen. Es rührt mich an, dass jemand genau so empfindet.
    Ich habe einen Sohn, extro hochsensibel und oft sehr laut (dazu hattest Du ja noch einen anderen Artikel zum Thena Geräusche geschrieben). Manchmal finde ich es sehr schade, dass es nicht einfach wunderbar ist, ein Kind zu haben, sondern soviel Anstrengung bedeutet….
    Aber ich versuche, die schönen Momente zu genießen und mir selber genug Ruhepausen einzurichten. Danke für den schönen Text.
    Liebe Grüße
    An

    1. Christine sagt:

      Hallo liebe An,

      vielen Dank für dein nettes Feedback! Fühl dich willkommen auf meinem Blog, schön, dass du hergefunden hast.
      Ja, die Kombination hochsensibel + laut empfinde ich auch als große Belastung, weil ich selbst ein Mensch bin, der eher Ruhe und Harmonie anstrebt. Deswegen fällt es mir auch schwer zu verstehen, dass mein (höchstwahrscheinlich auch hochsensibler) Sohn oft so laut, wild und explosiv ist.
      Schön, dass du die schönen Momente versuchst, in den Fokus zu stellen und zu genießen und gut auf dich achtest. Das ist sehr viel Wert!

      Herzliche Grüße zurück
      Christine

  13. Chrissi & die Zwillinge sagt:

    Hui…also ich ich hab mir jetzt mal die gesamten Kommentare hier durchgelesen und muss schon sagen, dass dabei sehr viel Energie freigesetzt wurde. Ich kann ja mal mein persönliches Verständnis ggü. meiner Hochsensibilität kurz für Anonym erklären, um wohlwollend und nicht anfeindend etwas Licht ins Dunkel zu bringen:

    Meine Schwangerschaft war absolut gewollt und gewünscht von meinem Mann und mir. Die Vorstellung UNSER Kind im Arm zu halten, war wundervoll und erfüllte mich schon gleich mit Stolz und Glücksgefühl.

    Ich habe zu diesem Zeitpunkt Vollzeit gearbeitet, hatte ein Pferd, zwei Hunde, eine große Familie sowie einen noch viel größeren Freundes- und Bekanntenkreis und nahm jedes Jahr noch mindestens 1 Pflegehund aus schlechten Verhältnissen bei mir auf, um ihn fit für seine eigene Familie zu machen. Mit Leichtigkeit ging mir mein Leben bisher von der Hand. Ich bekam immer alles unter einen Hut, war zufrieden mit mir und meiner perfektionistischen Organisation und so war für mich unter diesen Umständen auch klar, dass ein Baby daran gar nichts ändern könnte.

    Eines Besseren wurde ich dann das erste Mal in meiner 10. SSW belehrt, als aus meinem einen Baby, das absolut gewollt war, zwei Babys, die nicht erwartet, wurden. Ich reagierte darauf mit kurzzeitigem Atemstillstand und gleich darauffolgend einem Tränenmeer. Meine Ärztin begegnete mir mit einem Taschentuch und den Worten: „Weinen Sie ruhig. Die meisten Frauen, die Zwillinge erwarten und noch keine in der Familie haben, weinen erstmal, weil sich alles in diesem Moment neuwürfelt.“ Und so weinte ich also nochmal mehr als sowieso schon. Warum? Das kann ich HEUTE sagen, denn ich wurde davon überrumpelt und da hochsensible Menschen noch mehr zum Perfektionismus neigen als viele andere Menschen sowieso schon, war das für mich auch kein Grund zur Freude, da ich zum ersten Mal nicht wusste, wie ich etwas schaffen soll, und zu meinem größten Leidwesen nichts optimieren oder beeinflussen konnte.

    Begleitet war dann meine Schwangerschaft auch noch von unbeschreiblicher Übelkeit mit mehrmaligem Übergeben am Tag und einer völlig überreizten Wahrnehmung von Gerüchen jeglicher Art. Ich konnte nicht mal das Shampoo auf meinen eigenen Haaren ertragen und mein Mann musste sein Deo und sein Parfum weglassen, da ich mich unmittelbar nur Sekunden später davon übergab. So habe ich mich das erste Mal für mich „ausser Kontrolle“ wahrgenommen und konnte nichts daran auch nur ansatzweise verändern oder beeinflussen – aber ab da an auf MICH achten, das konnte ich! So habe ich für Frischluft gesorgt, meinen Kollegen im Großraumbüro ehrlich gebeten sein Parfum wegzulassen, die Duftholzstäbchen meiner Eltern bei meinem Besuch auf den Balkon gestellt und und und. Ich war dazu gezwungen, weil ich ohne diese Maßnahmen sonst hochsensibel mit verschiedensten Auswirkungen reagierte und das zu meinem furchtbaren Nachteil.

    Das kann sich ein nicht hochsensibler Mensch gar nicht vorstellen und das verlangt wohl auch kein Hochsensibler von ihm. Aber dennoch ist es ja vorhanden in vollem Umfang so zu fühlen und zu erleben und so lernt man sich das erste Mal kontrolllos und übermächtigt von „anderen Umständen“ kennen.

    Meine Ärztin teilte mir damals mit, dass ich mich bitte auch damit beschäftigen soll, das es Zwillingsschwangerschaften auch manchmal nicht bis zum Ende schaffen und die Mehrlingsschwangerschaften immer Risikoschwangerschaften sind. Mein erster Gedanke dazu war damals nicht, dass das auf gar keinen Fall passieren dürfte, sondern das es für mich in Ordnung wäre, wenn sich nicht beide Fruchthöhlen (ich sage absichtlich nicht Babys!) halten würden. Was ging nach diesem ersten Gedanken in mir vor? Ich fragte mich, wieso ich so denken würde.. wieso es mir nicht in den Sinn kam auch deswegen gleich in Tränen auszubrechen, nur weil die Möglichkeit bestünde… Ich glaube es lag an dem sehr pragmatischen Umgang meiner Ärztin mit mir als Schwangere. Als ich schwanger werden wollte, sprach ich von einem Baby. Ich wollte ein BABY haben und keine Fruchthöhle! Ich wollte Mutter werden und keine Schwangere sein! Der begleitende Prozess mit allen nun notwendigen Extrauntersuchungen tat sein Übrigens zu meinem sowieso schon eigens empfundenen Gefühl dazu. So war es für mich in Ordnung eine Fruchthöhle zu verlieren, wir sprachen ja schließlich nicht von einem Baby. Wie man an meinem Namen sehen kann, haben es beide meiner BABYS bzw. KINDER schlussendlich geschafft und heute, nach fast 8 Jahren, bin ich froh darüber, aber nach der Geburt gab es für mich viele Jahre, die ich mich nach meinem Leben ohne Kinder zurückgesehnt habe. Warum? Weil mein Sohn ab seiner 2. Lebenswoche ein Schreibaby war. Es war damit keine schreiende Fruchthöhle sondern ein Baby, das da plötzlich mehr von mir wollte, als ich ihm geben konnte von MEINER NATUR aus. Ab da an fing meine postnatale Depression schleichend an. Ich kümmerte mich ständig um ihn, weil er schrie, und musste meine Tochter dafür liegen lassen im Bettchen, weil sie schließlich einfach besser mit ihrem Start in die Welt klar kam als er. Und so zog sich das durch wie ein roter Faden in den kommenden Jahren. Weinen, Jammern, Hassgefühle (mir selbst am Allermeisten gegenüber!) waren die schwere Folge. Hinzu kam der Schichtdienst meines Mannes, auch am Wochenende, und das mein Leben nicht mehr einen Funken so war wie zuvor. Stattdessen kam ich nicht mehr dazu zu reiten, musste meine Hunde in den ersten 3 Monaten nach der Geburt zu meinen Eltern geben, weil ich es einfach nicht schaffte sie auch noch zu versorgen, konnte meine Freunde nur noch sporadisch treffen, weil ich auf jeder Veranstaltung bereits um 18 Uhr in den Seilen hing und kein gewohnter Beitrag mehr war. Mein einer Hund verstarb dann auch noch nach einem dreiviertel Jahr mit den Kindern und das an einem großen Tumor in der Milz. Ich machte mir hier schwere Vorwürfe, meinen geliebten Hund nicht besser beobachtet und schneller reagiert zu haben, was mir ohne Kinder in der Tat so nicht unterlaufen wäre. Mein Pferd konnte ich nur noch sehen, wenn mein Mann mitkam und auch dann saßen meine Kinder schreiend im Kinderwagen und ich lief nur unter Stress in meinem ehemaligen Hobby. Mein Pferd war zum Glück schon älter und damit genügsamer und gut durch tolle Menschen in einem artgerechten Stall betreut und trotzdem tat es weh, das Hobby auf diese Art und Weise aufgeben zu müssen. Als meine Kinder 4 Jahre alt waren, musste mein Pferd nach 13 gemeinsamen Jahren nach einer Kolik eingeschläfert werden. Das passierte völlig überraschend nachts und statt Zeit für Trauer zu haben, kam mein Sohn am nächsten Morgen mit Fieber aus dem Bett und es ging wieder wie gewohnt um die Kinder statt um meinen schmerzlich-vermissten alten Teil meines Lebens. Es machte die Beziehung zu meinen Kindern nicht leichter. Manche empfinden ihre Kinder in solchen Situationen als Trost, ich hingegen empfand sie als Last und Aufgabe in einem Moment, dem ich gern in Einsamkeit für mindestens eine Woche entflohen wäre.

    Insgesamt fühlten sich die ersten Jahre mit meinen Kindern oft, nicht täglich und nicht immer, traurig, enttäuschend, entbehrend, nicht zufriedenstellend und immer mit einem Blick auf vergangene Jahre und der Erinnerung an den Kinderwunsch, der mich erst in dieses Leben führte, an.

    Mit meinem Sohn bin ich zum Osteopathen gefahren, ich habe ihm stundenlang sein schmerzendes Bäuchlein massiert mit Kümmelöl, als er ein Baby war, ein Traubenkernkissen angewärmt und ihn damit gepuckt und so ins Bettchen gelegt, wenn ich ihn nicht in der Manduca die ganz Zeit bei mir tragen konnte. Ich habe ALLES genauso perfektionistisch für ihn getan, damit es IHM gut oder wenigstens besser ging, wie zuvor in meinem kinderlosen Leben für mich selbst und meine Umgebung. Ich war und bin trotz meiner Hochsensibilität Mutter bis ins Knochenmark geworden über einen steinigen und harten Weg, aber ich habe mir auf diesem Weg nicht nur einmal gewünscht, dass ich mich anders entschieden hätte. Hochsensiblen Menschen fehlt es weder an Empathie noch Einfühlungsvermögen oder der Bereitschaft sich für ihre Kinder aufzuopfern. Es fällt ihnen aber schlichtweg nicht einfach so leicht, oder macht ihnen gar Spaß sich so den kindlichen Bedürfnissen zu verschreiben sondern beeinflusst die eigenen Gefühle und Empfindungen ungemein und auch immer mit dem Gedanken daran, warum sich das so anfühlt, weil es anderen Müttern ja auch anders gelingt…

    Ich kann Christine also sehr gut verstehen, weil sie eben hier in ihrem Blog offen und ehrlich damit umgeht, wie es sich für sie anfühlt. Es geht hier aber auch, und das ist bitte nicht zu vernachlässigen, um sie, als Hochsensible, und um ihren Umgang und ihr Leben damit. Es ist kein Mama-Kind-Blog oder ein Erziehungsblog – in welchen mir z. B. viel abartiger ANONYM schlimme Kommentare um die Ohren geschleudert werden gegenseitig, nur weil man das von sich zu Hause aus vor dem PC so machen kann. Wie oft wird dort ein wahres Mutter-Gesicht über so heftige und fiese Worte gezeigt, nur weil der Weihnachtsmann dem einen Kind einen Besuch bei einem Demeter-Hof mit Hafer-Drink-Verkostung und Dinkel-Keksen schenkt und dem anderen aber eine pädagogisch-umstrittene PlayStation !? Mütter, die mit soetwas ihre Freizeit vor dem PC verbringen, sind mir unausgenommen unsympathisch, weil sie mit ihrer biestigen Natur so auch oft genug ihren Kindern begegnen und aus meiner Sicht eine schrecklichere Mutterrolle damit abliefern als die hochsensiblen Mütter, die auf ihr eigenes Wohl sehr achten, um für ihre Kinder dadurch sehr liebevoll da sein zu können.

    Überforderung offen auch vor den Kindern zugeben, ein eher zurückgezogeneres und manchmal auch passives Leben führen und die Kinder in einen Kindergarten zu anderen Kindern bringen statt zu Hause zu betreuen, halte ich keinesfalls für seelische Tragödien in dem Ausmaß, wie es durch nicht hochsensible Mütter zu Hauf stattfindet bei dem Versuch besser als alle anderen Mütter zu sein…

    Wenn es darum geht, welch seelisches Unheil unsere Kinder durch uns Hochsensible wiederfährt, dann muss ich dennoch sagen, dass ich das lobend finde, denn es ist auch richtig seine Umgebung immer mal wieder auch an andere Perspektiven zu erinnern!

    Ich halte Christine mit ihrem Blog aber immer wieder lesbar für eine liebevolle und aufopfernde Mutter, die sich ihre Zeit mit ihren Kindern -sicherlich luxuriös ggü. anderen Müttern- so einteilen kann, dass sie trotz ihrer hochsensiblen Gefühle, in dieser gemeinsamen Zeit aber eine gute und liebende Mutter ist und abends von der erlebten Zeit aber eine andere Pause benötigt, als nicht hochsensible Menschen!

    Halten wir fest, dass wir uns das Leben so nicht ausgesucht haben und unter diesen Umständen oft „nur“ das Beste aus jedem Tag machen statt ihn aktiv in jedem Zug zu genießen. Hochsensible sind eher kritisch unterwegs, am meisten vor allem mit sich selbst: warum sie so denken, fühlen und erleben – die hier mitgeteilten Gefühle sind nicht aus einer Launenhaftigkeit heraus mitgeteilt sondern weil sie ein fester Bestandteil des Wesens sind.

    Auch wenn Kinder den elterlichen Blog später mal lesen, so finde ich, dass hier alle Mal authentischer, wenn auch sicherlich auf den ersten Blick hin und wieder ungewöhnlich und sogar unsensibel-anmutend ggü. der Kinder, geschrieben wird. Kindern vorzutäuschen, alles mit ihnen wäre immer nur toll und wunderbar, obwohl es so sicher für keine Mutter und keinen Vater ständig ist, ist genau betrachtet ebenfalls seelische Folter! Ihnen wird suggeriert, sie seien das Maß der Dinge und nichts stünde über ihnen und wer soll das in ihrer Leben so fortführen? Der Maßstab ist ja auch nicht zu sein, wie andere einen haben wollen, sondern so zu sein, dass man mit sich selbst und seiner Familie bestmöglich im Einklang leben kann ohne sich z. B. sogar auch zu trennen, weil sich keiner in der Beziehung offen mitteilt, und damit den Kindern erst recht großen Schaden zufügt.

    Wenn wir unseren Kindern vorleben auf uns zu achten und für uns einzustehen, dann ist das nichts falsches. Natürlich hat alles seine Grenzen und es darf nicht ausarten, aber da sehe ich hier, wie von ANONYM angeprangert, ausgerechnet keine Gefahr für, weil hier eine Mutter während ihrer Freizeit ihre innersten Gedanken mit uns allen teilt, um ihre sensitive Seele zu entlasten und nicht um öffentlich über ihre Kinder zu hetzen.

    Meine Kinder sind für mich ebenfalls Sonnenschein & Regen zugleich. Aber das sehe ich inzwischen nicht mehr als schlecht an. Im Gegenteil – ist heute ein Regentag, nutze ich mein offenes Wesen und spreche mit meinen Kindern Arm in Arm auf der Couch über meine Gefühle und meine Kinder über ihre. Wir sind durch meine und ihre Hochsensibilität mit ihrem zunehmendem Alter einander auf bereichernde Art und Weise sehr nahe und trotzdem fehlt es ihnen weder an Spaß, Spiel, Freude, Zuneigung, Liebe, oder meinem Verantwortungsgefühl für ihre Seelenheil – ich lebe es einfach nur anders mit ihnen aus – mal passiv, mal aktiv und im Gegenteil sogar inzwischen sehr großzügig in ihren Freiheiten und Meinungen, weil ich mich mehr als viele andere Mütter ganz sensibel mit ihnen austausche und ihnen dadurch einen stabilen Rahmen gebe – Jahr für Jahr etwas mehr und trotzdem mit viel Gefühl und Achtung mir selbst und meinen Bedürfnissen gegenüber :-) Herzliche Grüße, Chrissi

    1. mARi sagt:

      Wow, liebe Chrissi, vielen Dank für diese ausführliche Beschreibung. Du hast sehr schön erklärt, was ich weiter oben versuchte zu sagen… Vielleicht ist das für ANONYM ein Ansatz, die spezielle Herausforderung hochsensibler Mütter zu verstehen?!
      (Und mitgelitten habe ich auch beim Lesen… Wie schön, dass du heute diese Nähe zu deinen Kindern hast! Ich bin sicher: Das hat auch mit all dem zu tun, was du über die Jahre in deine Kinder investiert hast!)

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