Gesellschaft

Der Traum

Ich stand an der Bahnsteigkante und winkte meinem Ältesten zu. Maxi hatte bereits die letzten Stufen des Intercitys erklommen und lächelte in meine Richtung. „Tschüss Mama, bis in einer Woche!“ „Ja bis dann! Viel Spaß bei der Omi!“ rief ich ihm hinterher, während der Schaffner weiter hinten am Gleis bereits zur Abfahrt pfiff und der Zug sich langsam in Bewegung setzte. Eine Woche, dachte ich bei mir und realisierte zeitgleich, was das für mich bedeutete. Eine Woche kinderlos, sieben Tage keine Verantwortung rund um die Uhr für jemand anderen tragen müssen. Das Gefühl der Erleichterung, der Geschmack von Freiheit setzte unmittelbar ein und ich entspannte augenblicklich. Beinahe im selben Moment, vielleicht nur eine Zehntelsekunde später, durchfuhr mich ein Ruck und zwang mich, meine Augen zu öffnen. Ich stand nicht auf dem Bahnsteig, ich lag in meinem Bett, nebenan im Zimmer Maxi, der gleich bespaßt werden wollte. Ich hatte alles nur geträumt und sofort krampfte mein Herz zusammen.

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Ein Ganztagsplatz für Mini und Mama

Sicher, wir hätten auch Nein sagen können. Als die Kindergartenleitung von Mini’s KiTa uns am Montag völlig überraschend ab Januar einen Ganztagsplatz anbot, mischten sich zu meiner ersten Euphorie auch Zweifel, ob das denn wirklich die beste Lösung sei. Immerhin ging es hier in erster Linie um meinen Sohn und nicht darum, welche Entscheidung mir besser tat. Oder etwa doch?

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Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte

Er kann mir durch den Kopf gehen, wenn ich meinem Sohn zum x-ten Male dabei zusehen und Beifall klatschen soll, wie er die Stange des hohen Klettergerüsts hinunterrutscht. Ich spreche ihn laut aus, wenn ich abends einfach nur meine Ruhe haben möchte und keine lautstarken Streitereien unter den Geschwisterkindern mehr ertrage. Es ist dieser eine Satz, von dem ich als Kinderlose niemals gedacht hatte, dass er so oft in meinem Mutterkopf präsent sein würde und mehr als jeder andere mein strapaziertes Stresslevel zum Ausdruck bringt: „Das Mamasein hatte ich mir vorher ganz anders vorgestellt.“

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Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmen

Der Regen nieselte unablässig auf mich herab. Kein Mensch war zu sehen hier hinterm Deich. Die Bewohner der Campinganlage schienen noch zu schlafen um kurz nach Neun an diesem Samstagmorgen oder sie blieben bei dem Wetter lieber in ihren Zelten und fahrbaren Kleinstbehausungen. Ich war alleine unterwegs, während Mann und Kinder den Vormittag zuhause verbrachten. Nicht, weil es dort etwas Besonderes zu tun gab. Der Grund, warum ich etwas ohne den Rest meiner Familie unternahm, war schlicht und einfach jener, dass ich Zeit für mich alleine benötigte. Ich fühlte mich wie eine Rabenmutter.

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Fernsehen, Fast Food und fieses Spielzeug: Unpädagogische Tage

Ich gebe zu, ich mag es, wenn es bei uns zuhause pädagogisch wertvoll zugeht. Man will die Kleinen ja vorbildhaft aufwachsen sehen und ihnen die bestmögliche Erziehung bieten. Naturbelassenes Holzspielzeug statt ferngesteuertem Schrott aus China, ausgewogene Ernährung vom Bioladen anstelle von Fast Food mit Majo und Ketchup sowie einen strukturierten Tagesablauf, der einen gesunden Mix aus Bewegung an der frischen Luft, Ruhepausen zuhause (ohne Fernsehen natürlich!) und gemeinsamen Familienaktivitäten bietet. Zumindest ist das der Maßstab, mit dem ich früher gerechnet habe, als ich noch naiv und kinderlos war. Jetzt bin ich höchstens noch eins von beiden.

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Autismus?

Mein lieber Maxi,

zwei Wochen ist es nun her, seit wir die Praxis des Kinderpsychologen mit einer Diagnose für dich verlassen haben: Autismus. Genauer gesagt „Atypischer Autismus“. Es war ein surrealer Moment, obwohl uns der Arzt schon Wochen vorher mit dieser möglichen „seelischen Behinderung“, wie er es nannte, konfrontiert hatte. Wir hatten also Zeit genug gehabt, uns auf einen eventuellen Autismus einzustellen und uns schon einmal einzulesen in die Thematik. Und doch war es wie ein kleiner Schockzustand, in dem ich anschließend schwebte. Und, wie gesagt, surreal. Eben noch die Diagnose erhalten, standen wir beide dreißig Minuten später bei REWE an der Kasse und bezahlten unser Mittagessen. Das Leben musste eben weitergehen, keine Zeit zum Luftholen. Es erinnerte mich an den Zustand nach deiner Geburt.

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Warum es hochsensiblen Müttern oft so schwer fällt, das Muttersein zu genießen

Am Freitag war absoluter Notstand in unserem Kindergarten. Der umhergehende Magen-Darm-Virus hatte nun auch viele Erzieherinnen erwischt und so wurden alle Eltern morgens direkt an der Tür gefragt, ob es möglich wäre, dass sie ihre Kinder wieder mit nach Hause nehmen könnten. Eine Mutter drehte wie selbstverständlich mit ihrer Tochter um, ein Lächeln auf den Lippen und meinte im Vorbeigehen: „Wie gut, dass ich heute meinen freien Tag habe!“ Das kuriose war: Sie meinte das keineswegs ironisch, sondern tatsächlich ernst!

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Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?

Eine Frau liegt auf der Liege beim Frauenarzt. Ihr Herz klopft, während ihr Blick erwartungsvoll zum Bildschirm des Ultraschallgeräts wandert. Hoffentlich wird es diesmal ein Mädchen! Der Doktor fährt mit seinem Sensor noch eine Runde über ihren Bauch, dann erkennt die Schwangere Gewissheit in seinem Blick. „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem zweiten Jungen!“ verkündet er. Ab jetzt strahlen alle im Raum. Der Mann am Fußende der Liege, der Arzt, der euphorisch mit seinem Zeigefinger „eindeutige Beweise“ am Bildschirm nachzeichnet, die Sprechstundenhilfe, die Notizen in den Computer tippt. Die Schwangere lächelt auch. Allerdings nur bis zum Auto. Dort, hinter verschlossenen Türen, wo sie keinen fremden Blicken mehr ausgesetzt ist, bricht sie in Tränen aus.

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Wieviel Muttergefühl braucht unsere Gesellschaft?

Villa Schaukelpferd-Klassiker


Es war dieser Tweet einer empörten Impfbefürworterin zu meinem Nicht-Impfen-Beitrag, der mich anrührte und nicht mehr losließ: „Aber was ist schon saubere Wissenschaft gegen „Mamis Gefühle“? Ja, was eigentlich? Was bedeutet es, der Wissenschaft mehr zu vertrauen als dem eigenen Gefühl? Irgendwie scheint mir das in unserer westlichen Gesellschaft zur Grundhaltung geworden zu sein. Weiß Gott, nicht nur beim Thema Impfen. Aber ist das wirklich so erstrebenswert? Sind Muttergefühle wirklich aus der Steinzeit und nicht mehr wichtig für unsere Entscheidungen, für unsere ganze Gesellschaft?

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Bin ich eine Rabenmutter, weil ich Urlaub von meinen Kindern brauche?

Villa Schaukelpferd-Klassiker


Es gibt Dinge im Leben, wenn man die ausspricht, dann erntet man spitze Aufschreie. Manchmal vor Entzückung („Ich bin schwanger!“), manchmal aus einer Unverhofftheit heraus („Mir wurde heute gekündigt.“). In meinem letzten Blogbeitrag habe ich festgestellt, dass ich urlaubsreif bin. Und zwar wegen meiner Kinder. Um es noch einmal anders zu formulieren: Ich habe meine Kinder satt und brauche Urlaub. Wenn du möchtest, darfst du jetzt aufschreien.