Lebensfragen

Der innere Kritiker (und was das alles mit meinen Kindern zu tun hat)

Im Herbst letzten Jahres kam ich in die Situation, einen Parkschein ziehen zu müssen. Das kam nicht zum ersten Mal vor, aber ich erinnere mich deswegen so gut daran, da vor mir noch eine Frau stand, die ebenfalls ein Ticket benötigte. Irgendetwas schien sie vergessen zu haben, denn plötzlich hörte ich die Dame lauthals fluchen: „Ach was bin ich denn für eine blöde Kuh! Wie kann man nur so doof sein?“ Sie kramte noch kurz in ihrer Tasche und war dann wieder weg. Mein Herz blutete auf der Stelle und mein Mitgefühl schäumte über: Wie konnte diese Frau nur so unfreundlich mit sich selbst sprechen, ja, sich sogar regelrecht beschimpfen? Am liebsten hätte ich sie sofort in den Arm genommen und ihr gesagt, dass sie keine blöde Kuh ist, egal, was sie vergessen oder versäumt hatte. Ich persönlich komme nie auf die Idee, so herablassend mit mir zu reden, es ist mir völlig fremd. Das dachte ich zumindest bisher. Bis mir die Augen geöffnet wurden, dass ich jahrelang im Irrglauben lebte.

Lebensfragen

Hochsensibilität und fehlende Mutterliebe als Folge von Entwicklungstrauma? Mein persönlicher Weg zu mehr Muttergefühl

Ich schließe die Augen und stehe an einem einsamen Strandabschnitt. Vor mir die endlose Weite zwischen Himmel und Ozean, weicher Sand befindet sich unter meinen Füßen. Ich breite die Arme zur Seite aus, spüre, wie der Wind sie leicht nach hinten drückt. Ein tiefer Atemzug und ich fühle mich frei. So frei wie seit langem nicht mehr. Das Leben hat mir einen tiefen Blick in meine eigene Seele geschenkt und mir die Augen für eine Wahrheit geöffnet, die nur ich zu verstehen vermag. Denn es ist mein Leben. Meine Geschichte. Meine Vergangenheit.

Gesellschaft

Traumatisiert – Wenn der Mutterstress nicht nur auf Hochsensibilität zurückzuführen ist

Bevor ich mit dem Bloggen anfing, wusste ich eigentlich ziemlich wenig über mich. Wie kann das sein, fragst du dich möglicherweise, wenn du nachgerechnet hast und nun feststellst, dass ich damals immerhin schon neunundzwanzig Jahre auf dem Buckel hatte. Und doch wurde mir erst mit der Geburt meiner Söhne ein tiefer Blick hinter meine eigenen Kulissen gewährt. Nicht behutsam, sondern mit voller Wucht. Postpartale Depression, fehlende Mutterliebe zu meinem Ältesten, Regretting Motherhood, Wunsch nach meinem kinderlosen Dasein. Alles nichts, was man sich als frischgebackene Mutter zweier herbeigesehnter Kinder wünscht, geschweige denn wahrhaben will. Es war ein langer Prozess, mir das alles einzugestehen und ein noch längerer, das zu akzeptieren. Wenn du Zeit und etwas Proviant mitbringst, kannst du es von meinem ersten Blogbeitrag bis heute nachlesen, mal zwischen den Zeilen, mal offensichtlich. Als ich nach der Geburt meines Jüngsten auf den Begriff namens Hochsensibilität stieß und einen Zusammenhang zwischen diesem Wesenszug und meiner eigenen Dünnhäutigkeit erschloss, war ich erleichtert. Endlich gab es einen Namen für all die Schwierigkeiten, die ich als Mutter im Zusammenleben mit meinen Kindern hatte. Lange Zeit war ich mit der Begründung zufrieden. Aber irgendwann wurde mir klar: Da war noch mehr.

Lebensfragen

„Genieße die Zeit, solange die Kinder noch klein sind!“ Was, wenn das nicht einfach geht?

Die letzten zwei Wochen der Sommerferien waren für mich der absolute Katastrophenzustand. Nachdem ich die ersten vier Wochen tatsächlich als Herrin meiner Lage mit zwei Kindern von morgens bis abends um mich herum über die Bühne gebracht hatte (frag mich nicht, wie ich das hinbekommen habe!), schwanden nun von Heute auf Morgen meine Kräfte. Der Umzug hatte uns viel abverlangt, der Mann musste wieder arbeiten und die Kindergarten- bzw. inzwischen Schulferien der Kinder taten ihresgleichen dazu. Nun war ich am absoluten Nullpunkt angekommen. Mama-Burnout. Mein Körper signalisierte mir mit Übelkeit und stechenden Schmerzen in Bauch und Rücken, dass es Zeit für mehr Ruhepausen war und in meiner Not kontaktierte ich schon wieder Mutter und Schwiegermutter, obwohl beide uns erst zwei Tage zuvor ein verlängertes, kinderfreies Wochenende ermöglicht hatten. Gott sei Dank nahmen sie mir nochmal für ein paar Tage die Kinder ab. Ein größeres Geschenk hätten sie mir in dem Moment nicht machen können. Und dann erreichte mich von irgendwo aus dem Hinterstübchen wieder dieser Satz: „Genieße die Zeit, solange die Kinder noch klein sind – sie werden so schnell groß!“

Mama-Momente

Warum ich so eine Panik davor habe, mit meinen Kindern alleine zu sein

Ich schloss die Tür und lehnte mich erschöpft von Innen dagegen. Ich hörte mich vor Erleichterung laut aufseufzen und atmete tief ein. Endlich alleine. Der Blick zur Uhr zeigte Punkt Acht. Maxi war gerade vom Kindergartenbus abgeholt worden und mit ihm verschwand auch die Unruhe, die bis dahin hier im Haus geherrscht hatte. Die letzte Stunde waren wir zwei alleine gewesen; ein Zustand, den ich nur sehr schwer aushalte. Aber jetzt war Maxi fort und ich wieder für mich. Noch einmal seufzte ich schwer und langsam fiel die Last von mir ab. Ich hatte den Morgen überlebt.