Gesellschaft

Schon wieder eine Pause? Warum Mütter mit Entwicklungstrauma kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie ständig Auszeiten benötigen

Die Idee für dieses Time-Out wuchs in mir heran, als meine Gedanken mal wieder Karussell fuhren. Wild und chaotisch, so nahm ich sie wahr. Vor allem geprägt von negativen Glaubenssätzen („Es wird ja eh nie besser“), durchtränkt von irrationalen Vorhaben („Morgen google ich ernsthaft nach einem Internat für die Jungs oder alternativ nach einer Zwei-Zimmer-Wohnung für mich“). Meinem Körper ging es nicht besser. Der Puls oben, der Zeiger meines imaginären Stressbarometers weit am Anschlag, es fühlte sich an wie kurz vorm Burnout.

„Ich muss hier raus!“ schoss es mir durch den Kopf und ehe ich mich versah, hatte ich bereits mit dem Mann gesprochen und anschließend die Nummer des Notrufs gewählt. Meine Mutter nahm ab und ermöglichte mir kurzfristig eine freie Schlafcouch im „Hotel Mama“.

Ein paar Tage Auszeit nur für mich. Raus aus der Alltagsroutine, weg von dem Kindergeplapper, dem Geschwisterkonkurrenzkampf, dem Geben ohne Dankbarkeit zu erfahren.

Einfach mal nur ich sein dürfen, in den Tag treiben lassen können, ohne, dass etwas im Gegenzug erwartet wird (außer ein bisschen Mithilfe im Haushalt als Gegenleistung der Annehmlichkeiten, die das Hotel Mama mir bot).

Meine letzte Auszeit nahm ich mir im November 2020, als ich ein paar Tage alleine auf der norddeutschen Halbinsel Nordstrand abstieg. Und die Auszeit davor im Januar 2019 verbrachte ich auf meiner Lieblingsinsel Sylt. Die Weite des Horizonts erdet mich genauso wie der Küstenwind, der mir den Kopf freipustet.

Die dunkle Jahreszeit scheint inzwischen meinen Wunsch nach Rückzug regelrecht einzuleiten. Eigentlich hätte ich mir fast ausrechnen können, dass Körper und Seele auch in diesem Winter ihre Auszeit einforderten. Und warum auch nicht? Wenn ich darüber nachdenke, ist es eh bemerkenswert, dass ich elf Monate im Jahr ohne ein paar Tage Alleinsein aushalte. Noch dazu steht der Winter nicht nur äußerlich für Simplizität, Kräfte sammeln und Innehalten.

Je länger ich darüber nachdenke (und zum Nachdenken hatte ich während dieser freien Tage viel Zeit), umso mehr wird mir bewusst, dass es ausschließlich die Momente des Alleinseins sind, in denen wir unser Verhalten reflektieren und zu unseren Bedürfnissen hinspüren können sowie daraus resultierend Veränderungen geboren werden.

Der (kurz- oder mittelfristige) Rückzug einer Mutter von ihrer Familie bedeutet also nicht nur Verzicht und Trennung, sondern genauso die Chance auf innere Fülle und vertiefende Beziehung.

Jede Mutter sollte sich in regelmäßigem Abstand Zeit für sich alleine einräumen – nicht, weil sie dazu ein Recht hat, sondern weil es die einzige Möglichkeit ist, ihre eigensten Bedürfnisse (wieder) zu erspüren und ihr der Abstand dabei hilft, anschließend aus ihrer inneren Mitte heraus ihren Kindern zu begegnen.

Gerade bei Müttern, die in ihrer Kindheit ein Entwicklungstrauma davongetragen haben, scheint es mir bei der Notwendigkeit des regelmäßigen Rückzugs mit kurzem Abstand zur nächsten Erholungspause einen entscheidenden Unterschied gegenüber denjenigen zu geben, die von einer Traumatisierung unberührt blieben.

Das kann man insbesondere daran erkennen, wie schnell die Akkus von traumatisierten Menschen wieder in den Keller gehen können, selbst, wenn man gerade erst aufgetankt hatte.

Schon wieder eine Pause? Warum Mütter mit Entwicklungstrauma (noch mehr) Auszeiten nehmen solltenDa reichen nur wenige, oft sogar lediglich ein einziger heftiger Trigger (zur Erinnerung: Ein Trigger ist ein äußerer Reiz, welcher die betroffene Person an eine äußerst unangenehme Erfahrung erinnert, und der eine massive Störung des inneren Gleichgewichts auslöst sowie binnen Millisekunden eine emotionale und körperliche Reaktion bewirkt (Flucht- oder Kampfreaktion).

Ich versuche das mal, mit einem Bild auszudrücken:

Angenommen, zwei Mütter sitzen jeweils in einem Boot auf dem offenen Meer. Die eine leidet unter einem Entwicklungstrauma, die andere nicht. Plötzlich kommt ein Sturm auf (das Baby schreit unermüdlich, der Dreijährige zeigt mal wieder eine Trotzreaktion, oder was auch immer passiert, dass es dich stresst). Die traumatisierte Mutter hat das Gefühl, die Wellen entern das Boot, der Sturm bräche den Mast ab; es geht gefühlt ums Überleben. Sie fühlt sich geradezu ohnmächtig gegenüber dem Stressfaktor und benötigt ihre ganze Energie, irgendwie (meist übertrieben) darauf zu reagieren.

Ein typischer Satz von traumatisierten Menschen nach einer heftigen Reaktion lautet: „So wie ich reagiert habe, so kenne ich mich eigentlich nicht, das bin doch gar nicht ich!“

Für die nicht-traumatisierte Mutter fühlt sich der Stress nicht überwältigend an, sie bleibt noch handlungsfähig, auch, wenn der Stress natürlich trotzdem sehr unangenehm ist. Sie bleibt aber Herrin der Lage, bewahrt einen kühlen Kopf, setzt die Segel neu, manövriert ihr Boot aus dem Sturm heraus und hat anschließend noch genug Energie, um der nächsten Windbö oder gar einem weiteren Sturm zu trotzen.

Das tückische am Entwicklungstrauma ist, dass es oftmals die kleinen, unscheinbaren Dinge sind, die ein hohes Stresspotential in sich tragen. Ein quengeliger Ton des Kindes, eine Bemerkung, die uns kränkt und tief fällt, mangelnde Wertschätzung und Dankbarkeit im Mama-Alltag. Aber auch das Zuviel an Verantwortung, das Gefühl, mal wieder alles alleine tragen zu müssen, kann dann zum Mama-Burnout führen.

Menschen, die in ihrer Vergangenheit ein (Entwicklungs- bzw. Bindungs-)Trauma erlebt und dieses noch nicht ausreichend aufarbeitet haben, können also in noch so winzigen (und nach außen hin oft noch harmlos scheinenden) Situationen, in denen sie stark getriggert werden, sprichwörtlich den Boden unter den Füßen verlieren und anschließend reif für die nächste Auszeit sein, im Gegensatz zu nicht-traumatisierten Menschen, die eine für sie sehr stressige Situation als nicht so auslaugend empfinden.

Daher ist es für Mütter mit Entwicklungstrauma unerlässlich, so oft wie möglich kleine und größere Auszeiten einzufordern und sich vor allem nicht mit jenen zu vergleichen, die stressresistenter sind.

Oftmals ist dieser entscheidende Nicht-Vergleich die schwerste Hürde von allen.

Denn genau da liegt oft das Problem: Wir bekommen von der Gesellschaft eingetrichtert, dass eine Mutter nicht viel Zeit für sich benötigt, schon gar nicht, wenn sie sich gerade erst für eine Pause vom Familienalltag zurückgezogen hat. Wie sähe das denn aus?

Und so kommt es uns auch verantwortungslos vor, wenn wir am liebsten schon wieder flüchten würden. Dabei wäre so ein Rückzug die beste Lösung für alle, weil wir nur so wieder in unser Gleichgewicht kommen.

Schon wieder eine Pause? Warum Mütter mit Entwicklungstrauma (noch mehr) Auszeiten nehmen sollten„Das ist ja schön, dass du die Möglichkeit hast, je nach Befinden einfach ein paar Tage von zuhause abzuhauen und dein Umfeld dich dabei so großartig unterstützt – aber ich kann das nicht so einfach!“ magst du jetzt sagen.

Es stimmt, ich habe das Glück, einen Mann an meiner Seite zu wissen, der im Notfall Arbeit und Kinder alleine stemmt, wenn ich mal wieder meine Koffer packe.

Aber es müssen ja nicht gleich drei Tage Auszeit sein (wie gesagt, die nehme ich mir in der Regel auch nur einmal im Jahr). Oftmals hilft es bereits, die Prioritäten im Alltag neu zu setzen.

Sich jeden Morgen eine halbe Stunde nur für sich, die geliebten Yoga-Übungen oder eine Tasse Tee freizuräumen, während man seinen Gedanken nachhängt. Zu schauen, wann die Schwiegereltern mal (wieder) einen Nachmittag das Kind übernehmen können und dann zwei Stunden auf dem Sofa reservieren und den Bügelberg wissentlich ignorieren. Den Partner bitten, einmal in der Woche die Kinder alleine ins Bett zu bringen, um in der Zeit ein Entspannungsbad zu nehmen.

Gerade die immer zum gleichen Zeitpunkt gesetzten Termine mit mir selbst sind gut für mein ganzes Körpersystem, denn Routine gibt ein Gefühl von Sicherheit, welches bei traumatisierten Menschen oft zu kurz kommt oder gänzlich fehlt.

Vor allem geht es auch darum, mich selbst als Frau wertzuschätzen und meine Auszeiten als Bereicherung für mich und das Familiensystem zu betrachten.

Das schlechte Gewissen, als Mutter Zeit für sich alleine einzuräumen, ist nämlich nicht nur ein gewaltiges Hindernis auf dem Weg zum Wahrnehmen seines Innenlebens und damit zur Erforschung der eigenen Bedürfnisse und Finden der inneren Ruhe, sondern auch die fast sichere Garantie dafür, Auszeiten nicht zur Regelmäßigkeit werden zu lassen. Man könnte ja die Rabenmutter werden, vor der man sich eh schon fürchtet.

Aber genau da müssen wir Mütter umdenken! Unser Kind verliert nichts, wenn seine gestresste Mutter sich zurückzieht, um wieder zu Kräften zu kommen. Im Gegenteil: Es lernt, dass jede:r mal Zeit für sich braucht und gewinnt im besten Fall eine entstresste Mutter zurück.

Pausen sind notwendig für unser seelisches Gleichgewicht, das wussten wir als (hochsensible) Kinderlose schon instinktiv – nun als Mutter haben wir sie doppelt und dreifach nötig!

Ob kurz, ob lang oder ob „schon wieder“: Nehmt sie euch!

13 Gedanken zu „Schon wieder eine Pause? Warum Mütter mit Entwicklungstrauma kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie ständig Auszeiten benötigen“

  1. Ina sagt:

    Hallo Christine, ich verfolge deine Beiträge regelmäßig und frage mich hier Folgendes: Du schreibst von einem Entwicklungstrauma, das in deiner frühen Kindheit entstanden ist und, wie ich annehme, auch mit deinem Elternhaus zu tun hat….Aber wählst den „Notruf“ und gehst ins Hotel Mama? Wie kann man sich an einem Ort oder bei Personen entspannen, die Teil eines Traumas sind? Das ist kein versteckter Vorwurf, sondern eine ernstgemeinte Frage….Alles Gute für dich und viele Grüße

    1. Christine sagt:

      Liebe Ina,
      danke für deine Frage, ich finde sie sehr berechtigt! Das liegt ausschließlich daran, dass ich mit meiner Mutter (bzw. therapeutisch auch an meiner Mutter) viel aufarbeiten konnte und wir inzwischen wieder ein sehr gutes Verhältnis haben. Das Vertrauen ihr gegenüber wächst stetig. Bei meinem Vater hätte ich mich beispielsweise nicht einquartiert, da wäre der Schuss nur nach hinten losgegangen und ich wäre noch unentspannter zurückgekehrt als ich gegangen wäre!

    2. Ina sagt:

      Danke, dir, das ist schön für dich und hört sich zwar einerseits nach einer Menge Arbeit und auch Schmerz für euch beide, aber doch nach einem guten Weg an…..Viele Grüße

  2. Antonia sagt:

    Ach @Christine, du hast ja so Recht! Oh, und gerade schreit mein Sohn wieder nach mir….

  3. Ariella sagt:

    Liebe Christine, ich finde Deine Beiträge immer sehr interessant und sie regen wirklich zum nachdenken an.
    Allerdings werden mir heutzutage viel zu viele Diagnosen und Gründe für gewisse Verhaltensweisen oder Bedürfnisse gesucht. Ich sage nicht, dass es in manchen Fällen nicht zutrifft, sicherlich gibt es viele Menschen mit Traumatischen Erlebnissen und die will ich keinesfalls klein reden.
    Was aber total vernachlässigt wird, sind einfach die Anlagen mit denen wir Menschen geboren werden und damit dann auch wie wir auf negative Erlebnisse unserer Kindheit reagieren. Mich würde mal interessieren wie Deine Schwester mit eurer Kindheit umgeht. Empfindet sie auch wie du? Ist natürlich eine Rhetorische Frage, da zu persönlich. Ich habe auch lange geglaubt, dass meine Eltern speziell meine Mutter an meinen Schwierigkeiten „Schuld“ ist. Bis ich eigene Kinder bekommen habe, die komplett anders aufwachsen und behandelt werden wie das bei mir und meinen Geschwistern der Fall war. Trotzdem zeigt ein Kind von mir die gleichen Probleme, die ich habe. Das andere Kind, das eigentlich die schwierigeren ersten Jahre hatte, dagegen überhaupt nicht. Genauso ist es bei meinen Geschwistern. Einem Geschwisterteil bin ich ähnlich( ist allerdings bei der Oma aufgewachsen und 16 Jahre älter), dem anderen, mit dem ich die Kindheit verbrachte, überhaupt nicht. So gibt es auch unzählige andere Beispiele in meinem Freundeskreis zu finden. Geschwister mit geringen Altersunterschieden, gleiche Kindheit, in dem der eine eine hochgradige Bindungsstörung aufweist, alleine lebt, niemanden an sich ranlässt und die Schwester eine glückliche Partnerschaft führt. Woran liegt das? Ein Kind wird doch nicht komplett anders behandelt, dass solche Unterschiede entstehen.
    Ich bereue heute zutiefst, dass ich einige Jahre mit meiner Mutter verschwendet habe und ihr so viele Vorwürfe gemacht habe, denn sie ist bereits verstorben. Im übrigen halte ich das was Du mit Auszeiten beschreibst als völlig normal. Ich kenne so viele Mütter, die wirklich in ihrer Mutterrolle aufgehen und sich das weitaus mehr als einmal im Jahr gönnen.
    Ich bin heute an dem Punkt, in dem ich nicht mehr in meiner Kindheit suche, diese war sicherlich nicht leicht, aber auch nicht schlimm. Vielmehr weiß sich, dass ich gewisse Anlagen habe und mit denen gilt es bestmöglich zu leben und umzugehen. Viele Grüße aus der Pfalz von Ariella

    1. Antonia sagt:

      Liebe @Ariella, das finde ich auch einen interessanten Ansatz. Ich habe auch eine sehr erfolgreiche Schwester, die ohne jeglichen Selbstzweifel durch die Welt geht, und habe mir die gleichen Gedanken gemacht. Wenn die Erziehung soo entscheidend waere, waeren wir uns doch wohl aehnlicher….Alles praegt, alles ist wichtig, Aber am wichtigsten ist, was wir jetzt und in Zukunft machen…

    2. Anna sagt:

      Hallo Ariella,
      entscheidend ist das Wechselspiel aus Anlagen und Erziehung bzw. Erfahrungen.
      Es ist kein „Entweder/Oder“, sondern das eine tritt in Wechselwirkung mit dem anderen. Wenn ich von meiner mir qua Geburt mitgegebenen Neurobiologie her sehr robust aufgestellt bin, dann kann ich mitunter auch aus hoch belastenden Lebenserfahrungen ganz okay hervorgehen. Bin ich aber von meinen Anlagen her sensibler, können schon vergleichsweise „kleine“ negative Ereignisse und Erfahrungen dazu führen, dass im späteren Leben z.B. eine psychische Erkrankung auftritt – oder dass jemand eher sensibel und eher weniger belastbar durchs Leben geht.
      Ich selbst bin viele Wochen zu früh geboren, war im Brutkasten. Bin wohl eine von denen mit dem von Geburt an nicht ganz so dollen Nervenkostüm. In meiner Kindheit ist mir nichts schreckliches widerfahren. Im Wesentlichen hatte ich eine schöne Kindheit. Es gab aber etliche Verhaltensweisen meiner Eltern mir gegenüber, von denen ich heute weiß, dass ich sie mit genau MEINER Wahrnehmung und MEINER Empfindsamkeit dysfunktional verarbeitet habe. Mit entsprechenden Konsequenzen für mich und mein ganzes bisheriges Leben.
      Und da bin ich nun, Mutter eines fast dreijährigen Kindes, Psychologin und Psychotherapeutin, und schaue, wie ich mit meinen diversen Baustellen und Baustellchen im Leben so zurande komme.
      …und bin – Stichwort Baustellen und Baustellchen – einfach nur überglücklich darüber, diesen Blog entdeckt zu haben. Den ersten überhaupt, wo ich mich mit meiner speziellen Art der Mutterschaft und Mütterlichkeit wiederfinde und wahrgenommen fühle.

      1. Ariella sagt:

        Hallo Anna, herzlichen Dank für deine professionelle und gute Erklärung. Das ist ja auch die Richtung, in die ich zum Teil denke. Daher auch der Satz von mir:“ Was aber total vernachlässigt wird, sind einfach die Anlagen mit denen wir Menschen geboren werden und damit dann auch wie wir auf negative Erlebnisse unserer Kindheit reagieren.“ Aber ich sehe das eben nur zum Teil so. Mir wird heutzutage einfach zu schnell eine Schublade mit Begründungen aufgemacht, an denen dann wie in Stein gemeißelt festgehalten wird. Wir Menschen sind so komplex, dass sich nicht immer alles erklären lässt mit zum Beispiel, das ist in der Kindheit entstanden.
        Wir erleben seit vielen vielen Jahren von Seiten des Kindergarten, Schule, Jugendamt etc., dass immer wieder die Ursachen für das problematische Verhalten des einen Kindes bei uns Eltern gesucht wird. Als Beispiel, die massiven Trennungsängste, die ich ebenfalls habe. Ich habe jahrelange Therapie deswegen gemacht, bevor ich mich überhaupt getraut habe Kinder zu bekommen. Mir war daher von Anfang an klar, dass ich mein Kind weder früh woanders betreuen lasse, noch dass es irgendwo bleiben muss, wenn es nicht möchte( so wie ich es erlebt habe). Auf der anderen Seite, haben wir es auch nicht überbehütet, immer wieder kleine Schritte mit Begleitung probiert etc. . Trotzdem bestehen diese Ängste seit Jahren ohne jegliche Veränderung/Verbesserung. Ich will damit auch nicht sagen, dass wir alles richtig gemacht haben oder machen werden. Jedoch im Bezug auf die Trennungsängste gibt es keinen Zusammenhang zwischen sensiblen Kind und falsche Reaktion/ Interpretation der Eltern.
        Ich wollte einfach anderen Mut machen, manche Schwachstellen im Leben anzunehmen und bestmöglich damit zu leben. Natürlich ist der Weg, nach Ursachen in der Kindheit zu suchen genauso in Ordnung, nur mir persönlich hat das langfristig nicht geholfen. Viele Grüße und alles Gute für Dich

      2. Birgit sagt:

        Ja, ich denke nicht jede Mutter ist per se dazu geeignet sich 24/24 um den Nachwuchs zu kümmern, egal wo auch immer Gründe dafür gefunden werden (Charakter, Anlagen, Entw.traumen, Erfahrungen etc). Ich zähle mich selbst zu dieser Art von Mutter.
        Und sie sollte deshalb zusehen, dass die Kinder gut auswärts versorgt sind oder der Ehemann die Mutterrolle übernimmt. Sie könnte Vollzeit in den Beruf einsteigen u für das Familieneinkommen sorgen (wofür sie ja anscheinend besser „geeignet“ ist) und dem Mann oder Oma/Opa die Erziehung ohne Schuldgefühle komplett überlassen.
        Das wäre ein Win-Win-Situation: die Kinder profitieren v entspannten Erziehungspersonen und die Mutter profitiert weil sie sich nicht 24/24 um die Kinder kümmern muss so mehr Auszeiten v Familienleben hat.
        Dieses urdeutsche Familienmodell: Vati Vollzeit in der Arbeit und Mutti Vollzeit zu Hause in KKK: Kinder Kirche Küche ist sehr sehr schlecht für diese Art Mütter geeignet. Muss man einfach mal ehrlich so sehen….

  4. Jacqueline sagt:

    Liebe Christine, hast du zusätzlich zu deinem Trauma schon mal in Erwägung gezogen eine unerkannte Autismus Spektrum Störung zu haben?

    1. Christine sagt:

      Liebe Jaqueline,
      nein, das habe ich für mich ausgeschlossen.

      1. Birgit sagt:

        Und gerade zur Zeit verzweifle ich an der Last des Kinderhabens/-ertragens. Ich habe einen Bandscheibenvorfall mit Lähmungserscheinungen im Bein. Trotzdem nehmen meine Kinder null Rücksicht, benehmen sich zT unter aller Sau, helfen nur wenn man ihnen das Messer auf die Brust setzt. Der Grosse zockt den ganzen Tag, kein Sportverein mehr wg 2Gplus Regel, Freunde besuchen? Nur unter Zwang.
        Jetzt würde ich die Kinder gerne einfach 3 Monate irgendwohin verfrachten und 3 Wochen in Reha gehen. Leider nehmen meine Eltern meine Kinder gar nicht zu sich (könnte ja anstrengend sein) u die Schwiegis fallen wg Trennung vom Kindsvater aus. Aber ich habe mir vorgenommen, ich werde mind. 2 Wochen in Reha fahren u die Kinder beim Vater lassen u nach mir die Sintflut!! Ausserdem werde ich vehement ihre Mithilfe einfordern im Haushalt sonst gibts kein WLAN/TV/zocken. Früher war Stubenarrest eine Strafe, heute ist Draussenarrest eine Strafe….
        Der Grosse wird im Oktober 14 Jahre, vorraussichtlicher Auszugstermin in 6 Jahren…. Freu :-))))

  5. Johanna sagt:

    Hallo,
    der Blog enthält so viel, wo ich mich wieder finde:)
    Ich musste schmunzeln bei dem Satz „einen Mann habe…, der im Notfall Arbeit und Kinder alleine stemmt“. Ich kenne in meinem Umfeld niemanden, bei dem der Mann nicht ohne Probleme ein paar Tage oder über das Wochenende wegfahren kann und das mehrmals im Jahr. Frauen „müssen“ dagegen dankbar sein oder rechtfertigen sich automatisch, wenn sie das einmal im Jahr tun.
    Mein Mann und ich bemühen uns wirklich um Gleichverteilung, aber das Gefühl, die Verantwortung zu tragen, wird glaube ich für immer ungleich verteilt sein. Daher auch die vielen fehlenden Pausen und die Überlastung bei mir.
    Wenn das aufhören würde, würde ich die Mutterschaft vielleicht auch nicht bereuen. Ich bereue aktuell auch viel mehr die Jahre vor der Schwangerschaft. Mir wurde schon immer erzählt, dass Mutterschaft DIE Erfüllung ist, dass ich später Kinder bekomme, war eigentlich sowieso gesetzt, eine gute Ausbildung brauche ich, um im Notfall meine Kinder selbst versorgen zu können. Ich hatte eine super Zeit, aber es war immer für mich klar, Mann&Kinder sind das Ziel. Und ab da ist alles anders, ich habe es geschafft und bin total erfüllt. Ich liebe meinen Mann und meine Kinder, aber das Leben geht trotzdem weiter. Ich fühle mich nicht plötzlich erleuchtet, ich fühle mich nicht, als hätte ich es im Leben geschafft, mein Leben hat nicht auf einmal einen Sinn bekommen und ich gehe schon gar nicht in Haushalt und Kinderbespaßung (abzugrenzen vom echten Spaß, den es ja auch gibt) auf. Es fällt ein Haufen an Aufgaben an, die ich nicht im Flow erledige, weil ich keinen Spaß daran finde. Es bleiben lästige To Dos, für die ich mich auch noch allein verantwortlich fühle, weil sie mich doch erfüllen sollten und weil sie mein Lebenszweck sind. Dadurch wird das Leben extrem anstrengend und bisher dachte ich immer, ich muss meine Perspektive darauf ändern (im Sinne positiver Psychologie).

    Kinder würde ich wohl nochmal bekommen, ich wünschte aber, mir hätte vorher jemand gesagt, dass man dadurch nicht plötzlich total glücklich wird und den Sinn des Lebens gefunden hat. Und ich wünschte, mir hätte jemand gesagt, dass die beste Vorbereitung auf ein Kind ist, zu lernen sich abzugrenzen und nein zu sagen. Gar nichtmal nur gegenüber der Kinder, sondern gegenüber allen Erwachsenen, die einen sofort in die Mutter-Ecke mit allen Anforderungen stellen.

    Danke für diesen Blog und dass es endlich mal jemand sagt. Danke auch für die Kommentare, die ich auch immer gerne lese!
    Liebe Grüße,
    Johanna

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