Mama-Momente

„Mama muss mal eben an die frische Luft!“

Ich fahre über die Landstraße. Ich habe gesagt, dass ich nochmal zum Supermarkt fahren muss. Aber eigentlich habe ich gar kein Ziel. Hauptsache ich bin weit weg von zuhause. Weg von dem Geschrei und Gezanke, weg von dem Stress, dem ich soeben ausgesetzt war. Weg von meiner Mutterrolle.

Ich ziehe die Reißleine. Der Tag war lang gewesen. Samstag, beide Kinder zuhause. Nun ist es kurz nach Sechs, der Mann macht sicher gerade Abendessen mit den Jungs. Es tut mir leid, dass ich ihn damit alleine lasse, aber es geht nicht anders. Ich bin am Limit und versuche, mich selbst wiederzufinden.

Eigentlich läuft es an freien Kindergartentagen gerade ganz gut zuhause. Der Große ist grundsätzlich entspannter geworden, der Kleine sowieso von Haus aus. Aber an Tagen wie heute zeigen sie mir wieder unmissverständlich, dass sie mir noch zu jung für meine Mutterrolle sind. Die herbeigesehnte Mutterrolle, wenn Muttersein sich nicht mehr anfühlt wie ein Hamsterrad, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint und das jeden Tag gleich läuft.

"Mama muss mal eben an die frische Luft!"Im Hintergrund klimpert mir Filmmusik aus „American Beauty“ entgegen. Melancholische Klavierklänge, die mir die Tränen in die Augen treiben. Musik, mein wichtigstes Hilfsmittel, um meiner Seele Flügel zu innerer Freiheit zu schenken. Denn im Außen bekomme ich sie nicht. Nicht heute. Auch nicht mithilfe meines Autos, das mich gerade Kilometer für Kilometer weiter von Zuhause wegbringt. Am liebsten würde ich viel weiter wegfahren. Bis zum Horizont und darüber hinaus. Zumindest so weit, dass die Kinder schon im Bett liegen und schlafen, wenn ich wieder zurück bin. Aber das tue ich ihnen nicht an. Sie freuen sich so auf die Gute-Nacht-Geschichte, können mit ihren sechs und sieben Jahren nicht verstehen, was mich die Flucht nach Draußen hat antreten lassen.

Es war gerade erst eine Stunde her, da hatte ich einen Familiennachmittag eingeläutet. Damit die Kinder wenigstens am Wochenende etwas von Mama und Papa gemeinsam haben. Den Vormittag über hatte ich mit den Kindern einen Spaziergang zum Supermarkt gemacht. Um die Chips zu kaufen, die sie am Nachmittag zum Fernsehgucken essen durften. Doppeltes schlechtes Gewissen lässt grüßen. Aber der Mann brauchte dringend meine Hilfe und so hatte ich den unpädagogischen Nachmittag eingeläutet.

Aber wenigstens zum Abend hin wollte ich noch etwas zusammen mit den Kindern machen. Spontan. In den Kinderzimmern. Gemeinsam. Wie andere Mütter das auch machen. Ich sprang über meinen Schatten und schlug Wettfahren mit Spielzeugautos vom Kinderzimmer bis ins Schlafzimmer vor. Ich unterschätzte die Unfähigkeit des Verlieren-Könnens. Innerhalb von zwei Minuten heulten und tobten beide Kinder. Ich unterschätzte meine eigene Kraft. Konnte nicht trösten, obwohl Mütter das müssen.

"Mama muss mal eben an die frische Luft!"Die Wut kommt schnell. Der Frust, den ganzen Tag selbst zurückgesteckt und nur das Beste gewollt zu haben. Als Dankeschön nun Gebrüll und Gemecker über das blöde Spiel aushalten zu müssen. Ich stürme aus dem Zimmer, weil ich das Zusammensein, das ich mir gerade noch so herbeigesehnt habe, nun nicht mehr aushalte. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn ich mir tagsüber Zeit für mich eingeräumt hätte. Ich merke, wie schwierig der Spagat für mich ist.

Angela hat sich inzwischen ausgezogen. Zumindest teilt mir das der Titel des Songs mit. Für mich trotz der kuriosen Filmszene das emotional beste Stück des Soundtracks. Ich fühle mich auch nackt. Verletzlich. Schutzlos. Ich bleibe noch ein paar Minuten im Wagen sitzen, ehe ich aussteige.

Eigentlich ist mir gar nicht danach, unter Leute zu gehen. Eigentlich will ich nur meine Ruhe haben. Eigentlich. Und doch hilft mir das normale Treiben anderer Menschen, mich wieder zu erden. Bis ich den entspannten Vater mit seiner nörgelnden Tochter in der Schlange der wartenden Leute vor mir an der Kasse bemerke. Am liebsten würde ich den besorgten Alibi-Nagellackentferner irgendwo neben das Band legen und schreiend rauslaufen. Draußen begegne ich jungen Männern, die interessiert nach mir gucken. Ich fühle mich plötzlich zehn Jahre jünger, fühle mich unwohl. Das ist nicht meine Uhrzeit. Wenn die wüssten, welche zwei Geschöpfe sie sich zusätzlich anlachen, würden sie ihre Blicke einpacken und gleich ganz schnell wieder weggucken.

"Mama muss mal eben an die frische Luft!"Leise rollt mein Auto wieder in die Einfahrt. Ich bin zurück von meiner Reise. Habe Luft geschnappt und auch endlich was für mich gemacht. Ich bin immer noch dünnhäutig. Nehme all meine Kraft zusammen, um die Kinder noch so entspannt wie möglich ins Bett zu begleiten. Nehme tollpatschige Rempeleien hin. Vertröste Fragen nach dem Universum mit letzter Anstrengung und einem Lächeln auf den Lippen auf morgen.

Erschöpft lasse ich mich in meinen Sessel fallen.
Nun habe ich Feierabend.
Nun kann ich wieder Ich sein.

Der Kleine steht in der Tür. Er kann nicht schlafen.

30 Gedanken zu „„Mama muss mal eben an die frische Luft!““

  1. Carina sagt:

    Danke für diesen Text! Er kam genau richtig! Heute hatte ich auch so einen Tag an dem ich mich am liebsten für eine Weile aus allem raus gezogen hätte. Ging aber leider nicht, denn ich bin grad mit beiden Kindern bei meinen Eltern. Die Kleine schreit sobald ich den Raum verlasse. Der Große frech und hört nicht. Ich lasse mich noch auf ein Spiel ein, kurz vor der Bettgehzeit. Es läuft darauf hinaus, dass er verliert und er heult. Dann schreit die Kleine, die eigentlich schon schläft und es dauert über eine Stunde bis sie zur Ruhe kommt. Dann könnte ich auch schon bald ins Bett gehen weil um sechs die Nacht vorbei sein wird. Kein richtiger Feierabend heute und ich fühle mich schlecht, unfähig, zweifle an meinen Fähigkeiten als Mutter- weil ich heute so ungeduldig war mit den Kindern, so wenig zugewandt, so genervt und ich ihnen nicht geben könnte was sie brauchen.
    Dann sah ich gerade noch deinen Text bevor ich schlafen gehe und es tut mir gut, ihn zu lesen. Ich fühle mich nicht mehr so allein und falsch mit meinen Gefühlen.
    Danke!

    1. Christine sagt:

      Hallo liebe Carina,

      freut mich, dass mein Text für dich zur rechten Zeit kam, auch wenn die Umstände ja nicht so erfreulich sind.
      Ich hoffe, du hattest heute einen etwas weniger anstrengenden Tag!
      Ganz liebe Grüße

      1. Linda sagt:

        Ich könnte bei deinem Text weinen, es ist eins zu eins mein Leben und mein Gefühl, ich verschlinge deine Texte, sie tun so unendlich gut. Ich weiss so oft nicht weiter. Mein Kleiner ist erst 1 Jahr geworden und ich will einfach nur das er groß wird und ich mein Leben zurück habe. Es schmerzt alles so sehr, jeder Tag. Liebste Grüße

      2. Christine sagt:

        Liebe Linda,

        gerade die Anfangszeit mit Kindern ist so wahnsinnig fordernd, ich ahne zu gut, was du gerade durchmachst und sende dir eine dicke Umarmung!!
        Herzlichst,
        Christine

      3. julia sagt:

        es tut so gut zu sehen , das ich nicht die einzige bin.
        Mein Kleiner ist 13 Monate und naja ….ich weine viel, brauche Zeit für mich. Ruhe !
        Er ist nur krank…..dann immer dieses Gejaule. Das ganze Wochenende nur Gejaule ……da ist mir gestern der Kragen geplatzt.
        Werde jetzt versuchen kurz vorm Platzen das Weite zu suchen….wenn möglich. Denn mir tut mein Sohn so leid.

        Danke für diesen Blog

      4. Christine sagt:

        Liebe Julia,

        ich sende dir tröstende und viele kraftvolle Gedanken! Gerade, wenn der stressige Input (Krankheit, Dauergenöle,…) einfach permanent auf uns einprasselt, läuft das Fass irgendwann über. Manchmal hilft es ja schon, sich zwei Räume weiter für ein paar Minuten zurückzuziehen, um wieder Abstand zu der Situation zu bekommen, es muss ja nicht immer das Weite sein. Meine Freundin und Mutter von drei kleinen Kindern gab mir letztens den Tipp, in anbahnenden, stressigen Momenten, die Zunge hinter die oberen Schneidezähne zu drücken, weil man dann automatisch tiefer atmet und somit ruhiger wird. Dafür braucht man zum Glück keine Hilfsmittel, das klappt auch unbemerkt in der Supermarktschlange. Noch eine Idee von ihr, aber eher für Drinnen, sprich nicht für die Öffentlichkeit gedacht: Einfach laut folgendes Mantra wiederholen: „Ich bin ruhig und entspannt.“ Habe ich letztens am Frühstückstisch ausprobiert und nach ca. 10-15 Wiederholungen merkte ich tatsächlich, dass mein Körper anfing zu glauben, was ich da sagte (meine Kinder im übrigen auch): Ich wurde ruhiger und entspannter. Beides sind sicherlich Methoden, wenn man in der Stressspirale noch nicht allzu weit vorangeschritten, also noch nicht auf 180 ist.

        Sei herzlich gegrüßt!

      5. Linda sagt:

        Danke. Ich fühle mit Dir und erkenne mich in dem Text „so was von“ wieder…. ich hadere oft mit meinem Mutter Dasein und der Hochsensibilität in dem Kontext. Und mit meinem autonomen gefühlsstarken Kind (inzwischen 8 Jahre alt). Das tut gut sich nicht alleine zu fühlen, wenn ich die Texte lese…

      6. Christine sagt:

  2. Sabine sagt:

    Hi ich kann nur sagen, mir ging es haargenau so!!! Ich bin jahrelang schier wahnsinnig geworden, zwar nur mit einem , aber einem sehr anhänglichen, auch hochsensiblem Kind!
    Er ist jetzt 11 1/2 und es ist alles viiiel leichter (andere Probleme wie Hausaufgabenresistenz und Handy Handy Handy und mein ‚ leg das Ding endlich weg‘, aber er geht alleine mit Fahrrad in den nahegelegenen Park ( Stadtpark, immer viele Leute) oder bleibt problemlos alleine zu hause ( dann gehört das wlan ohne Mama- Gemecker ihm).
    Ich weiß, es ist Mega schwer, aber durchhalten, ab ca 10 Jahre ändert es sich endlich!!!!

    1. Christine sagt:

      Liebe Sabine,

      auch wenn das Durchhalten wirklich schwer ist (und oft zum Verzweifeln): Danke für deine aufmunternden Worte!!

    2. Maya sagt:

      Hallo :)
      Deine Worte tun irgendwie gut. Ich habe im Internet gesucht, weil ich mich besser verstehen möchte. Es ist, als wäre ich nach 15 Jahren Muttersein irgendwie ausgebrannt, als habe ich darauf keine Lust mehr. Meine Töchter sind 11 und 15 Jahre alt, davon bin ich seit 6 Jahren alleinerziehend. Habe auch immer alles „toll“ gewuppt… aber irgendwie möchte ich immer mehr meine Ruhe vor ihnen, ihren Launen und Forderungen. Ich bin auch hochsensibel und benötige viel Zeit und Ruhe für.mich, die ich natürlich immer mehr habe. Ich kann mich nicht beklagen. Aber ich fühle aktuell so viele negative Schwingungen von ihnen. Gleichzeitig fühle ich mich als Rabenmutter. :(
      Danke fürs Zuhören

      1. Christine sagt:

        Liebe Maya,

        von fünfzehn Jahren Muttersein bin ich noch weit entfernt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass man natürlicherweise nach so vielen Jahren des Umsorgens, der Bemühungen und alles (bzw. so viel wie möglich) gut machen wollen, an einen Punkt kommt, an dem man erschöpft ist. Deine Töchter stecken sicherlich selbst gerade in einer schwierigen Phase, in der sie (vor allem die Große) sich immer mehr selbst finden und erwachsen werden wollen. Da kommt es vermutlich öfter zu Reibereien und Disharmonien. Und mittendrin du als Mutter, die ihren fürsorglichen Part lebt und gleichzeitig auch mal wieder selbst einfach nur Frau sein will.
        Ich wünsche dir sehr, dass du dich nicht als Rabenmutter fühlst. Du hast so unglaublich viel geleistet die letzten fünfzehn Jahre, davon die letzten Sechs auch noch alleine!! Ich finde es nur natürlich, dass du da auch mal an deine Grenzen kommst und dich auch mal nach Abstand sehnst.
        Wäre eine Kur oder eine kleine Wellness-Auszeit für dich möglich? Vielleicht geht ihr alle Drei nach einer Pause auch wieder besser/harmonischer aufeinander zu?
        Sei herzlich gegrüßt und fühle dich verstanden!
        Christine

  3. Jacky sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele. Was bin ich froh, auf deinem Blog gestoßen zu sein. Danke! Danke, dass du einem das Gefühl gibst, keine schlechte Mutter zu sein, trotz oder wegen unserer Empfindungen. Ich verspüre gerade soetwas wie Erleichterung, dass es da draußen noch mehr Mütter mit diesen Gefühlen gibt. Ich bin mit meinem Sohn 5 Monate die Woche über alleine und kann mir daher leider keine Auszeit nehmen, wenn der Papa aber am Wochenende da ist, setze auch ich mich ins Auto, um Dinge zu besorgen, die ich eigentlich nicht brauche…
    Ich werde deinen Blog gespannt weiter verfolgen.
    Liebe Grüße!

    1. Christine sagt:

      Liebe Jacky,

      sei herzlich willkommen auf meinem Blog, schön, dass du da bist!
      Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie es ist, fünf Tage die Woche ganz alleine für das Kind verantwortlich zu sein. Du leistest da echt Großes!
      Ich sende dir viel Kraft und viele Grüße!
      Herzlichst
      Christine

  4. Larissa sagt:

    Liebe Christine, heute war der Geburtstag meiner Maus sie ist drei Jahre alt geworden. Dein Text spricht mir mal wieder aus der Seele, nur zu gerne hätte ich mich heute ins Auto gesetzt und wäre geflüchtet. Die Verwandtschaft und meine super anhängliche Maus haben mir fast den letzten Nerv geraubt. Keine zwei Sekunden darf ich von ihrer Seite weichen, was mir so gut wie keine Auszeiten gibt. Keiner wird akzeptiert außer Mama.
    Ich hoffe sehr dass es eine Phase ist und ich mich endlich mal wieder ohne eine Maus am Bein bewegen kann.
    Ich wünsche allen einen schönen entspannten Sonntag Abend
    Viele Grüße Larissa

    1. Christine sagt:

      Liebe Larissa,

      gerade in den ersten Jahren wechseln die unterschiedlichen Phasen meiner Erfahrung nach recht schnell und oft. Allerdings bemerkt man das oft erst im Rückblick mit etwas Abstand; in dem Moment kommt es einem wie eine nie enden wollende Ewigkeit vor, vor allem, wenn man auf bestimmte Phasen besonders empfindlich reagiert (z.B. Anhänglichkeit bzw. wenig vorhandener Freiraum). Ich wünsche dir ganz sehr, dass diese Phase des am-Bein-klebens bald vorübergeht und sich deine Sitaution dann wieder entspannt, so dass du wieder ein bisschen mehr Luft kriegst.

  5. Mareike sagt:

    Genau so ein Tag war heute! Und auch ich wäre am liebsten weg gefahren von zu Hause. Weg von all dem Trubel und dem Stress.
    Eigentlich weiß ich gar nicht warum ich so gestresst war.
    Der Morgen fing schon schwierig an. Der Große hatte keine Lust auf Schule, war maulig und hat zudem wie immer getrödelt. (nichts neues), eigentlich hilft da nur cool bleiben und das nervige Verhalten ignorieren. Irgendwann sitzt auch er dann mal fertig angezogen am Küchentisch. Nur gibt es Tage da KANN ich einfach nicht, NICHT reagieren. Zumal die Nacht kurz und ich auch maulig war.
    Also kam es wie es kommen musste, alle waren genervt. Ich wurde laut und was blieb war wieder das schlechte Gewissen auf dem Weg zur Arbeit:
    “ Das hätte ich doch auch anders lösen können. Warum muss ich nur so schnell genervt sein…?“ usw.
    Der Nachmittag sollte besser laufen. Nahm ich mir vor.
    Das große Kind kam aber mit schlechter Laune aus der Schule weil er a) zu viel Hausaufgaben auf hatte und b) keiner Zeit hatte sich mit ihm zu verabreden.
    Ich hatte aber einen entspannten Tag auf der Arbeit verbracht, das Wetter war schön und ich wollte mir selbst beweisen: ich kann auch entspannt sein.
    Kurzerhand ein Eis-Ess-Spielplatz-Nachmittag nach den Hausaufgaben in Aussicht gestellt. Jubelrufe beim Großen… Wunderbar.
    Tja…. Wenn da nicht Kind Nr. 2 gewesen wäre: großes Geweine beim Abholen aus der Kita: Kind hatte Bauchweh hat die letzte halbe Stunde nur geweint. Suuuper.
    Also kein Spielplatz, kein Eis essen… Dafür Geheul von beiden Seiten und der Feierabend meines Mannes noch Stunden entfernt.
    Naja… Zum Glück haben wir einen Garten und das Planschbecken stand auch noch.
    Kind 1 ließ sich zu meinem Glück dazu herab maulig in selbiges zu hüpfen und es dann doch ganz ok zu finden darin zu planschen.
    Was zu meinem doppelten Glück das Bauchweh von Kind 2 auf wundersame Weise verschwinden ließ und er gleich mit rein hüpfte.. Yeah!!! Ein Eis gab unsere Truhe auch noch her… nachmittag gerettet.
    Ich hätte eigentlich ganz entspannt sein können. Der Nachmittag lief rund… Nur leider gehen auch solche Nachmittage (und so friedlich ist es selten) zu Ende.
    Der zu Bett- bring – Wahnsinn traf mich dafür aber umso härter. Ich will dies nicht, ich will das nicht…. Warum kann ich nicht mal entspannt drüber stehen und denken:
    Ach aber der Nachmittag war doch schön?
    Stattdessen dachte ich nur: Warum muss mein Mann heute Spätdienst haben?
    Warum kann ich hier nicht mal kurz weg?
    Nur zum Supermarkt… Oder Tanken? Ja ich müsste doch mal wieder tanken! Hauptsache weg!!!
    Nun liegen Kind 1und 2 im Bett und ich sitze erschöpft auf der Terrasse und lese diesen Beitrag und freue mich, dass es nicht nur mir so geht. Also Danke für diesen Text!

    1. Christine sagt:

      Liebe Mareike,

      ich kenne auch solche Tage, an denen ich irgendwann scheinbar wie aus dem Nichts einen Rappel bekomme und mich hinterher frage: „Was war denn eigentlich los? Was genau hat mich eigentlich gestresst?“ Weil es augenscheinlich gar nicht DEN EINEN Auslöser gab, der auch für Außenstehende nachvollziehbar wäre. Oft sind es (zumindest bei mir) ganz subtile, kleine Vorfälle gewesen, die dann jeder einzelne wie ein Tropfen in mein „Toleranz-Fässchen“ fallen. Und irgendwann ist dieses Fass voll und die letzte Kleinigkeit, der letzte Tropfen, bringt das Fass dann zum Überlaufen.
      In einem früheren Artikel von 2017 „Achtsame Begleitung – Mein Weg der Eigenbetreuung“ habe ich von meiner eigens erarbeiteten Strategie geschrieben, wie ich mein Stresslevel so früh wie möglich erkenne und auch (so gut es geht) unten halte. Damals hatte ich meinen Fünfjährigen für eine Zeitlang zuhause betreut und ihn rund um die Uhr um mich herum. Vielleicht hilft dir der Abschnitt mit den Strategie-Punkten ein wenig weiter, auch, wenn er deine Situation nicht 1-zu-1 trifft?
      Auf jeden Fall sende ich dir herzliche Grüße und wünsche dir ganz viele entspannte Momente nur für dich!!
      Christine

      1. Kathrin sagt:

        Ich kenne solche Tage auch. Am schlimmsten ist mir folgender im Gedächnis: Vor nun mehr 6 Jahren, die Kleine 3 Monate und zum ersten Mal erkältet, der Große 2,75 und Scharlach, der Mann die ganze Woche auf Dienstreise, ich alleine mit 2 kranken Kids zu Hause. Der Große war schon wieder recht fit und wollte Action, die Kleine war super knautschig. Ich schreibe mit meinem Mann, er ist auf dem Heimweg, ich lege mich mit beiden Kindern zum Mittagsschlaf hin, in Erwartung, dass danach endlich mein Mann zu Hause ist. Ich wache auf, die Wohnung still- auf dem Habdy zig Anrufe von einer mir unbekannten Nummer, eine Nachricht von seinem Chef auf meiner Mailbox: Mein Mann ist 60 km bevor sie zu Hause waren in seinem Auto zusammen gebrochen, er wurde mit dem Rettungswagen ins 70 km entfernte Krankenhaus gebracht. Ich soll ihn mal zurück rufen. Ich bin zusammen gebrochen, habe nur noch geheult! Im Krankenhaus habe ich angerufen, dort haben sie gesagt, dass er soweit stabil ist, die Tests laufen, sie ihn aber nicht in unsere Stadt verlegen können. Ich soll mich aber bitte nicht mit den beiden Kindern zu ihnen ins Krankenhaus auf machen, sie haben alles Nötige da. Keiner wollte oder konnte in meiner Umgebung auf die kranken Kids aufpassen, unsere Eltern waren beide im Urlaub- meine Schwiegereltern haben ihren abgebrochen- haben dann abends neun Uhr in der Tür gestanden und wenigstens meinem Mann eine Tasche mit frischen Sachen gebracht. Mich hat am Nachmittag meine liebe Freundin mit den Kids zu sich eingeladen. Bei meinem Mann war es „nur“ der Norovirus, am Montag stand er überraschend plötzlich in der Tür. Aber das WE habe ich mich so schwach und elend gefühlt- so alleine, obwohl ich es ja gar nicht war. Schrecklich war das, ich wäre so gerne zu meinem Mann geeilt, konnte aber wegen unseren Kindern nicht- die Verantwortung lag wie meterdicke Steine auf mir!

      2. Christine sagt:

        Liebe Kathrin,

        da hast du ja wirklich ein ganz furchtbares Wochenende erlebt – ich kann vieles so gut nachempfinden, alleine schon dieses Gefühl der Ohnmacht, nicht zum Mann ins Krankenhaus zu können, keinen Babysitter zu bekommen und für alles alleine verantwortlich zu sein. Selbst, wenn objektiv Hilfe da war (was mich auch sehr freut für dich!), aber diese eigene Hilflosigkeit kann ich absolut nachvollziehen. Kein Wunder, dass dir das Wochenende so gut in Erinnerung blieb. Sei herzlich gegrüßt!

  6. Katia sagt:

    Danke für diesen Artikel und für den ganzen Blog!!! Bei mir kommt dazu dass ich 2 Fehlgeburten und zwei Totgeburten vor 13-15 Jahren hatte und diese Kinder mein absoluter Lebenstraum waren. Vor 4 Jahren kam Nummer 1 und Nummer 2 ließ nur 16 weitere Monate auf sich warten. Ich fühle mich schrecklich undankbar für dieses Geschenk :(

    1. Christine sagt:

      Liebe Katia,

      vielen Dank für deine offenen Worte zu deiner persönlichen Situation!
      Ich kann mir leider sehr gut vorstellen, welche Schuldgefühle dich plagen, wünsche dir aber sehr, dass du deinen Frieden mit deinen jetzigen Gefühlen findest und dir irgendwann sagen kannst, dass du nichts für deine Gefühle kannst. Vielleicht wären sie auch bei deinen ersten Kindern aufgetreten, einfach, weil das Muttersein an sich so sehr fordernd ist. Aber ich kann dich sehr gut verstehen, dass es für dich mit dem Hintergrund nochmal schwerer ist ♥

  7. Antonia sagt:

    Liebe Christine,

    da ist ja mal wieder ein Artikel von dir nach meinem Geschmack! Du bist meine Lieblingszeitung! ;) Heute bin ich so was von angenervt, dass mir dieses Eingestaendnis von dir und den anderen Muettern hier wie Balsam auf der Seele ist…wirklich.
    Diesen Sonntag war zum ersten Mal die Babysitterin mit meinem Sohn, mittlerweile neun Monate alt, fuer eine Stunde zusammen, und prompt ist er seitdem ein bisschen kraenklich. gestern starkes Fieber, heute immer noch am jaulen und hockt staendig auf mir drauf. Und schlaeft nicht! Es ist zum Wahnsinnigwerden, ich habe keine Minute fuer mich. Gestern sagte dann der Kindesvater:“ Schoen und gut, deine Stunde Freiheit durch die Babysitterin, das hast du jetzt davon.“ Mann, habe ich mich schlecht gefuehlt und war ich deprimiert danach. Wo das Thema hier doch immr der Kaefig ist…einmal kurz frei und schon wird es geahndet, und schon bist du auch noch eine Rabenmutter…oh mann, ist das hart ;(

    Ich habe dann auch wie jetzt einfach keine Lust mehr, und wie du auch hier oft schreibst, als hochsensibler Mensch ist leben und die eigene Balance zu finden, kurz, sich wohl zu fuehlen bei all den Stimmungsschwankungen und Zweifeln, schon schwer genug…und nun ist man auch noch staendig gefordert und ueberreizt und kann sich nicht genung ausruhen und auftanken…

    Ich habe in mir oft so eine Wut in letzter Zeit, generell, und die projiziere ich dann auf alle Leute, die mehr helfen koennten… die Oma, der Opa, die NAchbarn! Wo sind die eigentlich, die haben doch angeblich frueher mal geholfen! Aber nein, keinen schert’s, wie am Ende die arme Mutter ist, da muss anscheinend jede allein durch…obwohl ja alle, die Kinder haben, wissen, wie anstrengend es ist…

    Sohnemann sitzt wieder auf mir drauf,
    also, alles Liebe
    Antonia

    1. Christine sagt:

      Ich fühle mit dir!! ♥

    2. julia sagt:

      das finde ich aber etwas fies von ihm……hätte ja auch anders laufen können. Das er kränkelt hat ja nichts mit dem Babysitter zu tun. Fühle dich nicht schlecht und mache es auch weiter mit dem Babysitter. Wir haben auch einen seitdem der Kleine 6 Monate alt ist.
      Lass dir das nicht schlecht oder ausreden !

  8. Sabine sagt:

    Hallo ihr lieben, mein Mann war eine Woche verreist und mein Sohn (11) 5 Tage auf Klassenfahrt. Ihr könnt euch vorstellen, WIE ich es genossen habe!!! Nur mein Rhythmus und vor allem abends Ruhe und leises ausklingen des Tages! Jetzt sind beide wieder da und natürlich war ich froh, dass beiden nichts passiert war (Flug und lange Busreise), aber ich finde ganz schwer wieder in den Alltagstrott zurück. Ich fühle mich wie bei der Rückkehr ins Gefängnis. Jetzt heißt es wieder um alles kümmern, ewiges Essen kochen und irgendeiner will dauernd was von mir. Sorry, ich hatte ja schon mal geschrieben, ab 10 Jahre wird es besser und dem ist auch so, aber trotzdem fällt es mir gerade nach der kleinen Auszeit Meg schwer und natürlich merkt mein Sohn (selbst) hochsensibel das auch… und dann fühle ich mich umso mehr als schlechte Mutter….
    Ich weiß, ihr versteht mich!

    1. Christine sagt:

      Liebe Sabine,

      oh jaaaa, das kann ich sehr gut verstehen! Gerade, wenn man den Geschmack von Freiheit mal wieder intensiv schmecken durfte, ist der Übergang in den Alltag umso schwerer. Zumal er ja sehr abrupt stattfindet, als hätte nur jemand die Pausetaste gedrückt und nach der Rückkehr wieder losgelassen. Da ist es nicht leicht, von der (wenn auch mega schönen) Auszeit noch länger zu zehren, zumindest bei mir klappt es meistens nicht. Ich weiß nicht, ob es dir was hilft, aber vielleicht könntest du Fotos (bzw. stellvertretend Bilder als Symbol) deiner kleinen Auszeit ausdrucken und dir an Spiegel und Schränke verteilt in der Wohnung aufhängen. So wirst du zwischendurch immer wieder an deine kleine Freiheit erinnert, gekoppelt mit den guten Erinnerungen und entsprechenden Gefühlen :)

  9. Marie sagt:

    Hallo Christine!

    Ich habe noch nie kommentiert, aber ich lese deinen Blog regelmäßig und habe mir auch die älteren Beiträge angesehen.
    Dass ich selbst hochsensibel bin ist mir schon länger klar, aber vor meinem ersten Kind hätte ich nie gedacht dass das unter anderem dazu führen könnte das mich das Muttersein überfordert.
    Meine Kinder sind 4 Jahre (Mädchen) und ~ 19 Monate (Junge), der kleine war „ungeplant“, aber doch willkommen.
    Die zwei sind noch nicht einmal besonders anstrengend, die Große ist erstaunlich vernünftig, der kleine ein richtiges Anfängerbaby, aber trotz alledem fordern sie mich natürlich ständig.
    Beide gehen während meiner Arbeitszeit in Betreuung, und da wird am Nachmittag besonders viel Mama benötigt.
    Haushalt? Kaffee trinken? Kann ich vergessen.
    Mein Freund arbeitet deutlich mehr als ich, wenn er die Kinder für eine Stunde auf den Spielplatz entführen kann bin ich bereits seelig.
    „Urlaub“ von den Kindern habe ich nie, mein eigener geht für die Schließzeiten von Kita und Tagesmutti drauf.
    Wenn ich mal alleine einkaufen kann ist das schon purer Luxus.
    (während der Eingewöhnung des kleinen habe ich mich mit Kaffee to go und Buch bewaffnet in mein Auto gesetzt und auf irgendeinem Parkplatz „gechillt“; wäre ich nach Hause gefahren hätte ich nur wieder zehntausend unerledigte Dinge gesehen)

    Heute hat mein Freund wieder Spätschicht, das heißt ab Feierabend bin ich mit beiden Kindern bis mindestens 20 Uhr allein. Wie jeden Montag.
    Ich freue mich schon darauf wenn beide friedlich im Bett liegen.

    LG
    Marie

    1. Christine sagt:

      Liebe Marie,

      es freut mich, dass du schon länger bei mir mitliest und dich nun auch zu Wort melden magst :)
      Ganz lieben Dank für deine Geschichte und deine Einsichten, die du mir und den Leserinnen damit gewährst. Ich finde, es gehört schon viel Mut dazu, einzugestehen, dass man vom Muttersein überfordert ist, obwohl man es vorher nie gedacht hätte – vor allem sich selbst gegenüber!
      Nun bist du auch noch in der unglücklichen Lage, dass du deinen Urlaub oder längere Auszeiten nicht für deine Erholung nutzen kannst, sondern sie für die Schließtage der Einrichtungen deiner Kinder draufgehen. Ich wünsche dir sehr, dass sich dein Leben bald weniger fremdbestimmt anfühlt!

      Den Tipp mit dem Kaffee und dem Buch im Auto finde ich sehr hilfreich für andere Mütter in ähnlichen Situationen, die zuhause nur vom Haushalt und dem entsprechenden schlechten Gewissen abgelenkt werden.

      Herzliche Grüße sende ich dir und wünsche einen hoffentlich entspannten Feierabend, wenn dein Freund dann abends nach Hause kommt und notfalls übernehmen könnte.

      Alles Liebe dir!

  10. TwinMom80 sagt:

    Vielen Dank für deinen Blog, diesen Text und die Kommentare der anderen Mütter, mir geht es sooo oft genau so, dass ich einfach nur weg möchte – meine Zwillingsjungs sind gerade 4 geworden und auch wenn es schon besser geworden ist, macht mich diese Unplanbarkeit/fehlende Selbstbestimmung meines Lebens total fertig. Ich liebe meine Kinder, aber ich sehne mich danach endlich wieder nur zu zweit mit meinem Mann zu leben – der Alltagsstress zwischen Brote schmieren, Kiga bringen, arbeiten gehen, nach Hause hetzen, Kinder abholen, Nachmittagsgestaltung ausdenken, der Abendwahnsinn – wie machen das andere? Und auch noch gerne? Ich verstehe es nicht… Das alleine reicht mir schon, aber dann kommen diese ständigen Planänderungen durch Krankheiten der Kleinen und dieses Mal hats mich auch mit erwischt, liege zuhause, eigentlich wollten wir am Samstag den Geburtstag der Jungs nachfeiern, nun muss ich absagen, am Ausweichtermin können aber nun wieder einige nicht – sowas macht mich völlig fertig..
    Danke fürs zuhören

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