Lebensfragen

Aushalten der Mutterrolle – Wie dieser Zustand den Kontakt zu mir und meinen Kindern verbaut

„Denkt bitte ans Händewaschen, wir haben doch gerade gegessen!“ Augenrollend rief ich meinen Kindern hinterher, während diese genauso augenrollend auf dem Treppenabsatz kehrt machten und noch einmal genervt nach unten polterten, um ihrer Pflicht im Badezimmer nachzugehen. Und einmal mehr wünschte ich mir die Knopfleiste aus Stefan Raabs „TV Total“-Sendung herbei, auf der man verschiedene Sätze speichern und im passenden Moment per Knopfdruck wieder freigeben konnte. Jede kleine Regel, egal, ob es sich ums Händewaschen nach dem Essen, um das Abtreten der dreckigen Schuhe auf der Fußmatte vor Betreten des Hauses oder um sonst was handelte, hätte einen Platz auf dem Speichermedium verdient. Denn ich war es leid, auch nach acht Jahren meines Mutterseins gefühlte hundert Mal am Tag immer und immer wieder die gleichen Regeln auszusprechen. Ich drückte den (bislang leider nur imaginär vorhandenen) dritten Button von links und meine beiden Jungs bekamen noch die nächste wertvolle Info zugerufen: „Und bitte die Seife nicht vergessen!“ Danach legte sich mein Zeigefinger auf den größten Knopf von allen und ich hörte erneut meine eigene Stimme, diesmal leiser und resigniert: „Wie lange muss ich das eigentlich noch aushalten?“

Mama-Momente

„Ich konnte dich nicht trösten.“ Wenn Muttergefühl nur schmerzhaft langsam an Stelle von alten Ängsten tritt

Geliebter Mini,

du konntest nicht schlafen, du hattest Angst vor den Figuren aus der Geschichte, die du vorhin gehört hattest. Ich habe deine Tür offengelassen und das Licht im Flur angeknipst, wie ich es immer mache, wenn du nicht einschlafen kannst.

Ich will mich meinem Feierabend und mir selbst zuwenden, um wieder Kraft zu finden. Ich spüre, es geht noch nicht. Etwas hindert mich sanft daran. Es ist ein Gefühl, das sich in letzter Zeit immer öfter seinen Weg zu mir bahnt und mir doch noch nicht so vertraut ist: Mitgefühl. Sorge um mein Kind, der Wunsch, noch einmal zu dir hochzugehen, nach dem Rechten zu sehen, obwohl ich nicht weiß, wie ich dir deine Ängste nehmen kann.

Lebensfragen

Die Innere Erwachsene entdecken für mehr Freude am Muttersein

Schon aus der Ferne sah ich sie bereits. Die Frau saß an dem kleinen Lagerfeuer, das an der Lichtung am Waldrand leise vor sich hin prasselte. Ab und zu stand sie auf, legte ein Holzscheit nach oder schüttelte eins der Kissen auf, die da so gemütlich auf einer Holzbank hergerichtet worden waren. Das alles tat sie mit einer derartigen Ruhe und Gelassenheit, dass meine anfängliche Nervosität schnell verschwand. Als ich näherkam, drehte sie sich zu mir um und bedeutete mir mit einem herzlichen Lächeln, mich neben sie auf die Bank mit den weichen Kissen zu setzen. Dabei strahlte sie solch eine Wärme und Herzlichkeit aus, dass ich meinem Impuls folgte, mich an ihr anzulehnen. Dass ich ihr Gesicht dabei nicht richtig erkennen konnte, spielte keine Rolle. Ich wusste auch so wer sie war: Sie war meine innere Erwachsene, die ich so lange gesucht hatte und der ich fortan bewusst die Führung in meinem Leben überlassen wollte.

Gesellschaft

Brauche ich psychologische Hilfe, wenn ich die Mutterrolle bereue?

„So kann es nicht weitergehen, ich glaube ich brauche Hilfe.“
Nicht selten gestehen sich Frauen das ein, wenn das Leben als Mutter ihnen nicht die Erfüllung bringt, die sie sich so sehnlichst erhofft hatten. Weil sie nicht einen, nicht zehn oder hundert schlechte Tage hatten, sondern Stress, Erschöpfung und das Gefühl des Zurücksteckens zum Dauerzustand geworden sind. Wenn sich die permanenten Kompromisse zugunsten des Kindes quälend einengend anfühlen und das Leben als Mutter keinen Platz mehr für die fröhliche Frau bietet, die sie einst mal war. Aber wohin mit den schambehafteten Gedanken, die diese Mütter sich kaum trauen, vor sich selbst auszusprechen: Dass sich ihr neues Leben als Mutter wie ein Gefängnis anfühlt und sie -wenn sie könnten- die Zeit zurückdrehen und sich für ein Leben ohne Kind entschieden würden?

Lebensfragen

Von der Wichtigkeit des Inneren Erwachsenen für die Mutterrolle

Nachdem ich herausgefunden hatte, wie wichtig die Arbeit mit meinem inneren Kind für meine eigene Bedürfniserfüllung und somit für mehr Wohlbefinden ist, merkte ich gleichzeitig, dass da noch ein entscheidendes Element fehlte auf dem Weg meiner persönlichen Heilung von alten Wunden aus der Kindheit hin zu einer glückliche(re)n Frau, vor allem aber auch zu mir als Mutter. Diese Komponente ist ebenfalls ein innerer Teil von uns, wird in der Literatur und psychologischen Arbeit jedoch leider noch stark vernachlässigt: Es ist der innere Erwachsene (bzw. in unserem weiblichen Fall die innere Erwachsene). Aus meinem heutigen Verständnis heraus behaupte ich: Ohne die Entwicklung unserer inneren Erwachsenen können wir unseren leiblichen Kindern keine wahrhaftige Mutter sein!

Lebensfragen

Lohnt sich das Ganze überhaupt, wenn sich die Vergangenheit eh nicht mehr ändern lässt?

Je mehr ich mich mit mir und meiner eigenen schmerzhaften Vergangenheit auseinandersetze, je mehr Resignation und Rückschritten ich im Umgang mit meinen Kindern begegne, desto öfter stelle ich mir die Frage: Lohnt sich der Weg überhaupt, wenn sich die Vergangenheit eh nicht mehr ändern lässt? Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit keinen emotionalen Zugang zu meinem Ältesten bekam, als er das Licht der Welt erblickte, nachdem ich über sieben Jahre später immer noch feststellen muss, dass mein Zugang zu meiner Mütterlichkeit für meine Wunschvorstellungen zu oft blockiert ist, geht mir diese Frage ab und zu durch den Kopf: Ist es das überhaupt wert? Das ganze Kämpfen, die zermürbende Suche nach einem passenden Therapeuten, all die Zeit der Aufarbeitung, des Bemühens um eine halbwegs gute Beziehung zu meinen Söhnen? Werden sie mir je später verzeihen können oder wenden sie sich eh ab, weil sie zu viel emotionalen Schmerz und Ablehnung von ihrer Mutter erfahren haben?

Lebensfragen

Der innere Kritiker (und was das alles mit meinen Kindern zu tun hat)

Im Herbst letzten Jahres kam ich in die Situation, einen Parkschein ziehen zu müssen. Das kam nicht zum ersten Mal vor, aber ich erinnere mich deswegen so gut daran, da vor mir noch eine Frau stand, die ebenfalls ein Ticket benötigte. Irgendetwas schien sie vergessen zu haben, denn plötzlich hörte ich die Dame lauthals fluchen: „Ach was bin ich denn für eine blöde Kuh! Wie kann man nur so doof sein?“ Sie kramte noch kurz in ihrer Tasche und war dann wieder weg. Mein Herz blutete auf der Stelle und mein Mitgefühl schäumte über: Wie konnte diese Frau nur so unfreundlich mit sich selbst sprechen, ja, sich sogar regelrecht beschimpfen? Am liebsten hätte ich sie sofort in den Arm genommen und ihr gesagt, dass sie keine blöde Kuh ist, egal, was sie vergessen oder versäumt hatte. Ich persönlich komme nie auf die Idee, so herablassend mit mir zu reden, es ist mir völlig fremd. Das dachte ich zumindest bisher. Bis mir die Augen geöffnet wurden, dass ich jahrelang im Irrglauben lebte.

Mama-Momente

Weihnachtsmann, Osterhase & Co. Warum ich meine Kinder am liebsten aufklären würde

„Mama, dieses Jahr wünsche ich mir vom Weihnachtsmann eine Carrera-Bahn!“ Spätestens, als mein Sechsjähriger diesen Satz äußerte, wusste ich, dass nun auch mein Jüngster dem Kleinkindalter endgültig entwachsen und auf dem Weg dahin war, ein cooler Schuljunge zu werden. Wahrscheinlich hatte er auch schon heimlich geübt, wie man das Objekt seiner Begierde für den Wunschzettel buchstabiert, während ich noch fieberhaft überlegte, ob der Weihnachtsmann denn für so einen großen Wunsch noch Platz in seinem Sack hatte, immerhin war die Wahrscheinlichkeit groß, dass unser Ältester gleich mit seinen Ansprüchen nachziehen würde. Weihnachten ist das Fest des Kindes, wusste schon Loriot. Ja. Und dann macht es bumm und alle Tiere fallen um. Zumindest diejenigen mit dem Geld in der Tasche, die den Weihnachtsmann finanzieren und in keine enttäuschten Kinderaugen blicken möchten.

Im Dialog

Premiere vom Mütterfrühstück: So war es und so geht es weiter

Kann ein Treffen unter Frauen, die sich mit dem gemeinsamen Nenner, oft Schwierigkeiten mit der eigenen Mutterrolle zu haben, zusammenfinden, lustig sein? Passt das überhaupt zusammen: Regretting Motherhood und Spaß? Oder kullern da eher Tränen der Verzweiflung in den O-Saft, nachdem sich alle reihum über ihren anstrengenden Nachwuchs ausgelassen haben? Ich kann die Frage nun beantworten, denn heute fand das erste Mütterfrühstück von Pusteblumen für Mama statt.

Lebensfragen

Hochsensibilität und fehlende Mutterliebe als Folge von Entwicklungstrauma? Mein persönlicher Weg zu mehr Muttergefühl

Ich schließe die Augen und stehe an einem einsamen Strandabschnitt. Vor mir die endlose Weite zwischen Himmel und Ozean, weicher Sand befindet sich unter meinen Füßen. Ich breite die Arme zur Seite aus, spüre, wie der Wind sie leicht nach hinten drückt. Ein tiefer Atemzug und ich fühle mich frei. So frei wie seit langem nicht mehr. Das Leben hat mir einen tiefen Blick in meine eigene Seele geschenkt und mir die Augen für eine Wahrheit geöffnet, die nur ich zu verstehen vermag. Denn es ist mein Leben. Meine Geschichte. Meine Vergangenheit.