Mama-Momente

Tage wie dieser

Es sind diese Tage, an denen du schon frühmorgens schlecht gelaunt bist. Dunkle Wolken scheinen sich vor deine innere Sonne geschoben zu haben. Du bist aufgestanden und irgendetwas verhindert, dass du das Glas halbvoll sehen kannst. Stattdessen ist es für dich halbleer, genau wie dein Energiezustand, mit dem du fortan durch den Tag tigerst. Wer jetzt kein imaginäres Schutzschild vor sich her trägt, um deine Launen daran abprallen zu lassen, wird es schwer haben, an Tagen wie diesen.

Im Dialog

„Denkst du, dass deine Kinder etwas von deinen Gefühlen merken?“ Mein Leser-Interview zum Thema Regretting Motherhood

Vor ein paar Wochen bekam ich einen Kommentar von einer Leserin zum Beitrag „Regretting Motherhood – Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte“. In dem Beitrag erkläre ich meinen Frust der Fremdbestimmtheit durch Kinder und dass ich mich so schwer mit der permanenten Forderung nach Aufmerksamkeit tue. Am Ende ihres Kommentars hatte mir die Leserin einige Fragen gestellt, bei denen ich ahnte, dass die Beantwortung dieser erstens länger dauern, zweitens den Rahmen der Kommentarfunktion sprengen würde und drittens die Antworten vielleicht auch andere Leserinnen interessieren könnte. Deshalb werde ich sie heute als Leser-Interview veröffentlichen, in der Hoffnung, dass die verspätete Antwort auch noch den Weg zur betreffenden Fragestellerin findet.

Mama-Momente

Herzensheimat

Der Sand knirscht unter meinen Gummistiefeln, als ich an den leeren Strandkörben entlanglaufe. Die Sitzmöbel, die an warmen Sommertagen Besuchern von Nah und Fern Schutz vor der Sonne und einen Platz zum Ausruhen bieten, sehen nun selbst so aus, als ob sie Erholung benötigten und die kältere Jahreszeit zum Luftholen bräuchten. Auch ich atme tief durch, nicht nur, weil die nummerierten Körbe mich dazu animieren, weil die klare Seeluft mein Gesicht streift oder weil ich wieder mehr Zeit für mich neben dem Mamasein habe. Ich hole tief Luft, weil ich die Freiheit meiner Herzensheimat spüre.

Mama-Momente

Sarah Elisabeth

Den Namen meiner Tochter trug ich schon lange in mir. Länger noch, als den Namen des Jungen, der zuerst seinen Platz auf dieser Welt einnehmen würde. Sarah mit biblischem Hintergrund, der Zweitname Elisabeth war meiner verstorbenen Oma gewidmet. Sarah Elisabeth hatte bereits einen festen Platz in meinem Herzen und es war nur eine Frage der Zeit, wann sie auch einen sichtbaren Platz unter meinem Herzen einnehmen würde. Es war im Jahr 2011, als ich schwanger wurde, aber schon schnell, noch vor dem entscheidenden Ultraschall, fühlte ich, dass mein Erstgeborenes ein Junge werden würde. Sarah Elisabeth wartete derweil noch in himmlischen Sphären auf ihre Niederkunft.

Lebensfragen

Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschieben

„Was ist eine Tragödie? Richtig: Ein Drama, in dem der Held der Geschichte zum Scheitern verurteilt ist, egal, für welchen Weg er sich entscheidet.“ Es war unser Deutschlehrer, der uns in der achten Klasse Sophokles‘ „Antigone“ näherbringen wollte. Ich gebe zu, so richtig Feuer und Flamme waren wir damals nicht, was altgriechische Literatur anging, nicht mal den Namen der Protagonistin konnte auch nur einer von uns richtig aussprechen („An-ti-gone heißt es, Kinder! Nicht Antigoooone!“), geschweige denn den Inhalt verstehen. Heute kann ich es mehr, als mir lieb ist. Denn mein Leben fühlt sich derzeit selbst wie eine Tragödie an. Antigone im 21. Jahrhundert.

Gesellschaft

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte

Er kann mir durch den Kopf gehen, wenn ich meinem Sohn zum x-ten Male dabei zusehen und Beifall klatschen soll, wie er die Stange des hohen Klettergerüsts hinunterrutscht. Ich spreche ihn laut aus, wenn ich abends einfach nur meine Ruhe haben möchte und keine lautstarken Streitereien unter den Geschwisterkindern mehr ertrage. Es ist dieser eine Satz, von dem ich als Kinderlose niemals gedacht hatte, dass er so oft in meinem Mutterkopf präsent sein würde und mehr als jeder andere mein strapaziertes Stresslevel zum Ausdruck bringt: „Das Mamasein hatte ich mir vorher ganz anders vorgestellt.“

Mama-Momente

„Ich möchte nicht, dass meine Kinder Kind sind. Ich hätte lieber zwei kleine Erwachsene.“

Wenn eine Mutter so einen Satz von sich gibt, sollte sie sich ernsthaft fragen, warum sie Mutter geworden ist. Das hätte ich wohl früher geantwortet, wenn ich mit so einer Aussage konfrontiert gewesen wäre. Kinder, die nicht Kind sein dürfen, wie kinderfeindlich ist das denn bitte? Heute bin ich selbst die Mutter, die genau das sagt. Und ich bin bestimmt nicht Mutter von zwei Wunschkindern geworden, um meinen Kindern keine Kindheit zu gönnen. Ich stelle das nicht mit Stolz fest, sondern mit einer Mischung aus Überraschung und nüchterner Klarheit. Aber es stimmt: Es wäre mir lieber, meine Kinder hätten die Reife eines Erwachsenen.

Im Dialog

Wie verläuft eine Psychotherapie für Mütter mit Gefühlschaos rund ums Wochenbett? Katharina aus Graz im Interview

Als ich nach der Geburt meines ersten Sohnes in ein tiefes Loch fiel, wusste ich nicht, wieso. Der Baby-Blues, der typische Heultag aufgrund hormoneller Veränderungen, hielt nun schon seit Wochen an, ich fühlte nur Leere und mich keinesfalls bereit für die Mutterrolle. Meine Hebamme speiste mich ab mit den Worten „Das wird schon wieder!“ und mein Frauenarzt war nicht der Typ Mensch, dem ich von meiner geheimsten Gefühlswelt, meiner Ablehnung gegenüber meines Kindes, erzählen wollte. Postpartale Depressionen sind leider immer noch ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft. Und wenn eine junge Mutter daran erkrankt, benötigt sie dringend fachliche Hilfe und die Gewissheit, dass sie nicht alleine damit ist.

Mama-Momente

„Ich war hochsensibel und wusste es nicht.“ Mein mühsames Leben als Kind und Jugendliche

Von meiner Hochsensibilität weiß ich erst, seit ich Mutter meines jüngsten Sohnes bin. Das ist, im Gegensatz zu meinem restlichen Leben, nur ein kleiner Bruchteil. In den vier Jahren konnte ich rückblickend viel verstehen, akzeptieren und mich selbst annehmen. Die Zeit davor glich allerdings mehr einem Spießroutenlauf, inklusive Steinen, die ich mir zusätzlich selbst in den Weg legte. Irgendwann konnte ich mich selbst nicht mehr lieben. Und meine Eltern taten sich auch nicht immer leicht mit meiner Sensitivität.

Gesellschaft

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmen

Der Regen nieselte unablässig auf mich herab. Kein Mensch war zu sehen hier hinterm Deich. Die Bewohner der Campinganlage schienen noch zu schlafen um kurz nach Neun an diesem Samstagmorgen oder sie blieben bei dem Wetter lieber in ihren Zelten und fahrbaren Kleinstbehausungen. Ich war alleine unterwegs, während Mann und Kinder den Vormittag zuhause verbrachten. Nicht, weil es dort etwas Besonderes zu tun gab. Der Grund, warum ich etwas ohne den Rest meiner Familie unternahm, war schlicht und einfach jener, dass ich Zeit für mich alleine benötigte. Ich fühlte mich wie eine Rabenmutter.