Gesellschaft

„Hast du als Mutter schon mal den Gedanken gehabt, abzuhauen? Die Familie zu verlassen?“

Ich lag in meinem Bett, starrte kraftlos die Decke über mir an und wünschte mir zum ich-weiß-nicht-wievielten-Male ich würde endlich erwachen. Aufwachen aus diesem Albtraum namens Muttersein, der mich jetzt schon seit Monaten festhielt in dieser grausamen Wirklichkeit, die unwirklicher nicht sein konnte. Unser Mini war Anfang des Jahres geboren und obwohl ich zu ihm gleich eine Bindung aufbauen konnte -im Gegensatz zu meinem Ältesten nach dessen Geburt-, drohte ich, in dem viel zu engen Korsett namens Mutterrolle zu ersticken.

Lebensfragen

Verantwortung und Kümmern als Preis fürs Muttersein zu hoch?

Ich betrat gut gelaunt das Esszimmer und wünschte meiner Familie einen guten Morgen, während diese bereits die Schulbrote für die große Pause schmierte. Alle antworteten fröhlich, bis auf meinen Mini. Der Siebenjährige saß wie so oft in letzter Zeit mit diesem Gesichtsausdruck am Tisch, der verriet, dass da jemand ganz schlechte Laune hatte. Klar war auch, es lag nicht an mir. Und trotzdem durfte ich jetzt als Mutter wieder versuchen, die Ursache zu klären, den unerwiderten Guten-Morgen-Gruß und -Kuss nicht persönlich zu nehmen und mich nebenbei nicht selbst von dieser Stimmung anstecken zu lassen. Und wie so oft wünschte ich mir, einfach mal nicht die verständnisvolle Mutter geben, mich nicht um diese Angelegenheit kümmern zu müssen, alle pädagogisch wertvollen Ansätze über Bord zu werfen und meinen Sohn gleich hinterher.

Gesellschaft

Vom überbewerteten Wunsch, unseren Kindern ein möglichst „heiles“ Leben zu ermöglichen

Die Angst, Fehler zu machen, ist wohl auf unterschiedliche Art und Weise in jeder Mutter verankert. Vor allem die heutige Generation Mütter kann sich zwar durch das Internet einer Vielzahl an Erziehungsratgebern, Expertenmeinungen und unterschiedlichster Weltanschauungen hinsichtlich der „besten“ Umgangsmethoden bedienen (Gewaltfreie Erziehung, Attachement Parenting oder Beziehungsorientierte Pädagogik: Es schien noch nie so leicht wie heute, das Kind auf die beste Art und Weise großzuziehen), doch gleichzeitig war es noch nie so kompliziert, diese Lehren im Mutteralltag umzusetzen.

Gesellschaft

Lieblingsmensch

Premium-Blogbeitrag

Kennst du den gleichnamigen Song von Namika? Wenn ich dir sage, dass mein Lieblingsmensch mein Mann ist, wirst du im ersten Moment vielleicht lächeln. Solange man kinderlos oder frisch verliebt ist, scheint es das natürlichste auf der Welt zu sein, den Partner als Lieblingsmenschen zu bezeichnen. Ich bin aber nicht kinderlos und auch nicht frisch verliebt. Ich bin seit fast acht Jahren verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Und nach wie vor ist mein Mann meine Nummer eins, nicht meine Kinder. Lächelst du immer noch verständnisvoll?

Lebensfragen

Ich bin keine witzige Mama. Und warum das ernste Folgen haben kann.

„Tina ist immer so lustig, Mama!“ Mein Großer schmierte gerade sein Frühstücksbrot und bei der Erinnerung an seine Tante leuchteten seine Augen. Sein jüngerer Bruder stimmte kauend mit ein: „Ja, die macht immer so witzige Sachen! Wann können wir da mal wieder hin?“

Lustig, witzig, immer. Drei Wörter, die meine beiden Erstklässler schon öfter im Zusammenhang mit besonders engagierten Menschen um sie herum erwähnt haben – aber mit Sicherheit nicht, wenn es um ihre Mutter geht. Denn ich albere nicht mit meinen Jungs herum und kann auch nicht über ihre Witze lachen, geschweige denn selbst welche auf ihrem Niveau reißen.

Lebensfragen

Vom Hobby zur Berufung: Mein neuer Job im Pusteblumengarten

Als ich das erste Mal darüber nachdachte, einen Blog zu gründen, befand ich mich in der wohl schwersten Krise meines Lebens. Mein Jüngster war gerade ein halbes Jahr alt und zu seinem Bruder hatte ich immer noch keine gesunde Mutter-Kind-Bindung aufbauen können. Mein Wunschleben als Mutter hatte sich als mein persönlicher Albtraum entpuppt, schwere Monate einer postpartalen Depression gepaart mit der täglich einhergehenden Sehnsucht, die Familie, und somit mein gefühltes Gefängnis, zu verlassen.

Lebensfragen

Corona – Krise oder Chance für mich als freiheitsliebende Mutter?

Also gut, bringen wir es doch auf den Punkt: Die erste Woche war scheiße!
„Irgendwann wird es hier noch Tote geben – aber nicht aufgrund des Virus“ schimpfte ich leise vor mich hin, während ich versuchte, die Energie der in mir aufsteigenden Wut in die Spülbürste zu lenken, welche der Verkrustungen in der Bratpfanne vom letzten gemeinsamen Mittagessen an den Leib ging. Gerade hatte der Mann mir die Macke am Auto gezeigt, die „irgendwie versehentlich“ beim Spielen am Carport entstanden war, nachdem die Kinder vergessen hatten, dass sie diesen Bereich des Hofes zum Spielen meiden sollten. Irgendwie. Versehentlich. Vergessen. Drei Begriffe, die ich weiß Gott nicht zum ersten Mal von meinen Kindern hörte, aber seit die Regierung zum familiären Hausarrest aufgerufen hatte, wurden die Intervalle zwischen den versehentlichen Ausrutschern und Verstößen von Regeln immer kürzer. Wir alle gingen am Zahnfleisch. Und ich bereits am ersten Tag der politischen Verordnung.

Mama-Momente

„Ich konnte dich nicht trösten.“ Wenn Muttergefühl nur schmerzhaft langsam an Stelle von alten Ängsten tritt

Geliebter Mini,

du konntest nicht schlafen, du hattest Angst vor den Figuren aus der Geschichte, die du vorhin gehört hattest. Ich habe deine Tür offengelassen und das Licht im Flur angeknipst, wie ich es immer mache, wenn du nicht einschlafen kannst.

Ich will mich meinem Feierabend und mir selbst zuwenden, um wieder Kraft zu finden. Ich spüre, es geht noch nicht. Etwas hindert mich sanft daran. Es ist ein Gefühl, das sich in letzter Zeit immer öfter seinen Weg zu mir bahnt und mir doch noch nicht so vertraut ist: Mitgefühl. Sorge um mein Kind, der Wunsch, noch einmal zu dir hochzugehen, nach dem Rechten zu sehen, obwohl ich nicht weiß, wie ich dir deine Ängste nehmen kann.

Lebensfragen

Lohnt sich das Ganze überhaupt, wenn sich die Vergangenheit eh nicht mehr ändern lässt?

Je mehr ich mich mit mir und meiner eigenen schmerzhaften Vergangenheit auseinandersetze, je mehr Resignation und Rückschritten ich im Umgang mit meinen Kindern begegne, desto öfter stelle ich mir die Frage: Lohnt sich der Weg überhaupt, wenn sich die Vergangenheit eh nicht mehr ändern lässt? Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit keinen emotionalen Zugang zu meinem Ältesten bekam, als er das Licht der Welt erblickte, nachdem ich über sieben Jahre später immer noch feststellen muss, dass mein Zugang zu meiner Mütterlichkeit für meine Wunschvorstellungen zu oft blockiert ist, geht mir diese Frage ab und zu durch den Kopf: Ist es das überhaupt wert? Das ganze Kämpfen, die zermürbende Suche nach einem passenden Therapeuten, all die Zeit der Aufarbeitung, des Bemühens um eine halbwegs gute Beziehung zu meinen Söhnen? Werden sie mir je später verzeihen können oder wenden sie sich eh ab, weil sie zu viel emotionalen Schmerz und Ablehnung von ihrer Mutter erfahren haben?

Lebensfragen

Der innere Kritiker (und was das alles mit meinen Kindern zu tun hat)

Im Herbst letzten Jahres kam ich in die Situation, einen Parkschein ziehen zu müssen. Das kam nicht zum ersten Mal vor, aber ich erinnere mich deswegen so gut daran, da vor mir noch eine Frau stand, die ebenfalls ein Ticket benötigte. Irgendetwas schien sie vergessen zu haben, denn plötzlich hörte ich die Dame lauthals fluchen: „Ach was bin ich denn für eine blöde Kuh! Wie kann man nur so doof sein?“ Sie kramte noch kurz in ihrer Tasche und war dann wieder weg. Mein Herz blutete auf der Stelle und mein Mitgefühl schäumte über: Wie konnte diese Frau nur so unfreundlich mit sich selbst sprechen, ja, sich sogar regelrecht beschimpfen? Am liebsten hätte ich sie sofort in den Arm genommen und ihr gesagt, dass sie keine blöde Kuh ist, egal, was sie vergessen oder versäumt hatte. Ich persönlich komme nie auf die Idee, so herablassend mit mir zu reden, es ist mir völlig fremd. Das dachte ich zumindest bisher. Bis mir die Augen geöffnet wurden, dass ich jahrelang im Irrglauben lebte.