Gesellschaft

Schon wieder eine Pause? Warum Mütter mit Entwicklungstrauma kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie ständig Auszeiten benötigen

Die Idee für dieses Time-Out wuchs in mir heran, als meine Gedanken mal wieder Karussell fuhren. Wild und chaotisch, so nahm ich sie wahr. Vor allem geprägt von negativen Glaubenssätzen („Es wird ja eh nie besser“), durchtränkt von irrationalen Vorhaben („Morgen google ich ernsthaft nach einem Internat für die Jungs oder alternativ nach einer Zwei-Zimmer-Wohnung für mich“). Meinem Körper ging es nicht besser. Der Puls oben, der Zeiger meines imaginären Stressbarometers weit am Anschlag, es fühlte sich an wie kurz vorm Burnout.

Lebensfragen

10 Jahre Mutter sein mit Regretting Motherhood – Wie geht es mir heute?

Premium-Blogbeitrag

Bald ist es soweit und ich werde zehn Jahre Mutter sein. Angefangen hatte alles mit einer schweren postpartalen Depression und dem Wunsch, mein kinderloses Leben zurückzubekommen.

Kein schöner Start ins Muttersein, wenn Regretting Motherhood die Basis darstellt, obwohl ich mir (wie die meisten, die unter dem Phänomen leiden), so sehr gewünscht hatte, Mutter zu werden.

Nun sitze ich hier und verfasse nach 8 Jahren Bloggerdasein den sage und schreibe 400. (!!) Blogbeitrag (unglaublich, ich kann es selbst kaum greifen). Alleine daran erkenne ich, wie groß mein Bedürfnis war und ist, über dieses Lebensthema namens Muttersein zu schreiben. Meine Beiträge sind Ausdruck all meiner Gefühle, die ich dazu besitze.

Hand aufs Herz: Wie geht es mir nach fast genauso langer Zeit des Zusammenseins mit den Kindern, der Zeit der Aufarbeitung, der Therapiemaßnahmen und Selbstbesinnung? Wie ist es, wenn der Babystress wegfällt und die Kinder älter werden?

Lebensfragen

Heilt die Zeit wirklich alle Wunden?

„Die Zeit heilt alle Wunden“, mit diesen Worten rief einst der französische Philosoph Voltaire sein vielleicht berühmtestes Zitat ins Leben, das von Generation zu Generation so gerne weitergegeben wird – als Trost in schweren Stunden, wenn das Leben einem mehr Zitronen gibt, als man zu Limonade verarbeiten kann.
Aber stimmt seine Aussage tatsächlich? Kann die Zeit wirklich alle Wunden heilen? Oder wenigstens die eine oder andere? Denn spätestens mit dem Mutterwerden kann man die Worte Voltaires nicht mehr einfach so hinnehmen, ohne sie zu hinterfragen; das habe ich bereits kurz nach der Geburt meines Ältesten gemerkt.

Lebensfragen

Hingabe statt Aufopferung

Eine Szene aus einem Familienalltag beim gemeinsamen Abendessen: Die Mutter hat liebevoll und mit einem Lächeln auf den Lippen den Tisch gedeckt, summt dabei leise eine ausgedachte Melodie und ruft die Kinder, während sie noch den hübsch arrangierten Teller mit Gemüsesticks aus dem Kühlschrank holt. Die Kinder stürmen zu ihren Plätzen, nehmen die getane Arbeit ihrer Mutter gar nicht wahr, stattdessen der beherzte Griff zu Paprikastreifen und Käsebrot und -huch!-, in aller Hektik wurde der Becher Kakao umgestoßen und verteilt sich nun über den halben Tisch. Die Mutter wird nicht laut und schimpft auch nicht, sondern eilt zur Spüle, um einen Lappen zum Aufwischen zu holen. Halb so schlimm, Mama hilft aus der Patsche! Alles abgewischt und alles ist wieder gut, das familiäre Beisammensein kann weitergehen!