Lebensfragen

Im Gefängnis namens Muttersein dennoch ein selbstbestimmtes Leben führen

„Kinder! Kinder! Immer dreht sich alles nur um Kinder!“ Ich schimpfte lautstark vor mich hin und versetzte dem vergessenen Spielzeug vor meinen Füßen wütend einen Tritt. Der Tag war lang gewesen, Mini und Maxi nun endlich im Bett, aber in mir drin tobte noch immer ein Sturm. Eine Mischung aus Frust, Resignation und dem unbändigen Wunsch nach Freiheit. Die Fremdbestimmtheit, der ich Zeit meines Mamaseins ausgeliefert bin, sie brachte mich mal wieder an den Rand des Wahnsinns. Mama hier, Mama da, für die Christine in mir blieb einfach kein Raum. Und das sollte jetzt die nächsten Jahre, womöglich bis zum Auszug der beiden Jungs, so weitergehen? Sollte ich ganz im Nebel meiner Selbst verschwinden, völlig in den Hintergrund gedrängt von dieser Rolle, dieser Last, namens Mutter?

Mama-Momente

Der Boden unter den Füßen weggerissen

Der Boden wurde mir unter den Füßen weggerissen und ich falle. Es fühlt sich an wie die Fahrt mit einem schnellen Fahrstuhl vom Dach eines Hochhauses bis in den Keller in drei Sekunden. Das Herz macht einen unangenehmen Hopser, gelangt aus seinem Rhythmus und deine Knie werden weich, weil du dich im freien Raum befindest, ohne zu wissen, wann du wieder landen wirst. Kennst du das Gefühl? Mit mir ist genau das heute passiert. Das Telefon klingelte. Ein Anruf vom heilpädagogischen Kindergarten, in den unser Sohn Maxi ab übermorgen gehen soll. Dem Jugendamt würden noch Unterlagen fehlen, der Aufnahmetermin müsse daher auf unbestimmte Zeit nach hinten verschoben werden. Die Nachricht löste beinahe einen Nervenzusammenbruch in mir aus.

Mama-Momente

Fremdbestimmt auch nach fünf Jahren noch

An manchen Tagen überrollt sie mich wieder, die Fremdbestimmtheit. Dieses Gefühl, nur für die Kinder zu leben und nichts für mich machen zu dürfen. Am Freitag war es mal wieder soweit. Der Mann brauchte schon früh morgens das Auto und so brachten mein Sohn Maxi und ich den jüngeren Mini zu Fuß zum Kindergarten. Wir waren nicht mal auf der Hälfte der Strecke angekommen, da schossen mir schon die Tränen in die Augen.

Mama-Momente

Mama-Burn-Out: Dünnhäutige Tage

Heute Mittag habe ich heulend meine Pommes gegessen. Das kommt zum Glück nicht häufig vor (das Heulen meine ich, nicht das Pommes-Essen). Ich war also bereits um zwölf Uhr fertig mit den Nerven und ahnte: Dies ist wieder so ein Mama-Burn-Out-Tag. Zumindest fühlt sich der Name für solch einen Dauerzustand meiner Dünnhäutigkeit passend an. Ich fühlte mich nämlich jetzt schon wie ausgebrannt.

Kinderkram

Warum es für mich so schwer ist, mit meinen Kindern unter einem Dach zu leben

Das Zusammensein mit anderen Menschen ist für mich so eine Sache. Auf der einen Seite liebe ich die gemeinsame Zeit des Austauschs, der tiefsinnigen (oder manchmal auch einfach banalen) Gespräche und das Erleben von verschiedenen Persönlichkeiten, Ansichten und Temperamenten. Auf der anderen Seite ist genau das auch ein Punkt, der mich immer wieder die Einsamkeit aufsuchen lässt: Ich umgebe mich nämlich gerne mit Gleichgesinnten; Menschen, die ähnlich wie ich ticken und sich etwa auf meinem ruhigen Energielevel befinden.

Lebensfragen

Sind hochsensible Frauen die schlechteren Mütter?

Wie schwer es hochsensiblen Frauen fällt, ihre sensible Seite zu akzeptieren und in ihren Alltag zu integrieren bemerke ich immer wieder, nicht zuletzt an mir selbst. Dafür müssen diese Frauen nicht mal Mutter sein, auch ohne den „Eltern“-Stempel kommen Hochsensible schnell an ihre Grenzen: Ein Zuviel an Geräuschen, Gerüchen oder Emotionen (die eigenen oder die der Anderen) und schon ist die Hochsensible überfordert. Wie viel belastender das Ganze im Leben als Mutter mit einem oder mehreren Kindern sein muss, vor allem, wenn diese selbst hochsensibel sind, können in dem Ausmaß sicher nur andere hochsensitive Mütter nachvollziehen.

Im Dialog

„Ich nehme mir jeden Abend Zeit zum Danken.“ Ein tiefsinniger Liebster-Award

Um eines mal direkt klarzustellen: Ich kann mit Kettenbriefen genauso viel anfangen wie mit Backen oder Nähen: Nämlich gar nichts. Kettenbriefe, WhatsApp-Spiele, Blog-Stöckchen und mit was die Menschheit nicht noch alles derzeit so um sich wirft, sind wirklich nichts für mich, außer die reinste Zeitverschwendung. Ich habe eine Freundin, bei der nicht ein Tag vergeht, an dem sie mir nicht mindestens einen von diesem „Schicke diese Nachricht an mindestens elf weitere Personen oder du wirst die nächsten sieben Jahre Pech haben“-WhatsApp-Quatsch sendet. Wie gesagt, sie ist meine Freundin aus dem realen Leben. Nur deswegen kann ich ihr diese Liebesbekundungen gerade so verzeihen (und die Nachrichten gekonnt ignorieren). Und jetzt erhielt ich für meinen Mama-Blog bei Twitter eine Liebster-Award-Nominierung und mein erster Impuls war: „JUHU!“ Äh. Moment mal. Wie kommt das jetzt?

Lebensfragen

Manchmal

Manchmal hat ein Tag zu viele Stunden, eine Woche zu viele Tage, ein Jahr zu viele Sekunden. Du fragst dich, wo die Zeit geblieben ist, die du einmal nur für dich hattest. Als kein Kind deine permanente Aufmerksamkeit einforderte, keine Mutterpflichten dich in eine feste Alltagsstruktur zwangen. Die Zeit scheint verronnen, wie in einer Sanduhr.