Lebensfragen

Eine Entschuldigung tut gar nicht weh – Wenn Eltern Sätze sagen, die sie nicht sagen wollten

„Wenn du jetzt nicht mit dem Theater aufhörst, verkaufe ich dich an wildfremde Leute!“ Bäm! Da war er, der gefürchtete Satz. Dieser oder ein anderer von der Art Sprüche, die ich meinen Kindern niemals entgegenschleudern wollte. So Hirnrissige Ankündigungen, die man nicht mal im allergrößten Frust aussprechen möchte, selbst wenn man nicht mehr weiterweiß. Die man eigentlich nicht mal denken sollte. Androhungen, die man gewiss nicht durchsetzen würde, die mir jetzt aber über die Lippen kamen, weil ich dem Herrn Sohnemann mitteilen wollte, dass nun das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Und jetzt hatte ich es verkackt.

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Ist ab jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Eine Mutter, die zuvor noch einen fast unhörbaren Seufzer des Unmuts hervorstieß, wenn das Wochenende nahte und nun mit einem Freudenschrei die Kinderzimmertüren aufreißt, um endlich zwei Tage am Stück mit ihren Kindern spielen zu können. Eine Mutter, die ohne Murren die Taschentuchfetzen aus Waschmaschine und nasser Wäsche befreit und dabei mit einem Lächeln auf den Lippen sagt: „So sind Kinder eben.“ Eine Mutter, die früher die Mutterrolle bereut hat und sich nun auf die Seite der zufrieden gurrenden Vollblutmamis geschlagen hat.

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Im siebten Jahr Mamasein: Ich nehme die Mutterrolle an

„Es war einmal ein Vogel, der wünschte sich nichts sehnlicher als zwei Küken. Eines Tages fand er zwei Eier in seinem Nest. Nacheinander brütete er sie aus. Aber als die Küken geschlüpft waren, da legte sich ein Käfig über die kleine Vogelfamilie und mit ihm eine große Schwere. Wo vorher Gezwitscher und Vogelgesang vernehmbar war, herrschte nun Traurigkeit und Entsetzen. Der Vogel empfand plötzlich eine große Wehmut. Der Käfig hielt ihn gefangen und seine Freiheit schien dahin. Er rüttelte so fest er konnte an den Käfigstäben, kämpfte wie besessen, aber er fand keinen Ausweg, keine Tür, die ihm das Glück der Freiheit wiederbringen konnte.

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Rückzug nach Innen durch Schweigen

Manchmal, da ruft sie förmlich nach mir: Stille, Hüterin von Wahrheit und Weisheit. Wenn der Trubel im Außen zu wild, die Welt da Draußen zu laut wird, dann sehne ich mich nach Rückzug, Ruhe und Geborgenheit. Ich glaube es ist kein Zufall, dass viele Hochsensible eine unstillbare Sehnsucht nach dieser Art der Ruhe verspüren. Die Hektik des Alltags, der Lärm einer Welt, in der es nur höher, schneller und weiter gibt, überfordert das überempfindliche Gemüt.

Lebensfragen

„Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?“

Es ist wohl die am häufigsten gestellte Frage von Kritikern und ich muss gestehen: Wenn ich zum ersten Mal meinen eigenen Blog betreten würde mit all den Beiträgen zum Thema „Regretting Motherhood“ und denen mit dem Schlagwort „Mamafrust“ gekennzeichneten Postings, ich würde sicherlich verwundert, wenn nicht gar entsetzt die gleiche Frage stellen. Ja, warum bitte schön verfasse ich denn am laufenden Meter Texte, in denen es sich immer und immer wieder um den stressigen, nervigen und energiezehrenden Alltag als hochsensible Mutter dreht? Warum habe ich denn überhaupt Kinder in die Welt gesetzt? Weiß doch Jeder, dass Muttersein nicht nur Glück pur bedeutet, sondern auch mit einer gehörigen Portion Stress bestückt ist! Nimm dir einen heißen Kakao und ein paar von den Vanillekeksen (die auf dem Backblech sind noch warm!) aus meiner Küche und mache es dir bequem: Ich will dir gerne eine Antwort auf deine Fragen geben.

Lebensfragen

Zeit für mich – Wieviel davon nutze ich tatsächlich nur für mein Selbst?

„Heute nehme ich mir ganz viel Zeit für mich!“ Mit diesen Worten begrüßte ich heute Morgen meinen Mann und den anstehenden Tag. Es war Sonntag und das bedeutete Papa-Kind-Tag. Ein Tag, an dem ich mich vom Familienprogramm zurückziehen und mich mal nur um mich und meine Befindlichkeiten kümmern dufte, während der Mann Mini und Maxi bespaßte. Herrlich! Gleich nach dem Frühstück konnte es losgehen mit Entspannen. Bis zum späten Vormittag wäre ich also sicherlich so relaxt wie Buddha. Von wegen!

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Einfach mal nicht „müssen“ müssen

Ich schrecke aus dem Schlaf hoch und bin schlagartig wach. War da nicht gerade ein Geräusch vor der Schlafzimmertür? Das erste Kind ist also wach und ich bin es somit auch. Mein Magen krampft sich zusammen und meinen Herzschlag kann ich förmlich fühlen, so wild hämmert es in meiner Brust. Die Nacht ist vorüber, ein neuer Tag beginnt. Völlig egal, ob es erst fünf Uhr in der Früh ist oder schon kurz vor halb Sieben, wenn der Wecker klingelt. Mit dem ersten leisen Mucks stellt sich mein Gehirn in den aufnahmebereiten Modus und kommt nicht mehr zur Ruhe. Gleich muss ich aufstehen, ab jetzt muss ich Verantwortung übernehmen, von nun an dreht sich wieder das Hamsterrad namens Mutterrolle und ich muss einsteigen. Müssen, müssen, müssen.

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Steht mir die Hochsensibilität im Weg, eine gute Freundin zu finden?

„Hallo Christine! Über deine Nachricht habe ich mich sehr gefreut. Gerne können wir uns die Tage mal treffen. Ich melde mich dann bei dir, wenn es passt. Liebe Grüße Stefanie.“ Ich starrte auf mein Handy und konnte es kaum glauben. Stefanie*, die sympathische Mutter von Moritz, der mit meinem Mini in die gleiche Kindergartengruppe geht, hatte tatsächlich positiv auf meine Nachricht reagiert und einem Kaffeetrinken zugestimmt. Wir hatten uns am Tag der Eingewöhnung unserer Kinder kennengelernt, eine Woche, nachdem wir in das kleine Städtchen an der Nordseeküste gezogen waren, und uns nett zwischen Schaukel und Sandkasten unterhalten. Und trotzdem verfolgte mich die eine Frage: Würde es diesmal klappen? Könnte aus dem einmaligen Kaffeetrinken Freundschaft werden?

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Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschieben

„Was ist eine Tragödie? Richtig: Ein Drama, in dem der Held der Geschichte zum Scheitern verurteilt ist, egal, für welchen Weg er sich entscheidet.“ Es war unser Deutschlehrer, der uns in der achten Klasse Sophokles‘ „Antigone“ näherbringen wollte. Ich gebe zu, so richtig Feuer und Flamme waren wir damals nicht, was altgriechische Literatur anging, nicht mal den Namen der Protagonistin konnte auch nur einer von uns richtig aussprechen („An-ti-gone heißt es, Kinder! Nicht Antigoooone!“), geschweige denn den Inhalt verstehen. Heute kann ich es mehr, als mir lieb ist. Denn mein Leben fühlt sich derzeit selbst wie eine Tragödie an. Antigone im 21. Jahrhundert.

Lebensfragen

Im Gefängnis namens Muttersein dennoch ein selbstbestimmtes Leben führen

„Kinder! Kinder! Immer dreht sich alles nur um Kinder!“ Ich schimpfte lautstark vor mich hin und versetzte dem vergessenen Spielzeug vor meinen Füßen wütend einen Tritt. Der Tag war lang gewesen, Mini und Maxi nun endlich im Bett, aber in mir drin tobte noch immer ein Sturm. Eine Mischung aus Frust, Resignation und dem unbändigen Wunsch nach Freiheit. Die Fremdbestimmtheit, der ich Zeit meines Mamaseins ausgeliefert bin, sie brachte mich mal wieder an den Rand des Wahnsinns. Mama hier, Mama da, für die Christine in mir blieb einfach kein Raum. Und das sollte jetzt die nächsten Jahre, womöglich bis zum Auszug der beiden Jungs, so weitergehen? Sollte ich ganz im Nebel meiner Selbst verschwinden, völlig in den Hintergrund gedrängt von dieser Rolle, dieser Last, namens Mutter?