Lebensfragen

Im Gefängnis namens Muttersein dennoch ein selbstbestimmtes Leben führen

„Kinder! Kinder! Immer dreht sich alles nur um Kinder!“ Ich schimpfte lautstark vor mich hin und versetzte dem vergessenen Spielzeug vor meinen Füßen wütend einen Tritt. Der Tag war lang gewesen, Mini und Maxi nun endlich im Bett, aber in mir drin tobte noch immer ein Sturm. Eine Mischung aus Frust, Resignation und dem unbändigen Wunsch nach Freiheit. Die Fremdbestimmtheit, der ich Zeit meines Mamaseins ausgeliefert bin, sie brachte mich mal wieder an den Rand des Wahnsinns. Mama hier, Mama da, für die Christine in mir blieb einfach kein Raum. Und das sollte jetzt die nächsten Jahre, womöglich bis zum Auszug der beiden Jungs, so weitergehen? Sollte ich ganz im Nebel meiner Selbst verschwinden, völlig in den Hintergrund gedrängt von dieser Rolle, dieser Last, namens Mutter?

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Mein Brief an Mütter mit Wochenbettdepression

Liebe traurige Seele,

meine Zeilen gehen an dich, wenn du seit der Geburt deines Kindes keine Freude mehr empfindest. Du hattest dir das Mamasein ganz anders vorgestellt, eigentlich solltest du doch jetzt glücklich sein, oder? Warum fühlt es sich dann so leer an? Du bist erschöpft, von was genau weißt du manchmal gar nicht so recht.

Lebensfragen

Soll ich Anderen von meiner Hochsensibilität erzählen?

„Liebe Maria, es tut mir leid, aber ich muss für deinen Geburtstag absagen, ich bin an dem Abend bereits verplant.“ Schweren Herzens tippte ich die Worte in mein Handy und drückte erst im dritten Anlauf auf „Absenden“. Ich war nicht nur (was selten genug vorkommt und deshalb zu meinen Highlights zählt) zu einer Geburtstagsparty eingeladen worden, sondern dazu noch zu einem waschechten Mädelsabend inklusive Übernachtung, Cocktails mit Schirmchen und Spaß ohne Ende. Es wäre für mich seit langem mal wieder ein Abend in kinderloser Freiheit gewesen, ein Angebot, das ich unmöglich ausschlagen konnte. Trotzdem tat ich es. Der Grund dafür war meine Hochsensibilität. Maria erzählte ich nichts davon.

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Küstenkind – Ein Umzug wider die Vernunft

Es war nur ein kurzes Gekritzel. Keine zwei Sekunden meiner Zeit beanspruchte diese kleine Notiz. Und doch bedeutete sie mir mehr als alles andere. Es war nicht nur irgendein Wort, das ich da niederschrieb. Es war meine Unterschrift, die Unterzeichnung eines Mietvertrags. Im Sommer würden wir also umziehen. Ans Meer. So, wie ich es mir immer erträumt hatte. Sand, Strand, Wasser. Ein Paradies für uns und der traumhafte Ort für unsere Kinder, um groß zu werden. Es bedeutete ein ganz neues Leben.

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Sind hochsensible Frauen die schlechteren Mütter?

Wie schwer es hochsensiblen Frauen fällt, ihre sensible Seite zu akzeptieren und in ihren Alltag zu integrieren bemerke ich immer wieder, nicht zuletzt an mir selbst. Dafür müssen diese Frauen nicht mal Mutter sein, auch ohne den „Eltern“-Stempel kommen Hochsensible schnell an ihre Grenzen: Ein Zuviel an Geräuschen, Gerüchen oder Emotionen (die eigenen oder die der Anderen) und schon ist die Hochsensible überfordert. Wie viel belastender das Ganze im Leben als Mutter mit einem oder mehreren Kindern sein muss, vor allem, wenn diese selbst hochsensibel sind, können in dem Ausmaß sicher nur andere hochsensitive Mütter nachvollziehen.

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Manchmal

Manchmal hat ein Tag zu viele Stunden, eine Woche zu viele Tage, ein Jahr zu viele Sekunden. Du fragst dich, wo die Zeit geblieben ist, die du einmal nur für dich hattest. Als kein Kind deine permanente Aufmerksamkeit einforderte, keine Mutterpflichten dich in eine feste Alltagsstruktur zwangen. Die Zeit scheint verronnen, wie in einer Sanduhr.

Lebensfragen

Akzeptieren vom Muttersein ist für mich ein Prozess

Früher war der Fall für mich Sonnenklar. Früher, als ich noch kinderlos war und vollkommen naiv meiner Belastbarkeitsgrenze gegenüber stand. „Was bedeutet für dich Freiheit?“ Über diese Frage brauchte ich nicht lange nachzudenken. „Nicht im Gefängnis zu sitzen“, genau so hätte meine Antwort gelautet. Nicht mehr und nicht weniger. Wieso sollte es unter meinen Lebensumständen auch eine andere Form des persönlichen Freiheitsentzugs geben? Heute würde meine Antwort garantiert differenzierter ausfallen, denn heute bin ich nicht mehr kinderlos. Heute bin ich Mutter von zwei Jungen im Alter von knapp fünf und vier Jahren und hochsensibel.

Lebensfragen

Ein weiteres Kind trotz Wochenbettdepression?

„Ich bin schwanger.“ Ich stand im Badezimmer, den Blick auf das Display des Schwangerschaftstests geheftet. Eine Überraschung war das für mich nicht. Die leise Ahnung begleitete mich schon eine ganze Weile. Eine Tür weiter warteten mein Mann und Maxi, denen ich gleich das Ergebnis präsentieren durfte. Der eine würde sich freuen, da war ich mir sicher, der andere höchstens unabsichtlich mit seinen winzigen Ärmchen rudern – schließlich war mein Erstgeborener gerade mal sechs Wochen alt und konnte noch keine Vorfreude auf ein zukünftiges Geschwisterchen aufbringen. Und ich? Konnte ich mich freuen? Immerhin beherrschten seit exakt ebendiesen sechs Wochen depressive Stimmungen mein Gemüt. Wochenbettdepressionen.

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Das Geschenk des Zuhörens

In Michael Endes Verfilmung seiner gleichnamigen Romanfigur „Momo“ gibt es ziemlich am Anfang eine Szene, in der das junge Mädchen bei einer älteren Frau im Wohnzimmer vor deren Vogelkäfig sitzt. Während Momo einfach nur still dasitzt, hört man die Alte im Hintergrund klagen, ihr Vogel hätte vor langer Zeit einfach aufgehört zu singen. Noch während Momo weiterhin still neben dem Käfig sitzt und ihre ganze Aufmerksamkeit dem Piepmatz gilt, fängt dieser plötzlich wie von Zauberhand an, sein schönstes Lied zu trällern. Die alte Dame ist vor Freude völlig außer sich und fragt das kleine Mädchen, wie sie es geschafft habe, ihn wieder zum Singen zu bringen. Darauf erwidert Momo nur: „Ich glaube, man muss ihm zuhören, auch, wenn er nicht singt.“ Diese Szene blieb mir bis heute gut in Erinnerung, weil ich ihre Aussage so stark fand.

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Warum ich gerne schon als Kinderlose von meiner Hochsensibilität gewusst hätte

Dass ich hochsensibel bin, davon erfuhr ich erst viele Monate, nachdem mein zweiter Sohn geboren wurde. Rückblickend stellte ich mir so manches Mal die Frage, ob es etwas geändert hätte, wenn ich schon als Kinderlose von meinem hochsensitiven Wesenszug gewusst hätte. Wäre ich von postpartalen Depressionen verschont geblieben? Von all den dunklen Stunden, in denen ich die Mutterrolle bereut habe? Und die wohl entscheidende Frage von allen: Hätte ich heute überhaupt Kinder?