Lebensfragen

Zeit für mich – Wieviel davon nutze ich tatsächlich nur für mein Selbst?

„Heute nehme ich mir ganz viel Zeit für mich!“ Mit diesen Worten begrüßte ich heute Morgen meinen Mann und den anstehenden Tag. Es war Sonntag und das bedeutete Papa-Kind-Tag. Ein Tag, an dem ich mich vom Familienprogramm zurückziehen und mich mal nur um mich und meine Befindlichkeiten kümmern dufte, während der Mann Mini und Maxi bespaßte. Herrlich! Gleich nach dem Frühstück konnte es losgehen mit Entspannen. Bis zum späten Vormittag wäre ich also sicherlich so relaxt wie Buddha. Von wegen!

Lebensfragen

Einfach mal nicht „müssen“ müssen

Ich schrecke aus dem Schlaf hoch und bin schlagartig wach. War da nicht gerade ein Geräusch vor der Schlafzimmertür? Das erste Kind ist also wach und ich bin es somit auch. Mein Magen krampft sich zusammen und meinen Herzschlag kann ich förmlich fühlen, so wild hämmert es in meiner Brust. Die Nacht ist vorüber, ein neuer Tag beginnt. Völlig egal, ob es erst fünf Uhr in der Früh ist oder schon kurz vor halb Sieben, wenn der Wecker klingelt. Mit dem ersten leisen Mucks stellt sich mein Gehirn in den aufnahmebereiten Modus und kommt nicht mehr zur Ruhe. Gleich muss ich aufstehen, ab jetzt muss ich Verantwortung übernehmen, von nun an dreht sich wieder das Hamsterrad namens Mutterrolle und ich muss einsteigen. Müssen, müssen, müssen.

Lebensfragen

Steht mir die Hochsensibilität im Weg, eine gute Freundin zu finden?

„Hallo Christine! Über deine Nachricht habe ich mich sehr gefreut. Gerne können wir uns die Tage mal treffen. Ich melde mich dann bei dir, wenn es passt. Liebe Grüße Stefanie.“ Ich starrte auf mein Handy und konnte es kaum glauben. Stefanie*, die sympathische Mutter von Moritz, der mit meinem Mini in die gleiche Kindergartengruppe geht, hatte tatsächlich positiv auf meine Nachricht reagiert und einem Kaffeetrinken zugestimmt. Wir hatten uns am Tag der Eingewöhnung unserer Kinder kennengelernt, eine Woche, nachdem wir in das kleine Städtchen an der Nordseeküste gezogen waren, und uns nett zwischen Schaukel und Sandkasten unterhalten. Und trotzdem verfolgte mich die eine Frage: Würde es diesmal klappen? Könnte aus dem einmaligen Kaffeetrinken Freundschaft werden?

Lebensfragen

Die Tragödie namens Kinderbetreuung. Oder: Vom Gefühl, meine Kinder abzuschieben

„Was ist eine Tragödie? Richtig: Ein Drama, in dem der Held der Geschichte zum Scheitern verurteilt ist, egal, für welchen Weg er sich entscheidet.“ Es war unser Deutschlehrer, der uns in der achten Klasse Sophokles‘ „Antigone“ näherbringen wollte. Ich gebe zu, so richtig Feuer und Flamme waren wir damals nicht, was altgriechische Literatur anging, nicht mal den Namen der Protagonistin konnte auch nur einer von uns richtig aussprechen („An-ti-gone heißt es, Kinder! Nicht Antigoooone!“), geschweige denn den Inhalt verstehen. Heute kann ich es mehr, als mir lieb ist. Denn mein Leben fühlt sich derzeit selbst wie eine Tragödie an. Antigone im 21. Jahrhundert.

Lebensfragen

Im Gefängnis namens Muttersein dennoch ein selbstbestimmtes Leben führen

„Kinder! Kinder! Immer dreht sich alles nur um Kinder!“ Ich schimpfte lautstark vor mich hin und versetzte dem vergessenen Spielzeug vor meinen Füßen wütend einen Tritt. Der Tag war lang gewesen, Mini und Maxi nun endlich im Bett, aber in mir drin tobte noch immer ein Sturm. Eine Mischung aus Frust, Resignation und dem unbändigen Wunsch nach Freiheit. Die Fremdbestimmtheit, der ich Zeit meines Mamaseins ausgeliefert bin, sie brachte mich mal wieder an den Rand des Wahnsinns. Mama hier, Mama da, für die Christine in mir blieb einfach kein Raum. Und das sollte jetzt die nächsten Jahre, womöglich bis zum Auszug der beiden Jungs, so weitergehen? Sollte ich ganz im Nebel meiner Selbst verschwinden, völlig in den Hintergrund gedrängt von dieser Rolle, dieser Last, namens Mutter?

Lebensfragen

Mein Brief an Mütter mit Wochenbettdepression

Liebe traurige Seele,

meine Zeilen gehen an dich, wenn du seit der Geburt deines Kindes keine Freude mehr empfindest. Du hattest dir das Mamasein ganz anders vorgestellt, eigentlich solltest du doch jetzt glücklich sein, oder? Warum fühlt es sich dann so leer an? Du bist erschöpft, von was genau weißt du manchmal gar nicht so recht.

Lebensfragen

Soll ich Anderen von meiner Hochsensibilität erzählen?

„Liebe Maria, es tut mir leid, aber ich muss für deinen Geburtstag absagen, ich bin an dem Abend bereits verplant.“ Schweren Herzens tippte ich die Worte in mein Handy und drückte erst im dritten Anlauf auf „Absenden“. Ich war nicht nur (was selten genug vorkommt und deshalb zu meinen Highlights zählt) zu einer Geburtstagsparty eingeladen worden, sondern dazu noch zu einem waschechten Mädelsabend inklusive Übernachtung, Cocktails mit Schirmchen und Spaß ohne Ende. Es wäre für mich seit langem mal wieder ein Abend in kinderloser Freiheit gewesen, ein Angebot, das ich unmöglich ausschlagen konnte. Trotzdem tat ich es. Der Grund dafür war meine Hochsensibilität. Maria erzählte ich nichts davon.

Lebensfragen

Küstenkind – Ein Umzug wider die Vernunft

Es war nur ein kurzes Gekritzel. Keine zwei Sekunden meiner Zeit beanspruchte diese kleine Notiz. Und doch bedeutete sie mir mehr als alles andere. Es war nicht nur irgendein Wort, das ich da niederschrieb. Es war meine Unterschrift, die Unterzeichnung eines Mietvertrags. Im Sommer würden wir also umziehen. Ans Meer. So, wie ich es mir immer erträumt hatte. Sand, Strand, Wasser. Ein Paradies für uns und der traumhafte Ort für unsere Kinder, um groß zu werden. Es bedeutete ein ganz neues Leben.

Lebensfragen

Sind hochsensible Frauen die schlechteren Mütter?

Wie schwer es hochsensiblen Frauen fällt, ihre sensible Seite zu akzeptieren und in ihren Alltag zu integrieren bemerke ich immer wieder, nicht zuletzt an mir selbst. Dafür müssen diese Frauen nicht mal Mutter sein, auch ohne den „Eltern“-Stempel kommen Hochsensible schnell an ihre Grenzen: Ein Zuviel an Geräuschen, Gerüchen oder Emotionen (die eigenen oder die der Anderen) und schon ist die Hochsensible überfordert. Wie viel belastender das Ganze im Leben als Mutter mit einem oder mehreren Kindern sein muss, vor allem, wenn diese selbst hochsensibel sind, können in dem Ausmaß sicher nur andere hochsensitive Mütter nachvollziehen.

Lebensfragen

Manchmal

Manchmal hat ein Tag zu viele Stunden, eine Woche zu viele Tage, ein Jahr zu viele Sekunden. Du fragst dich, wo die Zeit geblieben ist, die du einmal nur für dich hattest. Als kein Kind deine permanente Aufmerksamkeit einforderte, keine Mutterpflichten dich in eine feste Alltagsstruktur zwangen. Die Zeit scheint verronnen, wie in einer Sanduhr.