Mama-Momente

Die gestutzten Flügel

Manchmal befürchte ich, dich verloren zu haben. Ich versuche oft, mir dein Gesicht in Erinnerung zu rufen. Orte, an denen du gewesen bist, nicht nur mit deinem Körper, sondern auch mit deinem Herzen. Kannst du dich noch an den grandiosen Sternenhimmel erinnern, unter dem du standest, mitten in der Nacht auf dem weiten Feldacker? Du fühltest dich so klein und gleichzeitig verbunden mit allem. Oder als du auf dem runden Geburtstag deines Großvaters die Sonate von Vivaldi auf deiner Geige zum Besten gegeben hast. Du hattest so lange das schwierige Stück geübt und beim letzten Bogenstrich unter tosendem Applaus gemerkt wie perfekt dein Vortrag war. Du hast gespürt, wie leicht das Leben sich anfühlen kann. Das scheint lange her.

Gesellschaft

Warum Mütter, die ihre Mutterrolle bereuen, in unserer Gesellschaft die Arschkarte gezogen haben

Wenn du eine Mutter bist, die ihr Muttersein nicht als das große Glück empfindet, hast du in unserer Gesellschaft die Arschkarte gezogen. Oh, entschuldige bitte, jetzt habe ich mich auch noch einer unfeinen Ausdrucksweise bedient, also, wenn man es so nennen will, habe ich zweimal unangemessen agiert: Zum einen bedaure ich es oft genug, Mutter zu sein und zum anderen werfe ich jetzt auch noch mit unschönen Begriffen um mich. Nun, die Arschkarte nehme ich zurück, für meine Gefühle entschuldige ich mich nicht. Und auch nicht dafür, immer und immer wieder darüber zu bloggen, wenn ich von dem Kleinkindgehampel um mich herum mal wieder die Nase voll habe.

Im Dialog

Gastbeitrag auf Zartbesaitet.net zum Thema Regretting Motherhood

Als mich Ingrid Parlow vom Verein „Zartbesaitet“ fragte, ob ich nicht Lust hätte, einen Gastbeitrag zum Thema „Regretting Motherhood“ für ihren neu errichteten Blog zu schreiben, fühlte ich mich mehr als nur geehrt – tatsächlich schwankte ich zwischen Ohnmächtig werden und Ausflippen vor Freude! Ausgerechnet zartbesaitet.net! Für mich die Königin unter den Institutionen zum Thema Hochsensibilität!

Mama-Momente

Unstillbare Sehnsucht nach kinderfreien Zeiten

„Wenn ihr wollt, könnt ihr auch gerne ein paar Stündchen für euch haben, wir passen dann in der Zeit auf die Kinder auf!“ Als meine Schwiegermutter beim Abendbrot diesen Satz laut aussprach, ahnte sie wahrscheinlich nur ansatzweise, welche Fesseln sie damit bei mir sprengte. Kinderfrei. Zeit nur für meinen Mann und mich alleine. Die Türen meines inneren Gefängnisses wurden geöffnet, der Geruch von Freiheit lag schon in der Luft. Und doch war da noch etwas. Ein Gefühl, das mir im nächsten ungestörten Moment einen dicken Kloß im Hals bescherte und mir Tränen in die Augen stiegen ließ. Es war das Wissen um die Endlichkeit dieser kinderfreien Momente.

Lebensfragen

„Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?“

Es ist wohl die am häufigsten gestellte Frage von Kritikern und ich muss gestehen: Wenn ich zum ersten Mal meinen eigenen Blog betreten würde mit all den Beiträgen zum Thema „Regretting Motherhood“ und denen mit dem Schlagwort „Mamafrust“ gekennzeichneten Postings, ich würde sicherlich verwundert, wenn nicht gar entsetzt die gleiche Frage stellen. Ja, warum bitte schön verfasse ich denn am laufenden Meter Texte, in denen es sich immer und immer wieder um den stressigen, nervigen und energiezehrenden Alltag als hochsensible Mutter dreht? Warum habe ich denn überhaupt Kinder in die Welt gesetzt? Weiß doch Jeder, dass Muttersein nicht nur Glück pur bedeutet, sondern auch mit einer gehörigen Portion Stress bestückt ist! Nimm dir einen heißen Kakao und ein paar von den Vanillekeksen (die auf dem Backblech sind noch warm!) aus meiner Küche und mache es dir bequem: Ich will dir gerne eine Antwort auf deine Fragen geben.

Gesellschaft

Der Traum

Ich stand an der Bahnsteigkante und winkte meinem Ältesten zu. Maxi hatte bereits die letzten Stufen des Intercitys erklommen und lächelte in meine Richtung. „Tschüss Mama, bis in einer Woche!“ „Ja bis dann! Viel Spaß bei der Omi!“ rief ich ihm hinterher, während der Schaffner weiter hinten am Gleis bereits zur Abfahrt pfiff und der Zug sich langsam in Bewegung setzte. Eine Woche, dachte ich bei mir und realisierte zeitgleich, was das für mich bedeutete. Eine Woche kinderlos, sieben Tage keine Verantwortung rund um die Uhr für jemand anderen tragen müssen. Das Gefühl der Erleichterung, der Geschmack von Freiheit setzte unmittelbar ein und ich entspannte augenblicklich. Beinahe im selben Moment, vielleicht nur eine Zehntelsekunde später, durchfuhr mich ein Ruck und zwang mich, meine Augen zu öffnen. Ich stand nicht auf dem Bahnsteig, ich lag in meinem Bett, nebenan im Zimmer Maxi, der gleich bespaßt werden wollte. Ich hatte alles nur geträumt und sofort krampfte mein Herz zusammen.

Mama-Momente

Warum ich so eine Panik davor habe, mit meinen Kindern alleine zu sein

Ich schloss die Tür und lehnte mich erschöpft von Innen dagegen. Ich hörte mich vor Erleichterung laut aufseufzen und atmete tief ein. Endlich alleine. Der Blick zur Uhr zeigte Punkt Acht. Maxi war gerade vom Kindergartenbus abgeholt worden und mit ihm verschwand auch die Unruhe, die bis dahin hier im Haus geherrscht hatte. Die letzte Stunde waren wir zwei alleine gewesen; ein Zustand, den ich nur sehr schwer aushalte. Aber jetzt war Maxi fort und ich wieder für mich. Noch einmal seufzte ich schwer und langsam fiel die Last von mir ab. Ich hatte den Morgen überlebt.

Lebensfragen

Einfach mal nicht „müssen“ müssen

Ich schrecke aus dem Schlaf hoch und bin schlagartig wach. War da nicht gerade ein Geräusch vor der Schlafzimmertür? Das erste Kind ist also wach und ich bin es somit auch. Mein Magen krampft sich zusammen und meinen Herzschlag kann ich förmlich fühlen, so wild hämmert es in meiner Brust. Die Nacht ist vorüber, ein neuer Tag beginnt. Völlig egal, ob es erst fünf Uhr in der Früh ist oder schon kurz vor halb Sieben, wenn der Wecker klingelt. Mit dem ersten leisen Mucks stellt sich mein Gehirn in den aufnahmebereiten Modus und kommt nicht mehr zur Ruhe. Gleich muss ich aufstehen, ab jetzt muss ich Verantwortung übernehmen, von nun an dreht sich wieder das Hamsterrad namens Mutterrolle und ich muss einsteigen. Müssen, müssen, müssen.

Im Dialog

„Denkst du, dass deine Kinder etwas von deinen Gefühlen merken?“ Mein Leser-Interview zum Thema Regretting Motherhood

Vor ein paar Wochen bekam ich einen Kommentar von einer Leserin zum Beitrag „Regretting Motherhood – Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte“. In dem Beitrag erkläre ich meinen Frust der Fremdbestimmtheit durch Kinder und dass ich mich so schwer mit der permanenten Forderung nach Aufmerksamkeit tue. Am Ende ihres Kommentars hatte mir die Leserin einige Fragen gestellt, bei denen ich ahnte, dass die Beantwortung dieser erstens länger dauern, zweitens den Rahmen der Kommentarfunktion sprengen würde und drittens die Antworten vielleicht auch andere Leserinnen interessieren könnte. Deshalb werde ich sie heute als Leser-Interview veröffentlichen, in der Hoffnung, dass die verspätete Antwort auch noch den Weg zur betreffenden Fragestellerin findet.

Gesellschaft

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte

Er kann mir durch den Kopf gehen, wenn ich meinem Sohn zum x-ten Male dabei zusehen und Beifall klatschen soll, wie er die Stange des hohen Klettergerüsts hinunterrutscht. Ich spreche ihn laut aus, wenn ich abends einfach nur meine Ruhe haben möchte und keine lautstarken Streitereien unter den Geschwisterkindern mehr ertrage. Es ist dieser eine Satz, von dem ich als Kinderlose niemals gedacht hatte, dass er so oft in meinem Mutterkopf präsent sein würde und mehr als jeder andere mein strapaziertes Stresslevel zum Ausdruck bringt: „Das Mamasein hatte ich mir vorher ganz anders vorgestellt.“