Gesellschaft

Drahtseilakt am Feiertag aus Sicht einer hochsensiblen Mutter

Manche Monate im Leben mit Kleinkindern sind da, um schnellstmöglich überwunden zu werden. Ich erinnere mich da an die ewig lange Zeit, als die Babys noch nicht durchgeschlafen haben (ergo wir auch nicht) oder die Wochen, in denen die Dreimonatskolik unseres Jüngsten uns auf Trab gehalten hat. Heute, sechs Jahre später, liegen die Jungs im Schnitt länger als wir im Bett (beneidenswert!) und haben so selten Bauchschmerzen wie unsere Zimmerpflanzen auf der Fensterbank überleben (also nur hin und wieder mal). Und dennoch gibt es auch heute noch Monate, die mir den Angstschweiß ins Gesicht treiben und zu meinem persönlichen Endgegner werden. Ich meine einen im Speziellen und das ist in diesem Jahr der Mai.

Kinderkram

Wohnen hier überhaupt Kinder?

In der Tat, eine berechtigte Frage. Nein, sie wurde mir noch nicht gestellt. Außer natürlich schon ganz oft von meiner inneren Stimme, vornehmlich als schlechtes Gewissen verkleidet. Und dennoch grenzt es förmlich an ein Wunder, dass mich noch kein Besucher irritiert auf die fehlenden Hinweise zweier vorhandener Kinder aufmerksam gemacht hat. Vielleicht liegt es daran, dass wir selten Besuch bekommen, außer von unseren Eltern oder ein paar polnischen Handwerkern, die in dem Altbau mal wieder etwas reparieren müssen. Handwerker fragen nicht nach nicht-vorhandenem Spielzeug. Und unsere Eltern halten sich vielleicht diskret zurück. Dennoch: Sollte man beim Betreten eines Hauses, in dem auch kleine Kinder leben, nicht augenblicklich über ein paar Legosteine und Spielzeugfiguren stolpern?

Mama-Momente

Die gestutzten Flügel

Manchmal befürchte ich, dich verloren zu haben. Ich versuche oft, mir dein Gesicht in Erinnerung zu rufen. Orte, an denen du gewesen bist, nicht nur mit deinem Körper, sondern auch mit deinem Herzen. Kannst du dich noch an den grandiosen Sternenhimmel erinnern, unter dem du standest, mitten in der Nacht auf dem weiten Feldacker? Du fühltest dich so klein und gleichzeitig verbunden mit allem. Oder als du auf dem runden Geburtstag deines Großvaters die Sonate von Vivaldi auf deiner Geige zum Besten gegeben hast. Du hattest so lange das schwierige Stück geübt und beim letzten Bogenstrich unter tosendem Applaus gemerkt wie perfekt dein Vortrag war. Du hast gespürt, wie leicht das Leben sich anfühlen kann. Das scheint lange her.

Mama-Momente

Fremdbestimmt auch ohne Kinder

„… und Christine nimmt Pippa!“ Tina* hatte uns gerade die Pferde für den heutigen Tag eingeteilt und ich machte mich mit Halfter auf den Weg zur Koppel, um die schwarze Stute zum Anbindebalken zu bringen, wo ich sie dann putzen und bereit für den Reitunterricht machen würde. Irgendwas war heute anders, das hatte ich bereits nach dem Aufwachen gemerkt. Es war Tag Sieben und somit der vorletzte Morgen meines achttägigen Reitseminars, das ich hier, weit weg von Zuhause, gebucht hatte. Acht Tage alleine. Ohne Mann, ohne Kinder, ohne meinen gewohnten Alltag. Und heute, an Tag Sieben, sollte ich mit einem Gefühl konfrontiert werden, das ich die letzten Jahre nur in einem anderen Zusammenhang gewohnt gewesen war.

Im Dialog

Gastbeitrag auf Zartbesaitet.net zum Thema Regretting Motherhood

Als mich Ingrid Parlow vom Verein „Zartbesaitet“ fragte, ob ich nicht Lust hätte, einen Gastbeitrag zum Thema „Regretting Motherhood“ für ihren neu errichteten Blog zu schreiben, fühlte ich mich mehr als nur geehrt – tatsächlich schwankte ich zwischen Ohnmächtig werden und Ausflippen vor Freude! Ausgerechnet zartbesaitet.net! Für mich die Königin unter den Institutionen zum Thema Hochsensibilität!

Mama-Momente

Die stressigsten Tage? Tage, an denen mein Kind krank ist

„Vielleicht könnte Maxi die nächsten ein oder zwei Tage zuhause bleiben? Hier sind auch so viele Kinder krank, daheim geht es ihm bestimmt besser.“
Da war er, der gefürchtete Satz. Nachdem schon der gefürchtete Anruf kam. Wenn der Kindergarten vormittags durchklingelt, geht mein Puls automatisch hoch. Manchmal habe ich Glück und es handelt sich lediglich um den Termin für ein banales Elterngespräch oder das Kind hat die Sportsachen vergessen. Aber dem war heute nicht so.

Mama-Momente

Unstillbare Sehnsucht nach kinderfreien Zeiten

„Wenn ihr wollt, könnt ihr auch gerne ein paar Stündchen für euch haben, wir passen dann in der Zeit auf die Kinder auf!“ Als meine Schwiegermutter beim Abendbrot diesen Satz laut aussprach, ahnte sie wahrscheinlich nur ansatzweise, welche Fesseln sie damit bei mir sprengte. Kinderfrei. Zeit nur für meinen Mann und mich alleine. Die Türen meines inneren Gefängnisses wurden geöffnet, der Geruch von Freiheit lag schon in der Luft. Und doch war da noch etwas. Ein Gefühl, das mir im nächsten ungestörten Moment einen dicken Kloß im Hals bescherte und mir Tränen in die Augen stiegen ließ. Es war das Wissen um die Endlichkeit dieser kinderfreien Momente.

Kinderkram

Kindersatt

Dieses Wochenende habe ich es ganz besonders oft gespürt: Das Gefühl, Kindersatt zu sein. So wie man beim Kuchenessen an irgendeinem Punkt Kuchensatt ist und keinen einzigen Bissen der Süßspeise mehr verdrücken kann, obwohl man Kuchen für sein Leben gernhat, genauso satt war ich jetzt im Beisein meiner zwei Jungs.

Lebensfragen

„Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?“

Es ist wohl die am häufigsten gestellte Frage von Kritikern und ich muss gestehen: Wenn ich zum ersten Mal meinen eigenen Blog betreten würde mit all den Beiträgen zum Thema „Regretting Motherhood“ und denen mit dem Schlagwort „Mamafrust“ gekennzeichneten Postings, ich würde sicherlich verwundert, wenn nicht gar entsetzt die gleiche Frage stellen. Ja, warum bitte schön verfasse ich denn am laufenden Meter Texte, in denen es sich immer und immer wieder um den stressigen, nervigen und energiezehrenden Alltag als hochsensible Mutter dreht? Warum habe ich denn überhaupt Kinder in die Welt gesetzt? Weiß doch Jeder, dass Muttersein nicht nur Glück pur bedeutet, sondern auch mit einer gehörigen Portion Stress bestückt ist! Nimm dir einen heißen Kakao und ein paar von den Vanillekeksen (die auf dem Backblech sind noch warm!) aus meiner Küche und mache es dir bequem: Ich will dir gerne eine Antwort auf deine Fragen geben.

Gesellschaft

Der Traum

Ich stand an der Bahnsteigkante und winkte meinem Ältesten zu. Maxi hatte bereits die letzten Stufen des Intercitys erklommen und lächelte in meine Richtung. „Tschüss Mama, bis in einer Woche!“ „Ja bis dann! Viel Spaß bei der Omi!“ rief ich ihm hinterher, während der Schaffner weiter hinten am Gleis bereits zur Abfahrt pfiff und der Zug sich langsam in Bewegung setzte. Eine Woche, dachte ich bei mir und realisierte zeitgleich, was das für mich bedeutete. Eine Woche kinderlos, sieben Tage keine Verantwortung rund um die Uhr für jemand anderen tragen müssen. Das Gefühl der Erleichterung, der Geschmack von Freiheit setzte unmittelbar ein und ich entspannte augenblicklich. Beinahe im selben Moment, vielleicht nur eine Zehntelsekunde später, durchfuhr mich ein Ruck und zwang mich, meine Augen zu öffnen. Ich stand nicht auf dem Bahnsteig, ich lag in meinem Bett, nebenan im Zimmer Maxi, der gleich bespaßt werden wollte. Ich hatte alles nur geträumt und sofort krampfte mein Herz zusammen.