Gesellschaft

Wenn Mama Angst vor Nähe hat

„Wenn ich erstmal Kinder habe, werde ich ihnen viel zugewandter sein, als meine Eltern es jemals mir gegenüber waren.“ Noch kinderlos und in der Gewissheit, einmal eine liebevolle Mutter zu sein, die ihren Kindern stets mit offenen Armen und einem Lächeln auf den Lippen begegnen würde, wurde dieses selbstgefasste Ziel zu meiner inneren Überzeugung.

Ich war mir sicher: In mir steckte viel Liebe und die würde ich natürlich meinen Kindern schenken, zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Als Babys würde ich sie selbstredend stundenlang auf dem Arm herumtragen, in den Schlaf schaukeln und lächelnd Gute-Nacht-Lieder singen, wenn der Säugling wie am Spieß brüllte, bis er sich schnell wieder beruhigte.

Den ganzen Tag würde ich mit den Kindern auf dem Teppich verbringen und mich nicht an ihnen sattsehen können, während wir immerfort lachend miteinander herumknuddelten.

Wenn sie krank wären, würde ich es sein, die stundenlang neben ihrem Bettchen sitzt, ihnen die Hand auf die heiße Stirn legt und Geschichten gegen die Langeweile vorliest.

Aber es sollte alles ganz anders kommen.

Das ständige Schreien machte mich so hilflos, dass ich mich wie eine Rabenmutter fühlte, wenn ich das Kind nicht beruhigen konnte, außerdem schien mein Sohn sich auch gar nicht von mir trösten lassen zu wollen, sodass ich fortan meinem Mann diese Aufgabe zuteilte. Statt meine Tage mit dem Kind knuddelnd auf dem Spielteppich zu verbringen, sehnte ich mich nach Luft zum Atmen, während der Kleine unverständliche Laute von sich hin brabbelte. Und mein Erstgeborener konnte sich bereits als Säugling nur beruhigen, wenn er alleine in seinem Bettchen lag.

„Es gibt eben unkuschelige Kinder!“ war mein Fazit und ich verfasste vor fünf Jahren einen Blogbeitrag dazu mit dem Titel: „Hilfe, mein Kind will nicht kuscheln“.

Ich war der festen Überzeugung, dass der nichtvorhandene Wunsch nach Nähe von meinem Kind ausging.

Immerhin war ich es doch gewesen, die mit dem Ziel in die Mutterrolle hineingegangen war, immer für meine Kinder da zu sein – seelisch und körperlich!

Einige Jahre Muttersein, zwei Therapien und etliche Aufarbeitungsprozesse später wurde mir klar:

Das Kind hat kein Problem mit Nähe. Ich habe eins.

Denn als meine Kinder dann endlich von sich aus zum Kuscheln kamen, verspürte ich plötzlich das Bedürfnis, alleine zu sein, sie nicht auf den Schoß nehmen zu wollen. Nicht schon wieder ein Küsschen aufgedrückt bekommen zu wollen.

Als ich 2019 auf Traumatherapeutin Dami Charf und ihren Online-Kurs „Mit Trauma leben“ stieß, kam ich zum ersten Mal mit dem Begriff „Entwicklungstrauma“ bzw. „Bindungstrauma“ in Berührung. Alles, was ich bis dahin schon spürte, aber noch nicht greifen konnte, formte sich plötzlich zu einer Gewissheit: Auch ich leide seit meiner frühesten Kindheit unter einem Trauma, wodurch es mir schwerfällt, Nähe zuzulassen.

Nähe bedeutet, sein Herz zu öffnen und Begegnungen zuzulassen, sowohl körperlich als auch emotional.

Im Nachhinein kann ich erkennen, dass Nähe für mich in meiner Kindheit vor allem Grenzüberschreitung, Ablehnung, verletzt und verlassen werden sowie Enttäuschungen erleben bedeutete. Nähe war für mich gleichzusetzen mit Schmerz.

Ich kann Nähe nicht nur schwer zulassen und aushalten, ich habe regelrecht Angst vor ihr. Angst, den Schmerz der Ablehnung und Grenzüberschreitung, der Verletzungen und Enttäuschungen aus meiner Kindheit noch einmal in ihrer Heftigkeit fühlen zu müssen.

Wenn Mama Angst vor Nähe hatEine Mutter, die selbst nicht genug liebevolle Worte und Streicheleinheiten von ihrer Mutter bekommen hat, deren eigener Vater sich sowohl emotional als auch körperlich distanzierte bis zum geht-nicht-mehr, diese Mutter hat einfach keine natürlichen Ressourcen, aus denen sie für ihre eigenen Kinder schöpfen kann. Und die entsprechend eine intensive Nähe, wie die eingeforderte ihrer Kinder, kaum aushält.

Der Vorsatz „Ich werde alles besser machen bei meinen Kindern“ ist mit solch einer Vorgeschichte ohne Hilfsmittel nahezu unmöglich umsetzbar. Dazu braucht es viel Zeit für die Aufarbeitung der eigenen Geschichte und noch mehr Selbstliebe, um die Ressourcen wieder aufzufüllen.

Andere traumatisierte Mütter klammern sich vielleicht umgekehrt zu sehr an ihren Nachwuchs, greifen nach jedem Strohhalm Liebe, den sie nun endlich bekommen (wenn schon die eigenen Eltern nie genug davon für sie übrig hatten) oder werden zu Übermüttern, überhäufen ihre Kinder mit Geschenken und erdrücken sie mit ihrer Liebe, aus Angst, ihre Kinder könnten sich genauso ungeliebt fühlen wie sie selbst damals.

Ich glaube, wer emotional gut gesättigt aufgewachsen ist, findet später als Mutter leichter die Balance zwischen zu viel und zu wenig Nähe, vertraut seinen Kindern, ohne zu leichtsinnig oder ängstlich zu sein. Und stellt sich selbst als Mutter weniger infrage, weil man durch die erfahrene, bedingungslose Liebe ein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen konnte.

Mir selber die Mutter zu sein, die ich damals nicht hatte, das ist meine größte Herausforderung, der ich mich in meinem Muttersein stelle. Die Arbeit mit meinem inneren Kind hilft mir dabei genauso wie die Vorgehensweise, mitfühlend mit mir selbst umzugehen in schwierigen Situationen mit meinen Söhnen. Verständnis für mich aufzubringen, wenn ich mal wieder lauter oder unfreundlicher war als beabsichtigt. Aber eben auch, wenn mir mein Körper ein Zuviel an Nähe signalisiert und ich mich zurückziehen möchte.

Dass mich die Angst vor Ablehnung selbst bei meinen eigenen Kindern so packen würde, hätte ich früher nie für möglich gehalten. Aber als mein Erstgeborener zur Welt kam, war meine Angst, er könne mich nicht lieben, so groß, dass ich wiederum keine Liebe für ihn aufbringen konnte. Stattdessen entstand meinerseits eine große Distanz zu ihm, die täglich größer wurde. Vielleicht konnte er schon als Säugling diese Distanz meinerseits nur aushalten, indem er sich nicht von mir trösten lassen und nur alleine wieder zur Ruhe finden konnte. Ein höchst schädlicher Prozess für ein neugeborenes Kind, das auf Liebe und Zuwendung angewiesen ist. Gott sei Dank war mein Mann für ihn da.

Wenn Mama Angst vor Nähe hatDamals waren mir die ganzen Hintergründe nicht klar, ich befand mich wie im Nebel. Wenn du neun Monate lang glücklich schwanger bist und sehnsüchtig dein Wunschkind erwartest, dann fühlst du dich als schlechteste Mutter der Welt, wenn du mit dem Durchtrennen der Nabelschnur von jetzt auf gleich keine liebenden Gefühle mehr für dein Kind hast.

„Ich müsste doch jetzt Freudentränen weinen!“ „Wieso kann ich mein Kind nicht lieben?“ „Eigentlich müsste ich doch glücklich sein als Mutter. Muttersein ist doch das natürlichste der Welt!“ „Wieso kann ich nicht einfach so glücklich sein wie alle anderen Mütter?“ „Was ist falsch mit mir, dass ich mein Kind nicht lieben kann?“

All diese Gedanken gingen mir durch den Kopf. Aber was da genau gerade passierte, nämlich, dass meine ureigensten Ängste aus meiner längst vergangenen Kindheit dabei waren, meine Beziehung zu meinem Sohn zu sabotieren – das merkte ich nicht. Ich konnte mir diesen Schmerz nicht eingestehen, dass tief in mir drin immer noch eine Sehnsucht nach der unerfüllten Liebe meiner Eltern saß und die Angst, nun wieder von einem mir sehr nahestehenden Menschen (diesmal mein eigener Sohn) enttäuscht zu werden, übermächtig war.

Mein Körpersystem versucht heute leider immer noch, diesen Schmerz ein weiteres Mal zu verhindern. Was in einem normalen Familiensystem schier unmöglich ist, wo Enttäuschungen und Verletzungen vorprogrammiert sind.

Und dass ein neugeborenes Baby in den ersten Monaten ein Lächeln nicht erwidern kann und einen gefühlt Tag und Nacht nur anschreit, machte es mir als frischgebackene Mutter, die in der Angst lebte, nicht von ihrem Kind geliebt zu werden, nicht gerade leichter.

„Dann ist das halt so, dass Sie den Rest Ihres Lebens keine gute Beziehung zu Ihrem Sohn haben werden“ war das (sicherlich gutgemeinte) Fazit meiner ersten Therapeutin, die ich ein Jahr nach der Geburt meines Ältesten aufsuchte.

Nein. Damit konnte und wollte ich mich nicht zufriedengeben! Ich beendete die Therapiestunden umgehend bei ihr und fand Gott sei Dank eine Psychologin, die ziemlich schnell den Nagel auf den Kopf traf: „Sie müssen die Wut auf Ihre Mutter spüren lernen!“

Das tat ich dann auch, obwohl es ein langer Prozess wurde. Heute kann ich meinen Eltern verzeihen; ich weiß, dass auch sie nur ihr Bestes gegeben haben, was eben auch nicht viel mehr war als das, was sie wiederum von ihren Eltern bekommen haben. Es ist ein transgeneratives Problem mit dem Bindungstrauma! Und Entwicklungstraumen sind ein gesellschaftliches Phänomen und weit verbreitet.

Wenn Mama Angst vor Nähe hatDas alleinige Wissen darum und der Prozess der Vergebung reichen allerdings nicht aus, um der nächsten Generation die Liebe und Nähe zukommen zu lassen, die ihnen zusteht. Es braucht vor allem Selbstliebe, Selbstmitgefühl und den Mut, sich alten Ängsten zu stellen.

Wenn du als Mutter merkst, dass du die Nähe, die du dir so sehr zwischen dir und deinen Kindern wünschst, nicht herstellen, ja nicht mal aushalten kannst, wenn sie vorhanden ist, wird das Muttersein zum größten Albtraum deines Lebens.

Wenn mich meine erste Therapeutin von damals heute erleben könnte, würde sie vielleicht staunen: Zu meinem Ältesten habe ich eine gute Beziehung aufbauen können und es hat (verglichen mit „bis zum Rest Ihres Lebens“) nur einen Bruchteil davon gedauert.

Dafür bin ich sehr dankbar.

Und trotzdem habe ich auch heute immer wieder noch Angst, von meinen Kindern abgelehnt zu werden, auch, wenn ich vom Kopf her längst weiß, dass meine Kinder mich immer lieben werden. Diese Angst vor Liebesentzug, vor Ablehnung, die ich damals bei meinen Eltern erfahren habe, sitzt dermaßen tief, dass es mir immer noch schwerfällt, Nähe zu meinen Kindern herzustellen. Es bedarf jedesmal einer bewussten, achtsamen Auseinandersetzung mit mir selbst. Und ganz viel Nachnähren anschließend. Selbstliebe. Die zu entwickeln schwer ist, wenn man sie nicht selbstverständlich mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Wenn ich auf die letzten achteinhalb Jahre Muttersein zurückblicke, liegen Welten zwischen damals und jetzt. Im Gegensatz zu früher fällt es mir heute deutlich leichter, meine Söhne einfach mal so in den Arm zu nehmen und ihnen aus tiefstem Herzen „Ich hab dich lieb“ zu sagen. An guten Tagen halte ich es aus, wenn sie mir mitteilen, dass sie gerade lieber bei Omi wären als bei mir und auch, wenn ihnen mein Mittagessen nicht schmeckt. Das alles wäre vor ein paar Jahren noch in einer mittelschweren Krise meinerseits geendet.

Dennoch gibt es immer noch viele Momente, in denen ich mir wünschte, noch unbeschwerter und zwangloser mit meinen Kindern (bzw. ihren Reaktionen) umzugehen. Wo ich ihnen gerne die Hand halten würde, wenn sie mit Fieber im Bett liegen oder wo ich gerne noch länger Zeit mit ihnen auf dem Kinderzimmerteppich verbringen würde, ohne, dass mein Körpersystem Fluchtimpulse sendet, die er noch aus meiner eigenen Kindheit gespeichert hat.

Ich weiß, dass das alles seine Zeit braucht. Ein Bindungstrauma ist nicht einfach von heute auf Morgen aufgearbeitet, vor allem nicht im Alltag mit Kindern, wo man ständig getriggert und an seine Grenzen gebracht wird.

Ich werde meinen Weg Richtung Nähe weitergehen. Jeden Tag ein Stück mehr, meinen Kindern und mir selbst entgegen. Gerne auch für den Rest meines Lebens.

Übrigens ist Selbstliebe das aktuelle Monatsthema im Pusteblumengarten. Hier erfährst du, wie du heute noch Mitglied werden und dich mit über 50 weiteren Müttern austauschen kannst. In meiner Mütter-Community gibt es außerdem eine geschützte Gruppe „Ich kann mein Kind nicht lieben“, die zum Selbstschutz nur von den jeweiligen Gruppenmitgliedern einsehbar ist. Zusätzlich bekommst du bei einigen Kursen von Dami Charf Vorteile als Pusteblumen-Mitglied.

Fotos mit freundlicher Unterstützung von Xavier Mouton, Federico Enni, Jenna Christina und Gaelle Marcel (von oben nach unten)

11 Gedanken zu „Wenn Mama Angst vor Nähe hat“

  1. Vanessa sagt:

    Liebe Christine,

    und wieder sprichst du mir aus der Seele. Mir geht es genauso. Ich kann zwar Nähe zulassen, aber auch nur in Maßen und je nach Situation. Je nachdem wie anstrengend und nervig mein Sohnemann war, geht es auch mal gar nicht, selbst in Situationen nicht, wo er es eigentlich bräuchte. Ich bin dann einfach zu genervt und gestresst von ihm und ertrage das dann regelrecht in dem Moment nicht. Das tut mir auch leid, aber es geht einfach manchmal nicht. Generell dachte ich über mich auch wie du beschrieben hast, wenn ich mal Mama bin, habe ich eine Engelsgeduld mit meinen Kindern (ich wollte immer zwei, der Wunsch hatte sich sehr schnell nach der Geburt vom Sohnemann erledigt) haben, stundenlang mit ihnen spielen, sie trösten wann immer sie es brauchen, sie in den Schlaf wiegen usw.. Ich spiele viel mit meinem Sohn, zwangsläufig, da er sich null alleine beschäftigen kann und wenn er gelangweilt ist, ist er noch unerträglicher, wobei ich das auch schon am zurückschrauben bin, weil ich nach 6 Jahren einfach keine Lust mehr habe ständig den Alleinunterhalter zu spielen, es schadet ihm auch ab einem gewissen Punkt und mich macht es krank. Geduld, was ist das? In den Schaf begleiten….ging eine Zeit lang, aber irgendwann bist du selber nur noch ein Zombie und willst einfach nur noch Ruhe, wenigstens mal für 1,2 Std. am Tag. Hat also auch nur eine Zeit lang so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe. Trösten, ja, das klappt gut, aber in manchen Situationen, wo er sich einfach nur anstellt um Aufmerksamkeit zu kriegen, da geht es nicht und will ich es auch einfach nicht. Da sage ich schon mal zu ihm: Jetzt stell dich mal nicht so dran, es war nicht schlimm. Wenn er trotzdem weint, nehme ich ihn zwar meistens in den Arm, aber mit dem Herzen bin ich dann nicht bei ihm….solche Dinge. Fazit, ich bin absolut nicht die Mutter, von der ich dachte ich wäre sie und das macht mir oft sehr zu schaffen, denn das meine ich nicht im Positiven, Es tut mir für mein Kind manchmal leid und es ist jeden Tag wieder eine neue Herausforderung, als Mama „besser“ zu werden. Manchmal klappt es, manchmal nicht, aber die Tage wo es klappt, werden langsam immer mehr. An den schlechten Tagen gestehe ich mir das aber mittlerweile dann auch zu, wie du sagst, dass es halt mal nicht geklappt hat heute einfühlsam, geduldig zu sein, nicht laut zu werden oder, oder. Morgen ist auch wieder ein Tag. Es gibt aber auch ganz schlimme Tage (die zum Glück auch immer weniger werden), wo ich einfach nur denke: Mein Gott, warum hast du überhaupt ein Kind bekommen? Du bist so eine schlechte Mutter, wenn dein Kind mal ein Trauma davon trägt, weißt du warum!
    Es ging bei mir aber auch nicht ohne professionelle Hilfe. Über 1 Jahr Gesprächstherapie und als der Sohnemann sehr schwierig und im sozialen Bereich etwas auffällig wurde, kam nach der Therapie seit nun über 1 Jahr noch Familienberatung hinzu, aber nicht nur wegen dem Kind und mir. Aber es hilft und dann mache ich das gerne und das ist, was letztendlich zählt. Ich hatte eigentlich eine schöne Kindheit und ein normal gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Allerdings waren partnerschaftliche Probleme wie Depressionen, Burn out etc. denke ich bei mir eher der Grund/Auslöser. Es kam alles auf einmal, eben totale Überforderung. Alles Schlechte hat jedoch auch im Nachhinein was Gutes, es hat mich stärker gemacht und man lernt durch die Probleme als Mutter, mit Kind und Partner auch viel über sich, kennt manche Hintergründe warum man wie reagiert und kann sich dementsprechend lernen selbst zu regulieren und nur so kann man die Situation verbessern, wenn man will.

    Es tut einfach gut zu lesen, dass man mit seinen Gefühlen, Sehnsüchten und Problemen nicht alleine ist :0)

    1. B sagt:

      Hallo Vanessa,

      ich denke, Du hast es mit Deiner Aufmerksamt Deinem Kind ggü. etwas übertrieben. Jetzt hat er gelernt, bei schlechter Laune und Langeweile spielt Mami den Bespasser und macht, das alles wieder schön wird. Er hat aber nicht gelernt, selbst der Langeweile zu begegnen oder selbst seine Laune etwas zu bessern. Du solltest ihn öfter auch mal ignorieren, wenn er nervig ist und ihm mehr Zeit lassen, selbst eine Lösung für sein Problem zu finden. Immer sofort hinspringen und in Aktivität verfallen, ist nicht die Lösung für sein Problem…..

      1. Vanessa sagt:

        Das stimmt, gebe ich dir vollkommen Recht. Ich bin dabei mich und die Situation zu ändern :0) das geht halt leider nur nicht von heute auf Morgen, wenn du jahrelang ein anderes Schema gefahren bist :0(

  2. B sagt:

    Hallo Christine,

    aber wo steht denn geschrieben, dass Mütter ständig ihre Kinder an sich kleben lassen müssen / sollten? Ich finde es ist ein gesunder Ausdruck, wenn man noch selbst seine Grenzen spürt. Manchmal hat man einfach keine Lust, einen anderen Körper an sich kleben zu haben. Wieso geht es immer nur um die Bedürfnisse der Kinder? Und nie um die Bedürfnisse der Mütter? Die Kinder müssen auch lernen, dass sie nicht immer ihre Bedürfnisse sofort und in vollstem Umfang erfüllt bekommen. Das nennt man auch Frustrationstoleranz und Umgang mit Rückweisung. Sie werden noch sehr oft im Leben die Erfahrung der Rückweisung machen und schon hier können sie anfangen, dies zu lernen.
    Manchmal habe ich Lust, mit meinen Kindern zu kuscheln. Und manchmal kann ich es gar nicht ertragen und weise sie zurück; das ist extrem wichtig für mich zur Wahrung meiner ureigensten persönlichen Grenze. Dafür verurteile ich mich aber nicht und denke nicht, dass ich jetzt eine schlechte Mutter wäre. Ich Gegenteil: dann bin ich eine ehrliche und authentische Mutter, für mich die Definition einer guten Mutter. Ich denke, wir haben dieses unrealistische und romantische Sich-Aufopern-und-eigene-Bedürfnisse-immer-zurückstecken-und-viel-zuviel-Nähe-zum-Kind-Mutterbild viel zu sehr inhaliert und müssen uns davon mal wieder frei machen….
    Ich weiss ja nicht, wer Dich gerade hinsichtlich „Muttergefühle“ gerade berät, aber das scheint mir in die falsche Richtung zu gehen…….
    Wenn mir eine Therapeutin sagen würde, dass ich die Nähe zu meinen Kindern aushalten „muss“ auch wenn ich keine Lust darauf habe, dann wäre sie die längste Zeit meine Therapeutin gewesen….

    1. Christine sagt:

      Liebe B.,

      also mir hat keine Therapeutin gesagt, dass ich die Nähe zu meinen Kindern aushalten muss, wenn ich keine Lust darauf habe.
      Ich bin mir nicht sicher, ob du meinen Artikel richtig verstanden hast, denn es geht mir nicht darum, meine Kinder an mir kleben lassen oder ihnen gegenüber keine Grenzen mehr setzen zu müssen.
      Diesen Umgang mit Zurückweisung, von dem du gesprochen hast, können Kinder meiner Meinung nach nur dann gesund lernen, wenn sie vorher bedingungslose (Mutter-)Liebe erfahren und Urvertrauen aufbauen konnten (eben vor allem durch Nähe). Und das konnte ich meinen Kindern mit Sicherheit in dem Ausmaß, wie sie es gebraucht hätten, nicht geben.
      Darum geht es mir.

      1. Birgit sagt:

        Aber woraus schliesst Du, dass Deine Kinder kein Urvertrauen aufgebaut haben !?

      2. T. sagt:

        Liebe B

        Ich denke mir, dass sie ihre Grenzen eben genau NICHT gespürt hat. Als Kind hat sie nicht erfahren, dass sie „gut ist, wie sie ist“ und ihretwegen geliebt wird. Wie soll man sich da selber kennen lernen, mutig in die Welt raus gehen und wissen wer man ist? Auf „eine Art und Weise“ zu sein, wie es andere (vermeintlich) von dir erwarten, birgt die ständige Angst, es könnte nicht „genug“, nicht „richtig“ sein. Überall lauert vernichtende Ablehnung.

        Für Babies ist Nähe und Bindung überlebenswichtig. Kann dies von den Eltern nicht gegeben werden, ist diese Erfahrung existentiell schlilmm, eben traumatisch. Es bleibt nichts anderes, als dieses unerfüllte Bedürfnis nicht mehr zu spüren, es wegzustossen und zu vergessen. Was bleibt, ist, dass der Körper, jedes Mal wenn es um Nähe geht, mit Stress reagiert. Bindung ist zur Gefahr geworden!

        Es brauch sehr viel Zeit, Mitgefühl und Vertrauen, diese Sehnsucht nach „gesehen zu werden“ jemals zu stillen. Man muss erst aus dem „Funktioniermodus“ raus, erkennen, spüren, sich reflektieren, Eingeständnisse machen und erst dann können langsam neue Erfahrungen gemacht werden.

        Es reicht nicht, dass jemand da ist. Auch kein eigenes Kind, kein Partner. Du musst dir selber das Gefühl geben, wertvoll und liebenswert zu sein. Da helfen Menschen, die an deiner Seite sind. Sie sind dein Spiegel. Der Prozess aber muss in dir selber statt finden. Man muss (darf!) sich erst selbst „eine liebevolle Mutter“ sein.

        Was dann wartet, und da bin ich dankbar für diese herausfordernde Zeit, ist ein Leben in Verbundenheit. Eines, dass erfüllender, bunter, tiefer und satter ist, als jemals zu vor.

        Christine, deine Kinder haben grosses Glück, eine Mutter zu haben, die ihrer Sehnsucht gefolgt ist. Ich ziehe den Hut vor dir und hoffe, du kannst dieses Kompliment liebevoll in dir aufnehmen…

        Herzlichst
        T.

      3. Christine sagt:

        Liebe T.,

        vielen Dank für deine lieben Worte, du hast es im Übrigen genau richtig erklärt!

  3. Katerina sagt:

    Sehr gelungene Beschreibung des Erlebens, das auch ich durchmachen musste, als Folge eben jenes Elternhauses, in dem ich mich als hochsensibles Kind nie angenommen fuehlte! So wird mein immer noch schlechtes Gewissen meinem eigenen Kind gegenueber etwas besaenftigt, zumindest jedoch erklaert.

  4. Katharina sagt:

    Hallo Christine,

    ich finde es etwas schade, dass du diese Erklärungen für deine Gefühle als Tatsachen hinstellst und nicht als das, was sie sind – Nämlich lediglich Theorien. Mit diesen Theorien kannst du dich offensichtlich identifizieren, das ist ja auch okay und gut, wenn sie dir helfen. Dennoch sind sie keine „Wahrheit“. Weshalb wir fühlen, wie wir fühlen, kann nie sicher erklärt werden und es gibt 1000 Möglichkeiten der Herleitung. Mir ging und geht es ähnlich wie dir, vor allem im 1. Babyjahr. Aber aus meiner Sicht hat weder mein Elternhaus noch mein inneres Kind damit zu tun, es scheint mir schlichtweg zu meiner Persönlichkeit zu gehören. Ich bin vermutlich im Grunde zu egoistisch, um Mutter zu sein. Jedenfalls ist das meine Theorie. Was nun stimmt, wird man nie wissen. Daher würde ich mich freuen, wenn du etwas sanfter formulierst, als wenn du die absolute Wahrheit gefunden hättest.

    Viele Grüße
    Katharina

    1. Christine sagt:

      Hallo Katharina,

      alles was ich auf meinem Blog als „Wahrheiten“ niederschreibe, sind meine eigenen, wahrgenommenen Wahrheiten, meine Erkenntnisse einzig und allein auf meine persönliche Situation und meine Vergangenheit bezogen. Auch, wenn ich öffentlich schreibe, so ist dieser Blog doch mein Tagebuch und kein wissenschaftlicher Blog, in dem ich verallgemeinerte Thesen verkünden möchte.

      Es tut mir leid, wenn das so bei dir angekommen ist. Aber für mich habe ich tatsächlich die „absolute Wahrheit“ gefunden.

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