Gesellschaft

Traumatisiert – Wenn der Mutterstress nicht nur auf Hochsensibilität zurückzuführen ist

Bevor ich mit dem Bloggen anfing, wusste ich eigentlich ziemlich wenig über mich. Wie kann das sein, fragst du dich möglicherweise, wenn du nachgerechnet hast und nun feststellst, dass ich damals immerhin schon neunundzwanzig Jahre auf dem Buckel hatte. Und doch wurde mir erst mit der Geburt meiner Söhne ein tiefer Blick hinter meine eigenen Kulissen gewährt. Nicht behutsam, sondern mit voller Wucht. Postpartale Depression, fehlende Mutterliebe zu meinem Ältesten, Regretting Motherhood, Wunsch nach meinem kinderlosen Dasein. Alles nichts, was man sich als frischgebackene Mutter zweier herbeigesehnter Kinder wünscht, geschweige denn wahrhaben will. Es war ein langer Prozess, mir das alles einzugestehen und ein noch längerer, das zu akzeptieren. Wenn du Zeit und etwas Proviant mitbringst, kannst du es von meinem ersten Blogbeitrag bis heute nachlesen, mal zwischen den Zeilen, mal offensichtlich. Als ich nach der Geburt meines Jüngsten auf den Begriff namens Hochsensibilität stieß und einen Zusammenhang zwischen diesem Wesenszug und meiner eigenen Dünnhäutigkeit erschloss, war ich erleichtert. Endlich gab es einen Namen für all die Schwierigkeiten, die ich als Mutter im Zusammenleben mit meinen Kindern hatte. Lange Zeit war ich mit der Begründung zufrieden. Aber irgendwann wurde mir klar: Da war noch mehr.

Die Panik, mit meinen Kindern alleine zu sein. Die Unruhe, die mich bereits Stunden vor dem Abholen von Mini und Maxi packt und mich die viele freie Zeit für mich alleine kaum noch genießen lässt. Meine auftauchende Gereizt nach fünf Minuten Zusammensein mit den Kindern, obwohl ich gerade eine lange Auszeit für mich hatte. All das hat nichts mehr mit Hochsensibilität zu tun.

Hochsensibilität bedeutet, ungefiltert wahrzunehmen. Eindrücke nicht sofort sortieren zu können, sondern gleichzeitig auf sich einprasseln zu spüren. Seien es Sinneseindrücke oder Gefühle und Stimmungen. Sowohl die eigenen auch als fremde. Als hochsensible Person muss man lernen, zwischen meinen Gefühlen und deinen Gefühlen zu unterscheiden, weil die Grenze oft verschwimmt, weil es Hochsensiblen schwerfällt, sich abzugrenzen. Besonders hochsensible Mütter müssen gut auf sich achtgeben, um einer Überreizung im Alltag mit (Klein-)Kind vorzubeugen. Vor allem hilft es, sich viel Zeit für sich zu nehmen, und wenn es an stressigen Tagen nur eine Fünf-Minuten-Kaffeepause hier und dort ist.

Wie kann es also sein, dass alleine das Auftanken bei mir nicht dauerhaft wirkt? Dass mein Stresslevel binnen kürzester Zeit wieder sein Limit erreicht hat, selbst wenn ich viel Zeit für mich und erfüllende Freizeitaktivitäten hatte und die nächste kinderfreie Auszeit auch schon wieder in greifbarer Nähe ist?

Die Antwort liegt in meiner Kindheit. Du hast es vielleicht schon in dem einen oder anderen Beitrag von mir gelesen, dass ich nicht unter den einfachsten Bedingungen aufgewachsen bin. Und doch fiel es auch mir schwer zu glauben, als man mir sagte, dass ich traumatische Erfahrungen gemacht haben sollte.

Trauma: Ich bin mir sicher, jeder hat dabei augenblicklich seine Top 3 der schlimmsten Szenarien im Kopf. Ich persönlich assoziiere damit Vergewaltigung, Autounfall und Krieg. Und nun soll ich traumatisiert sein? Ich bin doch nicht vergewaltigt worden oder verwahrlost in einem Kellergewölbe aufgewachsen! Ich habe weder einen schweren Unfall gehabt, noch den Krieg oder sonst eine Naturkatastrophe live miterlebt!

Traumatisiert - Wenn der Mutterstress nicht nur auf Hochsensibilität zurückzuführen istBis mir von einer Trauma-Therapeutin die Augen geöffnet wurden, als sie den Begriff „Entwicklungstrauma“ ins Spiel brachte. Es gibt nämlich mehrere Arten von Traumata. Vor allem wird zwischen Schocktrauma und Entwicklungstrauma unterschieden. Und die meisten Menschen meinen, wenn sie den generalisierten Begriff „Trauma“ verwenden, ein Schocktrauma. Das sind einzelne, überwältigende, in sich abgeschlossene Ereignisse, wie eben eine Vergewaltigung oder ein schwerer Unfall.

Im Gegensatz dazu entsteht ein Entwicklungstrauma in den ersten drei Lebensjahren, wenn wir als Kinder z.B. über einen längeren Zeitraum eine nicht-sichere Bindung zu unseren Eltern (bzw. Bezugspersonen) hatten. Vielleicht waren wir als Baby nicht willkommen oder unsere Mutter fühlte sich hilflos und hatte zu viel Angst, etwas falsch zu machen. Vielleicht hat sie auch nur alles (nach damaligen gesellschaftlichen Vorgaben) richtig gemacht und uns schreien lassen oder nur alle vier Stunden nach der Uhr, und nicht nach Bedarf, gestillt. Es können viele Gründe sein! Dipl.-Sozialpädagogin Dami Charf erklärt das Phänomen Entwicklungstrauma nochmal ausführlich und sehr gut auf ihrer Website. Wenn du dich dafür interessierst, kann ich dir den Link nur ans Herz legen.

Der entscheidende Punkt bei einem Entwicklungstrauma ist der, dass wir als Baby es nicht gelernt haben, uns selbst zu regulieren, wenn unsere Mutter (Bezugsperson) sich nicht genug um uns kümmern konnte bzw. wenn wir uns nicht grundlegend sicher gefühlt haben. Dies erzeugt einen enormen Stress im Körper des Babys, der sich gravierend auf das Nervensystem auswirkt und Reaktionen in unserem späteren Leben auslöst, die wir uns nicht erklären können. Wir entwickeln dann ein Nervensystem, das nicht sehr belastbar ist und bei kleinsten Reizen überreagiert, weil der Hirnstamm (der älteste Teil des Hirns, der nicht für logisches Denken, sondern für das Überleben des Menschen zuständig ist), die Führung übernimmt und entweder in den Flucht-oder Kampf-Modus oder in den Totstell-Reflex wechselt, egal, ob objektiv in dem Moment Gefahr durch den Säbelzahntiger zu erwarten ist oder nicht.

Am Samstag war unser Großer auf der Geburtstagsparty einer Klassenkameradin eingeladen. Den ganzen Vormittag hopste und feierte er ausgiebig mit einer Horde Siebenjähriger durch den Indoor-Spielplatz und ich konnte mich ganz entspannt zuhause zurücklehnen und nur darauf warten, bis er wieder an der Tür klingeln würde, hoffentlich ausgepowert und glücklich. Aber natürlich lehnte ich mich nicht vier Stunden entspannt zurück, immerhin musste mein Jüngster, der nicht eingeladen war, auch zuhause bleiben, was der Sechsjährige bei weitem nicht so spannend fand wie ich. Betrübt über die Aussicht, ohne Spielkamerad und ohne Hüpfburgen, die bis zur Zimmerdecke reichen, mit dem öden Spielzeug daheim spielen zu müssen, versprach ich ihm einen Brettspiel-Vormittag zu veranstalten, in den er auch begeistert -so begeistert es eben mangels Indoor-Spielplatz-Alternative ging- einwilligte.

Traumatisiert - Wenn der Mutterstress nicht nur auf Hochsensibilität zurückzuführen ist„Mama, ich habe das Spiel schon aufgebaut!“ rief mir Mini bereits aus dem Wohnzimmer entgegen, während ich gerade die Haustür aufschloss, nachdem ich Maxi bei dem Geburtstagskind abgeliefert hatte. Keine Luft zum Durchatmen. Für mich eine überaus stressige Situation, dass mein Sohn JETZT SOFORT mit dem Spielen beginnen wollte, am besten noch, bevor ich die Schuhe ausgezogen hatte. Nur mit Mühe schaffte ich es, mir noch Zeit für die Zubereitung einer Tasse Tee herauszuschlagen. Mein Stresspegel stieg also schon enorm in die Höhe, obwohl ich gleichzeitig Lust auf die Spiele-Session mit meinem Sohn hatte.

Die nächsten eineinhalb Stunden verbrachten wir munter spielend am Tisch, danach gingen wir ein bisschen in den Garten und anschließend kochte ich das Mittagessen. Augenscheinlich verlief alles stressfrei und trotzdem begleitete mich die Dauerangespanntheit. Mein Nervensystem war laufend in Alarmbereitschaft, jeden Moment könnte noch der Tiger aus dem Gebüsch springen. Und tatsächlich lauerte er dort schon absprungbereit.

„Mama, du sollst heute mal nicht neben mir sitzen, sondern gegenüber neben Papa, wo Maxi sonst sitzt!“ verkündete mein Kleiner, während ich den Tisch deckte. „Warum?“ fragte ich völlig erstaunt und merkte, wie es mir bereits den Boden unter den Füßen wegriss. „Weiß‘ nicht, einfach so“ entgegnete Mini. Meine Gefühle fuhren mit mir Achterbahn. Ich merkte, wie mich ein Gefühl tiefer Ablehnung erreichte, das nur von früher herrühren konnte, als ich mich als Kind abgelehnt gefühlt hatte. Vom Kopf her wusste ich, dass mein Sohn mich nicht ablehnen würde, nur, weil er einmal nicht neben mir sitzen wollte, aber mein Körper reagierte trotzdem mit Wut, Enttäuschung und jeder Menge Stresshormonen. Es wurde für mich ein Balanceakt, diese Gefühle aus meiner Vergangenheit wahrzunehmen, aber nicht trotzig und patzig jetzt in der Gegenwart an meinem Sohn auszulassen. Es gelang mir erst im zweiten Anlauf.

In den anschließenden Mittagsschlaf fand ich nur schwer. Die Dosis an Adrenalin und Cortisol in meinem Körperkreislauf war noch zu hoch. Und meine bevorstehende Panik, nach der Pause direkt wieder als Spiel- und Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen zu müssen, ließ sich einfach nicht abstellen. Dabei wollte ich so gerne viel Zeit mit meinem Sohn verbringen, hat er mich alleine schließlich selten für sich. Aber ich selbst litt nun mehr darunter, als dass ich die Zeit genießen konnte.

Dabei ist Mini ein sehr ruhiger und ausgeglichener Zeitgenosse, bei dem man keine spontanen Wutanfälle oder ähnliche emotionalen Ausbrüche erwarten muss. Aber mein Körper sendete Stresshormone in einer Tour. Mein Nervensystem reagierte ausschließlich im Flucht-oder-Kampf-Modus und verbrauchte damit zu viel und unnötige Energie. Die versprochene Runde Memory nach der Mittagspause blieb für mich auch bei der einen Runde. Trotzdem arbeitete mein System auch später noch weiter, nachdem längst der Mann die Verantwortung wieder übernommen hatte. Erschöpft auf dem Sofa liegend konnte ich nachher nur noch einen Gedanken fassen: Diese Reaktion meines Körpers hat nichts mehr mit reiner Hochsensibilität zu tun, sondern war vor allem in meiner traumatischen Vergangenheit begründet.

Traumatisiert - Wenn der Mutterstress nicht nur auf Hochsensibilität zurückzuführen istIst ja alles schön und gut, könntest du jetzt denken und dich fragen, warum jetzt das Ganze, liebe Christine? Reicht es nicht, dass du deine Therapie machst und dich um deine Stabilisierung und Selbstregulation kümmerst? Warum musst du das Thema Trauma jetzt auch noch auf deinen Blog bringen?

Also erstens, würde ich dir dann antworten, aus genau dem Grund: Es ist mein Blog, meine Freiheit, zu schreiben was ich will und eben ein Teil meiner Geschichte, der zu mir gehört. Zweitens, noch wichtiger: Es ist der Teil meiner Geschichte, der mich heute noch beeinflusst und sicherlich auch noch in vielen zukünftigen Blogbeiträgen wirkt. Die Dauerangespanntheit fernab meiner Hochsensibilität, die mich seit siebeneinhalb Jahren in jeder Sekunde meines Beisammenseins mit den Kindern begleitet. Mein Nervensystem, das wie die Feuerwehr in Dauerbereitschaft ist, auf den nächsten Alarm zu reagieren und wahrscheinlich noch sehr lange für den Lernprozess braucht, zwischen echter Not und falschem Alarm unterscheiden. Meine Kinder, die mich laufend triggern und mich in den Momenten nicht über den Dingen schweben lassen.

Drittens, und das ist mir wirklich der wichtigste Grund von allen: Ich glaube, Trauma ist ein Thema, das Generationsübergreifend unsere Gesellschaft betrifft (auch, wenn nicht Jeder persönlich davon betroffen sein mag).
Mein Blog ist eine Anlaufstelle für freiheitsliebende Mütter, die oft mit ihrer Mutterrolle hadern und ihre Gedanken und Gefühle nicht immer einordnen können. Manche Leserinnen berichten mir in Mails von ihrer eigenen schwierigen Kindheit, oder einer problematischen Beziehung zu ihren Eltern. Andere finden keine negative Ursache, erschrecken aber dennoch über ihre gelegentlichen Gefühlsausbrüche, seit sie eigene Kinder haben, die sie vorher so nie hatten. Viele schämen sich, halten sich für schlechte Mütter, obwohl sie ihrem Nachwuchs so gerne eine glückliche Kindheit bereiten wollen.

Und genau das ist der Punkt: Würde unsere Gesellschaft akzeptieren, dass die Gründe unseres Fühlens und Handelns nicht böswillige Motive oder gar ein „Lifestyleproblem der gelangweilten Y-Generation“, sondern tief in unserer Kindheit verwurzelt sind, bräuchten sich Mütter wie ich nicht zu schämen oder schuldig zu fühlen. Vielleicht würde es einigen dann leichter fallen, um Hilfe zu bitten.

Eine ehemalige Therapeutin sagte einmal zu mir „Mit der Geburt des eigenen Kindes rückt die Herkunftsfamilie wieder in den Vordergrund.“ Heute weiß ich, dass sie auf mehreren Ebenen Recht hatte.

In meiner Kindheit habe ich (zu viele) Dinge erlebt, die mich überfordert haben bzw. sich überwältigend für mich angefühlt haben, weshalb mein Nervensystem entweder mit Übererregung (Kampf- oder Flucht) oder Untererregung (Totstellen, Erstarren) reagierte.
Heute kann ich so oft keine entspannte Mutter sein, weil ich ständig getriggert werde bzw. die Anwesenheit meiner Kinder und die große Verantwortung des Mutterseins als Bedrohung wahrnehme. Für mich ist dieses Wissen eine große Hilfe, mich selbst nicht zu verurteilen.

Eine vollständige Heilung meiner traumatischen Erlebnisse wurde mir von der Trauma-Therapeutin nicht versprochen, vor allem geht es bei ihrer Trauma-Arbeit um die Integration; zu lernen, damit zu leben und Strategien zur Selbstregulation zu entwickeln. Dies zu akzeptieren ist für mich nicht immer leicht, aber es hilft mir, mich weniger unter Druck zu setzen und mitfühlender mit mir selbst umzugehen.

Und ich glaube, Mitgefühl für uns selbst aufzubringen, ist das Beste, was wir unseren Kindern vorleben können. Ob wir nun traumatisiert, hochsensibel oder einfach „nur“ Mutter sind.


Da das Thema Trauma bei mir einen wichtigen Teil meiner Persönlichkeit ausmacht und mein Geschehen auch heute immer noch beeinflusst, habe ich ihm ein eigenes Schlagwort gewidmet. Du findest ab sofort unter dem Tag „Entwicklungstrauma“ alle Beiträge, deren Inhalte ihre Ursache hauptsächlich in traumatischen Erfahrungen meiner Kindheit begründet haben.

Und nun? Hochsensibel oder traumatisiert? Oder beides, wie bei mir? Die Antwort ist nicht immer leicht zu finden. Vielleicht helfen dir die folgenden Weblinks:

Zum Weiterlesen:
Aurum Cordis: Hochsensibilität und Trauma liegen oft sehr nah beieinander
Netzwerk Hochsensibilität: Wie kann ich ein Trauma von Hochsensibilität unterscheiden?
Zartbesaitet.net: Wenn wir an Empfindsamkeit „leiden“

Bilder im Beitrag mit freundlicher Unterstützung von © Ulia Koltyrina – Fotolia.com (Titel), © AungMyo – Fotolia.com (Mädchen sitzt am Boden)

14 Gedanken zu „Traumatisiert – Wenn der Mutterstress nicht nur auf Hochsensibilität zurückzuführen ist“

  1. Kind sagt:

    warum jetzt das Ganze, liebe Christine?
    weil es müttern wie mir erkenntnis liefert; ich habe gerade einen heftigen aha effekt. und werde mir in dieser richtung hilfe holen. endlich ein stichwort, mit dem ich um hilfe bitten kann und mir und meiner familie zu helfen! danke 😢😗

    1. Christine sagt:

      ♥ Danke dir!
      Ich wünsche dir auf deinem Weg für dich und deine Familie alles Gute!

  2. Martina sagt:

    Hallo Christine,
    ich habe deinen Beitrag jetzt mehrmals gelesen und bin einfach baff. Ich fühle mich mal wieder, als würdest du mich kennen, als hättest du über meine Gefühle und Wahrnehmungen geschrieben.
    Und zugleich macht mir dieses für mich völlig neue Thema „Entwicklungstrauma“ auch mächtig Angst.
    Angst, weil das wieder so etwas ist, was sich wohl nie ganz heilen lässt und für dessen Linderung man sicherlich enorm Energie aufbringen muss.
    Angst, weil wenn ein Entwicklungstrauma mit verantwortlich für mein heutiges Verhalten oder „Nicht-Verhalten“ als Mama ist, dann habe ich wohl bereits bei meinen Kindern den Grundstein dafür gelegt, dass sie später gleiches durchleiden müssen :‘-(
    Aber dennoch bin ich sehr froh, dass ich auf diesen Beitrag aufmerksam geworden bin.
    Ich werde mich jetzt erstmal in das Thema Entwicklungstrauma einlesen und bin neugierig auf die Zusammenhänge zwischen Trauma und Hochsensibilität. Und dann hoffe ich, dass ich gezielter nach Hilfe suchen kann… denn bislang haben mir weder Verhaltenstherapien noch die regelmäßigen Besuche beim Psycho-Doc etwas gebracht…
    Vielen Dank für diesen Beitrag <3

    1. Christine sagt:

      Liebe Martina,

      ich verstehe deine Angst, möchte dir aber gerne auch Mut machen.
      Ich glaube ganz fest daran, dass wir sehr viel bewirken und heilen können, indem wir Stück für Stück beginnen, uns selbst gutes zu tun und uns selbst gut zu behandeln. Uns selbst Mitgefühl zu schenken (auch, wenn dies oft ein Lernprozess ist, weil wir selbst in der Kindheit eben oft dieses Mitgefühl nicht bekommen haben), ist meiner Meinung nach das Beste, was wir auch unseren Kindern mitgeben können. Indem wir viel Mitgefühl und Wertschätzung uns selbst gegenüber aufbringen können, profitieren automatisch unsere Kinder davon, weil unsere Kinder emotional ganz stark mit uns verbunden sind. Indem wir uns mit der Zeit im Alltag neu strukturieren/neu aufstellen, indem wir anders mit uns umgehen, verändert sich auch automatisch etwas bei unseren Kindern. Daran glaube ich ganz fest! Und auch, dass aus einem Trauma viel Gutes entstehen kann in unserem Leben, vor allem im kreativen Bereich. Ohne meine Vorgeschichte hätte ich womöglich nie diesen Blog gestartet, weil ich damals eine Plattform für meinen Kummer und Schmerz brauchte. Andere Traumatisierte leben sich in der Dichtkunst, beim Malen oder Musizieren aus. Es gibt nie immer nur die eine Seite der Medaille!

      Herzliche Grüße
      Christine

  3. Kim sagt:

    Danke für deinen Beitrag und Danke für deinen Blog. Endlich habe ich nach fast 18 Monaten Suche eine Erklärung für mein Verhalten, meine Gefühle und mein anderes Leben nach der Geburt meiner Tochter gefunden.

    1. Christine sagt:

      Liebe Kim,

      freut mich, dass ich dir beim Finden nach einer Erlärung behilflich sein konnte!
      Alles Liebe dir ♥

  4. TD sagt:

    Liebe Christine, zufällig bin ich über Deinem Blogbeitrag gestolpert und bin sprachlos! Deine Worte, für mich zum greifen nah‘. Ich fühle mich so angesprochen. Es tut so gut zu merken, dass man damit nicht alleine ist.

    1. Christine sagt:

      ♥ Du Liebe, ich danke dir auch für deine Verbundenheit!

  5. Nova sagt:

    Wie schaffst du es nur immer in meinen Kopf und in meine Seele zu blicken? Ich könnte wieder Sturzbäche heulen, weil niemand sonst mein Verhalten versteht.

    Deine Nova ❤️

    1. Christine sagt:

      Liebe Nova,

      fühle dich bitte ganz fest gedrückt ♥
      P.S.: Ich denke an dich!

  6. Tine sagt:

    Liebe Christine,
    der allererste Kommentar in meinem mittlerweile 40jährigen Leben gehört Dir und Deinem großartigen Blog. Vor über zwei Jahren bin ich in meiner Hilflosigkeit als damals recht frische 2fach-Mutter auf deine Seite mit dem damaligen Fokus Hochsensibiliät gestoßen, habe mir direkt das von Dir empfohlene Buch über hochsensible Mütter gekauft und war unendlich froh, mit diesen so ungewünschten und überfordernden Empfindungen einfach nicht allein zu sein. Ich möchte Dir ganz deutlich zeigen, dass Du mit Deinem Blog etwas fantastisches geschaffen hast – ein (meistens :-)) sicheres Portal für Mütter wie Du und ich, die sich zwischen Überforderung, Überlastung, gleichzeitiger Unterforderung und dem ewigen Wissen befinden, dass es irgendwie nicht so läuft, wie es ein sollte, und damit auseinandersetzen wollen und müssen. Endlich ein Raum, in dem man Dinge aussprechen kann, die in Gesprächen mit anderen Menschen keinen Platz finden (dürfen). Deine Seite gibt mir oft wertvolle Anstöße, so auch Dein obiger Artikel, der neben der Hochsensibiliät so viel erklärt! Mir persönlich war diese Unterscheidung zwischen einem Schocktrauma und einem Erfahrungstrauma nicht bekannt – auch das ist wieder einmal eine absolute Erweckung. Wie eine andere Kommentatorin habe auch ich große Angst, dass man viel zu viel seiner negativen, antrainierten Muster an die Kinder weitergibt – aber alleine, dass wir uns hier (schriftlich) treffen, zeigt den Wunsch nach Verstehen und Veränderung, und so halte ich mich einfach doll daran fest, dass jedes Verstehen auch ein kleines bisschen Veränderung im Umgang mit den Kindern mit sich bringt. Wie gerne wäre ich morgen auch persönlich bei Deinem Frühstückstreffen dabei, eine großartige Idee! Leider trennen uns hunderte Kilometer.
    Über Deinen Blog aber – finde ich – können wir eine großartige Müttersolidarität und Bewusstsein schaffen. Ich danke Dir so sehr dafür!

    Die herzlichsten Grüße!

    1. Christine sagt:

      Liebe Tine,

      ich war wirklich sehr berührt von deinen Worten und dass ich nach 40 Jahren deinen ersten Kommentar überhaupt bekomme :)
      Wie schön, dass ich dich mit meinen Texten bereits seit zwei Jahren begleiten darf und dass du meinen Blog als echte Bereicherung empfindest – mir geht es übrigens genauso, obwohl ich ja die Autorin und Initiatorin meiner Projekte bin! Längst ist Pusteblumen für Mama mehr geworden als mein persönliches Tagebuch. Es wächst stetig über mich hinaus und ist zu etwas viel Größerem geworden, als ich jemals zu hoffen gewagt hätte. Und daran sind nicht zuletzt Mütter wie du beteiligt, die mich immer wieder motivieren, weiterzumachen, selbst, wenn ich nach dem einen oder anderen Beitrag (bzw. Kommentar dazu ;-)) auch mal zweifle.

      Hab herzlichen Dank für deine warmen Worte und fühl dich gedrückt von einer anderen
      (Chris-)Tine ♥

  7. Antonia sagt:

    Liebe Christine,

    der wahrscheinliche Zusammenhang zwischen Trauma und Hochsensibilitaet erstaunt mich nicht wirklich und ich bin trotzdem geschockt, es so Schwarz auf Weiss bei dir zu lesen. Weil es ploetzlich wirkich alles in so einen logischen Zusammenhang bringt und ich es mir so gut vorstellen kann…
    Bin ein Kind der 70er Jahre, dem sterilsten aller Jahrzehnte, und das hiess nach der Geburt wohl, dass ich mit vielen anderen Kindern alleine in einem Zimmer lag, die Muetter abgetrennt von uns, und alle vier Stunden ein Flaeschchen bekam…ich finde es schrecklich, es fuehlt sich so einsam und verloren an und es ist irre, dass das die Praxis war, so menschenfeindlich…als ich das gehoert habe, dass das der Anfang meines Lebens war, ich glaube zehn Tage lang, war ich sehr bestuerzt und traurig.

    Und es erklaert mir plus der Tatsache, dass ich nur Flaeschchen bekommen habe und auch, dass meine Mutter wegen des Hausbaus zur Zeit meiner Geburt bestimmt sehr in Anspruch genommen war und auch gestresst, dass ich eben auch so eine Art Entwicklungstrauma habe wahrscheinlich. Wie du es beschreibst, dass das Nervensystem sich aufgrund des Traumas in staendiger Alarmbereitschaft befindet und man so oft in den Kampf-oder-Flucht-Modus kommt…ist bei mir total so, besonders seit mein Sohn da ist, aber auch vorher hatte ich schon einige extreme Episoden in meinem Leben.
    Manchmal atme ich auch so flach usw., und ich weiss gar nicht so genau, wie ich dieses automatische Verhalten aendern soll. Mache ja hier und da ein bisschen Yoga, aber ehrlich gesagt glaube ich, man muesste eine am Koerper ansetzende Theapie machen, die energetisch was aufloest. War mal bei ein so einer Session, es war genial, aber ist mir gerade fuer die zehn, 15 Sitzungen, die man da braucht, zu teuer. Es war eine Methode, die beim Atem ansetzt, und ich habe mich nach einer Sitzung schon grossartig und befreit gefuehlt fuer eine Weile…
    Da koennte man also ansetzen, wenn ich nicht gerade eben auch so mit meinem Sohn beschaeftigt waere.
    Ich glaube auch, dass da also viele traumatisierte Menschen draussen herumlaufen, denn es war ja die normale Art, die Babies von den Muettern getrennt in einen Raum zu legen…
    Gut, dass jetzt die Erziehung in Richtung „natuerlich“ geht. Ich habe ein Buch von der Amerikanerin Jean Liedloff gelesen, „Auf der Suche nach dem verlorenen Glueck“, das beschreibt, wie Kinder in einem Amazonasstamm aufwachsen, staendig an den Koerper der Mutter geschmiegt, staendig in Gesellschaft von allen anderen Stammesgenossen, andere Kinder uebernehmen das Baby viel natuerlicherweise usw., und es wird einem klar, wie pathologisch das individualisierte Aufwachsen des Kleinkinds in einer modernen Kleinfamilie ist – und warum es uns als Muettern oft so scheisse geht! Das afrikanische Dorf, hier ist es wieder! Und das gibt es bei uns halt eben nicht. Naja. Ich bin nur froh, dass mein Kind schon ein bisschen groesser ist jetzt, vierzehn Monate, und ich auch mal kurze Pausen habe. Bis jetzt ist es ein relativ ruhiges und auch froehliches Kind und ich hoffe stark, dass ich ihm mein Trauma nicht weitervererbe.

    Liebe Christine, ich verstehe dich so gut,
    dein Blog ist wirklich eine Offenbarung, weil du hier Dinge schreibst, ueber die sich niemand zu reden traut,
    vielen Dank dafuer,
    Antonia

    1. Christine sagt:

      Liebe Antonia,

      ich fühle regelrecht mit dir, wie du (wie so viele andere) die erste Zeit nach der Geburt verbringen musstest. Das ist eben genau die fatale Situation, dass eben diese „unscheinbaren“ und damals für richtig gehaltenen Umstände viel mehr auslösen bei uns, als wir denken. Und dann, Jahre später, ohne eine Erinnerung an diese essentielle Zeit, fühlen wir uns von dem Wort „Trauma“ abgeschreckt, weil wir glauben, dass doch eigentlich alles gut lief. Es müssen eben nicht immer Gewalt oder gravierende Vernachlässigung die Ursache für unsere heutigen seelischen Probleme sein.

      Und ich gebe dir auch in dem Punkt recht, dass auch diese Art von Trauma nicht allein über psychotherapeutische Gespräche gelöst werden KANN, da das Entwicklungstrauma Hirnregionen betrifft, die wir über den Verstand nicht erreichen. Eine körperorientierte Therapie scheint unerlässlich dabei zu sein!

      Sei lieb gegrüßt

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