Gesellschaft

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?

Eine Frau liegt auf der Liege beim Frauenarzt. Ihr Herz klopft, während ihr Blick erwartungsvoll zum Bildschirm des Ultraschallgeräts wandert. Hoffentlich wird es diesmal ein Mädchen! Der Doktor fährt mit seinem Sensor noch eine Runde über ihren Bauch, dann erkennt die Schwangere Gewissheit in seinem Blick. „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem zweiten Jungen!“ verkündet er. Ab jetzt strahlen alle im Raum. Der Mann am Fußende der Liege, der Arzt, der euphorisch mit seinem Zeigefinger „eindeutige Beweise“ am Bildschirm nachzeichnet, die Sprechstundenhilfe, die Notizen in den Computer tippt. Die Schwangere lächelt auch. Allerdings nur bis zum Auto. Dort, hinter verschlossenen Türen, wo sie keinen fremden Blicken mehr ausgesetzt ist, bricht sie in Tränen aus.

Als ich an diesem Sommertag im Jahr 2012 die Arztpraxis verließ, erwartete mich Draußen Vogelgezwitscher und schönster Sonnenschein. Es schien ein perfekter Tag zu werden, aber das alles konnte ich nicht sehen. Für mich war gerade eine Welt zusammengebrochen, sagte mein Bauchgefühl mir schließlich monatelang, dass das kleine Wesen in mir ein Mädchen werden würde, genau, wie ich es mir jahrelang gewünscht hatte. Als ich meine Erfahrungen knapp zwei Jahre später in meinem Mama-Blog niederschrieb, ahnte ich noch nicht, dass es unzählige Frauen geben würde, die ähnlich fühlen wie ich es damals nach dem Ultraschalltermin tat.

„Beim Ultraschall wollte ich nicht, dass meine Enttäuschung jemand sieht, also habe ich mich zumindest scheinbar gefreut.“

„Ich schäme mich wirklich, weil ich etwas enttäuscht war.“

„Ich habe mir beim Arzt erstmal nichts anmerken lassen aber danach konnte ich nur noch heulen, es hat ein paar Tage gedauert bis ich mich mit den Gedanken Jungs-Mama anfreunden konnte […]“

Dies sind alles Auszüge aus Kommentaren zu meinem Beitrag „Vermisst man als Jungsmama eigentlich eine Tochter?“ und ehrlich gesagt machen mich solche Gedanken nicht nur nachdenklich, sondern auch traurig. Da gibt es Frauen, die sich für ihre Gefühle schämen oder sich nicht trauen, sie in der Öffentlichkeit zu zeigen. Mich eingeschlossen. In der Arztpraxis mimte ich die glückliche, werdende Mami.

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?Warum ist das so? Warum können wir Frauen unsere Enttäuschung, unsere Wut nicht offen zugeben? Wovor haben wir Angst?

Aber eigentlich wissen wir das ganz genau. Wir haben Angst vor Ablehnung. Hilfe, da liebt eine Mutter ihr Kind nicht! Ach du Schreck, da wünscht sich eine Mama ihr kinderloses Dasein zurück! Mein Güte, da regt sich eine Mutter über das falsche Geschlecht auf! Als ob wir das absichtlich machen würden!

„Das scheint mir irgendwo ein Luxusproblem zu sein.“

„Aber im Grunde wirklich alles egal, Hauptsache gesund und munter.“

„Ich denke am Ende spielt es keine Rolle ob Junge oder Mädchen, wenn man sich wirklich für das Kind interessiert.“

Wir meinen ja, es im Grunde selbst zu wissen. Wir sollten dankbar sein, dass der Embryo in unserem Bauch gesund ist. Wir ahnen vielleicht auch schon, dass die Welt mit einem weiteren Jungen nicht untergehen wird. Und dass es am Ende das Kind ist, das wir lieben werden und nicht das Geschlecht.

Trotzdem setze ich an dieser Stelle ein großes ABER.

(Werdende) Mütter, die, warum auch immer, enttäuscht sind, dürfen enttäuscht sein. Sie dürfen am Boden zerstört sein, dass die erhoffte Tochter ein Junge wird oder umgekehrt. Sie dürfen traurig sein, dass statt einem, plötzlich zwei Kinder auf dem Ultraschall zu sehen sind. Sie dürfen bedrückt sein, dass der Berg an Verantwortung für ein Kind viel größer ist, als vorm Kinderwunsch gedacht.

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?Es liegt leider in der Natur des Menschen, zu vergleichen. Sei froh, dass dein Kind gesund ist, die Anna hat ein behindertes Kind zur Welt gebracht! Freu dich doch, dass der liebe Gott dir zwei Kinder schenkt, andere Frauen können überhaupt nicht schwanger werden oder haben eine Fehlgeburt! Du wusstest doch, dass Verantwortung auf dich zukommt, worüber beschwerst du dich jetzt?

Selbst meine Oma mag nicht über ihre Knieschmerzen klagen, weil es ja andere Menschen „da Draußen“ gibt, denen es wesentlich schlechter geht.

Ich kann unsere Gesellschaft ein Stück weit verstehen. Wer sich ständig über Kinkerlitzchen aufregt, dem Nachbarn den grüneren Rasen nicht gönnt und darüber hinaus die wirklich wichtigen Dinge im Leben nicht wertschätzt, der kann einem wirklich Leid tun. So wie ich, wenn ich mich mal wieder über den schlechten Fahrstil des Autofahrers vor mir aufrege.

Aber muss man wirklich immer alle Nöte der Welt mitgemacht haben, um das eigene, kleine Leid, wie der Frage nach dem richtigen Geschlecht, zu relativieren?

Nützt es mir, wenn ich nachfühlen könnte, wie sich Krieg und Vertreibung anfühlen, um zu wissen, was Sicherheit in den eigenen Vier Wänden bedeutet? Selbst bei meinen Kindern denke ich schließlich manchmal „Über was ihr euch aufregt! Kriegt ihr erst einmal richtige Probleme!“ Nur, um mir später wieder bewusst zu werden, dass es für meinen jungen Nachwuchs ernsthaft ein Problem darstellt, wenn der Bruder schon wieder mit dem geliebten Feuerwehrauto spielt.

„[…] für den Kleinen kann ich momentan keine richtige Liebe entwickeln. Das macht mich alles sehr traurig, dass ich so denke und fühle. Weiß, dass es nicht richtig ist.“

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?Als ich meinen ersten Sohn nach seiner Geburt lange Zeit ablehnte, schämte ich mich für diese Gefühle. Ich hing das selbst in meinem engsten Familienkreis nicht an die große Glocke. Wie sieht das schließlich aus? Ich sollte mich doch über meinen gesunden Jungen freuen! Er war schließlich ein Wunschkind!

Und dennoch erkannte ich nach einiger Zeit, dass ich für meine negativen Gefühle ihm gegenüber auch nichts konnte. Es war nicht meine Schuld, dass ich ihn ablehnte. Es war einfach so. Die Gefühle kamen einfach in mir hoch. Und mir wurde klar, dass der Zustand sich erst ändern würde, wenn ich die Tatsachen, meine Gefühle, vollständig akzeptieren konnte.

Akzeptieren bedeutet nicht zwangsläufig, etwas gut zu heißen, sondern es anzunehmen, wie es ist.

Wenn ich enttäuscht bin, weil das Ultraschallbild das falsche Geschlecht anzeigt, darf ich meine ganze Enttäuschung erst einmal hinausweinen. Wenn ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte und wütend über die Fremdbestimmtheit bin, darf ich meinen Schmerz hinausschreien. Wenn ich mein Kind nicht akzeptieren kann, darf ich mir eingestehen, dass das eben jetzt gerade so ist. Das muss alles nicht in der Arztpraxis, auf der Straße oder vor anderen passieren. Hauptsache, ich gestehe es mir selbst ein!

Ohne sofort meine Gefühle zu beschwichtigen oder mich mit anderen Menschen, denen es schlechter geht, zu vergleichen. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen und für jeden fühlt sich seine Situation schlimm an. Warum auch immer und egal, wie groß (oder klein) der Schicksalsschlag für Andere aussehen mag.

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?Ich glaube, der Schritt des Akzeptierens ist unheimlich wichtig. Und genauso wichtig ist es, sich und seine Gefühle ernst und wichtig zu nehmen. Nur dann kann irgendwann eine Versöhnung mit uns selbst stattfinden, die den Weg für eine echte Veränderung ebnet.

Bis ich meinen zweiten Jungen im Bauch herzlich willkommen heißen konnte, dauerte es einige Zeit, mussten unzählige Tränen vergossen, viele unschöne Gedanken zugelassen werden. Aber irgendwann kam der Tag, an dem ich mir meine Tochter, die ich nie haben werde, vor meinem inneren Auge visualisieren und mich tränenreich von ihr verabschieden konnte. Das Loslassen war ein schwerer, aber wichtiger Prozess.

Heute kann ich mit einem Lächeln an meine Schwangerschaft zurückdenken. Trotz der schweren Zeit, die mein Mini nah an meinem Herzen mit mir durchmachen musste, haben wir heute eine ganz besonders nahe Mutter-Sohn-Beziehung. Oder vielleicht gerade deswegen.

48 Gedanken zu „Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?“

  1. Frühlingskindermama sagt:

    Du sprichst mir wie immer aus tiefster Seele und es war ein langer Weg für mich, solche Gefühle zu akzeptieren. Gefehlt hat mir dafür besonders ein Mensch, mit dem ich darüber reden konnte. Das geht bestimmt vielen Müttern so. Danke!
    Liebe Grüße!

    1. Christine sagt:

      Lieben Dank für deine Worte!
      Ich glaube das wäre für mich echt -trotz der eigentlichen Probleme- das Schlimmste gewesen: Wenn ich Niemanden zum Reden gehabt hätte. Gerade wir Hochsensiblen verspüren doch oft den Wunsch nach tiefen Gesprächen. Es tut mir Leid zu hören, dass du damals mit deinen Gefühlen alleine warst! Deswegen bewegt es mich besonders zu lesen, dass du es trotzdem geschafft hast; das war sicher nicht leicht für dich!
      Sei lieb zurück gegrüßt!

      1. Miriam sagt:

        Liebe Christine,
        es klingt zwar merkwürdig, aber obwohl ich kinderlos bin lese ich so gerne deine Blog-Beiträge. Ich bin heute erst darauf gestoßen. Aber die Art wie du schreibst und dass du dir erlaubst, deine Gefühle zuzulassen, ist so so so erleichternd für mich.
        Ich bin 24 und seit zwei Jahren leide ich unter ständiger Überforderung. Ich kämpfe immer an gegen „Nicht-Daseinsberechtigungsgefühle“ wegen dem wie ich bin. Immer das Gefühl fremd zu sein. Immer sich schämen müssen, weil man gerade etwas sehr emotional erzählt oder bis ins Detail und merkt, dass der Andere verblüfft ist, weil „so kein Mensch redet“. Naja, ich schon. Ich wünschte mir, ich dürfte es auch. Aber ich darf es nicht. Andere erlauben es mir nicht, also fällt es mir sehr schwer es mir selbst zu erlauben. Stattdessen immer diese Sätze „Du musst dich zusammenreißen“, „Du musst es schaffen“…. Naja ich schaffe es eben aber einfach nicht. Das Leben. So wie alle anderen es eben schaffen. Nein ich kämpfe. Ums Überleben. Darum, mir selbst überhaupt zu erlauben, sein zu dürfen.
        Wieso ist das so schwierig?
        Ich hasste immer die anderen Menschen, die Gesellschaft. Weil SIE anders war, nicht ich. Ich wollte immer normal sein. Für mich war ich auch normal. Aber ich verstand und verstehe auch immer noch nicht, wieso ich nicht einfach sein darf wie ich bin.
        Tut mir Leid, dass ich das hier alles einfach so runterschreibe. Aber ich konnte gerade nicht anders. Das tut so weh und hier hatte ich gerade den Eindruck, dass wenigstens ein bisschen Platz für meine Emotionen ist. Ich habe sonst so gut wie Niemanden bzw. ich habe Menschen um mich rum, die mir sagen, dass sie mich lieben, aber ich fühle es nicht. Keiner der mich so wirklich versteht, der mich nimmt wie ich bin. Irgendwie einsam so….
        Während andere leben, kämpfe ich ums Überleben. Während andere mit 24 ihre Lebensentwürfe entwerfen oder bereits erfüllen, bin ich krank, einsam, habe keine Lust auf irgendwelche Lebensentwürfe. Ich bin nicht depressiv. DAS alles macht mich depressiv. Ich trete immer auf dieser Frage rum „Darf ich sein?“ und kann nicht einfach so weiterleben. Einfach diese Frage und meine Emotionen länger ignorieren. Das hat mich kaputt gemacht. Ich fühle mich wie ein unbeholfenes Häufchen Elend, das nicht versteht was das Problem ist. Therapien haben nicht geholfen. Ich fühl mich nicht verstanden. Die Therapien engen mich wieder ein, weil ich da wieder das Gefühl bekomme „nicht normal“ zu sein.
        Ach, du liebes Leben. Wo hast du mir einen Platz bereitet. Ich rede nicht von Glücklichsein, aber wenigestens von einer Nische, in der ich atmen kann. Ein Moment, ein Ort, Menschen, wo mich nicht wieder dieses Gefühl plagt „nicht sein zu dürfen“.

        Puuuuhhhh!!!

        Danke, dass ich hier mal alles rauslassen durfte. Danke dafür, dass du bist wie du bist, liebe Christine. Das erlaubt mir das Gefühl, sein zu dürfen, wie ich bin.

      2. Christine sagt:

        Liebe Miriam,

        ich freue mich ganz besonders, dass mein Blog auch dir als Nicht-Mutti so hilft! Ein besseres Kompliment kann ich mir ja gar nicht vorstellen :)
        Danke, dass du uns von deinen Gefühlen so ehrlich berichten konntest! Und schön, dass dir das alleine schon so viel gebracht hat ♥
        Liebe Grüße
        Christine

  2. Lila sagt:

    Hallo.
    ich kann verstehen, dass es wichtig ist Trauer und Enttäuschung zu zulassen und auch dass es wichtig ist darüber zu sprechen. Das gilt übrigens für alle Gefühle.
    Was ich nicht verstehe ist, was das „falsche Geschlecht“ sein soll. Kann mir bitte irgendjemand plausibel den Unterschied zwischen einem JungenBaby und einem MädchenBaby erklären? Ich verstehe es tatsächlich nicht.
    Geschlecht ist ein Konstrukt.
    Desweitern gehe ich bei der Aussage „hauptsache gesund“ ziemlich an die Decke. Haben „gesunde Babys“ nicht das gleiche Recht bejubelt und befreut zu werden, wie vermeidlich „gesunde“ Kinder?!
    Ich bin der Überzeugung „hauptsache da!“ (oder auch „hauptsache nicht da“, wenn kein Wunsch nach dem Zusammenleben mit einem Kind besteh!t)
    Müssen wir im Jahre 2016 ernsthaft immer noch Menschen in Kategorien einordnen, und das auch noch vor der Geburt?

    1. Christine sagt:

      Hallo Lila,

      jede Frau, die über das Geschlecht ihres Ungeborenen klagt, mag ihre eigenen Gründe haben. Da ich nicht alle über einen Kamm scheren mag, kann ich zumindest von mir berichten. Ich träumte schon seit frühester Jugend von mindestens einem Mädchen, gerne auch Zweien. Ich glaube das lag daran, dass ich selbst weiblich bin und in einem reinen Frauenhaushalt groß geworden bin (mein Vater zog aus, als ich Fünf war). Ich glaube ich hatte das Gefühl, dass mir der Umgang mit Mädchen einfach leichter fallen würde; ich dachte, ich könnte mich besser in sie hineinversetzen. Von der Anatomie einmal ganz abgesehen, war mir ein Junge einfach fremd.

      Als ich bei der ersten Schwangerschaft von einem Jungen erfuhr, fühlte ich mich deshalb gleich ein wenig überfordert, trotzdem hoffte ich immer noch auf die zweite Schwangerschaft und einem weiblichen Nachkommen. Daher die Enttäuschung beim zweiten, entscheidenden Ultraschall.

      Gewisse Dinge werden mir als Jungsmama eben einfach fehlen. Sei es Prinzessinnenkostüme für Karneval kaufen, in der Pubertät bei Liebeskummer zur Seite stehen oder vor der Hochzeit mit einer Tochter das Brautkleid kaufen. Eine gewisse Wehmut bleibt.

      Bei der Aussage „Hauptsache gesund“ bin ich übrigens ganz deiner Meinung. Ich habe vor einiger Zeit auch schon mal darüber gebloggt, warum ich diesen, oft so lapidar dahergesagten, Spruch nicht leiden kann und ein behindertes Kind kein Kind zweiter Klasse ist.

      Danke für deinen Kommentar!

      1. Lila sagt:

        hallo,
        ja aber den Unterschied verstehe ich immer noch nicht. Wo liegt der Unterschied zwischen einem Jungenbaby und einem Mädchenbaby?
        Mein Kind ist jetzt 3 Jahre alt und trägt supergerne Prinzessinnenkleider und geht ohne die Pink-Lila Sternchenweste niemals aus dem Haus,mein Kind hat lange Locken und würde niemals Haarspangen tragen,mein Kind spielt leidenschaftlich Küche und Fußball, mein Kind springt von der 6. Treppenstufe und kann ohne kuscheln nicht einschlafen.
        Wie es in der Pubertät aussieht weiß ich nicht, aber ich glaube fest daran, dass ich bei Liebeskummer wie bei jedem anderem Kummer trösten werde.
        Wenn mein Kind ein Hochzeitskleid tragen möchte, kann ich gerne beim aussuchen helfen.
        Im U-heft steht ein „M“- ich habe noch nie darüber nachgedacht, das es ein Unterschied zu einem „W“ oder einem „I“ oder „T“ machen könnte. Mein Kind ist mein Kind und seine Geschlechtsidentität wird „er“ bei Gelegenheit selbst festlegen.

        ps: der einzige Unterschied in der Zukunft liegt darin, dass weibliche Menschen in der Regel ein größeres Risiko haben sexuelle Gewalt und Übergriffe erleben und überleben zu müssen und ihr Gehalt durchschnittlich um 20% niedriger sein wird.

      2. Christine sagt:

        Vielleicht reden wir hier gerade aneinander vorbei ;-)
        In diesem Beitrag geht es ja um den Jungen- bzw. Mädchenwunsch der (enttäuschten) Mütter, weniger um die Frage, ob man die Kinder später (bewusst oder unbewusst) geschlechterspezifisch aufwachsen lässt. Schau mal in meinen Beitrag „Gender Mainstreaming? Mir doch egal(ia)„, dort diskutieren wir nämlich genau über diese Frage.

        Zu deiner Frage, wo der Unterschied zwischen einem Jungenbaby und einem Mädchenbaby liegt, gibt es wohl nur eine Antwort: Jungs haben einen Penis, Mädchen nicht. ;-)

        Ich finde es übrigens toll, dass du deinem Kind seine persönlichen Vorlieben lässt und es nicht in die „M“- oder „W“-Schublade steckst!

      3. Yvi sagt:

        Das hast du sehr treffend geschrieben.
        Man hat im Leben eben gewisse Träume und Vorstellungen. Meine zwei Jungs liebe ich über alles, aber wenn der rosarote Traum zerplatzt, ist man nun einfach enttäuscht, da man sich ja schon in seinen Vorstellungen beim Shoppen von Kleidchen & Co. gesehen hatte, Zöpfchen flechtete und beim Ballett zuschaute.
        Oder stellt man sich als Frau ohne Jungserfahrung vor, wie man vor einem Regal voller Autos und Bagger steht? Also ich nicht.

      4. Sarah sagt:

        Bei dem Satz „vor der Hochzeit mit meiner Tochter das Brautkleid kaufen“ bin ich so sehr in Tränen ausgebrochen, zum 4. Mal heute – denn das werde ich nie haben. Ich kann kaum schreiben so laufen die Tränen über mein Gesicht. Heute sagte die Ärztin es wird wohl ein Junge. Ein Junge? Ernsthaft? Wie kann das denn sein? Ich bin eine Mädchenmama und kann mir auch nichts anderes vorstellen. Ich wollte immer ein Kind. Und zwar ein Mädchen. Ich kann mir nicht vorstellen dass ich wirklich einen Jungen bekommen soll. Ich kann meinen Bauch nicht mal mehr streicheln. Es kam nie in frage dass es ein Junge werden würde, so blöd das auch klingt. Ich werde nie eine solche Mutter-Tochter-Beziehung haben mit meiner Tochter so wie ich sie mit meiner Mama habe. Bei dem Gedanken wird mein weinen immer lauter. Ich kann’s nicht fassen. Das macht mich so unheimlich traurig. Ich habe Angst, Angst davor dass ich ihn nicht so lieben kann wie ich weiß wie ich mein Mädchen geliebt hätte.

      5. Simone sagt:

        Hallo zusammen,
        Ich bin in der 20. SSW und habe mir sehnlichst ein Mädchen gewünscht. Schon seit Jahren möchte ich ein Kind und bin dann endlich Schwanger geworden. Am Freitag habe ich erfahren das es ein Junge ist, und ich bin zu tiefst traurig ,enttäuscht und meine Gedanken machen mich fertig.Ich denke darüber nach dem Kind nicht die Liebe geben zu können wie ich es bei meiner Tochter gerne gewollt hätte. Ich fühle mich sehr schlecht, und kann mich nicht weiter über die SS freuen. Ich habe leider auch nicht viele die meine Ängste und sorgen verstehen, statt dessen bekomme ich die typischen Sprüche: sei doch froh das es Gesund ist… andere können keine Kinder bekommen… ist doch egal ob Junge oder Mädchen..
        bringt mich alles nicht weiter. Ich hoffe hier eine Verständnis volle Antwort zu bekommen. Liebe Grüße

      6. Christine sagt:

        Liebe Simone,

        es tut mir sehr leid zu hören, dass du so unglücklich mit deinem Jungen bist. Ich kann dir leider nicht versprechen, dass du ihn jemals so lieben wirst, wie du ein Mädchen geliebt hättest. Das kann niemand, auch, wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass die meisten Mütter irgendwann mehr „das Kind“, also den Menschen, der da heranwächst (manchmal auch erst einige Zeit später nach der Geburt), lieben können, als das Geschlecht.

        Egal, was jetzt ist: Setz dich bitte nicht selbst unter Druck. Liebe kann man nicht erzwingen, weder die Liebe eines anderen Menschen, noch die eigene Liebe zu seinem Kind. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Viel wichtiger ist, dass du dich nicht selbst fertig machst, sondern, wenn du es schaffst, einen wohlwollenden Blick auf deine Gefühle zu richten. Auch, wenn wir „negative“ Gefühle wie Enttäuschung und Wut nicht gerne in uns tragen, so wollen sie uns doch nur etwas sagen, was uns tief im Inneren beschäftigt. Deine Gefühle gehören zu dir und sie sind völlig in Ordnung! Du darfst traurig sein, du darfst wütend sein, dass du keine Tochter in dir trägst. Erst, wenn du diesem Schmerz Raum gibst, so kann sich etwas lösen und Raum schaffen für etwas neues. Vielleicht ist dieses neue dann erstmal nur eine Akzeptanz, dass da ein Junge kommen wird und das ist auch okay, wenn du noch nicht die bedingungslose Liebe spürst. Je mehr wir uns unter Druck setzen, desto mehr blockieren wir uns selbst.

        Ich wünsche dir alles erdenklich Gute!
        Christine

  3. Lila sagt:

    Nein wir reden nicht aneinander vorbei. Leider. Mir ist tatsächlich völlig schleierhaft was ein Pennis mit einer Vorliebe für Bagger zu tun haben soll. Der Grund warum Kinder mit einem Pennis eine Vorliebe für Technik haben (sollten) und kein Rosa mögen, ist weil es ihnen von Embryoalter an suggeriert und von ihnen erwartet wird. Oder gkaubst du ernsthaft es gibt ein Hello-kitty/ Lego-Gen???
    Deinen Gender-mainstreamin Artikel halte ich für ruckschrittlich, anti-feministisch und reichlich verkürzt. Ich befürchte, ich merke gerade das wir Lichtjahre voneinander entfernt sind. Soweit, dass sich eine weitere Diskussion vermutlich nicht lohnt,da sie nur sinnlos Zeit und Nerven kosten würde.
    Ich fühle mich hier nicht mehr wohl und verabschied mich nun von deinem Blog.

    1. Christine sagt:

      Hm, das ist schade.
      Dann wünsche ich dir alles Gute!

      Lieben Gruß
      Christine

      1. lostfairy sagt:

        Die Beiträge hier sind schon alle 3 Jahre alt aber auf der Google Suche nach Gleichgesinnten bin ich darauf gestoßen.. ich befinde mich in meiner ersten Schwangerschaft und zwar mit Zwillingen. So wie es aussieht mit zwei Jungs. Allein schon dass ich schreibe „so wie es aussieht“ zeigt, dass ich die Hoffnung auf ein Mädchen nicht aufgegeben habe und noch auf eine Überraschung warte und dafür bete. Wir wollen eigentlich nur zwei Kinder und somit wäre mein Traum dann geplatzt. Ich war und bin sehr mädchenhaft und habe schon als Kind von einem Sohn UND einer Tochter geträumt, da ich selbst auch Brüder und Schwester habe. Ich kann leider mit vielen Freundinnen nicht über meine Traurigkeit sprechen, da 3 von ihnen schon viele Versuche der künstlichen Befruchtung hinter sich haben und ich mich schlecht fühle mich auch noch über Wünsche zu äußern, obwohl ich zwei Kinder erwarte ohne lange probieren. Meine Frage wäre auch, jetzt da die Beiträge schon etwas älter sind, wie hat sich das bei euch weiter entwickelt? Gab es ein happy end…?

  4. Mi sagt:

    Danke für die tröstenden Worte. Gestern habe ich erfahren, dass mein zweites Kind auch ein Junge wird. Obwohl ich mir sicher war, dass es diesmal ein Mädchen wird. Ich fühle mich verraten und betrogen, von meinem Bauchgefühl und meiner Intuition, die mich doch bisher so verlässlich durchs Leben geführt haben. Gestern ist er geplatzt, mein Traum, mein Luftschloss, den ich doch schon so deutlich vor Augen hatte. Es ist nicht das erste Luftschloss, das untergeht. 2009 starb meine Mutter, zu der ich ein sehr tiefes und inniges Verhältnis hatte, nur mühsam rappelte ich mich wieder auf und begann mein Leben ohne sie. Damals las ich, dass jeder Verlust, egal wie groß oder klein, angemessen betrauert werden muss. Anfang 2013 verlor ich mein erstes Baby in der 12. Ssw. Wieder platze ein Traum, wieder fiel ein Luftschloss in sich zusammen. In der Nacht vor der Ausscharbung träumte ich von meiner Tochter. Es war die Hölle, ich ertrug keine anderen Schwangeren oder Babys. Bis ich nach ca. 6 Monaten beschloss, dass es jetzt reicht, genug mit der Trauer. Im Sommer 2014 kam mein Sohn zur Welt, der Deal war „ich will unbedingt ein Baby, Geschlecht egal“, da war mir schon klar, dass es ein Junge wird, da hat das Bauchgefühl noch funktioniert.
    Nun bin ich in der 17. Ssw und wieder platzt ein Traum. Auch über dieses Luftschloss werde ich hinweg kommen. Auch diesmal werde ich die Trauer über die Tochter, die ich nie haben werde, irgendwann los lassen können. Bis dahin werde ich eben nicht euphorisch Namen auf eine Liste schreiben, es wird schwer genug, einen Jungennamen zu finden, den weltschönsten haben wir ja schon vergeben. Ich muss auch nicht erwähnen, dass ich schon einen Favoriten unter den Mädchennamen hatte?!
    Jedenfalls bin ich auch beruhigt, dass ich nicht die einzige bin, dass es halt Gefühle sind, die mir zustehen und dass es auch ein Leben nach diesem Gefühlschaos geben wird. Vielen Dank!

    1. Christine sagt:

      Liebe Mi,

      zuallererst möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich so lange zum Antworten gebraucht habe. Bei mir gab es emotional in letzter Zeit viel zu sortieren und ich wollte mir wirklich Zeit und einen klaren Kopf für deinen Kommentar nehmen.

      Es tut mir sehr leid zu hören, dass für dich mit Bekanntwerden des Geschlechts ein Traum zerplatzt. Schon wieder eine Enttäuschung, nachdem du in den letzten Jahren schon zwei Verluste betrauern musstest und jetzt auch zum zweiten Mal den Traum von einer Tochter verabschieden musst. Du fühlst dich von deinem Bauchgefühl betrogen und das kann ich absolut nachvollziehen. Wenn man sich nicht mal mehr auf sich und sein Gefühl verlassen kann! So ging es mir auch damals bei meinem zweiten Sohn. Es dauerte lange, bis ich erkennen konnte, dass es kein Zeichen von schlechter Bindung zum Ungeborenen oder geringer Selbstkenntnis ist, wenn das Bauchgefühl der Mutter beim Geschlecht daneben liegt. Und trotzdem fühlt man sich von seiner Intuition verraten!

      Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, was du bei deiner ersten Schwangerschaft und in der Nacht vor der Ausschabung durchmachen musstest! Es tut mir sehr leid das zu lesen und ich wünsche mir sehr für dich, dass du mit der Zeit nicht nur loslassen, sondern auch deinen Frieden finden konntest. Hast du damals über eine Traumatherapie/Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen o.ä. nachgedacht? Oft hilft das Reden mit einfühlsamen Fachmenschen oder Müttern in ähnlichen Situationen ja schon, solche Verletzungen zu verarbeiten. Auch lange im Nachhinein…

      Ich hoffe, du fühlst dich jetzt von mir nicht bedrängt, eher ermutigt. Manchmal sieht man selbst ja den Wald vor lauter Bäumen nicht, und auf mich wirkst du wie eine starke Frau, die viel durchmachen musste und jetzt auch wieder in einem Gefühlschaos steckt. Man muss aber nicht alles alleine mit sich selbst ausmachen, auch die stärkste Mutter darf sich auch mal begleiten und tragen lassen :-)

      Ich wünsche dir, dass du irgendwann auch deine jetzige Schwangerschaft mit männlichem Bauchbewohner genießen kannst! Aber für den Moment lass‘ die Finger von den blöden Namenslisten, blauen Stramplern und sonstigem Jungskram! Sei viel für dich da und gestatte deinem ganzen Frust, sich seinen Weg nach Draußen zu bahnen – dann bist du ihn sicher auch schneller los, als gedacht ;-)

      Mir fällt gerade ein Ritual zur Trauerbewältigung bzw. zum Thema Loslassen ein, das ich letztens in einer Zeitschrift gefunden habe und das ich dir noch mit auf den Weg geben möchte: Den Schmerz in Worte fassen und auf Papier schreiben, das Papier zu Schiffchen falten und an einem Bach oder kleinen Fluss zu Wasser lassen. Egal, ob sie davonschwimmen oder direkt untergehen: Die Papierschiffchen nehmen deine Sorgen mit.

      Ich finde das Ritual sehr schön und werde es bei nächster Gelegenheit selbst ausüben. Vielleicht wäre es auch was für dich?

      Ich wünsche dir alles Liebe und schicke dir gute Gedanken!
      Vielen Dank, dass du hier so offen über deine Gefühle und deine Geschichte geschrieben hast. Das hat mich sehr bewegt!

      Christine

      1. Andrea sagt:

        Mir geht es ähnlich…

        Hey, ihr lieben Jungsmamas.
        Auch ich habe 2 Söhne (3 Jahre und 6 Monate). Beim 2.Sohn hoffte ich schon auf ein Mädchen, meine kleine Prinzessin Annabell!! Der ich tolle Kleider anziehen werde, ihre blonden Haare zu tollen Frisuren kreieren werde. Mit ihr Puppen, Barbie spielen werde und später auf Mama-Tochter Wellness gehen werden und zusammen kitschige Liebesfrauenschnulzen ansehen werden. Tja, dann kam die Nachricht vom 1.Sohn und ich konnte mich auch wirklich freuen, da es ja das erste Kind ist und beim 2.Kind gibt es schließlich dann die Tochter, kann ja gar nicht anders sein. Leider war dem nicht so und als ich es erfuhr brach eine Welt für mich zusammen. Das ganze ist jetzt über 1 Jahr her und es ist noch kein Tag vergangen, an dem ich mir nicht gedacht habe, schade, wieso bist du nicht meine zutiefst gewünschte Annabell. Ich liebe den kleinen sooo sehr, aber ich bin auch echt traurig. Stöbere täglich auf Instagram und folge ganz vielen tollen Jungsmamas um mich zu motivieren und zu sehen, wie andere damit umgehen.
        Ich selbst bin eher burschikos als Kleinkind herumgelaufen, meine Mama hat sich da kir grosse Mühe gemacht und ich hätte das so gerne anders gemacht. Das Mädchen selbstbewusst erziehen, mit Mühe mit Kleidung und Haaren, Schmuck und anderen schönen Dingen gegeben, die ich nicht hatte.
        Puh. Es ist wirklich nicht einfach. Wann lässt dieser Schmerz, Wunsch nach?
        Ich bin anderen Müttern mit Sohn und Tochter immer so neidisch und finde die kleinen kleinen Mädchen so wundervoll.
        Mein 3 Jähriger ist so ein temperamentvoller, wilder Kerl, so ganz anders als ich. Es ist wirklich nicht so leicht Empathie zu empfinden.
        Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass ich besser auf ihn eingehen könnte.
        Ich kann mich mit den Mädchenmamas auch nicht so freuen, da ich einfach etwas neidisch bin und das nicht abstellen lässt…

        Liebe Grüße
        Andrea

  5. Lotta sagt:

    Ich danke Dir von Herzen für diesen Blogeintrag! Er spricht auch mir aus tiefster Seele.

    Wir erwarten nun, etwas unerwartet, unseren dritten Jungen und wirklich niemand weiß wie es mir geht bzw. ging. Ich freue mich natürlich sehr auf diese neue Seele welche unbedingt noch zu uns wollte. Gleichzeitig muss ich mich nun aber auch von meinem Traum, einmal ein Mädchen zu bekommen, verabschieden und das tut richtig weh.

    Schlimm finde ich, dass viele es nicht verstehen wollen oder können wenn man ehrlich ist und seine Enttäuschung auch zugibt. (So mehrfach beim zweiten Kind erlebt.)
    Allerdings sind genau DAS die Personen die in jeder Schwangerschaft gesagt haben, „hoffentlich wird es ein Mädchen“ oder „Oh nein, schon wieder ein Junge, ihr armen“ und „tut mir leid, ein Mädchen wäre schöner gewesen“.
    Dieses Mal erzählen wir einigen Leuten das wir uns einen dritten Jungen wünschen, obwohl wir beide eigentlich auf ein Mädel gehofft haben. Und selbst jetzt kommt da teilweise Unverständnis, „wie? Ernsthaft? Ihr wünscht euch drei Jungs?“

    Oh man, sollen wir uns heulend hinstellen und laut jammern und uns dann wieder dafür beschimpfen lassen alá „seid froh, Hauptsache gesund, ihr habt es gar nicht verdient, usw.“ ???

    Selbst im Netz kann man sich den Kummer nicht von der Seele schreiben, da soviele richtig böse und beleidigend werden.
    In erster Linie bin ich unendlich dankbar dafür drei wunderbare, gesunde Kinder haben zu dürfen und drei traumhafte Schwangerschaften erlebt zu haben. Glaubt mir, ich weiß das ich damit schon sehr privilegiert bin! Trotzdem darf ich um meine Tochter trauern, die zwar real nie existieren wird sondern immer nur in meinem Kopf rumgeschwirrt ist, aber auch das ist menschlich und nicht verwerflich.

    1. Christine sagt:

      Liebe Lotta,

      ich heiße dich ganz herzlich willkommen auf meinem Mama-Blog für hochsensible Mütter und freue mich sehr, dass du mir so einen langen und ehrlichen Kommentar hinterlassen hast!

      Du hast es ja zur Zeit echt nicht leicht, wie ich herauslesen kann! Fühl dich gedrückt, wenn du magst! Es muss schlimm sein, erst Sprüche à la „Schade, wieder ein Junge“ zu hören und anschließend schief angeguckt zu werden, wenn man selbst genau das ausspricht. Es ist doch wirklich unfassbar, wenn es soweit kommen muss, dass man sich selbst verbiegt und anderen erzählt, dass der Junge ein Wunschgeschlecht ist, nur, um nicht auf Unverständnis zu stoßen.

      Bei mir haben damals glaube ich ziemlich wenige ein „Och wie schade, noch ein Junge“ geäußert. Vielleicht habe ich es aber auch nicht so bewusst wahrgenommen, weil ich mit diesem Standardspruch schon gerechnet habe. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr.

      Dass man in Internetforen etc. nicht offen darüber sprechen kann, habe ich auch schon oft miterlebt (bzw. bei anderen gelesen). Da wird man schnell als undankbar und frei von sonstigen Problemen hingestellt. Aber wie du schon sagst (und man dir absolut abnimmt!): Der Wunsch nach einem anderen Geschlecht hat eben nichts damit zu tun, keine Dankbarkeit für ein weiteres Baby und das Glück, ein gesundes Kind zu kriegen, zu empfinden.

      Das können wohl nur die Wenigsten differenzieren. Vor allem Diejenigen, denen es ähnlich geht.

      Ich wünsche dir, dass du mit deinem Jungen, deiner nicht-real-erlebbaren Tochter und auch mit den Kommentaren aus deinem Umfeld irgendwann deinen Frieden schließen kannst. Bis dahin trauere so lange, wie du es brauchst und es dir gut tut!

      Du bist nicht alleine!

      Alles Liebe dir!
      Christine

  6. J sagt:

    Jetzt habe ich lange überlegt, ob ich meinen Kommentar hier oder unter ‚Gender Mainstreaming‘ einstellen sollte – er gehört hierher: Ich bin fast 60 Jahre alt und männlich. Meine Mutter war bis zu meiner Geburt zu 100% sicher, dass ich ein Mädchen wäre (zweite Kind nach einem Sohn), hatte auch alles, absolut alles für das Mädchen vorbereitet, es gab auch nur einen weiblichen Vornamen für mich. Sie war auch genauso enttäuscht, wie ich es hier in diesen Dialogen immer wieder lese. So, und jetzt meine Bitte an die Mütter hier. Lasst von Eurer Enttäuschung los – so schnell wie möglich – um Eures Kindes Willen. Meine Mutter konnte es nie. Und ich habe immer ihre Enttäuschung gespürt und spüre sie heute noch – 60 Jahre später – noch heute noch klingen mir ihre Worte in den Ohren, wenn sie mir das alles immer wieder erzählte und ich ihre tiefen Emotionen fühlte, wenn sie von ihreR „J…“ sprach – von mir, die/der ja nur ein Junge wurde.
    P.s. ich bin real und kein Fake. Der angegebene Name „J“ ist sowohl der erste Buchstabe meines männlichen Taufnamens sowie meines vorgeburtlichen weiblichen Vornamens.

  7. Sarah sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele. Ich erinnere mich genau an den Moment an dem der Arzt mit dem Ultraschall über meinen Bauch fuhr. Mein Herz pochte in Gedanken hoffte ich auf den Satz „Es wird ein Mädchen“, die Sekunden kamen mir eine Ewigkeit vor…dann sagte er: “ Es wird ein Junge“. Ich lächelte und in meinem Inneren schrie ich. Es war als hätte mir jemand etwas voller Wucht gegen den Bauch geschlagen hätte meine Kehle schnürte sich zu ich wäre am liebsten weinend hinaus gelaufen. Noch nie in meinem Leben war ich so enttäuscht es war wie ein Schock,ein böser Alptraum. Ich erschrecke mich gerade selbst über diese Worte ist mein kleiner Sohn doch die Welt für mich,aber in diesem Augenblick fühlte ich so. Im Auto liefen die Tränen,die ganze Autofahrt liefen sie und auch noch die nächsten Tage,Wochen und auch Monate. Nicht immer aber sie liefen. Mein Kopf sagte mir „was bist du nur für eine Mutter,du hast den kleinen Kerl in deinem Bauch nicht verdient“, du dumme Kuh ich hasste mich selbst ich konnte mich nicht austehen aber gegen meine Gefühle konnte ich nichts tun. Ich wollte mich daraus holen ging in Babygeschäfte,suchte schöne Sachen heraus…aber wo war meine Vorfreude hin? Ich war einfach nur noch lustlos und irgendwie war mir alles gleichgültig. Es gab Tage da konnte ich mich dann doch freuen aber dazwischen waren viele an denen ich nichts empfand. Ich suchte
    im Internet nach Geschlechts Verwechselungen beim Ultraschall und hoffte das die Ärzte vllt nur falsch lagen das vllt doch ein Mädchen in meinem Bauch war. Irgendwann wusste ich aber das dem nicht so wahr ich wusste eig. schon vom Beginn des pos Testes das es ein Junge wird aber habe mir eingeredet es wird ein Mädchen. was sollte ich auch mit einem Jungen anfangen? Die jungs meiner Freunde interssierten mich nie…die Mädchen dafür sehr. Ich habe immer davon geträumt mit meiner Tochter solch eine Beziehung zu haben wie meine Mutter zu mir. Sie war mir so nah. Von kindheitstagen an wusste ich das sie einmal zu mir gehören würde. Mein Mädchen.
    Und jetzt ist er da….mein Sohn…mein Herz…mein Leben. Mein kleiner perfekter Sohn von dem ich glaubte das er mir nicht das selbe geben könnte wie eine Tochter. Aber das kann er und vielleicht sogar noch mehr als es eine Tochter je gekonnt hätte.
    Die Liebe meines Lebens ♡

    1. Christine sagt:

      Was für eine berührende Geschichte – alles Liebe dir ♡

  8. Janine sagt:

    Ich danke dir sehr, für deinen Beitrag. Ich fühle mich dadurch nicht mehr ganz so alleine und falsch verstanden. Auch die Kommentare von den anderen Müttern, machen mir Mut. Ich habe vor 3 Tagen erfahren, dass mein 3. Kind nun auch wieder ein Junge wird. Dieses Mal bin ich jedoch noch mehr niedergeschlagen als beim Outing von Junge Nr. 2. Weil dieses Kind definitiv unsere letztes sein wird. Ich hatte vor diesem Kind eine Fehlgeburt. Sehr früh in der SS aber es hat mich sehr mitgenommen. Ich bin nun in der 18. Woche. Bis zur vollendeten 15. Woche, hab ich an einer Schwangerschaftsdepression gelitten. Ich denke das kam einiges zusammen. Die vorherige FG, die Hormone. Da diese Schwangerschaft so vollkommen anderes verlaufen ist, als die bei den vorherigen, habe ich gedacht – jetzt werde ich mit einer Tochter belohnt. Die Zeichen standen gut und Anfang der Woche teilte mir mein Arzt mit, dass es wieder ein Junge ist. In diesem Augenblick habe ich mir nichts anmerken lassen. Auch als ich meinem Mann davon berichtet habe, der genauso enttäuscht war/ ist wie ich. Ich habe die halbe Nacht geweint. Die letzten Nächte schlecht geschlafen. In meinen Fitnesskursen für Schwangere, fühle ich mich mehr als unwohl. Gestern habe ich ein Gespräch von zwei Mamas mitbekommen, die sich freuen, nun den anderen Teil für ein Pärchen geschenkt zu bekommen. Ich gönne jedem sein Glück, kann mich für Freundinnen freuen, die ein Mädchen bekommen aber dennoch hab ich einen riesen Kloß im Hals. Ich werde kein Mädchen mehr bekommen. Dieser Wunsch wird mir leider nicht erfüllt werden. Ich weiß, wenn ein paar Woche ins Land gezogen sind, kann ich mich genauso auf meinen 3. Jungen freuen, wie auf meinen 2. aber das braucht noch seine Zeit. Im Moment verfluche ich Gott und die Welt. Es ist so schwer. Von außen hört man immer die Sprüche: „Na ihr könnt wohl nur Jungs“. Oder der Spruch, der mich am meisten aufregt: „Hauptsache gesund“! Natürlich Hauptsache gesund aber in so einem Augenblick, will man das nicht hören. Ich hab das Gefühl, dass von einem erwartet wird, man müsse sich über jedes Kind, jedes Geschlecht freuen. Es gibt ja Menschen auf der Welt, denen es nicht vergönnt ist, überhaupt ein Kind zu haben. Oder: Sei doch froh, dass ihr nur Jungen habt. Auf Mädchen muss man immer aufpassen. In anderen Ländern passieren ganz schlimme Sachen mir Mädchen & Frauen… Ich meine, was soll das? Wieso darf ich meine Gefühle nicht loslassen und frei heraus sagen, was mir so auf der Seele brennt. Ich bin deshalb kein schlechter Mensch. Keine schlechte Mutter und ich glaube, es gibt Millionen Frauen, denen es ähnlich geht. Sie trauen es sich nur nicht auszusprechen. Mein Mann hofft noch darauf, dass ein Fehler gemacht wurde. In der 21. Woche haben wir die Feindiagnostik. Ich werde ihn nicht mitnehmen. Seine Hoffnung macht mich zusätzlich fertig, denn meine ist schon zerstört. Ich habe solche Schuldgefühle dem kleinen Wesen in meinem Bauch gegenüber. Nur weil er für mich im Augenblick das „falsche“ Geschlecht hat, lehne ich ihn so ab. Das ist mehr als ungerecht. Ich hoffe, er sieht es mir nach und wir werden nach der Geburt eine innige Beziehung zueinander aufbauen können.. Danke, dass ich hier meinen Gedanken freien Lauf lassen konnte… Alles wird gut. Nicht heute, nicht morgen – aber bald!

    J.

    1. Christine sagt:

      Liebe Janine,

      es freut mich, dass du auf meinen Blog gefunden hast und den Mut hattest, offen über deine Gefühle zu sprechen.
      Es tut mir auch leid für dich, dass der Traum vom Mädchen jetzt ausgeträumt ist. Das schmerzt erst einmal fürchterlich und das darf auch sein, da hast du vollkommen Recht! Diese Vergleiche mit anderen, denen es noch schlechter geht sind wirklich kein Trost und völlig unnötig! Du fühlst jetzt diesen Schmerz und er hat seine Berechtigung, egal, wie es anderen Frauen in Indien oder sonstwo geht.
      Ich verstehe auch deine Entscheidung, deinen Mann nicht mit zur Feindiagnostik zu nehmen. Es wird für dich schon schwer genug. Vielleicht kannst du ja eine Freundin mitnehmen?
      Ich glaube, tief in dir drin, lehnst du deinen ungeborenen Sohn gar nicht ab. Du brauchst also keine Schuldgefühle zu haben! Du bist sauer, dass es ein Junge und kein Mädchen wird, aber du hast doch selbst die Hoffnung, dass du dich irgendwann sehr wohl mit deinem Jungen anfreunden kannst. Also lehnst du nicht deinen Sohn ab, sondern die Vorstellung, kein Mädchen mehr zu bekommen. Ich finde es wichtig, dass du den Schmerz zulässt und kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass mein Sohn (den ich wochenlang für ein Mädchen hielt) und ich inzwischen eine ganz wunderbar enge Beziehung haben.

      Ich wünsche dir alles, alles Gute!
      Christine

  9. Yvonne sagt:

    Ich danke dir von Herzen für diesen Beitrag. Seit ich gestern erfahren habe, dass wir unsere zweite Tochter erwarten bin ich total am Boden zerstört und schlafe schon die ganze Nacht nicht.

    Mein Mann kann meine Enttäuschung nur bedingt nachvollziehen. Er hätte sich über einen Jungen gefreut, aber ihm ist das Geschlecht egal.

    Irgendwie gehören bei mir seit ich denken kann zwei Kinder zur Idealplanung. Als erstes am Besten ein Junge. Nach langen Versuchen des Schwanger werdens hatte ich eine frühen Fehlgeburt (Verarbeitung dauert noch an). Damals hatte ich das Vertrauen in meinen Körper schon verloren. Ich wurde zwar kurz darauf wieder schwanger, aber es gab viele Komplikationen und war eine schwere Zeit voll hoffen und bangen. Letztendlich durfte ich unsere Tochter in Händen halten. Auch wenn ich mir bis zur Geburt einen Bub gewünscht habe, es war ok für mich. Da wir ja unbedingt zwei Kinder wollten gab es Hoffnung. Ich versuchte alles mögliche (z.B. Sex am Tag des Eisprungs) um die Chance auf den gewünschten Jungen zu erhöhen. Die Schwangerschaft stellte sich ein, aber gleichzeitig das Gefühl: es wird ein Mädchen. Das hat sich nun gestern bestätigt und meine Welt brach zusammen.

    Mein Lebenstraum ist zerplatzt und ich weiß gar nicht wie ich mich wieder fangen soll. Meine Eltern und Schwiegermutter wünschen sich ganz offensichtlich auch einen Stammhalter (Klischee pur: wir haben einen Bauernhof und nun keinen Erben) und ich weiß nicht ob ich „die Bombe“ jetzt einfach schon platzen lassen soll damit es die doofen Kommentare schon jetzt hagelt und nicht erst bei der Geburt. Bin so froh, dass ich meine Gefühle einfach runterschreiben konnte. Denn auch mit meinen Freundinnen kann ich darüber nicht reden. Die sind alle glücklich über ihre Pärchen bei denen die Jungs die Erstgeborenen sind.

    Herzliche Grüße
    Yvonne

  10. Luise sagt:

    Liebe Christine,

    nachdem ich gestern bei einer Vorsorgeuntersuchung auch das Geschlecht unseres Nachwuchses erfahren habe, bin ich am Boden zerstört. Ich kann nicht anders als die ganze Zeit nur noch zu heulen.
    Es ist unglaublich schlimm, aber ich kann mich nicht freuen.
    Alle sind der Auffassung „Hauptsache gesund“, aber so ist es nicht. Nicht für mich.
    Was du schreibst, hat mich sehr berührt und deine Zeilen sprechen mir aus dem Herzen.
    Für mich war es schon schwer zu akzeptieren, dass ich zwei Kinder anstatt nur einem erwarte.
    Zwillinge. Was für ein Schock. Und das auf natürlichem Wege. Ich bin hier ganz allein, meine Familie weit weg, mein Mann kann überhaupt nicht erahnen, was auf mich zukommen wird.
    Und dann, nachdem ich dies halbwegs akzeptieren konnte, gestern die Nachricht: 2 Jungen.
    Ich habe zu den beiden Jungen überhaupt keine Verbindung, ich verstehe ihr Verhalten nicht und ich weiß nicht, wie ich sie annehmen soll.
    Für mich ist eine Welt zusammengebrochen und ich konnte/kann es niemandem sagen. Mein Mann wünscht sich keine weiteren Kinder, also muss und sollte ich meine Traum, einmal eine Tochter zu haben sofort begraben. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.

    Wenigstens weiß ich aber nun, dass es auch andere Mütter gibt, die enttäuscht, traurig, wütend und auch tief getroffen sind.
    Das gibt mir das Gefühl, zumindest in diesem Punkt nicht alleine zu sein. Dass diese Gefühle vielleicht ok sind, dass ich so ok bin, auch wenn ich so fühle.

    Danke!

    Luise

  11. Sabrina sagt:

    Hallo Christine,
    Zu aller Erst einmal, ein Wunderbarer Blogeintrag der mir wirklich aus der Seele spricht.

    Es ist meine erste Schwangerschaft und eigentlich war mir das Geschlecht von Anfang an egal. – Man kann es sich ja dann doch nicht aussuchen.
    Als der Tag des Outings kam, hieß es das Baby wird ein Mädchen. Voller Glück habe ich dann schon die erste rosa Kleidung gekauft. Eine Woche später bei der Feinsono, sagt der Arzt es wird ein Junge, da hat sich die Kollegin wohl verguckt.
    Danach brach eine Welt für mich zusammen. Ich hätte plötzlich kein Interesse für das Kind mehr. Ich wünschte mir es wäre gar nicht da. Drei Tage vergingen nicht ohne einmal nicht zu weinen.. Tiefste Trauer und Enttäuschung. Es war mir alles egal, egal ob gesund, egal welcher Name, egal was für schöne Sachen es doch auch für Jungs geben würde. Ich hatte das Gefühl des abstoßens. Ich habe Angst dem Kind nach der Geburt nicht lieben zu können oder gerecht zu werden, als wäre er ein Mädchen geworden..
    Unsicherheit macht sich in meinen Körper breit und ich weiß nicht was ich tun soll.
    Mein Partner versteht mich und ist für mich da. Ich weiß nicht ob ich mich jemals darüber freuen kann oder vielleicht dauert das noch eine Zeit dass man sich an diesen Gedanken gewöhnt hat? Jedenfalls bin ich nur noch traurig.

    1. Christine sagt:

      Liebe Sabrina,

      ich danke dir für deine ehrlichen Worte, an denen du mich und meine Leserinnen teilhaben lässt! Sicherlich ist es dir nicht leicht gefallen, deine Gedanken nieder zu schreiben.
      Ich kann mir gut vorstellen, wie durcheinander du warst, nachdem bei der Feinsono ein anderes Geschlecht festgestellt wurde, immerhin hattest du dich jetzt schon eine Woche lang auf ein Mädchen, und damit im Grunde auf einen anderen Menschen, eingestellt.
      Ich finde es gut, dass du deinen Tränen so viel Raum gegeben hast, wie sie brauchten! Es ist nicht leicht, sich selbst solche negativen Gefühle einzugestehen, aber es ist ein wichtiger Teil der Trauerarbeit, die du da gerade leistest.
      Niemand wird dir sagen können, wie lange du deinem Mädchen noch nachtrauern wirst, aber nur dadurch, dass du deinem Schmerz und deiner Enttäuschung Raum gibst, hast du eine Chance auf tiefe Heilung. Wie wunderbar, dass dein Partner dich unterstützt und sogar versteht! Ich bin mir sicher, dass ihr gemeinsam diese schwere Zeit überstehen könnt, so aussichtslos sie momentan auch noch erscheinenen mag.
      Ich wünsche dir alles Liebe für deine Zukunft und danke dir, dass du dich mir anvertraut hast.
      Wenn du magst, fühle dich aus der Ferne gedrückt!
      Liebe Grüße
      Christine

  12. Vera sagt:

    Ich bin verwirrt, traurig und erleichtert zugleich. Ich lese deine Blogeinträge und kann mich in jedem einzelnen wiederfinden.
    Ich konnte als hochsensible Mutter meine Tochter annehmen, weil sie eine TOCHTER war, jetzt mit 15 teilt sie mir als Tüpfelchen auf dem i nach 15 langen mit der Mutterrolle hadernden Jahren mit, dass sie transgender ist und ein Junge sein möchte. Ich brauche dir glaub ich nicht beschreiben wie es in mir aussieht.

    1. Christine sagt:

      Liebe Vera,

      es tut mir sehr leid zu hören, was du gefühlsmäßig gerade durchmachst. Das muss ein schwerer Schlag für dich gewesen sein nach fünfzehn harten Jahren des Muttersein-Akzeptierens.
      Ich wünsche dir sehr, dass du dir zusätzlich nicht noch Schuldgefühle machst. Was auch immer die Beweggründe deiner Tochter sein mögen, fortan als Junge weiterleben zu wollen: Du hast dein Bestes gegeben und wirst es auch weiterhin tun. Davon bin ich fest überzeugt.
      Ich schenke dir eine virtuelle Umarmung und viel Kraft für die kommende Zeit ♥

      Wenn du magst, darfst du mir auch gerne eine Mail an mail@pusteblumen-fuer-mama.de schreiben, wenn du dir mal ausführlicher dein Herz ausschütten magst.

      Sei herzlichst gegrüßt
      Christine

  13. Hola sagt:

    Ich bin jetzt in selben Situation und weine seit länger als eine Woche….

    1. Christine sagt:

      Das tut mir sehr leid zu hören. Auch, wenn es jetzt sehr schmerzhaft für dich ist, so ist es gut, dass du deinen Tränen erlaubst, zu fließen. Ich glaube dies ist der einzige Weg, auf Dauer Heilung zu ermöglichen, auch, wenn der Schmerz für dich momentan noch schier unendlich zu sein scheint und du noch kein Ende siehst.
      Fühle dich gedrückt, wenn du magst ♥

    2. Sabrina sagt:

      Hallo – ich habe Enttäuschung Geschlecht gegoogelt, während mein 9 Tage altes Neugeborenes auf mir liegt. Geweint habe ich drei Tage lang am Wochenende, aber eigentlich nicht deswegen, sondern weil ich nicht geahnt habe, wie heftig der Schmerz ist, sein großes Kind zurückzulassen. Ihr ratet richtig, auch ich habe den zweiten Jungen bekommen. Es war alles geplant, Zeitpunkt der Schwangerschaft, Geburtsort, Verlauf und alles funktionierte, nur das Geschlecht war am Ende „falsch“. In meiner Familie gibt es viele Frauen. Seit 4 Generationen werden alle Sternzeichen Jungfrau Kinder weiblich geboren. Bei meinem Mann ging es seit über 100 Jahren keine weiblichen Nachkommen. Ich wusste, es wurde eine Tradition gebrochen. Es sollte nicht unsere sein. Jetzt habe ich zwei Jungs, das Geschlecht erfuhr ich erst bei der Geburt. Ich war so perplex, aber ich war nicht unglücklich. Sollte ich nicht unglücklich (er) sein? Insgeheim hab ich auf ein Mädchen gehofft, aber der Verstand sagte mir, evolutionsbedingt kann mein Mann kein Mädchen machen. Sollte ich nicht enttäuschter sein? Der Kleine war so süß und hübsch und wir haben mit drei Frauen eine tolle Geburt gehabt. Ich hatte einfach mit
      Mehr Enttäuschung gerechnet. Mein Sohn hat sich 9 Monate lang eine Schwester erwünscht. Ich hatte solche Angst, dass er traurig sein würde, aber auch er reagierte positiv. Ich habe ebenfalls meine Mama verloren und ich habe mir immer gewünscht, dass ich eine Tochter habe, damit ich diese Beziehung wieder haben kann. Aber jetzt Habe ich zwei Jungs. Irgendwie hab ich das Gefühl ich sollte enttäuschter sein und ja, ich hatte immer diese Idee, dass die perfekte Familie beides hat, aber vielleicht ist für uns einfach diese Konstellation perfekt? Ich versuche meine Jungs so neutral wie möglich zu erziehen, aber ich trauere jetzt einfach schon um die Erwachsenenzeit mit Ihnen. Ich weiß, Dass sie mich wahrscheinlich niemals anrufen werden, geschweige denn erzählen, was in ihrem Leben passiert. Manchmal aber keimt die Hoffnung in mir hoch, dass sie es doch werden. Danke für deine Artikel. Ich habe sie gern gelesen, denn der Mensch ist so: er vergleicht und ich brauche das Gefühl, ich bin nicht allein mit meinen Gedanken und dass ich trauern darf, um eine Freundschaft, die ich nie haben werde. Ich frage mich, wie es dir heute geht und hoffe, dass ihr ein tolles Leben zu viert (oder 5t?) führt. Alles Gute!!!

  14. Mary sagt:

    Hallo Christine,
    Was für ein Tabu Thema……
    Solange ich denken kann, wünschte ich mir eine Tochter.
    Als es mit dem Schwanger werden nicht klappte und der Arzt sagte, die einzige Möglichkeit sei eine künstliche Befruchtung mit sehr geringer Erfolgschance war ich am Boden zerstört.
    Ein Wunder ist geschehen – und es hat trotzdem irgendwann geklappt! Ich war fest davon überzeugt, dass es nach all dem Leid, der Schmerzen und Sorgen ich nun meine Tochter bekommen würde.
    Als der Arzt sagte “ Junge“ hielt ich es für eine Scherz und wartete bei jedem Ultraschall darauf, dass es doch ein Mädchen wurde…. Als mein Sohn zur Welt kam, sagten alle, wir sollen so froh sein in unserer Situation und in ein paar Wochen wäre es komplett egal, welches Geschlecht.
    Mein Sohn ist mittlerweile 4 Jahre alt, objektiv ein toller Junge… aber eben ein Junge! Ich weiß nicht, wie ich mit ihm spielen soll – wenn er schon mit den Feuerwehrsachen oder Müllautos ankommt…. ich geb mir Mühe, wirklich, aber ich schaffe es kaum :(
    Ich überredete meinen Mann zu einem 2. Kind – und es hat tatsächlich nochmal geklappt! 2x ein 6er im Lotto….
    Beim Fein- Ultraschall in der 14. Woche sagte der Arzt: das ist ein Mädchen! Ich könnte meinen Ohren nicht trauen! Ich bat ihn, nochmals zu schauen, ob es sicher sei… und er lachte und auch beim 2. Blick sicher ein Mädchen. Zufällig 2 Wochen später bei einer andren Gynäkologin: Mädchen.
    Ich war im 7. Himmel! Plötzlich könnte ich meinen Sohn lieben, für das was er ist. Das waren die schönsten 10 Wochen meines Lebens. Dann der Organschall: Junge, aber so definitiv. Ich hab bis zur Entbindung jede Nacht geweint. Als mein 2. Sohn zur Welt kam, hat sich die Traurigkeit nicht geändert.
    Ich lass es meine Jungs nicht spüren, gebe alles um eine gute, jungsbezogene Mutter zu sein, fahre zu Feuerwehrfesten und zum Fußball. Schließlich ist es meine Entscheidung gewesen und ich wusste vorher, dass es nur eine 50% Chance gab.
    Mein Mann hält mich für komplett bescheuert, meine Freunde können mich nicht verstehen und es gibt in meinem Freundeskreis tatsächlich niemand ohne Tochter…. ich kann mit niemand darüber reden.
    Alltagssituationen wie ein Spielplatzbesuch und sogar der Kindergarten hauen mich an schlechten Tagen komplett aus der Bahn, wenn ich die Mädchen da sehe…. oder einkaufen für die Jungs und man sieht die Mädchensachen.
    Ich träume nachts so oft von einer Tochter, als ob es sie wirklich gäbe…. die Töchter meiner Freunde kann ich teils kaum ertragen.
    Ich fühle mich einfach nur schlecht: ich sollte dankbar sein, dass ich überhaupt Kinder habe. In unserem Freundeskreis gibt es 3 Familien mit Sternenkinder – das ist schließlich schlimm. Nicht meine Situation!
    Wenn ich die Jungs und mein Mann zusammen sehe, komme ich mit so fehl am Platz vor, als ob ich nicht dazu gehöre… dabei hab ich 2 süße, gesunde Söhne.
    Ich hoffe, ich kann mich irgendwann damit arrangieren. Wenn man darüber in Foren liest, gibt es irgendwie bei allen immer ein Happy end, also hoffe ich darauf….

    1. Andre sagt:

      Liebe Mary,
      ich schreibe hier als werdender Vater. Wir haben gestern erfahren, dass wir einen Jungen erwarten. Ich hatte keine Erwartungshaltung an das Geschlecht. Mir war es, wenn auch hier und zuweilen Zurecht verpönt, wichtig ein gesundes Kind zu bekommen. Für meine Partnerin ist gestern jedoch eine Welt zerbrochen. Sie weint unaufhörlich, ist zu tiefst erschüttert, versteht die Welt nicht mehr und ist sich schon jetzt sicher, dass Sie nie Gefühle für unser Kind aufbauen kann. Als ich bei der letzten Ultraschalluntersuchung dabei gewesen bin, habe ich das erste mal den Herzschlag unseres Kindes hören dürfen (hier haben wir noch nicht das Geschlecht erfahren). Ich kann mich nicht erinnern in meinem Leben jemals einen glücklicheren Moment erlebt zu haben. Voller Erwartung, Freude auf und vorzeitiger Liebe zu unserem Kind haben wir die Praxis verlassen. Wie schmiedeten Pläne, scherzten über wo mögliche Streiche und voraussichtliche Charaktereigenschaften des Kindes. Kurzum wir waren voller positiver Erwartung. Nach der gestrigen Nachricht ist nun alles Schall und Rauch. Gegenläufig zu meinem oben beschriebenen Glücksmoment habe ich nun den traurigsten Moment in meinem Leben erleben müssen. Ich kann die Erwartungen einer Frau hier nicht nachvollziehen. Ist es nicht egoistisch bei dem Geschlecht einen Wunsch derart paranoid zu verfolgen, dass darunter die schützenwertesten und kleinsten Wesen unserer Gesellschaft leiden, sich davon womöglich nie erholen und für die Betroffenen nicht zu erkennende Begleiterscheinung unheilbar sind. Ich kann bis hierher erst einmal nur für mich sprechen, dass ich meine Partnerin mit allem was in meiner Macht steht unterstütze und für Sie da bin. Dass die gestrige Erfahrung aber auch bei mir und so denke ich auch bei anderen werden Vätern in dieser Situation nicht nur eine tiefe und unheilbare Narbe in der Psyche hinterlassen hat wird leider auch vernachlässigt. Keiner kann über seinen Schatten springen und Gefühle sollen nach meinem Dafürhalten niemals unterdrückt werden. Aber dies kann nur auf Grund einer Geschlechterfrage nicht auf dem Rücken des Kindes ausgetragen werden. Zählt denn nicht am meisten die Charaktereigenschaft des Kindes? Ich liebe doch kein Geschlecht, sondern den Menschen in Form eines Kindes was idR ein Abbild von meiner Partnerin und mir, mit dem Potential sich daraus selbst zu entwickeln, ist. Ich habe die Ehre daran teilzuhaben, den unschätzbaren Wert mitzuwirken und zu guter Letzt das zurückgegeben Gefühl geliebt zu werden. Die Stigmata was kann ich mit einem Jungen machen, ihn Kleiden oder Hobbys auszuüben sind heutzutage überholt. Wie bereits oben schon geschrieben wurde, sollte man zunächst lernen zu akzeptieren und dann offen für den Menschen zu sein. Ich freue mich weiterhin sehr auf unser Kind, gleichwohl ich derzeit die traurigste mir vorstellbare Phase durchlebe.

      1. Christine sagt:

        Lieber Andre,

        es tut mir leid zu hören, dass auch du als werdender Vater in den letzten Wochen so eine Achterbahn der Gefühle durchleben musstest, weil für deine Partnerin eine Welt zusammengebrochen ist. Das tut mir für euch beide leid.

        Ich bin ganz bei dir, dass vor allem der Charakter des Kindes am Ende mehr zählt als das Geschlecht. ABER: Aus irgendeinem Grund ist es für manche Frauen ein Schock, wenn in ihnen nicht das ersehnte Geschlecht heranwächst. Bei jeder Frau wird es unterschiedliche Ursachen haben, und ich glaube, die Frage nach rosa oder blauen Klamotten spielt dabei nicht die Hauptrolle. Bei mir war es z.B. die Unerfahrenheit mit Jungen, die mir erst einmal Angst eingejagt hat. Andere Frauen wünschen sich, eine kleine „Miniaturausgabe“ ihrer selbst heranwachsen zu sehen, usw.

        Dass Frauen mit dem „falschen“ Geschlecht hadern, suchen sie sich nicht aus, sie selbst leiden unter ihren diffusen Geühlen. Ich betone immer wieder (wie du es ja selbst auch handhabst), wie wichtig es ist, seinen Gefühlen Raum zu geben und sie nicht zu unterdrücken. Was ich allerdings nicht unterschreibe ist deine Annahme, irgendeine (werdende) Mutter würde das Ganze auf dem Rücken des ungeborenen Kind austragen! Diese Mütter betrauern das Kind (das Geschlecht), das sie nicht bekommen werden. Das hat mit dem realen Baby im Bauch nichts zu tun und es ist ein ganz wichtiger Prozess auf dem Weg zur Heilung und Annahme, diese Trauer und aufkommende Wut zuzulassen!

        Ich glaube, auch bei deiner Partnerin ist es vor allem jetzt die Trauer und Enttäuschung, nicht die Tochter zu bekommen, die sie sich erhofft hatte. Ich möchte dich ermutigen, da zu differenzieren: Diese Trauer und dieser Schmerz deiner Partnerin gelten dem nicht vorhandenen Mädchen und sie überdecken jetzt noch die liebenden Gefühle für euren Jungen, weil sie zu ihm noch keinen Zugang hat, aber das bedeutet nicht, dass deine Frau eurem Jungen die Schuld gibt oder ihn nicht (irgendwann) lieben kann.

        Es braucht vor allem Zeit und Akzeptanz, diese Gefühle jetzt erstmal zuzulassen.

        Ich wünsche dir und deiner Partnerin dafür ganz viel Kraft!

    2. Nadja sagt:

      Hallo Christine.
      Ich bin grade zufällig auf deinen Beitrag gestoßen und habe ihn gespannt gelesen und mitgefühlt. Er berührte mich total und ich hatte direkt das Gefühl einen Beitrag dazu schreiben zu wollen.
      Ich habe vor 11 Wochen meinen Dritte Jungen zur Welt gebracht und ich dachte, dass sich mit der zeit dieses traurige gefühl, niemals eine Tochter zu haben einstellen wird. Aber es ist bei mir nicht so. Ich war vor einem Jahr einfach nur so mega glücklich dass mein Mann nach 5 Jahren „ja“ zu einem 3. KinD sagte, dass mir ehrlich das Geschlecht total egal war. Ich freute mich einfach nur nochmal schwanger sein zu dürfen. Nochmal ein kind zu bekommen. Mein Traum wurde wahr. Der ganze Anfang der schwangerschaft fühlte sich so an wie die anderen beiden und ich war mir sicher: 3. JUNGE. Als es bestätigt wurde, wurde ich dann doch traurig. Und die ganzen Kommentare von außerhalb taten weh. Und zwei Freundinnen, die auch je 2 jungs haben und mit mir schwanger waren bekamen je ein mädchen. So ungerecht dachte ich. Ich habe viel geweint und ich dachte es hört mit der zeit auf. Ich liebe meinen kleinen Mann, aber egal wo ich bin in der Öffentlichkeit, wenn ich mädchen sehe tut es mir weh. Ich werde nie eins haben dürfen. Mein Mann ist auch traurig darüber aber ein 4. Wird es nicht geben. Nur weil ich gerne ein mädchen haben wollen würde. Was wäre wenn es auch ein junge werden würde. Das würde ich nicht verkraften. Es ist einfach nur traurig dass man mit niemanden darüber reden kann. Es versteht keiner. Am wenigsten die mit beiden Geschlechtern. Muss ich nun mein leben lang traurig sein kein mädchen zu haben? Es schmerzt so und ich möchte dass es aufhört und dass ich raus gehen kann ohne traurig zu sein beim Anblick von diesen zuckersüßen Wesen. Ich bin richtig eifersüchtig auf die Eltern. Ein junge ist halt kein mädchen. Aber das versteht halt keiner. Schade. Ich hoffe einfach nur dass man sich mit den Jahren damit abfinden und es alles besser wird.

      Lieben Gruß

  15. Antje sagt:

    Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen ganz herzlich bedanken!!!
    Für diesen tollen Beitrag und auch für all die Berichte der anderen Mütter und Väter. Ich kann mich in fast allen Beiträgen wiederfinden und unglaublich viel Verständnis und Trost finden. Während ich die Beiträge gelesen habe konnte ich gar nicht aufhören zu weinen – aus eigenem Schmerz heraus, weil ich all die beschriebenen Gefühle so nachempfinden kann aber ganz besonders aus Erleichterung!!!
    Ich bin nicht allein mit diesen Gefühlen und es gibt doch ein paar wenige da draußen, die mich verstehen und nachempfinden können und die mich nicht verurteilen! Und es ist vielleicht sogar in Ordnung diese Gefühle zu haben.
    Das alles tut so unglaublich gut!

    Ich bin auf der Suche nach genau so einer Hilfe auf deinen Blog und Beitrag gestoßen.
    So doof und verzweifelt wie man ist, habe ich auch in anderen Foren schon nach diesem Thema gesucht – aber man schließt die Seiten mit noch viel mehr Schamgefühl, (Selbst-)Hass und Unsicherheit. Dort findet man kein Verständnis sondern all die eigenen schlechten Gefühle die man eh schon hat, werden nur verstärkt.
    Man denkt, man DARF nicht über diese Gefühle sprechen. Man darf sie überhaupt nicht HABEN! Man MUSS sie geheim halten und lieber etwas schauspielern.

    Ich bin in der 24.SSW. Wir haben bereits einen tollen 5-jährigen Sohn und wir haben uns soo sehr ein zweites Kind gewünscht aber es hat 4 Jahre gedauert bis wir endlich diese wundervolle zweite Schwangerschaft erleben durften. Diese Zeit war mit viel Leid und Tränen und einem Sternenkind verbunden. Wir waren in der Kinderwunschklinik, ich habe eine Hormontherapie gemacht und gerade als wir gesagt haben es reicht, wir machen nicht weiter (dann soll es eben nicht sein) haben wir den positiven Test in den Händen gehalten. Nach einer weiteren Zeit des Bangens, ob alles gut geht, freuen wir uns nun so unglaublich doll auf das Baby. Es scheint gesund zu sein und es sieht alles gut aus. Es ist so ein Wunder.
    Ich genieße die Schwangerschaft in vollen Zügen, bin so unglaublich stolz auf meinen Bauch und es gibt nichts Schöneres, als das Baby zu spüren. Also alles eigentlich wunderbar.

    Bis gestern!
    Da war ich zur Kontrolluntersuchung bei der Vertretungsärztin meiner Gynokologin. Ich habe ihr vorher extra gesagt „Wir kennen das Geschlecht nicht und so soll es auch bleiben – wir wollen uns überraschen lassen!“
    Aber was macht sie? Sie erzählt mir fröhlich wie gut man auf dem Ultraschall die Hoden sieht. Bähm!
    Da hat sie meinen Wunsch doch glatt „vergessen“.
    Es wird also ein wieder Junge.

    Aus drei Gründen war es mir sehr wichtig das Geschlecht vor der Geburt NICHT zu kennen:
    1. Nach diesem langen Weg bis zu dem zweiten Kind sollte es doch eigentlich wirklich egal sein welches Geschlecht es hat („Hauptsache gesund“ – ich finde den Satz nicht schlimm, denn es ist nun mal ein elementarer Wunsch, dass das Kind gesund ist. Wenn nicht liebe ich es trotzdem, deswegen haben wir uns auch gegen eine Nackenfaltenmessung o.ä. entschieden – denn auch eine Trisomie wäre egal!!!) – da müsste das Geschlecht doch erst recht egal sein!?
    2. Ich wollte diese Ursprünglichkeit wie unsere Eltern und Großeltern sie noch erlebt haben auch gerne einmal erleben. Die spannende Frage im Kreissaal „Was ist es denn?“
    3. Ich hatte Angst vor einer Enttäuschung. Denn wenn wir ganz ehrlich waren haben wir uns beide so sehr ein Mädchen gewünscht. Wenn wir das Baby aber schon auf dem Arm halten würden dann – da war ich mir sicher – wäre das Geschlecht wirklich vollkommen egal. Dann hält man nicht ein Mädchen oder ein Junge sondern einfach nur Liebe. Aber ich hatte Angst, dass wir die Schwangerschaft aufgrund des „falschen“ Geschlechtes nicht genauso genießen könnten.

    Eigentlich hatte ich viel mehr Sorge dass mein Mann enttäuscht sein könnte, nicht ich..
    Aber dann (als ich im Auto saß) brach alles über mich herein. Ich war und bin selbst so überrascht von dieser Wut und Enttäuschung, die ich empfunden habe bzw. empfinde. Alles vermischt – Wut darüber, dass mir diese Erfahrung, die Überraschung, die Spannung zerstört wurde und absolute Enttäuschung, dass es ein Junge ist. Dabei hatte ich selbst die ganze Zeit im Gefühl, dass es ein Junge ist und es war ok für mich, ich fand die Vorstellung von zwei Jungs eigentlich ganz gut. Aber jetzt plötzlich wurde mir klar wie sehr ich mir eigentlich ein Mädchen gewünscht hatte – ich hatte ja immer im Hinterkopf, dass es vielleicht (hoffentlich!!!) doch ein Mädchen sein könnte. Vielleicht hatte ich mir selbst auch immer etwas vorgemacht um nicht enttäuscht zu sein wenn es ein Junge ist.
    Und plötzlich ist diese letzte Möglichkeit, die letzte „Chance“ zerstört.
    Ich habe gestern den ganzen Nachmittag und Abend nur geweint und konnte die Nacht über kaum schlafen. Ich frage mich selbst warum…

    Ich werde bestimmt auch diesen kleinen Jungen über alles lieben!
    Ich finde es toll mit Baggern und Feuerwehrautos zu spielen, über den Fußballplatz zu rennen. Mit „Mädchenkrams“, Pink und Glitzer, Lillifee und Flechtfrisuren kann ich nichts anfangen. Aber trotzdem. Ein Mädchen. Das wäre so schön gewesen.
    Ich habe eine unglaublich innige Verbindung zu meinem ersten Sohn. Aber ich dachte immer ein Mädchen würde es „perfekt“ machen. Später einmal gemeinsam über Jungs sprechen, die eigenen Erfahrungen weitergeben können, die Tochter bei der Hochzeit und während ihrer eigenen Schwangerschaft begleiten – das ist doch eben etwas anderes als bei einem Sohn. Und eine Schwiegertochter ist eben nicht die eigene Tochter… Vielleicht habe ich dieses „Idealbild“ weil ich selbst einen großen Bruder und eine so innige Beziehung zu meiner Mutter habe. Genau das habe ich mir auch immer gewünscht.
    Schon bei unserem Sohn hatten wir ein klein wenig auf ein Mädchen „gehofft“. Aber da war es ok – erst der Junge, später noch ein Mädchen. Dass das Leben eben nicht immer so perfekt läuft wie man es hofft haben wir selbst schon schmerzlich erlebt. Aber man darf doch Träume und Wünsche haben.
    Und es ist unfair wenn andere einen dafür verurteilen, weil man traurig und enttäuscht ist, wenn dieser Traum zerplatzt. Nur weil es „schlimmeres“ gibt?

    Darf eine gesunde, verheiratetet Frau, die keine Kinder bekommen kann deswegen etwa nicht traurig sein, weil es andere Frauen gibt, die nicht mal einen Partner an ihrer Seite haben oder krank sind?
    Darf eine Mutter, die kein zweites Kind bekommen kann nicht traurig sein, weil sie schließlich schon ein gesundes Kind hat – im Gegensatz zu den Frauen die gar keine Kinder bekommen können?
    Warum darf eine Mutter dann nicht ihre nicht-existente Tochter oder nicht-existenten Sohn betrauern, die/den sie wohl nie bekommen wird.

    Aber auch ich merke, wie sich plötzlich meine Bindung zu meinem Baby im Bauch verändert hat. Das tut mir so leid und weh und ich habe ein sehr schlechtes Gewissen wegen dieser Gefühle, denn der kleine Mann kann ja nichts dafür und dabei ist er doch perfekt so wie er ist. Und trotz dieser rationalen Erkenntnis bleibt die emotionale Traurigkeit.
    Ich habe Angst, dass sich diese uneingeschränkte Freude nicht wieder einstellt. Dass ich meinen zweiten Sohn nicht so sehr lieben kann wie meinen ersten, dass ich ihn nicht so sehr lieben kann wie ich eine Tochter geliebt hätte…
    Und ich schäme mich für diese Gefühle.

    Ich merke erst jetzt – beim Lesen der ganzen Beiträge und beim schreiben dieses Textes wie wichtig es ist sich damit auseinander zu setzen, die Tränen zuzulassen und die Trauer zu verarbeiten.
    Danke, dass ich hier einfach mal alles raus lassen durfte ohne mich gleich auf einen Shitstorm gefasst machen zu müssen.
    Danke Christine, dass du uns allen genau dafür die Möglichkeit gibst. Dass du uns „zuhörst“, obwohl (denn das kenne ich!) es einen ja doch auch immer wieder ein kleines Stück belastet die Geschichten und Sorgen anderer zu hören und mit zu tragen…

    1. Christine sagt:

      Liebe Antje,

      ich danke dir von Herzen für dieses wundervolle Feedback! Es war faszinierend und emotional mitreißend, deinen Prozess von Erkenntnissen, der sich noch im Laufe des Schreibens weiterentwickelt hatte, mitverfolgen zu dürfen. Ganz wunderbar! Ich wünsche dir, dass durch das Zulassen deiner Trauer und Scham auch bald wieder annehmende Gefühle dir selbst und auch deinem Kind im Bauch entstehen können. Ich habe dir sehr gerne „zugehört“ :)

  16. Doro sagt:

    Hallo liebe Christine und auch alle anderen Väter und Mütter , die hier kommentiert haben.
    Vielen Dank für eure tollen Beiträge und die Möglichkeit, an euren Gefühlen teilhaben zu dürfen.
    Wir erwarten in 8 Wochen unser erstes Kind, einen Sohn. Ich bin so dankbar, dass uns dieser Junge geschenkt wurde, bin ich doch schon 35 Jahre alt und habe eigentlich nicht mehr damit gerechnet, noch Mutter zu werden.
    Mein Freund und ich hatten keine persönliche Präferenz für ein Geschlecht, mein Bauchgefühl hat mir aber von Anfang an gesagt, das wird ein Bubi (mir war zB nicht übel in der Frühschwangerschaft), und mein Freund hat vier Brüder und keine Schwester…da haben wir aus Spaß gesagt, er kann eh nur Jungs.
    Schlimm fand ich teilweise die Reaktionen der Umgebung.
    „Was wird es denn?“ „Ein Junge!“ „Oh….(betretenes Schweigen). Freust du dich denn trotzdem?“
    Oder
    „Ein Junge? Oh Gott. Ihr Armen. Jungs machen nur Probleme.“
    Als ob Jungs heutzutage Kinder zweiter Klasse wären.
    Ehrlich gesagt hatte ich ein wenig Angst vor einem Mädchen. Angst, mit meinem Spiegelbild konfrontiert zu werden, hatte ich als Kind doch sehr unter einer nicht vorhandenen Mutter-Tochter-Beziehung zu leiden. Aber auch das hätte sich relativiert, man wächst mit den neuen Herausforderungen, die einem das Leben stellt. Natürlich hätte ich mich auch über eine Tochter gefreut! Ich hätte nur mehr Ängste gehabt, meiner Mutterrolle gerecht zu werden, da mich das Kindheitstrauma nie ganz losgelassen hat.
    Überhaupt denke ich, kommt der Wunsch nach einem bestimmten Geschlecht oft ganz tief aus der eigenen Kindheit. Sei es ein gewalttätiger Vater, der einem ein negatives Männerbild mitgegeben hat, oder ein schlimmer Exfreund. Oder einfach das Gefühl, als Frau weiß man einfach besser, was in einem Mädchen vorgeht.
    Nie würde ich eine Mutter für ihre Gefühle und ihre Trauer, nicht das Wunschgeschlecht zu bekommen, verurteilen. Wichtig ist es, die Trauer aufzuarbeiten, das Kind anzunehmen, als das was es ist, nämlich in erster Linie ein Baby, was auf unsere Fürsorge und Liebe angewiesen ist.
    Nichts ist schlimmer, als eine Mutter, die ihr Kind das ganze Leben lang spüren lässt, dass es minderwertig ist, weil es nicht das gewünschte Geschlecht hat, wie es hier ein Leser gepostet hat.
    Aufgrund meines Alters weiß ich nicht, ob es ein zweites Kind geben wird. Aber falls ja, wäre mir das Geschlecht ganz egal.

    Liebe Grüße
    Doro und Zwergi

  17. Jessy sagt:

    Hallo liebe Christine,

    es tut wirklich gut zu lesen, das es scheinbar vielen Frauen ähnlich geht. Hier fühlt man sich ausnahmsweise mal verstanden und nicht missbilligt, weil man solche Gefühle hat, die man sich nicht ausgesucht hat.

    Für mich ist es die erste Schwangerschaft mit 35, ja sehr spät und man sollte froh sein, das es überhaupt klappt… ich fühle mich pudelwohl, dem Baby geht’s gut und alles sollte super sein. Wenn ich mich nicht grade selbst zerfressen würde, weil ich erstens tot traurig und zweitens so enttäuscht wäre.
    Ich kann mir kaum jemandem darüber sprechen, weil keiner mich wirklich richtig versteht.
    Um etwas auszuholen und mich auch vielleicht zu erklären. Ich bin mein Leben lang mit Leib und Seele Tänzerin und seit fast 20 Jahren Cheerleader und auch Trainerin. Das ist mein Leben und ich liebe es, selbst zu tanzen, Coach von zwei wundervollen Teams von 6-16 Jahren zu sein und mich in allem auch voll und ganz zu engagieren. Ich bin mehr als nur eine Trainerin und Tänzerin, ich liebe diese Mädchen als wären sie meine und habe quasi einige von ihnen mit groß gezogen, ihnen die Haare geflochten, das tanzen bei gebracht und mit ihnen schon diverse Saisons Meisterschaften durchlebt…
    Jetzt bin ich schwanger in der 20. SSW und alles sollte perfekt sein, alle freuen sich mit uns und sind so liebevoll zu mir, was mich wirklich sehr glücklich macht, aber seit ein paar Tagen fühle ich mich richtig mies.
    Wir waren bei der Vorsorgeuntersuchung und da haben wir dann erfahren, das wir einen kleinen Jungen erwarten. Das war für mich wie ein Stich ins Herz, ich sollte mich freuen, das er gesund ist und ich bisher wirklich kaum bis gar keine Probleme habe in der Schwangerschaft, keine Komplikationen oder Erschwerungen in dem Thema hatten, worüber ich wirklich unendlich dankbar bin… aber ich fühle mich einfach völlig fehl am Platz.
    Ich schäme mich, das ich mich grade gar nicht freuen kann, unglücklich bin und quasi bei jedem „freust du dich, es wird ein Junge“ wieder anfangen könnte zu weinen.
    Ich möchte das nicht, das ist dem kleinen völlig ungerecht gegenüber und ich fühl mich furchtbar damit, aber ich kann es nicht abstellen. Da hilft kein „jetzt Reiß dich zusammen, das ist doch nichts schlimmes“.
    Ich habe mir so sehr ein Mädchen gewünscht und es sogar schon so gefühlt, das ich mich wahrscheinlich so sehr rein gesteigert hab, das es mir jetzt wie ne Katastrophe vorkommt. Dazu bekommen in meinem Umfeld jetzt alle ein Mädchen und ich freu mich auch für Sie, aber bin traurig das ich ausgerechnet den Hahn im Korb bekomme.
    Mein Mann ist total verständnisvoll, möchte mir helfen, aber ich kann ihm nicht erklären was in mir vorgeht und warum ich so traurig bin. Natürlich ist das wichtigste das es gesund ist, dann hab ich noch immer meine Mädels alle um mich und kann mich da weiter austoben, aber auch wenn ich sie furchtbar lieb habe, es sind nicht meine!
    Ich hoffe dieses Gefühl geht schnell vorbei, weil es so grausam ist so zu fühlen und ich quasi nirgends drüber reden kann ohne schief angeguckt zu werden oder gesagt bekomme wie furchtbar das ist.
    Ich hab das Gefühl ich bin undankbar, furchtbar selbstgerecht und damit geht es mir noch schlechter.
    Ich hoffe wirklich, das sind die Hormone und es geht schnell vorbei, denn ich möchte mich nicht mehr so fühlen und mich auch auf meinen kleinen Zwerg wieder freuen!
    Denn ehrlich gesagt, würde ich mir manchmal selbst gerne ne Ohrfeige verpassen und sagen, komm mal wieder klar, dir geht’s gut, dem Baby geht’s gut, was willst du mehr? Aber das geht nicht…
    Ich habe furchtbare Angst, das dieses Gefühl nicht verschwindet.

    Ich wünsche allen, die so fühlen wie ich gerade, das es schnell vorbei geht und wir mal im Nachhinein drüber lachen können…
    Es tut gut, das mal raus lassen zu können,

    liebe Grüße
    Jessy

  18. Maria sagt:

    Liebe Christine,

    ich danke dir so sehr für diesen post!
    Mir geht es gerade ähnlich wie dir damals, nur, dass ich mir so so sehr einen kleinen Jungen gewünscht habe!
    Ich habe mich schon immer als „Jungsmutti“ gesehen. 2016 bin ich dann das erste Mal schwanger geworden. In der 20. Ssw haben wir dann erfahren – es wird ein Junge! Du kannst dir nicht vorstellen wie glücklich ich war! Alle meine Träume schienen Wirklichkeit zu werden. Meine eineiige Zwillingsschwester war zeitlich schwanger. Auch mit einem Jungen. Ein Traum!
    Dann in der 38. Ssw der Schock. Mein kleiner Jakob ist in meinen Bauch gestorben. Ich habe ihn still zur Welt gebracht, mit ihm ist auch ein Teil von mir gestorben.
    Alles, was mich an Leben hielt war der Gedanke an ein zweites, ein lebendes Kind. Als ich erfuhr, dass es diesmal ein Mädchen wird, ist für mich erneut eine Welt zusammengebrochen. Ich weiß, wir haben das schlimmste erlebt und dagegen ist das ein Witz und trotzdem fühlte ich mich einmal mehr um meinen kleinen, geliebten Jungen betrogen. Ich liebe meine Tochter. Sie ist unser Sonnenschein und unser ganz großes Glück. Und doch hatte ich immer die Hoffnung auf einen zweiten Jungen. Nun bin ich wieder schwanger, unser letztes geplantes Kind und habe gestern erfahren, dass es wieder ein Mädchen wird. Seitdem geht es mir so schlecht! Ich kann an nichts anderes denken, mich nicht freuen, fühle mich undankbar und schäme mich. Ich weiß nicht was ich tun soll. Niemand hat Verständnis. Alle sagen nur ich solle dankbar sein, ich wisse ja schließlich was alles schlimmes passieren kann. Ja, das weiß ich leider. Aber habe ich, nur, weil ich am Grab meines Kindes stehe, kein Recht auf meine Gefühle? Ich weiß, dass ich meine zweite Tochter auch lieben werde. Ich hadere einfach mit meinem Schicksal und fühle mich von meinem Leben betrogen.
    Danke, dass ich wenigstens hier meine Gedanken teilen kann!

  19. DarkAngel sagt:

    Hallo an alle,
    die Beiträge hier sind ja zeitlich schon sehr auseinander gezogen, aber es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.

    Ich wollte schon immer Kinder, auch drei oder vier, aber ich bin irgendwie immer von Jungs ausgegangen. Heute habe ich erfahren, dass ich mein 4. Mädchen bekomme. Inklusive meiner Stieftochter hätten wir damit 5 Mädels. Ich könnte heulen.

    Bei mir liegt es aber paradoxerweise noch ein wenig anders als bei euch. Ich habe nämlich vor 2 Jahren einen gesunden Jungen zur Welt gebracht. Er ist mein ein und alles und ich war wahnsinnig glücklich, als es hieß: Ein Junge!

    Ich liebe meine Mädels natürlich genauso, aber ich wollte halt einfach immer viele Jungs. Weiß Gott warum.
    Bei dieser, definitiv letzten Schwangerschaft war ich felsenfest überzeugt, dass mein Kleiner einen Bruder zum Spielen bekommen würde. Falls es ein Mädchen werden sollte, nicht so dramatisch, aber ich war mir eh sicher, dass ich jetzt auf der „Jungenseite“ war.

    Ich hätte nie gedacht, dass es mich jetzt wirklich so hart trifft, obwohl ich ja doch schon 1x das „Glück“ eines Jungen hatte. Ich fühle mich schlecht deshalb und kann mit niemandem reden. Zumal meine Freundinnen fast alle 2 Jungs haben und sich über Mädchen gefreut hätten… aber ich kann doch einfach nichts für meine Gefühle.

  20. Kerstin sagt:

    Hallo zusammen,

    ich bin auf eure Einträge gestoßen, als ich eine Antwort darauf gesucht habe, warum ich das Kind in mir nicht so richtig akzeptieren kann. Es ist diesmal ein Junge, der allerdings eine ältere Schwester hat. Die Schwangerschaft war (noch ) nicht geplant. Deshalb musste ich mich zuerst aus dem Loch „ich bin schwanger“ wieder raus kämpfen. Und jetzt wirds „auch noch“ ein Junge, obwohl ich doch gern 2 Mädchen gehabt hätte.
    Ich frage mich, ob die beiden (sind dann nur 2 Jahren auseinander) ein inniges Geschwisterverhältnis aufbauen können. Dabei bin ich mir eigentlich im Klaren, dass das auf die Menschen und nicht deren Geschlechterankommt. Und obwohl ich mittlerweile weiß, dass ich meine Gefühle eh nicht steuern kann frage ich mich warum ich eigentlich so eine Affinität zu Mädchen habe. Ich kann es mir einfach nicht erklären. Meine Tochter zum Beispiel ist total verliebt in Ihren Papa, da könnte ich doch davon ausgehen, dass es beim Sohn sogar vielleicht eher umgekehrt ist.
    Dazu kommt, dass ich aus meinem allernächsten Umfeld Dinge höre wie: „Jungs sind eh blöd“, „Mütter von Söhnen werden automatisch blöd“ und „du wirst sehen, deine Tochter steht dann nur noch hinten an und nur noch der Sohn zählt“. Das schmerzt mich so sehr und tut unheimlich weh. Und ich frage mich, wie ich das noch zur Seite schieben kann, wenn ich selbst nicht so hundertprozentig hinter meinem kleinen Mann stehen kann.
    Ich wünsche mir einfach nur, dass ich das kleine Wesen spätstens dann vollständig in mein Herz schließen kann, wenn er da ist.

    Alles Liebe an alle Zweifelnden!

    Kerstin

  21. Martina sagt:

    Du sprichst mir von der Seele. Mir geht es genau umgekehrt. Ich bin jetzt 29 und zum ersten Mal schwanger. (14te Woche). Ich wollte immer Jungs haben. Der Gedanke an ein Mädchen,… Macht mich echt krank. Wobei es bei mir folgenden Grund hat: SexuelleGewalt. Ich habe so Angst davor, eine Tochter nicht beschützen zu können. Das macht mich echt fertig. Gerade in der heutigen Zeit. Aber der Termin zur Bestimmung des Geschlechts steht mir ja noch bevor. Die Hoffnung stirbt zuletzt:) Ich wünsche dir und deinen Jungs alles Gute! ❤️

  22. S sagt:

    Ich bin gerade unendlich dankbar für diesen Beitrag. In den letzten Tagen hatte ich häufig das Gefühl und habe es immer noch, dass ich komplett verrückt geworden bin…
    Seit ich denken kann, habe ich mich als Mutter eines Mädchens gesehen. Zwei Kinder wollte ich haben, erst ein Junge, dann ein Mädchen, wie das so als „ideal“ gesehen wird. Als ich mit dem ersten Kind schwanger war, war es mir dann eigentlich ganz egal, was es wird, wir wollten ja sowieso zwei Kinder haben und deshalb hatten wir ja noch eine Chance auf das jeweils andere Geschlecht. Als es dann sehr früh hieß „eindeutig Junge“ war ich vielleicht den Bruchteil einer Sekunde enttäuscht, irgendwie hatte ich mir wohl doch ein Mädchen gewünscht. Aber die Freude war sofort da, nicht einmal habe ich gedacht, dass ich traurig bin, dass es kein Mädchen wird. Beim zweiten haben wir versucht, ein bisschen zu Beeinflussen, um die Chance auf ein Mädchen zu erhöhen. Als ich schwanger wurde, war ich sehr sicher, ein Mädchen zu bekommen. Schließlich war das rund um im Bekanntenkreis genauso gewesen. Auf den Jungen folgte ein Mädchen… Tja nicht bei uns. Schon sehr früh war klar, dass der große einen kleinen Bruder bekommt und ich war sehr enttäuscht… Während der Schwangerschaft ging es noch einigermaßen und auch als der kleine dann da war. Doch dann war er ein Schreikind, ich war am Ende meiner Kräfte und dachte immer nur „und dann ist es noch nicht mal ein Mädchen“… Im Nachhinein denke ich, dass ich psychisch so angeschlagen war, dass ich mit Hilfe vielleicht eher aus dem Loch gekommen wäre… So hat es sehr lange gedauert, bis ich mich auf meine dann zwei Söhne richtig einlassen konnte. Ich liebe beide über alles und würde sie niemals eintauschen. Trotzdem war da der Gedanke, es fehlt noch jemand und natürlich am besten ein Mädchen. Wir haben lange überlegt, ob wir es wagen und als wir uns dann entschieden haben, ein drittes Kind zu bekommen, habe ich vorher genau recherchiert, welche Möglichkeiten (die ja doch alle recht umstritten sind) es gibt, um ein Mädchen zu begünstigen. Ich wollte einfach alles „richtig“ machen. Mein Körper hat mir dann einen Strich durch die Rechnung gemacht und so hatten wir vermutlich statt drei Tage vor ES dann doch gerade mal ein paar Stunden vor ES Geschlechtsverkehr…. Ich wurde schwanger und war mir sicher, dass jetzt endlich mein Mädchen kommt. Tja auch der Traum zerplatzen schon sehr früh in der Schwangerschaft… Dieses Mal war ich am Boden zerstört, denn es war definitiv die letzte „Chance“ gewesen… Der Rest der Schwangerschaft war eine Katastrophe, ich konnte mich nicht mehr freuen und es ging teilweise sogar soweit, dass ich das Baby nicht mehr wollte. Gleichzeitig dieses schrecklich schlechte Gewissen gegenüber meinem dritten Sohn. Er kann ja nichts dafür, dass seine Mutter so bescheuert ist und unbedingt ein Mädchen wollte… Als er nach der Geburt in meinem Arm lag, war alles gut. So als hätte ich alles Negative schon in der Schwangerschaft rausgelassen. Er war da, ich war sofort verliebt und habe nicht mehr über ein Mädchen nachgedacht und vor allem hab ich gefühlt, dass wir nun „komplett“ sind zu fünft… Das könnte so ein schönes Ende einer doofen Geschichte sein… Ist es aber leider nicht. Der Kleine ist nun ein paar Wochen alt und die Trauer, dass ich nie eine Tochter haben werde, ist zurück. Ich versuche mir einzureden, dass alles gut ist wie es ist, ändern kann ich es sowieso nicht, aber dennoch grübel ich die ganze zeit. Was wäre gewesen… wenn das mit den ES gepasst hätte, drei Tage vorher… wenn ich jetzt ein Mädchen im Arm halten würde, endlich mal andere Klamotten kaufen dürfte. Rosa, Kleider usw… Dann sehe ich meinen Sohn an und es tut mir leid, denn er ist so ein süßer Schatz. Und meine großen sind tolle Brüder. Laut und rabaukig, so wie Jungs dem Klischee nach sind aber auch mit unheimlich liebevollen, hilfsbereiten Seiten… Manchmal frage ich mich, warum ich so unbedingt ein Mädchen wollte. Weil Mädchen „lieber“ sind? Das ist definitiv nicht immer so, wie mir öfter bewusst wird, wenn ich im Kindergarten die Mädels sehe. Aber der Großteil ist eben doch ruhiger und ich kann mit Fußball und Co. einfach wenig anfangen. Anderseits hätte ich zum Barbie spielen vermutlich genauso wenig Lust, wie zum Bagger spielen, da baue ich tatsächlich lieber mit Lego oder renne draußen mit den Kindern um die Wette…
    Ich frage mich oft, was mit mir nicht stimmt, warum ich nicht einfach abschließen und akzeptieren kann, dass ich Mutter von drei tollen Jungs bin und warum ich immer noch über das „was wäre wenn“ nachdenke. Meine großen Jungs sind ganz unterschiedlich sodass ich gespannt bin, zu was für einer Persönlichkeit sich der Kleinste entwickelt und dennoch kann ich (noch) nicht aus meiner Haut. Vielleicht ist es auch die Umgebung. „Drei Jungs, du Arme“, „ach kommt, dass vierte wird bestimmt ein Mädchen“ oder auch „ach das Geschlecht ist ganz egal“ was in der Regel ausschließlich von Eltern kommt die Jungs und Mädchen haben… Vielleicht, wahrscheinlich sogar, ist das Geschlecht egal. Aber ich habe auch das Gefühl, dass Jungs mittlerweile einfach weniger gewollt sind. Jungs machen Ärger, Mädchen sind lieb und umgänglich. Dass das wirklich so ist, bezweifel ich. Mein Kopf weiß, dass es egal ist, welches Geschlecht ein Kind hat und dass Kinder einfach wunderbar sind, mein Herz und mein Bauch müssen auch erst noch daran gewöhnen, dass es keine Tochter gibt. Ich hoffe, dass ich sehr bald mit mir und meinen Gefühlen ins Reine komme. Meine Kinder haben es nicht verdient, dass ich traurig bin, denn sie sind großartig und ich will auf keinen Fall verbittert werden und mein Leben lang unzufrieden sein. Ich muss nur noch einen Weg finden, wie meine Gefühle da auch mitspielen…

  23. Claudia sagt:

    Hallo zusammen…nachdem ich nun viele Beiträge aus diesem Blog gelesen habe, möchte auch ich kurz erzählen, wie es mir geht. Habe vor einer halben Woche erfahren, dass es „eindeutig“ ein Junge ist (18 ssw). Seither liege ich im Bett und weine. Ich fühle keine Verbindung zu dem Kind und denke, dass ich es niemals lieb haben kann. Ganz besonders auch deshalb, weil ich mir vorstelle, dass dieser Junge das Ebenbild seines Vaters sein wird, mit dem ich nur ein 3/4 Jahr zusammen war. Er wollte nie Kinder und hat versucht, mich zur Abtreibung zu überreden. Ich war kurz davor und habe es dann doch nicht über’s Herz gebracht. Gleichzeitig hatte ich die Hoffnung, dass er und ich noch eine Chance haben, trotz allem eine Familie zu sein und glücklich zu werden. Die Hoffnung ist erloschen. Mittlerweile empfinde ich nur noch Ablehnung ihm gegenüber. Zugleich zerfrisst mich die Vorstellung, in wenigen Monaten diesen Mann in
    Kleinformat bei mir sitzen zu haben. Obwohl ich weiß, dass das Kind nichts dafür kann, empfinde ich nun auch eine tiefe Ablehnung ihm gegenüber. Ich hasse ich mich für diese Gedanken…nur kann ich sie nicht ändern. Ich bin entsetzlich verzweifelt und weiß, dass mir nur noch eine Therapie helfen würde. Nur wird diese Therapie auch nicht rückgängig machen können, dass ich schwanger wurde und es behalten habe.
    Es ist alles einfach nur traurig.

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