Gesellschaft

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?

Eine Frau liegt auf der Liege beim Frauenarzt. Ihr Herz klopft, während ihr Blick erwartungsvoll zum Bildschirm des Ultraschallgeräts wandert. Hoffentlich wird es diesmal ein Mädchen! Der Doktor fährt mit seinem Sensor noch eine Runde über ihren Bauch, dann erkennt die Schwangere Gewissheit in seinem Blick. „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem zweiten Jungen!“ verkündet er. Ab jetzt strahlen alle im Raum. Der Mann am Fußende der Liege, der Arzt, der euphorisch mit seinem Zeigefinger „eindeutige Beweise“ am Bildschirm nachzeichnet, die Sprechstundenhilfe, die Notizen in den Computer tippt. Die Schwangere lächelt auch. Allerdings nur bis zum Auto. Dort, hinter verschlossenen Türen, wo sie keinen fremden Blicken mehr ausgesetzt ist, bricht sie in Tränen aus.

Als ich an diesem Sommertag im Jahr 2012 die Arztpraxis verließ, erwartete mich Draußen Vogelgezwitscher und schönster Sonnenschein. Es schien ein perfekter Tag zu werden, aber das alles konnte ich nicht sehen. Für mich war gerade eine Welt zusammengebrochen, sagte mein Bauchgefühl mir schließlich monatelang, dass das kleine Wesen in mir ein Mädchen werden würde, genau, wie ich es mir jahrelang gewünscht hatte. Als ich meine Erfahrungen knapp zwei Jahre später in meinem Mama-Blog niederschrieb, ahnte ich noch nicht, dass es unzählige Frauen geben würde, die ähnlich fühlen wie ich es damals nach dem Ultraschalltermin tat.

„Beim Ultraschall wollte ich nicht, dass meine Enttäuschung jemand sieht, also habe ich mich zumindest scheinbar gefreut.“

„Ich schäme mich wirklich, weil ich etwas enttäuscht war.“

„Ich habe mir beim Arzt erstmal nichts anmerken lassen aber danach konnte ich nur noch heulen, es hat ein paar Tage gedauert bis ich mich mit den Gedanken Jungs-Mama anfreunden konnte […]“

Dies sind alles Auszüge aus Kommentaren zu meinem Beitrag „Vermisst man als Jungsmama eigentlich eine Tochter?“ und ehrlich gesagt machen mich solche Gedanken nicht nur nachdenklich, sondern auch traurig. Da gibt es Frauen, die sich für ihre Gefühle schämen oder sich nicht trauen, sie in der Öffentlichkeit zu zeigen. Mich eingeschlossen. In der Arztpraxis mimte ich die glückliche, werdende Mami.

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?Warum ist das so? Warum können wir Frauen unsere Enttäuschung, unsere Wut nicht offen zugeben? Wovor haben wir Angst?

Aber eigentlich wissen wir das ganz genau. Wir haben Angst vor Ablehnung. Hilfe, da liebt eine Mutter ihr Kind nicht! Ach du Schreck, da wünscht sich eine Mama ihr kinderloses Dasein zurück! Mein Güte, da regt sich eine Mutter über das falsche Geschlecht auf! Als ob wir das absichtlich machen würden!

„Das scheint mir irgendwo ein Luxusproblem zu sein.“

„Aber im Grunde wirklich alles egal, Hauptsache gesund und munter.“

„Ich denke am Ende spielt es keine Rolle ob Junge oder Mädchen, wenn man sich wirklich für das Kind interessiert.“

Wir meinen ja, es im Grunde selbst zu wissen. Wir sollten dankbar sein, dass der Embryo in unserem Bauch gesund ist. Wir ahnen vielleicht auch schon, dass die Welt mit einem weiteren Jungen nicht untergehen wird. Und dass es am Ende das Kind ist, das wir lieben werden und nicht das Geschlecht.

Trotzdem setze ich an dieser Stelle ein großes ABER.

(Werdende) Mütter, die, warum auch immer, enttäuscht sind, dürfen enttäuscht sein. Sie dürfen am Boden zerstört sein, dass die erhoffte Tochter ein Junge wird oder umgekehrt. Sie dürfen traurig sein, dass statt einem, plötzlich zwei Kinder auf dem Ultraschall zu sehen sind. Sie dürfen bedrückt sein, dass der Berg an Verantwortung für ein Kind viel größer ist, als vorm Kinderwunsch gedacht.

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?Es liegt leider in der Natur des Menschen, zu vergleichen. Sei froh, dass dein Kind gesund ist, die Anna hat ein behindertes Kind zur Welt gebracht! Freu dich doch, dass der liebe Gott dir zwei Kinder schenkt, andere Frauen können überhaupt nicht schwanger werden oder haben eine Fehlgeburt! Du wusstest doch, dass Verantwortung auf dich zukommt, worüber beschwerst du dich jetzt?

Selbst meine Oma mag nicht über ihre Knieschmerzen klagen, weil es ja andere Menschen „da Draußen“ gibt, denen es wesentlich schlechter geht.

Ich kann unsere Gesellschaft ein Stück weit verstehen. Wer sich ständig über Kinkerlitzchen aufregt, dem Nachbarn den grüneren Rasen nicht gönnt und darüber hinaus die wirklich wichtigen Dinge im Leben nicht wertschätzt, der kann einem wirklich Leid tun. So wie ich, wenn ich mich mal wieder über den schlechten Fahrstil des Autofahrers vor mir aufrege.

Aber muss man wirklich immer alle Nöte der Welt mitgemacht haben, um das eigene, kleine Leid, wie der Frage nach dem richtigen Geschlecht, zu relativieren?

Nützt es mir, wenn ich nachfühlen könnte, wie sich Krieg und Vertreibung anfühlen, um zu wissen, was Sicherheit in den eigenen Vier Wänden bedeutet? Selbst bei meinen Kindern denke ich schließlich manchmal „Über was ihr euch aufregt! Kriegt ihr erst einmal richtige Probleme!“ Nur, um mir später wieder bewusst zu werden, dass es für meinen jungen Nachwuchs ernsthaft ein Problem darstellt, wenn der Bruder schon wieder mit dem geliebten Feuerwehrauto spielt.

„[…] für den Kleinen kann ich momentan keine richtige Liebe entwickeln. Das macht mich alles sehr traurig, dass ich so denke und fühle. Weiß, dass es nicht richtig ist.“

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?Als ich meinen ersten Sohn nach seiner Geburt lange Zeit ablehnte, schämte ich mich für diese Gefühle. Ich hing das selbst in meinem engsten Familienkreis nicht an die große Glocke. Wie sieht das schließlich aus? Ich sollte mich doch über meinen gesunden Jungen freuen! Er war schließlich ein Wunschkind!

Und dennoch erkannte ich nach einiger Zeit, dass ich für meine negativen Gefühle ihm gegenüber auch nichts konnte. Es war nicht meine Schuld, dass ich ihn ablehnte. Es war einfach so. Die Gefühle kamen einfach in mir hoch. Und mir wurde klar, dass der Zustand sich erst ändern würde, wenn ich die Tatsachen, meine Gefühle, vollständig akzeptieren konnte.

Akzeptieren bedeutet nicht zwangsläufig, etwas gut zu heißen, sondern es anzunehmen, wie es ist.

Wenn ich enttäuscht bin, weil das Ultraschallbild das falsche Geschlecht anzeigt, darf ich meine ganze Enttäuschung erst einmal hinausweinen. Wenn ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte und wütend über die Fremdbestimmtheit bin, darf ich meinen Schmerz hinausschreien. Wenn ich mein Kind nicht akzeptieren kann, darf ich mir eingestehen, dass das eben jetzt gerade so ist. Das muss alles nicht in der Arztpraxis, auf der Straße oder vor anderen passieren. Hauptsache, ich gestehe es mir selbst ein!

Ohne sofort meine Gefühle zu beschwichtigen oder mich mit anderen Menschen, denen es schlechter geht, zu vergleichen. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen und für jeden fühlt sich seine Situation schlimm an. Warum auch immer und egal, wie groß (oder klein) der Schicksalsschlag für Andere aussehen mag.

Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?Ich glaube, der Schritt des Akzeptierens ist unheimlich wichtig. Und genauso wichtig ist es, sich und seine Gefühle ernst und wichtig zu nehmen. Nur dann kann irgendwann eine Versöhnung mit uns selbst stattfinden, die den Weg für eine echte Veränderung ebnet.

Bis ich meinen zweiten Jungen im Bauch herzlich willkommen heißen konnte, dauerte es einige Zeit, mussten unzählige Tränen vergossen, viele unschöne Gedanken zugelassen werden. Aber irgendwann kam der Tag, an dem ich mir meine Tochter, die ich nie haben werde, vor meinem inneren Auge visualisieren und mich tränenreich von ihr verabschieden konnte. Das Loslassen war ein schwerer, aber wichtiger Prozess.

Heute kann ich mit einem Lächeln an meine Schwangerschaft zurückdenken. Trotz der schweren Zeit, die mein Mini nah an meinem Herzen mit mir durchmachen musste, haben wir heute eine ganz besonders nahe Mutter-Sohn-Beziehung. Oder vielleicht gerade deswegen.

29 Gedanken zu „Falsches Geschlecht, Regretting Motherhood oder postpartale Depression: Was tun, wenn ich mich für meine negativen Gefühle schäme?“

  1. Frühlingskindermama sagt:

    Du sprichst mir wie immer aus tiefster Seele und es war ein langer Weg für mich, solche Gefühle zu akzeptieren. Gefehlt hat mir dafür besonders ein Mensch, mit dem ich darüber reden konnte. Das geht bestimmt vielen Müttern so. Danke!
    Liebe Grüße!

    1. Christine sagt:

      Lieben Dank für deine Worte!
      Ich glaube das wäre für mich echt -trotz der eigentlichen Probleme- das Schlimmste gewesen: Wenn ich Niemanden zum Reden gehabt hätte. Gerade wir Hochsensiblen verspüren doch oft den Wunsch nach tiefen Gesprächen. Es tut mir Leid zu hören, dass du damals mit deinen Gefühlen alleine warst! Deswegen bewegt es mich besonders zu lesen, dass du es trotzdem geschafft hast; das war sicher nicht leicht für dich!
      Sei lieb zurück gegrüßt!

      1. Miriam sagt:

        Liebe Christine,
        es klingt zwar merkwürdig, aber obwohl ich kinderlos bin lese ich so gerne deine Blog-Beiträge. Ich bin heute erst darauf gestoßen. Aber die Art wie du schreibst und dass du dir erlaubst, deine Gefühle zuzulassen, ist so so so erleichternd für mich.
        Ich bin 24 und seit zwei Jahren leide ich unter ständiger Überforderung. Ich kämpfe immer an gegen „Nicht-Daseinsberechtigungsgefühle“ wegen dem wie ich bin. Immer das Gefühl fremd zu sein. Immer sich schämen müssen, weil man gerade etwas sehr emotional erzählt oder bis ins Detail und merkt, dass der Andere verblüfft ist, weil „so kein Mensch redet“. Naja, ich schon. Ich wünschte mir, ich dürfte es auch. Aber ich darf es nicht. Andere erlauben es mir nicht, also fällt es mir sehr schwer es mir selbst zu erlauben. Stattdessen immer diese Sätze „Du musst dich zusammenreißen“, „Du musst es schaffen“…. Naja ich schaffe es eben aber einfach nicht. Das Leben. So wie alle anderen es eben schaffen. Nein ich kämpfe. Ums Überleben. Darum, mir selbst überhaupt zu erlauben, sein zu dürfen.
        Wieso ist das so schwierig?
        Ich hasste immer die anderen Menschen, die Gesellschaft. Weil SIE anders war, nicht ich. Ich wollte immer normal sein. Für mich war ich auch normal. Aber ich verstand und verstehe auch immer noch nicht, wieso ich nicht einfach sein darf wie ich bin.
        Tut mir Leid, dass ich das hier alles einfach so runterschreibe. Aber ich konnte gerade nicht anders. Das tut so weh und hier hatte ich gerade den Eindruck, dass wenigstens ein bisschen Platz für meine Emotionen ist. Ich habe sonst so gut wie Niemanden bzw. ich habe Menschen um mich rum, die mir sagen, dass sie mich lieben, aber ich fühle es nicht. Keiner der mich so wirklich versteht, der mich nimmt wie ich bin. Irgendwie einsam so….
        Während andere leben, kämpfe ich ums Überleben. Während andere mit 24 ihre Lebensentwürfe entwerfen oder bereits erfüllen, bin ich krank, einsam, habe keine Lust auf irgendwelche Lebensentwürfe. Ich bin nicht depressiv. DAS alles macht mich depressiv. Ich trete immer auf dieser Frage rum „Darf ich sein?“ und kann nicht einfach so weiterleben. Einfach diese Frage und meine Emotionen länger ignorieren. Das hat mich kaputt gemacht. Ich fühle mich wie ein unbeholfenes Häufchen Elend, das nicht versteht was das Problem ist. Therapien haben nicht geholfen. Ich fühl mich nicht verstanden. Die Therapien engen mich wieder ein, weil ich da wieder das Gefühl bekomme „nicht normal“ zu sein.
        Ach, du liebes Leben. Wo hast du mir einen Platz bereitet. Ich rede nicht von Glücklichsein, aber wenigestens von einer Nische, in der ich atmen kann. Ein Moment, ein Ort, Menschen, wo mich nicht wieder dieses Gefühl plagt „nicht sein zu dürfen“.

        Puuuuhhhh!!!

        Danke, dass ich hier mal alles rauslassen durfte. Danke dafür, dass du bist wie du bist, liebe Christine. Das erlaubt mir das Gefühl, sein zu dürfen, wie ich bin.

      2. Christine sagt:

        Liebe Miriam,

        ich freue mich ganz besonders, dass mein Blog auch dir als Nicht-Mutti so hilft! Ein besseres Kompliment kann ich mir ja gar nicht vorstellen :)
        Danke, dass du uns von deinen Gefühlen so ehrlich berichten konntest! Und schön, dass dir das alleine schon so viel gebracht hat ♥
        Liebe Grüße
        Christine

  2. Lila sagt:

    Hallo.
    ich kann verstehen, dass es wichtig ist Trauer und Enttäuschung zu zulassen und auch dass es wichtig ist darüber zu sprechen. Das gilt übrigens für alle Gefühle.
    Was ich nicht verstehe ist, was das „falsche Geschlecht“ sein soll. Kann mir bitte irgendjemand plausibel den Unterschied zwischen einem JungenBaby und einem MädchenBaby erklären? Ich verstehe es tatsächlich nicht.
    Geschlecht ist ein Konstrukt.
    Desweitern gehe ich bei der Aussage „hauptsache gesund“ ziemlich an die Decke. Haben „gesunde Babys“ nicht das gleiche Recht bejubelt und befreut zu werden, wie vermeidlich „gesunde“ Kinder?!
    Ich bin der Überzeugung „hauptsache da!“ (oder auch „hauptsache nicht da“, wenn kein Wunsch nach dem Zusammenleben mit einem Kind besteh!t)
    Müssen wir im Jahre 2016 ernsthaft immer noch Menschen in Kategorien einordnen, und das auch noch vor der Geburt?

    1. Christine sagt:

      Hallo Lila,

      jede Frau, die über das Geschlecht ihres Ungeborenen klagt, mag ihre eigenen Gründe haben. Da ich nicht alle über einen Kamm scheren mag, kann ich zumindest von mir berichten. Ich träumte schon seit frühester Jugend von mindestens einem Mädchen, gerne auch Zweien. Ich glaube das lag daran, dass ich selbst weiblich bin und in einem reinen Frauenhaushalt groß geworden bin (mein Vater zog aus, als ich Fünf war). Ich glaube ich hatte das Gefühl, dass mir der Umgang mit Mädchen einfach leichter fallen würde; ich dachte, ich könnte mich besser in sie hineinversetzen. Von der Anatomie einmal ganz abgesehen, war mir ein Junge einfach fremd.

      Als ich bei der ersten Schwangerschaft von einem Jungen erfuhr, fühlte ich mich deshalb gleich ein wenig überfordert, trotzdem hoffte ich immer noch auf die zweite Schwangerschaft und einem weiblichen Nachkommen. Daher die Enttäuschung beim zweiten, entscheidenden Ultraschall.

      Gewisse Dinge werden mir als Jungsmama eben einfach fehlen. Sei es Prinzessinnenkostüme für Karneval kaufen, in der Pubertät bei Liebeskummer zur Seite stehen oder vor der Hochzeit mit einer Tochter das Brautkleid kaufen. Eine gewisse Wehmut bleibt.

      Bei der Aussage „Hauptsache gesund“ bin ich übrigens ganz deiner Meinung. Ich habe vor einiger Zeit auch schon mal darüber gebloggt, warum ich diesen, oft so lapidar dahergesagten, Spruch nicht leiden kann und ein behindertes Kind kein Kind zweiter Klasse ist.

      Danke für deinen Kommentar!

      1. Lila sagt:

        hallo,
        ja aber den Unterschied verstehe ich immer noch nicht. Wo liegt der Unterschied zwischen einem Jungenbaby und einem Mädchenbaby?
        Mein Kind ist jetzt 3 Jahre alt und trägt supergerne Prinzessinnenkleider und geht ohne die Pink-Lila Sternchenweste niemals aus dem Haus,mein Kind hat lange Locken und würde niemals Haarspangen tragen,mein Kind spielt leidenschaftlich Küche und Fußball, mein Kind springt von der 6. Treppenstufe und kann ohne kuscheln nicht einschlafen.
        Wie es in der Pubertät aussieht weiß ich nicht, aber ich glaube fest daran, dass ich bei Liebeskummer wie bei jedem anderem Kummer trösten werde.
        Wenn mein Kind ein Hochzeitskleid tragen möchte, kann ich gerne beim aussuchen helfen.
        Im U-heft steht ein „M“- ich habe noch nie darüber nachgedacht, das es ein Unterschied zu einem „W“ oder einem „I“ oder „T“ machen könnte. Mein Kind ist mein Kind und seine Geschlechtsidentität wird „er“ bei Gelegenheit selbst festlegen.

        ps: der einzige Unterschied in der Zukunft liegt darin, dass weibliche Menschen in der Regel ein größeres Risiko haben sexuelle Gewalt und Übergriffe erleben und überleben zu müssen und ihr Gehalt durchschnittlich um 20% niedriger sein wird.

      2. Christine sagt:

        Vielleicht reden wir hier gerade aneinander vorbei ;-)
        In diesem Beitrag geht es ja um den Jungen- bzw. Mädchenwunsch der (enttäuschten) Mütter, weniger um die Frage, ob man die Kinder später (bewusst oder unbewusst) geschlechterspezifisch aufwachsen lässt. Schau mal in meinen Beitrag „Gender Mainstreaming? Mir doch egal(ia)„, dort diskutieren wir nämlich genau über diese Frage.

        Zu deiner Frage, wo der Unterschied zwischen einem Jungenbaby und einem Mädchenbaby liegt, gibt es wohl nur eine Antwort: Jungs haben einen Penis, Mädchen nicht. ;-)

        Ich finde es übrigens toll, dass du deinem Kind seine persönlichen Vorlieben lässt und es nicht in die „M“- oder „W“-Schublade steckst!

      3. Yvi sagt:

        Das hast du sehr treffend geschrieben.
        Man hat im Leben eben gewisse Träume und Vorstellungen. Meine zwei Jungs liebe ich über alles, aber wenn der rosarote Traum zerplatzt, ist man nun einfach enttäuscht, da man sich ja schon in seinen Vorstellungen beim Shoppen von Kleidchen & Co. gesehen hatte, Zöpfchen flechtete und beim Ballett zuschaute.
        Oder stellt man sich als Frau ohne Jungserfahrung vor, wie man vor einem Regal voller Autos und Bagger steht? Also ich nicht.

  3. Lila sagt:

    Nein wir reden nicht aneinander vorbei. Leider. Mir ist tatsächlich völlig schleierhaft was ein Pennis mit einer Vorliebe für Bagger zu tun haben soll. Der Grund warum Kinder mit einem Pennis eine Vorliebe für Technik haben (sollten) und kein Rosa mögen, ist weil es ihnen von Embryoalter an suggeriert und von ihnen erwartet wird. Oder gkaubst du ernsthaft es gibt ein Hello-kitty/ Lego-Gen???
    Deinen Gender-mainstreamin Artikel halte ich für ruckschrittlich, anti-feministisch und reichlich verkürzt. Ich befürchte, ich merke gerade das wir Lichtjahre voneinander entfernt sind. Soweit, dass sich eine weitere Diskussion vermutlich nicht lohnt,da sie nur sinnlos Zeit und Nerven kosten würde.
    Ich fühle mich hier nicht mehr wohl und verabschied mich nun von deinem Blog.

    1. Christine sagt:

      Hm, das ist schade.
      Dann wünsche ich dir alles Gute!

      Lieben Gruß
      Christine

  4. Mi sagt:

    Danke für die tröstenden Worte. Gestern habe ich erfahren, dass mein zweites Kind auch ein Junge wird. Obwohl ich mir sicher war, dass es diesmal ein Mädchen wird. Ich fühle mich verraten und betrogen, von meinem Bauchgefühl und meiner Intuition, die mich doch bisher so verlässlich durchs Leben geführt haben. Gestern ist er geplatzt, mein Traum, mein Luftschloss, den ich doch schon so deutlich vor Augen hatte. Es ist nicht das erste Luftschloss, das untergeht. 2009 starb meine Mutter, zu der ich ein sehr tiefes und inniges Verhältnis hatte, nur mühsam rappelte ich mich wieder auf und begann mein Leben ohne sie. Damals las ich, dass jeder Verlust, egal wie groß oder klein, angemessen betrauert werden muss. Anfang 2013 verlor ich mein erstes Baby in der 12. Ssw. Wieder platze ein Traum, wieder fiel ein Luftschloss in sich zusammen. In der Nacht vor der Ausscharbung träumte ich von meiner Tochter. Es war die Hölle, ich ertrug keine anderen Schwangeren oder Babys. Bis ich nach ca. 6 Monaten beschloss, dass es jetzt reicht, genug mit der Trauer. Im Sommer 2014 kam mein Sohn zur Welt, der Deal war „ich will unbedingt ein Baby, Geschlecht egal“, da war mir schon klar, dass es ein Junge wird, da hat das Bauchgefühl noch funktioniert.
    Nun bin ich in der 17. Ssw und wieder platzt ein Traum. Auch über dieses Luftschloss werde ich hinweg kommen. Auch diesmal werde ich die Trauer über die Tochter, die ich nie haben werde, irgendwann los lassen können. Bis dahin werde ich eben nicht euphorisch Namen auf eine Liste schreiben, es wird schwer genug, einen Jungennamen zu finden, den weltschönsten haben wir ja schon vergeben. Ich muss auch nicht erwähnen, dass ich schon einen Favoriten unter den Mädchennamen hatte?!
    Jedenfalls bin ich auch beruhigt, dass ich nicht die einzige bin, dass es halt Gefühle sind, die mir zustehen und dass es auch ein Leben nach diesem Gefühlschaos geben wird. Vielen Dank!

    1. Christine sagt:

      Liebe Mi,

      zuallererst möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich so lange zum Antworten gebraucht habe. Bei mir gab es emotional in letzter Zeit viel zu sortieren und ich wollte mir wirklich Zeit und einen klaren Kopf für deinen Kommentar nehmen.

      Es tut mir sehr leid zu hören, dass für dich mit Bekanntwerden des Geschlechts ein Traum zerplatzt. Schon wieder eine Enttäuschung, nachdem du in den letzten Jahren schon zwei Verluste betrauern musstest und jetzt auch zum zweiten Mal den Traum von einer Tochter verabschieden musst. Du fühlst dich von deinem Bauchgefühl betrogen und das kann ich absolut nachvollziehen. Wenn man sich nicht mal mehr auf sich und sein Gefühl verlassen kann! So ging es mir auch damals bei meinem zweiten Sohn. Es dauerte lange, bis ich erkennen konnte, dass es kein Zeichen von schlechter Bindung zum Ungeborenen oder geringer Selbstkenntnis ist, wenn das Bauchgefühl der Mutter beim Geschlecht daneben liegt. Und trotzdem fühlt man sich von seiner Intuition verraten!

      Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, was du bei deiner ersten Schwangerschaft und in der Nacht vor der Ausschabung durchmachen musstest! Es tut mir sehr leid das zu lesen und ich wünsche mir sehr für dich, dass du mit der Zeit nicht nur loslassen, sondern auch deinen Frieden finden konntest. Hast du damals über eine Traumatherapie/Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen o.ä. nachgedacht? Oft hilft das Reden mit einfühlsamen Fachmenschen oder Müttern in ähnlichen Situationen ja schon, solche Verletzungen zu verarbeiten. Auch lange im Nachhinein…

      Ich hoffe, du fühlst dich jetzt von mir nicht bedrängt, eher ermutigt. Manchmal sieht man selbst ja den Wald vor lauter Bäumen nicht, und auf mich wirkst du wie eine starke Frau, die viel durchmachen musste und jetzt auch wieder in einem Gefühlschaos steckt. Man muss aber nicht alles alleine mit sich selbst ausmachen, auch die stärkste Mutter darf sich auch mal begleiten und tragen lassen :-)

      Ich wünsche dir, dass du irgendwann auch deine jetzige Schwangerschaft mit männlichem Bauchbewohner genießen kannst! Aber für den Moment lass‘ die Finger von den blöden Namenslisten, blauen Stramplern und sonstigem Jungskram! Sei viel für dich da und gestatte deinem ganzen Frust, sich seinen Weg nach Draußen zu bahnen – dann bist du ihn sicher auch schneller los, als gedacht ;-)

      Mir fällt gerade ein Ritual zur Trauerbewältigung bzw. zum Thema Loslassen ein, das ich letztens in einer Zeitschrift gefunden habe und das ich dir noch mit auf den Weg geben möchte: Den Schmerz in Worte fassen und auf Papier schreiben, das Papier zu Schiffchen falten und an einem Bach oder kleinen Fluss zu Wasser lassen. Egal, ob sie davonschwimmen oder direkt untergehen: Die Papierschiffchen nehmen deine Sorgen mit.

      Ich finde das Ritual sehr schön und werde es bei nächster Gelegenheit selbst ausüben. Vielleicht wäre es auch was für dich?

      Ich wünsche dir alles Liebe und schicke dir gute Gedanken!
      Vielen Dank, dass du hier so offen über deine Gefühle und deine Geschichte geschrieben hast. Das hat mich sehr bewegt!

      Christine

  5. Lotta sagt:

    Ich danke Dir von Herzen für diesen Blogeintrag! Er spricht auch mir aus tiefster Seele.

    Wir erwarten nun, etwas unerwartet, unseren dritten Jungen und wirklich niemand weiß wie es mir geht bzw. ging. Ich freue mich natürlich sehr auf diese neue Seele welche unbedingt noch zu uns wollte. Gleichzeitig muss ich mich nun aber auch von meinem Traum, einmal ein Mädchen zu bekommen, verabschieden und das tut richtig weh.

    Schlimm finde ich, dass viele es nicht verstehen wollen oder können wenn man ehrlich ist und seine Enttäuschung auch zugibt. (So mehrfach beim zweiten Kind erlebt.)
    Allerdings sind genau DAS die Personen die in jeder Schwangerschaft gesagt haben, „hoffentlich wird es ein Mädchen“ oder „Oh nein, schon wieder ein Junge, ihr armen“ und „tut mir leid, ein Mädchen wäre schöner gewesen“.
    Dieses Mal erzählen wir einigen Leuten das wir uns einen dritten Jungen wünschen, obwohl wir beide eigentlich auf ein Mädel gehofft haben. Und selbst jetzt kommt da teilweise Unverständnis, „wie? Ernsthaft? Ihr wünscht euch drei Jungs?“

    Oh man, sollen wir uns heulend hinstellen und laut jammern und uns dann wieder dafür beschimpfen lassen alá „seid froh, Hauptsache gesund, ihr habt es gar nicht verdient, usw.“ ???

    Selbst im Netz kann man sich den Kummer nicht von der Seele schreiben, da soviele richtig böse und beleidigend werden.
    In erster Linie bin ich unendlich dankbar dafür drei wunderbare, gesunde Kinder haben zu dürfen und drei traumhafte Schwangerschaften erlebt zu haben. Glaubt mir, ich weiß das ich damit schon sehr privilegiert bin! Trotzdem darf ich um meine Tochter trauern, die zwar real nie existieren wird sondern immer nur in meinem Kopf rumgeschwirrt ist, aber auch das ist menschlich und nicht verwerflich.

    1. Christine sagt:

      Liebe Lotta,

      ich heiße dich ganz herzlich willkommen auf meinem Mama-Blog für hochsensible Mütter und freue mich sehr, dass du mir so einen langen und ehrlichen Kommentar hinterlassen hast!

      Du hast es ja zur Zeit echt nicht leicht, wie ich herauslesen kann! Fühl dich gedrückt, wenn du magst! Es muss schlimm sein, erst Sprüche à la „Schade, wieder ein Junge“ zu hören und anschließend schief angeguckt zu werden, wenn man selbst genau das ausspricht. Es ist doch wirklich unfassbar, wenn es soweit kommen muss, dass man sich selbst verbiegt und anderen erzählt, dass der Junge ein Wunschgeschlecht ist, nur, um nicht auf Unverständnis zu stoßen.

      Bei mir haben damals glaube ich ziemlich wenige ein „Och wie schade, noch ein Junge“ geäußert. Vielleicht habe ich es aber auch nicht so bewusst wahrgenommen, weil ich mit diesem Standardspruch schon gerechnet habe. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr.

      Dass man in Internetforen etc. nicht offen darüber sprechen kann, habe ich auch schon oft miterlebt (bzw. bei anderen gelesen). Da wird man schnell als undankbar und frei von sonstigen Problemen hingestellt. Aber wie du schon sagst (und man dir absolut abnimmt!): Der Wunsch nach einem anderen Geschlecht hat eben nichts damit zu tun, keine Dankbarkeit für ein weiteres Baby und das Glück, ein gesundes Kind zu kriegen, zu empfinden.

      Das können wohl nur die Wenigsten differenzieren. Vor allem Diejenigen, denen es ähnlich geht.

      Ich wünsche dir, dass du mit deinem Jungen, deiner nicht-real-erlebbaren Tochter und auch mit den Kommentaren aus deinem Umfeld irgendwann deinen Frieden schließen kannst. Bis dahin trauere so lange, wie du es brauchst und es dir gut tut!

      Du bist nicht alleine!

      Alles Liebe dir!
      Christine

  6. J sagt:

    Jetzt habe ich lange überlegt, ob ich meinen Kommentar hier oder unter ‚Gender Mainstreaming‘ einstellen sollte – er gehört hierher: Ich bin fast 60 Jahre alt und männlich. Meine Mutter war bis zu meiner Geburt zu 100% sicher, dass ich ein Mädchen wäre (zweite Kind nach einem Sohn), hatte auch alles, absolut alles für das Mädchen vorbereitet, es gab auch nur einen weiblichen Vornamen für mich. Sie war auch genauso enttäuscht, wie ich es hier in diesen Dialogen immer wieder lese. So, und jetzt meine Bitte an die Mütter hier. Lasst von Eurer Enttäuschung los – so schnell wie möglich – um Eures Kindes Willen. Meine Mutter konnte es nie. Und ich habe immer ihre Enttäuschung gespürt und spüre sie heute noch – 60 Jahre später – noch heute noch klingen mir ihre Worte in den Ohren, wenn sie mir das alles immer wieder erzählte und ich ihre tiefen Emotionen fühlte, wenn sie von ihreR „J…“ sprach – von mir, die/der ja nur ein Junge wurde.
    P.s. ich bin real und kein Fake. Der angegebene Name „J“ ist sowohl der erste Buchstabe meines männlichen Taufnamens sowie meines vorgeburtlichen weiblichen Vornamens.

  7. Sarah sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele. Ich erinnere mich genau an den Moment an dem der Arzt mit dem Ultraschall über meinen Bauch fuhr. Mein Herz pochte in Gedanken hoffte ich auf den Satz „Es wird ein Mädchen“, die Sekunden kamen mir eine Ewigkeit vor…dann sagte er: “ Es wird ein Junge“. Ich lächelte und in meinem Inneren schrie ich. Es war als hätte mir jemand etwas voller Wucht gegen den Bauch geschlagen hätte meine Kehle schnürte sich zu ich wäre am liebsten weinend hinaus gelaufen. Noch nie in meinem Leben war ich so enttäuscht es war wie ein Schock,ein böser Alptraum. Ich erschrecke mich gerade selbst über diese Worte ist mein kleiner Sohn doch die Welt für mich,aber in diesem Augenblick fühlte ich so. Im Auto liefen die Tränen,die ganze Autofahrt liefen sie und auch noch die nächsten Tage,Wochen und auch Monate. Nicht immer aber sie liefen. Mein Kopf sagte mir „was bist du nur für eine Mutter,du hast den kleinen Kerl in deinem Bauch nicht verdient“, du dumme Kuh ich hasste mich selbst ich konnte mich nicht austehen aber gegen meine Gefühle konnte ich nichts tun. Ich wollte mich daraus holen ging in Babygeschäfte,suchte schöne Sachen heraus…aber wo war meine Vorfreude hin? Ich war einfach nur noch lustlos und irgendwie war mir alles gleichgültig. Es gab Tage da konnte ich mich dann doch freuen aber dazwischen waren viele an denen ich nichts empfand. Ich suchte
    im Internet nach Geschlechts Verwechselungen beim Ultraschall und hoffte das die Ärzte vllt nur falsch lagen das vllt doch ein Mädchen in meinem Bauch war. Irgendwann wusste ich aber das dem nicht so wahr ich wusste eig. schon vom Beginn des pos Testes das es ein Junge wird aber habe mir eingeredet es wird ein Mädchen. was sollte ich auch mit einem Jungen anfangen? Die jungs meiner Freunde interssierten mich nie…die Mädchen dafür sehr. Ich habe immer davon geträumt mit meiner Tochter solch eine Beziehung zu haben wie meine Mutter zu mir. Sie war mir so nah. Von kindheitstagen an wusste ich das sie einmal zu mir gehören würde. Mein Mädchen.
    Und jetzt ist er da….mein Sohn…mein Herz…mein Leben. Mein kleiner perfekter Sohn von dem ich glaubte das er mir nicht das selbe geben könnte wie eine Tochter. Aber das kann er und vielleicht sogar noch mehr als es eine Tochter je gekonnt hätte.
    Die Liebe meines Lebens ♡

    1. Christine sagt:

      Was für eine berührende Geschichte – alles Liebe dir ♡

  8. Janine sagt:

    Ich danke dir sehr, für deinen Beitrag. Ich fühle mich dadurch nicht mehr ganz so alleine und falsch verstanden. Auch die Kommentare von den anderen Müttern, machen mir Mut. Ich habe vor 3 Tagen erfahren, dass mein 3. Kind nun auch wieder ein Junge wird. Dieses Mal bin ich jedoch noch mehr niedergeschlagen als beim Outing von Junge Nr. 2. Weil dieses Kind definitiv unsere letztes sein wird. Ich hatte vor diesem Kind eine Fehlgeburt. Sehr früh in der SS aber es hat mich sehr mitgenommen. Ich bin nun in der 18. Woche. Bis zur vollendeten 15. Woche, hab ich an einer Schwangerschaftsdepression gelitten. Ich denke das kam einiges zusammen. Die vorherige FG, die Hormone. Da diese Schwangerschaft so vollkommen anderes verlaufen ist, als die bei den vorherigen, habe ich gedacht – jetzt werde ich mit einer Tochter belohnt. Die Zeichen standen gut und Anfang der Woche teilte mir mein Arzt mit, dass es wieder ein Junge ist. In diesem Augenblick habe ich mir nichts anmerken lassen. Auch als ich meinem Mann davon berichtet habe, der genauso enttäuscht war/ ist wie ich. Ich habe die halbe Nacht geweint. Die letzten Nächte schlecht geschlafen. In meinen Fitnesskursen für Schwangere, fühle ich mich mehr als unwohl. Gestern habe ich ein Gespräch von zwei Mamas mitbekommen, die sich freuen, nun den anderen Teil für ein Pärchen geschenkt zu bekommen. Ich gönne jedem sein Glück, kann mich für Freundinnen freuen, die ein Mädchen bekommen aber dennoch hab ich einen riesen Kloß im Hals. Ich werde kein Mädchen mehr bekommen. Dieser Wunsch wird mir leider nicht erfüllt werden. Ich weiß, wenn ein paar Woche ins Land gezogen sind, kann ich mich genauso auf meinen 3. Jungen freuen, wie auf meinen 2. aber das braucht noch seine Zeit. Im Moment verfluche ich Gott und die Welt. Es ist so schwer. Von außen hört man immer die Sprüche: „Na ihr könnt wohl nur Jungs“. Oder der Spruch, der mich am meisten aufregt: „Hauptsache gesund“! Natürlich Hauptsache gesund aber in so einem Augenblick, will man das nicht hören. Ich hab das Gefühl, dass von einem erwartet wird, man müsse sich über jedes Kind, jedes Geschlecht freuen. Es gibt ja Menschen auf der Welt, denen es nicht vergönnt ist, überhaupt ein Kind zu haben. Oder: Sei doch froh, dass ihr nur Jungen habt. Auf Mädchen muss man immer aufpassen. In anderen Ländern passieren ganz schlimme Sachen mir Mädchen & Frauen… Ich meine, was soll das? Wieso darf ich meine Gefühle nicht loslassen und frei heraus sagen, was mir so auf der Seele brennt. Ich bin deshalb kein schlechter Mensch. Keine schlechte Mutter und ich glaube, es gibt Millionen Frauen, denen es ähnlich geht. Sie trauen es sich nur nicht auszusprechen. Mein Mann hofft noch darauf, dass ein Fehler gemacht wurde. In der 21. Woche haben wir die Feindiagnostik. Ich werde ihn nicht mitnehmen. Seine Hoffnung macht mich zusätzlich fertig, denn meine ist schon zerstört. Ich habe solche Schuldgefühle dem kleinen Wesen in meinem Bauch gegenüber. Nur weil er für mich im Augenblick das „falsche“ Geschlecht hat, lehne ich ihn so ab. Das ist mehr als ungerecht. Ich hoffe, er sieht es mir nach und wir werden nach der Geburt eine innige Beziehung zueinander aufbauen können.. Danke, dass ich hier meinen Gedanken freien Lauf lassen konnte… Alles wird gut. Nicht heute, nicht morgen – aber bald!

    J.

    1. Christine sagt:

      Liebe Janine,

      es freut mich, dass du auf meinen Blog gefunden hast und den Mut hattest, offen über deine Gefühle zu sprechen.
      Es tut mir auch leid für dich, dass der Traum vom Mädchen jetzt ausgeträumt ist. Das schmerzt erst einmal fürchterlich und das darf auch sein, da hast du vollkommen Recht! Diese Vergleiche mit anderen, denen es noch schlechter geht sind wirklich kein Trost und völlig unnötig! Du fühlst jetzt diesen Schmerz und er hat seine Berechtigung, egal, wie es anderen Frauen in Indien oder sonstwo geht.
      Ich verstehe auch deine Entscheidung, deinen Mann nicht mit zur Feindiagnostik zu nehmen. Es wird für dich schon schwer genug. Vielleicht kannst du ja eine Freundin mitnehmen?
      Ich glaube, tief in dir drin, lehnst du deinen ungeborenen Sohn gar nicht ab. Du brauchst also keine Schuldgefühle zu haben! Du bist sauer, dass es ein Junge und kein Mädchen wird, aber du hast doch selbst die Hoffnung, dass du dich irgendwann sehr wohl mit deinem Jungen anfreunden kannst. Also lehnst du nicht deinen Sohn ab, sondern die Vorstellung, kein Mädchen mehr zu bekommen. Ich finde es wichtig, dass du den Schmerz zulässt und kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass mein Sohn (den ich wochenlang für ein Mädchen hielt) und ich inzwischen eine ganz wunderbar enge Beziehung haben.

      Ich wünsche dir alles, alles Gute!
      Christine

  9. Yvonne sagt:

    Ich danke dir von Herzen für diesen Beitrag. Seit ich gestern erfahren habe, dass wir unsere zweite Tochter erwarten bin ich total am Boden zerstört und schlafe schon die ganze Nacht nicht.

    Mein Mann kann meine Enttäuschung nur bedingt nachvollziehen. Er hätte sich über einen Jungen gefreut, aber ihm ist das Geschlecht egal.

    Irgendwie gehören bei mir seit ich denken kann zwei Kinder zur Idealplanung. Als erstes am Besten ein Junge. Nach langen Versuchen des Schwanger werdens hatte ich eine frühen Fehlgeburt (Verarbeitung dauert noch an). Damals hatte ich das Vertrauen in meinen Körper schon verloren. Ich wurde zwar kurz darauf wieder schwanger, aber es gab viele Komplikationen und war eine schwere Zeit voll hoffen und bangen. Letztendlich durfte ich unsere Tochter in Händen halten. Auch wenn ich mir bis zur Geburt einen Bub gewünscht habe, es war ok für mich. Da wir ja unbedingt zwei Kinder wollten gab es Hoffnung. Ich versuchte alles mögliche (z.B. Sex am Tag des Eisprungs) um die Chance auf den gewünschten Jungen zu erhöhen. Die Schwangerschaft stellte sich ein, aber gleichzeitig das Gefühl: es wird ein Mädchen. Das hat sich nun gestern bestätigt und meine Welt brach zusammen.

    Mein Lebenstraum ist zerplatzt und ich weiß gar nicht wie ich mich wieder fangen soll. Meine Eltern und Schwiegermutter wünschen sich ganz offensichtlich auch einen Stammhalter (Klischee pur: wir haben einen Bauernhof und nun keinen Erben) und ich weiß nicht ob ich „die Bombe“ jetzt einfach schon platzen lassen soll damit es die doofen Kommentare schon jetzt hagelt und nicht erst bei der Geburt. Bin so froh, dass ich meine Gefühle einfach runterschreiben konnte. Denn auch mit meinen Freundinnen kann ich darüber nicht reden. Die sind alle glücklich über ihre Pärchen bei denen die Jungs die Erstgeborenen sind.

    Herzliche Grüße
    Yvonne

  10. Luise sagt:

    Liebe Christine,

    nachdem ich gestern bei einer Vorsorgeuntersuchung auch das Geschlecht unseres Nachwuchses erfahren habe, bin ich am Boden zerstört. Ich kann nicht anders als die ganze Zeit nur noch zu heulen.
    Es ist unglaublich schlimm, aber ich kann mich nicht freuen.
    Alle sind der Auffassung „Hauptsache gesund“, aber so ist es nicht. Nicht für mich.
    Was du schreibst, hat mich sehr berührt und deine Zeilen sprechen mir aus dem Herzen.
    Für mich war es schon schwer zu akzeptieren, dass ich zwei Kinder anstatt nur einem erwarte.
    Zwillinge. Was für ein Schock. Und das auf natürlichem Wege. Ich bin hier ganz allein, meine Familie weit weg, mein Mann kann überhaupt nicht erahnen, was auf mich zukommen wird.
    Und dann, nachdem ich dies halbwegs akzeptieren konnte, gestern die Nachricht: 2 Jungen.
    Ich habe zu den beiden Jungen überhaupt keine Verbindung, ich verstehe ihr Verhalten nicht und ich weiß nicht, wie ich sie annehmen soll.
    Für mich ist eine Welt zusammengebrochen und ich konnte/kann es niemandem sagen. Mein Mann wünscht sich keine weiteren Kinder, also muss und sollte ich meine Traum, einmal eine Tochter zu haben sofort begraben. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.

    Wenigstens weiß ich aber nun, dass es auch andere Mütter gibt, die enttäuscht, traurig, wütend und auch tief getroffen sind.
    Das gibt mir das Gefühl, zumindest in diesem Punkt nicht alleine zu sein. Dass diese Gefühle vielleicht ok sind, dass ich so ok bin, auch wenn ich so fühle.

    Danke!

    Luise

  11. Sabrina sagt:

    Hallo Christine,
    Zu aller Erst einmal, ein Wunderbarer Blogeintrag der mir wirklich aus der Seele spricht.

    Es ist meine erste Schwangerschaft und eigentlich war mir das Geschlecht von Anfang an egal. – Man kann es sich ja dann doch nicht aussuchen.
    Als der Tag des Outings kam, hieß es das Baby wird ein Mädchen. Voller Glück habe ich dann schon die erste rosa Kleidung gekauft. Eine Woche später bei der Feinsono, sagt der Arzt es wird ein Junge, da hat sich die Kollegin wohl verguckt.
    Danach brach eine Welt für mich zusammen. Ich hätte plötzlich kein Interesse für das Kind mehr. Ich wünschte mir es wäre gar nicht da. Drei Tage vergingen nicht ohne einmal nicht zu weinen.. Tiefste Trauer und Enttäuschung. Es war mir alles egal, egal ob gesund, egal welcher Name, egal was für schöne Sachen es doch auch für Jungs geben würde. Ich hatte das Gefühl des abstoßens. Ich habe Angst dem Kind nach der Geburt nicht lieben zu können oder gerecht zu werden, als wäre er ein Mädchen geworden..
    Unsicherheit macht sich in meinen Körper breit und ich weiß nicht was ich tun soll.
    Mein Partner versteht mich und ist für mich da. Ich weiß nicht ob ich mich jemals darüber freuen kann oder vielleicht dauert das noch eine Zeit dass man sich an diesen Gedanken gewöhnt hat? Jedenfalls bin ich nur noch traurig.

    1. Christine sagt:

      Liebe Sabrina,

      ich danke dir für deine ehrlichen Worte, an denen du mich und meine Leserinnen teilhaben lässt! Sicherlich ist es dir nicht leicht gefallen, deine Gedanken nieder zu schreiben.
      Ich kann mir gut vorstellen, wie durcheinander du warst, nachdem bei der Feinsono ein anderes Geschlecht festgestellt wurde, immerhin hattest du dich jetzt schon eine Woche lang auf ein Mädchen, und damit im Grunde auf einen anderen Menschen, eingestellt.
      Ich finde es gut, dass du deinen Tränen so viel Raum gegeben hast, wie sie brauchten! Es ist nicht leicht, sich selbst solche negativen Gefühle einzugestehen, aber es ist ein wichtiger Teil der Trauerarbeit, die du da gerade leistest.
      Niemand wird dir sagen können, wie lange du deinem Mädchen noch nachtrauern wirst, aber nur dadurch, dass du deinem Schmerz und deiner Enttäuschung Raum gibst, hast du eine Chance auf tiefe Heilung. Wie wunderbar, dass dein Partner dich unterstützt und sogar versteht! Ich bin mir sicher, dass ihr gemeinsam diese schwere Zeit überstehen könnt, so aussichtslos sie momentan auch noch erscheinenen mag.
      Ich wünsche dir alles Liebe für deine Zukunft und danke dir, dass du dich mir anvertraut hast.
      Wenn du magst, fühle dich aus der Ferne gedrückt!
      Liebe Grüße
      Christine

  12. Vera sagt:

    Ich bin verwirrt, traurig und erleichtert zugleich. Ich lese deine Blogeinträge und kann mich in jedem einzelnen wiederfinden.
    Ich konnte als hochsensible Mutter meine Tochter annehmen, weil sie eine TOCHTER war, jetzt mit 15 teilt sie mir als Tüpfelchen auf dem i nach 15 langen mit der Mutterrolle hadernden Jahren mit, dass sie transgender ist und ein Junge sein möchte. Ich brauche dir glaub ich nicht beschreiben wie es in mir aussieht.

    1. Christine sagt:

      Liebe Vera,

      es tut mir sehr leid zu hören, was du gefühlsmäßig gerade durchmachst. Das muss ein schwerer Schlag für dich gewesen sein nach fünfzehn harten Jahren des Muttersein-Akzeptierens.
      Ich wünsche dir sehr, dass du dir zusätzlich nicht noch Schuldgefühle machst. Was auch immer die Beweggründe deiner Tochter sein mögen, fortan als Junge weiterleben zu wollen: Du hast dein Bestes gegeben und wirst es auch weiterhin tun. Davon bin ich fest überzeugt.
      Ich schenke dir eine virtuelle Umarmung und viel Kraft für die kommende Zeit ♥

      Wenn du magst, darfst du mir auch gerne eine Mail an mail@pusteblumen-fuer-mama.de schreiben, wenn du dir mal ausführlicher dein Herz ausschütten magst.

      Sei herzlichst gegrüßt
      Christine

  13. Hola sagt:

    Ich bin jetzt in selben Situation und weine seit länger als eine Woche….

    1. Christine sagt:

      Das tut mir sehr leid zu hören. Auch, wenn es jetzt sehr schmerzhaft für dich ist, so ist es gut, dass du deinen Tränen erlaubst, zu fließen. Ich glaube dies ist der einzige Weg, auf Dauer Heilung zu ermöglichen, auch, wenn der Schmerz für dich momentan noch schier unendlich zu sein scheint und du noch kein Ende siehst.
      Fühle dich gedrückt, wenn du magst ♥

  14. Mary sagt:

    Hallo Christine,
    Was für ein Tabu Thema……
    Solange ich denken kann, wünschte ich mir eine Tochter.
    Als es mit dem Schwanger werden nicht klappte und der Arzt sagte, die einzige Möglichkeit sei eine künstliche Befruchtung mit sehr geringer Erfolgschance war ich am Boden zerstört.
    Ein Wunder ist geschehen – und es hat trotzdem irgendwann geklappt! Ich war fest davon überzeugt, dass es nach all dem Leid, der Schmerzen und Sorgen ich nun meine Tochter bekommen würde.
    Als der Arzt sagte “ Junge“ hielt ich es für eine Scherz und wartete bei jedem Ultraschall darauf, dass es doch ein Mädchen wurde…. Als mein Sohn zur Welt kam, sagten alle, wir sollen so froh sein in unserer Situation und in ein paar Wochen wäre es komplett egal, welches Geschlecht.
    Mein Sohn ist mittlerweile 4 Jahre alt, objektiv ein toller Junge… aber eben ein Junge! Ich weiß nicht, wie ich mit ihm spielen soll – wenn er schon mit den Feuerwehrsachen oder Müllautos ankommt…. ich geb mir Mühe, wirklich, aber ich schaffe es kaum :(
    Ich überredete meinen Mann zu einem 2. Kind – und es hat tatsächlich nochmal geklappt! 2x ein 6er im Lotto….
    Beim Fein- Ultraschall in der 14. Woche sagte der Arzt: das ist ein Mädchen! Ich könnte meinen Ohren nicht trauen! Ich bat ihn, nochmals zu schauen, ob es sicher sei… und er lachte und auch beim 2. Blick sicher ein Mädchen. Zufällig 2 Wochen später bei einer andren Gynäkologin: Mädchen.
    Ich war im 7. Himmel! Plötzlich könnte ich meinen Sohn lieben, für das was er ist. Das waren die schönsten 10 Wochen meines Lebens. Dann der Organschall: Junge, aber so definitiv. Ich hab bis zur Entbindung jede Nacht geweint. Als mein 2. Sohn zur Welt kam, hat sich die Traurigkeit nicht geändert.
    Ich lass es meine Jungs nicht spüren, gebe alles um eine gute, jungsbezogene Mutter zu sein, fahre zu Feuerwehrfesten und zum Fußball. Schließlich ist es meine Entscheidung gewesen und ich wusste vorher, dass es nur eine 50% Chance gab.
    Mein Mann hält mich für komplett bescheuert, meine Freunde können mich nicht verstehen und es gibt in meinem Freundeskreis tatsächlich niemand ohne Tochter…. ich kann mit niemand darüber reden.
    Alltagssituationen wie ein Spielplatzbesuch und sogar der Kindergarten hauen mich an schlechten Tagen komplett aus der Bahn, wenn ich die Mädchen da sehe…. oder einkaufen für die Jungs und man sieht die Mädchensachen.
    Ich träume nachts so oft von einer Tochter, als ob es sie wirklich gäbe…. die Töchter meiner Freunde kann ich teils kaum ertragen.
    Ich fühle mich einfach nur schlecht: ich sollte dankbar sein, dass ich überhaupt Kinder habe. In unserem Freundeskreis gibt es 3 Familien mit Sternenkinder – das ist schließlich schlimm. Nicht meine Situation!
    Wenn ich die Jungs und mein Mann zusammen sehe, komme ich mit so fehl am Platz vor, als ob ich nicht dazu gehöre… dabei hab ich 2 süße, gesunde Söhne.
    Ich hoffe, ich kann mich irgendwann damit arrangieren. Wenn man darüber in Foren liest, gibt es irgendwie bei allen immer ein Happy end, also hoffe ich darauf….

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