Lebensfragen

Wie es sich anfühlt, wenn Mama ihr Kind nach der Geburt nicht lieben kann

Du bist wach, aber eigentlich hoffst du, dass du schläfst. Dass alles nur ein Traum ist, ein wahrhaft schlimmer Albtraum. Du bist nun Mutter. Der Zustand, den du dir so herbeigesehnt hast. Was du nicht wolltest ist die Kälte, die dein Herz nun umgibt. Du siehst dieses Kind vor dir liegen, dein eigen Fleisch und Blut. Aber es fühlt sich nicht so an. Das Kind ist dir fremd, so fremd.

Du weißt nicht genau, wann die Mauer kam, die sich um dein Herz baute. Stein um Stein. Als Schutz für deine zerbrechliche Seele. Nun steht sie zwischen dir und dem Kind. Mauern geben Sicherheit, Mauern trennen. Du lebst in deiner eigenen Welt, die nur du sehen kannst.

Dein Blick richtet sich nach innen und gleichzeitig bist du dir selbst so fremd. Wo ist die lebenslustige Frau, die du mal warst?

Der Albtraum deines Lebens - Wie es sich anfühlt, wenn Mama ihr Kind nach der Geburt nicht lieben kann

Um dich herum nur fröhliche Gesichter. Sie verstehen überhaupt nicht. Sie kommen nicht an dich heran. Du bist an einem anderen Ort, zu dem keiner Zugang hat. Auch dein Kind nicht.

Dein Leben hat von heute auf morgen die Richtung geändert. Nun stehst du an einem Abgrund und fragst dich, ob du springen sollst. Alleine.

Die Nacht wird zu deiner Verbündeten. Im Schutz des Schlafes findest du einen Ausweg aus deinem täglichen Albtraum. Nur hier bist du ganz du selbst, frei von dem engen Korsett des Mutterseins. Bis das Baby aufwacht und dich mit seinem Schrei in die Wirklichkeit zurückholt. Eine kalte, zugefrorene Wirklichkeit, aus der es kein Entrinnen gibt.

Der Albtraum deines Lebens - Wie es sich anfühlt, wenn Mama ihr Kind nach der Geburt nicht lieben kannDeine Seele verkümmert wie ein vertrocknetes Blümchen. Du brauchst Licht und Wasser und Lebenskraft. Du weißt nicht wo du sie je wieder finden sollst. Eine unglaubliche Leere breitet sich vor dir aus. Viel Platz für all die ungeweinten Tränen, an denen du zu ersticken drohst.

Du fragst dich, wie lange du noch durchhältst. Du schämst dich, dein Kind nicht lieben zu können. Wird es je ein Teil deiner Familie werden?

Der Teil, der dir vorher so schmerzhaft fehlte im Leben ist nun zu viel.

Ein Gedanke zu „Wie es sich anfühlt, wenn Mama ihr Kind nach der Geburt nicht lieben kann“

  1. Ko.Jo.Te alias KJT sagt:

    Ein nativer Regenwald-Mensch verlässt „seine“ dörfliche Gemeinschaft und geht in den Urwald „auf die Jagd“, unerheblich ob er Früchte findet oder ein Tier schießt, nur das Eine: Er will sich-Selbst-wiederfinden. Hat er sich harmonisiert, kehrt er in „sein“ Dorf zurück und wartet geduldig, weil er mit „Fremdem beladen“ ist und 0% mit dem dörflichen Konstrukt übereinstimmt als nun Fremdling und Eindringling bis er Stück-für-Stück von den Dörflern, die dem Eindringling emozionell entgegen-kommen, so-zu-sagen 50:50, harmonisieren. Geduld nannte man das noch im Mittelalter bei uns.
    „Das Fremde“ ist beiden momentanen Ebenen vertraut, weil jeder weiß, wann „Friede mit sich und anderem“ gemacht wird und wann „etwas begriegt werden will“.
    Harmonie wirkt ab einem beliebigen Punkt lethargisch, und Disharmonie verstörend bis desaströs.
    Unser menschliches Dilemma sind die destruktiven Nebenwirkungen der Sesshaftigkeit, die Befremdliches aus dem inzestuösen Dorf fernhalte, die Schwarz-Weiß-WeltAnschauung, die Monotonie auf nur DEN EiNEN Aspekt, das Angekettet-sein an die eine Erdscholle, an die einzige Liebe, an die einzig-wahre Ideologie und-so-weiter.
    Dessen Gegenpart war der historische Nomade, der sekündlich mit Befremdlichkeiten konfrontiert wurde und sich konfrontieren ließ. Man darf sich „ihn als Hans-im-Glück“ vorstellen. Begiebt sich ein moderner Mensch auf Reisen, so darf er nicht zum kapitalistischen Touristen entarten, will er von den „alten Instinkten kosten“.
    Das war mit dem „Neugeborenen“, mit der neuen Mutter, mit dem „alten Dorf“ nicht anders!
    Jeder nahm sich in seiner momentanen Zustand als etwas Vollwertiges an, genauso wie seine Umgebung. Weil Alles auf Veränderung aus ist – siehe oben – war schon einmal nichts als etwas Perfektes anzusehen.

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