Mama-Momente

„Ich möchte nicht, dass meine Kinder Kind sind. Ich hätte lieber zwei kleine Erwachsene.“

Wenn eine Mutter so einen Satz von sich gibt, sollte sie sich ernsthaft fragen, warum sie Mutter geworden ist. Das hätte ich wohl früher geantwortet, wenn ich mit so einer Aussage konfrontiert gewesen wäre. Kinder, die nicht Kind sein dürfen, wie kinderfeindlich ist das denn bitte? Heute bin ich selbst die Mutter, die genau das sagt. Und ich bin bestimmt nicht Mutter von zwei Wunschkindern geworden, um meinen Kindern keine Kindheit zu gönnen. Ich stelle das nicht mit Stolz fest, sondern mit einer Mischung aus Überraschung und nüchterner Klarheit. Aber es stimmt: Es wäre mir lieber, meine Kinder hätten die Reife eines Erwachsenen.

Als mein Mann und ich uns damals Kinder wünschten, hatten wir uns das zukünftige Familienleben ziemlich idyllisch vorgestellt. Natürlich würde es eine turbulente und aufregende Zeit werden, wer weiß, welchen Quatsch die Kinder sich auch mal ausdenken würden, auf jeden Fall sollten sie lange Kind sein dürfen, erwachsen wird man noch früh genug! Das war in Anbetracht der Tatsache, dass wir beide hochsensibel sind, natürlich ziemlich naiv gedacht. Aber wir wussten weder, dass wir extrem überempfindlich sind, noch, dass Kinder extrem sind. Extrem liebenswürdig, aber eben auch extrem anstrengend.

Heute, fünf Jahre und zwei Söhne später, sieht das Familienleben vor allem turbulent und aufregend (im Sinne von „sich aufregen“) aus. Durch meine Hochsensibilität, von der ich damals noch nichts wusste, komme ich im Alltag viel schneller an meine Grenzen, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Sehr zum Leidwesen aller.

Ich fühle mich permanent fremdbestimmt, vermisse „sinnvolle“ Gespräche (und sei es nur ein „Was habt ihr heute im Kindergarten gemacht?“ – „Auf dem Bauteppich gespielt!“ stattdessen wird als Antwort meist nur aus dem Fenster gestarrt oder es kommt ein gelangweiltes „Weiß ich nicht“) und wünsche mir auch mal wieder einen Tag, an dem die Zwei nicht schon wieder mit Stöcken nach fremden Leuten werfen oder sonstige abgesprochene Regeln missachtet werden. Aber vor allem diese Fremdbestimmtheit.

„Ich möchte nicht, dass meine Kinder Kind sind. Ich hätte lieber zwei kleine Erwachsene.“Der Tag kann prima angefangen haben und trotzdem merke ich plötzlich diese Fremdbestimmtheit, die mir von jetzt auf gleich die Brust verengt und Tränen in die Augen schießen lässt. „Können wir zuhause im Garten spielen?“ Das war beispielsweise der Satz, der mich heute an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Nicht, dass ich nicht mit dieser Option gerechnet hätte. Immerhin war es ein warmer Sommertag und schönstes Gartenwetter.

Aber ich hatte andere Pläne. Zum Deich fahren und Krebse im Wasser beobachten. Oder zu einem Spielplatz aufbrechen. Nicht, dass diese Orte außerhalb meiner Wohnung meine Problemlöser wären. Aber sie geben mir immer noch das Gefühl von Freiheit. Von Selbstbestimmtheit. Und wenn es nur mein Auto ist, das ich zehn Minuten in eine von mir auserwählte Richtung lenken darf.

Eigentlich hätte ich ja froh sein können über den Wunsch meines Fünfjährigen; er spielt nämlich sehr gerne auf unserem Stück Grün hinterm Haus, vor allem, wenn es noch einen Eimer voll Wasser dazugibt und er sich die Pflanzenwelt damit begießen kann. Aber ich kann das nur schwer, neben den Kindern sitzen und ihnen beim Spielen zugucken, mich nicht dabei vom Fleck bewegen. Noch weniger kann ich mitspielen.

Früher dachte ich immer, es wäre für mich erfüllend, stundenlang mit dem jungen Nachwuchs zu spielen. Heute halte ich nicht mal zwei Minuten aus.

Vielleicht liegt es daran, dass meine Söhne und ich unterschiedliche Definitionen vom Spielen haben. Für mich bedeutet mitspielen eben genau das. Mit-spielen. Miteinander. Memory, erfundene Playmobil-Geschichten oder meinetwegen auch das Spielzeugauto durch die Waschanlage schieben. Meine Kinder lassen mich nicht mitspielen. „Das Auto kannst du leider nicht haben, das brauche ich. Und die Figur brauche ich auch. Und die auch!“

„Ich möchte nicht, dass meine Kinder Kind sind. Ich hätte lieber zwei kleine Erwachsene.“Meinen Kindern reicht es meistens, wenn ich daneben sitze und ihnen beim Spielen zugucke. Was für mich eigentlich das Nonplusultra wäre, aber leider bedeutet danebensitzen nicht, dass meine reine Anwesenheit ausreicht. Mitspielen nach Regeln meiner Kinder heißt, alle zehn Sekunden lautstark das gebaute Meisterwerk zu bestaunen und den Sohnemann ja nicht aus den Augen zu lassen, ich könne ja etwas Wichtiges verpassen. Und wichtig ist eigentlich alles.

„Guck mal Mama, wie ich das Gras gieße!“ „Guck mal Mama, was das Wasser kann!“ „Guck mal Mama!“ Ihr Wunsch, alles mit mir teilen zu wollen, zerreißt mich innerlich. „Ist doch schön!“ könnte ich mir jedesmal sagen, wenn es mich nicht so auslaugen würde!

Es ist keine Unlust am permanenten Aufmerksamkeit schenken, aber inzwischen ist es ein regelrechter Widerwille geworden, etwas, das mir die Kehle zuschnüren lässt und mir die Luft zum Atmen nimmt. Eben weil es so oft vorkommt, das Aufmerksamkeit-Schenken-Müssen. Ja, es ist ein Müssen geworden. Es wird so oft eingefordert, dass ich nicht mal selbst bestimmen darf, wann ich gucke oder lobe. An Tagen wie heute wird mir dann tatsächlich körperlich übel und würde man mir die Schüssel reichen, ich spie sicher hinein.

Dann denke ich darüber nach, wie es wäre, die Kinder ganztags fremdbetreuen zu lassen, später vielleicht im Internat, wo ich sie nur alle paar Monate in den Ferien zu Gesicht bekäme. Andere, Fachleute, die diese Aufgabe der Kinderbetreuung von Herzen erfüllt, würden meine Kinder alle paar Sekunden mit all ihrer Hingabe bestaunen, loben und bemuttern, anstatt wie ich genervt den Kopf zu heben. Wenigstens würde ihr Bedürfnis nach hundertprozentiger Aufmerksamkeit dann vollends erfüllt. Ich weiß, dass ich diese Gedanken niemals in die Tat umsetzen würde (vor allem, weil ich meine Kinder immer noch selbst erziehen und später in ihrer Erinnerung mehr als eine Randfigur sein möchte). Aber für den Moment verschaffen mir diese kleinen Träumereien Luft. Luft, nach der ich ringe, wie ein Ertrinkender.

„Ich möchte nicht, dass meine Kinder Kind sind. Ich hätte lieber zwei kleine Erwachsene.“Ich bin ein Mensch, der gerne für sich ist und keinen Input von Außen benötigt. Ich kann mich stundenlang mit mir selbst beschäftigen. Leider haben meine Kinder andere Vorstellungen von der Tagesgestaltung. Mama hier, Mama da, Guck mal Mama, trallala. Wenigstens sieben Mal die Minute soll ich als Ansprechpartner, Zugucker, Gurkenschnippler oder Spielkamerad zur Verfügung stehen. An guten Tagen kann ich das. Die Regel ist das leider nicht.

Ich bin die denkbar unmotivierteste Kleinkindmutter, die meine Kinder nur haben können. Angestrebt habe ich diesen Zustand sicher nicht. Als Kinderlose war mir nur noch nicht klar, wie anstrengend ich die ersten Jahre mit Kindern empfinden würde. Regeln aufstellen gehört übrigens auch dazu. Weil diese immer und immer wieder wiederholt werden müssen. Für mich Hochsensible eine Qual.

Hatten wir nicht gesagt, dass unser Auto nicht mit ausgerupften Grasbüscheln beworfen wird? Nach dem Klogang wird übrigens immer noch abgezogen! Bitte nicht mit schmierigen Händen an die Tapete fassen! Und der Letzte macht die Tür zu!

„Ich möchte nicht, dass meine Kinder Kind sind. Ich hätte lieber zwei kleine Erwachsene.“Immer und immer wieder die gleichen Sachen sagen und Dinge erklären zu müssen, strengt mich als hochsensible Mutter an. Ich mag es, sowas nur einmal anzusprechen, dann soll es bitte schön „sitzen“. „Mama, warum braucht man eine Klingel? Und wozu gibt es Scheibenwischer? Wieso müssen Menschen essen?“ „Und warum heißt „Ja“ ja und „Nein“ nein?“ Es sind Fragen wie diese, die nach der Erklärung nicht nur einmal erneut gestellt werden und die mich an den Rand der Unterforderung treiben.

Ich bin ein Mensch, der gerne über Gott und die Welt redet. Aber ich bin nicht dazu gemacht, Gott und die Welt zu erklären.

Wie gerne würde ich meinen Kindern sagen, dass sie in ein paar Jahren eine hochmotivierte Mama erwartet, wenn sich unsere Diskussionen nicht mehr darum drehen, wer am besten Rülpsen kann, sondern wie sie zur aktuellen politischen Lage stehen. Wenn Mini und Maxi uns mit selbstkomponierten Klavierstücken bezaubern und nicht mehr mit Kochlöffeln aufs Xylophon eindrischen. Wenn es beim Memory-Spielen nicht mehr ums Gewinnen sondern um den Spaß am geselligen Miteinander geht.

Ich weiß, all das gehört zum Kindsein und zum Lernprozess, älter zu werden, dazu. Aber ich bin beim Aushalten dieses Zustands wirklich ein ganz schlechtes Gegenüber.

„Ich möchte nicht, dass meine Kinder Kind sind. Ich hätte lieber zwei kleine Erwachsene.“Ich glaube das Schlimmste für mich ist das beinahe lückenlose Ansprechpartner-sein-müssen am Tag. Es ist für mich ein noch zu großes Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen. „Von Kindern kriegt man ja so viel zurück!“ Ein Satz, den ich so oft von Müttern höre und bis heute nicht unterschreiben kann. Mag sein, dass es an meiner pessimistischen Sicht liegt, dass ich die kleinen Gesten meiner Kinder einfach nicht mit all dem Stress aufwiegen kann.

Und doch, die guten Momente mit meinen Kindern erlebe auch ich. Wenn der Vierjährige einen herrlichen Kindermund von sich gibt, über den ich mich noch am Abend kringelig lachen kann. Wenn der Fünfjährige mich anlächelt und fragt, ob er mich mal ganz feste drücken dürfe. Wenn die Kinder sich am Watt mit Schlick bis zum Gesicht einreiben und ich mich an ihrem Glück erfreuen kann, ohne an das anschließende, stundenlange Waschprogramm zu denken.

Das sind die kleinen Momente, in denen ich mich daran erfreue, zwei kleine Kinder zuhause zu haben. Wäre ich nicht hochsensibel, würden sie in der Waagschale vielleicht ein gutes Gegengewicht bilden, das den ganzen Stress wieder wettmacht. Erwachsen werden sie ja angeblich noch früh genug.

24 Gedanken zu „„Ich möchte nicht, dass meine Kinder Kind sind. Ich hätte lieber zwei kleine Erwachsene.““

  1. Lydia sagt:

    Oh, das ist aber mal ein Beitrag, der mir aus der Seele spricht😬Ich lese hier fast täglich, aber in keinem Beitrag hab ich mich so wiedergefunden wie in diesem hier…
    Bei uns sind gerade kita Ferien, der Mann arbeitet und ich mit Kind daheim. Von morgens bis abends den ganzen Tag Mama Mama Mama, keine Sekunde möchte er allein sein, nicht mal im Wohnzimmer, wenn ich kochen muss. Am liebsten möchte er getragen werden, er ist vier. Jahre. Nicht Monate 😬
    Nach so einem Tag wie heute kann ich nicht mehr, ich habe erst jetzt die erste freie Minute heute. Wie hast du das mit Maxi die Monate, als er nicht in den kindi ging, ausgehalten???
    Wie dich macht mich die Fremdbestimmung auch fertig 😞Ich kann zur Zeit nicht mal allein aufs Klo 😬Heute hat mich auch der Männe noch dumm angemacht, da war ich kurz davor, einfach zu gehen. Schuh an, und einfach ohne ein Wort raus gehen. Ins Auto steigen und einfach mal wegfahren. Aber geht ja nicht, macht es ja nicht besser😒
    Ich denk an dich!

    Liebe Grüße Lydia

    1. Natascha (wundertuetentag) sagt:

      Aber es ist doch eine Option, einfach zu gehen!!! Zumindest für eine halbe Stunde. Oder mehr!! Kurz dem Kind Tschüß sagen und weg. Wenn mein Mann zu Hause ist, gehe ich öfters mal einfach Spontan alleine Kaffee trinken, wenn mir alles zu viel wird. Oder um den Block. Warum sollte das nicht möglich sein?

      1. Lydia sagt:

        Naja einfach gehen geht ja nicht. Kann den Kleinen ja nicht allein lassen 😉
        Ich habe schon meine festen Zeiten, wo ich außer Haus bin, weil ich ein zeitaufwendiges Hobby namens Pferd habe 😉, aber oft reicht das auch nicht. Und mein Mann hat auch viel um die Ohren, wir haben gerade gebaut und sind noch nicht fertig🙄
        Liebe Grüße

    2. Christine sagt:

      Hallo liebe Lydia,

      freut mich, mal wieder von dir zu lesen!!
      Oh ja, das mit dem „Kannst du mich tragen?“ kenne ich auch heute, nach 5 Jahren noch. Allerdings schaffe ich das rein körperlich nicht mehr, weswegen häufiger meinem Mann die Frage gestellt wird…

      Ich frage mich das tatsächlich auch, wie ich das in der Zeit der Eigenbetreuung ausgehalten habe. Allerdings hat sich die Situation bis heute kaum geändert, außer, dass die Rahmenbedingungen andere sind. Inzwischen geht Maxi zwar wieder in den Kindergarten (wie du ja sicher weißt in den Heilpädagogischen), aber die Betreuungszeiten finden zu unterschiedlichen Zeiten statt. Er geht von morgens bis Frühnachmittags und sein Bruder Mini hat lediglich einen Nachmittagsplatz bekommen. Also habe ich täglich je nur zwei Stunden Mittagspause, in denen mal Keiner zuhause ist.

      Nein, abhauen (auf Dauer) bringt nichts, da hast du schon Recht. Tatsächlich möchte ich dich allerdings (genau wie Natascha) einmal dazu ermutigen, wenn die Situation mal wieder eskaliert und es gerade passt (dass dein Mann auf deinen Sohn aufpassen kann), dass du dann wirklich ins Auto steigst und mal ein Stündchen durch die Gegend fährst. Laut Musik aufdrehen und einfach nur rumdüsen oder vielleicht irgendwo in der Natur anhalten und tief durchatmen. Hilft manchmal echt ungemein!

      Wie geht es dir sonst so? Wirst du immer noch gefragt, wann den endlich das Geschwisterkind geplant ist?
      Ich wünsche dir gute Nerven und freue mich, wieder von dir zu lesen :)

      Viele Grüße und danke für deine lieben Worte!
      Christine

  2. Rika sagt:

    Liebe Christine
    So viele Sätze aus diesem Beitrag könnten von mir sein.
    Seit 2Wochen ist unsere jüngste Tochter (wir haben 3Kinder) im Kindergarten. Vor 2Tagen ist sie 5Jahre alt geworden. Wir wohnen in der Schweiz und hier ist ja alles ein wenig anders als in Deutschland. Seit 9Jahren (da wurde unser Ältester geboren) hatte ich jetzt immer 1, 2 oder 3Kinder zuhause. Ständig war ich gefordert oder vielmehr überfordert. Ich weiss nicht wie ich diese letzten Jahre überlebt habe. Und für mich war es ein Überleben!
    Dieses Fremdbestimmtsein, dieses ständige Wiederholen von Anweisungen, dieses „Loben- und Bewundern- und Bestätigen-Müssen, dieses „es gut machen wollen und doch nicht können“, dieses Vergleichen mit anderen (nicht hochsensiblen) Müttern…
    Danke für diesen Blog. Leider habe ich dich, liebe Christine erst vor einigen Wochen entdeckt. Aber so lese ich deine Texte jetzt und verarbeite damit auch mein Erleben der vergangenen Jahre.
    Danke, Danke Danke!!!

    1. Christine sagt:

      Liebe Rika,

      ich freue mich, dass du zu meinem Mama-Blog gefunden hast, auch, wenn es für dich erst sehr spät erscheint, so freut es mich dennoch zu lesen, dass du mit meinen Texten frühere Erlebnisse verarbeiten kannst. Das bedeutet mir wirklich sehr viel und geht mir sehr nah, dass meine niedergeschriebenen Gedanken anderen noch helfen! Danke dafür und für deine Ehrlichkeit. Ich habe auch oft das Gefühl, dass es bei mir ein Überleben ist, auch, wenn das für manche zu krass oder unverständlich klingt. Ich hoffe, es wird anders, wenn meine Kinder älter sind und ich nicht mehr so fremdbestimmt lebe.

      Liebe Grüße
      Christine

  3. Kristin van der Meer sagt:

    Wow, Respekt für diese ehrlichen Worte. Sehr selten, dass Mütter sich trauen so ehrlich auch die negativen Gefühle als Mutter zu artikulieren .

    1. Christine sagt:

      Liebe Kristin,

      ich danke dir sehr für dein nettes Feedback! Das hat mich sehr berührt!

      Viele Grüße
      Christine

  4. Sophia sagt:

    An einem Tag wie heute, wo ich wieder an meine absoluten Grenzen mit den beiden Jungs gekommen bin, tun diese ehrlichen, teilweise auch harten Worte so gut. Mir geht es sehr sehr sehr oft genau so. Mir schnürt es die Luft ab, mein Herz rast und ich fühle mich wie in einem hamsterrad. Dazu diese Zerrissenheit zwischen totaler Liebe und Entzückung, der Wut über diese Fremdbestimmung und die totale Übermüdung. Ich hab oft das Gefühl, ich bin an irgendeinem Punkt aus meinem eigenen, selbstbestimmten, geordneten und aufgeräumten Leben ausgestiegen und lebe gerade in einer parallelwelt in der es von Chaos, Stress, Dreck und vielem mehr trieft, während es bei allen anderen scheinbar so easy läuft. Ich koche mit brüllendem Baby am Fuß, absolut trotzigem Kleinkind neben mir, ich diskutiere und rede nonstop. Schimpfe, bestrafe, belohne, liebkose, rede rede rede rede. Ich bin so unendlich froh wenn die beiden endlich in der Schule sind, man nicht alle 3 Sekunden nach Ihnen schauen muss und man vielleicht auch mal abends länger als 1 Stunde durchgehend auf der Couch sitzt und die Kinder durchschlafen. Ich kanns kaum erwarten.

    1. Christine sagt:

      Liebe Sophia,

      das hast du alles so wunderbar ehrlich und bildlich vorstellbar beschrieben. Ich musste die ganze Zeit nicken :)
      Alles Liebe dir und viel Kraft!
      Christine

  5. Melanie sagt:

    Das spricht mir aus der Seele. Dabei bin ich nichtmal hochsensibel (zumindest nicht, dass ich wüsste). Für mich ist das Zusammensein und ständige Zurverfügungstehen mit und für meine Kinder auch unglaublich stressig und anstrengend.
    Ich bin tatsächlich froh, dass die beiden in der Regel ca 8 Stunden am Tag im Kindergarten bzw demnächst in der Schule sind.

    1. Christine sagt:

      Liebe Melanie,

      schön, auch mal von einer Nicht-Hochsensiblen zu erfahren, dass das permanente Zusammensein und Zurverfügungstehenmüssen mit Kindern kräftezehrend sein kann. Danke für deinen Kommentar! Ich wünsche dir und deinen Kindern einen guten Start in der Schule und dass es für dich so erholsam ist, wie du es dir erhoffst!

      Liebe Grüße
      Christine

  6. Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit) sagt:

    Ich kann sehr viel von dem nachvollziehen, was du schreibst.
    Aber bei allem Verständnis und Mitgefühl: So gehst du kaputt und du bist auch Teil dieser Familie! Und zwar der verantwortliche Teil. Also übernimmt verflixt noch eins die Führung!
    Bei Aussagen wie „ich darf nicht mal alleine aufs Klo“ oder „ich fühle mich fremdbestimmt weil die Kinder im Garten spielen wollen aber ich wollte eigentlich ans Meer“ rollen sich mir die Fussnägel hoch.
    Du tust weder dir noch ihnen einen Gefallen, wenn du deine BEDÜRFNISSE ihren Wünschen unterordnest. Bedürfnis geht über Wunsch und das gilt für alle Familienmitglieder!

    1. Christine sagt:

      Liebe Katharina,

      du hast Recht, die Bedürfnisse sollten Priorität haben und dann als „Sahnehäubchen“ erst die Wünsche der Kinder folgen. Sehr oft ist das schwierig umzusetzen. So viele Auszeiten wie ich (als Bedürfnis) grundsätzlich benötige, sehe ich mich ständig im Spagat zwischen Bedürfnisse erfüllen und trotzdem die Kinder nicht zu kurz kommen zu lassen. Ihre Wünsche sind ja in vielen Fällen auch Bedürfnisse und nicht immer kann ich es ihnen und mir gleichzeitig Recht machen. Das Gleichgewicht muss halt stimmen.

      Viele Grüße und danke für deine ehrlichen Worte!
      Christine

      P.S: Ich habe gute Nachrichten für deine Fußnägel: Der Satz „Ich darf nicht mal alleine aufs Klo“ stammt nicht von mir ;-)

      1. Lydia sagt:

        Haha der ist von mir 😅😅😅aber: oho! Es wird besser, der kleine Mann kann inzwischen manchmal auch einfach weiter spielen und lässt mich kurz in Ruhe 👍😉👍

      2. Christine sagt:

        Na siehst du, ist doch wunderbar!! Freue mich für dich, dass du diese kleinen Zeitinseln bekommst :)

  7. Kat sagt:

    Interessant, was dieser Text mit mir macht. Im ersten Impuls will ich sagen, hochnäsig, arrogant „wie kann sie nur, erst Kinder wollen und sie dann nicht ertragen“ und im zweiten Moment trifft es mich wie ein Schlag. Die Erkenntnis, das es mir irgendwie auch so geht. Die ihre Kinder liebt, aber beim ständigen Angefasstwerden aus der Haut fahren könnte. Die nach dem gefühlt – und realem – hunderststen mal in einer Stunde „Mamaaaa“ gerufenen Mama ebendiese liebend gern hinter sich lassen würde.
    Was habe ich es gehasst, dieses Spazierenstehen mit dem zweijährigen, dem erstgeborenen, dem genauso sensiblen wie ich selbst einer bin. Immer dieses elende Schwanken zwischen dem Gefühl, sich gut mit dem Kind beschäftigen zu „müssen“ versus dem Gefühl, am eigenen Selbst festhalten zu wollen.
    Jetzt, wo sie älter werden, ja, da kommt die große Freude am Kinderhaben, an der Welt, die sie mir eröffnen. Da könnte ich noch mehr ihrer Sorte vertragen. Aber Kleinkinder? Never ever again.

    1. Christine sagt:

      Liebe Kat,

      ich war auch ganz überrascht von deiner „Wandlung“, die du beim Lesen im Laufe meines Textes durchgemacht hast. Ich kenne das aber gut von mir selbst, dass ich stressige Zeiten mit den Kindern aus der Vergangenheit sehr oft schlicht verdrängt (oder als natürlicher Prozess des Vergessens durchgemacht) habe. Wenn mich heute Jemand fragt, was genau nochmal so kräftezehrend in der Säuglingszeit war, ich müsste erst lange darüber nachdenken, bis es mir konkret wieder einfallen würde :)

      Ganz herzlichen Dank also für deinen ehrlichen Einblick und für die Hoffnung, die du mir machst, dass das Leben mit älteren Kindern einfach entspannter wird!!

      Liebe Grüße
      Christine

  8. Natascha (wundertuetentag) sagt:

    Du sprichst mir in vielem aus dem Herzen. Ich bin auch hochsensibel und habe deinen Blog erst heute entdeckt. Freue mich auf sie anderen Artikel!!! Danke. Vielen Dank für deine ehrlichen, mutigen Worte. Mir geht es ähnlich, es sind aber andere Aspekte, die für mich am schwierigsten sind. Gäbe es keinen Haushalt zu bewältigen, nichts zu kochen, wäre ich sehr glücklich und SO würde ich das Mutter sein lieben. Zb I’m Urlaub – Ausflüge machen, stundenlang vorlesen. Aber ich als extrem unpraktischer vertraumter Mensch komme so schwer mit den praktischen Seiten des Mutter seins klar. Und das empfinde ich, anders als bei Vätern, als Tabuthema. Was für andere Fastfood ist, zb FischStäbchen mit TK Gemüse, ist für mich „ein warmes essen auf den Tisch gebracht zu haben“. Ich bin extrem langsam und ineffizient, habe noch nicht mal Ansprüche im Haushalt und schaffe dennoch nichts.. Habe schuldgefuhle, weil ich den Kindern auch keine Ordnung und Struktur vorleben kann. Ich kann schlecht Multitasking und das ist es dann, was mich am Mutter sein am meisten stresst. Den Alltag stemmen und dabei immer ansprechbar und Mutter sein. Alltag finde ich ohne Kinder auch so schon schwer genug. Könnte ich mit den Kindern ohne Alltag und Haushalt und Termine nur lesen, spielen, unterwegs sein, müsste nicht immer Multitasken, wäre es toll. Wenn wir uns morgens fertig machen müssen, ist Es meine schlimmste Stunde des Tages. Und abholen aus Schule und Kiga stresst mich immer extrem. Verschwitzt, smalltalk, Multitasking, Schulranzen tragend, ständig trifft man jemanden…. Mit hilft es sehr, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und such durchzusetzen. Wenn ich es an einem Ferientag zu Hause unbedingt brauche, aus dem Haus zu kommen und im Cafe den Tag zu starten, dann ist es eben so, auch wenn dir Kinder im Schlafanzug zu Hause bleiben wollen. Jedes Mal, wenn ich nachgebe, dabei aber ein dringendes psychisches Bedürfnis habe, geht es mir richtig schlecht damit. Lieber kurz mit erstmal maulenden Kindern los und danach gemütlicher nachmittag. Nicht so einfach allerdings mit einem großen, der auch hochsensibel ist und dem viele Unternehmungen zu viel sind. Dann will ich auch nicht zwingen. Man muss eine gute Balance finden, jeden Tag. Ansonsten nehme ich mir sehr viele Auszeiten, oft gehe ich einfach alleine ins Café, wenn mein Freund nach Hause kommt, um mich zu sortieren. Das geht auch auf Kosten unserer Familie Zeit, aber Wenn es um meine seelische Gesundheit geht, ist es einfach so. Ich war letzte Woche alleine in Berlin und das hat so gut getan. Ich hätte nach der Woche erwartet, voller Elan für die Kinder zu sein, was nicht so war. Erstmal hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber dann dachte ich : krass, es ist eben auch ein krasser Modus, ein fordernder, extremer Modus, dieses auf Abruf sein. Ich fand es schwierig, da direkt wieder reinzufinden, so sehr ich mich über meine Kinder freute. Ich hatte die Kinder vermisst,diese wunderbaren Menschen, nicht aber den Alltag mit ihnen samt Haushalt etc und alles was so dran hängt. Mir wurde nochmal bewusst, in was für einem krassen Modus wir Eltern uns dauernd befinden, es ist aber von der Gesellschaft nicht anerkannt. Ganz liebe Grüße, Natascha

    1. Christine sagt:

      Liebe Natascha,

      sei herzlich willkommen auf meinem Mama-Blog und nimm dir gerne erst einmal ein paar Schokokekse aus meiner Küche – die Krümel wische ich auch nachher weg ;-)
      Nein, Spaß beiseite, ich finde es total spannend zu erfahren, dass (hochsensible) Mütter auch mit dem praktischen, organisatorischen Teil des Mutterseins überfordert sind (und habe den Aspekt in meinem Artikel „Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte“ mit einfließen lassen).

      Es ist wichtig, dass du deswgegen nicht zu hart mit dir ins Gericht gehst und das tust du ja inzwischen auch nicht mehr. Jede(r) hat seine Schwächen und bei jedem sind sie anders verteilt. Das zu akzeptieren und einfach so stehen zu lassen ist schwer, aber ein Prozess, den man schaffen kann. Ich wünsche dir, dass du erkennst, was du deinen Kindern stattdessen mitgeben kannst: Das Gefühl, dass sie bei dir im Mittelpunkt stehen und der Haushalt und eine perfekt polierte Küchenzeile nicht das Wichtigste im Leben sind!

      Ja, wir Eltern (und Mütter noch einmal besonders) sind in einem krassen System. Lassen wir uns davon nicht unterkriegen!

      Alles, alles Liebe dir! Danke für deine ehrliche und ausführliche Geschichte!
      Christine

  9. fee sagt:

    Spricht mir mal wieder zur Gänze aus der Seele, kombiniert mit dem was Natascha schreibt….Ich finde die Gesamtheit des Lebens mit (kleinen) Kindern ermüdend, jetzt wo ich älter bin ist es mit dem Kleinsten, 4, noch anstrengender als mit meinen beiden ältesten Kindern früher. Alle meine 4 Kinder sind hochsensibel, ein bunter Blumenstrauß voller Stress, Spezialitäten und Besonderheiten. Jeder hat seine „Macke“. Wenn ich auf die Jahre mit den Kindern zurückblicke, muss ich sagen, dass das Schlimmste für mich oft das Gefühl war, Erziehung und Familie wesentlich schlechter zu stemmen als alle anderen…..die sich dann auch noch am Wochenende verabreden, zig Hobby´s haben, voller Begeisterung heimwerken und tausend ehrenamtliche Jobs machen. Ich war immer froh, wenn Wochenende war, nur um dann festzustellen, dass das Wochenende ohne Kindergarten, Schule etc noch anstrengender war als die Woche. Ein mir sehr bekanntes Gefühl ist das der Erschöpfung. Meine beiden Töchter könnten jetzt theoretisch schon selbst Kinder bekommen, wenn ich mir vorstelle Oma zu werden, stellen sich mir jetzt gerade die Haare auf! Ich kann momentan keine kleinen quietschenden Kinder mehr ertragen, die 100x pro Minute das gleiche wiederholen und ständig Aufmerksamkeit fordern. Und ich gebe Natascha absolut recht, dass wir Eltern uns in einem dauernden krassen Modus befinden, die einen packen es besser, die anderen schlechter. Als Hochsensibler ist man da sicher eher im Bereich derer, die es schlechter packen unterwegs. Letztlich kommt es nur darauf an, dass die Kinder-trotz allem-das Gefühl haben geliebt zu werden, und das spüren sie intuitiv, egal wie genervt man selbst manchmal ist. Ich habe den Beweis n Form meiner Töchter zuhause, puh, Gott sei Dank….GLG Fee und nochmals: ein wundervoller, ehrlicher BLOG

    1. Christine sagt:

      Ach ja, die weiblichen „Schlag-den-Raab“-Kandidatinnen mit ihren zwölf Hobbies und selbst oganisierten Bastelnachmittagen für alle Kinder der Nachbarschaft ;-) Die muss es auch geben, Gott sei Dank, aber Vergleiche sind nicht nur zwecklos, sondern machen dich auf Dauer auch kaputt. Das ist ja, wie wenn du deine Seepferdchenkenntnisse beim Schwimmen mit Olympiaschwimmern misst.

      Ich wünsche dir, dass du noch ein wenig Zeit mit dem Oma-Werden hast, aber wer weiß, wie es dann sein wird; immerhin hast du dann die Möglichkeit, sie auch wieder abzugeben. Vielleicht wird es dann tatsächlich anders sein und die Freude am Kleinkind steht im Vordergrund. Berichte mir mal, wenn es soweit ist ;-)

      Alles Liebe dir und danke nochmal für die lieben Worte zu meinem Blog!
      Christine

  10. Nova sagt:

    Es tut so gut hier von euch allen zu lesen! So oft habe ich mich in der Vergangenheit gefragt, was denn bloß mit mir los ist, warum ich so anders bin als andere Mütter, warum ich nicht gerne auf den Spielplatz gehe, warum ich nicht gerne bastele, stattdessem lieber gerne alleine meine Lieblingsmusik höre, ohne von einem „Mamaaaaaaa!!! Komm, wir spielen was!“ Unterbrochen zu werden. Wie auch hier oben schon jemand geschrieben hat, freue ich mich regelmäßig auf das Wochenende und bin doch dann total verzweifelt, wenn ich Sonntagabend feststelle, dass die Woche in der Uni mit seinen 1234 absolvierten Prüfungen nicht mal halb so ermüdend, auslaugend, überfordernd war, wie das Wochenende mit meiner 3-Jährigen. Sie gehört auch zu den Kindern, die sehr viel fordern, grundsätzlich verlangt sie, dass ich mitspiele, sie lobe, lache, bestaune. Und auch, wenn ich genau weiß, wie wichtig die Phase des Fragens ist über Gott und die Welt, wünsche ich mich nach der 137484 Frage nur noch auf eine einsame Insel. Allein. Keine Kinder. Kein Mann. Nur eine gute Freundin und ich und Zeit. Zeit nur freien Gestaltung, ohne daran denken zu müssen in einer Stunde meine Tochter aus der Kita holen, einkaufen oder lernen oder Laternen im Kindergarten basteln zu müssen. Es ist auch bei mir alles ein MUSS geworden. Leider hat dieser Realitätsschock nach der Geburt bis heute angehalten. Als meine Tochter noch ein Baby war, hab ich gedacht, das legt sich sicher bald. Pustekuchen. Ich kann mich heute kaum freuen, wenn ich die Kleine aus der Kita hole, weil sofort die Angst der gleich eintretenden Überforderung, Unlust und des Widerwillens in mir aufkeimt. Und das schlimmste ist, wenn man damit im Umfeld auf völliges Unverständnis trifft. Außer hier. Danke.

    1. Christine sagt:

      Liebe Nova,

      stell dir vor, du warst diejenige, die mich zu dem Beitrag „Einfach mal nicht „müssen“ müssen“ inspiriert hat! ;-)
      Ganz lieben Dank für deine Worte und sei herzlich Willkommen auf meinem Blog für hochsensible Mütter!

      Christine
      P.S.: Nimm dir gerne einen von den Schokomuffins aus meiner Küche, die müssten noch warm sein…

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