Gesellschaft

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte

Er kann mir durch den Kopf gehen, wenn ich meinem Sohn zum x-ten Male dabei zusehen und Beifall klatschen soll, wie er die Stange des hohen Klettergerüsts hinunterrutscht. Ich spreche ihn laut aus, wenn ich abends einfach nur meine Ruhe haben möchte und keine lautstarken Streitereien unter den Geschwisterkindern mehr ertrage. Es ist dieser eine Satz, von dem ich als Kinderlose niemals gedacht hatte, dass er so oft in meinem Mutterkopf präsent sein würde und mehr als jeder andere mein strapaziertes Stresslevel zum Ausdruck bringt: „Das Mamasein hatte ich mir vorher ganz anders vorgestellt.“

Das ist so ein Satz, den ich in den letzten fünf Jahren schon öfter geäußert habe. Schriftlich in mehreren meiner Blogbeiträge (z.B. in „Hotel Mama – immer geöffnet?“, „Warum es hochsensiblen Müttern oft so schwerfällt, ihr Muttersein zu genießen“ oder jüngst erst in meinem Beitrag „Im Gefängnis namens Muttersein dennoch ein selbstbestimmtes Leben führen“). Gedanklich habe ich ihn wohl noch viel öfter formuliert. Unzählige Male ist er mir durch den Kopf gegangen und ich bin mir sicher, dass es auch nicht das letzte Mal gewesen sein wird.

Aber warum ist das so? Wie habe ich mir denn mein Mamasein damals vorgestellt und warum driften Wunsch und Wirklichkeit so eklatant auseinander? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass die Antwort in meinem sensiblen (und damit meine ich nicht zwangsläufig mein hochsensibles) Wesen und meiner eigenen Kindheit zu finden ist.

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatteIch besaß immer schon ein ruhigeres Temperament. Als jüngste im Familienbund liebte ich es schon früh, für mich alleine zu spielen. Ich verbrachte viel Zeit mit meinen Meerschweinchen, brachte ihnen kleine Kunststücke bei und studierte stundenlang Ratgeber zur artgerechten Haltung und Ernährung. Nach der Schule füllte ich die Nachmittage mit Malen, Kassette hören oder Playmobil spielen.

Natürlich machte ich nicht alles alleine. Streiten beispielsweise kann man bekanntermaßen besser gemeinsam als mit sich selbst. Aber auch eigene Hörspiele auf Tonband aufnehmen oder Kaufladen, Post und Bücherei spielen machte am Meisten mit meiner älteren Schwester spaß.

Und dennoch erinnere ich mich vor allem an die Zeiten, in denen ich für mich war. Und: Ich war glücklich dabei. Nur für mich sein war kein Gefühl der Einsamkeit, sondern der Notwendigkeit. Ich erinnere mich noch gut an meinen zehnten Kindergeburtstag (ich weiß es noch so genau, weil ich so stolz darauf war, endlich „zweistelligen“ Geburtstag feiern zu können). Meine eingeladenen Freunde spielten ausgelassen in meinem Kinderzimmer, während ich mich heimlich ins Wohnzimmer zurückzog und die Stille um mich herum genoss, wobei ich in aller Ruhe mein neues Stickeralbum anschauen konnte. Natürlich wusste ich damals noch nicht von meiner Hochsensibilität, aber, wie es mir im Rückblick erscheint, konnte ich sehr gut auf mich achten und mich bei Bedarf zurückziehen.

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte

Ich muss schon früh gedacht haben, dass es allen Kindern so ergeht. Dass Jeder gerne Zeit für sich benötigt und auch von selbst einfordert.

Als mein Mann und ich über mögliche eigene Kinder nachdachten, hatte ich garantiert meine eigene Persönlichkeit vor Augen. Und was würden wir erst für ruhige, introvertierte Kinder zeugen, immerhin erhielten sie unser beider Gene! Wir waren einfach zu naiv und zu verliebt.

Und, mal ganz ehrlich: In welchen Augenblicken wird die Kinderplanung zwischen zwei liebenden Menschen denn konkret? Wenn beide gestresst vom langen Arbeitstag in der vollen U-Bahn sitzen und neben ihnen seit zwanzig Minuten ein Säugling brüllt oder kotzt? Seufzt man dann glückselig: „Ach, Kinder sind doch einfach was Schönes!“? Sicher nicht!

Kinderplanung findet in romantischen Momenten auf dem Bärenfell vorm Kamin statt oder Sonntagmorgens, wenn man sich gemütlich die dritte Tasse Kaffee nachschenkt und sich im Entferntesten noch nicht vorstellen kann, dass ein Wochenend-Frühstück mit kleinen Kindern garantiert anders aussehen wird (vom dritten Kaffee und einem ordentlich gedeckten Küchentisch mal ganz abgesehen).

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatteKurzum: Ein Familienleben zu Dritt wird in Situationen besprochen, wenn es ruhig zugeht. Wenn man ausgeglichen ist und Zeit hat, sich ausgiebig die Momente vorzustellen, wie das Baby zum ersten Mal in den Armen liegt und Mama anlächelt. Wie der Dreijährige krank ist und Papa ihn in den Schlaf singt. Wie man Nutella-beschmierte Tapeten einfach weglächelt und selbst noch Schokolade hinterherschmiert.

Und dann kommt die Realität und Mama merkt, dass da neben den schönen Momenten auch ganz schön viel Arbeit, Frust und Gequengel auf sie zukommt. Dass sie ihr eigenes Leben hinter die Bedürfnisse ihres Kindes stecken muss. Und zwar nicht für eine kurze, absehbare Zeit am Tag, sondern nonstop vierundzwanzig Stunden über Tage, Wochen, Monate, Jahre. Schön, wenn man dann viel Unterstützung aus dem Umfeld erhält und nicht alles alleine stemmen muss. Aber selbst dann ist es manchmal immer noch zu viel der Fremdbestimmtheit.

Kinder sind was Schönes! Für die meisten Eltern gibt es nichts Großartigeres auf der Welt. Und das ist auch gut so! Und trotzdem gibt es Frauen, die über kurz oder lang ihre Mutterrolle bereuen und sich ihr altes Leben zurückwünschen. Oft sind es die hochsensiblen Mütter.

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatteDamit will ich nicht sagen, dass alle hochsensiblen Mütter ihre Mutterrolle bereuen oder umgekehrt, dass es nur die Hochsensiblen treffen kann. Aber ich sehe sehr wohl einen logischen Zusammenhang, warum gerade die überempfindlichen Frauen im Mamaalltag durch die starke Reizüberflutung schneller an ihre Grenzen kommen und an Punkten überfordert sind, wo Nicht-Hochsensible noch Luft nach oben haben und einfach noch nicht so gestresst sind.

Womit ich derzeit am Meisten zu knabbern habe, ist die ständige Fremdbestimmtheit und die Tatsache, dass meine Söhne sich nicht stundenlang mit sich selbst beschäftigen können, so wie ich es früher als Kind tat. Vor allem mein ältester, der fünfjährige Maxi, benötigt jederzeit Zuwendung. Und wenn ich jederzeit sage, dann meine ich das wortwörtlich. Nicht mal fünf Minuten kann er etwas für sich machen, alle paar Sekunden soll ich gucken, bestaunen oder mitspielen.

Für mich ist das zum einen schwer zu verstehen, aber noch schlechter auszuhalten. War ich es schließlich siebenundzwanzig Jahre lang gewöhnt, mir öfter am Tag über mehrere Minuten bis hin zu Stunden Auszeiten nehmen zu können. Und von einem auf den anderen Tag bestimmte jemand anderes meinen Tagesablauf.

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatteNatürlich bin ich dafür verantwortlich, dass ich genügend Zeit für mich einräume und ich wusste auch vor der Kinderplanung, dass der Alltag mit Kindern nun mal so aussehen würde. Aber das war Theorie. Und ganz ehrlich (und auch das ist ein Satz, den du schon öfter bei mir lesen durftest): Als Kinderloser kann man sich nicht vorstellen, wie das Leben mit Kind später sein wird! Da kann man noch so oft von stressigen Phasen hören oder sich ausmalen, dass man in den ersten Monaten ganz klar auf viel Schlaf verzichten muss. Aber man kann es sich nicht wirklich vorstellen, sich nicht hineinfühlen, wie sich alleine drei Tage Schlafmangel bemerkbar machen. Von Trotzphasen, hundert Mal am Tag Sätze-nicht-zuende-sprechen-können oder monatelange Probleme beim Trockenwerden ganz zu schweigen.

Und wir Hochsensiblen sind so schnell gestresst, dass unser Alltag so oft zum Hürdenlauf wird! Der Stress muss nicht mal über unsere Kinder kommen, vielleicht hat unsere ältere Nachbarin uns gerade etwas unfreundlich darauf hingewiesen, dass wir vergessen haben, die Mülltonnen rauszustellen oder der große Hund auf dem Weg in die Stadt hat uns mit seinem plötzlichen Gebell zutiefst erschreckt. Die beste Freundin sagt zum wiederholten Mal das Kaffeetrinken ab und auf der Arbeit ist seit Wochen Stress hoch Zehn, weil die Kollegin krank ist. Dann muss nicht viel passieren, jedes noch so winzige (und vielleicht sogar berechtigte) Gequengel nach einem Eis am Hosenbein kann uns dann aus der Haut fahren und den Rest des Tages dünnhäutig sein lassen.

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte

Wir hochsensible Mütter brauchen dann in erster Linie Ruhe, um wieder zu unserer Mitte zu finden, aber die kriegen wir mit Nachwuchs um uns herum in der Regel nicht.

Gut möglich also, dass manche Frau auf Dauer ihre Mutterrolle bereut und ihr altes Leben zurückhaben möchte. Sie liebt ihren Nachwuchs sicher genauso wie die glücklichen Mütter, die sich ein Leben ohne Kind nicht mehr vorstellen können. Die bedauernde Mutter wünscht sich im Gegensatz zu den Nicht-Bereuenden aber vor allem mehr (viel mehr!!!) Selbstbestimmtheit oder aber auch einfach nur ihren kinderlosen Alltag wieder, in dem sie nicht täglich zwei Waschmaschinen laufen lassen und aufhängen muss, montags den Sohn zum Gitarren-Unterricht fahren, regelmäßig im Kindergarten Bastelnachmittage mitmachen oder Flohmärkte auf dem Schulhof organisieren soll.

Kinder krempeln unser ganzes Leben um. Das ist bis zu einem gewissen Punkt erfüllend, stresst viele Mütter aber ab dem Zeitpunkt, an dem sie nicht mehr das Gefühl haben, Herrin der Lage, sprich, ihres Lebens zu sein. Wer den Müttern, die sich dem Phänomen namens „Regretting Motherhood“ anschließen, jedoch Lieblosigkeit, kein Verantwortungsbewusstsein oder gar Kinderfeindlichkeit unterstellt, tut ihnen Unrecht.

Jede Mutter, die sich von Herzen ein Kind gewünscht hat, anschließend aber (öfter oder nur ab und an) ihre Mutterrolle bereut, rennt sicherlich nicht stolz und prahlend damit durch die Gegend, um sich damit in den Vordergrund zu stellen. Im Gegenteil: Die bereuenden Mütter fühlen sich schlecht, klagen sich im schlimmsten Fall selbst an und trauen sich kaum, sich Jemandem anzuvertrauen. Es passt eben einfach nicht in das Bild unserer Gesellschaft, das Nonplusultra der weiblichen Rolle nicht aus ganzem Herzen erfüllen zu können.

Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatteIch wünsche unserer Gesellschaft und vor allem uns Müttern mehr Toleranz, mehr Verständnis und mehr Mitgefühl, wenn wir auf Frauen treffen, die sich verzweifelt ihr Leben ohne Kinder zurückwünschen. Jede hat ihre eigenen Gründe, aber eben auch eine andere Vorgeschichte, ein anderes Wesen als andere Frauen. Jede Mama ist einzigartig und das ist auch gut so!

Auch ich habe Tage, an denen ich meine Mutterrolle bedaure. Wenn der Stress wieder überhandgenommen hat und ich mich einfach nur mal wieder um mich selbst kümmern möchte und die Jahre zähle, bis Mini und Maxi ausziehen. Und dennoch kenne ich auch die Tage, an denen ich mich an meinem Mamasein erfreue. Die Momente, in denen sogar ich gerne meinem Sohn dabei zusehe, wie er zum x-ten Mal die Stange am Klettergerüst herunterrutscht (ja ich weiß: unglaublich!).

Es ist eben alles eine Frage der inneren Stabilität. Und dass diese Stärke immer in uns vorhanden ist, darauf müssen wir Mütter vertrauen. Meistens ist sie einfach nur überdeckt und möchte wieder befreit werden. Und wenn es an so manchem Tag auch nur für einen kurzen Moment gelingt. Sei gewiss, du bist eine gute Mutter und die Beste für dein Kind!

5 Gedanken zu „Regretting Motherhood: Warum ich mir das Muttersein ganz anders vorgestellt hatte“

  1. Anja sagt:

    Wow, wow, wow. Ein toller Artikel. Ich bin schon eine längere Zeit stille Mitleserin. Als ebenfalls hochsensible Mama mit einer hochsensiblen 3jährigen Tochter finde ich mich in so vielem wieder. Dieser Artikel allerdings trifft für mich in allen Punkten den Nagel auf den Kopf! Vor allem der Misfit zwischen Deinem Wesen und dem Deines Maxis ist etwas, was ich zu 100% unterschreiben kann. Das ist der Punkt, der mich als Anfängermama vollkommen verzweifeln ließ und mich auch heute im Alltag noch aus der Bahn wirft. Auch wenn ich es akzeptieren muss, dass mein Kind nicht das selbe Spielverhalten an den Tag legt wie ich damals, fällt es mir oft unendlich schwer das zu akzeptieren.
    Ich könnte noch etliche Dinge nennen, die ich teile. Deinen Blog lese ich unheimlich gern und freue mich über jeden weiteren Artikel!

  2. D.S. sagt:

    Liebe Christine,
    ich bin über meine Recherche zum Thema Hochsensibilität auf deinen Blog gestoßen und kann vieles, was Du schreibst nachempfinden. Im Moment kann ich mir keinen mental so anstrengenden Job wie den der Mutter vorstellen, denn selbst im
    anstrengendsten Job hat man schließlich irgendwann mal Feierabend. ;) Mich belasten hauptsächlich das tägliche Gejammer und die ganzen Wutanfälle. Das Gefühl der Fremdbestimmtheit kenne ich eher von meinem Job. Schließlich kann ich selbstbestimmt entscheiden, wie und wo und mit wem ich den Tag mit meinen Kindern verbringe.

    Allerdings würde ich meine Kinder nie nie niemals im Leben wieder hergeben wollen. Ja, sie sind anstrengend (wie Kinder normalerweise eben sind), ja, die haben ihre Macken, Schwächen und Stärken (wie jeder Mensch), aber sie sind die wunderbarsten Wesen, die ich mir vorstellen kann! Sie sind klug und witzig, sie sind willensstark, liebevoll und einfach nur liebenswert. Ich bin dankbar für das was gut klappt und versuche das, was schlecht läuft, nicht in den Vordergrund zu stellen. Ich arbeite hart an mir selbst, um ihnen eine gute Wegbegleiterin für ihr Leben zu sein und ich bin neugierig auf die Entwicklung, die sie einschlagen werden. Übrigens kann mein Großer auch noch nicht allein spielen, aber ich glaube, das ist normal in dem Alter.

    Was mich interessieren würde:
    Geht es deinem Mann eigentlich genauso wie dir? Würde er sich auch für ein kinderloses Leben entscheiden, wenn er nochmal vor der Wahl stünde?
    Was waren deine Gedanken, als du dein zweites Kind bekamst? da hattest du ja bereits einen guten Einblick bekommen, was es heißt, Mutter zu sein.
    Und zu guter Letzt die Frage: denkst du, dass deine Kinder etwas von deinen Gefühlen merken? Oder versuchst du sie zu verbergen? Wird dieser Blog hier jemals für sie zum Thema?
    Vielleicht sind das hier ziemlich viele Fragen…verzeih!
    Viele Grüße
    D.S.

    1. Christine sagt:

      Hallo meine Liebe,

      ich danke dir für deine persönliche Geschichte, die du uns anvertraut hast und deine vielen Fragen! Ich habe sie in einem eigenen Blogbeitrag beantwortet. Verzeih‘ bitte, dass es so lange gedauert hat!

      Liebe Grüße
      Christine

  3. Chrissi & die Zwillinge sagt:

    Hallo du Liebe!
    Ich habe deinen Artikel hier mal wieder mit sehr viel Interesse gelesen, weil du mir so oft aus der Seele sprichst. Mein Sohn kann sich im Gegensatz zu meiner Tochter auch nicht allein beschäftigen. Er hat, das glaubt auch kaum einer, auch noch nie wirklich gespielt. Seine Schwester ist für ihn das Tor zum sozialen Miteinander, weil er selbst nur schwer Beziehungen/Kontakte knüpfen und zulassen kann – selbst wenn andere Kinder sich für ihn interessieren und mit ihm spielen möchten – er weiss eben nicht, wie spielen funktioniert. Seit er 1,5 Jahre alt ist, spricht er unentwegt. Er stellt Fragen über Fragen (tolle Fragen!) und ist eigentlich am Liebsten mit älten Kindern oder Erwachsenen zusammen, die seinen Drang nach Input stillen können. Unsere Tochter ist von ihm genau das Gegenteil – sie ist so, wie ich früher war: sie ist gern mit sich allein in ihrem Zimmer, bei einem Hörspiel am Schreibtisch sitzend vor einem Bild, das sie gerade malt. Ich habe meinem Sohn schon eine Uhr gestellt und ihm gesagt, dass ich mal Zeit für mich brauche, ich den Haushalt machen muss und er bitte auch spielen gehen soll. Was für andere Kinder normal ist, ist für ihn unnormal. Er fleht mich dann quasi an, mir doch bei allem helfen zu dürfen (was er wirklich auch tut!), statt allein in sein (sehr schönes!) Kinderzimmer zum Spielen zu müssen. Als ich ihm die Uhr stellte, saß er weinend davor in seinem Zimmer und schaute dieser beim Runterzählen zu, so eine Qual war das für ihn ohne mich zu sein – obwohl es nur für 20 min gewesen wäre! Natürlich verwehre ich schlussendich meinem Sohn den Kontakt nicht zu mir, aber er zwingt mich zur permanenten Konzentration auf ihn. Diese Konzentration bringt mich innerhalb von 20 min, nachdem beide Kinder von der Schule kamen, zur Erschöpfung und dem ersten verbalen Ausraster. Ich kann einfach nicht verstehen, wieso ihm Ruhe & Zeit für sich nicht wichtig sind, wenn doch genau ICH mich danach sehne jeden Tag !! Meine Kinder sind inzwischen fast 7,5 Jahre alt und ich sehe bei meinem Sohn keine Tendenzen in eine andere Richtung. Ich hoffe so sehr, dass sich bald ein wirklich fester Freund für ihn in seiner Schulklasse findet. Wenigstens einer, mit dem er sich auch am Nachmittag mal treffen kann in Zukunft. Hat er Besuch von Freunden, weiß er oft nicht was er mit ihnen in seinem Zimmer anfangen soll. Alles, was ich ihm vorschlage, findet er dann aber auch nicht gut genug. So ist es schon oft so gewesen, dass seine Kumpels aus dem Kindergarten allein in seinem Zimmer spielten und er lieber mit mir zusammen sein wollte. Das einzige was ihn von mir ablenkt, ist der Fernseher. Am Wochenende für mich und meinen Mann kein Problem beiden Kindern das mal zu gestatten, aber jedes Mal wenn er nicht Spielen möchte?? Das ist für mich absolut keine Option, weil es schlichtweg ungesund vom Eigentlichen ablenkt! Ich empfinde leider aber nie dieselbe Lust mit ihm so viel & ausdauernd zusammen sein zu wollen wie er sie mir gegenüber empfindet. Ich habe deswegen auch ein verdammt schlechtes Gewissen, aber so bin ich nun mal! Ich bin hochsensibel und ich brauche in erster Intanz meine Ruhe für einen funktionierenden, freien Geist! Mein Mann ist ein introvertierter Hochsensibler und ich bin extrovertriert hochsensibel. Ich habe gern Freunde & Familie um mich herum und kann mich stundenlang tiefgründig unterhalten – ein bisschen wie mein Sohn, oder !? Aber mein Mann und ich haben beide in unserer Kindheit viel Zeit auch mit uns selbst verbracht und gespielt über Stunden mit ein und denselben Dingen. Ich vermisse das bei meinem Sohn und ich kann mir einfach nicht erklären, wieso er so anders geworden ist bei unseren Genen. Herzliche Grüße mal wieder, Chrissi & die Zwillinge

    1. Christine sagt:

      Liebe Chrissi,

      ich hab mich gefreut, mal wieder von dir zu lesen :)
      Und ich könnte auch alles so unterschreiben!! Vor allem das schlechte Gewissen, meinem Sohn gegenüber, nicht so viel Zeit mit ihm verbringen zu wollen, wie er mit mir gerne möchte. Mir geht es genauso wie dir, nur, dass ich nicht erst nach 20 Minuten völlig ausgelaugt bin ;-)
      Es ist eben etwas anderes, ob man „nur“ Kinder hat oder solche, die permanent Aufmerksamkeit benötigen. Seit Montag ist unser Jüngster, der sich auch gerne mal alleine mit sich beschäftigt, alleine bei uns zuhause, weil mein Großer die Herbstferien bei seiner Oma verbringt. Ich habe zum ersten Mal im Leben das Gefühl: „So fühlt sich das also im „Normalzustand“ mit Kindern an!“ Natürlich geht es auch nicht alles stressfrei zu, aber wesentlich entspannter, so dass auch immer mal wieder Minuten zum Durchatmen habe.

      Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und denke an dich ♡

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