Lebensfragen

Ist ab jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Eine Mutter, die zuvor noch einen fast unhörbaren Seufzer des Unmuts hervorstieß, wenn das Wochenende nahte und nun mit einem Freudenschrei die Kinderzimmertüren aufreißt, um endlich zwei Tage am Stück mit ihren Kindern spielen zu können. Eine Mutter, die ohne Murren die Taschentuchfetzen aus Waschmaschine und nasser Wäsche befreit und dabei mit einem Lächeln auf den Lippen sagt: „So sind Kinder eben.“ Eine Mutter, die früher die Mutterrolle bereut hat und sich nun auf die Seite der zufrieden gurrenden Vollblutmamis geschlagen hat.

Du glaubst, so ginge es jetzt bei uns zuhause zu? Friede, Freude, Eierkuchen und nur noch grinsende Gesichter?

Ich könnte es dir nicht verdenken, immerhin habe ich in meinem letzten Blogbeitrag von meiner -für mich selbst immer noch unglaublichen- Wandlung berichtet, als sich ein Schleier des Friedens über mich legte und ich endlich, nach über sechs Jahren Muttersein, die Mutterrolle annehmen konnte.

Nicht, weil Jemand gesagt hat, ich solle doch endlich das Muttersein genießen. Sondern, im Gegenteil, weil ich mir endlich ehrlich eingestehen konnte, dass ich eben nicht gerne Mutter bin.

Und dann lebte ich zwei Wochen lang aus einem Gefühl der Sicherheit, des Annehmens, des Friedens heraus meinen Alltag. Schmierige Kinderhände am Pullover abgewischt waren für mich keine Katastrophe, sondern lediglich ein Grund, die Waschmaschine nochmal anzuschmeißen. Handfeste Zankereien zwischen den Geschwistern ließen mich nicht gleich selbst losmeckern, sondern weckten die vermittelnde Streitschlichterin in mir. Selbst den Sonntagvormittag verbrachte ich aus eigener Motivation alleine mit den Kindern auf dem Spielplatz, während der Mann mal seine verdiente Pause für sich nutzte.

Aber irgendwann waren auch meine Akkus wieder aufgebraucht, denn in meiner neuen Euphorie unterschätzte ich den Kraftaufwand, den mich die Kinderbetreuung kostete.

Ist ab jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen?Und dann kamen die Sommerferien. Drei Wochen vierundzwanzig Stunden immer von mindestens einem Kind umgeben überdeckten meine Lust am Muttersein ziemlich schnell wieder.

Es waren nicht die einzelnen schmierigen Hände, abgewischt am Pullover, es waren nicht die einzelnen Streitereien und nicht die einzelnen Spielplatzbesuche. Es war die geballte Ladung von all dem, den ganzen Tag über, wo vor den Ferien auch mal Phasen der Ruhe und des Rückzuges möglich waren.

Gerade die Sommerferien waren eine wirklich harte Prüfung für meine neue Akzeptanz der Mutterrolle.

Ich hörte mich immer mal wieder schimpfen, fluchen und mit Türen knallen. Ich sah mich augenrollend und mit genervtem Blick am Tisch sitzen. Ich fühlte das mir so bekannte Gefühl, die Mutterrolle wieder ablegen zu wollen.

Und dennoch hat sich etwas bei mir geändert.

Es fühlt sich nicht mehr so ausweglos an.

Ist ab jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen?Die Akzeptanz der Mutterrolle ist da! Tief in mir drin. Wenn nun wahrscheinlich auch wieder ein wenig verschüttet. Aber es gibt diesen Grundzustand und ich weiß noch genau, wie er sich anfühlt. Und ich weiß, dass der Weg dorthin „Bedingungslose Annahme der jetzigen Situation“ lautet. Das Wissen darum hat mich in diesen Ferien nicht so tief fallen lassen.

Und es ist genau dieses Wissen, das mich weiter durch meinen Alltag tragen wird. Ich weiß, dass ich als freiheitsliebende Mutter weiterhin gut auf mich achten muss, um wieder schneller zu meinem Grundzustand, dieser Annahme der Mutterrolle, zurückfinden zu können.

Nur, weil ich die Mutterrolle akzeptieren kann, heißt das nämlich nicht, dass ich ein neuer Mensch, frei von jeglichen Bedürfnissen und Sehnsüchten, geworden bin.

Und diese Erkenntnis finde ich ganz wichtig! Auch, wenn ich gerne Mutter bin, heißt das noch lange nicht, dass ich mich selbst aufgeben möchte, nur, weil andere Mütter das aus tiefstem Herzen gerne tun. Jede Mutter ist anders. Muttersein ist kein Wettbewerb. Jede Mutter hat andere Vorstellungen, Vorlieben, Emotionen und ihre individuelle Biographie.

Und dennoch eint uns alle, dass wir unsere Kinder gut aufwachsen sehen wollen, auf dass sie zu glücklichen Menschen heranwachsen.

Ich habe erkannt, dass ich, trotz Annahme der Mutterrolle, nach wie vor ein freiheitsliebender Mensch bin. Das bedeutet, dass ich auch weiterhin meinen Bedürfnissen nach Rückzug und Selbstverwirklichung nachgehen möchte (und das schließt die Fremdbetreuung meiner Kinder mit ein) – und auch muss, um auch in Zukunft sowohl Freude am Muttersein zu haben, als auch mir selbst treu bleiben zu können.

Und Friede, Freude, Eierkuchen gibt’s doch eh nur auf Instagram-Fotos, oder?

4 Gedanken zu „Ist ab jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen?“

  1. Sabine M-B sagt:

    Genauso war unser Urlaub.Alles abgestimmt auf meinen Sohn.Papa aus dem Balkan muss Prinz wünsche erfüllen .Wenn die erfüllt waren ,wo ich ja ständig mit involviert wurde,musste Vatter sich mal im Meer entspannen während ich mit Kind ins Hotelzimmer ging für sein Mittagschläfchen..12 Tage an Kinderpools und mitbeobachtend wie die Mamas darin aufgingen ihren Kindern den Pool noch spannender zu gestalten.
    Ich liebe meinen Zwerg aber er ist sooo einschneidend in mein Leben gekommen dass ich seit 4,5 Jahren keinen Tag habe an dem ich nicht weglaufen möchte und nicht mehr zurückblicken.Zuhause angekommen war auch noch 3 Wochen Kita zu.Das hatte ich bei der Buchung komplett außer acht gelassen.Der Morgen alleine ohne Kind ist wunderbar aber zu kurz bis 12. Leider musste ich Kitarestplätze nehmen ganztags wäre ein Traum.Dann wäre ich nicht schon wieder (eigentl. immernoch ) Urlaubsreif.

  2. SilkeAusL sagt:

    Ich genieße gerade 3 Wochen „Single“-sein.
    Naja nicht ganz.
    Ich muss wieder arbeiten, nachdem ich die Kinder die ersten 3 Wochen der Sommerferien hatte(die Große hat zwar beim Vater geschlafen, aber tagsüber war sie hier). Als mein Urlaub begonnen hat, war ich kurz vorm Zusammenklappen, da ich zusätzlich noch 3 Wochen anstrengende Urlaubsvertretung hinter mir hatte. Aber statt mich erholen zu können, waren nun 3 Wochen „Ferienbetreuung“ statt Urlaub angesagt. Die erste Woche sind wir(ich alleine mit den Kindern)dann auch gleich weggefahren- ein Fehler. Morgens um 6 war die Nacht zu Ende(war ja aus den Wochen davor bei den Kindern noch so drin…)und ich bin prompt erstmal krank geworden, sodass ich den Samstag, als wir zurückgefahren sind, so gerade noch nach Hause gekommen bin. Erholung und auskurieren war natürlich auch dann nicht angesagt, weil ja Ferien sind und die Kinder bespaßt werden wollen.
    JETZT, wo ich wieder arbeiten muss, da habe ich quasi Urlaub und merke: ohne Kinder ist es echt entspannter. Und wer ohne Kinder über Stress jammert, weiß gar nicht, wie gut er es hat! Arbeiten so lange, wie man „will“, morgens früh anfangen und nicht zur Hauptverkehrszeit- ein Traum!! Sich auf dem Rückweg nicht stressen zu müssen, weil man die Kinder sonst nicht pünktlich abholen kann. Nach Hause kommen, und sich erstmal hinsetzen und die Ruhe genießen können (wenn die Nachbarn mich lassen…Ohne die Kinder würde ich einfach umziehen…). Ein Traum. Der übernächste Woche schon wieder zu Ende ist.
    Wer „nur“ die paar Stunden vormittags für sich hat, der hat es schon gut. Auch wenn es einem wenig vor kommt.
    Ach so. Ich bin die 3 Wochen jetzt übrigens nicht komplett alleine. Die Kinder waren letzte Woche eine Woche im Urlaub, dann Montag oder Dienstag Nachmittag bei mir und die Kleine hole ich heute Nachmittag bis wahrscheinlich Sonntag zu mir, weil sie lieber bei mir ist. Und Montag früh klingelt(freiwillig)um 4:45 der Wecker. Ich könnte auch später anfangen, aber o.g.Gründe sprechen für sich. Statt einer halben Stunde zur Autobahn nur 15 Minuten, statt 20-25 Minuten Autobahn nur 15 Minuten…Das bleibt mir quasi immer „verwehrt“ die nächsten Jahre.

    Auch wenn sich der Vater „kümmert“, bin ich hauptsächlich alleine mit den Kindern unter der Woche und auch für die „Organisation“ zuständig: Arzttermine, Betreuung, Schule, Kindergarten.
    Bindet Euren Mann mehr ein, wechselt Euch ab mit den „Auszeiten“, auch wenn es Verzicht bedeutet, damit jeder was davon hat und auch gerne mal die Kinder übernimmt. Ich habe diese Möglichkeit nicht wirklich.

    Gruß Silke

  3. Chrisi sagt:

    Hallo Christine, Du sprichst mir aus der Seele. Endlich mal Eine, die nicht alles verschleiert und sagt, dass es mit den Kids nur rosig läuft. Und es keinen Stress gibt. Ich liebe meine Kinder überalles, aber sie können einen auch manchmal auf die Palme bringen. Aber wenn sie einen dann mit Engelsaugen anschauen oder sich gegenseitig in den Arm nehmen und sagen, dass sie sich lieb haben, dann ist alles andere wieder vergessen.
    Aber, wie du schon sagtest, ist man nicht nur Mama, sondern auch noch Ehefrau, Freundin, Arbeitskollegin…. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, dies meinen Kindern auch zu vermitteln, dass „Mama auch mal ihre Freizeit braucht“. und dann gehe ich mit einer Freundin einen Kaffee tringen, oder mit den Ehemann ins Kino. und die Kids sind dann in einer Betreuung. Nur wenn es uns Müttern gut geht( wir ausgeglichen sind), dann geht es auch unsern Kids gut.
    LG

  4. Birgit sagt:

    Stimmt. Leben ohne Kinder ist um einiges stressfreier und erholsamer. Kinderlose können sich den Grad der Arbeit und des Einsatzes nicht im Traum vorstellen….Vollzeit Arbeiten gehen ohne Kinder ist nicht wirklich anstrengend, denn man hat die Pausen Abends / Nachts und am Wochenende und den Urlaub; wenn man krank ist, dann darf man sich einfach ins Bett legen und kann schlafen. Eltern müssen IMMER arbeiten. Nachts, frühmorgens, abends, mittags, nachmittags, am Wochenende, Feiertags, im Urlaub, wenn sie krank sind… Ausser sie trennen sich und teilen sich die Erziehung 50/50. Dann hat jedes Elternteil die Chance auf Erholung….
    Die Leistung von Eltern und speziell Müttern wird aber in unserer Gesellschaft nicht gewürdigt sondern eher noch bestraft…

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