Lebensfragen

Im siebten Jahr Mamasein: Ich nehme die Mutterrolle an

„Es war einmal ein Vogel, der wünschte sich nichts sehnlicher als zwei Küken. Eines Tages fand er zwei Eier in seinem Nest. Nacheinander brütete er sie aus. Aber als die Küken geschlüpft waren, da legte sich ein Käfig über die kleine Vogelfamilie und mit ihm eine große Schwere. Wo vorher Gezwitscher und Vogelgesang vernehmbar war, herrschte nun Traurigkeit und Entsetzen. Der Vogel empfand plötzlich eine große Wehmut. Der Käfig hielt ihn gefangen und seine Freiheit schien dahin. Er rüttelte so fest er konnte an den Käfigstäben, kämpfte wie besessen, aber er fand keinen Ausweg, keine Tür, die ihm das Glück der Freiheit wiederbringen konnte.

So verbrachte er seine Tage am Käfigrand und sah hinüber zu all den anderen Vogelfamilien, die in ihrem Glück den Käfig um sich herum gar nicht wahrzunehmen schienen. Und er fühlte sich elendig mit seinem scheinbar unstillbaren Wunsch nach Freiheit. Die Küken wuchsen heran, aber der Vogel konnte ihre Freude am Familienleben kaum teilen. Seine Flügel fühlten sich an wie gestutzt, seine Kehle wie zugeschnürt, so dass kein fröhlicher Gesang ihr mehr entweichen konnte.

So vergingen die Jahre. Aber erst im siebten Jahr akzeptierte der Vogel, dass er nunmal so war, wie er war. Und er hörte auf, an den Käfigstäben zu rütteln, er unterließ die Blicke auf die anderen Vogelfamilien um sich herum und begann, den Kampf gegen sich selbst einzustellen. Und als er so dasaß und alles um sich herum so annahm, wie es war, da geschah es, dass er auf einmal eine Tür zwischen den Gitterstäben bemerkte. Eine offen stehende Käfigtür, die den Blick auf die Welt um ihn herum freigab.

Mit klopfendem Herzen setzte sich der Vogel auf den Rand der Tür, bereit, seiner eigenen Freiheit zu begegnen. Er blickte zurück zu seinen Küken, die inzwischen zu stattlichen Jungtieren herangewachsen waren und ihn freudestrahlend und voller Sehnsucht anschauten. Der Vogel aber verabschiedete sich voller Dankbarkeit von dem Teil, der er gewesen war, spannte seine Flügel weit aus und flog…zurück in den Käfig zu seinen Vogelkindern. Wohlwissend, dass die Freiheit nur im Inneren zu finden ist und die Tür dorthin immer geöffnet bleibt.“

– Christine

Im siebten Jahr Mamasein: Ich nehme die Mutterrolle anManchmal geschehen Veränderungen, wenn man am wenigsten damit rechnet. Ich hatte gerade den Schwerpunkt meines Blogs auf freiheitsliebende Mütter, wie ich es seit der Geburt meines ersten Kindes war, verlagert. Ich hatte beschlossen, in der TV-Dokumentation von Kristina Schippling mitzuwirken und über meine Erfahrungen bzgl. Regretting Motherhood zu berichten.

Die Mutterrolle bereuen, das tat ich von Anfang an, auch, wenn ich lange Zeit keinen Namen dafür hatte und es mir selbst auch erst spät eingestehen konnte. Bis zum Jahr 2015, als mit Orna Donath’s Studie der Begriff „Regretting Motherhood“ eingeführt wurde. Ja, ich bedauerte es jeden Tag, Mutter geworden zu sein, ich wünschte mir jede Sekunde mit allen Fasern meines Seins die Freiheit der kinderlosen Zeiten zurück.

Die Liebe zu meinen Kindern war da, aber sie war verschüttet von all dem Stress, der auf mich einprasselte. Meine permanent überreizten Sinne meines hochsensiblen Wesens litten Tag für Tag an dem Geschrei und dem Genörgel meiner Kinder. Meine Bedürfnisse nach Ruhe und Alleinsein kamen viel zu kurz. Und meine eigene Geschichte aus der Kindheit machte es mir schwer, mich auf das Niveau von Kleinkindern zu begeben.

Dass ich jemals die Mutterrolle akzeptieren könnte, diese Vorstellung lag für mich in weiter Zukunft. Vielleicht, wenn die Kinder älter wären. Ich sinnvollere Gespräche mit ihnen führen könnte. Oder wenn sie selbstständiger wären. Der Wunsch, die Mutterrolle endlich akzeptieren zu können, war immer da, aber Wille und Wunsch alleine reichten für eine Veränderung nicht aus.

Im siebten Jahr Mamasein: Ich nehme die Mutterrolle anUnd doch, obwohl ansonsten von Außen betrachtet keine Veränderungen sichtbar waren, wandelte sich vor ein paar Wochen etwas in mir. Ganz leise und unscheinbar, wie eine sanfte Brise in meinem Inneren, die einen fremden Wind herbeiträgt. Kein Donnergrollen, kein großes „Hallo“. Stattdessen die Gewissheit, noch leiser als ein Flüstern, dass sich in mir etwas verändert hatte.

Ja, ich nehme die Mutterrolle an. Ein ganz neuer Zustand. Auf paradoxe Weise fühlte ich mich plötzlich frei. Nicht frei von der Mutterrolle, sondern frei von dem inneren Kampf, den ich seit über sechseinhalb Jahren täglich gegen die Mutterrolle führte.

Im Spielfilm hätte jetzt eine geheimnisvoll-dramatische Musik das Prozedere unterlegt. Über der Hauptfigur wäre der Himmel aufgegangen und der Film hätte seinen finalen Höhepunkt erreicht, indem alle fortan lachend bis zum Abspann dem Horizont entgegengelaufen wären.

Das alles passierte bei mir nicht. Das einzig Sichtbare war vielleicht die Veränderung an meinem Gesichtsausdruck, wenn man genauer hingesehen hätte: Ein leises Lächeln und ein innerer Friede, der sich auf meinem Gesicht ausbreitete. Der Moment der Wandlung, des Verstehens, was da gerade mit mir passierte, dauerte wahrscheinlich nur ein paar Sekunden, lange genug, dass ich es begreifen konnte, um augenblicklich wieder zum Alltag zurückzukehren. Und dennoch: Die Tür hatte sich aufgetan und steht auch fortan offen.

Im siebten Jahr Mamasein: Ich nehme die Mutterrolle anAls ich meinem Mann davon erzählte, war er ganz gerührt und meinte, es fühle sich von der Stimmung gerade wie ein Heiratsantrag an. Ich wusste genau was er meinte. Für mich war es auch, als hätte das Leben mir nach sechseinhalb Jahren einen feierlichen Antrag gemacht. „Möchtest du mit mir den Bund des Mutterdaseins eingehen?“ Ja, ich will. Jetzt bin ich bereit dafür.

In den letzten Wochen habe ich mich im Blog bewusst zurückgehalten, ich hatte anfangs Bedenken, dass meine neugewonnene Akzeptanz nur eine Momentaufnahme ist, ein kurzer Wimpernschlag des Glücks, der sich mir im Beisein meiner Kinder in den letzten Jahren nur selten gezeigt hat. Ich weiß jetzt, dass es nicht so ist.

In mir hat sich grundlegend etwas verändert. Ich verspüre keine Panik mehr, wenn ich an die bevorstehenden Sommerferien oder an Dienstreisen meines Mannes denke. Ich sehe den Zeiten mit meinen Kindern gelassener entgegen und freue mich inzwischen sogar auf die gemeinsamen Stunden im Alltag mit ihnen. Nicht immer, aber immer öfter. Ich fühle mich nicht mehr als Opfer der Mutterrolle, sondern ihr gewachsen. Ich akzeptiere, dass zum Mamasein ein größerer Aufwand, verbunden mit Fremdbestimmtheit, dazugehört.

Und dennoch: Ich bin nach wie vor ein freiheitsliebender, hochsensibler Mensch. Meine Kinder stellen auch nicht weniger Blödsinn an als vorher und sind immer noch in einem Alter, das mich sehr fordert. Ich muss also gut auf mich und meine Bedürfnisse achten und mir genug Pausen im Alltag gönnen.

Im siebten Jahr Mamasein: Ich nehme die Mutterrolle anUnd das werde ich fortan ohne schlechtes Gewissen tun. Wohlwissend, dass ich nur entstresst meinen Kindern die Aufmerksamkeit, die aus vollem Herzen kommt, schenken kann. Aber dann kommt sie eben unverkrampft und ohne Fluchtreflex.

Ich freue mich und bin so sehr dankbar für das, was mir widerfahren ist. Und ich bin mir sicher, dass dies nur möglich war, weil ich mich selbst, meine Gefühle und meine Situation genauso akzeptiert habe, wie sie sind. Egal wie furchtbar das Hier und Jetzt sein mag, Veränderung kann nur stattfinden, wenn ich den derzeitigen Zustand annehmen und sagen kann: Es ist so und das ist ok.

Das ist die Basis. Ich vertraue mir und meinen Bedürfnissen und gehe ihnen nach, wie ich es kann. Alles andere lasse ich los und vertraue darauf, dass alles so geschehen wird, wie es richtig für mich und meine Lieben ist.

17 Gedanken zu „Im siebten Jahr Mamasein: Ich nehme die Mutterrolle an“

  1. Jessica sagt:

    Ich verfolge deine Seite schon seit einiger Zeit und du sprichst mir mit so vielem aus der Seele. Auch mir fällt es schwer die Fremdbestimmtheit der Mutterrolle, die teilweise Aufgabe des eigenen Ichs und das Zurückstellen meiner Wünsche und Sehnsüchte zu akzeptieren. Ich fühle mich schnell gestresst, habe das Gefühl meinem Kind nicht gerecht werden zu können und empfinde den ganzen Alltag oft als einen Spießroutenlauf.

    Mein ganzer Körper und Geist wünschen sich Ruhe, Zeit für mich, nichts tun, nicht die Verantwortung tag ein tag aus für ein anderes Menschenleben zu übernehmen.

    Ich liebe mein Kind und möchte es nicht missen, aber mein altes Leben fehlt mir genauso sehr. Seit fast 4 Jahren bin ich Mutter und empfinde bei der Nachricht anderer, wenn sie schwanger sind, teilweise Mitleid, dass wieder ein selbstbestimmtes Leben zu Ende ist. Dafür schäme ich mich dann oft. Redet man offen darüber in der Gesellschaft, wird man schief angesehen und oft noch verurteilt dafür.

    Ich bin ein Mensch mit Sehnsüchten, Wünschen, der viel Raum für sich selbst braucht. Ich freue mich auf die Zeit, wenn mein Kind älter sein wird und ich wieder Stück für Stück mein altes Leben teilweise zurück bekommen werde.

    1. Christine sagt:

      Liebe Jessica,

      danke, dass du hier so offen von deinen Gedanken und Gefühlen sprichst, ich kenne sie selbst nur zu gut.
      Du musst dich nicht schämen, weil du Mitleid mit anderen Schwangeren empfindest. Im Grunde schenkst du ja dir selbst in dem Moment Mitleid, weil es dich an deine eigene Situation erinnert und das ist auch nicht verwerflich. Vielleicht empfinden die anderen Mütter ihr neues Leben ja gar nicht als so eingeschränkt, also musst du dich überhaupt nicht schämen. Und selbst wenn sie sich später ähnlich fremdbestimmt fühlen, hat das ja nichts mit deinen Gefühlen/Befürchtungen zu tun. Im Gegenteil, du wünschst ihnen ja nur das Beste!

      Ich wünsche dir weiterhin alles Liebe und vor allem viel Zeit für dich und deine eigenen Sehnsüchte und Träume.

      Viele Grüße
      Christine

  2. Anika sagt:

    Hast du auch nur den Hauch einer Idee wie diese Wandlung entstanden ist?

    1. Christine sagt:

      Hallo Anika,

      wie gesagt glaube ich, dass diese völlige Akzeptanz, dass ich die Mutterrolle bereue und ein freiheitsliebender Mensch mit eigenen Bedürfnissen bin, der Schlüssel zu dieser Wendung war. Wobei auch das ein längerer Prozess war. Das erste Eingeständnis kam etwa 2015 und seitdem gab es immer wieder ein Auf und Ab, mal konnte ich es mir eingestehen, mal wollte ich es nicht wahrhaben. Ich glaube, je länger man seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse leugnet und unterdrückt, desto länger dauert der ganze Prozess.
      Mir hat es sehr geholfen, mich meinem inneren Kind zuzuwenden (ein Begriff aus der Psychologie, vielleicht hast du schon einmal etwas davon gehört?) und mir die Freiräume zu nehmen, die ich brauche, statt auf Meinungen zu vertrauen à la: ich solle doch bitte endlich mal die Mutterrolle akzeptieren bzw. einfach mal die schönen Seiten daran erkennen und mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Wenn etwas nicht geholfen hat, dann das, mich krampfhaft für meine Kinder zu verbiegen. Im Grunde war es genau das Gegenteil, dieses erstmal-bei-mir-selbst-ankommen, was den Grundstein zur Veränderung gelegt hat. Und um nochmal zum inneren Kind zurückzukommen: Es ist ein längerer Prozess (zumindest bei mir war es das), dem inneren Kind die Sicherheit zu geben, dass ich seine Bedürfnisse wahrnehme und versuche umzusetzen. Ein einzelnes Eingeständnis: „Ja, ich bin freiheitsliebend und akzeptiere meine Gefühle“ reicht da nicht aus. Es muss zur Grundhaltung werden.

  3. Heike sagt:

    Liebe Christine, ich freue mich sehr für dich! Ich verfolge deine Beiträge immer, allerdings still, weil ich nicht möchte dass jeder sieht wie es in mir drin manchmal aussieht. Ich kann bei mir eigentlich nicht von regretting motherhood sprechen, aber der Käfig kommt mir sehr bekannt vor. Ich habe eine kleine Tochter und sie vor 3 Monaten erst abstillen können. Seit dem ist diese Käfigtür auf einmal da und mir geht es viel viel besser. Ich gebe meiner Tochter nicht mehr „die Schuld eingesperrt zu sein „. Wenn ich das schreibe, schäme ich mich dafür.. das kleine Mädchen, welches ich mir so sehr gewünscht habe und dann fehlte in der Schwangerschaft schon plötzlich die Vorfreude. Ein ängstliches abwarten, begleitet vom Käfig.. keine Sekunde habe ich bereut, aber den Käfig bedauert und gehasst und neidisch glückliche Familien beobachtet, denen all das nichts ausmacht..
    Ich danke dir für deinen Blog, ich werde deinen Weg weiter verfolgen und wünsche dir viel Freude auf deinem neuen Weg.
    Alles Liebe,
    Heike

    1. Christine sagt:

      Liebe Heike,

      auch dir wünsche ich, dass du dich nicht für deine Gefühle oder Gedanken schämst, weil du deiner Tochter die „Schuld“ gegeben hast an der eingeengten Situation, in der du dich damals so extrem befunden hast. Du fühltest dich eingesperrt und ohne dein Kind wärst du nicht in dieser Situation gewesen. Natürlich kann deine Tochter nichts dafür (und du bist auch nicht schuld daran, nur, weil du sie auf die Welt gebracht hast). Es war nun einmal die Situation. Und da ist es meiner Meinung nach nur selbstverständlich, dass du deinen Missmut augenscheinlich gegen das „Objekt“ (in dem Fall deine Tochter) gerichtet hast, das dieses Gefühl des Eingeperrtseins bei dir ausgelöst hat. Ich glaube das ist zutiefst menschlich, auch wenn es wichtig ist, dann zu differenzieren.

      Ich freue mich sehr für dich, dass es seit dem Abstillen schon viel besser geworden ist und wünsche dir auch weiterhin alles Gute!
      Danke für deine lieben Worte, dass du dich mit mir freust! Ich freue mich, dass du gerne bei mir mitliest, wenn auch nur still. Und dass du jetzt den Mut gefunden hast, offen über deine Gefühle zu sprechen. Danke für dein Vertrauen ♥

  4. Angelika sagt:

    Liebe Christine
    wow, ich freue mich so für dich, dass du nun deinen Weg gefunden hast! Ich kann mir deine Freude über die entdeckte Freiheit sehr gut vorstellen. Auch ich habe im letzten Jahr einen gedanklichen Wandel durchgemacht und schaffe es inzwischen meinen Bedürfnissen mehr Raum zu geben.
    Ich wünsch dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg in der Freiheit!
    Angelika

    1. Christine sagt:

      Liebe Angelika,

      danke, dass du dich mit mir freust :)
      Deine Veränderungen klingen auch nach mehr Freiheit für dich, in welcher Hinsicht auch immer. Das freut mich auch zu lesen!
      Alles Liebe auch dir weiterhin und danke für deine Grüße.
      Christine

  5. Claudia sagt:

    Liebe Christine, gerade erst habe ich deinen Blog entdeckt und eine ungeheure Erleichterung verspürt als ich gelesen habe was du wie eins zu eins aus mir geschrieben hast. Ich habe deinen Text zu Regretting motherhood direkt an meinen Mann geschickt und mit seinem völligen Übereinstimmen, dass das mich beschreibt bin ich den zweiten Schritt der Erleichterung gegangen. Ja es gibt andere, die fühlen wie ich und ja, der Mensch der mir am nächsten steht ist sich meiner Gefühle absolut bewusst und ihnen gegenüber völlig akzeptant. Eins. Zwei.
    Nun habe ich mich an deinen Texten festgelesen und diesen ganz neuen Beitrag deiner aktuellen Realität gefunden. Erst einmal freue ich mich sehr für dich und bewundere ungemein deine reflektierte Selbstbetrachtung.
    Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass diese beiden ersten Schritte, die fühlen in mir ausgelöst hast der Beginn meines langen Weges sein können.
    Ich will mehr denn je eine Therapie beginnen um auch mein inneres Kind zu heilen.
    Ich danke dir so sehr dafür, dass du so viel mit uns teilst!

    1. Christine sagt:

      Liebe Claudia,

      sicherlich war es kein Zufall, dass du zu dem Zeitpunkt, in dem du bereit für Veränderungen warst, auf meinen Blog gefunden hast – sei herzlich Willkommen!
      Es freut mich wirklich sehr zu lesen, dass meine Texte auch bei dir so viel anstoßen und du nun bereit für weitere Schritte bist. Bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten wünsche ich dir viel Glück und auch Durchhaltevermögen – der Erste muss nicht immer der Beste sein! Höre gut auf dein Gefühl, ob er (oder sie) so wertschätzend auf dich eingeht, wie du es dir wünschst und ob du dir vorstellen kannst, dich ihm oder ihr gegenüber ganz zu öffnen.
      Wenn du dich schon mal gerne mit dem Thema Inneres Kind auseinandersetzen möchtest kann ich dir diese Bücher empfehlen:
      Susanne Weik: „Kraftquelle Inneres Kind“, Renate Seifarth: „Heile das Kind in dir“ (mit buddhistischer Meditation) und Stefanie Stahl: „Das Kind in dir muss Heimat finden“ (inkl. Arbeitsbuch). Vielleicht ist ja was für dich dabei!

      Lieben Dank für deine Worte und deinen Mut, hier öffentlich von dir zu schreiben!
      Viele Grüße
      Christine

  6. Lisa sagt:

    Liebe Christine,
    das freut mich sehr zu lesen – manchmal kommt eine Wende genau dann,wenn man akzeptiert und loslässt.Bei mir war die größte Schwierigkeit immer die emotionale Fremdbestimmung.War mein Kind guter Laune,war ich es auch.Was allerdings viel häufiger war,dass sie durch Weinen und Wutanfälle meine Stimmung festlegte,sodass ich oft morgens schon ängstlich schaute wie ihre Laune war.Bei mir kam der Umschwung ganz plötzlich und ich konnte meine Gefühle auf einmal von ihren abkoppeln.Was natürlich nicht heißt, dass sie mir egal sind,aber sie bestimmen nicht mehr meinen Tag und seither bin ich deutlich entspannter und glücklicher :) Grüße nach oben vom Bodensee!

    1. Christine sagt:

      Liebe Lisa,

      ohja, das mit dem Anpassen an die Stimmungen des Kindes (gerade im Negativen) kenne ich auch nur zu gut! Wenn man da nicht aufpasst, regiert die schlechte Laune dann schnell den ganzen Tag. Umso schöner zu hören, dass bei dir diese Abkopplung, die Differenzierung zwischen deinen Gefühlen und denen deines Kindes, nun funktioniert. Das ist wunderbar! :)
      Liebe Grüße zurück zum Bodensee!

  7. Charlotte sagt:

    In einem deiner letzten Beiträge, liebe Christine, hattest du erwähnt, dass du auf der Suche nach einer Tagesmutter für deinen Sohn bist, um ihn noch länger fremdbetreuen zu lassen.
    Ich schätze, der Grund, dass es dir jetzt besser geht, hat damit zutun, dass dieses nun geglückt ist??
    Nicht alle Mütter haben die Möglichkeit sich von ihren Kindern so viel Freiraum zu nehmen. Arbeiten ja oder nein tut da erstmal nichts zur Sache. Aber Glückwunsch dass du deine Mutterrolle nun annehmen kannst. Andere können nicht wie du einfach so nach 7 Jahren aus dem Käfig herausspazieren, weil sie die Kinder um sich herum haben! Nicht nur an den Wochenenden oder zum Gute Nacht sagen.
    Da kann man dann noch so schön den Text umschmücken, doch letztendlich geht es doch darum, dass du diese Kinder – abgebe – Möglichkeiten so extrem ausnutzt.
    Ich gönne jedem sein Glück, aber ich glaube dass dieser Beitrag einigen Frauen ein Stich ins Herz war.

    1. Christine sagt:

      Liebe Charlotte,

      also zum einen würde ich das Herausspazieren nicht als „einfach“ bezeichnen. Eine Tür wurde geöffnet (um im Bild zu bleiben), aber der Weg hinaus ist ein Prozess, der sicherlich auch noch einmal seine Zeit dauert.
      Entgegen deiner Vermutung trat dieser Wandel übrigens nicht im Zusammenhang mit noch mehr Fremdbetreuung auf. Die Situation hat sich äußerlich nicht geändert, wir haben nach wie vor keine Tagesmutter und ich betreuue nachmittags meinen Sohn immer noch selbst. Im Gegenteil! Seitdem ich die Mutterrolle annehmen kann, überlege ich sogar, noch mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und schaue mal, ob eine Tagesmutter dann noch nötig ist.
      Mir war es in meinem Beitrag wichtig zu betonen, dass die Akzeptanz der eigenen Gefühle und Bedürfnisse die Grundlage zur Veränderung darstellt. Auch, wenn das nicht automatisch dazu führt, die Bedürfnisse auch nach seinen Vorstellungen umsetzen zu können (z.B. mehr Freiraum als Mutter). Es geht um das Eingestehen dürfen.

  8. Sabrina sagt:

    Liebe Christine,
    das freut mich sehr für dich und deine Familie!
    Meinst du, es liegt daran, dass deine Jungs nun weniger anstrengend sind, weil sie älter geworden sind?
    Oder eher daran, dass du deine Einstellung geändert hast? Und weil du deinen Blog-Schwerpunkt nicht mehr auf die Hochensibilität legen willst (und deine Gedanken sich so vielleicht nicht mehr ständig darum drehen)? Liebe Grüße und weiterhin alles Gute,
    Sabrina

  9. Dorkas sagt:

    Liebe Christine, ich freue mich wirklich für dich, dass du deine Mutterrolle annimmst, ich würde nur so gern wissen, wie genau oder was genau du akzeptiert hast.
    Hattest du irgendwelche positiven Sätze im Kopf oder Mantras.
    Meine Therapeutin sagte immer zu mir, wenn man lernt seine Stärken (gut das ist nicht so schwer) sowie seine Schwächen zu akzeptieren, dann wird der innere Kritiker immer leiser.
    Doch ich habe das Gefühl ich muss mal akzeptieren, dass ich meine Mutterrolle nicht so viel abgewinnen kann, nur ist das nicht die falsche Richtung (da negativ) oder kann die auch zum Ziel führen.
    Muss ich akzeptieren, dass ich mich in meinen Umfeld, eher wie ein Alien fühle, da ich mit dieser Meinung eher alleine dastehe, denn die einzigen Gleichgesinnten finde ich hier. Im realen Leben höre ich gerade noch ein „Die Nächte sind so hart und Kinder sind anstrengend, aber wenn sie dich einmal anlächeln, ist alles vergessen“. Bei mir ist dem oft nicht so, in manchen Situation, muss ich mein Energielevel wieder füllen, damit ich selbstvergessen ihr Lächeln bewundern kann.
    Seit den Medikamenten muss ich sagen, kann ich es auch wieder viel mehr genießen und ich weiß auch, das es den Aufwand wert ist und trotzdem in manchen Punkten, wenn auch nicht in allen, kann ich mit der Mutterrolle nichts anfangen. Die Last ist zum Glück nicht mehr so groß und schwer, aber ob sie jemals weggehen wird, das frag ich mich schon.
    Es ist diese immense Verantwortung, nicht nur für den Augenblick, sondern auch auf die Zukunft gerichtet, jede Handlung, jede Entscheidung trägt dazu bei, ob sich meine Kinder zu glücklichen, selbstbewussten Kindern entwickeln.
    Ich glaub daher kommt auch der Gedanke, dass ich wahrscheinlich eine bessere Erzieherin im Beruf sein werde, als eine Mutter zu Hause.
    Die Verantwortung trage ich in der Zeit, während ich andere Kinder betreue, auch, aber nie in dem Ausmaß, welcher Mensch sich in der Zukunft formt, diese Verantwortung tragen, am meisten die Bezugspersonen.
    Gerade darum, finde ich es so höchst grotesk, wenn Mütter die das nicht verstehen und behaupten, „Regretting Motherhood“ Mütter wären nicht gut für ihre Kinder, wenn gerade diese hochsensiblen Mütter, die trotz alldem ihre Kindern lieben, in Wirklichkeit sich nur den Kopf zerbrechen, wie sie am allerbesten für ihre Kinder da sein wollen.
    Denn wenn mir meine Kinder egal sind, dann brauche ich mir nicht so den Kopf zerbrechen, gerade weil sie das nicht sind, zerbreche ich mir den Kopf um einen Weg zu finden, wie die ganze Familie glücklich wird und der Mensch der halt oft auf der Strecke bleibt, ist die Mutter und sich verbiegt und sich gerade deswegen dann fremdbestimmt etc fühlt. Nicht das Mütter die einen Weg finden, sich nicht zu verbiegen glückliche Kinder haben.
    Nur kann ich nicht die ganze Person, die mich vor den Kindern ausmachte, so meinen Kindern widerspiegeln.
    Zum Beispiel bin ich leidenschaftliche Zockerin (auch so ein Punkt, wo ich keine Mutter kenne, der es ähnlich geht) und die jetzt im Leben mit Kindern, stundenlang vorm Pc spielen würde, dieses Bild will ich Ihnen einfach nicht mitgeben und sie haben mich sicherlich auch schon vorm Pc oder Tablet gesehen, aber nie in dem Ausmaß wie früher. Ein Punkt wo ich mich immens stark eingeschränkt hab, ein Hobby das ich quasi nur dann leben kann, wenn die Kinder schlafen und dann bin ich zu fertig.
    Mein Hobby können wahrscheinlich viele nicht verstehen, aber es war mir immer wichtig, etwas was ich für meine Kinder aufgegeben habe, aber halt nicht gerne. Und zum Glück ist es nicht mein einziges Hobby, aber so lange die Kinder noch so klein sind, kann ich auch anderen Hobbys nicht mehr so nachgehen wie ich das möchte.
    Ich nehme mir das von dir geschriebene, das ganze zu akzeptieren, wirklich zu Herzen, nur weiß ich halt noch nicht, ob die Akzeptanz dessen, dass ich die Mutterrolle so nicht vollständig akzeptieren kann, der richtige Weg ist.
    Vielleicht kannst du mir einen Tip geben?
    Oder vielleicht ist es auch der richtige Weg, dazu zu stehen, dass es für mich momentan, die Mutterrolle wie ich sie empfinde, nicht mein Ding ist und auf die Dinge zu schauen, mit denen ich gut kann in der Mutterrolle und mich darauf zu konzentrieren. Fragen über Fragen, tut mir leid, dass ich dich damit bombardiere.
    Ich freue mich schon, auf jeden Fall, auf weitere Posts von dir und bin gespannt wie dein weitere Weg verläuft.
    Alles Liebe Dorkas

  10. Lena sagt:

    Liebe Christine,
    ich habe deinen Blog erst kürzlich entdeckt und fühle mich wie so viele deiner Leserinnen unglaublich erleichtert, dass andere genauso denken und fühlen wie ich. Das Thema Akzeptanz der Mutterrolle beschäftigt mich auch gerade ganz intensiv, allerdings mit einem ganz anderen Hintergrund.
    Ich denke, dass dieser Prozess, den Frieden mit sich und der Mutterrolle zu finden, ist erst möglich, wenn man den „Krieg“ mit sich selbst vorher auch geführt hat. Das jahrelange Zweifeln, „warum habe ich mir das nur angetan“, totale psychische und körperliche Erschöpfung und trotzdem wieder und wieder weitermachen, … Du hast das in deinen Beiträgen ja alles sehr ausführlich beschrieben, wie wir uns fühlen. Der Käfig, wenn draußen das Leben mit all seinen Möglichkeiten wartet aber die Tür noch zu klein ist, um danach zu greifen. Trotz allem geben uns die vielen kleinen Glücksmomente und Erfolge im Heranwachsen unserer Kinder, die wir in unserem Kampf mit uns selbst meistens gar nicht wirklich wahrnehmen, die innere Kraft, um uns später mit unserer Situation anfreunden zu können. Darum braucht es wahrscheinlich auch einige Jahre, denn die Akzeptanz ist nur dank der gemachten Erfahrungen möglich. Zumindest bei uns „Zweiflerinnen“.
    Bei mir selbst beobachte ich gerade eine ganz erstaunliche Wendung. Auslöser ist die Trennung von meinem Mann, die ebenfalls ein Prozess war und ist und auch noch nicht abgeschlossen ist. Zuerst hatte ich die Gedanken, omg, alleinerziehend, für alles alleine zuständig, vom morgendlichen Zähneputzen bis zur Gutenachtgeschichte. Doch dann kamen nach und nach neue Erkenntnisse: Die Kinder werden ja an jedem zweiten Wochenende und zum Teil in den Ferien gar nicht mehr da sein – was für eine neue Freiheit! Und ich treffe die kleinen alltäglichen Entscheidungen jetzt selbst (dünne oder dicke Jacke? Film gucken ja oder nein? Kochen oder Pizza?) – obwohl mein Mann und ich uns in den meisten Alltagsfragen einig waren, kamen doch immer mal wieder kleine Randbemerkungen, die mich als Hochsensibelchen mehr zum Grübeln gebracht haben, als mir gut tat. Und jetzt? fühle ich mich befreit. Und habe plötzlich viel mehr Freude daran, mich um meine Kinder zu kümmern, da ich ohne Abstimmungen und Kompromisse entscheiden kann.
    Die Trennung ist mein persönlicher Weg und sicher kein gutes Beispiel für andere, aber ich bin fest davon überzeugt, dass eine unglückliche Ehe ein schlechteres Vorbild für meine Kinder ist als eine einvernehmliche, „glückliche“ Trennung. Irgendwie paradox, dass ich erst als Alleinerziehende zu einer glücklicheren Mutter werden konnte.
    Alles Gute, Lena

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.