Lebensfragen

Aushalten der Mutterrolle – Wie dieser Zustand den Kontakt zu mir und meinen Kindern verbaut

„Denkt bitte ans Händewaschen, wir haben doch gerade gegessen!“ Augenrollend rief ich meinen Kindern hinterher, während diese genauso augenrollend auf dem Treppenabsatz kehrt machten und noch einmal genervt nach unten polterten, um ihrer Pflicht im Badezimmer nachzugehen. Und einmal mehr wünschte ich mir die Knopfleiste aus Stefan Raabs „TV Total“-Sendung herbei, auf der man verschiedene Sätze speichern und im passenden Moment per Knopfdruck wieder freigeben konnte. Jede kleine Regel, egal, ob es sich ums Händewaschen nach dem Essen, um das Abtreten der dreckigen Schuhe auf der Fußmatte vor Betreten des Hauses oder um sonst was handelte, hätte einen Platz auf dem Speichermedium verdient. Denn ich war es leid, auch nach acht Jahren meines Mutterseins gefühlte hundert Mal am Tag immer und immer wieder die gleichen Regeln auszusprechen. Ich drückte den (bislang leider nur imaginär vorhandenen) dritten Button von links und meine beiden Jungs bekamen noch die nächste wertvolle Info zugerufen: „Und bitte die Seife nicht vergessen!“ Danach legte sich mein Zeigefinger auf den größten Knopf von allen und ich hörte erneut meine eigene Stimme, diesmal leiser und resigniert: „Wie lange muss ich das eigentlich noch aushalten?“

Aushalten. Wenn es einen Zustand gibt, der das Grundempfinden meines bisherigen Mutterseins am besten beschreibt, dann ist es wohl dieser. Die Säuglings- und Schrei-Zeit meiner Kinder? Aushalten. Die Fremdbestimmtheit, die mir die Luft zum Atmen nimmt? Aushalten. Die regelmäßigen Wutanfälle meines Ältesten? Aushalten. Die nächsten zehn Jahre, bis die Kinder größer sind und ausziehen? Schon wieder aushalten? Kann das der Sinn des Lebens sein? Kann das die beste Strategie einer unglücklichen Mutter sein?

Aushalten. Wer den Begriff genauer beleuchtet, stellt sicher fest, dass dies ein sehr passiver Zustand ist. Man erträgt etwas. Man wartet ab, bis sich die Situation wieder auflöst. Fühlt sich auch manchmal gut an: Decke über’n Kopf und mich verkriechen. So weit so gut. Was aber, wenn das zum Dauerzustand wird? Dann sind wir schnell im traumatischen Bereich angekommen. Dann bedeutet aushalten, dass man droht, den Kontakt zu sich selbst und zum Kind zu verlieren, weil das Ganze zur reinen Überlebensstrategie wird.

Viele freiheitsliebende und bereuende Mütter haben oft selbst traumatische Erfahrungen als Baby und Kleinkind gemacht.

Bei einem Trauma erlebt man eine Situation bzw. eine über einen längeren Zeitraum anhaltenden Periode als überwältigend, weil der Körper im Überlebensmodus „Flucht oder Kampf“ erstarrt, da er eben nicht flüchten oder kämpfen kann. Als Babys können wir in einer für uns bedrohlichen Situation (z.B. in der Existenzangst, nicht geliebt zu werden, weil unsere Mutter uns zu lange schreien ließ oder sich nicht ausreichend kümmern konnte aufgrund eigener Depressionen) nicht wegrennen und auch nicht kämpfen. Es bleibt meiner Meinung nach einzig und allein die totale Erstarrung, das ohnmächtige Aushalten, als Option zum Überleben.

Und wenn wir immer wieder in diesen Zustand gehen müssen, wird diese Spur zu unserer Autobahn, auf der wir uns auskennen, die uns vertraut bleibt, selbst, wenn wir inzwischen erwachsen geworden sind und längst nicht mehr der eigentlichen Gefahrensituation, bei der es ums Überleben ging, ausgesetzt sind. Dann müssen wir nur von unseren Kindern oder im Außen getriggert werden und schon rutschen wir leicht wieder in diesen Zustand, der uns hilflos macht und uns ohnmächtig der Situation ausgesetzt fühlen lässt.

Aushalten der Mutterrolle - Wie dieser Zustand den Kontakt zu mir und meinen Kindern verbautFür mich steht es außer Frage, dass es im Leben Situationen gibt, die jeder Mensch einfach aushalten muss. Der Matheunterricht wird leider nicht abgeschafft, nur, weil ich ihn nicht aushalten kann (oder will). In die lange Schlange an der Supermarktkasse einen Tag vor Heilig Abend muss ich mich auch wohl oder übel einreihen, wenn ich es vorher nicht geschafft habe, den Festtagsbraten zu besorgen. Dann muss ich das Warten aushalten. Und dennoch traumatisiert mich das nicht automatisch. Aushalten ist also grundsätzlich kein toxischer Zustand. Der Unterschied zwischen diesen beiden Aushalte-Zuständen ist der, dass ich bei dem einen nicht langfristig davon Schaden nehme (bis auf die Fünf auf dem Zeugnis und die aufgetauten Fritten in meinem Einkaufswagen) und dem anderen, der sich lebensbedrohlich für mich anfühlt und noch Jahre später Auswirkungen auf mein Leben hat, solange das Ganze nicht aufgearbeitet wurde.

Bei dem einen kann ich mich persönlich weiterentwickeln (z.B. indem ich mich an der Supermarktkasse in der Ausübung von Geduld und Gelassenheit übe), im Gegensatz zu dem traumatischen Aushalten, bei dem es keinen Ausweg, keine Entwicklung zu geben scheint.

Wer unter einem (Entwicklungs-)Trauma leidet, der wird meines Erachtens nach auch das Gefühl des ohnmächtigen Aushaltens kennen. „Ich kann ja machen was ich will, es ändert sich ja doch nichts“ sind die Gedanken, die sich dann gerne in unseren Köpfen breit machen. Denn wir haben ja schon in unserer frühesten Kindheit zu Genüge verankert, dass wir aktiv nichts ausrichten können. Wer als Erwachsener ständig unter dem Gefühl der Ohnmacht leidet, für den ist es meiner Meinung nach ratsam, sich traumatherapeutische Hilfe zu suchen.

Man resigniert nämlich mit der Zeit innerlich und schneidet sich so vom Leben ab. Zurück bleibt die innere Leere und nach Außen hin das maskierte Lächeln für die Anderen, welches der Welt zeigen soll, dass angeblich alles in Ordnung ist. Aus Scham, als Mutter nicht aufzublühen wie erhofft.

Dann müssen wir aufpassen, dass der Rest an Kontakt zu uns nicht aus Selbstvorwürfen und negativen Glaubenssätzen besteht. „Ich habe es ja nicht anders verdient“ oder „Ich bin einfach nicht als Mutter geschaffen“ sind Sätze, die uns selbst demütigen und den Scheuklappenblick nur auf das Negative richten. Hoffnungslosigkeit und Resignation sind die Folge, die uns den Weg heraus aus dem Dilemma verbauen, aber auch den liebevollen Kontakt zu uns selbst verstellen. Und das ist weitaus tragischer, denn damit blockieren wir auch den ehrlichen, tiefen Zugang zu unseren Kindern (und traumatisieren im schlimmsten Fall die nächste Generation).

Und nun bin ich seit acht Jahren Mama und die meiste Zeit lebe (nein: überlebe) ich vom Aushalten dieses Zustands namens Muttersein. Lange Zeit hatte ich die Hoffnung, dass ich irgendwann durchatmen kann, wenn die Kinder groß sind und dann wiederum erleichtert auf die (Klein-)Kindjahre zurückblicke. Dabei kam mir immer wieder der Kommentar einer Leserin in den Kopf, die mir bereits 2015 schrieb:

„Es gibt so einiges im Leben, da denkt man sich ‚Wenn ich mal alt bin, dann lach ich drüber‘, obwohl oder weil es sich im Moment so schlimm anfühlt. Da ist nur ein Problem: Wer darauf wartet, dass es irgendwann in der Rückschau gut ist, der verpasst das Leben in gewisser Hinsicht. Und man kann ja nicht Jahre einfach wegwerfen.“

Aushalten der Mutterrolle - Wie dieser Zustand den Kontakt zu mir und meinen Kindern verbautDamals konnte ich mit ihrem Standpunkt, so das Leben zu verpassen, nicht viel anfangen, zu sehr steckte ich in dieser Ohnmacht, Mutter zu sein und ich wollte alles nur so schnell wie möglich „über die Bühne“ kriegen. Am liebsten hätte ich mich wie Dornröschen hingelegt und die nächsten achtzehn Jahre verschlafen, bis ich dann von meinen Kindern aufgeweckt worden wäre mit der Nachricht, sie wollten mir nur noch eben Tschüss sagen, weil der Umzugswagen schon vor der Tür stünde. Das Leben verpassen? Gerne, was hatte es mir schon zu bieten außer diesem verhassten Zustand des Aushaltens von all dem Kummer, den mir das Muttersein bescherte?

Auch heute gibt es noch Momente, da wünschte ich, die Kinder würden über Nacht zehn Jahre altern. Ich weiß, dass diese Momente jene sind, in denen ich wieder angespannt und gestresst bin und leichter depressiven Gedanken nachhänge.

Aushalten ist das Gegenteil von Genießen. Wer etwas nur erträgt oder „über die Bühne kriegen“ will, kann sich im gegenwärtigen Moment nicht fallen lassen und den Blick auf positive Aspekte des Augenblicks lenken. Dann können wir weder den Moment noch uns selbst in seiner bzw. unserer Ganzheit erfassen. Das ist besonders für freiheitsliebende oder bereuende Mütter ein Verzicht, der nachwirkende Folgen hat. Denn:

Je öfter wir unser Mutterdasein als Aushalten empfinden, desto mehr entfremden wir uns auch von uns selbst.

Ich habe über meinen Blog in den letzten Jahren viele Mütter neben mir kennengelernt, die ihr Muttersein aushalten, statt es zu leben. Weil sie sich mit der Fremdbestimmtheit, dem seelischen Schmerz und der (alleinigen) Verantwortung auf ihren Schultern abgefunden haben.

Das kann doch nicht unsere Zukunft sein! Da muss sich -auch von gesellschaftlicher Seite!- etwas ändern!

Um die Mutterrolle nicht als Bürde zu empfinden, die es auszuhalten gilt, beschäftige ich mich seit geraumer Zeit mit der Frage, wie ich mehr in der Gegenwart achtsam und präsent sein kann, um eingefahrene Muster und alte, negative Glaubenssätze aufzuspüren, vor allem aber auch, um mir selbst wieder mehr Raum zu geben: Bücher über Achtsamkeit stapeln sich in meinem Regal, Meditation gehört zu meiner Morgenroutine und seit ich den Online-Kurs „Mit Trauma leben“ von und mit Trauma-Expertin Dami Charf durcharbeite, baue ich in meinen Alltag immer wieder Übungen ein, die meine Körperwahrnehmung schulen und mich im wahrsten Sinne des Wortes „in Bewegung bringen“, im Gegensatz zur Erstarrung des Aushaltens. Um aus dem Zustand des passiven, oft ohnmächtigen Aushaltens wieder in aktives Handeln zu kommen. Selbstbestimmung statt Fremdbestimmtheit. Zumindest so oft wie es geht.

In den Momenten, wo ich achtsam bin, bin ich automatisch aktiv, denn ich bin in der Beobachterposition und nehme wahr, was um mich herum geschieht. Ich lasse nicht wie erstarrt mit mir geschehen, sondern sehe, höre und fühle aktiv.

Zudem bin ich in der Achtsamkeit bei mir selbst, also mir selbst bewusst, und das ist der Anker, den wir freiheitsliebenden Mütter, die ständig im Außen bei ihrem Kind sind, so sehr brauchen.

Diese Achtsamkeit ist die Ausgangsposition, um dann aufmerksam meine Gedanken in die gewünschte Richtung lenken zu können („Ich möchte jetzt liebevoll und wertschätzend auf meine Kinder eingehen und mich nicht in die Opferposition als leidende Mutter stellen“).
Das ermöglicht es mir, gezielt tröstend und wohlwollend auf meine Kinder eingehen oder auch erwachsen verantwortungsvoll mit der Situation umgehen zu können.

Vielleicht erlaubt mir dieser innere Abstand, den ich durch die Rolle des Beobachters einnehme dann auch, noch mehr Blickwinkel zuzulassen. Was steckt dahinter, dass meine Kinder ständig Regeln vergessen, die selbstverständlich sein sollten? Liegt es womöglich gar nicht an Faulheit oder Dummheit oder mich-ärgern-wollen, sondern schlicht an der Tatsache, dass sie mit ihren Gedanken bereits ins nächste Rollenspiel vertieft waren? Oder sind es gar zu viele Regeln, die sie im Laufe des Tages beherzigen müssen, sodass sie einfach überfordert sind? Oder ist noch eine ganz andere Möglichkeit denkbar?

Auch Dami Charf rät dazu, nicht vorschnell die Situation zu beurteilen, sondern sich genau diese Frage zu stellen: „Könnte es noch eine andere Wahrheit geben als meine?“ Das entschleunigt meine (vorschnelle) Reaktion und lässt mir trotzdem Handlungsspielraum – damit ich eben nicht wieder das Gefühl bekomme, etwas nur „aushalten“ zu müssen.

Und in den achtsamen Momenten meines Daseins bekomme ich zunehmend ein Gefühl dafür, wieviel Sinnhaftigkeit des Lebens in jedem Augenblick zu finden ist. Nicht, dass ich das Muttersein dann direkt genieße, soweit ist es noch nicht bei mir. Aber jeder kleine Augenblick -sowohl der Freude mit den Kindern, als auch in der bewussten Wahrnehmung meiner selbst- ist es wert, gesammelt und geschätzt zu werden, um den Scheuklappenblick mehr und mehr zu erweitern. Und damit bin ich bisher auf einem soliden Weg heraus aus dem Zustand des Aushaltens.

Werde jetzt Mitglied in meiner Community, dem Pusteblumengarten, und erlebe die tragende Gemeinschaft gleichgesinnter Mütter, die sich mit dem Muttersein schwertun und unter ihren ambivalenten Gefühlen zwischen Liebe zum Kind und der Last der Mutterrolle leiden.

25 Gedanken zu „Aushalten der Mutterrolle – Wie dieser Zustand den Kontakt zu mir und meinen Kindern verbaut“

  1. Kay sagt:

    Mir geht es ganz genau so: Aushalten ist das vorherrschende Thema meines Mutterseins. Ich glaube, dass ich traumatisiert bin von der „Anfangszeit“ mit meinem Sohn – die ersten Monate bis hin zu seinem 1. Geburtstag waren für mich die Hölle… Ich war größtenteils auf mich allein gestellt in dieser Zeit und mein Sohn ist ein High Need Baby gewesen, forderte ALLES von mir rund um die Uhr, permanenter Schlafentzug über viele viele Monate. Noch heute gruselt es mich wenn ich am die Zeit denke. Ich war nur noch im Überlebensmodus. Auch heute, fast 2 Jahre alt, ist er noch sehr fordernd, hochsensibel und gefühlsstark. Wenn es mit der Fremdbetreuung (Kita vormittags und nachmittags an einigen Tagen Großeltern) klappt, komme ich ganz gut klar… Dann habe ich auch etwas Zeit für meine eigenen Sachen. Wenn er aber z. B. krank ist, was ungefähr jede zweite Woche der Fall ist, und ich wieder fast die gesamte Betreuung übernehmen muss, dann wirft mich so eine Woche zurück in einen schrecklichen Zustand, wo ich auch nur noch aushalte. Mein Leben aushalte. Und hoffe, dass ich irgendwann mal wieder mein Leben genießen kann, mal einen Tag als schön, angenehm und entspannt empfinden darf.
    Manchmal ist es das einzige, was mir akut hilft, der Gedanke, dass es da draußen andere Frauen gibt, denen es ebenso ergeht, dass ich nicht alleine bin… Danke deshalb, immer wieder, für deinen Blog…

    1. Christine sagt:

      Liebe Kay,

      ich ziehe immer den Hut vor Müttern wie dir, die unter solchen Bedingungen noch hauptsächlich auf sich alleine gestellt sind ♥
      Ich wünsche dir sehr, dass du es immer wieder schaffst, kleine Momente der Ruhe in dir zu finden, aber auch, dass es langfristig entspannter wird bei dir. Alles Liebe dir, ich sende dir viel Kraft!

  2. Ina sagt:

    Hallo Christine,

    manchmal möchte ich dir zurufen: Es sind Kinder, keine kleinen Erwachsenen! Sie sind impulsiv, verträumt, egoistisch und vieles weitere mehr und es hört lange nicht deswegen auf, schwierig/anstrengend/kräftezehrend zu sein, weil sie älter werden (ich weiß, von was ich spreche mit zwei Jungs im Alter von 10 und 15 Jahren).

    Raten kann ich dir nichts, ich verstehe dich, aber dieses von dir in jeder Zeile vermittelte Grundgefühl, dass du eigentlich in dieser Mutterrolle nicht stecken willst und dieses schlechte Gefühl für dich überwiegt, macht mich vor allem traurig für deine zwei Jungs.

    Du hast Verantwortung für sie, ob du nun willst oder nicht und auch dein Mann sollte genau hinschauen, ob diese bei euch zu Hause gelebte Vater/Mutter/Kind(er) Konstellation gesund für die Kinder ist.

    Ich habe den Eindruck, sie ist es nicht. Deine Ablehnung wird tiefe Wunden hinterlassen. Du kannst es momentan vielleicht nicht selbst ändern, aber er steht nebenan und sieht dabei zu? Die Kinder stehen aufgrund ihrer Hilflosigkeit und Schutzbedürftigkeit an allererster Stelle.

    Beste Grüße, Ina

    1. Christine sagt:

      Hallo Ina,

      ja, aufgrund meiner eigenen Erfahrungen wünschte ich mir manchmal tatsächlich, dass meine Kinder kleine Erwachsene wären.

      Deine Sorge um meine Kinder kann ich sehr gut nachempfinden. Auch ich spüre oft eine tiefe Traurigkeit für das was war und oft noch ist. Bindungs- bzw. Entwicklungstraumata hinterlassen tiefe Spuren, an denen nicht nur eine Generation leidet. Bei mir äußern sie sich vor allem in der brüchigen Beziehung zu meinen Kindern und der Schwierigkeit, ihnen Mütterlichkeit entgegenzubringen. Der Weg hinaus ist lang und deshalb zu meinem Blogthema „Mein Weg zu mehr Muttergefühl“ geworden.

      Vielleicht mag es dir von Außen erscheinen, als ob mein Mann im Familienleben einen Statisten darstellen würde, diese Meinung kann ich (zum Glück) nicht teilen. Und zu deiner Frage, ob die zuhause gelebte Konstellation für die Kinder gesund ist: Ich gehe stark davon aus, dass es in einem Familiensystem, in dem mind. eine Person traumatisiert bzw. psychisch labil ist, nie eine gute/gesunde Konstellation geben kann, solange das Seelenthema nicht aufgearbeitet wird. Für diese Aufarbeitung setzen mein Mann und ich alles in Bewegung, was möglich ist. Und solange leben wir unsere Konstellation, die (unter den inneren und äußeren Umständen) gerade für uns alle die bestmögliche ist.

      Liebe Grüße
      Christine

  3. Ina sagt:

    Guten Morgen Christine

    und danke für deine Antwort. Ich wünsche deiner Familie und dir von Herzen, dass ihr zusammen die Kurve bekommt!

    Viele Grüße von Ina

    1. Christine sagt:

      Lieben Dank für deine guten Wünsche, Ina!
      Alles Gute auch für dich!

  4. Lilli sagt:

    Wie immer ein treffender Artikel, liebe Christine. Dein Blog hilft allen Müttern, die ehrlich mit sich selbst sind, es aber nie aussprechen können, hier hat man nicht das Gefühl auf dem falschen Planeten zu sein wie so oft im „richtigen Leben“.
    Aushalten. Das ist der treffende Begriff dafür, was es heißt, Mutter zu sein. Oder für die Kindererziehung (wobei man hier schon wieder philosophieren kann, ob es sowas wie erziehen überhaupt gibt. Denn ist es den Kindern nicht meist egal was die Eltern sagen? Machen sie nicht trotzdem was sie wollen?).
    Ja, es gibt sie bestimmt da draussen, die Kinder, die dankbar sind, für all das was wir Mütter für sie tun. Die genauso freundliche Worte für Ihre Eltern haben, wie sie für ihre Kinder. Die normal am Tisch sitzen, es neben Geschwistern mehrere Minuten (oder ganze Tage -halleluja!) aushalten, ohne sich zu streiten oder schlagen, die ihre Eltern nicht anbrüllen, Worte sagen bei denen man denkt hoffentlich hört das hier keiner, mit denen man gern unter Leuten ist, ohne Angst, dass gleich wieder irgendwas blamables passieren wird.
    Aber meist ist es doch so, dass die Mütter sich die allergrößte Mühe geben, tagtäglich, egal wie schlimm es gerade war, immer wieder mit offenem und trotz allem liebenden Herzen auf sie zugehen.
    Und doch ist dieses Leben das reinste Aushalten.
    Wer kann schon die Schönheit der kleinen Dinge sehen und auf sich wirken lassen, wie den Blick auf den schönen See, die Blumen die gerade blühen, die Ruhe bei den Schafen auf der Wiese..
    wenn gleichzeitig die zwei Kinder so laut schreien wie es ihnen möglich ist, sie sich schubsen, hauen, auf den Boden schmeißen, sich beim ins Haus kommen darum streiten wer wo zuerst die Hände wäscht, wer zuerst aus dem Haus oder ins Haus geht, „der hat die Zunge rausgestreeeeeckt“ „Der tritt mich unterm Tiiiiisch!“ „Der hat angefangeeeen“ blablabla.
    Da ist es kein Wunder, wenn Mütter sich irgendwann nicht mehr in die Öffentlichkeit trauen, wenn, sich dann ständig umsehen, wer denn gerade schräge Blicke auf einen wirft.
    Und nein, ich bin nicht alleinerziehend, aber natürlich hauptsächlich für die Kinder da.
    Und ich weiß auch, Kinder sind wild, müssen sich austoben, sind nicht perfekt. Oh ja, das weiss ich. Doch was immer man auch tut, ihnen nahe zu bringen mit 6 und 9 Jahren ein angemesseneres Verhalten an den Tag zu legen, es bringt letzten Endes sowieso nichts. Wobei wir wieder bei dem ständig die Regeln wiederholen müssen wären.
    Das Leben genießen wie es so schön heißt, kann man meines Erachtens nicht im Beisein der Kinder.
    Die wenigen Momente, in denen sie mein Herz strahlen lassen, helfen mir, weiter zu machen. Aber frei atmen, das kann ich nur morgens in der kurzen Zeit, wenn sie in der Schule sind.
    So lange heisst es, aushalten.
    Danke Christine.

    1. Christine sagt:

      Liebe Lilli,

      das hast du alles sehr treffend auf den Punkt gebracht! Ich schwankte ständig zwischen Lachen und Heulen..
      Danke auch dir ♥

  5. Julia sagt:

    Liebe Christine,
    Danke Danke Danke für diesen treffenden Artikel! Mir geht es genau so. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit einfach nicht vergeht. Unsere Tochter ist jetzt fast 3,5, sie war ein absolutes Wunschkind, sie ist gesund – und trotzdem ist genau das eingetreten, was ich mir NIE im Leben erträumt hätte: ich bin nicht glücklich / erfüllt durch die Mutterrolle. Natürlich … wenn ich jetzt 4 Jahre zurückrechne, wo ich schwanger war, ist die Zeit sehr schnell vergangen; aber immer erst im Nachhinein betrachtet. Ich fühle mich oft wie im Hamsterrad! Manchmal ertappe ich mich auch dabei, wie lange es noch dauert, bis sie volljährig ist. Dann frage ich mich: bereue ich es mal so gedacht zu haben und die Zeit mir ihr eventuell zu wenig „genossen“ zu haben? Mir kommt in den Sinn, dass ich jene frühere Zeit mit meinem Mann allein zu wenig geschätzt und genossen habe. Wird das mit ihr auch mal so sein? Aber die Zeit mit meinem Mann (bzw. meine früheres selbstbestimmtes und unkompliziertes Leben) habe ich nicht „ausgehalten“, ich habe es geliebt und war glücklich. Und dann war dann doch dieser Kinderwunsch da…
    Ich habe es diese Tage meinem Mann gegenüber auf den Punkt gebracht: hätte ich vor 4 Jahren eine Wahrsagerkugel gehabt, die mich im Jetzt zeigt, wie ich bin und vor allem wie ich mich fühle (frustriert, manchmal leicht depressiv, unzufrieden, müde, erschöpft, ausgelaugt, lustlos…), aber ohne mein Kind zu sehen bzw zu kennen (ihr Aussehen, ihr Wesen, …) – also nur allein meinen (Gesundheits)Zustand, hätte ich mich höchstwahrscheinlich dazu entschieden, kein Kind zu bekommen. Ich fühle mich oft so eingeengt, kann nicht so arbeiten gehen, wie ich gerne möchte, könnte ohne Großeltern gar nicht arbeiten gehen (Pflegeurlaube), bin im Prinzip für alles (Entscheidungen) eher allein verantwortlich und auch gefühlt permanent mit ihr zusammen. Ich beneide dann irgendwie gewollt kinderlose Frauen / Kolleginnen; vor allem dann, wenn Ferien sind: ich muss mein Kind beschäftigen / bespaßen mit kaum Erholung für mich. Wollte ich das so? Warum hab ich mir das nicht vorher überlegt?
    Ich bin Lehrerin und wie hart es ist, VON der Kinderbetreuung am Vormittag (auch wenn’s nicht meine Kinder sind) IN die nächste Kinderbetreuung zu kommen, hätte ich mir nicht so vorgestellt.
    Die Tage sind wir zu dritt gelegen – die Hölle!!! Ich wusste nicht, wen von die beiden ich als erster zum Mond schieße. Ich dachte ständig: ich kann / darf als Mutter nicht mal krank sein. Wie halte ich das bloß aus? Und ich beneidete wieder alle Kinderlosen, die krank sein dürfen und sich auskurieren können. Warum war mir das auch vorher nicht bewusst?
    Wenn meine Kleine mal bei Oma und Opa übernachtet, ist das nett, aber ich komm nicht runter. In Gedanken bei ihr. Oder mal sorgenfrei nur mit dem Mann in den Urlaub fahren … nicht möglich, weil oft gedanklich beim Kind. Nichts mehr mit unbeschwert so wie früher …
    Es ist wirklich hart für mich, das mal so ehrlich zu schreiben, denn meine Kleine ist wirklich liebenswert, lustig, gesellig, gescheit, einfach zum gern haben! Und trotzdem ….!
    Christine, wie schnell sind für dich die letzten 8 Jahre vergangen? Schnell / langsam?
    Ich hoffe immer noch, dass es mit zunehmendem Alter anders wird, nicht einfacher, anders, aber im positiven Sinne. Dieses Kleinkind – Alter ist nichts für mich; vielleicht tu ich mir mit der Pubertät leichter, solche unterrichte ich nämlich …
    Ich beneide übrigens auch jene Frauen, die total in ihrer Mutterrolle aufgehen und diese wirklich genießen können.
    Vielen Dank für deine ehrlichen Zeilen, ich freue mich auf weitere!
    Lg Julia

    1. Birgit sagt:

      Hallo Julia,

      ich würde mich an Deiner Stellem mit Deinem Mann zusammensetzen und überlegen, wie Ihr Euch das Kinder Erziehen besser aufteilen könnt. Meiner Meinung nach sollte er Teilzeit arbeiten und Du solltest Deine Arbeitszeit mehr aufstocken und auch die Grosseltern kann man mehr ins Boot holen oder sogar eine Tagesmutter engagieren, falls es nötig ist. Für Deine Tochter wäre es besser, wenn sie von mehreren emotional ausgeglichenen Menschen betreut wird, die mit der Situation im Reinen sind. Und die wenige Zeit welche Du relativ glücklich mit ihr verbringst, wird auch für sie schön sein. Und für Dich wird es eine Erleichterung sein und vielleicht geniesst Du dann die wenige Zeit mit ihr? Wieso musst Du Dich da so reinquälen auch wenn es Dir überhaupt keinen Spass macht? Nur weil es gesellschaftlich heisst: Kinder müssen immer an der Mutter kleben 24/24? Nein, eine unglückliche Mutter ist kein Gewinn für Kinder….sondern eine Strafe…..
      Dein Mann weiss ja inzwischen wie unglücklich Du mit der Mutterrolle bist. Es ist seine Pflicht, hier Kompromisse einzugehen bzw. vorzuschlagen.

    2. Christine sagt:

      Liebe Julia,

      danke auch dir für deine ehrlichen Szenen aus dem Alltag! Ich fühle wirklich mit dir!
      Also rückblickend vergeht ja alles schneller als man denkt, und ich denke auch manchmal: Huch, er ist schon Acht! Und trotzdem fühlten sich die letzten 8 Jahre länger an als 8 kinderlose Jahre. Und das alles nur rückblickend – der Moment kann sich manchmal ziehen wie Kaugummi…
      Für mich ist es -trotz der neuen Probleme, die mit dem Älterwerden auftauchen (Stress in der Schule, etc.)- dennoch leichter. Auch für mich waren die Baby- und Kleinkindjahre nichts. Da gehe ich ganz mit dir, dass ich keine Angst vor der Pubertät habe wie manch andere Mutter. Und ich bin mir sicher, dass dein Gefühl in der Hinsicht dich (und mich) nicht allzusehr täuschen wird.

      Alles Liebe dir!
      Christine

  6. Birgit sagt:

    Hallo Christine,

    auch ich ertappe mich dabei wie ich meinen Kindern immer und immer wieder diesselben Handlungsabläufe gebe. Hände waschen, mit Seife! Vor dem Essen und nach dem Essen. Schuhe ausziehen und aufräumen, Jacke ausziehen und aufhängen. Bett machen, abends Zähne putzen und Grundhygiene, etc. etc. etc.
    Mittlerweile bin ich nicht mehr davon genervt, da ich verstanden habe: es ist eine Programmierung im Gehirn. Die nötigen Verknüpfungen dafür müssen sich erst mühsam bilden und das geht nur durch millionenfache Wiederholung. Die Genervtheit meiner Kinder übersehe ich mittlerweile.
    Und das Lustigste ist: manchmal unterhalte ich mich mit meinem Kleinen (7 Jahre) und ich frage ihn, wie er dann später seine Kinder erzieht. Ob er ihnen alles erlaubt oder ob er auch Regeln hat und wenn ja , welche. Und er zählt genau die Regeln auf, welche ich mühsam aufrecht erhalte. Z.B: frage ich ihn „Ja, müssen dann Deine Kinder keine Hände vor dem Essen waschen oder wie willst du das?“. Er antwortet total ernst: „Nein! Sie müssen auf jeden Fall die HÄnde mit Seife vor dem Essen waschen! Und dann müssen sie ein bisschen von dem Gemüse und dem Salat essen!“ Das sagt er im Brustton der Überzeugung und todernst. Deshalb habe ich verstanden: auch wenn sie maulen und meckern; im Grunde finden Sie diese Regeln und Begrenzungen gut. Als ich das verstanden hatte, fiel es mir leichter, mich bei ihrem Gemaule und Gemeckere nicht aufzuregen sondern ins eine Ohr rein, zum anderen Ohr raus.

    Aber klar, die ganze Fremdbestimmtheit und das Angebundensein sind für mich auch nach 12 Jahren immer noch eine Qual und ich bin froh, dass ich jede zweite Woche komplett von ihnen befreit bin. Das sage ich ohne Schuldgefühle denn oft empfinde ich ihre Anwesenheit als eine Last. Manchmal ist es schön aber sehr oft ist es einfach nur eine Last… und manchmal träume ich davon, mein Haus wieder nur für mich zu haben. Träumen darf man ja :-)
    Aber sowas darf man ja als gute Mutter nicht sagen, obwohl es meiner Meinung nach sehr nachvollziehbar ist.

    1. Christine sagt:

      DANKE!! Nochmal sehr gut zu hören, ich vergesse/vernachlässige so oft die Wichtigkeit der Wiederholung für Kindergehirne.
      Lg und auch dir gutes Durchhalten!

  7. Valeska sagt:

    Liebe Christine,
    gerade habe ich Deinen Artikel gelesen und mir gedacht, Du sprichst von mir. Du hast so klare Worte dafür gefunden, wie ich mich fühle. Der berühmte Nagel auf den Kopf. Schön, dass Du das aussprichst, was andere sich niemals trauen würden. Ich würde mir niemals trauen, öffentlich zuzugeben, das meine Kinder, so sehr ich sie auch liebe, eine große Belastung für mich darstellen. Früher, als ich noch nichts davon wusste, dachte ich immer, ich bin nicht normal. Jetzt, wo das Kind einen Namen hat, und man bei Dir liest, das es vielen auch so geht, fühle ich mich um einiges leichter. Dieses Aushalten, von dem Du berichtest, kenne ich nur allzu gut. Ich mache drei Kreuze, wenn die Kinder am Abend im Bett liegen, und ich Zeit für mich habe. Und dann schäme ich mich sehr oft für diese Gefühle. Zum Glück unterstütz mich mein Mann so oft, wie er kann, momentan ist bei uns aber Ausnahmezustand, weil wir ein Haus bauen, in der finalen Phase sind, und in vier Wochen einziehen möchten. Es ist die Hölle für mich, und ich versuche, alles so gut über die Bühne zu bringen wie nur möglich, mit dem Endergebnis, das ich dann in meinem Häuschen wohne, am Stadtrand, nahe eines Naturschutzgebietes, wo man sehr schön spazieren kann, und sich erholen kann. Diese Me-Time ist für mich einfach unerlässlich, ohne sie geht es nicht. Zum Glück ist mir mein Mann da nicht böse, er weiß, das ich oft Zeit für mich brauche, und er gibt sie mir auch.
    Alles Gute für Dich, Christine. Und schreibe weiterhin so wunderbare Artikel. Du hilfst damit einfach ungemein. Es ist gut zu wissen, das man nicht alleine ist.

  8. Claudia sagt:

    Liebe Christine!
    Ich bin erst vor kurzem auf deinen Blog gestoßen, ganz zufällig eigentlich und finde die Artikel, die du schreibst, als auch die vielen Kommentare dazu sehr bereichernd für mich. So jetzt vor allem auch diesen Beitrag über das Aushalten von Mutterschaft. Ich bin jetzt seit 18 Jahren Mutter und halte dementsprechend schon sehr lange aus. Von Beruf Kinderkrankenschwester und nun schon seit gut 20 Jahren Lehrerin. Es war immer klar für mich, dass ich eigene Kinder möchte. Ich liebe Kinder und dachte, ich wäre sicher eine tolle Mutter. Unsere Tochter kam dann vor 18 Jahren auf die Welt. Hochsensibel wie ich, leider wusste man damals von dem Begriff noch nichts, und dazu noch hochbegabt. Eine absolute Herausforderung im Babyalter, im Kleinkindalter und bis heute. Unser Sohn, nun 14 Jahre, dagegen sehr pflegeleicht und unkompliziert. Die Schwierigkeiten für uns als Familie hatten und haben viel mit unserer Tochter zu tun. Die Wutausbrüche, das ständige Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, die Empfindlichkeit. Ich weiß erst seit ein paar Monaten, dass ich selber eine HSP bin. Vielleicht hätte ich besser mit allem umgehen können, wenn ich diese Erkenntnis vorher gehabt hätte. Wir sind uns so ähnlich in unserer Empfindlichkeit und brauchen eigentlich beide viel Raum für uns. Unser Verhältnis war immer schwierig, wir geraten immer wieder in Streit und ich warte, seitdem sie fünf Jahre alt ist darauf, dass sie erwachsen wird und auszieht. Dann beginnt wieder mein Leben, so stelle ich mir das vor. Und die vergangenen 13 Jahre, seitdem ich aushalte und darauf warte, habe ich sicher sehr viel verpasst vom Leben. Ich bin müde und mürbe geworden vom Aushalten. Am 18. Geburtstag vor ein paar Wochen habe ich an den Tag der Geburt zurück gedacht. Da hatte ich noch die Vorstellung, dass das Leben mit Kind das absolute Glück für mich und meinen Mann bedeutet. Und ich finde es sehr traurig, dass ich nun genau gegenteilig denke, dass mein Glück wieder kommt, wenn unser Kind ausgezogen ist. Vielleicht ist das schon nächstes Jahr der Fall, wenn die Schule beendet ist. Das Problem von uns Hochsensiblen ist ja, dass unsere Kinder häufig auch so sind wie wir. Ich glaube, das Leben nur mit unserem unkomplizierten Sohn wäre für uns anders verlaufen. Ein weiterer Punkt, den ich an dieser Stelle noch erwähnen möchte, ist, dass unsere Kinder es merken, wenn wir die Mutterschaft nur aushalten. Sie sehen ja in anderen Familien, wie der Umgang dort miteinander ist und merken die Unterschiede. Sie sehen uns in unserer Verzweiflung und merken, dass es uns oft nicht gut geht, vor allem, wenn sie selbst hochsensibel sind. Meine Tochter fragte mich vor kurzem ganz deutlich, warum ich denn eigentlich Kinder bekommen habe und dass sie auf keinen Fall solch eine Mutter wie ich werden möchte. Das ist schon hart,so etwas als Mutter zu hören. Wie eine Art Abrechnung ganz zum Schluss, bevor das Ziel erreicht und das Kind erwachsen ist. Damit müssen wir rechnen, dass unsere Kinder uns durchschauen. Wir können nicht gleichzeitig Mutterschaft aushalten und unseren Kindern vorspielen, dass wir eine “ normale“ Mutter sind. Wenn ich die Zeit noch einmal zurück drehen könnte, würde ich keine eigenen Kinder mehr bekommen. Ich genieße die Zeit mit meinen Schülern, die mittags wieder nach Hause gehen. Nun ist es so gekommen, wie es ist. Es gab natürlich sehr viele schöne Momente mit meinen Kindern in all den Jahren, keine Frage. Aber die Schwierigkeiten, Sorgen und Ängste aus den vergangenen Jahren überwiegen. Zum Glück haben mein Mann und ich „überlebt“, als Paar. Nun hoffe ich, dass wir noch eine schöne Zeit haben werden, wenn unsere Kinder in ein paar Jahren beide aus dem Haus sind. Ich wünsche allen sensiblen Müttern viel Kraft. Es kann ja auch anders laufen. Und danke nochmals für die tollen Beiträge hier. Ich werde mich regelmäßig sehen lassen hier im Blog.

    1. Julia sagt:

      Liebe Claudia!
      Ich wollte dir sehr für deinen ehrlichen Text danken ! Ich fühle sehr ähnlich mit dir. Ich habe ganz ähnlich weiter oben kommentiert. Ich bin übrigens auch Lehrerin und war der Meinung, dass mich die Mutterrolle komplett ausfüllt.
      Das ist sicher sehr hart, sowas von deiner Tochter zu hören, ich bin sicher du warst bis jetzt eine gute Mutter und hast dein Bestes gegeben. Hochsensibilität sucht man sich ja nicht aus.
      Vor einem hab ich nämlich auch Angst: dass mein Leben an mir vorüberzieht, bis unsere Tochter auszieht und ich dann so müde, mürbe, fertig und ausgelaugt bin und das Gefühl habe, etwas verpasst und nicht richtig gelebt zu haben. Dann bin ich ca 50; und wie du auch richtig sagst: du und dein Mann, ihr habt als Paar überlebt – das freut mich sehr für euch, ist nicht selbstverständlich. Ich denke oft und wehmütig an die Zeit zurück, wo wir noch zu zweit waren.
      Lg Julia

    2. Christine sagt:

      Hallo liebe Claudia,

      ganz herzlich möchte ich mich noch für deinen offenen und schonungslos ehrlichen Erfahrungsbericht bedanken! Da hast du wirklich sehr viel ausgehalten in den vergangenen Jahren und trotz allem, auch trotz der niederschmetternden Bemerkung deiner Tochter, kannst du sehr stolz auf dich sein, denn du hast alles gegeben, was du konntest! Auch, wenn es dir oftmals zu wenig vorgekommen sein mag (und für deine Tochter möglicherweise auch war), aber du hast alle Energie, alle Mutterliebe aufgebracht, die dir zur Verfügung stand.

      Ich glaube auch, dass wir unseren Kindern nichts vorspielen können, zumindest nicht unsere wahren Gefühle. Aber ich vertraue auch darauf, dass die Zeit uns (noch) eine wertvolle Hilfe sein wird, wenn unsere Kinder noch älter geworden und bereit für Verständnis und Vergebung sind. Vielleicht ist es deiner Tochter irgendwann möglich, deine Hingabe zu erkennen, die du trotz der Einschränkungen deiner Hochsensibilität, trotz der vielen Schwierigkeiten für dich als Mama, gegeben hast in deinem Rahmen. Möglicherweise ist auch das für uns als Mütter ein tröstlicher Gedanke, damit wir uns selbst nicht auch noch fertig machen, wieso wir mal wieder weniger geschafft haben als andere Mütter. Wir geben alles! Aber eben im Rahmen unserer Möglichkeiten.

      Ich freue mich sehr für dich, dass dein Mann und du als Paar überlebt habt. Auch das ist alles andere als selbstverständlich!

      Ich wünsche dir für die Zukunft alles Liebe und dass du dir auch die innere Freiheit des Glücks erlaubst, wenn du deine äußere Freiheit wiedererlangt hast.

      Alles erdenklich Gute dir!
      Christine

  9. Sabine sagt:

    Liebe Christine!
    Ich verfolge nun schon seit längerem deinen Blog und finde mich sehr oft wieder. Es ist total mutig von dir, das alles so offen zu schreiben und auch toll, wie du mit kritischen Kommentaren und ‚Ratschlägen‘ umgehst. Das könnte ich so nicht. Mich belastet es sehr, wenn Menschen in meinem Umfeld mich sozusagen durchschauen, und das passiert, weil ich nicht sehr gut im Theater spielen bin – und mich als depressiv bezeichnen, und dass es meinen Kindern bei mir nicht gut gehen würde. Wie oft habe ich den Satz: ‚Das sind eben Kinder‘ schon gehört.. Ja, aber auf der anderen Seite habe ich auch einen gewissen Anspruch, wie sich meine Kinder verhalten sollen bzw. wie ich sie erziehen möchte, manche Sachen gehen einfach nicht. Und glücklicherweise gibt es immer wieder Phasen, die entspannter sind, meine älteste Tochter ist jetzt vier und zum ersten Mal habe ich länger als ein paar Tage das Gefühl, dass langsam die Vernunft bei ihr einkehrt und die Erziehungsversuche der letzten Zeit doch etwas gebracht haben..
    Es hat auch Auswirkung darauf, wie man sich als Mutter fühlt, wie der Charakter des Kindes ist; das merke ich erst, seit ich mit dem Charakter meines Sohnes weit besser klarkomme und mich im Umgang mit ihm viel entspannter fühle als mit meiner Tochter, die immer schon sehr fordernd war. Kinder sind eben nicht gleich Kinder. Und wenn jemand kein Schreibaby gehabt hat, kann er auch nicht im Ansatz nachvollziehen, wie es ist, wenn alle drei Kinder die ersten drei Monate Schreibabys waren. Das macht etwas mit einem Menschen, da braucht man noch nicht mal hochsensibel zu sein,- und da geht es wirklich nur noch ums aushalten um zu überleben.. Da braucht man einfach nur Verständnis und im besten Fall Unterstützung- in der Phase ist es nicht sehr sinnvoll eine Therapie wegen seiner eigenen (verkorksten) Kindheit machen zu wollen. Mal ehrlich, wer hatte denn die perfekte Kindheit? Muss man immer gleich als psychisch labil abgestempelt werden, wenn man nicht glücklich umherstrahlt und auch mal ehrlich zugibt, dass es einem nicht gut geht – was ja auch ’normale‘ Mütter nachvollziehen können (sollten). Im Übrigen zeugt es meiner Meinung nach nicht von einer Labilität, eher Stabilität, wenn man in der Lage ist, sich selbst in der Form zu hinterfragen und nicht zu leugnen was nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Nicht jeder strebt nach Sinnfindung im Leben, nicht jeder hat so hohe Ansprüche an sich selbst, an sein Leben, an Beziehungen – und evtl. auch an seine Kinder – aber ist das denn schlecht?
    LG, Sabine

    1. Christine sagt:

      Liebe Sabine,

      hab vielen Dank für deine vielen guten (und auch tiefgründigen :)) Gedanken!
      Ich freue mich sehr für dich, dass du die (sicherlich) schwierigsten Phasen endlich hinter dich gebracht hast, vor allem die Schreiphasen und die Kleinkindjahre, in denen einem die eigenen Kindern ja oftmals sehr unverständlich sind.
      Und ich gebe dir vor allem recht, dass äußere Unterstützung von immenser Bedeutung, wenn nicht sogar lebensnotwendig ist, egal, ob man hochsensibel oder psychisch labil oder „nur“ Mutter ist!
      Ich wünsche dir alles Gute, und dass die anstrengenden Phasen im Verhältnis zu den entspannten/schönen immer weniger werden.
      Herzlichst,
      Christine

  10. Melinda sagt:

    An alle:
    Vielen Dank für eure ehrlichen Worte!
    Ich bin Mitte dreißig, HSP und verabschiede mich langsam von dem Gedanken, jemals Kinder in die Welt zu setzen. Ich habe zu große Angst davor, es nicht hinzubekommen.. Das heißt, es nicht genießen zu können und es nur auszuhalten. Eure Erfahrungen helfen mir, diese Entscheidung zu treffen. Zugleich habe ich genauso große Angst, ein Leben mit Kind zu verpassen. Sicherlich ist es später, wenn die Kinder erwachsen sind, unglaublich bereichernd… Wie man es macht, man verzichtet auf so viel, egal ob mit oder ohne Kind. Es wäre doch schön, wenn man sich in unserer Gesellschaft stärker bei der Erziehung der Kinder unterstützen würde… Sodass Kinderlose sich einbringen und Eltern entlastet würden… Vielleicht führt der offene Umgang mit den Schwierigkeiten der Kindererziehung ja dahin.. LG

  11. Henrike sagt:

    Liebe Christine,
    danke für Deine ehrlichen Zeilen, die scheinbar einige von uns so oder ähnlich hätten schreiben können.
    Mein Großer ist inzwischen 8 und schon seine Geburt war für mich als HSP ein weiteres Trauma nach diversen Beziehungs- und Entwicklungstraumata, die sich in meinem Leben gespürt endlos aneinander reihen.
    Rückblickend war es aber auch für mich der Anfang, endlich ehrlich in den Spiegel zu sehen und für die Kinder (hab mich tatsächlich nochmal getraut, mit strengstem Geburtsplan, meine Kleine wird morgen 5) und meine kleine Familie meine eigene Geschichte endlich aufzulösen. Mir die alten Wunden anzugucken, die Schmerzen endlich zuzulassen, durchzuspüren, damit sie ihren Platz bekommen und mich endlich im Alltag nicht mehr verfolgen und triggern. Neue Muster und Denkweisen antrainieren, Blogs und Literatur durchforsten, vieles mit meinem Mann, Freunden und Therapeuten durchsprechen, meditieren, eigene Lösungen finden.
    Ein langer harter Weg neben Job, Partnerschaft und Kindern. Aber für mich so auch nur möglich, weil es ein stärkender Rückhalt ist, gebraucht zu werden, Verantwortung zu haben. Ohne all das es vielleicht nie nötig wäre und ohne den ich mich auch nicht trauen würde, mich endlich mir selbst zuzuwenden. Mich selbst mit meiner Sensibilität und dem immensen Ruhebedürfnis zu akzeptieren und lieben zu lernen und GLEICHZEITIG den Kindern ein Leben und eine Plattform zu bieten, in der sie ihren eigenen Weg als sensible und trotzdem energiegeladene, wissbegierige und liebeshungrige Wesen finden können.
    Ein Coach für gewaltfreie Kommunikation hat uns als selbst traumatisierten Eltern ein wenig Entlastung gegeben, indem er sagte, Erziehung kann nie gänzlich ohne Brüche von statten gehen, denn Abnabeln, Grenzen setzen, Selbständigkeit lehren und fordern, das ist schmerzhaft. Wir können nur versuchen, auf der anderen Seite Liebe, Empathie, Unterstützung sowie Ehrlichkeit, Klarheit und Transparenz über unser Handeln zu schenken. Und kindgerecht erklären, was da manchmal bei uns los ist.
    Was dabei am Ende rauskommt, wird sich zeigen. Aber es gibt jeden Tag von neuem die Möglichkeit, sich für eine andere Richtung zu entscheiden.
    Wir als Paar haben uns nun für den Test einer LAT-Ehe entschieden… ich habe ein kleines Zimmer ein paar Blocks weiter. Als Rückzug. Als Insel neben einer viel zu kleinen Stadtwohnung. Ist mir lieber als 8 Wochen psychosomatische oder eine weitere Therapie, in der im besten Fall rauskommt: Kümmer Dich endlich besser um Deine Bedürfnisse als Frau und Mensch! Denn wenn ich das getan hab, dann bin ich auch gern wieder Mutter, wenn ich mal zwei Nächte durch- und ausschlafen konnte. Mich für ein paar Stunden selbst spüren.
    Die Erlaubnis für solche Zeiten müssen wir uns vor allem selbst geben. Und dann von unserem Umfeld einfordern. Und das ist auch bei mir mit jahrelanger Planung, viel Diskutieren, reichlich Stress, Bauchweh und Tränen abgelaufen, das nur am Rande.
    Denn ich hab doch auch die Idealvorstellung
    von der perfekten Mutter eingebrannt. Uff… dieses Idealbild nur ein wenig zu demontieren und bei uns selbst ankommen ist doch das Beste, was wir unseren Kindern vorleben können, oder? Individuelle Lösungen abseits von gesellschaftlichen Vorgaben, die für alle Beteiligten tragbar sind.
    Haltet nicht nur aus, liebe Mütter! Findet Eure Schlupflöcher, Eure Inseln. Und holt Euch Unterstützung. Jede, die Ihr kriegen könnt!!
    Herzenswünsche, Eure Henrike

    1. Christine sagt:

      Hallo liebe Henrike,

      ich danke dir von Herzen für deinen Kommentar! Wie transparent du über deine eigene Aufarbeitung und den (mitunter steinigen) Weg der Selbstfindung trotz (oder wegen) der Kinder sprichst, finde ich sowohl authentisch-„hart“, als auch lebensbejahend! Wie wichtig es ist, die Bedürfnisse der Kinder als auch die eigenen (trotz Entwicklungstrauma, Bindungsproblemen, etc.) als Mutter und Frau unter einen Hut zu kriegen, und wie herausfordernd zugleich diese Balance zu schaffen ist, weiß ich selbst nur zu gut. Ich bewundere dich deshalb, dass du nie aufgegeben hast, kreativ zu bleiben bei der Suche nach neuen Lösungen, mit denen ihr alle leben könnt und dass du dich auch nicht gescheut hast, dir Hilfe zu suchen, wo du alleine nicht weiter kamst.

      Die Idee mit dem kleinen Rückzugsort für dich ist wunderbar, ich denke auch, dass dies langfristig mehr hilft, als alle paar Jahre eine Kur oder als Endstation (wieder) ein Klinikbesuch, wenn man an der totalen Erschöpfung angelangt ist.

      Danke für deine mutmachenden Inspirationen direkt aus dem wahren Leben! Ich bin mir sicher, dass du damit vielen Müttern weiterhilfst! Mir hast du jedenfalls nochmal gezeigt, dass man als Mutter nie im Aushalten verharren muss.

      Herzliche Grüße und alles Liebe dir weiterhin!

      P.S. Dass du als sensible Frau so ein zartes Streichinstrument spielst, wundert mich nicht im Geringsten. Wie schön, dass du die Leidenschaft für’s Cello in dein Berufsleben integrieren konntest und nun anderen Menschen damit hilfst, zu sich selbst zu finden. Ich wünsche dir dabei weiterhin viel Erfolg!

  12. Kaya sagt:

    Ach liebe Christine.
    Vielen Dank für diese offenen wunderbaren Texte. Ich bin so müde, das Aushalten auszuhalten. Ich warte auch auf den Umzugswagen und den Abschied der Kinder. Ich weiß nicht, wie ich es hinkriegen soll, eine guter Mutter zu sein. Meinen drei Kindern gerecht zu werden oder sie zumindest nicht zu sehr zu traumatisieren. Es kostet so viel Kraft. Warum schickt das Universum Frauen wie uns Kinder? Während andere, die das so sehr wollen und sicher besser machen würden, keine bekommen?
    Wie viele sind wir? Wie hoch ist der Anteil unter den Müttern? Es ist so beruhigend zu wissen, dass ich nicht allein bin, verrückt oder ein schlechter Mensch bin.
    Wie kommt man da raus?

    1. Christine sagt:

      Liebe Kaya,

      manche Fragen des Lebens werden wohl immer unbeantwortet bleiben. Ich versuche es so zu sehen, dass alles seinen großen Sinn hat, auch, wenn wir ihn zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht noch nicht erkennen können.
      Auf jeden Fall bist du weder alleine, noch verrückt oder ein schlechter Mensch <3 Ich glaube, der gesellschaftliche Leistungsdruck bewirkt bei sehr vielen Müttern, dass sie an ihren eigenen Idealen (und der Norm (zumindest der vorgekaukelten)) zwangsläufig scheitern und sich dann für ungenügend halten.
      Ich glaube übrigens sehr wohl, dass du eine gute Mutter bist, auch, wenn du damit an deine eigenen Ansprüche nicht heranreichen magst. Ich bin mir sicher, du gibst alles, was du kannst an Fürsorge und Mutterliebe und Geduld. Ich möchte dich nur dazu ermutigen, dich nicht mit anderen zu vergleichen, sondern mitfühlend mit dir selbst zu sein, wenn es weniger ist, als du gerne geben würdest. Mit Druck erreichst du nur Gegendruck und Abwehr, das gilt auch für den selbst auferlegten Druck.

      Alles Liebe dir, Kaya!
      Herzlichst,
      Christine

  13. Vanessa sagt:

    Hallo zusammen,
    mir geht es genauso wie euch. Unser Sohn ist jetzt 6,5 Jahre alt und war ein absolutes Wunschkind. Das erste Jahr mit ihm war der Horror, Schreikind, man konnte ihn nie ablegen, er war nachts alle 2-3 Stunden wach, tagsüber kaum geschlafen, hat mit 1,5 Jahren das erste mal durchgeschlafen, er wollte immer die volle Aufmerksamkeit. Was den letzten Punkt angeht ist es auch leider heute noch so. Ich liebe mein Kind, aber es gibt oft Momente, wo ich es bereue ihn bekommen zu haben….wo ich mir wünsche, ich könnte die Zeit zurückdrehen und mit der Erfahrung und dem Wissen von heute würde ich mich gegen ihn bzw. generell Kinder entscheiden. Warum?

    Weil es ist, wie ihr sagt. Ich „halte das Muttersein“ oft nur aus, kann es nicht wirklich genießen, empfinde es die meiste Zeit über nur als Belastung und Stress. Ich habe mir es komplett anders vorgestellt wie es wäre, ein Kind zu haben. Ich habe über mich selbst gedacht, dass ich eine Mutter wäre, die völlig in ihrer Rolle aufgeht, die nichts glücklicher macht…..leider ist es das komplette Gegenteil….dafür verachte ich mich manchmal selber und schäme mich.
    Habe ich Angst, dass mein Kind dadurch psychische Schäden davonträgt? Ja. Denn mein Kind ist leider wie ich, hochsensibel. Er spürt es unterschwellig, wenn es Tage gibt, wo ich es kaum ertrage, jetzt wieder mit ihm zu spielen, wieder mich nur mit ihm zu beschäftigen, wieder mal nur für ihn da zu sein, obwohl ich viel lieber Zeit für mich hätte und keine Lust habe zum Hundertsten mal Uno oder Sonstiges zu spielen. Dann wird er noch anhänglicher und ich noch genervter, weil ich mich noch mehr eingeengt fühle, es als noch unerträglicher mit ihm empfinde….. . Ein Teufelskreis.
    Das ist auch so der Hauptpunkt, warum ich so mit dem Muttersein hadere: Man hat keine Zeit mehr für sich, nicht für seinen Partner, nicht für seine Hobbys….keine Ruhe und wenn man mal Zeit hat ist man so müde und ausgelaugt, dass man sich nicht aufraffen kann, was zu unternehmen etc..

    Mein Sohn ist auch sehr anstrengend, immer noch, denn er kann sich null alleine beschäftigen. Er meint, sobald er aufwacht bis er abends ins Bett geht ist es unser Job als Eltern ihn zu bespaßen/beschäftigen. Selbst wenn er Freunde zu Besuch hat, muss ich immer dabei sein oder mitspielen. Er redet den ganzen Tag ohne Punkt und Komma, hört auch nicht auf wenn man sagt „Sei mal ruhig, ich brauche mal eine Pause“. Nur wenn man ihn in sein Zimmer schickt oder (leider) lauter im Ton wird weil Grenzen erreicht sind ist er mal für 2,3 Minuten ruhig. Und so geht das seit er auf der Welt ist. Momentan noch extremer dank der Wackelzahnpupertät.
    Diese Momente, die viele Mütter beschreiben, der vollkommenen Glückseligkeit, die habe ich bis heute noch nie gehabt. Auch die Beziehung zwischen mir und meinem Mann leidet sehr unter dem Stress des Elternseins.
    Mir tut deine Seite gut, weil ich mich nicht mehr so alleine damit fühle und mich verstanden fühle.

    Grüße

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