Lebensfragen

Die Innere Erwachsene entdecken für mehr Freude am Muttersein

Schon aus der Ferne sah ich sie bereits. Die Frau saß an dem kleinen Lagerfeuer, das an der Lichtung am Waldrand leise vor sich hin prasselte. Ab und zu stand sie auf, legte ein Holzscheit nach oder schüttelte eins der Kissen auf, die da so gemütlich auf einer Holzbank hergerichtet worden waren. Das alles tat sie mit einer derartigen Ruhe und Gelassenheit, dass meine anfängliche Nervosität schnell verschwand. Als ich näherkam, drehte sie sich zu mir um und bedeutete mir mit einem herzlichen Lächeln, mich neben sie auf die Bank mit den weichen Kissen zu setzen. Dabei strahlte sie solch eine Wärme und Herzlichkeit aus, dass ich meinem Impuls folgte, mich an ihr anzulehnen. Dass ich ihr Gesicht dabei nicht richtig erkennen konnte, spielte keine Rolle. Ich wusste auch so wer sie war: Sie war meine innere Erwachsene, die ich so lange gesucht hatte und der ich fortan bewusst die Führung in meinem Leben überlassen wollte.

Mütter, die das Muttersein überwiegend als Belastung empfinden, die auf Trotz- und Wutanfälle ihrer Kinder selbst unangemessen emotional und trotzig reagieren, oder die es scheuen, Verantwortung im Alltag zu übernehmen, haben es meistens nicht gelernt, ihre innere Erwachsene auszubilden. Den gesunden Teil in uns, der mit Heranwachsen unseres Körpers psychisch und emotional mitwachsen sollte.

Im Idealfall waren unsere Eltern und engen Bezugspersonen in der Hinsicht unsere Vorbilder, an denen wir ganz nebenbei lernen konnten, was es heißt, erwachsen zu handeln und zu reagieren. Leider ist das jedoch das verkannte Drama unserer Gesellschaft, dass Werte wie „Konsequenzen für seine Entscheidungen tragen“, „Verantwortung für sein Leben übernehmen“ oder auch „Zum Wohle der Gemeinschaft das eigene Ego zurückstecken, wenn es erforderlich ist“ immer mehr in den Hintergrund treten, um die eigenen Schwächen, Ängste und Schamgefühle nicht spüren zu müssen.

So gibt es heutzutage weniger Erwachsene als Kinder in erwachsenen Körpern. Und das ist nicht nur für uns selbst tragisch, sondern auch für unsere leiblichen Kinder, welche die Führung eines Erwachsenen zum Heranreifen benötigen, um später verantwortlich mit sich, ihren Mitmenschen und unserem Planeten umgehen zu können.

Viele verwechseln Erwachsensein mit spießig sein, mit Langeweile und öder Vernunft, mit streng und bieder sein. Dabei bedeutet erwachsen zu sein viel mehr: Wer den Weg der bewussten Reifung geht, erlangt viel mehr Freiheit, als man als Kind je hatte.

Susanne Hühn beschreibt es in ihrem Buch „Der innere Erwachsene“ so: „Erwachsen zu sein bedeutet nichts anderes, als dass du in der Lage bist, deinen unbewussten Konditionierungen und Vermeidungsstrategien zu entkommen, dir selbst und dem Leben ein bewusstes, selbstmitfühlendes und selbstfürsorgliches Ich anzubieten.“

Woran ich erkenne, dass ich aus der Position der Inneren Erwachsenen heraus reagiere:

• Im Inneren Erwachsenen bin ich distanzierter und habe den Abstand zu meinen Gefühlen. Dann kann ich auch Mitgefühl empfinden und Trost spenden (auch meinem inneren Kind gegenüber!)
• Ich behalte den Gesamtüberblick, reagiere weise und lasse mich emotional nicht verstricken
• Ich bin weise genug zu entscheiden, wann es sinnvoller ist, den Bedürfnissen meiner leiblichen Kinder oder denen meines inneren Kindes zuerst nachzugehen (und tröste entsprechend die andere Seite)
• Ich erkenne den Zeitpunkt, wann es notwendig ist, Verantwortung zu übernehmen oder Wichtiges zu organisieren und handle entsprechend, auch, wenn ein Teil von mir gerade keine Lust dazu hat
• Ich kann Fehler eingestehen und mich bei meinen Kindern entschuldigen
• Ich (re-)agiere ruhig und gelassen, aber bestimmt
• Ich erbitte mir Unterstützung von außen, wenn ich merke, dass ich überfordert bin oder alleine nicht weiterkomme
• Ich schaue immer wieder zu den Bedürfnissen meines inneren Kindes und versuche ihnen, so oft es geht, nachzugehen
• Ich räume mir genug Zeit für mich als Frau ein, weil ich weiß, dass Selbstliebe nichts mit Egoismus zu tun hat
• Ich kann für mein inneres Kind Mitgefühl empfinden, auch rückblickend meine Kindheit betrachtend
• Ich spreche mit mir selbst liebevoll und wertschätzend
• Ich bin in der Lage, Emotionen und innere Konflikte auszuhalten
• Ich kann sowohl „Ja“ als auch „Nein“ sagen und lerne, meine innerste Weisheit zu meiner Handlungsgrundlage zu machen
• Ich kann Verantwortung für meine Kinder übernehmen und bin in der Lage, handlungsfähig und vernünftig zu bleiben
• Ich lerne, mit den Konsequenzen meiner Entscheidungen zu leben (auch, wenn das mein Dasein als unglückliche Mutter betrifft: Was nicht heißt, dass ich mich damit abfinden muss („Ich kann ja eh nichts dagegen tun“ wäre die Stimme des hilflosen, inneren Kindes), sondern bedeuten kann, schrittweise einen Weg heraus aus meiner jetzigen Lage zu finden, z.B. indem ich mir Hilfe hole)

Der innere Erwachsene kann nicht von Kindheitserfahrungen getriggert und von Emotionen überrannt werden

Die Innere Erwachsene entdecken für mehr Freude am Muttersein

Woran ich merke, dass ich wieder ins Innere Kind „gerutscht“ bin:

• Ich reagiere emotional auf meine Kinder, schmeiße vielleicht mit Gegenständen durchs Zimmer oder ziehe mich beleidigt zurück
• Ich fühle mich klein und hilflos
• Ich sehe mich als Opfer meiner Umstände und glaube, dass es mir nicht zusteht, mich selbst zu verwirklichen
• Ich bin auf die Meinung anderer angewiesen und vertraue nicht meiner Intuition und meinen eigenen Werten
• Wenn andere mich kritisieren oder ablehnen, nehme ich das persönlich und halte den Zustand kaum aus
• Ich reagiere aus der Vermeidung von Beschämung oder Schmerz heraus
• Ich vermeide Konflikte
• Wenn meine Kinder sich von mir abwenden (oder sich anderen Erwachsenen gegenüber freudig zuwenden) empfinde ich das als persönliche Kränkung oder Ablehnung

Seit ich vor acht Jahren zum ersten Mal Mutter wurde, erlebte ich das Muttersein als überdimensionale Belastung. Ständig Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und vor allem die Fremdbestimmtheit aushalten zu müssen, überstieg meine Kapazitäten. Lange Zeit wusste ich nicht warum. Bis ich mich mit dem inneren Kind beschäftigte und verstand, dass mein eigener kindlicher Anteil immer noch das Ruder in meinem Leben in der Hand hielt, weil es keinen inneren Erwachsenen gab, der die Position des Steuermanns hätte einnehmen müssen.

Mein inneres Kind war auch im Körper der Erwachsenen, aufgrund meiner traumatischen Vergangenheit, selbst noch zu bedürftig und empfand meine leiblichen Kinder als ewige Konkurrenten. Sobald Mini oder Maxi nach meiner Aufmerksamkeit verlangten, meldete sich mein inneres Kind mit dem übermächtigen Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein, damit ich mich wieder selbst spüren konnte.

Das alles hätte ich gerne schon viel früher gewusst, denn so entwickelte ich einen kindischen Groll gegenüber meiner Söhne, die aus meiner kindlichen Perspektive die Wurzel allen Übels waren und empfand gleichzeitig die Mutterrolle als zu große Bürde. Dabei war ich entwicklungstechnisch einfach noch nicht in der Lage, dauerhaft die Position der Mutter einzunehmen, weil ich zuvor nicht die innere Erwachsene kennenlernen und entwickeln konnte, sondern quasi als Kind Mutter spielen musste.

Das Problem hierbei ist, dass dann eine Institution fehlt, die den Überblick behält und wahrhaft erwachsen, zum Wohle aller, reagiert. Das Ganze habe ich detailliert in meinem Beitrag „Von der Wichtigkeit des Inneren Erwachsenen für die Mutterrolle“ erklärt.

Die Innere Erwachsene entdecken für mehr Freude am MutterseinSeitdem ich meine innere Erwachsene zum ersten Mal bewusst bei einer Visualisierungsreise kennengelernt hatte, fielen mir zwei Dinge auf: Zum einen war ich positiv überrascht, wie sympathisch mir dieser innere Anteil war. Die innere Erwachsene hat eben NICHT die Stimme meiner eigenen Mutter oder nörgelt an mir herum wie mein innerer Kritiker. Sondern es ist der weise, liebevolle, ja geradezu mütterliche Anteil in uns, der IMMER wohlwollend zu uns spricht. Zum anderen fiel mir auf, dass ich diesen Anteil bereits in anderen Bereichen meines Lebens kennengelernt hatte, wie in meinem Beruf als Hotelfachfrau damals, als ich bei der Beschwerde der aufgebrachten Gäste freundlich, ruhig und sachlich die Situation klären konnte, ohne mich dabei selbst angegriffen gefühlt zu haben.

Die innere Erwachsene in mir (wieder-) zu finden war für mich sehr wichtig, um mir ein Bild von ihr visualisieren zu können, damit ich sie im Alltag schneller herbeirufen kann. Mir hat für die erste Begegnung die Reise zum Lagerfeuer sehr gut gefallen, mir etwa 20 Minuten Zeit zu nehmen bei entspannender Musik, um die Präsenz der herzlichen und gnädigen Erwachsenen zu spüren und einfach einige Zeit mit ihr am Lagerfeuer zu sitzen, um mir dort Kraft zu holen. Mit der Zeit bekam ich dann ein Gespür, wie die innere Erwachsene in für mich ansonsten unangenehmen Situationen im Alltag ruhig, aber bestimmt, reagieren würde.

Mir persönlich ist es wichtig, dass meine innere Erwachsene optisch ein Abbild meines derzeitigen Selbst ist, damit es mir leichter fällt, erwachsenes Verhalten im Alltag aus meinem Körper heraus anzuwenden und ich mich somit immer mehr mit der inneren Erwachsenen identifizieren kann.

Denn das ist für mich der weitaus schwierigere und langwierigere Part in dem großen Prozess: Mein inneres Kind muss lernen, meiner inneren Erwachsenen zu vertrauen. So weit, dass es irgendwann in stressigen Situationen ganz bewusst der Erwachsenen das Ruder überlässt. Damit ich meinen Sohn nicht anschreie oder beleidigt das Zimmer verlasse, wenn er wütend wird, sondern erkenne, dass er gerade überfordert ist und einen Erwachsenen braucht, der ihn in seiner Wut auffängt und begleitet.

Dafür ist es hilfreich, mich schon in ruhigen Momenten immer wieder mit meiner inneren Erwachsenen zu beschäftigen, in einen inneren Dialog zu gehen, mir vorzustellen, wie ich in bestimmten Situationen mit meinen Söhnen erwachsen reagieren könnte („Was würde jetzt die beste Version einer Mutter machen?“) und ihre Präsenz im Alltag zu spüren.

Gleichzeitig nimmt meine innere Erwachsene auch immer wieder mein inneres Kind tröstend in den Arm und spricht ihm bereits in stressfreien Momenten gut zu, sagt ihm, dass sie von nun an gut auf es aufpassen wird und dass mein inneres Kind einfach Kind sein darf. Das ist ein langer Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist, weil mein inneres Kind es gewohnt war, über dreißig Jahre die Führung in mir zu übernehmen und meine innere Erwachsene sich noch oft beweisen muss.

Als ich mich damals zum ersten Mal intensiv mit meinem inneren Kind beschäftigte, wusste ich noch nicht, dass es auch einen inneren Erwachsenen gibt, den es gleichzeitig zu stärken gilt. Und dennoch fing ich parallel dazu an, mir Vorbilder zu suchen, die mir halfen, mein Selbstbewusstsein zu stärken. Rückblickend betrachtet waren diese inneren Bilder meiner Vorbilder der ideale Einstieg für die Entwicklung meines inneren Erwachsenen.

Jede Frau, die sich langsam an das Thema Innerer Erwachsener herantasten möchte oder noch kein konkretes Bild ihrer eigenen inneren Erwachsenen vor Augen hat, empfehle ich, sich mütterliche Verhaltensweisen, Charaktereigenschaften und die weise Grundhaltung von anderen Menschen abzuschauen und mit der Zeit bei sich selbst zu integrieren.

Das kann die Freundin sein, die immer so liebevoll auf ihre Kinder reagiert. Vielleicht ist es aber auch unser damaliger Englischlehrer, der nie herumbrüllte, sondern uns wertschätzend und wohlwollend unterstützte, wenn wir mal wieder Schwierigkeiten mit der Sprache oder unseren Mitschülern hatten. Es müssen nicht zwangsläufig Frauen mit Kindern sein, bei denen wir uns das mütterlich-zugewandte Verhalten abgucken können; auch Männer tragen einen gewissen Teil von Mütterlichkeit in sich, genauso, wie auch bei uns Frauen ein Anteil von Väterlichkeit in uns steckt.

Die Innere Erwachsene entdecken für mehr Freude am MutterseinDarüber hinaus sind die Komponenten für den inneren Erwachsenen wie Güte, Weisheit, intuitive Klarheit und sensibles Einfühlungsvermögen Werte, die von Grund auf jeder in sich trägt. Wir können uns also auf die kreative Suche zur Entfaltung unserer wertvollen Schätze für unsere innere Erwachsene machen.

Lange Zeit begleitete mich beispielsweise ein Cowboy in meinem Alltag. Meistens saß er im Auto auf meinem Beifahrersitz, wenn ich mich im dichten Stadtverkehr mal wieder völlig hilflos und überfordert, eben wie ein kleines Kind, fühlte. Hinter mir drängelte einer, vor mir teilte sich die unbekannte Straße in drei Spuren auf und gleichzeitig musste ich noch die Orientierung über den Schilderwald und aufgezeichnete Pfeile auf der Fahrbahn behalten. Dann machte es sich der Cowboy noch ein bisschen bequemer in seinem Sitz zurecht, als eh schon, zog lässig an seiner Hutkrempe, das Geschehen gelassen betrachtend und sprach mit seiner tiefen, ruhigen Stimme, die darauf schließen ließ, dass er so mit sich im Reinen war, dass er nur die wirklich wichtigen Dinge am Tag aussprach und nicht, weil er sich selbst gerne reden hörte: „Ganz ruhig, Mädel! Mach du mal in aller Ruhe und lass dich nicht stressen. Alles braucht seine Zeit, auch deine Entscheidungen für die richtige Spur. Du bist nicht für die Hektik deines Hintermannes verantwortlich, das ist seine Entscheidung.“ Das ließ mich erst einmal tief durchatmen. Und damit fuhr ich -im doppelten Sinne- besser.

Meine bislang hilfreichsten Vorbilder in Sachen Weisheit und Mütterlichkeit habe ich als (meist fiktive) Figuren in Büchern und Filmen gefunden:

• Gott als weibliche Verkörperung „Papa“ („Die Hütte“, Buch und Film)
• Meister Hora („Momo“ Buch und Film)
• Connie Booth als Mutter von Cedric („Der kleine Lord“, Film 1980)
• Der alte Mann (Der Cowboy aus meinem Beispiel entspringt dem Buch „denn Pferde lügen nicht“ von Mark Rashid)

Um die innere Erwachsene immer wieder bewusst in meinen Alltag zu holen, ist es außerdem ratsam, sie nicht zu kopflastig zu betrachten, sondern auch in den Körper zu bringen, sie wirklich zu leben. Dabei helfen mir innere Dialoge am Lagerfeuer (oder auch mal bei mir auf dem Sofa), um herauszufinden, was die innere Erwachsene braucht und ausmacht.

Meine innere Erwachsene hört z.B. andere Musik als mein inneres Kind. Sie hat andere Hobbys (Dekorieren, Möbel weiß lackieren), liest im Gegensatz zum inneren Kind gerne Frauenromane oder Ratgeber und blättert durch Wohnzeitschriften. Sie unterhält sich gerne über tiefsinnige Themen mit anderen Erwachsenen und trinkt gerne mal ein Glas Rotwein.

Aber auch auf körperlicher Ebene und in der Außendarstellung drückt sich die innere Erwachsene ganz anders aus: Sie sitzt und steht viel aufrechter, die Schultern nach hinten gedrückt und ihre Stimme klingt tiefer und voller als die meines inneren Kindes. Ihr Gesicht drückt freundliche Entschlossenheit aus und auf ihren Lippen trägt sie gerne Lippenstift. Im Gegensatz zum Jeans-und-Kapuzenpulli-Look des inneren Kindes bevorzugt meine innere Erwachsene Kleider über Strumpfhosen und weite Strickpullover. Und ihre Haare würde sie niemals freiwillig zu einem Zopf zusammenbinden wie das innere Kind.

Das Wissen darüber lässt mich manche Tage leichter in ihre Haut schlüpfen und ihre Anwesenheit bewusster wahrnehmen. Sobald ich fest verankert bin in der Position der inneren Erwachsenen fällt mir mein Muttersein deutlich leichter. Dann lasse ich mich nicht so schnell von belastenden Emotionen meiner Kinder mitreißen, finde abends auch nach einem langen Tag noch ein mitfühlendes Wort und kann sie an kalten Wintertagen freundlich, aber bestimmt, auffordern, die warmen Handschuhe anzuziehen, statt ihnen (aus der Position des inneren Kindes heraus) mit einem trotzigen „Mach was du willst, du wirst schon sehen was du davon hast!“ die (in diesem Fall zu große) Verantwortung zu übertragen.

Und trotzdem ist das alles noch nicht bombenfest verankert. Sobald ich von meinen Kindern oder meinem Umfeld stark getriggert werde, rutsche ich so schnell in die Position meines inneren Kindes, dass ich es meist nicht mal sofort mitbekomme. Und dann braucht es Kraft, dort wieder herauszufinden in Form einer inneren Erwachsenen, die das innere Kind tröstet und ihm anschließend liebevoll das Ruder wieder aus der Hand nimmt. Immer wieder aufs Neue.

6 Gedanken zu „Die Innere Erwachsene entdecken für mehr Freude am Muttersein“

  1. Jenny sagt:

    Das macht alles so sehr Sinn und klingt logisch. Ich erkenne mich in jedem Satz wieder. Ich schaff es nur nicht es umzusetzen. Nichts von dem, was du hier immer schreibst, kann ich umsetzen…das zieht mich noch mehr runter

    1. Christine sagt:

      Liebe Jenny,

      deinen Frust kann ich sehr gut nachempfinden. Manchmal erreichen wir Wegpunkte in unserem Leben, an denen wir selbst nicht weiterkommen, trotz des Wissens um die richtige Lösung. Vielleicht sind wir an irgendeiner Stelle blockiert oder es gibt andere Gründe, warum uns die Umsetzung so schwerfällt. Da können uns Impulse von Fachmenschen weiterhelfen, die uns sachte an den Kern unserer Blockade heranführen und uns dann Strategien aufzeigen, wie wir das theoretische Wissen praktisch umsetzen. Ich möchte dich dazu ermutigen, dir Hilfe von außen zu suchen und zwar aus eigener Erfahrung heraus. Ohne Hilfe wäre ich auch nicht an den Punkt gekommen, an dem ich heute stehe und worüber ich schreibe. Hab nur Mut! Einen Fachmenschen ins Boot zu holen zeugt nicht von Schwäche, sondern von (erwachsener) Stärke!

  2. Kira sagt:

    Danke für den schönen Beitrag. Du hast es so wunderbar anschaulich dargestellt, dass ich mich sehr gut in das Ganze hineinversetzen konnte. Es waren für mich interessante Anregungen dabei, wie z. B. die innere Erwachsene zu visualisieren und sich Vorbilder zu suchen. Zwar glaube ich, dass ich in den meisten Situationen schon gemäß meiner inneren Erwachsenen agiere, aber es gibt auch Situationen der Überlastung, wo das anders aussieht und ich z. B. auch mal voller Genervtheit meinem Kind gegenüber laut werde und nicht besonders weise und erwachsen bin. Ich möchte daran gern arbeiten und dein Artikel hat mir wertvolle Anreize dafür gegeben. Herzlichen Dank, dass du so offen schreibst und uns tiefe Einblicke gewährst. Alles Liebe, Kira :)

    1. Christine sagt:

      Liebe Kira,
      hab Dank für deine netten Worte! Schön, dass du ein paar Impulse für dich herausziehen konntest :)

  3. Rona Duwe sagt:

    ich finde Deinen Blog sehr, sehr wertvoll. Gerade aktuell, wo ich mich wieder an einem Punkt befinde, mich als Mutter komplett zu hinterfragen. Was mir bei Deiner Auflistung oben auffällt: Wir haben kaum wirklich echte, weiblich-mütterliche Vorbilder und müssen auf männlich-mütterliche Vorbilder zurückgreifen. Das finde ich sehr bezeichnend für unsere aktuelle Zeit. Meiner Beobachtung nach ist es gerade das Mütterliche, das gesamtgesellschaftlich verschwindet und entwertet wird. Dabei wäre es eigentlich so wichtig. Ich habe mich ja in den letzten Jahren mit Patriarchatskritikforschung beschäftigt und erkenne daher das System, das hinter unserem Leid steckt und das auch jeden einzelnen und jede einzelne beeinflusst. Mütter müssen gesamtgesellschaftlich viel stärker unterstützt und gehalten werden. Sicherlich kann dazu jede einzelne beitragen, indem sie sich weiterentwickelt. Aber auch das Gesellschaftssystem trägt entscheidend dazu bei, dass es so verdammt schwierig ist, entspannt und zugewandt Mutter zu sein. Im großen Maßstab fehlt eben auch das Bemuttern der Mutter. In der Frühzeit des Menschen war die Mutter die zentrale Person der Sippe, weil durch sie das Leben auf die Welt kommt. Sie hatte eine ganz andere Bedeutung und wurde ganz anders von allen gestützt. Eigentlich müssten wir genau dahin zurück. Das beinhaltete im übrigen auch eine ganz andere Wahrnehmung und Verbundenheit zur Natur, weil unsere Umgebung eben auch als mütterlich empfunden und als besonders achtens- und schützenswert gesehen wurde. Der achtlose Umgang mit Frauen und Müttern und der achtlose Umgang mit der Natur hängt also eng zusammen.

  4. Vivien sagt:

    Liebe Christine,

    Ich verfolge dich schon seit mehreren Jahren und bin so froh, dich gefunden zu haben. Du schreibst mir so oft von der Seele und jetzt, nach dem stressigen Morgen mit den Kindern, ist mir irgendwie ein Gedanke gekommen, den du vielleicht auch kennst? Deinen Beiträgen entnehme ich, dass du dich selbst als „spirituellen Menschen“, bezeichnest. Ich gehöre auch dazu. Durch unsere Feinfühligkeit nehmen wir von Natur aus mehr wahr, auch was gesellschaftliche Unstimmigkeiten angeht. Bei mir ist es jedenfalls so, dass ich diese Welt, in der wir leben, als Hamsterrad empfinde, wo nicht das Glück des jeweils Einzelnen im Vordergrund steht, sondern es eher darauf ankommt, ein angepasstes und sozial konformes Leben zu führen. Mit anderen Worten: ein Sklave des Systems zu sein. Mit Kindern wird man tagtäglich mit dem ganzen Mainstream konfrontiert und kann sich dem noch weniger entziehen, als wenn man kinderlos wäre. Jeder will irgendwie mitbestimmen, ob es die Erzieher in der Kita sind, Ärzte, Behörden, „Experten“ und in Töpfen mitrühren, die sie eigentlich nichts angehen sollten. Ich kann gar nicht mehr „normal“ als Angestellte arbeiten und bin seit 7 Jahren selbstständig. Arbeite nur 3-4 Std. am Tag aus dem Home-Office und verdiene damit so gut, dass wir ein ganz gutes Leben führen können. Mein Mann ist vollzeitbeschäftigt. Ich denke andauernd, wenn ich die Kinder nicht hätte (11 J. 3J. und 1 J.) dann wäre ich wirklich 100% frei. Ich arbeite jetzt schon, wann und so viel ich möchte oder auch gar nicht, wenn mir nicht danach ist und ich der Meinung bin, für den Monat genug verdient zu haben. Mein Tagesablauf sieht ungefähr so aus wie deiner. Ich habe sehr viel Zeit für mich. Wenn mein Mann die Kinder gegen 17 Uhr aus der Kita holt bin ich schon längst im Büro verschwunden und gehe meiner entspannten Arbeit nach. Da habe ich schon den 1.Konflikt, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich ja eigentlich total gegen den Schrott bin, den die Kinder im Kindergarten vorgelebt bekommen und Zeit hätte, mich am Tag selbst um sie zu kümmern, aber es nervlich einfach nicht fertig bekomme. Ich brauche ganz viel Zeit für mich, um zu mir selbst zu finden, alte Blessuren aufzuarbeiten und um überhaupt zu funktionieren. Gleichzeitig will ich aber auch nicht, dass meine Kids die falschen Werte mit auf den Weg bekommen, dass nur Leistung zählt und man besonders angepasst sein muss. Ich versuche dann, hier zu Hause die für mich wichtigen Dinge umzusetzen (Thema Ernährung, durch das Herz leben, bedürfnissorientiert erziehen, den Kindern vermitteln, worauf es wirklich im Leben ankommt usw). Wie man bereits heraus liest, habe ich ein großes Problem mit dem Thema Fremdbestimmtheit. Bei meinem Ältesten war es sehr schlimm und damals gab es den Begriff „Regretting Motherhood“ noch nicht. Beim Mittleren ging es mir eigentlich relativ gut, aber nun, nach Sohn Nr. 3 wünschte ich, die Zeit wieder zurück zu drehen. Wir haben 3 Kinder, weil ich immer ein Mädchen wollte, aber naja, man kann sich das eben nicht aussuchen und uns war klar, nach diesem Kind ist Schluss mit der Familienplanung. Trotzdem liebe ich meine Buben über alles. Jetzt, wo ich Mutter bin, merke ich erst, dass ich hätte total frei leben können, denn vom „Arbeits-Hamsterrad“ habe ich mich vollständig befreit. Ich habe einen tollen Ehemann und eine super Familie. Es könnte alles so einfach sein. Ausschlafen, so lange ich will, machen, was und wann ich will und somit ganz im Einklang mit meiner Seele leben, wie es für uns Menschen eigentlich von Natur aus vorgesehen war. Stattdessen habe ich mich in ein anderes Sklaven-System begeben: dass, der Mutterrolle. Mir ist schon klar, dass es wir an allem wachsen können und gerade die Mutterschaft eines der größten Entwicklungschancen bietet, weil man sich dem nicht mehr entziehen kann. Dennoch denke ich oft, dass wir aber dennoch einen freien Willen haben/hatten und Kinder bekommen haben, um selbst eine innere Leere zu füllen oder weil wir voll davon überzeugt waren, dann glücklich zu werden. Wäre man reflektiert genug gewesen, dann hätten wir bemerkt, dass unser Weg eigentlich ein anderer hätte sein können. Mich umgibt der Neid. Gerade, wenn ich zB Youtube-Kanäle schaue, wo Personen gewollt kinderlos ihr eigenes Leben führen und glücklich damit sind, das machen und so Geld verdienen zu können, wie sie wollen, weil ich das alles auch hätte haben können. Klar, dann haben die vielleicht ein anderes Päckchen zu tragen, wer weiß. Kennst du „Gespräche mit Gott“? Da wird zB von einer „fiktiven“ hochentwickelten Gesellschaftsform berichtet, in der es so aussieht, dass die jüngeren Frauen (um die 20) die Kinder zur Welt bringen, weil sie körperlich und genetisch am besten dafür ausgelegt sind, aber die Kinder dann von der älteren Generation herangezogen werden, weil die bereits die Weisheit besitzt, den Kindern ein emotional stabiles Umfeld zu bieten und sie damit bestmöglich auf das Leben vorzubereiten. Die Eltern sammeln während dessen ihre eigenen Erfahrungen, tingeln in der Weltgeschichte herum und leben ihr Leben, weil nach der Anschauung selbst Leute um die 40 seelisch noch nicht dazu fähig sind, sich entsprechend um Kinder zu kümmern. Und das ist alles ok, keiner fühlt sich ungeliebt oder abgeschoben, weil alle in diesem System miteinbezogen sind und es eben normal ist! Jeder bekommt das, was er braucht. Die jüngere Generation lebt ihre Freiheit und die Kinder sind wohlbehütet bei den Älteren. Natürlich ist alles freiwillig. Man muss auch gar keine Kinder bekommen. Wenn man doch lieber bei seinem Kind bleiben möchte, kann man es dennoch tun und wenn man als alter Mensch sich nicht um Kinder kümmern möchte, dann ist es auch in Ordnung und es macht ein Anderer. Das wäre mein Traum! Was ich nun generell sagen wollte, glaubst du, dass auch du innerlich spürst und merkst, in unserer Gesellschaft läuft etwas grundsätzlich schief und das auch ein Punkt ist, weswegen du dich nicht gerne fremdbestimmen lässt, da du innerlich merkst, ein System, welches unter Zwang aufgebaut ist, ist irgendwie falsch und nicht auszuhalten? Ich habe in mir seit Kindheit an so einen inneren Rebell, eine Art Widerstandskämpfer, der nicht alles so hinnehmen will, wie es ist. Vielleicht sind wir ja gar nicht „falsch“ oder haben Probleme mit unserem inneren Erwachsenen bzw inneren Kind, sondern eigentlich ganz „normal“, nur die Gesellschaft ist total verkorkst? Das Modell mit dem inneren Kind und dem inneren Erwachsenen kann nämlich auch in die andere Richtung benutzt werden, um von der Außenwelt abzulenken und dass wir angehalten werden die Problematiken und somit die (unbewusste) Schuld nur bei uns zu suchen, weil ja schließlich etwas mit uns nicht stimmen muss, wenn wir in dieser Welt nicht klar kommen. Ich sehe das alles etwas kritisch, jedenfalls könnte alles viel einfacher sein, wenn auch die Welt, in der wir leben, anders gestrickt wäre. Ich wünsche dir alles Gute!

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