Hilfe und Therapie bei Regretting Motherhood

Der Wunsch, die eigene Situation zu verändern, unter der so viele Mütter heute leiden, ist groß. Regretting Motherhood bricht völlig unvorbereitet auf die Frauen ein, weil es nämlich in den meisten Fällen die gleichen sind, die unbedingt Mutter werden wollten. In dem Wissen, dass auch anstrengende Zeiten auf sie zukommen würden, ohne zu ahnen, dass sie das Leben mit Kind einmal so sehr überfordern würde, dass sie sich wünschen würden, sie wären kinderlos geblieben. Das Muttersein grundlegend als Erschöpfung statt Erfüllung zu empfinden, während „alle Anderen“ um mich herum im Beisein ihrer Kinder aufzublühen scheinen, löst früher oder später nahezu bei jeder dieser Mütter den Gedanken aus, falsch, krank oder gestört zu sein.

Deswegen überraschen mich die unzähligen Leserinnen-Anfragen zu Hilfsangeboten und Therapiemöglichkeiten, die in mein Postfach flattern, inzwischen nicht mehr. Im Gegenteil: Sie waren Anlass für diese Hilfe-Seite, um alle Fragen diesbezüglich auf einen Blick aus meiner Perspektive heraus zu beantworten und um auch jene Leserinnen zu erreichen, die vielleicht der Mut verließ, mich mit ihren Fragen oder Gefühlen zu „behelligen“ (das tut ihr übrigens NICHT, ihr dürft zu mir mit jedem noch so kleinen oder schambehafteten Anliegen kommen!).

Bevor ich nun auf das Thema eingehen werde, wo du dir Hilfe holen kannst, wenn du unter deiner Mutterrolle bzw. ihren Auswirkungen leidest, möchte ich gerne noch vorab ein paar Worte zu „Regretting Motherhood“ sagen, wie ich den Begriff verstehe:

Regretting Motherhood ist keine Krankheit oder psychische Störung, wobei das Bereuen der Mutterrolle in meinen Augen Ausdruck eines seelischen Ungleichgewichts ist. Dieses Ungleichgewicht kann sowohl aufgrund von inneren als auch äußeren Faktoren entstehen, wobei sich nach meiner Erfahrung nach die Themenbereiche oftmals vermischen. Grundsätzlich tritt nach meinem Verständnis der Gedanke des Bereuens ein, wenn sich das subjektive Stressempfinden der Mutter als überwältigendes Gefühl äußert und im deutlichen Missverhältnis zu den erfüllenden Momenten des Mutterseins steht.

Zu den äußeren Faktoren zählen z.B.:

Ein Ungleichgewicht der Verteilung der Aufgaben zwischen den Eltern (bzw. Bezugspersonen). Wenn die Frau sich hauptsächlich um die Kindererziehung, um den Haushalt sowie um die Organisation rund ums Kind kümmert und sie es ist, die sich frei nimmt, wenn das Kind mal krank ist. Dann leidet sie unter dem zu viel und zu oft.
Ein Ungleichgewicht zwischen „Zeit mit Kind“ und „Zeit für mich“ (Stichwort „Fremdbestimmtheit“)
Ein fehlendes oder unzureichendes Netz von Freunden und Familie oder fehlende Betreuungsmöglichkeiten von KiTa/Schule/Tagesmutter
Unzureichende Hilfsangebote für frischgebackene Mütter, so dass das Gefühl von Überforderung bzw. Unzulänglichkeit eintritt („Ich stelle mich einfach zu blöd an, ich müsste ja auch selbst wissen wie es geht“)
Unrealistische Idealvorstellungen vom Bild der Mutter (durch Werbung, Filme und Gesellschaftsansprüche suggeriert), oder aber einem Zuviel an Ratgebern und „idealen“ Verhaltensweisen, welche die Frau zu erfüllen versucht (und zwangsläufig irgendwann daran scheitert)
• Zu wenig Anerkennung für die täglich erbrachten Leistungen einer Mutter (sei es z.B. durch seltene oder fehlende Bestätigung des Partners (man denke hier vor allem auch an alleinerziehende Mütter!) oder die finanzielle Ungleichstellung der Mutter vom Staat im Verhältnis zu einem anderen Vollzeitjob)

Die inneren Faktoren sind auf den ersten Blick nicht immer leicht zu erkennen. Dazu können zählen:

Traumatische Erfahrungen aus der eigenen Kindheit
Ein überzogener Perfektionismus
Traumatische Erfahrungen und Komplikationen bei der Geburt, die Ängste und Unsicherheiten bei der Frau auslösen
Hochsensibilität
Die Unfähigkeit, für sich selbst einzustehen, nicht „Nein“ sagen oder Hilfe annehmen können; Scham, Zeit für sich selbst einzuräumen („Was bin ich doch egoistisch!“)
Das innere Kind wurde zu lange vernachlässigt und/oder der innere Erwachsene wurde nicht ausreichend ausgebildet (beides gesunde Anteile, die jeder in sich trägt)
• Das Erleben von Unsicherheit und Hilflosigkeit, ausgelöst durch das Kind (z.B. wenn es sich beim Schreien nicht beruhigen lässt) oder durch die Außenwelt, z.B. wenn das Umfeld hauptsächlich Mütter hergibt, die permanent glücklich zu sein scheinen und damit die eigene, vermeintliche Unzulänglichkeit spiegeln, gekoppelt mit dem Gefühl, keine gute Mutter zu sein oder enge Bezugspersonen wie (Schwieger-)Eltern/Partner/Freundinnen, etc., die für das Empfinden der Mutter ungefragt/zu oft/kritisierend Ratschläge erteilen
Grundsätzliches Misstrauen in die eigenen Fähigkeiten und/oder blockierter Zugang zu mütterlichen Instinkten

Eine Leserin fragte mich letztens hoffnungsvoll, ob es eine spezielle Therapie für Mütter mit Regretting Motherhood gibt. Davon habe ich leider noch nicht gehört.
Ich denke aber, dass das auch nicht zwingend notwendig ist, weil man meiner Meinung nach sowieso nicht primär den Zustand des Bereuens behandeln, wohl aber bei den Ursachen ansetzen kann, um wieder in ein inneres und äußeres Gleichgewicht zu finden.

Zu seinen inneren Kraftquellen findet, wem es gelingt, seinen kindlichen Ur-Schmerz in Mitgefühl für sich selbst und andere zu verwandeln.

Prof. Dr. Franz Ruppert

Das kannst du auch schon ohne Therapeuten für dich tun:

Mitgefühl für dich selbst entwickeln (was würdest du in stressigen Situationen oder auch rückblickend zu deiner besten Freundin sagen?)
Zeit für dich einräumen (Schöpfe aus 190 Leserinnentipps ab fünf Minuten Zeit)
Freundlich mit dir selbst sprechen (lerne deinen inneren Kritiker schätzen, statt ihn vernichten zu wollen)
Lernen, (noch öfter) „Nein“ zu sagen und Aufgaben zu delegieren bzw. Hilfe von deiner Mutter/Freundin/Nachbarin anzunehmen
Selbstbestimmtheit in den Tag integrieren
Bücher und Blogs lesen, die dein Selbstwertgefühl steigern bzw. deine Thematik aufgreifen; die sich um Selbstliebe und Selbstakzeptanz drehen, damit du motiviert bist, milde mit dir selbst umzugehen, auch, wenn das Hamsterrad namens Muttersein dich oft mitschleift
• Achtsamkeit, Resilienz und Selbstregulation in den Alltag integrieren (bei YouTube findest du viele Übungen dazu)
• Schreib dir deinen Kummer von der Seele und verbrenne den Brief wahlweise anschließend. Oder schreib mir deine Gedanken (dann lösche sie nicht ;-))
Vernetzen mit Gleichgesinnten, um das Gefühl loszuwerden, alleine mit deinem Problem dazustehen:
– Such dir in meinem Kontaktverzeichnis Mütter, die auch unter Regretting Motherhood leiden (bei entsprechender Filterung siehst du alle auf einen Blick)
– Tritt der geschützten Facebook-Gruppe „Regretting Motherhood / Bereuende Mütter“ bei, dort findest du sehr viele liebenswerte Frauen und einen geschützten Rahmen, um offen sprechen zu können. Wichtiger Hinweis der Administration: Bitte beantworte bei deiner Anmeldung alle Fragen zum eigenen und zum Schutz der Gruppe, damit du aufgenommen werden kannst
– Komm zu meinem Mütterfrühstück und tausche dich mit Seelenverwandten aus

Woran merke ich, dass ich mehr Hilfe, vielleicht sogar eine Therapie brauche?

Wenn du schon zig Mal versucht hast, dein Verhalten zu ändern, aber immer wieder in einen Teufelskreis von alten Mustern gerätst
Wenn du Angst vor dir und deiner Unberechenbarkeit entwickelst
• Wenn du regelrecht Panik davor hast, mit deinem Kind alleine zu sein
Wenn dein Partner oder enge Bezugspersonen wiederholt den Vorschlag von professioneller Hilfe geäußert haben
Wenn du dich einfach unwohl als Mutter fühlst, aber keine Idee hast, was genau du verändern könntest
Wenn dich ein penibler Perfektionismus durch den Tag treibt und du deine eigenen Ansprüche nicht erfüllen kannst; wenn du das Gefühl hast, permanent als Mutter zu scheitern

Ich fühle mich grundsätzlich unwohl, Hilfe anzunehmen. Was soll ich machen?

Tatsächlich geht das den meisten von uns so. Wir haben gelernt, dass „Hilfe annehmen“ gleichbedeutend ist mit „Schwach sein“. Als wären wir Versager oder zu doof, das offensichtliche Problem alleine zu bewältigen. Ich möchte dir gerne Mut zusprechen, dass wir von Natur aus keine Einzelkämpfer sind, aber unsere Gesellschaft sich dazu leider entwickelt hat. Als müsste jeder alleine sein Problem lösen. Wir sind in der Situation, in der wir sind, aber zu den Ursachen haben wir meist nicht willentlich beigetragen. Es ist absolut logisch, dass wir uns nicht selbst an den Haaren aus dem Sumpf herausziehen können, obwohl wir es bis zur Erschöpfung versuchen. Und die Ansicht „Andere schaffen es ja auch alleine“ zählt nicht, wenn diese Mütter ihre Kraft aus dem Muttersein ziehen oder in ein funktionierendes, soziales Netz eingebunden sind!

Vielleicht hilft dir der Gedanke, was du einer guten Freundin raten würdest, wenn sie vor der gleichen Situation stehen würde. Meistens können wir mit anderen viel mitfühlender umgehen als mit uns selbst und ihnen raten, sich Hilfe zu suchen. Leider warten die meisten dennoch so lange, bis der Schmerz kaum noch aushaltbar ist und bis darüber hinaus. Dann versetze dich in die Lage deines Kindes, das noch nicht (so deutlich) für sich selbst sprechen kann: Kannst du dir um seinetwillen Hilfe suchen? Hättest du dich damals gefreut, wenn deine eigene Mutter über ihren eigenen Schatten gesprungen wäre, um die familiäre Lage zu verbessern? Und egal wie alt du bist: Es ist niemals weder zu früh noch zu spät, sich Hilfe zu suchen!

Muss es gleich eine Therapie sein oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

Wo du anfängst, ist erstmal nebensichtlich, Hauptsache du gehst den ersten Schritt! Darauf kannst du wirklich stolz sein!
Die Familienhilfe, z.B. von der Caritas, unterstützt dich gerne im Bereich Erziehung oder Haushalt
Eine Familienaufstellung kann dir dabei helfen, emotionale und festgefahrene Strukturen in deinem Familiensystem zu ergründen
• Eine reine Mutter-Kur (ohne Kind; gibt’s z.B. auf Norderney) kann dir zumindest Luft für ein paar Wochen verschaffen, um mal wieder durchzuatmen und in Ruhe weitere Schritte zu planen
• Falls ein tragendes Netz von Familie und Betreuung (KiTa, Schule) gegeben ist, wirkt auch eine privat organisierte Woche Urlaub für dich alleine Wunder
Den Online-Kurs von Dami Charf „Mit Trauma leben“ empfehle ich dir wärmstens aus eigener Erfahrung heraus
Statt eines „klassischen“ Therapeuten oder Psychologen, der von der Kasse finanziert wird, gibt es auch Heilpraktiker in Psychotherapie: Du zahlst sie auf deine privaten Kosten, dafür umgehst du lange Wartezeiten. Sie sind sinnvoll als Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz oder wenn du nur ein paar Einzelstunden benötigst (oder dir um die Finanzierung keine Gedanken machen musst)

Alles was wir wissen nützt uns nichts, wenn wir es nicht umsetzen.

Dami Charf

Ich habe mich für den Weg der Therapie entschieden. Welche Therapieform ist die beste für mich?

Das kann ich dir nicht pauschal beantworten, denn die Therapiemöglichkeiten sind so vielseitig wie deine Erfahrungen es sein können. Bei Wikipedia findest du einen gut aufgestellten und sachlichen Überblick über die verschiedenen Therapieverfahren. Wenn du glaubst, an einem Entwicklungstrauma zu leiden, kann ich dir wärmstens den Online-Kurs „Mit Trauma leben“ von Dami Charf ans Herz legen, den ich selbst gemacht habe. Obwohl er nur online stattfindet, hatte ich durch die Videos das Gefühl, die sympathische Therapeutin befände sich direkt in meinem Wohnzimmer. Durch Dami habe ich erfahren, dass die meisten Traumatherapien nicht auf Entwicklungstraumen, sondern Schocktraumen ausgerichtet sind. Daher lohnt sich beim Ersttelefonat dringend die Klärung! Ansonsten empfiehlt Dami Charf eine Körperpsychotherapie (nicht zu verwechseln mit einer reinen Körpertherapie), da ihrer Ansicht nach ein Trauma im Körper feststeckt und nie alleine durch eine reine Gesprächstherapie gelöst werden kann.

Wie komme ich an einen Therapeuten heran?

Du kannst ganz einfach „Psychotherapeut (bzw. deine bevorzugte Therapieform) + den Namen deiner Stadt“ googlen. Wenn du Glück hast, erfährst du so schon über die Internetseite des Therapeuten viel über Therapieverfahren, Ablauf und den Werdegang des Therapeuten, kannst dir aufgrund seines Fotos ein erstes Bild von ihm machen.
Viele Therapeuten haben allerdings keine eigene Website. Dann schau mal auf dieser Website vorbei oder frage bei deiner Krankenkasse nach, dort erhältst du eine Liste mit Therapeuten in deiner Nähe, die von deiner Kasse übernommen werden. Danach vereinbarst du nur noch direkt einen Termin mit dem Therapeuten, die Abrechnung geschieht später ohne dein Zutun zwischen Praxis und Krankenkasse.

Erstes Telefonat mit dem Therapeuten: Welche Qualifikation muss er haben?

Viel wichtiger als bestimmte Therapieverfahren und Studiengänge ist das Gefühl, ob die Chemie zwischen euch stimmt! Die beste Therapiemethode und der studierteste Psychologe nützen dir nichts, wenn du das Gefühl hast, du kannst dich deinem Therapeuten nicht vollends anvertrauen. Dennoch ist gerade im Bereich Traumatherapie eine fundierte Ausbildung sehr wichtig und wertvoll.

Lieber ein Therapeut oder eine Therapeutin?

Das ist ein ganz individuelles Empfinden! Stell dir ruhig selbst die Frage und spüre nach, was sich für dich besser anfühlt. Vielleicht es dir auch egal, ob Frau oder Mann! Frauen mögen sich aufgrund des gleichen Geschlechts grundsätzlich besser in uns hineinversetzen und mit uns „mitschwingen“ können, aber vielleicht gerätst du auch an eine Therapeutin, die selbst von ganzem Herzen Mutter ist und die Vorstellung, die Mutterrolle zu bereuen, mehr als abwegig findet. Meiner Meinung nach muss eine gute Therapeutin das trennen können, aber für diese Einschätzung dient euch beiden ja auch das Erstgespräch! Ich persönlich habe bisher mit Therapeutinnen gute Erfahrungen gemacht, auch beim Thema Muttersein.

Was sage ich denn vorab worum es geht? „Regretting Motherhood“ versteht ja nicht jeder.

Im Grunde reicht es, wenn du sagst, dass du auf der Suche nach einem Psychotherapeuten für dich bist, weil du merkst, dass du dich in deiner Lebensqualität eingeschränkt fühlst, seit du Mutter bist und dich dein Alltag dadurch oft überfordert.

Das größte Geschenk, das wir unseren Kindern machen können,
ist unsere eigene Heilung.

Sabine Vorderderfler

Sollte der Therapeut auf seiner Vita „Arbeit mit dem inneren Kind“ stehen haben?

Es nicht ist verkehrt zu fragen, ob er/sie mit dem inneren Kind bzw. inneren Erwachsenen arbeitet, allerdings sagt das nicht zwangsläufig etwas über den Erfolg des Therapieverlaufs aus oder darüber, ob der Therapeut so intensiv und einfühlsam in die Materie einsteigt, wie du es dir wünschst. Inzwischen arbeiten sehr viele Therapeuten und Psychologen mit dem inneren Kind, die einen mehr, die anderen weniger. Versteif dich aber nicht zu sehr darauf, genauso wenig wie auf ein bestimmtes Therapieverfahren.

Ich habe Angst, mich direkt zu öffnen und einem fremden Menschen meine intimsten Gefühle zu gestehen bzw. meine schmerzhafte Vergangenheit zu offenbaren.

Grundsätzlich ist das natürlich der Sinn einer Therapie, unter die Oberfläche zu blicken. Um dich zu schützen und zu schonen, solltest du aber im Erstgespräch nicht direkt „ins Eingemachte“ gehen, sondern nur relevante Themenfelder ansprechen. Du musst bei einem guten Therapeuten keine Angst haben, dass er deine Gefühle ablehnt oder als unnormal bezeichnet. Im Gegensatz zu unseren Freunden und Bekannten hat er eine Ausbildung oder Studium hinter sich und ist mit „komplizierten“ Gefühlsmustern vertraut, selbst wenn er/sie noch nie etwas von Regretting Motherhood gehört hat.

Ich habe Angst, dem Therapeuten zu sagen, dass ich am liebsten keine Mutter mehr wäre. Was ist, wenn man mir deswegen meine Kinder wegnehmen will?

Wenn du sagst, dass du Schwierigkeiten mit der Mutterrolle hast und du selbst in deinem Leben zu kurz kommst, wird er oder sie nicht sofort das Jugendamt kontaktieren. Grundsätzlich unterliegt der Therapeut der Schweigepflicht, solange keine Kindeswohlgefährdung im Raum steht (Körperverletzung, Gedanken von Kindstötung, etc.). Dann gerät der Therapeut aus verständlichen Gründen in einen inneren Konflikt, was seine Sorgfaltspflicht und Haftung (im Fall der Fälle) betrifft. Grundsätzlich sollte der Therapeut aber einen Blick „hinter die Kulissen“ (also auf deine eigene Vergangenheit bzw. deine Persönlichkeit) werfen und die Ursache dort suchen. Die Überforderung ist dann nur noch das Symptom.

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich dir übrigens bestätigen, dass selbst das Jugendamt in der heutigen Praxis nicht primär daran interessiert ist, überforderten Müttern ihre Kinder wegzunehmen, sondern ihnen in erster Linie Unterstützung (im Haushalt, bei der Erziehung, in therapeutischer Form) und Hilfe anbietet.

Worauf sollte ich im Erstgespräch achten?

Das Erstgespräch dient dem Therapeuten für eine erste Einschätzung deines Problems und ob er dir dabei helfen kann. Für dich als Patient ist das Erstgespräch dafür da, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob du dich bei dem Therapeuten wohlfühlst: Stimmt die Chemie? Hast du das Gefühl, er/sie kann dich mit deinem schwersten Problem auffangen? Benutze auch deine anderen Sinne: Fühlst du dich wohl in dem Raum? Riecht es angenehm oder lenkt dich ein unangenehmer „Grundgeruch“ ab? Du musst dich in dem Raum sicher fühlen, nicht etwas aushalten!

Ist Regretting Motherhood „heilbar“?

Das ist wahrscheinlich eine individuelle Angelegenheit. Weniger Stress und ein unterstützendes Umfeld zu erleben bedeutet nicht zwangsläufig, dass bereuende Mütter noch einmal Kinder bekommen wollen würden, wenn die Zeit zurückgedreht würde. Andere können nach der Umstellung ihres Alltags oder der Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte viel besser für sich selbst und ihre Bedürfnisse einstehen und empfinden dadurch die Mutterrolle nicht mehr als so bedrohlich. Manche entdecken auf einmal einen lichtvollen Sinn darin, warum das Leben ihnen diese Aufgabe zugetraut hat und bekommen dadurch einen anderen Zugang zu ihrer Situation. Wieder andere atmen erst auf, sobald die Kinder groß genug und ausgezogen sind.

Was auch immer bei dir der Fall sein mag, ich wünsche dir in jedem Fall einen liebevollen, verständnisvollen Blick auf dich selbst und den Mut, für dich und deine Bedürfnisse einzustehen! ♥