Mama-Momente

Warum ich so eine Panik davor habe, mit meinen Kindern alleine zu sein

Ich schloss die Tür und lehnte mich erschöpft von Innen dagegen. Ich hörte mich vor Erleichterung laut aufseufzen und atmete tief ein. Endlich alleine. Der Blick zur Uhr zeigte Punkt Acht. Maxi war gerade vom Kindergartenbus abgeholt worden und mit ihm verschwand auch die Unruhe, die bis dahin hier im Haus geherrscht hatte. Die letzte Stunde waren wir zwei alleine gewesen; ein Zustand, den ich nur sehr schwer aushalte. Aber jetzt war Maxi fort und ich wieder für mich. Noch einmal seufzte ich schwer und langsam fiel die Last von mir ab. Ich hatte den Morgen überlebt.

Wenn man mir früher gesagt hätte, dass ich mich schwer damit tun würde, alleine mit meinen Kindern zuhause zu sein, ich hätte es niemals geglaubt. Noch unvorstellbarer der Gedanke, dass ich regelrechte Panik davor schieben würde. Hilfe, Mama mit Kind allein zu Haus? Was genau sollte denn daran so schlimm sein? Und trotzdem, entgegen aller Vernunft, ist es für mich genau das.

„Schatz, am Freitag muss ich leider mal zu einem Kunden in die alte Heimat zu einem persönlichen Termin fahren. Und nächsten Dienstag muss ich nach Zwickau. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als über Nacht weg zu bleiben.“ Natürlich war ich nicht begeistert, als mein Mann mir davon erzählte, obwohl es wirklich an ein Wunder grenzt, dass solche geschäftlichen Fahrten überhaupt so selten vorkommen. Aber nun standen uns eben zwei solcher Termine bevor und ich musste mich mit dem Gedanken vertraut machen, in der Zeit die Betreuung alleine zu stemmen.

„Ach du, kein Problem, das kriegen wir schon hin! Dann fährst du halt ein oder zweimal im Monat“ erklärte ich damals noch selbstbewusst und ohne mir der Tragweite dieser Worte bewusst zu sein. Damals, als wir über den Umzug und die Anfangszeit in der neuen Heimat sprachen, bis mein Mann sich an der Küste einen neuen Kundenstamm aufgebaut hätte.

Meine Naivität war mit der damaligen romantischen Vorstellung, Kinder wären die Erfüllung meines Lebens, zu vergleichen und im Nachhinein nur dadurch zu erklären, dass wir unbedingt umziehen wollten. Alles andere war zweitrangig und würde sich schon fügen.

Jetzt aber kamen mir diese beschwichtigenden Worte nicht über die Lippen. Stattdessen krampfte sich mein Magen zusammen, mir wurde speiübel und ich bekam nur noch schwer Luft. Bereits Anfang der Woche kämpfte ich mit einem aufkommenden Gefühl der Panik und bei jedem erneuten Gedanken an die Tage der alleinigen Betreuung flammte es sofort wieder auf.

Zu meiner Erleichterung hatte ich mit meiner Mutter ausgemacht, dass mein vierjähriger Mini in genau dieser Woche, in der die zwei Termine meines Mannes anstanden, Urlaub bei ihr machen dürfe. Ich hatte also nur für ein Kind zuhause die Verantwortung zu tragen.

Warum ich so eine Panik davor habe, mit meinen Kindern alleine zu seinAlleinige Verantwortung. Das ist eine Sache, die mich sehr stresst in der Kinderbetreuung. Zu wissen, dass vor und nach dem Kindergarten alles an einem hängt und Niemand da ist, der mal einspringen könnte, um mir Maxi abzunehmen, mit ihm zu spielen oder mit ihm über das verkehrte Mittagessen zu diskutieren. In solchen Momenten denke ich an all die hochsensiblen, alleinerziehenden Mütter und frage mich, wann genau die eigentlich Zeit zum Leben haben?

Aber es ist noch mehr, als diese Art der Verantwortung. Es ist das Wissen, dass ich zu jeder Zeit Ansprechpartnerin bin, also auch nachts. Nun kommt es zwar so gut wie nie vor, dass Maxi nachts mal ins Schlafzimmer kommt, weil er Albträume hat oder es ihm schlecht geht, aber leider beruhigen diese Fakten mein hochsensibles Wesen nicht. Bei jedem kleinen Geräusch bin ich hellwach und mein Herz rast wild, wie bei einem Wachhund, der die kleinste Bewegung vorm Haus meldet.

Sonst ist mein Mann mein Prellbock für solche nächtlichen Störungen. Er sitzt abends auf der Couch im Wohnzimmer näher an der Tür, falls mal ein Kind hineinkommt und er ist es auch, der auf der linken Seite im Bett schläft, damit die Kinder zuerst bei ihm vorbeischleichen, wenn sie nachts etwas wollen. Dafür nehme ich sogar in Kauf, unter dem hellen Fenster ohne verdunkelnde Rollos zu schlafen.

Warum ich so eine Panik davor habe, mit meinen Kindern alleine zu seinAuch morgens fungiert mein Mann als Puffer. Er hilft den Kindern beim Anziehen und hält schon mal die ersten Wutanfälle aus, während ich langsam in den Tag starten und erstmal in Ruhe duschen kann.

Und jetzt ist er weg und mit ihm mein Schutzschild. Bereits um kurz vor Sieben fuhren er und Mini aus unserer Einfahrt Richtung Autobahn, eine Stunde früher als sonst, während Maxi bereits mit zwei Büchern zum Sofa marschierte und mich fragte, ob wir das Zähneputzen heute nicht mal ausfallen lassen könnten, damit wir noch ein bisschen mehr Zeit gemeinsam hätten.

In diesen Momenten rührt es mich vor Bedauern fast zu Tränen. Mein Sohn versucht alles, um so viel Zeit wie möglich mit mir zu verbringen und ich würde am liebsten die Uhr vordrehen, um so wenig Zeit wie nötig mit ihm zu verbringen. Ich wäre so gerne „gerne“ mit ihm zusammen.

Aber es stresst mich so. Nicht nur die Verantwortung, auch die Gewissheit, nun der einzige Spielkamerad für meinen Sohn zu sein, der sich keine zwei Minuten alleine beschäftigen kann und immer Aufmerksamkeit benötig. Zu viel Aufmerksamkeit, die mir die Luft zum Atmen nimmt.

„Mama, was machen wir jetzt?“ „Mama, können wir ein Buch lesen?“ „Mama, ich will nicht mehr basteln, was können wir jetzt machen?“ Und ich möchte am liebsten den Nachmittag lesend auf der Couch verbringen. Ein Kind, das gerne mit sich selbst spielt und nur mal kurz ins Wohnzimmer kommt, um zu verkünden, dass der Teddy jetzt im Kinderzimmer-Krankenhaus behandelt wird, wäre mir lieber. So wie ich damals ein Kind war, das sich stundenlang mit sich selbst beschäftigen konnte, ohne einen Anflug von Langeweile zu verspüren. Heute verspüre ich diese Langeweile, wenn ich mit meinem eigenen Kind spielen muss.

Warum ich so eine Panik davor habe, mit meinen Kindern alleine zu seinIch vermute jetzt schon, dass Maxi sich unheimlich freuen wird, wenn er erfährt, dass wir beide bald zwei Tage und eine Nacht alleine miteinander verbringen werden, während ich schon fieberhaft überlege, mir Baldrian oder ein anderes Beruhigungsmittel zu besorgen.

Ich weiß, dass ich unheimlich stolz auf mich sein werde, wenn ich diese beiden Tage überstanden habe. So wie andere Mütter stolz auf sich sind, wenn sie zwei Wochen nach der Geburt ihren ersten Marathon laufen. Ich weiß aber auch, dass dieses „Überlebenstraining“ keine Garantie dafür sein wird, beim nächsten Mal gelassener auf solch eine Situation reagieren zu können. Dafür bin ich aufgrund meines Wesens zu sehr vorbelastet.

Trotzdem glaube ich fest daran, dass es besser wird. Mit jedem Mal. Und in dreizehn, bzw. vierzehn Jahren sind die Kinder volljährig.

18 Gedanken zu „Warum ich so eine Panik davor habe, mit meinen Kindern alleine zu sein“

  1. Janne sagt:

    Ich wünsche dir sehr viel Stärke für eure zwei Tage und möchte dir danken, dass du das hier so offen schreibst.
    Mir geht es oft genauso. Wenn mein Mann am Wochenende auch nur einen halben Tag ausfällt, bin ich Tage vorher schon angespannt und kann das Zusammensein mit meinem Kind überhaupt nicht genießen. An berufliche Termine in anderen Städten will ich erst gar nicht denken.
    Ich hätte nie gedacht, dass Hochsensibilität so einen großen Einfluss auf das Muttersein hat, aber so ist es tatsächlich und ich bin sehr froh, deinen Blog gefunden zu haben. Also nochmal danke 🙂

    1. Christine sagt:

      Liebe Janne,

      auch mich freut es sehr, dass du meinen Blog gefunden hast – sei ganz herzlich willkommen, auch, wenn du vielleicht schon länger still mitliest :)
      Ich danke dir sehr für deine aufbauenden Worte!! Es tut immer gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, aber in den Momenten selbst denkt man oft nicht daran, bzw. ändert es ja nichts an der Situation.

      Ich wünsche dir auch weiterhin viel Kraft, sei es für Zeiten alleine mit deinem Kind oder „einfach nur so“ fürs Muttersein :)
      Liebe Grüße
      Christine

  2. Lea sagt:

    Liebes,

    ich fass es nicht, kommst du doch heimlich zu uns Mauserl spielen?
    Erst gestern verriet mein Mann mir, dass er jetzt für einen Termin in Lüneburg zugesagt hat, Anfang Dezember, wo er von Donnerstag auf Freitag ebenfalls weg ist. D.h. ich schmeiße mich und den Lütten dann von Donnerstagmorgen bis Freitagabend alleine – also die Stunden ausgenommen, die er bei der Tagesmutter verbringt. Aber es geht ums Essen kochen, zu Bett bringen, Zähne putzen etc. ja dann doch. Und vor allem ums Spielen.
    Ich war genau so ein Kind wie du. Nicht weiter verwunderlich, wie mir scheint ;)
    Aber Love ist so völlig anders, er kann auch überhaupt gar nicht alleine spielen. Er braucht immer eine*n Partner*in – und dass ich diese Person sein darf – nun ja, sagen wir lieber sein muss – das ist schon nicht einfach.
    In solchen Momenten frage ich mich dann doch, wie ich es letztes Jahr geschafft habe, als wir in Schweden gewesen waren und der Mann dreimal für fünf Tage nach Deutschland musste innerhalb der vier Monate. Wie habe ich das bewerkstelligt?!

    Herzlichste, allerliebste Grüße

    Lea

    1. Christine sagt:

      Hach, liebe Lea,

      da siehst du mal, wie gut ich Gedanken lesen kann ;-)
      Ja, es sind vor allem auch diese Kleinigkeiten wie Zähneputzen oder Tischdecken oder so manches Pillepalle, was sonst automatisch der Mann erledigt. Das erscheint dann noch zusätzlich als unüberwindbare Herausforderung. Und dieses ewige Spielen…

      Du kannst sowas von stolz auf dich sein, was du in Schweden geleistet hast! Trink erstmal im Nachhinein noch einen drauf! Ich stoße auch mit dir an :)
      Die besten Grüße zurück

      Christine

  3. Nina sagt:

    Puh. Exakt, wirklich exakt meine Gedanken/Gefühle in diesen Situationen. Danke für die Worte, ich bin offensichtlich wirklich nicht alleine.

    1. Christine sagt:

      Nein, du bist nicht alleine ♥

  4. Angelika sagt:

    Genau aus diesem Grund haben wir uns letztes Jahr dazu entschlossen, ein Au Pair zu nehmen. Ich hatte wirkliche Panikattacken, da ich mit der Verantwortung die auf mir für alle drei Kinder lastete nicht mehr klar kam. Der Höhepunkt war ein Sonntag, an dem mein Mann Notdienst hatte und ich 24h mit allen drei alleine war…
    Jetzt habe ich aber einen Puffer zwischen den Kindern und mir. Mein Au Pair spielt mit den Kindern während ich mich um die Haushaltsorganisation und auch meine Arbeit von zu Hause aus kümmere und es geht mir sooo viel besser dabei. Mir war bisher nur nicht so deutlich vor Augen, dass dies auch durch die Hochsensiblität kommt. Liebe Christine, vielen Dank für diesen Blog.

    1. Christine sagt:

      Liebe Angelika,

      das freut mich wirklich sehr, dass du jetzt einen Puffer durch euren Au Pair hast und es dir damit deutlich besser geht. Manchmal müssen wir erst das Äußerste erleben, bis wir uns eingestehen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gut, dass du die Reißleine gezogen hast.

      Ich danke dir für deine Worte zu meinem Blog :)
      Lieben Gruß
      Christine

  5. Jenny sagt:

    Dein Alltag ist ihre Kindheit .und je mehr sie spüren, dass Du Dich eigentlich zurückziehen willst, werden sie an Dir hängen. so versuchen sie, ihren liebesspeicher aufzufüllen.sie werden sich nicht „allein beschäftigen „.es ist ganz normal, dass sie jedes bisschen Aufmerksamkeit (= Liebe) von Dir erzwingen, dessen sie habhaft werden können. Dein Alltag ist ihre Kindheit .alles Gute für Euch.

    1. Christine sagt:

      Liebe Jenny,

      da sprichst du viel Wahres aus! Genau darüber habe ich mir auch schon so meine Gedanken gemacht. Es ist ein schmaler Grad zwischen „Für sich sorgen“ und „Die Bedürfnisse der Kinder erfüllen“. Ich wünsche mir und allen anderen Müttern, die in einer ähnlichen Situation stecken, dass unsere Kinder trotzdem unsere ganze Liebe spüren und vor allem, dass noch das Alter kommen wird, in der wir unseren Töchtern und Söhnen gut und gerne Mama und Ansprechpartnerin sind.
      Danke für deinen Kommentar!

  6. Nova sagt:

    Liebe Christine,

    danke für diesen ehrlichen Blogbeitrag mal wieder ❤️❤️❤️.
    Mir geht es ganz genauso, vorallem, wenn mein Mann so wie jetzt im November sechs Tage die Woche von morgens früh bis abends arbeiten muss und ich quasi alleinerziehend bin. Hätte ich doch vorher gefühlt wie es sich in der Praxis anfühlt….

    Dein Mann ist inzwischem zurück, oder? Und ein Hoch noch auf ihn, dass er dich so entlastet, wenn er da ist!!! Mein Mann macht das auch, sobald er da ist. Leider sind sie nicht die Regel, was ich so von anderen höre…

    Ich drück dich,
    deine Nova ;-)

    1. Christine sagt:

      Liebe Nova,

      „Hätte ich doch vorher gefühlt wie es sich in der Praxis anfühlt…. “
      Dem ist nichts mehr hinzuzufügen! ♥

      Christine

  7. Laura sagt:

    Wie sehr ich diese ganzen Gefühle kenne!
    Und ich bin alleinziehend seit Geburt an, also ziemlich genau 5 Jahre jetzt. Jeden Tag dasselbe, jeden Tag die gleichen Sprüche und Macken meines Sohnes, der gleiche Ablauf, usw…
    Ich bin so froh, dass ich 35 Std die Woche arbeiten gehen kann. Meine einzige Freizeit die ich täglich habe ;) Mein wirklicher Job beginnt nämlich erst nach Feierabend und diesen mache ich nicht besonders gerne :-/
    Ich wünsche mir meist auch mein altes Leben zurück, Freiheit und Selbstbestimmheit…
    Und dieser Spagat zwischen Überforderung und absoluter Unterforderung ist furchtbar. Ich kann mich schwer mit dem ganzen „Kinderkram“ anfreunden. Mein Kind macht mir eigentlich so viele Angebote mit ihm in Interaktion zu treten (Spielzeug, Bücher, Quatsch machen,..) und am Liebsten würde ich in diesen Moment schreiend weglaufen.
    Sehr schwer für mich und mein schlechtes Gewissen frisst mich auf.

    Vielen Dank für all deine Texte! Ich finde mich da absolut wieder <3

    1. Christine sagt:

      Liebe Laura,

      sei herzlich willkommen auf meinem Blog und fühle dich bitte einmal ganz fest gedrückt!
      Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie es mir ergehen würde, hätte ich all die letzten fünf Jahre wie du alleine mit einem oder zwei Kindern verbracht. Du hast meinen größten Respekt, genau wie alle anderen alleinerziehenden Mütter, egal ob hochsensibel oder nicht.

      Dass du deine Arbeit eher als Freizeit empfindest, kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch, wenn ein Job oder der Chef natürlich super stressen kann, das wissen wir ja alle, ist es doch eine andere Art der Verantwortung, der man dort ausgesetzt ist. Vor allem, wenn du schreibst, dass dich der ganze „Kinderkram“ zuhause unterfordert.

      Ich wünsche dir sehr, dass dein schlechtes Gewissen dich nicht so sehr belastet, auch, wenn ich es mir auch jeden Tag sage, denn mir geht es genauso. „Was kann mein Kind dafür, dass ich seine Art von Spielen nicht mag?“ oder „Der Arme, jetzt sitzt seine Mutter schon wieder so gelangweilt daneben, reiß dich doch mal zusammen!“ sind die Sätze im Kopf, die mich jeden Tag verfolgen. Es ist für mich schwer, mich auch auf die Momente zu konzentrieren, in denen ich meinen Kindern eine interessierte und zugewandte Mutter bin. Wahrscheinlich sind es viel mehr als ich denke, aber auf meiner persönlichen Waagschale wiegen sie natürlich viel zu wenig.

      Ich wünsche uns beiden, dass es irgendwann eine Zeit gibt, in der wir nicht mehr schreiend davonlaufen möchten :)
      Alles liebe dir und danke für deine ehrlichen Worte!!
      Christine

  8. Stefanie sagt:

    Liebe Christine,
    „In solchen Momenten denke ich an all die hochsensiblen, alleinerziehenden Mütter und frage mich, wann genau die eigentlich Zeit zum Leben haben?“ Genau das trifft auf mich zu: Hochsensibel und alleinerziehend seit dem 4. Lebensmonat meiner Tochter (inzwischen ist sie 7 und aufgrund ihres Handicaps – einem Chromosomendefekt – ein sehr lebhaftes, kontaktfreudiges, ständig Grenzen überschreitendes Kind mit äußerst starkem Willen). Manchmal frage ich mich auch, wann ich neben Kind, Job und alleiniger Verantwortung noch Zeit zum leben habe. Meine Tochter spielt auch selten allein und ich bin leider auch keine begeisterte „Koch-, Bastel- und Spielmutti“. Dennoch habe ich einen für mich ganz passablen Weg gefunden: Wir sind nachmittags und an den Wochenenden viel zu zweit unterwegs: Zoo, Kinderkonzerte, Puppentheater, Eltern-Kind-Yoga, Stadtbibliothek, therapeutisches Reiten im Wald, Enten füttern am See… alles Dinge, die uns beiden Spaß machen, die uns zuhause nicht die Decke auf den Kopf fallen lassen und mich einerseits nicht langweilen und andererseits nicht zu sehr überreizen. Meine Tochter ist dann für ein paar Stunden gut beschäftigt und ich kann mich in der Rolle als „Bespaßerin“ etwas zurücknehmen. Im Sommer gehen wir oft auf den großen Spielplatz direkt vor unserem Haus, aber da muss ich schauen, dass mir der Kontakt zu den anderen Eltern nicht zu viel wird (Smalltalk, Oberflächlichkeiten und größere Menschengruppen meide ich lieber). Wenn ich nachmittags mal etwas Zeit und Ruhe für eine Tasse Kaffee brauche, lasse ich meine Tochter mit Oma und Opa telefonieren. Seit wir Videotelefonie per Whatsapp entdeckt haben, reicht meine freie Zeit sogar locker für 2-3 Tassen Kaffee ;-). Vielleicht findest du für dich und deinen Maxi (und Mini) auch Unternehmungen, die euch beiden gut tun, die dich entlasten, und die dir die Zeiten, in denen dein Mann auf Dienstreise muss, etwas erleichtern?
    Liebe Grüße,
    Stefanie

    1. Christine sagt:

      Liebe Stefanie,

      es freut mich, dass du den Weg auf meinen Mama-Blog für hochsensible Mütter gefunden hast und ich danke dir ganz herzlich für deine positive Kraft und deinen (Überlebens-)Willen, der in jedem Satz zu finden ist.
      Ich bewundere es wirklich, dass du es geschafft hast, trotz der alleinigen Verantwortung und eurem schweren Schicksal, nach Vorne zu blicken und immer wieder neue Perspektiven und Lösungen zu finden, die euch beiden gut tun! Natürlich könnte man auch sagen, was bleibt dir anderes übrig, aber so sehe ich das nicht. Es bedarf einer großen Selbst- und Mutterliebe zu deiner Tochter. Und gerade die Selbstliebe/Selbstfürsorge kommt bei uns (hochsensiblen) Müttern ja oft zu kurz!

      Vielen lieben Dank für all deine Gedankenanstöße! Da sind tatsächlich horizonterweiternde Ideen dabei!
      Herzliche Grüße
      Christine

  9. Grit sagt:

    …heul ich, wenn ich das lese. Das ging mir solange und so oft genauso und ist heute immer noch in Abstufungen da. Mein Sohn ist gerade 7 Jahre alt geworden. Ich frage mich immer wieder, warum ich nicht genauso gerne mit ihm zusammen sein will, wie er mit mir. O-Ton mein Sohn: „Mama, Du bist so kuschelig“. Mir ist heute klar, dass mein soziales Netzwerk in der Akutphase viel zu klein war. Viele Leute konnten mit dieser Erkrankung überhaupt nichts anfangen und haben auch nicht im Ansatz erkannt, wie lebensbedrohlich das war….Ich konnte auch nicht um Hilfe bitte, habe mich vielleicht sogar geschämt. Sonst so stark und nun. Vor allem bin ich permanent von der Angst getrieben, dass mein Kind wegen mir anders ist und einen Schaden genommen hat. Liebe Grüße

    1. Christine sagt:

      Liebe Grit,

      vielen Dank für deinen Kommentar, allerdings liest er sich so, als hätte es noch einen ersten Teil gegeben?! Der ist leider nicht bei mir eingegangen..
      Dieses „Nicht um Hilfe bitten können“ ist leider weit verbreitet, selbst unter „gesunden“ und vor allem unter Frauen. Immer wollen wir stark nach Außen wirken und alles selbst auf die Reihe kriegen. Vor allem als Mama.
      Ich wünsche dir sehr, dass die Angst, dein Kind könne wegen dir anders sein, nicht überhand nimmt und dass du deswegen nicht zu viel grübelst.
      Du bist bestimmt eine ganz wunderbare Mutter und du hast die letzten sieben Jahre so viel geschafft! Sei auch mal stolz auf dich :)

      Alles Liebe
      Christine
      P.S. Wenn du den ersten Teil des Kommentars noch ergänzen möchtest, schick ihn mir einfach, ich puzzle dann alles zusammen :)

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