Lebensfragen

Ich bin nicht die geborene Mutter

Ich glaube jede Frau, die Mutter werden will, tut dies vor allem, um ihrem Leben noch einen tieferen Sinn zu geben. Als Kinderlose fühlt man sich vielleicht unvollständig, die berufliche Erfüllung allein kann doch nicht Erfüllung genug sein, man denkt darüber nach, der Welt etwas zu hinterlassen, wenn man selbst irgendwann nicht mehr ist. Mein Mann und ich waren beide sehr glücklich miteinander und so sollte ein Kind, besser noch zwei, unser Leben nur noch bereichern. Ich hatte nur eine Sache unterschätzt: Man wird nicht automatisch als Mutter geboren. Jedenfalls nicht mit meiner Vorgeschichte.

Meine erste Geburt verlief kurz und schmerzhaft, aber das war, gemessen an dem, was anschließend kam, noch harmlos, ja beinahe idyllisch. Mit dem ersten Blick auf meinen Sohn wurde mir das ganze Ausmaß an Verantwortung bewusst, gemischt mit einer gehörigen Portion Unsicherheit und der Gewissheit, von nun an bis zum Rest meines Lebens (oder zumindest bis zum Auszug meiner Kinder) weitestgehend fremdbestimmt zu sein.

Das war nun also mein Kostüm namens Muttersein, das ich fortan tragen sollte. Ja, es war für mich tatsächlich ein Kostüm, ein Kleidungsstück, dass mir fremd war und mich selbst entfremdete. Ich, Christine, würde darunter stecken, aber von mir würde die nächsten Jahre erstmal nicht mehr viel zu sehen sein. Und erst in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich doch ziemlich prima alleine mit mir (und meinem Mann an der Seite) zurechtkam und für mein Glück nicht zwingend Kinder gebraucht hätte.

Es gibt Frauen, zu denen sagt man, sie seien die „geborenen Mütter“. Unter einer geborenen Mutter stelle ich mir eine Frau vor, die mit der letzten Wehe nicht nur ihr Kind, sondern auch ihr eigentliches Selbst zur Welt bringt. Vorher war sie unvollständig, wie ein Künstler, der erst mit Pinsel, Farbe und Leinwand sein Potential entfalten kann. Erst mit Kind ist so eine geborene Mutter wirklich sie selbst.

Ich bin nicht die geborene MutterIch bin nicht so eine geborene Mutter, auch, wenn ich sicherlich (wie JEDE Frau, davon bin ich nach wie vor überzeugt!) das Potential in mir trage. Jede Frau trägt das natürliche Muttersein in sich, die Mütterlichkeit, Wärme, Geduld und Zugewandtheit ihren Kindern gegenüber. Bei Frauen wie mir ist diese Mütterlichkeit nur leider verschüttet. Wir müssen den Zugang erst wiederfinden. Und das macht den Alltag mit Kindern schnell anstrengend, weil wir viel schneller an unsere Grenzen kommen.

Die Ursachen für diese Verschüttung können vielfältig sein, bei mir liegen sie in meiner Kindheit und in der Kindheit meiner Vorfahren. Generationen vor mir standen bereits unter dem moralischen Druck der Kirche, dem Druck der Gesellschaft, unter einem autoritären Erziehungsstil, der Annahme, Kinder würden ihre Eltern stets ärgern wollen und was weiß ich was noch. Ich mache meinen Eltern keinen Vorwurf. Sie waren ja selbst nicht besser dran und haben mir gegeben, was sie konnten. Nur den leichten Zugang zur Mütterlichkeit, quasi die Quintessenz fürs Muttersein, den habe ich nicht automatisch mitbekommen. Und so musste ich mich auf die lange Suche nach ihm machen.

Ich kann jeder Mutter, die sich in einer ähnlichen Situation befindet, nur empfehlen, ihren Weg mit therapeutischer Hilfe zu gehen. Nicht, dass der Weg dadurch automatisch leichter wird, aber es geht sich weitaus trittsicherer zu zweit, mit einer kompetenten Fachkraft an der Seite, die einen stützt und nicht alleine lässt.

Ich bin nicht die geborene Mutter. Meine Mutterrolle muss ich mir überziehen, wie ein Kleid, das auf einem Bügel hängt und darauf wartet, für den Tag ausgewählt zu werden.

Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, dass dies mit ein Grund dafür ist, dass ich so oft von Regretting Motherhood spreche. Neben dem verschütteten Zugang zur Mütterlichkeit und der Vernachlässigung meines eigenen, inneren Kindes, kommt aber auch noch mein hochsensibles Wesen und meine Introvertiertheit dazu. Ich bin lieber Einzelkämpfer statt Teamplayer, schon als ich Kind war. Das kommt in einem Familienverbund mit vier Menschen unter einem Dach nicht so gut an. Zumindest nicht bei meinen Kindern, die gerne zwölf Stunden am Tag bespaßt werden möchten und immer einen Ansprechpartner brauchen.

Viele Gründe, die es mir schwer machen, das Muttersein als Vervollkommnung meiner Selbst zu betrachten.

Manche Menschen nehmen an, ich würde meine Kinder nicht oder nicht genug lieben. Das stimmt so nicht, obwohl ich zugebe, dass es von außen schwer zu verstehen ist. Ich bin von Herzen gerne Mutter! Nur eben nicht vierundzwanzig Stunden sieben Tage die Woche.

Ich bin nicht die geborene MutterIch tröste meinen Ältesten gerne, wenn er sich wehgetan hat oder unverstanden fühlt. Ich beantworte gerne Fragen meines Jüngsten am Küchentisch, die mir noch nie jemand zuvor gestellt hat. Ich backe gerne Plätzchen mit den Kindern oder lese ihnen Abenteuergeschichten vor. Aber selbst diese erfüllenden Mutter-Momente kosten mich sehr viel Energie. Und diese Energie kann ich nur in Stunden des Alleinseins wiederfinden, was vor allem am Wochenende und in den KiTa-Ferien eine ungleiche Rechnung darstellt.

Weil ich nicht die geborene Mutter bin, ist Mutter-Sein für mich leider ein enormer Kraftakt, auch, wenn ich mir wünschte, es ginge mir alles leicht von der Hand. So aber sind meine Akkus viel schneller aufgebraucht als bei den Müttern, die zwar auch mal schwere Stunden und trotzige Kinder haben, aber nie im Leben einen Gedanken an Regretting Motherhood verschwenden und deswegen gleich die ganze Mutterschaft in Frage stellen würden.

Was für andere das normale Tagespensum an Trösten, Zuhören und Beschäftigen ist, kann für mich schon mal zur großen Herausforderung werden. An manchen Tagen könnte ich Bäume ausreißen, an den meisten aber eben nicht. Dann würde ich gerne bereits nach einem anstrengenden Sonntags-Frühstück die Mutterrolle ablegen und ein paar Stunden für mich verbringen, um eben meinen Kindern dann nicht frustriert oder dünnhäutig zu begegnen.

Nachdem es mehr als sechs Jahre gebraucht hat, bis ich mich mit dem Kostüm namens Muttersein angefreundet habe, stelle ich fest, dass es mir auch weiterhin nicht leicht fällt permanent Mutter zu sein. Im Gegensatz zu „geborenen Müttern“ muss ich mich täglich immer wieder neu fürs Muttersein (Muttersein-Wollen) entscheiden. Mit anderen Worten: Ich muss morgens aktiv vom Christine-Sein in den Mutter-Modus wechseln. Eben wie ein Kleidungsstück, das ich aus dem Kleiderschrank hole, ziehe ich bewusst die Mutterrolle über.

Früher habe ich mir oft genug gewünscht, dieses Kleid, diese Bürde, nicht mehr tragen zu müssen. Bis zu dem Tag im siebten Jahr Muttersein, an dem ich zum ersten Mal von einer Welle der Mütterlichkeit überrollt wurde. Lautlos über Nacht tauchte sie auf und wich die nächsten zwei Wochen nicht mehr von meiner Seite. Eine für mich ganz neue Erfahrung. So müssen sich die „geborenen“ Mütter fühlen: Durchflutet von einer Hingabe an ihre Kinder, an ihre Mutterrolle, umspült mit der Gewissheit, alles schaffen zu können, selbst wenn es mal trübe Tage geben sollte, so wie es in jeder Familie trübe Tage gibt.

Ich weiß nun, dass ich das Potential einer geborenen Mutter in mir habe, immer gehabt habe! So wie man weiß, dass über schwarzen Regenwolken immer blauer Himmel zu finden ist, tröstet doch der tatsächliche Anblick dieses strahlenden Blaus mehr, als nur das Wissen darum. Und dennoch habe ich akzeptiert, dass Mutter zu sein mir nach wie vor nicht so leicht fällt wie anderen Frauen. Aber das ist in Ordnung! Es wird jeden Tag ein bisschen leichter!

Jetzt, nach sechseinhalb Jahren, trage ich das Kleidungsstück namens Mamasein gerne. Täglich! Es ist längst keine Verkleidung mehr. Auch, wenn es für mich genauso essentiell ist, mir viel Zeit für mich zu nehmen und in meinen Auszeiten bewusst einfach nur Christine zu sein. Ich habe einen tiefen und ehrlichen Blick in den Spiegel geworfen und festgestellt, dass mir das Kleid namens Muttersein doch besser steht, als anfangs befürchtet. Dass ich vieles sehr gut und gerne mache.

Und trotzdem ist es jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend ein kleiner Prozess: Ich muss mir vor der Begegnung mit Mini und Maxi immer wieder bewusst vorstellen, was für eine Mutter ich gerne für meine Kinder sein möchte, um einen Zugang zu meiner Mütterlichkeit zu bekommen und entsprechend mitfühlend handeln zu können.

Denn auch, wenn ich heute gerne Mutter bin, bin ich nach wie vor nicht die geborene Mutter.

(Fotolizenzen mit freundlicher Genehmigung von fotolia.com (© zolotareva_elina /Titelbild und © weixx /Frau im Sessel)

15 Gedanken zu „Ich bin nicht die geborene Mutter“

  1. Christina sagt:

    Liebe Christine, du sprichst mir aus der Seele. Der Text trifft fast in allen Teilen auf mich zu. Ich werde ihn ausdrucken und meinem Mann zum Lesen geben, vielleicht kann er mich dann besser verstehen denn ich kann meine Gefühle nicht so gut in Worte fassen. Aber das hast du ja jetzt für mich getan! Vielen, vielen Dank! Christina

    1. Christine sagt:

      Liebe Christina,

      wie schön, dass meine Worte dir helfen können, deine eigene Gefühlswelt deinem Mann zu erklären. Das berührt mich sehr!
      Ich danke dir und wünsche dir alles Liebe!
      Christine

  2. Kaya sagt:

    Ja, es ist wie ein Kleidungsstück – es kommt nicht von Innen. Die Unumkehrbarkeit nach der Geburt des ersten Kindes hat mich auch schockiert. Ab sofort bin ich immer zuständig und nie mehr allein. So lag ich die erste Nacht nach der Geburt mit Mann und Baby im Familienbett und war hellwach aufgrund dieser Erkenntnis und dem Ausmaß dessen. Montags ist mein Feiertag, wenn alle das Haus verlassen haben und ich mich mit meinem Kaffee ins Home-Office verziehen kann. Endlich ein paar Stunden Ruhe nur für mich, aber die Uhr im Nacken, wissend dass es schnell vorbei ist und dann der ganze Trubel, die Verantwortung, die Unruhe wieder von vorn beginnt. Sie halten mich am Laufen, bringen mir neue Perspektiven bei, ich lerne viel. Aber es ist auch verdammt anstrengend, diesen schweren Mantel des Mutterseins ständig mitzuschleppen.

    1. Christine sagt:

      Liebe Kaya,

      auch diesmal danke ich dir sehr für deine Offenheit und deine ehrlichen Einblicke in deine eigene Gefühlswelt! So eine erste Nacht mit Baby stellt man sich ja vorher ganz anders vor, nicht wahr?
      Ich freue mich sehr für dich, dass du den Montag weitestgehend für dich hast! Die Zeit, die dir dabei im Nacken hängt, die kenne ich auch. Bisher habe ich noch keinen Weg gefunden, sie abzustellen oder zu ignorieren.
      Dein Resumee unterschreibe ich sofort! Ohne Kinder hätte ich mich nie so sehr weiterentwickelt und mich selbst noch besser kennengelernt. Das ist wohl der Preis für den Mantel :)

      1. Chaline sagt:

        Der letzte Satz ist perfekt! Ich bin so stolz auf mich, wie ich mich weiterentwickelt habe, entwickeln MUSSTE, seit mein Sohn auf der Welt ist. Und mir fällt es auch immer wieder schwer loszulassen, aber wie du schreibst, weiss man, dass schlechte Zeiten irgendwann auch wieder vorüber sind. Genauso wie man nicht nur grübeln darf, sondern einfach leben. Tag für Tag. Die Leichtigkeit kommt zurück, geht wieder, kommt zurück.
        Und in 15 Jahren habe ich einen erwachsenen Sohn und klopfe mir auf die Schulter wie gut ich das gemacht habe. Und wie stolz ich auf meine persönliche Entwicklung sein kann.

        Ich bewundere dich, dass du sogar zwei Kinder bekommen hast. Bei mir war nach dem ersten schwersten Jahr klar, dass ich kein Muttertier und vor allem keine Mama von zwei Kindern sein kann. Ich bin schon mit einem manchmal schwer beschäftigt. Und solche Entscheidungen zu treffen ist wichtig. Für uns. Egoistisch aber auch ehrlich zu sich selbst, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und zu verteidigen. Dein Blog ist super Christine.

  3. Claudia sagt:

    Liebe Christine,
    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich entdecke mich in vielem wieder. Toll; dass du darüber schreibst und es mit uns teilst. So habe ich das Gefühl nicht allein zu sein. Als Hochsensible unter vielen normalen Müttern komm ich mir doch manchmal wie ein „Weichei“ vor.

    1. Christine sagt:

      Liebe Claudia,

      hab Dank für deine lieben Worte! Auch mich freut es zu wissen, dass ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin :)

  4. Nicole sagt:

    Liebe Christine,
    vielen Dank für deine ehrlichen Worte. Habe erst spät erkannt, dass ich auch hochsensibel bin und eigentlich jahrelang gegen ‚meine Schwäche‘, wie ich sie empfand, angekämpft.Gerade heute empfinde ich es immer schwieriger sich von dem Leistungsdruck, den Erwartungen anderer, etwas frei zu machen.Seit meine Tochter auf der weiterführenden Schule ist, ist es noch schlimmer geworden. Wenn man dann ehrlich ist und sagt, dass man auch als Mutter sich mal rausnehmen will und muss, stößt das einerseits auf Zustimmung, so ungefähr:“Wow, du traust dich aber was, ehrlich zu sagen, ich muss mal Abstand gewinnen.“Andererseits habe ich auch schon gehört wenn ich mal krank war:“Du hast so einen tollen Mann, der hilft dir im Haushalt etc.“Dass ich das andersrum auch selbstverständlich mache wird vorausgesetzt. Manchmal überkommt mich da eine Wut und eine Antihaltung, wo ich mir sage:“So, jetzt erst recht. Beim nächsten Event geht er alleine mit den beiden Kids hin und ich backe keinen Kuchen oder mache Nudelsalat!“ Kindisch, gell?!
    So, ich glaub ich hab ziemlich lange gejammert, aber nochmals herzlichen Dank für deinen tollen Blog!
    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Christine sagt:

      Liebe Nicole,

      toll, dass du dich getraut hast, hier auch mal deine „kindische“ Antihaltung, deinen Frust zu äußern! :) Ich finde das äußerst menschlich, vor allem bei uns hochsensiblen Müttern, dass man auch mal solche Gedanken zulässt – da würde dein Mann (und die anderen Eltern) beim nächsten Event aber gucken! :D

      Alles Liebe dir!

  5. Stephanie sagt:

    Liebe Christine,

    seit etwas mehr als fünf Monaten bin ich Mama eines bezaubernden kleinen Jungen, der mich in den ersten Wochen ganz schön an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. In dieser für mich heftigen Zeit bin ich auf deinen Blog gestoßen und habe inzwischen die meisten Artikel und Kommentare gelesen.

    Mittlerweile hat sich der Sturm bei uns gelegt und ich komme mit zunehmendem Alter meines Sohnes immer besser mit meiner Mutterrolle klar. Derzeit überwiegt sogar die Freude, auch wenn es immer mal wieder Phasen/Momente gibt, in denen ich gerne mein altes Leben zurück hätte. Meine Familienplanung ist abgeschlossen, denn ich bin immer noch traumatisiert von den heftigen Veränderungen (z.B. Fremdbestimmtheit), die so ein kleines Menschenkind mit sich bringt. 😁 Allerdings war von Anfang an klar, dass es nur ein Kind sein soll. Jegliche Grübeleien/Zweifel wurden jedoch mit der Geburt von Zwergi endgültig beendet.

    Warum ich dir schreibe, ist echtes Interesse an deiner Sicht zu folgender Frage…

    Aus deinen Berichten lese ich ganz oft heraus, dass ein großer Stressfaktor für dich die ständigen Streitereien, Wett- und Konkurrenzkämpfe deiner Buben sind. Glaubst du, dass dir deine Mutterrolle leichter fallen würde, wenn du nur ein Kind bekommen hättest und diese Streitereien somit gar nicht existieren würden?

    Ich weiß, dass es nicht sinnvoll ist, sich mit einer „was-wäre-wenn“-Frage zu beschäftigen, wenn man eh nichts daran ändern kann. Aber ich könnte mir vorstellen, dass deine Meinung für Eltern, die über ein weiteres Kind nachdenken, ganz interessant ist. Mir ist klar, dass man nie genau wissen kann, wie es wäre, wenn es anders gekommen wäre. So wie man als werdende Mami trotz vorzeitiger Aufklärung nicht wissen kann, was da wirklich auf einen zukommt. 😉 Dennoch würde ich mich freuen, deine Meinung dazu zu lesen.

    Vielen Dank für diesen Blog und alles Liebe und Gute (auch an die anderen Mamis hier) für die Zukunft!

    Herzliche Grüße
    Steffi

    1. Christine sagt:

      Hallo liebe Steffi,

      ich finde es gar nicht verwerflich, mich danach zu fragen :)

      Manchmal denke ich auch (mal bei dem einen, mal beim anderen): „Er wäre auch ein perfektes Einzelkind!“ bzw. hast du sehr recht damit, dass mich die Konkurrenz unter den Brüdern bzw. die Eifersucht des Großen gegenüber dem Kleinen echt stresst!

      ABER: Ich bin immer, immer froh, dass es Zwei sind und wir uns damals noch (so früh) für ein zweites Kind entschieden haben. Nicht, weil wir beide so lieb haben (das natürlich auch ;-)), sondern weil ich so unendlich froh darüber bin, dass beide einander zum Spielen haben. Sie streiten oft (wobei es inzwischen schon vieeeel besser geworden ist!), aber mindestens genauso oft spielen sie auch miteinander.

      Wenn ich ein Einzelkind hätte, müsste ich ja den Spielpartner ersetzen (nicht immer, aber mir zu oft). Und das ist nochmal zehn Mal härter für mich als der nervigste und größte Geschwisterkampf oder das zehnte Genörgel am Tag, weil das Gras beim Bruder wieder grüner ist! Wenn ich Rollenspiele à la „Paw Petrol“ mitmachen oder im Garten Cowboy und Indianer spielen müsste, würde ich jeden Tag an meine Grenzen kommen. Und alleine schon aus dem Grund war und ist mir das die ganze Sache wert! Sind beide zuhause, bin ich weniger fremdbestimmt (höchstens in dem Sinne, dass ich irgendwo die Oberaufsicht habe), denn dann kommt nicht alle Nase lang „Mama, kannst du mit mir spielen?“ o.ä.

      Natürlich gibt es noch viele andere Vorteile, die nicht alle eigennützig sind, aber das ist bei mir persönlich wirklich der Hauptgrund!

      Ganz lieben Dank für deine Nachfrage und ich freue mich sehr zu lesen, dass du die schlimmsten Zeiten inzwischen hinter dir hast und dich nun immer mehr an der Mutterrolle erfreuen kannst. Wirklich schön! ♥

      Alles Liebe dir!

      Herzliche Grüße zurück
      Christine

      1. Kathrin sagt:

        Liebe Christine,
        danke, dass es die Pusteblume gibt. Seit einem halben Jahr lese ich Deine Texte und erkenne mich wieder! Ich habe zwei Jungs 4 und 2 Jahre. Nach der Geburt des 2. Kindes hatte ich eine postnatale Depression und im Zuge meiner Therapie bin ich auf das Thema Hochsensibilität gestossen. Seit dieser Erkenntnis geht es mir deutlich besser und ich habe viele Antworten auf meine Gefühle die mich seit meiner Kindheit immer wieder belasten.
        Ich habe auch immer wieder überlegt ob es mit einem Kind besser wäre. Gerade dann wenn beide miteinander Streiten, aggressiv sind oder ich mal wieder überflutet bin. Inzwischen sehe ich gerade in diesen Momenten die Chance mich näher kennen zu lernen und mich weiter zu entwickeln. Ich lese gerade viele Bücher von Jesper Juul, seine Einstellung ist für mich sehr hilfreich. So kann ich dank Juul inzwischen öfter meine Grenzen rechtzeitig, freundlich und ohne dem ständigen schlechten Gewissen aufzeigen. Es sind aber noch viel mehr Sichtweisen von ihm, die mein Leben als Hochsensibele Mutter enorm erleichtern.
        Ich bin schon gespannt auf den nächsten Beitrag 😊
        Liebe Grüsse
        Kathrin

      2. Christine sagt:

        Hallo liebe Kathrin,

        wie schön, dass du meine Seite vor einem halben Jahr gefunden hast und immer noch gerne mitliest! :)
        Tut mir sehr leid zu hören, dass du unter einer postpartalen Depression gelitten hast, aber es ist auch schön zu lesen, dass du dadurch zu deiner Hochsensibilität gefunden hast. So stößt doch etwas Negatives auch immer etwas Positives an!
        Ja, das kann ich mir gut vorstellen, dass Jesper Juul dir eine gute Hilfe im Umgang als Mutter ist! Freut mich, dass er dir da im Rahmen seiner Bücher mit Rat und Tat zur Seite steht!
        Danke, dass du das alles mit uns geteilt hast!
        Sei herzlich gegrüßt
        Christine

      3. TwinMom80 sagt:

        Ich kann das auf jeden Fall so unterschreiben – wir haben Zwillingsjungs und trotz der Anstrengung, die eben bei 2 Kindern da ist, bin ich noch viel dankbarer darum, dass sie miteinander spielen. Ich würde durchdrehen, wenn ich als Spielgefährte herhalten müsste (Mama sag mal dieses, du bist jetzt der und der) da spüre ich einen total großen inneren Wiederstand und möchte am liebsten weglaufen

  6. Birgit sagt:

    Ich denke dieses riesige Konstrukt MUTTER ist ein künstlich aufgeblasenes, von der Gesellschaft erschaffenes Monster. Dieser sog. „Muttermythos“ stellt unrealistische und völlig überzogene Behauptungen auf wie: nur die Mutter ist gut fürs Kind und kann auf dessen Bedürfnisse eingehen. Sie muss sich 24/24 nur ums Kind kümmern. Sie existiert als Frau und Mensch nicht mehr; sie ist nur noch MUTTER: sie muss ihre Bedürfnisse IMMER hintenanstellen. Sie OPFERT sich auf und schaut immer zuerst auf die Bedürfnisse der ANDEREN. Sie MUSS ständig STILLEN und ständig aufmerksam für ihre Kinder sein. Sie ist für alles SOZIALE in der Familie zuständig und weiter bla bla bla…ich denke, jede Mutter weiss wovon ich rede.
    Wir als Mütter müssen erkennen, dass dies ein künstliches Gedankenkonstrukt ist und von der Gesellschaft (Männer?) so gefordert und gewollt weil es einfach für sie kostenlos und bequem ist wenn man die Mütter durch Schuldgefühle zu diesem irren Tun bringt.
    Was muss die heutige Mutter also erkennen? Sie muss erkennen, dass sie auch noch FRAU und MENSCH ist und auch noch andere Bedürfnisse hat wie eine MUTTER. Dass diese ganzen Ansprüche und Forderungen total überzogen sind und man sich dagegen wehren muss/darf! Leider muss man sich das heutzutage als Frau mit Kindern immer noch erkämpfen. Aber ich denke, es fängt bei jeder Frau im Inneren an: wenn sie es schafft, diese ungerechtfertigten Ansprüche zu hinterfragen und abzulehnen, dann kann sie es auch schaffen, frei davon zu werden und für sich neue Freiräume zu schaffen und fordern ohne SCHULDGEFÜHLE.

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