Gesellschaft

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmen

Der Regen nieselte unablässig auf mich herab. Kein Mensch war zu sehen hier hinterm Deich. Die Bewohner der Campinganlage schienen noch zu schlafen um kurz nach Neun an diesem Samstagmorgen oder sie blieben bei dem Wetter lieber in ihren Zelten und fahrbaren Kleinstbehausungen. Ich war alleine unterwegs, während Mann und Kinder den Vormittag zuhause verbrachten. Nicht, weil es dort etwas Besonderes zu tun gab. Der Grund, warum ich etwas ohne den Rest meiner Familie unternahm, war schlicht und einfach jener, dass ich Zeit für mich alleine benötigte. Ich fühlte mich wie eine Rabenmutter.

Nur Zeit für mich zu haben. Das ist ein Zustand, den Mütter generell nur schwer genießen können, und hochsensible Mütter noch viel weniger. Dem Kind, den geliebten Menschen um sich herum und dem Alltagstrubel ein deutliches „Nein, jetzt mal ohne mich!“ zu sagen, kommt vielen Frauen wie ein unverschämter Egotrip vor. Die meisten hochsensiblen Personen sind generell darum bemüht, eine friedliche Atmosphäre zu schaffen und zu halten. Das Durchsetzen von eigenen Bedürfnissen, wie Zeit für sich selbst, gleicht ihnen daher schnell dem Anzetteln eines Streites. Schließlich ist der Nachwuchs naturgemäß wenig begeistert, wenn Mama sich ausklinken möchte.

Ein Zurückziehen kommt also in den meisten Fällen nicht ohne schlechtes Gewissen daher. „Aber mein Sohn möchte doch so gerne jetzt mit mir spielen, da kann ich doch nicht einfach etwas Zeit für mich alleine einfordern“, so schießt es auch mir meistens durch den Kopf, wenn ich Mini oder Maxi auf Später vertröste. Kommen dann noch traurige Augen von geknickten Kindern hinzu, ist das Gefühlschaos perfekt.

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmenIch hatte an diesem Morgen die Haustür leise hinter mir zugezogen, fast fühlte ich mich wie ein Einbrecher, der nach seiner Tat nicht erwischt werden möchte. Das wollte ich heute tatsächlich auch von meinen Kindern nicht. Dem „Ich will aber mitkommen“ wollte ich entfliehen, ich wollte klammheimlich von der Bildfläche verschwinden, nur mein Mann wusste Bescheid.

Klammheimlich von der Bildfläche verschwinden, das wollte ich so manches Mal in meinen fünf Jahren Muttersein. Mit dem Unterschied, dass es an diesem Morgen legal war und nur für eine begrenzte Zeit.

Schietwetter. Damals, in unserer alten Heimat, hätten wir Scheißwetter oder Kackregen gesagt und uns geärgert. Schietwetter klingt irgendwie anders. Netter. Fast schon niedlich. Nicht wie Dauerregen irgendwo in Deutschland, der einem die Stimmung vermiesen kann und dem beinahe etwas depressivmachendes anhaftet. Schlechtes Wetter, das einem den Ausflug oder den Tag versauen kann.

Hier an der Nordsee gibt es kein schlechtes Wetter, sondern Schietwetter. Hier stellt sich nicht die Frage, ob man Gummistiefel anzieht, sondern höchstens welche Farbe. Schietwetter gehört genauso zur Nordsee wie Krabbenbrötchen oder Friesennerz. Gut, wenn man den an solchen Tagen auch mit dabei hat, genauso wie die Wollmütze an einem sommerlichen Augusttag.

An diesem Morgen war ich weit und breit die einzige Person am Strand. Noch ein Vorteil vom Schietwetter.

Meine hochsensible Seele weitete sich und kam gleichzeitig ganz nah bei sich an.

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmen

Wenn Niemand in meiner Nähe ist, kann ich endlich mal nur auf mich und meine Gefühlswelt schauen. Ich muss mich in keinen anderen Menschen einfühlen. Das nenne ich echte Erholung, auch, wenn man als hochsensibler Mensch erst einmal damit vertraut werden muss. Warum ist das so?

Nun, hochsensible Menschen können Sinneseindrücke in der Regel nicht, bzw. nur erschwert, filtern. Das bedeutet, dass, im Gegensatz zu nicht-hochsensiblen Personen, Gerüche, Geräusche und visuelle Eindrücke, aber auch Gefühle und Stimmungen anderer Menschen parallel in gleicher Heftigkeit auf den Hochsensiblen einprasseln. Und das seit Geburt an!

Schon früh lernt das hochsensible Mädchen, in Gegenwart anderer Menschen, auf die verschiedenen Stimmungen um sich herum einzugehen. Herauszufinden, welche Gefühle nur zu ihm selbst gehören, scheint, meiner eigenen Erfahrung nach, ein fast unmögliches Unterfangen, schließlich stuft das Körpersystem alle Eindrücke als gleich wichtig ein. Die Grenze zwischen Ich und Du, zwischen den eigenen Gefühlen und den der Anderen, verschwimmt. Den (unausgesprochenen) Wünschen und Bedürfnissen der Mutter wird das hochsensible Mädchen also immer schnell nachkommen.

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmenDie Mutter wird dieses Verhalten nicht bewusst fördern oder steuern (wollen). Gibt sie ihrer Tochter jedoch positives Feedback, weil diese mal wieder ganz löblich zuerst auf die Empfindlichkeiten der Mutter oder denen von Tante Paula eingegangen ist, lernt das hochsensible Mädchen, vor allem erstmal auf Andere einzugehen und nicht auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

Später, als hochsensible Mutter, steckt sie in einem Dilemma: Auf der einen Seite spürt sie möglicherweise endlich deutlich ihre eigenen Bedürfnisse (oder den starken Wunsch nach Selbstbestimmtheit und Selbstverwirklichung), auf der anderen Seite will sie es aber immer noch den Befindlichkeiten ihres nahen Umfelds, also auch ihren Kindern, recht machen. Bühne frei für das schlechte Gewissen!

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmenDenn auch von Außen, von der Gesellschaft, der Werbung, von der landläufigen Meinung und den Blicken Anderer, bekommt sie nun suggeriert, dass das Kind immer an erster Stelle stehen muss und sie eine schlechte Mutter wäre, wenn sie auch mal nur wieder sie selbst sein möchte.

Vielleicht spuken ihr auch noch alte Glaubenssätze im Kopf herum, wie „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ (mal ehrlich: Wann hört die Arbeit einer Mutter mal wirklich auf? Eben!). Solche verinnerlichten „Verhaltensregeln“ wiegen bei einer hochsensiblen Frau sicher noch einmal schwerer, als bei einer Nicht-Hochsensiblen, und machen es der Mutter nicht leicht, sich großzügig Zeit für sich selbst einzuräumen.

Hinzu kommt noch, dass viele Hochsensible sich schwer damit tun, „Nein“ zu sagen und Grenzen zu setzen. Vor allem, wenn sie noch nicht gelernt und geübt haben, ihre eigenen Grenzen kennen zu lernen und abzustecken.

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmenEin weiterer Punkt, den ich an dieser Stelle auch noch ansprechen möchte, ist der Aspekt namens Kirche. Religion ist eine prima Sache, ich selbst bin katholisch aufgewachsen und heute noch ein spiritueller Mensch. Dennoch denke ich, dass gerade unsere Eltern und Großeltern-Generation noch sehr unter der Moral der Kirche aufwuchsen. Bei der berühmten Bibelstelle „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ wurde bei unseren Vorfahren vor allem auf den ersten Teil gepocht und der nächsten Generation schuldbewusst weitergegeben.

Dass es genauso wichtig ist, sich selbst zu lieben (und das bedeutet eben, seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und zu schätzen), wurde und wird oft als unwichtig, ja, sogar als unmoralisch und unchristlich, empfunden. Dabei kann man erst mit Entwicklung der gesunden Selbstliebe anderen genauso viel Liebe entgegenbringen.

Ich für meinen Teil interpretiere die Bibelstelle heute so: Liebe zuerst dich selbst, damit du deinen Nächsten aus dieser gesunden Liebe zu dir genauso lieben kannst. Und sich selbst zu lieben heißt auch, sich mit seinen Schwächen zu akzeptieren, zu erkennen, wann wieder eine Pause-Taste im Mama-Alltag gedrückt werden muss. Diese Einstellung zu verinnerlichen, ist gar nicht einfach, denn das moralisch aufgezwungene Schuldgefühl sitzt tief. Ich hoffe, dass zukünftige Generationen es in dieser Hinsicht einfacher haben werden.

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmenIch war am Ufer angekommen. Es herrschte Ebbe an diesem Morgen. Das Meer macht es uns vor, es zieht sich regelmäßig zurück. Vielleicht wollte es ja auch mal eine Auszeit von der Küste nehmen, so wie ich vom Trubel zuhause. Eine Möwe flog über meinen Kopf hinweg. Sie versuchte, Insekten und Würmer für ihr Frühstück im Watt zu erspähen. Bei Ebbe ist der Tisch reich gedeckt für die gefiederten Meeresvögel.

Ich genoss die einsame Stille. Lediglich den Wind, der um meinen kapuzenbesetzten Kopf sauste, vernahm ich sowie das Knirschen des Sandes unter meinen Stiefeln. Kein Kindergeschrei, keine bellenden Hunde, keine rufenden Eltern. Gestern, bei Sonnenschein, erinnerte das Ganze hier noch an den überfüllten Strand von Palma de Mallorca.

Wenn man mal rational auf das Modell namens Familie blickt, erscheint es einem fast logisch, dass Jeder in diesen Strukturen auch mal Zeit für sich braucht, um leere Akkus aufzuladen. Kein Mensch würde in einer Ehe zwischen Mann und Frau auf die Idee kommen, dass ein permanentes Aufeinanderkleben das Beste für eine langfristig funktionierende Beziehung wäre. Er braucht vielleicht seine regelmäßigen Fußballabende mit den Kumpels, sie die Shoppingtouren und Telefonate mit der besten Freundin.

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmenDas kurzweilige Fernbleiben tut beiden Beteiligten gut und anschließend freut man sich auch wieder auf den Anderen und nutzt die kommende Zeit zusammen besonders intensiv. Warum sollte das in einer Eltern-Kind-Beziehung anders sein? Und trotzdem haben Mütter das Gefühl, etwas Verbotenes zu machen, wenn sie sich eingestehen, dass sie gerne auch mal Zeit ohne ihre Kinder verbringen. Laut aussprechen vor Freundinnen oder anderen Kindergartenmüttern traut man sich das Ganze schon mal gar nicht.

Als ob der Wunsch nach einer Pause von seinen Kindern dem Eingeständnis gleichkäme, man würde sie nicht lieben!

Aber auch den Partner mal wieder darum zu bitten, den Babysitter zu mimen, fällt mir zugegebenermaßen schwer, auch, wenn ich genau weiß, dass mein Mann das gerne für mich tut (und meine Kinder die alleinige Papa-Zeit sicher auch genießen). Dennoch nagt auch hier das schlechte Gewissen an mir, schon wieder eine Auszeit anzumelden. Denn irgendwie scheint der Wunsch nach Auszeiten bei mir öfter aufzutreten als bei anderen Müttern.

Sicherlich hat das auch mit meinem stark ausgeprägten Gefühl zu tun, permanent fremdbestimmt zu sein mit Kindern. Dann nutze ich jede Pause zuhause und könnte trotzdem nach fünf Minuten schon wieder die nächste Auszeit dranhängen. Zumal die Vorstellungen von „Zusammen spielen“ zwischen mir und meinen Kindern weit auseinanderdriften und somit am Ende keine Erholung auf mich wartet, sondern vor allem ein Ausgelaugtsein. Wie so viele hochsensible Mütter leide nämlich auch ich unter dem Wechsel zwischen Langeweile und Überforderung.

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmenAuch der Wunsch nach echten Konversationen bleibt zunächst noch ein Wunschtraum. Während ich am liebsten bei Fragen nach dem Sinn des Lebens einsteige, erzählen mir die Kinder nicht mal, was sie vormittags im Kindergarten gemacht haben. „Weiß ich nicht“ und „Sag ich nicht“ oder „Will ich nicht“ sind also, neben Pipi-Kacka-Erzählungen, die meistgesprochenen Sätze am Tag, die meinem Bedürfnis nach tiefsinniger Kommunikation (geschweige denn überhaupt irgendeiner Form von Unterhaltung) nicht mal ansatzweise nachkommen.

Kinder haben zudem ein anderes Energielevel als die meisten Erwachsenen. Mini und Maxi hätten am liebsten gerne den ganzen Tag Action, während ich es auch mehrere Stunden am Stück auf dem Sofa lesend aushalten würde. Diese Diskrepanz ist für mich als hochsensible Mutter, die schnell überladen ist von so viel Input meiner Kinder, nur schwer zu ertragen und es kommt auch hier leicht zu Gewissenskämpfen meinerseits, wenn ich mal wieder eine Pause anmelde.

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmenVielleicht ist das auch ein Grund, warum unter den Müttern, die ihre Mutterrolle bereuen, so viele Hochsensible sind. Der permanente Trubel rund um die Uhr, kaum Zeit, die Akkus wieder voll aufzuladen (weil sie eben viel langsamer aufladen als bei Nicht-Hochsensiblen) und vor allem der ständige Vergleich mit nicht-hochsensiblen Müttern. Dass diese viel mehr und alles noch gleichzeitig gewuppt kriegen, sollte uns überempfindliche Mütter nicht aus dem Takt bringen. Schauen wir lieber auf unsere Stärken!

Wir müssen dringend erkennen, dass es nicht nur unser gutes Recht, sondern auch unsere Pflicht ist, gut für uns zu sorgen und das bedeutet, immer wieder zu unserer Mitte zu finden. Die einen können das besonders gut in der Stille, andere erleben sich am besten beim Sport oder kreativem Basteln.

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmenEs ist auch völlig egal, ob wir am Meer entlangspazieren, an einem einsamen Bootssteg faulenzen oder durch Wald und Flur reiten. Hauptsache, wir sind für uns, können uns ganz auf unsere Gedanken und Gefühle besinnen und uns selbst spüren. Bewusstes Atmen kann uns dabei helfen, innerlich ruhig zu werden, falls es nötig ist (bei mir ist es immer nötig).

Wir tun damit nicht nur uns einen großen Gefallen, indem wir hinterher entspannter mit uns selbst und dem Nachwuchs umgehen können, sondern wir helfen auch unseren Kindern, indem wir ihnen ein Vorbild sind. Zeigen wir ihnen, wie wichtig es ist, sich regelmäßig Zeit für sich selbst zu nehmen. Damit können wir hoffentlich den Kreislauf unterbrechen, die gleichen Muster (zuerst an die Anderen zu denken und kein Gespür für die eigenen Befindlichkeiten zu bekommen) an die nächste Generation weiterzugeben.

Aber vor allem sollten wir uns nicht mit anderen vergleichen, schon gar nicht mit nicht-hochsensiblen Müttern oder Superwoman. Das würde nur zu Dauerfrust und unnötigen Komplexen führen. Und dafür haben wir nun wirklich keine Zeit!

7 Gedanken zu „Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmen“

  1. Calliope sagt:

    Danke für das Teilen deines vielschichtigen Textes! Ich möchte nur kurz nochmal auf einen Punkt zurückkommen, den man sich an den Kühlschrank nageln sollte (oder an die Toilettentür bzw irgendwo hin, wo man regelmäßig hinschaut). Selbstfürsorge durch Alleinsein ist ein Investment in unsere Kinder, kein „Davonstehlen“. Nur so hat man Energie für den kommenden Tag. Am besten ist es wirklich, diese Zeitfenster regelmäßig einzubauen. Wenigstens am Wochenende – besser als nichts. So, wie feststeht, wann was in der Tagesroutine dran ist, gibt es eben auch ein festgezurrtes Fenster für Alleinzeit. Umso regelmäßiger, umso berechenbarer für alle Familienmitglieder. Kinder gewöhnen sich schnell an Routinen. Und du auch – damit lässt hoffentlich das schlechte Gewissen nach. Wir selbst sind noch nicht so weit – aber der Masterplan ist im Werden. Und genau wie du habe ich einen Partner der mir diese kleinen Räume für mich ermöglichen möchte. Wenn wir es schaffen, diese anzunehmen und wirklich für uns zu reservieren, stärkt das alle Beteiligten – auch unsere Kinder. Klingt paradox, ist aber so. Ich selbst muss immer noch lernen, die Zeit tatsächlich für mich zu nutzen und nicht für liegengebliebenes – wahrscheinlich sollte ich mir auch einen Friesennerz zulegen. 😏

    1. Christine sagt:

      Liebe Calliope,

      vielen Dank für deine wichtigen Worte! Du hast Recht, wenn man die freie Zeit als festen Tages- (oder Wochenend-)Punkt einbaut, wird es irgendwann zur Regelmäßigkeit und anschließend auch zur Selbstverständlichkeit. Das sollte ich mir auch immer noch öfter bewusst machen.

      Jetzt ist es gerade Mittag und ich habe die beiden hingelegt (durch die verschiedenen Kinderzimmer klappt das ganz gut). Auch wenn ich weiß, dass Mini und Maxi nicht jeden Tag zwingend einen Mittagsschlaf brauchen, so sage ich ihnen dennoch, dass es wichtig ist, dass sie sich wenigstens ausruhen. Die Mittagspause tut sicher allen gut, aber vor allem brauche ich sie zum Regenerieren. Und davon profitieren anschließend alle.

      Lieben Dank nochmal für deinen Kommentar und viele Grüße!
      (Den Original Friesennerz von Derbe kann ich dir übrigens wärmstens empfehlen. Auch für Nicht-Nordsee-Anwohner im übrigen Deutschland mit Scheißwetter oder Kackregen geeignet ;-))

      Christine

  2. Jessica sagt:

    Liebe Christine,

    heute bin ich zum ersten mal über deinen Blog „gestolpert“. Was vielleicht daran liegt, dass ich generell beschlosssen habe, dass der Druck den ich für mich selbst aufbaue ausreichend ist und nicht noch des Zusatzes der „Perfekten Mütter Tips“ im Internet bedarf. Heute jedoch liege ich ausgelaugt und weinend im Bett und beschäftige mich mit dem Thema „regretting motherhood“. Und wie wir alle wissen ist es ein furchtbares Thema seine Kinder unendlich zu lieben und dennoch darüber nachzudenken, ob es eine gute Idee ist Mutter zu sein. Mein ältester Sohn (9 jahre, von drei Kindern) ist hochsensibel, was uns schon sein ganzes Leben „auf Trab hält“. Heute ist mir (man soll es kaum glauben) nach neun Jahren als Mutter, Berufstätige und Studentin mit 33 Lebensjahren das erste mal bewusst geworden, dass ich möglicherweise ebenfalls in diese Kathegorie zähle. Ich habe mich schon immer als leicht Autistisch (und hierin auf den Aspekt der hochsensibilität im Bereich der Sinne, Strukturen, sozialen Bezieungen und Rhythmen beziehend) bezeichnet. Diese Erkenntnis aber noch nie als etwas bewertet, dass besonderer Aufmerksamkeit und Pflege bedarf (und diese auch verdient). Somit habe ich nun hoffentlich den ersten Schritt gemacht, mir endlich selbst zu helfen indem ich mich und meine Bedürfnisse ernst nehme und mich mit dem Thema genauer befasse. Auch wenn ich nun lange über mich geschrieben habe ist mein eigentliches Anliegen mich bei dir für deine Artikel zu bedanken!

    Vielen Dank!

    Herzliche Grüße

    Jessica

    1. Christine sagt:

      Liebe Jessica,

      ich heiße dich ganz herzlich willkommen – zum einen auf meinem Mama-Blog und zum anderen im (wissenden) Kreis der hochsensiblen Mütter :) Tatsächlich ist es für mich nicht ungewöhnlich zu hören, dass du erst jetzt bei dir selbst auf den Gedanken gekommen bist, ebenso wie dein Sohn betroffen sein zu können! Man macht sich eben (und vor allem als Mutter) oft erst einmal um den Rest der Familie Gedanken und weniger um sich selbst. Auch den Vergleich zum Autismus finde ich passend, ähnelt er doch in vielen Bereichen der Hochsensibilität (du hast es ja schon angesprochen).

      Ich freue mich mit dir, dass du nun deinen ersten Schritt in Richtung Aufmerksamkeit schenken deiner eigenen Bedürfnisse gegenüber gemacht hast, auch wenn du vielleicht das ein oder andere Mal bei der Umsetzung an deine Grenzen stoßen wirst – es lohnt sich immer!

      Ganz lieben Dank für deine netten Worte zu meinen Artikeln und vielen Dank auch für deine ausführliche Geschichte ♡

      Alles Liebe dir
      Christine

  3. Mahnaz sagt:

    Ach Christine, danke… Ausgelaugte Grüße von einer hochsensiblen Mutter zweier hochsensibler, wunderbarer Kinder. Das Lesen war Auszeit.

    1. Christine sagt:

      Liebe Mahnaz,

      das freut mich jetzt wirklich sehr, dass mein Beitrag deine kleine Auszeit war ♡
      Liebe Grüße zurück!

  4. Jane sagt:

    Liebe Christine,

    bin ganz zufällig hier gelandet. Dein Blog sowie Dein Erzählstil sind wirklich etwas ganz Besonderes. Ich bin wohl selbst nicht hochsensibel, wohl noch nicht mal im üblichen Sinne besonders sensibel und kann dennoch sehr viele Gedanken und diesen dringenden Wunsch nach Alleinsein, Selbstbestimmtheit nachfühlen. Bei mir ist es eine körperliche chronische Erkrankung die zu dem unbedingten Bedürfnis nach Ruhe, wenig Einflüssen und Ungestörtsein führt. Außerdem bin ich eine starke und eigensinnige Persönlichkeit, die einfach viel Freiraum benötigt. Ebenfalls mag ich es nicht besonders mit meinem Kind zu spielen – ich empfinde es oft als Quälerei. Basteln noch viel schlimmer. Es scheint mir allerdings der entscheidende Unterschied zu sein, dass ich kein schlechtes Gewissen habe und meine Stunden, Wochenendtage, Frühstück um 5 Uhr früh sowie mehrere Tage im Familienurlaub allein und getrennt von family uneingeschränkt genieße. Ich habe kein Problem damit auf der letzten Weihnachtsfamilienfeier im Büro zwischen lauter anders handelnden Eltern laut zu verkünden „Nein, tut mir leid, die Mama bastelt nicht. Suche Dir bitte etwas aus, das Du alleine bewältigen kannst“. Und zu den Kolleginenn „Ich bin keine Bastel-Mama“. Dieses Jahr wird aus selbigen Grund unsere Au-Pair mitgehen, die wir eigentlich auch nur zu uns geholt haben, damit ich Zeit für mich habe und weil junge Frauen all die Dinge, mit denen ich so meine Probleme habe viel lieber und besser tun. Es macht mir ungeheuer Spaß durch die angelehnte Tür dem Prinzessinen-, Tierklinik oder Feenwunderland leise zu lauschen – nur selbst spiele ich nicht so gern. Ich bin dafür toll im Ausflüge organisieren in die Natur, ich kann stundenlang durchs Naturkundemuseum mit meinem Kind stromern (an Wochentagen vormittags wenn es leer ist), ich bin „die Beste“ im Bügelperlen nach Farben sortieren und im Wiedereinfädeln des verlorenen Fadens. Soll sich dann halt daran stören wer mag, dass mein Kind nur in Gruppen geht bei denen kaum Elternpartizipation besteht. Ich spiele doch schon das Taxi. Für mich stellt sich die Frage des schlechten Gewissens daher nicht – durch Deinen Blog, weiß ich nun aber, dass dies bei hochsensiblen Müttern anders ist. Wenn sich das nächste Mal eine Mutter mit solchen Gedanken an mich wendet, werde ich versuchen das besser nachzufühlen und auf genau die Fragen, die sich mir nie stellen einzugehen. Das erscheint mir wichtig.
    Alles Liebe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.