Mama-Momente

Neues Jahr, neues Babyglück?

Villa Schaukelpferd-Klassiker


Ich las die aktuellen Twitter-Beiträge durch und blieb bei einem von „Mama on the Rocks“ hängen. Ob mal bitte all diejenigen Frauen unter uns die Hand heben könnten, die aktuell nicht schwanger seien, sie sammle gerade für eine Blogparade. Meine Finger tippten schneller die Antwort, als ich mit meinem Kopf hinterherkam. Nicht nur virtuell riss ich beide Hände in die Höhe, vielleicht, um Mutter Natur, falls sie gerade zum Fenster reinschaute, ein deutliches Signal zu setzen, dass hier derzeit kein Kinderwunsch vorliegt. Ich korrigierte: Nein, nicht derzeit; gar nicht mehr. Kein Babybauch, keine Wiege, keine Windeltorten. Immerhin begann ich gerade erst wieder, meinem Leben mehr ICH zu verleihen. 2016 begann mein viertes Jahr Muttersein und ich hatte nicht vor, all das noch einmal zu wiederholen.

Sicher, auch ich habe ab und an Zeiten, in denen ich wehmütig zu meinen beiden Schwangerschaften zurück blicke. Das Gefühl, wie neues Leben direkt unter meinem Herzen heranwächst. Die spürbaren Tritte, die zunehmende Neugierde auf den neuen Erdenbürger. All das hatte ich genossen. Bei ersten Mal sehr, beim zweiten Mal erst später, aber das Gefühl, schwanger zu sein, kann ich jeder Frau grundsätzlich nur empfehlen! Und trotzdem wäre es kein Grund für mich, es den anderen Gebärfreudigen nachzutun. Obwohl ich diese kleine Eifersucht, von der Mama-Bloggerin Séverine spricht, kenne. Dieser sanfte Stich, wenn man von einer Bekannten oder Unbekannten erfährt, dass sie in anderen Umständen sei. Wie eine Art Neid, weil man selbst gerade nicht schwanger ist. Vielleicht ist das aber auch ein Gefühl, das selbst Nicht-Mütter fühlen können, weil es an ihre Weiblichkeit und damit an Mutter Naturs Wunsch nach Vermehrung appelliert.

Ich entrümpelte meinen Schlafzimmerschrank, während ich noch darüber nachdachte. Eigentlich war meinem Mann und mir gleich nach Minis Geburt klar gewesen, dass jetzt Schluss sei mit der Kinderkriegerei. Zum Einen, weil wir uns beide sowieso immer nur zwei Kinder wünschten. Zum Anderen aber auch, weil wir schnell zu spüren bekamen, was Neugeborene mit sich bringen: Einen Haufen Verantwortung und viel Fremdbestimmtheit. Mit der Verantwortung lernten wir nach und nach umzugehen. Man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Nur mit der permanenten Fremdbestimmtheit kamen wir einfach nicht zurecht. Bis beide Kinder in den Kindergarten gingen, glich unser Alltag einem Spießroutenlauf und Hangeln von Auszeit zu Auszeit. Und auch heute komme ich noch an meine Grenzen, wenn ich für längere Zeit als einen Nachmittag die Kinder zuhause habe. Die letzten Weihnachtsferien zeigten es mir wieder deutlich.

Neues Jahr, neues Babyglück?
Auch mein Mann möchte nicht noch ein Baby großziehen. Zuerst musste er bei Sohn Maxi monatelang die postpartalen Depressionen seiner Frau ertragen mittragen, nach Minis Geburt dann über Wochen und Monate nachts stundenlang ein Schreibaby beruhigen. Selbst heute zuckt er noch zusammen, wenn er irgendwo ein Baby schreien hört. Zwei Kinder haben Spuren hinterlassen. Natürlich auch schöne. Aber ein drittes Mal die Anfangszeit mit einem Kleinkind durchmachen, wäre sicherlich eine Belastungsprobe für uns als Paar und für unsere gesamte, kleine Familie.

Das letzte Mal, als ich ein Neugeborenes auf dem Arm hielt, ist nicht mal zwei oder drei Monate her. Meine Freundin Katharina freut sich über ihr zweites Kind, eine Tochter, und fragte mich, woran ich festmachen würde, dass ich so sicher sei, dass ich kein drittes Kind mehr wolle. Sie würde sich zwar in stressigen Momenten auch jedes Mal sagen, dass das eine wirklich dämliche Idee sei, aber in harmonischen Augenblicken doch immer mal wieder über ein Weiteres nachdenken. Ich würde es ihr sehr wünschen. Aber für mich ist die Sache eindeutig.

Ich schloss die Schranktüren, froh, nicht nur äußerlich mal wieder für Ordnung gesorgt zu haben, und wischte ein letztes Mal über die Schubladen. Nein, kein weiteres Kind mehr. Nicht nur, dass uns zwei genügen, die Familie fühlt sich so auch einfach schon komplett an. Und so schenkte ich mir an diesem frühen Nachmittag spontan ein Glas Rotwein an und prostete mir einfach mal selbst zu: Christine, zwei tolle Jungs hast du da! Zwei richtig gute Entscheidungen sind das gewesen. Aber um die restlichen Nachwuchsfragen dürfen sich Andere jetzt Gedanken machen. Prost!

3 Gedanken zu „Neues Jahr, neues Babyglück?“

  1. Rosalie sagt:

    Wunderschöner Text und sehr gut nachvollziehbar. Ich habe eine ehemalige Klassenkameradin, der meine Mutter kürzlich begegnete. Sie hat nun das 3. bekommen. Nach 2 einfach Jungs, ein Schreibaby. Und wenn ich an meine Schwangerschaft denke – also einfacher wird es nicht. Es muss nicht schlimmer werden, aber mit ‚ach so süß‘ ist es eben nicht getan. Und das witzige an dieser Diskussion über Babys ist ja, von 50 MAMAbloggerinnen sind 5 schwanger. Ey, voll der Trend! Soll ja vorkommen, dass Frauen in dem Alter auch mal Kinder kriegen… Im Studium hieß es auch irgendwann von 20 Studenten machen dieses Jahr 17 ein Praktikum. Also mit Dominoeffekt hatte das aber nix zu tun.

  2. dieverlorenenschuhe sagt:

    Ich hatte mich schon mal vor etwa einem halben Jahr in meinem Blog mit dem Thema auseinandergesetzt, nachzulesen hier https://dieverlorenenschuhe.wordpress.com/2015/08/19/wieviel-kinderl-haettens-denn-gerne/. Daran hat sich bisher nichts geändert. Manchmal zweifele ich immer noch. So ein Baby ist schon was süßes… Aber nein, noch mal auf Start und von vorne anfangen mit einem 3. Baby? Die Vernunft sagt nach wie vor ganz laut Nein, nur manchmal sagt das Herz: „Ja, ich hätte noch Platz“…

    1. Christine sagt:

      Hallo :)
      Dein eigener Beitrag zu dem Thema ist sehr spannend! Bei mir war es immer genau umgekehrt: Je früher die Babys/Kinder autonom wurden, desto erleichterter war ich. Die „ach so süße“ Babyzeit gab es für mich nur in so seltenen Momenten, dass sie für mich nie Grund zum Hinterhertrauern waren. Selbst heute, drei Jahre nach der Erstgeburt ertappe ich mich oft genug bei dem Gedanken: Hoffentlich werden sie bald noch selbstständiger, auf dass sie nicht mehr so auf mich angewiesen sind. Die Neugeborenen-Phase konnte ich also gut loslassen.
      Dennoch kann ich deine Gedanken gut nachvollziehen à la „Wie würde jetzt wohl ein drittes Kind aussehen bzw. sich verhalten?“ Deine Ausschluss-Kriterien wie z.B. Alter, (Urlaubs-)Finanzierungen, etc. klingen sehr vom Verstand gesprochen. Ich bin gespannt, ob sich dein Herz/Bauch noch ein drittes Mal durchsetzen wird :)
      Alles Liebe dir und herzlichen Dank für deinen Post!
      Christine

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