Mama-Momente

Was ich an der kinderlosen Zeit vermisse

Villa Schaukelpferd-Klassiker

Nach der Arbeit frei haben. Ein Buch lesen, ohne gestört zu werden. Mehr als ein Kapitel lesen können und trotzdem wissen, was vor 2 Seiten passiert ist. Keine klebrigen Flecken auf dem Esstisch, die man mit dem Spüllappen nicht mehr wegbekommt.

Vom Sofa bis zum Wohnzimmertisch laufen, ohne auf Kastanien, Duplosteine, Besenstiele, Legomännchen oder Rennautos zu treten. Keine zerrissenen Rezepte. Keine EselsMuliohren in meinen Büchern. Abendspaziergänge mit dem Mann. Tischdecken. Kerzen. Teures Porzellan. Schrott-TV am Nachmittag. Ausschlafen am Wochenende. Nachts mit dem Mann im Auto herumfahren, dabei gute Musik hören und die Zeit vergessen. Keine Ratschläge von fremden Leuten zur Kindererziehung bekommen. Stundenlang Zeit für mich haben. Ein ordentliches Wohnzimmer.

Spaziergänge, auf denen man nicht angesprochen wird. Abends Fernsehen gucken, ohne ständig die Lautstärke regulieren zu müssen. Leere Teller nach dem Mittagessen. Keine Gerichte, die doppelt, weil einmal ohne Tomaten, Fisch und Paprika gekocht werden müssen. Keine 3 Kilo Nudeln im Vorratsschrank. Keine vollgekrümelte Rückbank. Kein Geschrei, weil man nicht zum 3. Mal hintereinander die CD von Rolf Zuckowski hören möchte. Fensterglas, auf dem sich keine Handabdrücke befinden. Lange Ausflüge am Wochenende. Filme, die erst nach 22.00h anfangen. Nutella unter der Woche. Am Geburtstag meine Geschenke selbst auspacken dürfen. So oft und ungestört am Tag aufs Klo gehen können, wie man möchte. Naive Vorstellungen von Geburtsschmerzen haben. Ein sauberer Küchenfußboden, der mehr als 5 Minuten auch so bleibt.

Die Leichtigkeit, mit der man sich das Leben mit einem Schreikind vorstellt. Die Leichtigkeit, mit der man sich das Leben mit einem Nicht-Schreikind vorstellt. Regentage auf dem Sofa verbringen. Ferien. Perlenketten, die nicht vom Hals gerissen werden. Schreiende Kinder auf dem Spielplatz, die nicht mir gehören. Nicht zehnmal am Tag das gleiche Verbot aussprechen müssen. Kein Geschmatze, Gerülpse und Gepupse bei Tisch. Tage, an denen mal Keiner heult. Keine dreckigen Feuchttücher, die die Handtasche verstopfen. Spontanbesuche bei entfernten Freunden, ohne den Babysitter um Erlaubnis fragen zu müssen. Abends noch die Nerven haben, die man morgens besaß. Den Tag so verbringen, wie man ihn geplant hat. Sich als Mutter nicht in Frage stellen.

(Auf die Frage, was ich an der kinderlosen Zeit vermisse.)

Was ich an der kinderlosen Zeit vermisseKinderlachen. Neue Prioritäten, die man im Leben setzt. Das Wissen, dass man Leben weitergibt. Sich selbst nicht mehr so wichtig nehmen. Die Erkenntnis, dass man Spielzeug nicht in seiner Funktion nutzen kann muss. Seine eigenen Eltern im Nachhinein immer öfter verstehen können. Das erste Mal „Mama lieb. Papa lieb“ hören. Im Hier und Jetzt leben. Die Ähnlichkeit in seinen Kindern entdecken. Die Unterschiede zu sich selbst in seinen Kindern entdecken. Lächelnde Kinderaugen, wenn man ihnen ein Gute-Nacht-Lied vorsingt. Sich selbst besser kennen lernen. Familie sein. Das Wissen, dass alles nur eine Phase ist und die Kinder irgendwann groß sind und ausziehen werden.

(Was ich als Mutter erfahren habe und nicht mehr missen möchte.)

10 Gedanken zu „Was ich an der kinderlosen Zeit vermisse“

  1. kullerkind sagt:

    Hach… richtig schön geschrieben! Und so wahr… in mir ist auch immer diese Zerrissenheit. Ich will an manchen Tagen einfach nur eine Stunde für mich sein. Und bin ich es dann, kann ich es kaum erwarten, mein Kind wieder in die Arme zu schließen.

    1. Christine sagt:

      Ja, solche Tage gibt es auch. So sehr man sich nach der freien Zeit manchmal sehnt, manchmal weiß man dann auch nichts mit sich alleine anzufangen und wünscht sich die Kleinen wieder herbei :)

    1. Christine sagt:

      Ich danke dir!!

    1. Christine sagt:

      Lieben Dank!! :)

  2. Nätty sagt:

    Sehr schön geschrieben. Kann ich alles so unterschreiben ;)

    1. Christine sagt:

      Freut mich sehr zu hören (bzw. zu lesen ;-))

  3. Anna sagt:

    Dein Artikel ist schon so ‚alt‘ und ich muss trotzdem weinen. Ich lese mich grad durch deine Texte.
    Neben mir das schlafende Baby und nebenan das Kleinkind. Mann beruflich in Paris und ich in der enotionalen Mama-Sackgasse. Und da soll mal einer sagen, ich hätte das nicht aus der Elternzeit von Kind 1 noch gewusst. Unterforderung ohne Ende, keine (!) Ruhe und ewig dasselbe.
    Danke, dass du das hier in Worte fasst. Es ist spät, aber ich fühle mich weniger allein!

    1. Christine sagt:

      Liebe Anna,

      ich sende dir ganz viel Kraft und danke dir für deine offenen Worte ♥

      Liebe Grüße
      Christine

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