Lebensfragen

Heute akzeptiere ich mich selbst

Es passierte beim Fernsehen an irgendeinem Feierabend letzte Woche. Mein Mann und ich schauten einen -zugegebener Maßen ziemlich unrealistischen- Thriller, bei dem es, grob gesagt, darum ging, dass der Hauptdarsteller die Welt (oder zumindest einen kleinen, amerikanischen Teil davon) retten musste. Solche Filme gibt es wie Sand am Meer und meistens enden sie alle gleich. Trotzdem stimmte mich der Film nachdenklich, auch, wenn sich die Erde am Ende doch wie gehabt weiterdrehte.

Die Message, die rüberkommen sollte (und auch tatsächlich bei mir ankam) war: Lebe jeden Tag, als wäre es dein Letzter! Klingt ziemlich abgedroschen, vielleicht gähnst du bereits jetzt schon. Ich kann auch nicht sagen warum ausgerechnet ein Schießfilm Science-Fiction-Film wie dieser mich letztendlich so berührt hatte, aber ich ging an diesem Abend ziemlich nachdenklich ins Bett.

Wer kennt das nicht? Ein paar Schwangerschaftspfunde zu viel auf den Hüften, die Schüchternheit, die mich nie trauen lässt, auf Andere zuzugehen oder diese Ungeduld, die mir das Leben ständig schwer zu machen scheint. Jede von uns kennt sicherlich Eigenschaften und Äußerlichkeiten, die sie an sich ablehnt und die sie sich wegwünscht. Krumme Nase, großer Po, kurze Wimpern? Irgendwas gibt es doch immer zu meckern. Wer akzeptiert sich schon so wie er ist?

Jeder scheint ein höheres Ideal anzustreben. Nun ist es grundsätzlich nicht verkehrt, ein Ziel im Visier zu haben und alte Gewohnheiten zu überdenken. Aber wenn man sich Hauptsächlich nur noch damit beschäftigt, sich kleinzumachen, Kalorien zu zählen für ein Schlankheitsbild, das gar nicht zu einem passt oder sich vor der Anmeldung im Gospelchor scheut, nur aus Angst, alle Anderen könnten sowieso besser singen, dann verschwenden wir meiner Meinung nach ziemlich viel Zeit und Energie für Dinge, die es nicht Wert sind.

Das Leben ist doch viel zu kurz, um ständig nur auf Fehler und Schwächen zu schielen.
Aber warum machen (meistens wie immer) wir Frauen uns das Leben nur so schwer? Gerade Mütter können das ziemlich gut. Schaut man nur mal über den eigenen KinderTellerrand, gibt es natürlich zig Mamis, die besser kochen, kreativer basteln und vor allem in jeder Situation immer frisch gestylt und blendend aussehen. Aber wem wollen wir eigentlich was beweisen? Uns? Den anderen Müttern? Unseren Kindern? Dass sie keine Versager-Mami haben?

Ich glaube, wenn wir unsere Kinder fragten, würden sie nicht mal verstehen, warum wir uns der Anerkennung wegen so abstrampeln. Kinder lieben ihre Mutter sicher nicht für die perfekt sitzende Frisur oder die Geburtstagstorte, die vier Stunden Vorbereitungszeit in Anspruch nahm. Denen ist es garantiert wichtiger, dass Mama Zeit mit ihnen auf dem Spielplatz verbringt, häufig lacht und Sohn und Tochter in jeder Lebenslage ernst genommen werden.

Wie wäre es denn, wenn wir einmal das Experiment wagten, uns so zu akzeptieren, wie wir sind? Mit unseren (vermeintlichen) Fehlern und Unzulänglichkeiten. Und überhaupt: Machen uns diese kleinen Schwächen nicht erst richtig sympathisch? Was wäre, wenn Sarah Jessica Parker ihre markante Nase nicht besäße, Beth Ditto nicht ihre überdimensionalen Rundungen? Charisma kann doch nur entstehen, wenn wir locker sind, uns wohlfühlen in unserer Haut. Wie sollen wir locker sein, wenn wir ständig versuchen, unsere Schokoladenbeschmierte Bluse zu verstecken, unser wildes Temperament zu zügeln oder uns für unsere Schüchternheit schämen? Wer verkrampft, wird steif, wer steif ist, wirkt schnell unsympathisch.

Stellen wir uns doch kurz einmal vor, morgen würde die Welt untergehen. Wie möchte ich dann rückblickend auf mein Leben schauen? Was sind mir dann wohl die ganzen Diäten, Selbstvorwürfe und das Streben nach unrealistischen Idealen noch wert? Wie viel Raum nehmen kritische Gedanken in meinem Leben ein? Warum nicht einfach mal sagen: „Ich bin zwar nicht perfekt, aber gut genug“?

Ich für meinen Teil werde es auf jeden Fall mal versuchen. Auch, wenn morgen noch nicht die Welt untergeht, weil ja irgendein Superman sie retten wird. Und wenn es mit der Selbstliebe auf Anhieb noch nicht klappt, lehne ich mich ganz entspannt zurück. Ich weiß ja, dass es Dinge gibt, die ich nicht perfekt hinkriegen muss.Heute akzeptiere ich mich selbst

2 Gedanken zu „Heute akzeptiere ich mich selbst“

  1. Daniela sagt:

    Liebe Christine,

    ich finde deinen Artikel echt toll und so wahr. Am Wichtigsten ist es doch, dass man sich in seiner Haut wohl fühlt und dass es einem gut geht. Dann lassen sich alle anderen Sachen auch regeln…
    Und ich bin der festen Überzeugung, dass das -vielleicht in anderen Augen- unperfekte für meine Verhältnisse ziemlich perfekt ist.

    LG
    Daniela

    1. Christine sagt:

      Liebe Daniela,
      es freut mich, dass dir mein Artikel so gefällt. Und ja du hast völlig recht: Wer entscheidet schon, was perfekt und was unperfekt ist? Für Jeden bedeutet es wohl etwas anderes, also ist es völlig müßig, einem Ideal hinterherzurennen.
      Viele Grüße
      Christine

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