Kinderkram

Wohnen hier überhaupt Kinder?

In der Tat, eine berechtigte Frage. Nein, sie wurde mir noch nicht gestellt. Außer natürlich schon ganz oft von meiner inneren Stimme, vornehmlich als schlechtes Gewissen verkleidet. Und dennoch grenzt es förmlich an ein Wunder, dass mich noch kein Besucher irritiert auf die fehlenden Hinweise zweier vorhandener Kinder aufmerksam gemacht hat. Vielleicht liegt es daran, dass wir selten Besuch bekommen, außer von unseren Eltern oder ein paar polnischen Handwerkern, die in dem Altbau mal wieder etwas reparieren müssen. Handwerker fragen nicht nach nicht-vorhandenem Spielzeug. Und unsere Eltern halten sich vielleicht diskret zurück. Dennoch: Sollte man beim Betreten eines Hauses, in dem auch kleine Kinder leben, nicht augenblicklich über ein paar Legosteine und Spielzeugfiguren stolpern?

Mama-Momente

Die gestutzten Flügel

Manchmal befürchte ich, dich verloren zu haben. Ich versuche oft, mir dein Gesicht in Erinnerung zu rufen. Orte, an denen du gewesen bist, nicht nur mit deinem Körper, sondern auch mit deinem Herzen. Kannst du dich noch an den grandiosen Sternenhimmel erinnern, unter dem du standest, mitten in der Nacht auf dem weiten Feldacker? Du fühltest dich so klein und gleichzeitig verbunden mit allem. Oder als du auf dem runden Geburtstag deines Großvaters die Sonate von Vivaldi auf deiner Geige zum Besten gegeben hast. Du hattest so lange das schwierige Stück geübt und beim letzten Bogenstrich unter tosendem Applaus gemerkt wie perfekt dein Vortrag war. Du hast gespürt, wie leicht das Leben sich anfühlen kann. Das scheint lange her.

Im Dialog

Gastbeitrag auf Zartbesaitet.net zum Thema Regretting Motherhood

Als mich Ingrid Parlow vom Verein „Zartbesaitet“ fragte, ob ich nicht Lust hätte, einen Gastbeitrag zum Thema „Regretting Motherhood“ für ihren neu errichteten Blog zu schreiben, fühlte ich mich mehr als nur geehrt – tatsächlich schwankte ich zwischen Ohnmächtig werden und Ausflippen vor Freude! Ausgerechnet zartbesaitet.net! Für mich die Königin unter den Institutionen zum Thema Hochsensibilität!

Mama-Momente

Die stressigsten Tage? Tage, an denen mein Kind krank ist

„Vielleicht könnte Maxi die nächsten ein oder zwei Tage zuhause bleiben? Hier sind auch so viele Kinder krank, daheim geht es ihm bestimmt besser.“
Da war er, der gefürchtete Satz. Nachdem schon der gefürchtete Anruf kam. Wenn der Kindergarten vormittags durchklingelt, geht mein Puls automatisch hoch. Manchmal habe ich Glück und es handelt sich lediglich um den Termin für ein banales Elterngespräch oder das Kind hat die Sportsachen vergessen. Aber dem war heute nicht so.

Mama-Momente

„Mensch, du bist aber auch empfindlich!“

Dass ausgerechnet mein Mann es war, von dem diese Worte stammten, ließ mich augenblicklich innehalten. Ausgerechnet der Mann, der ebenfalls hochsensibel und schnell überreizt ist, der um meine Hochsensitivität weiß und mir in so vielen Situationen bestärkend den Rücken freihält, kommentierte meine Reaktion nun als Überempfindlichkeit. Und das bereits zum zweiten Mal innerhalb der letzten zwei Wochen. Und ich musste mit einem Anflug von Wehmut erneut feststellen, dass es da einen kleinen Raum in mir gibt, zu dem mein Mann keinen Schlüssel besitzt. Der empfindlichste Raum meiner eigenen Hochsensibilität.

Lebensfragen

„Hättest du dir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben?“

Es ist wohl die am häufigsten gestellte Frage von Kritikern und ich muss gestehen: Wenn ich zum ersten Mal meinen eigenen Blog betreten würde mit all den Beiträgen zum Thema „Regretting Motherhood“ und denen mit dem Schlagwort „Mamafrust“ gekennzeichneten Postings, ich würde sicherlich verwundert, wenn nicht gar entsetzt die gleiche Frage stellen. Ja, warum bitte schön verfasse ich denn am laufenden Meter Texte, in denen es sich immer und immer wieder um den stressigen, nervigen und energiezehrenden Alltag als hochsensible Mutter dreht? Warum habe ich denn überhaupt Kinder in die Welt gesetzt? Weiß doch Jeder, dass Muttersein nicht nur Glück pur bedeutet, sondern auch mit einer gehörigen Portion Stress bestückt ist! Nimm dir einen heißen Kakao und ein paar von den Vanillekeksen (die auf dem Backblech sind noch warm!) aus meiner Küche und mache es dir bequem: Ich will dir gerne eine Antwort auf deine Fragen geben.

Gesellschaft

Der Traum

Ich stand an der Bahnsteigkante und winkte meinem Ältesten zu. Maxi hatte bereits die letzten Stufen des Intercitys erklommen und lächelte in meine Richtung. „Tschüss Mama, bis in einer Woche!“ „Ja bis dann! Viel Spaß bei der Omi!“ rief ich ihm hinterher, während der Schaffner weiter hinten am Gleis bereits zur Abfahrt pfiff und der Zug sich langsam in Bewegung setzte. Eine Woche, dachte ich bei mir und realisierte zeitgleich, was das für mich bedeutete. Eine Woche kinderlos, sieben Tage keine Verantwortung rund um die Uhr für jemand anderen tragen müssen. Das Gefühl der Erleichterung, der Geschmack von Freiheit setzte unmittelbar ein und ich entspannte augenblicklich. Beinahe im selben Moment, vielleicht nur eine Zehntelsekunde später, durchfuhr mich ein Ruck und zwang mich, meine Augen zu öffnen. Ich stand nicht auf dem Bahnsteig, ich lag in meinem Bett, nebenan im Zimmer Maxi, der gleich bespaßt werden wollte. Ich hatte alles nur geträumt und sofort krampfte mein Herz zusammen.

Gesellschaft

Ein Ganztagsplatz für Mini und Mama

Sicher, wir hätten auch Nein sagen können. Als die Kindergartenleitung von Mini’s KiTa uns am Montag völlig überraschend ab Januar einen Ganztagsplatz anbot, mischten sich zu meiner ersten Euphorie auch Zweifel, ob das denn wirklich die beste Lösung sei. Immerhin ging es hier in erster Linie um meinen Sohn und nicht darum, welche Entscheidung mir besser tat. Oder etwa doch?

Mama-Momente

Warum ich so eine Panik davor habe, mit meinen Kindern alleine zu sein

Ich schloss die Tür und lehnte mich erschöpft von Innen dagegen. Ich hörte mich vor Erleichterung laut aufseufzen und atmete tief ein. Endlich alleine. Der Blick zur Uhr zeigte Punkt Acht. Maxi war gerade vom Kindergartenbus abgeholt worden und mit ihm verschwand auch die Unruhe, die bis dahin hier im Haus geherrscht hatte. Die letzte Stunde waren wir zwei alleine gewesen; ein Zustand, den ich nur sehr schwer aushalte. Aber jetzt war Maxi fort und ich wieder für mich. Noch einmal seufzte ich schwer und langsam fiel die Last von mir ab. Ich hatte den Morgen überlebt.

Lebensfragen

Steht mir die Hochsensibilität im Weg, eine gute Freundin zu finden?

„Hallo Christine! Über deine Nachricht habe ich mich sehr gefreut. Gerne können wir uns die Tage mal treffen. Ich melde mich dann bei dir, wenn es passt. Liebe Grüße Stefanie.“ Ich starrte auf mein Handy und konnte es kaum glauben. Stefanie*, die sympathische Mutter von Moritz, der mit meinem Mini in die gleiche Kindergartengruppe geht, hatte tatsächlich positiv auf meine Nachricht reagiert und einem Kaffeetrinken zugestimmt. Wir hatten uns am Tag der Eingewöhnung unserer Kinder kennengelernt, eine Woche, nachdem wir in das kleine Städtchen an der Nordseeküste gezogen waren, und uns nett zwischen Schaukel und Sandkasten unterhalten. Und trotzdem verfolgte mich die eine Frage: Würde es diesmal klappen? Könnte aus dem einmaligen Kaffeetrinken Freundschaft werden?