Gesellschaft

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmen

Der Regen nieselte unablässig auf mich herab. Kein Mensch war zu sehen hier hinterm Deich. Die Bewohner der Campinganlage schienen noch zu schlafen um kurz nach Neun an diesem Samstagmorgen oder sie blieben bei dem Wetter lieber in ihren Zelten und fahrbaren Kleinstbehausungen. Ich war alleine unterwegs, während Mann und Kinder den Vormittag zuhause verbrachten. Nicht, weil es dort etwas Besonderes zu tun gab. Der Grund, warum ich etwas ohne den Rest meiner Familie unternahm, war schlicht und einfach jener, dass ich Zeit für mich alleine benötigte. Ich fühlte mich wie eine Rabenmutter.

Gesellschaft

Fernsehen, Fast Food und fieses Spielzeug: Unpädagogische Tage

Ich gebe zu, ich mag es, wenn es bei uns zuhause pädagogisch wertvoll zugeht. Man will die Kleinen ja vorbildhaft aufwachsen sehen und ihnen die bestmögliche Erziehung bieten. Naturbelassenes Holzspielzeug statt ferngesteuertem Schrott aus China, ausgewogene Ernährung vom Bioladen anstelle von Fast Food mit Majo und Ketchup sowie einen strukturierten Tagesablauf, der einen gesunden Mix aus Bewegung an der frischen Luft, Ruhepausen zuhause (ohne Fernsehen natürlich!) und gemeinsamen Familienaktivitäten bietet. Zumindest ist das der Maßstab, mit dem ich früher gerechnet habe, als ich noch naiv und kinderlos war. Jetzt bin ich höchstens noch eins von beiden.

Lebensfragen

Mein Brief an Mütter mit Wochenbettdepression

Liebe traurige Seele,

meine Zeilen gehen an dich, wenn du seit der Geburt deines Kindes keine Freude mehr empfindest. Du hattest dir das Mamasein ganz anders vorgestellt, eigentlich solltest du doch jetzt glücklich sein, oder? Warum fühlt es sich dann so leer an? Du bist erschöpft, von was genau weißt du manchmal gar nicht so recht.

Mama-Momente

Kurzurlaub oder: Vom Druck, entspannen zu müssen

Die Pendeluhr tickt rhythmisch. Tick tack, tick tack. Unablässig in ihrem eigenen, immer gleichwährenden Tempo zeigt sie lautstark und unermüdlich die Sekunden an. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ihr Ticken beruhigend oder nervös, beinahe hektisch auf mich wirkt. Ich sitze hier in der gemütlichen Ferienwohnung, weit weg von Zuhause und versuche, zu entspannen. Im Moment bin ich alles andere als ausgeglichen, aber das liegt bei weitem nicht an der Pendeluhr.

Lebensfragen

Soll ich Anderen von meiner Hochsensibilität erzählen?

„Liebe Maria, es tut mir leid, aber ich muss für deinen Geburtstag absagen, ich bin an dem Abend bereits verplant.“ Schweren Herzens tippte ich die Worte in mein Handy und drückte erst im dritten Anlauf auf „Absenden“. Ich war nicht nur (was selten genug vorkommt und deshalb zu meinen Highlights zählt) zu einer Geburtstagsparty eingeladen worden, sondern dazu noch zu einem waschechten Mädelsabend inklusive Übernachtung, Cocktails mit Schirmchen und Spaß ohne Ende. Es wäre für mich seit langem mal wieder ein Abend in kinderloser Freiheit gewesen, ein Angebot, das ich unmöglich ausschlagen konnte. Trotzdem tat ich es. Der Grund dafür war meine Hochsensibilität. Maria erzählte ich nichts davon.

Lebensfragen

Küstenkind – Ein Umzug wider die Vernunft

Es war nur ein kurzes Gekritzel. Keine zwei Sekunden meiner Zeit beanspruchte diese kleine Notiz. Und doch bedeutete sie mir mehr als alles andere. Es war nicht nur irgendein Wort, das ich da niederschrieb. Es war meine Unterschrift, die Unterzeichnung eines Mietvertrags. Im Sommer würden wir also umziehen. Ans Meer. So, wie ich es mir immer erträumt hatte. Sand, Strand, Wasser. Ein Paradies für uns und der traumhafte Ort für unsere Kinder, um groß zu werden. Es bedeutete ein ganz neues Leben.

Im Dialog

Warum echte Mamas alles andere als perfekt sind – Mein Gastbeitrag für „Echte Mamas“

Als ich die Mail von Sara erhielt mit der Anfrage, ob ich für ihre Seite einen Gastbeitrag verfassen wolle, war ich sofort schwer begeistert. Nicht nur, weil ich so gerne schreibe und sich meine Hände auf der Tastatur eh viel wohler fühlen, als in Backhandschuhen oder an der Nähmaschine (ich besitze nicht mal Nadel und Faden), sondern auch, weil sich Saras Website und die dazugehörige Facebook-Gruppe „Echte Mamas“ nennt.

Mama-Momente

Achtsame Begleitung – Mein Weg der Eigenbetreuung

So geht es nicht weiter. Das waren meine letzten Worte. Geschrieben, aber vielmehr gedacht und gesagt, geheult und geschrieen. Die Eigenbetreuung meines Sohnes Maxi wurde bereits nach kurzer Zeit für mich ein schier unmögliches Unterfangen. Ich war mit meiner Kraft am Ende. Dabei waren seit seinem Kindergartenabschied gerade erst vier Wochen vergangen. „Von wegen „erst“. „Schon“ hätte ich schreiben sollen“, dachte ich bei mir. Denn dass mein Fünfjähriger so viele Stunden am Tag um mich herumwuselte, bespaßt werden und meine volle Aufmerksamkeit geschenkt bekommen wollte, das war ich weiß Gott nicht gewohnt und absolutes Neuland für uns beide. Und jetzt schlitterten wir Zwei geradewegs Richtung Abgrund.

Lebensfragen

Manchmal

Manchmal hat ein Tag zu viele Stunden, eine Woche zu viele Tage, ein Jahr zu viele Sekunden. Du fragst dich, wo die Zeit geblieben ist, die du einmal nur für dich hattest. Als kein Kind deine permanente Aufmerksamkeit einforderte, keine Mutterpflichten dich in eine feste Alltagsstruktur zwangen. Die Zeit scheint verronnen, wie in einer Sanduhr.

Mama-Momente

„Mama, hast du mich immer schon geliebt?“ Wie ehrlich antwortet man einem Kind nach schweren postpartalen Depressionen?

Ich sitze in meinem Lieblingssessel, das Notebook auf dem Schoß, und sortiere Kinderfotos. In wenigen Tagen wird Maxi Fünf. Neben einer Auswahl an Spielsachen wird er dieses Jahr auch ein Fotoalbum geschenkt bekommen. Ganz persönlich von mir gestaltet. Es soll ein Album aus den letzten fünf Jahren, von seiner Geburt bis Heute, werden. Bisher hatte Maxi keins, was nicht nur an der beschränkten Auswahl wirklich hübscher Fotoalben in den Geschäften lag (entweder sind sie nicht kindgerecht oder gleich extrem kitschig), sondern vielleicht auch ein klein wenig an meiner Motivationslosigkeit, dem Aussuchen, Bestellen und Einkleben der zig Fotos genug Raum und Zeit zu widmen. Denn was abertausenden Müttern viel Freude bereitet, war für mich lange Zeit undenkbar: Immer wieder Babyfotos anzugucken, um sich an die schöne Säuglingszeit zu erinnern. Die gab es bei mir nämlich nicht.