Mama-Momente

„Ich war hochsensibel und wusste es nicht.“ Mein mühsames Leben als Kind und Jugendliche

Von meiner Hochsensibilität weiß ich erst, seit ich Mutter meines jüngsten Sohnes bin. Das ist, im Gegensatz zu meinem restlichen Leben, nur ein kleiner Bruchteil. In den vier Jahren konnte ich rückblickend viel verstehen, akzeptieren und mich selbst annehmen. Die Zeit davor glich allerdings mehr einem Spießroutenlauf, inklusive Steinen, die ich mir zusätzlich selbst in den Weg legte. Irgendwann konnte ich mich selbst nicht mehr lieben. Und meine Eltern taten sich auch nicht immer leicht mit meiner Sensitivität.

Gesellschaft

Warum hochsensible Mütter ein schlechtes Gewissen haben, sich Zeit für sich zu nehmen

Der Regen nieselte unablässig auf mich herab. Kein Mensch war zu sehen hier hinterm Deich. Die Bewohner der Campinganlage schienen noch zu schlafen um kurz nach Neun an diesem Samstagmorgen oder sie blieben bei dem Wetter lieber in ihren Zelten und fahrbaren Kleinstbehausungen. Ich war alleine unterwegs, während Mann und Kinder den Vormittag zuhause verbrachten. Nicht, weil es dort etwas Besonderes zu tun gab. Der Grund, warum ich etwas ohne den Rest meiner Familie unternahm, war schlicht und einfach jener, dass ich Zeit für mich alleine benötigte. Ich fühlte mich wie eine Rabenmutter.

Lebensfragen

Im Gefängnis namens Muttersein dennoch ein selbstbestimmtes Leben führen

„Kinder! Kinder! Immer dreht sich alles nur um Kinder!“ Ich schimpfte lautstark vor mich hin und versetzte dem vergessenen Spielzeug vor meinen Füßen wütend einen Tritt. Der Tag war lang gewesen, Mini und Maxi nun endlich im Bett, aber in mir drin tobte noch immer ein Sturm. Eine Mischung aus Frust, Resignation und dem unbändigen Wunsch nach Freiheit. Die Fremdbestimmtheit, der ich Zeit meines Mamaseins ausgeliefert bin, sie brachte mich mal wieder an den Rand des Wahnsinns. Mama hier, Mama da, für die Christine in mir blieb einfach kein Raum. Und das sollte jetzt die nächsten Jahre, womöglich bis zum Auszug der beiden Jungs, so weitergehen? Sollte ich ganz im Nebel meiner Selbst verschwinden, völlig in den Hintergrund gedrängt von dieser Rolle, dieser Last, namens Mutter?

Gesellschaft

Fernsehen, Fast Food und fieses Spielzeug: Unpädagogische Tage

Ich gebe zu, ich mag es, wenn es bei uns zuhause pädagogisch wertvoll zugeht. Man will die Kleinen ja vorbildhaft aufwachsen sehen und ihnen die bestmögliche Erziehung bieten. Naturbelassenes Holzspielzeug statt ferngesteuertem Schrott aus China, ausgewogene Ernährung vom Bioladen anstelle von Fast Food mit Majo und Ketchup sowie einen strukturierten Tagesablauf, der einen gesunden Mix aus Bewegung an der frischen Luft, Ruhepausen zuhause (ohne Fernsehen natürlich!) und gemeinsamen Familienaktivitäten bietet. Zumindest ist das der Maßstab, mit dem ich früher gerechnet habe, als ich noch naiv und kinderlos war. Jetzt bin ich höchstens noch eins von beiden.

Mama-Momente

Die Seele berühren

Buntstifte anspitzen und das Ausmalbild in den Lieblingsfarben anmalen. Seifenblasen pusten und beobachten, wohin der Wind die hauchdünnen Wasserbläschen trägt. Eine Kerze anzünden und mich am Tanz der Flamme erfreuen.

Mama-Momente

Kurzurlaub oder: Vom Druck, entspannen zu müssen

Die Pendeluhr tickt rhythmisch. Tick tack, tick tack. Unablässig in ihrem eigenen, immer gleichwährenden Tempo zeigt sie lautstark und unermüdlich die Sekunden an. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ihr Ticken beruhigend oder nervös, beinahe hektisch auf mich wirkt. Ich sitze hier in der gemütlichen Ferienwohnung, weit weg von Zuhause und versuche, zu entspannen. Im Moment bin ich alles andere als ausgeglichen, aber das liegt bei weitem nicht an der Pendeluhr.

Mama-Momente

Mama-Burn-Out: Dünnhäutige Tage

Heute Mittag habe ich heulend meine Pommes gegessen. Das kommt zum Glück nicht häufig vor (das Heulen meine ich, nicht das Pommes-Essen). Ich war also bereits um zwölf Uhr fertig mit den Nerven und ahnte: Dies ist wieder so ein Mama-Burn-Out-Tag. Zumindest fühlt sich der Name für solch einen Dauerzustand meiner Dünnhäutigkeit passend an. Ich fühlte mich nämlich jetzt schon wie ausgebrannt.

Lebensfragen

Soll ich Anderen von meiner Hochsensibilität erzählen?

„Liebe Maria, es tut mir leid, aber ich muss für deinen Geburtstag absagen, ich bin an dem Abend bereits verplant.“ Schweren Herzens tippte ich die Worte in mein Handy und drückte erst im dritten Anlauf auf „Absenden“. Ich war nicht nur (was selten genug vorkommt und deshalb zu meinen Highlights zählt) zu einer Geburtstagsparty eingeladen worden, sondern dazu noch zu einem waschechten Mädelsabend inklusive Übernachtung, Cocktails mit Schirmchen und Spaß ohne Ende. Es wäre für mich seit langem mal wieder ein Abend in kinderloser Freiheit gewesen, ein Angebot, das ich unmöglich ausschlagen konnte. Trotzdem tat ich es. Der Grund dafür war meine Hochsensibilität. Maria erzählte ich nichts davon.

Lebensfragen

Sind hochsensible Frauen die schlechteren Mütter?

Wie schwer es hochsensiblen Frauen fällt, ihre sensible Seite zu akzeptieren und in ihren Alltag zu integrieren bemerke ich immer wieder, nicht zuletzt an mir selbst. Dafür müssen diese Frauen nicht mal Mutter sein, auch ohne den „Eltern“-Stempel kommen Hochsensible schnell an ihre Grenzen: Ein Zuviel an Geräuschen, Gerüchen oder Emotionen (die eigenen oder die der Anderen) und schon ist die Hochsensible überfordert. Wie viel belastender das Ganze im Leben als Mutter mit einem oder mehreren Kindern sein muss, vor allem, wenn diese selbst hochsensibel sind, können in dem Ausmaß sicher nur andere hochsensitive Mütter nachvollziehen.