Mama-Momente

Zweiundzwanzig Tage bis zum Licht am Ende des Tunnels

Zweiundzwanzig. Das war sie nun also, die magische Zahl. Ich überprüfte das Ergebnis nochmal, nur um sicher zu gehen, aber es stimmte. Zweiundzwanzig Tage Selbstbetreuung, die noch vor mir lagen. Das waren weniger, als ich erwartet hatte, bevor ich den Kalender gezückt und jeden Wochentag von Montag bis Freitag bis zum Datum unseres Umzugs einzeln mit dem Finger nachgefahren war. Mittwoche ausgenommen, an denen betreut meine Mutter meinen Fünfjährigen. Zweiundzwanzig. Ich spürte das innere Lächeln, ein Flügelschlag von Leichtigkeit und das Gefühl, Licht am Ende meines persönlichen Tunnels zu sehen.

Hätte ich das am Anfang geglaubt? Ich meine wirklich geglaubt? Dass ich diesen anstrengenden, nervenaufreibenden und vor allem Me-Time-Zeitraubenden Weg der Eigenbetreuung so lange gehen könnte? Dass aus den „paar Tagen/möglicherweise Wochen“ gleich über sechs Monate werden würden? Vor allem, als ich schon nach kurzer Zeit das Gefühl hatte, durch meine persönliche Hölle zu gehen?

Sicher, ich hatte mir viele positive Gedanken gemacht, die mich daran erinnerten, wofür ich das Ganze machte, und die mich auch in Krisenzeiten immer wieder stärkten. Ich hatte meine wunderbare Mutter, die mitunter so oft Noteinsatz zwischen ihren regulären Betreuungstagen anbot, dass sie selbst schon an ihre Grenzen kam, nur, damit ich wieder Zeit für mich und somit Zeit zum Auftanken von all dem Stress hatte.

Zweiundzwanzig Tage bis zum Licht am Ende des TunnelsUnd dennoch war es kein Spaziergang, weder für mich, noch für Maxi gewesen. Stattdessen ein steiniger Weg. Die Option, ihn wieder in seinen alten Kindergarten zur Betreuung zu geben, wäre für mich an den meisten Tagen die einfachste und entspannteste Lösung gewesen. Trotzdem wusste ich, dass wir damit nichts gewonnen hätten außer einem dauerüberreizten Kind und zwanzig verzweifelten Erzieherinnen – das offene Konzept war einfach nichts für unseren Sohn. Und wäre mir dann wirklich geholfen gewesen? Wäre Maxi geholfen gewesen? Unserer Mutter-Sohn-Beziehung, die in der Vergangenheit so lange schon gelitten hatte?

Zweiundzwanzig Tage.

Und dann kam vor zwei Monaten nach langer Zeit die Idee wieder auf, umzuziehen. Weit weg ans Meer, wo wir uns dennoch mehr als irgendwo anders zuhause fühlten. Auf dem Land, wo die Uhren noch ein wenig langsamer ticken als hier. An einem Ort, an dem nicht nur wir, sondern auch die Kinder hoffentlich zur Ruhe kämen. Allen voran unser sensibler Maxi. Über unsere Entscheidung, ihn nach dem Umzug wieder in einem Kindergarten anzumelden, mussten wir nicht lange nachdenken.

Zweiundzwanzig Tage bis zum Licht am Ende des TunnelsDie Wochen zogen ins Land und ein freudiges Ereignis folgte auf das Nächste. Altbau mit Garten in ruhiger Lage, das Büro für meinen Mann nur wenige Autominuten entfernt und Kindergärten, die so kurzfristig noch Betreuungsmöglichkeiten für beide Kinder anbieten konnten. Das Sahnehäubchen allerdings bescherte uns die Tatsache, dass unser Maxi ab Sommer in einen heilpädagogischen Kindergarten gehen darf.

Von da an schwebte ich auf Wolke Sieben und tue es auch jetzt wieder, wenn ich daran denke, wie sehr uns das Schicksal zugespielt hat. Ich bin zutiefst dankbar für diese Form der Betreuung, nicht zuletzt deswegen, weil bei unserem Sohn noch schwere Diagnosen im Raum stehen, die in den nächsten Wochen abgeklärt werden. Sei es ADHS oder Autismus.

Krankheitsbilder, bei denen reguläre Kindergärten ohne Fachpersonal sicher und zurecht schnell an ihre Grenzen kommen. Und wozu das führt, haben wir ja in Maxis Vergangenheit gesehen. Nun kommt er in eine Gruppe mit insgesamt sieben Kindern. Früher waren es (aufgrund des offenen Konzepts) Fünfzig.

Zweiundzwanzig Tage bis zum Licht am Ende des TunnelsIch glaube es wird ihm guttun. Und mir auch. Uns allen im Familiensystem. Egal, ob Maxi nun wirklich eine der Diagnosen erhält oder nicht. Selbst, wenn am Ende herauskommt, dass er „nur“ hochsensibel ist. Ich weiß ihn gut aufgehoben in der heilpädagogischen Einrichtung und mich selbst in gewisser Weise auch. Es ist wie ein Netz unter der Seiltänzerin, das ihr die Sicherheit gibt, auch wenn sie mal zu fallen droht.

Wir werden auch in Zukunft getragen.

Zweiundzwanzig Tage. Was sind schon zweiundzwanzig Tage?

4 Gedanken zu „Zweiundzwanzig Tage bis zum Licht am Ende des Tunnels“

  1. Claudia Schubert sagt:

    Oh das freut mich zu hören. Also alles- Euer Umzug an einen Ort, an dem Ihr Euch wohlzufühlen scheint, eine passende Kita für den Maxi und somit auch wieder etwas Durchatmen für Dich! Und wie auch seine Diagnose ausfällt- Ihr schafft das weiterhin, als Familie und mit der richtigen Unterstützung an Eurer Seite! Geniesst aber trotzdem noch Eure „letzten“ 22 Tage!
    Viele liebe Grüße! Claudia

    1. Christine sagt:

      Danke liebe Claudia :) Tatsächlich klappt das mit dem Genießen derzeit ganz gut!

  2. Sonja sagt:

    Liebe Christine, 22 Tage sind nichts :-) die schaffst Du jetzt auch noch… ich wünsche Dir gute Nerven, viel Sonnenschein zum raus gehen und viele Pusteblumen Momente.

    1. Christine sagt:

      Das hast du schön gesagt, liebe Sonja! Danke dir ♡

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