Mama-Momente

Warum ein Umzug Stress für mich als Hochsensible ist

Heute ist der letzte Abend in unserer alten Wohnung. Morgen ziehen wir also an die Nordsee, an die Küste unserer Träume. Bis dahin scheint es aber noch ein langer Weg zu sein, denn gerade die letzten Meter sind für mich die schlimmsten.

„Schatz, du hast jetzt Feierabend, du kannst entspannen!“ Der gut gemeinte Ratschlag meines Mannes löste bei mir eine leichte Hysterie aus. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder doch direkt losheulen sollte. Ich entschied mich für gar nichts von beidem. Stattdessen starrte ich auf die vielen Umzugskisten rechts neben dem Sofa und ließ meinen Blick anschließend nach links wandern, dort, wo die halb abgebaute Lampe und zwei Tritthocker ihren improvisierten Platz gefunden hatten. Immerhin der Blick auf den Fernseher war noch nicht verbaut.

„Also Kinder sind wirklich das Letzte, was bei einem Umzug stört! Meine vierjährige Tochter hilft selbst manchmal mit!“ Umzugshelfer Mark schraubte gerade lachend unsere Küchenzeile auseinander, während Maxi im Hintergrund wiederholt lautstark hopsend und rufend auf sich aufmerksam machte, sein Papa solle doch endlich mal seine Turnübungen im Kinderzimmer begutachten, während dieser versuchte, nicht den Überblick zu verlieren.

Ich war derweil schon kurz vorm Kollaps, ohne es mir vor den hilfsbereiten Herren anmerken zu lassen (mein Mann merkte es natürlich doch), ging in Gedanken nochmal die Liste der möglichen Babysitter durch, die vielleicht doch noch kurzfristig einspringen konnten, obwohl es nicht so ausgemacht war. Schließlich hatten sie die ganze Woche schon außer der Reihe ausgeholfen, um uns beim Packen zu entlasten. Den letzten Tag vorm Umzug würde ich schließlich auch mit Kindern schaffen, ich selbst hatte es so entschieden. Und jetzt war es nicht mal elf Uhr vormittags und ich fand meinen Plan ziemlich daneben.

Warum ein Umzug Stress für mich als Hochsensible istUmziehen ohne Kinder ist schon Käse. Umziehen mit Kindern ist -nett ausgedrückt- eine Herausforderung. Und für uns hochsensible Mütter gleicht es einer Tour durch die Hölle. Irgendwas ist jedenfalls immer im Weg, was man gerade nicht gebrauchen kann. Kinderfüße, kaputte CDs aus dem Keller oder die eigenen Nerven, die noch ein letztes Mal winken und dann eingesammelt werden möchten. Mit Kindern umziehen ist keine gute Idee. Ja. Wissen ist das eine, erleben das andere.

Das ist wie mit dem Kinderhaben an sich. Selbst wenn es irgendeine ehrliche Seele in der näheren Umgebung gibt, die einen vorwarnt, dass es auch stürmische Zeiten mit den Kleinen gibt, in denen man am liebsten schreiend aus dem Haus rennen oder den Nachwuchs bei eBay einstellen möchte, am Ende glaubt man ja doch nicht, dass es so schlimm werden könnte. Nicht bei den eigenen Kindern, Gott bewahre, was die anderen wohl für Eltern sein mögen, dass bei ihnen solche kleinen Teufelchen zuhause wüten. Bis man dann schnell merkt, dass es genauso ist, wie es prophezeit wurde.

Und nun soll ich entspannen zwischen Kisten und quengelnden Kindern. Gut, die quengelnden Kinder sind jetzt im Bett. Tatsächlich war der Nachmittag sehr anstrengend für uns alle. Kein Wunder bei dem Chaos, das nicht nur optisch vorhanden ist, sondern auch null Platz für Routine bietet. Altpapier wegfahren statt Spielplatzbesuch, Spielzeug in Kisten packen, anstatt mit selbigen zu spielen und dann noch stundenlang Fernsehen.

Warum ein Umzug Stress für mich als Hochsensible istVor allem letzteres ist -bei allem Humor- tatsächlich zu viel Input für unsere Vier- und Fünfjährigen. Vor allem der Große, Maxi, hat anschließend stark mit einem aufgeputschten Gemüt zu kämpfen und treibt uns mit seinen Wutanfällen, die den restlichen Tag andauern können, regelmäßig in den Wahnsinn. An Tagen wie heute Gift für alle. Und doch gibt es Tage, da ist der Fernseher die einzige Lösung.

Entspannen also. Jetzt, zum Feierabend. An meinem letzten Abend in dieser Wohnung. Mit meinen Sachen, die alle bereits in Kisten eingepackt sind und mit dem ungeschönten Blick auf all das ungemütliche Chaos hier. Ich bin hochsensibel, ich mag es geordnet. Außen, in meiner gewohnten Umgebung und innen in mir drin.

Am Außen kann ich heute Abend nichts ändern. Das Chaos kann ich jetzt nicht mehr beseitigen. Und die nächsten Tage wird sich daran auch nicht viel ändern, außer, dass der Schauplatz sich ändert. Raus aus der alten Umgebung, hinein in die Neue. Eine herbeigesehnte, aber eben eine neue.

Warum ein Umzug Stress für mich als Hochsensible istUnd wie sieht es mit meinem inneren Zustand aus? Zum Glück habe ich zwei wichtige Dinge bis zum Schluss nicht eingepackt: Meinen mp3-Player und mein Notebook. Also tue ich das, was mir am Besten tut, um runterzukommen: Ich blogge. Inklusive tibetanischer Klangschalenmusik auf den Ohren. Gleich werde ich einfach die Augen schließen. Ich werde mich an die Küste meiner Träume träumen und mir vorstellen, wie es wohl sein wird, wenn wir endlich umgezogen sind.

Und bitte jetzt keine realistischen Ankündigungen, wie dramatisch die Eingewöhnungszeit für uns und vor allem für die Kinder in neuer Umgebung werden kann oder wie lange es dauert, bis die letzte Kiste ausgeräumt wird und nicht mehr im Weg steht. Das will ich jetzt vorsorglich gar nicht wissen, ich hab es ja schließlich nicht anders gewollt. Die Auswirkungen werde ich noch früh genug am eigenen Leib erfahren. Und dann gibt es wenigstens wieder etwas (für mich ja dann völlig überraschendes) zu bloggen. In diesem Sinne: Frohes Schaffen!

6 Gedanken zu „Warum ein Umzug Stress für mich als Hochsensible ist“

  1. Lisa sagt:

    Ich fühle mit dir! Mein Mann ist gerade auf Jobsuche was uns durch ganz Deutschland führen kann. Die Ungewissheit wo wir landen werden nagt sehr an uns. Und der Umzug wird dann auch noch einmal spannend und kostet Kraft und Nerven, die als Hochsensible auch nicht immer die besten sind :) Ich wünsche euch alles Gute für den Neubeginn und freue mich schon auf Beiträge zu eurem neuen Leben!

    1. Christine sagt:

      Liebe Lisa,

      ich danke dir für dein Mitgefühl! Eure derzeitige Situation klingt aber auch spannend! Verständlich, dass die Ungewissheit dir zu schaffen macht. Vielleicht gelingt es dir, ein wenig Gelassenheit aufzubringen? Immerhin wird dir/euch die große Entscheidung, wo es hingehen soll, vom Leben abgenommen? Sicherlich landet ihr nachher genau da, wo es am Besten für euch ist ♡ Auch, wenn nicht immer alles rosig sein wird, aber wo ist das schon?

      Ich wünsche dir und deiner Familie ganz viel Kraft und würde mich ebenfalls freuen, mal wieder von dir zu lesen (vielleicht magst du mal berichten, in welche Ecke Deutschlands es euch verschlagen hat?).

      Viele liebe Grüße
      Christine

  2. sonja sagt:

    Ich wünsche Euch einen ganz tollen Neubeginn am Meer ♥ Ihr habt Euch ja eine tolle Jahreszeit ausgesucht für den Umzug :-)
    liebe Grüsse
    Sonja

    1. Christine sagt:

      Ach Sonja, es ist schön, auch nach Jahren immer mal wieder von dir zu lesen, du treue Seele ♡
      Ich danke dir sehr für deine Wünsche!! Allerdings kriege ich von der tollen Jahreszeit hier oben weniger mit als in der alten Heimat – hier an der Nordsee wechselt das Wetter wirklich stündlich! :) Aber der Umzug fand im Trockenen statt bei angenehmen Temperaturen und dafür war es wirklich perfekt!

      1. Sonja sagt:

        Liebe Christine,
        klar bleibe ich Dir treu :-) so schöne Beiträge wie Du sie immer schreibst… das freut mich dass ihr den Umzug gut und trocken überstanden habt. Viel Glück und guten Start in der neuen Heimat. Ich freu mich schon wieder von Dir zu lesen :-)

      2. Christine sagt:

        Du schaffst es noch, dass ich heute noch ganz rot werde… :)

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