Mama-Momente

Tschüss, Bruderherz!

Heute ist Freitag und somit der fünfte, reguläre Kindergartentag für unseren Maxi nach der Eingewöhnungsphase. Die morgendlichen Verabschiedungen von Mama verliefen seit Montag verständlicherweise noch etwas klammernd, jedoch ohne Tränen. Sobald ihn eine Erzieherin an die Hand nahm, war Maxis Interesse für die Gruppenräume zum Spielen schnell größer als das Bedürfnis, wieder in Mamas Arme zu flüchten rennen. Demnach beschloss ich gestern Abend, dass die Zeit reif sein könnte, nun auch Maxis Bruder Mini mit in die Verabschiedungsphase zu integrieren, sprich, mit zwei Kindern in den Kindergarten hineinzugehen und nur mit einem wieder herauszukommen.

Bisher hatten mein Mann und Mini jedes Mal ungeduldig im Auto gewartet und auf meine Rückkehr gewartet. Der Kindergarten liegt durchschnittlich etwa 25 Gehminuten von unserem Zuhause entfernt. Ich sage bewusst durchschnittlich, je nachdem mit welchem Maß man misst. Maxi braucht für den Weg etwa 20 Minuten, Mama 15 und in Mini-Einheiten gerechnet benötigen Kinderfüße etwa eine halbe Stunde. Daher war es für den Kindsvater eine Selbstverständlichkeit, uns alle ins Auto zu packen und den langwierigen Weg bergauf zu kraxeln fahren (Auto-Maß = 3 Minuten). Aber da ich meinen Mann nur ungern dazu anstiften möchte, dauerhaft zu spät im Büro zu erscheinen und außerdem aus meinen spazierfreudigen Kindern keine autoverwöhnten Blagen machen will, werden wir auf den praktischen Chauffier-Dienst in Zukunft verzichten und eben ein wenig länger (sprich 1 Stunde, immerhin muss ich für Hin- und Rückweg in Mini-Maßeinheiten rechnen) für den Kindergartenweg benötigen.

Handschuh in Handschuh stiefelten wir drei also heute Morgen gut gelaunt den Berg hinauf. Gut gelaunt ist das Stichwort. Maxi freute sich (wie immer bisher) riesig auf den Kindergarten. Mini plapperte alle Wortfetzen nach, die er von seinem Bruder aufschnappen konnte und gemeinsam öffneten wir die Tür zur Einrichtung. So richtig bewusst, dass er heute nicht mit dabei sein würde, wurde meinem Jüngsten das Ganze aber erst, als Maxi ohne Jacke und Schuhe den großen Aufenthaltsraum betrat, an dem Mini (in Winterwettervollmontur) mit seiner Mama stehen bleiben und sich verabschieden musste. Ich küsste meinem großen Kindergartenkind auf die Stirn und musste gleichzeitig seinen Bruder davon abhalten, hinterherzulaufen. Der betonte immer lauter werdend, dass er auch gerne mitspielen würde, während Maxi mit seinen kleinen Händen vor Minis Nase zum Abschied kräftig winkend herumfuchtelte.

Und dann tat er ihn, den ersten Schritt alleine in den Kindergarten. Kein „Mama mitkommen!“. Kein Festklammern an meine Hand. Die Schritte waren zuerst zögernd, aber mit jedem Meter Richtung Erzieherinnen, die ihn fröhlich dazu ermutigten, ohne fremde Hilfe zu ihnen zu kommen, wuchs seine Selbstsicherheit und das Lächeln in seinem Gesicht. Mama hockte da und platzte beinahe vor Stolz. Gleichzeitig war ich hin- und hergerissen, denn das Wechselbad der Gefühle hatte gerade erst seinen Anfang genommen. Mit jedem Schritt, den Maxi in den Gruppenraum setzte, wurde die Enttäuschung in Minis Augen und sein Flehen, auch mitgehen zu dürfen größer. Schaute ich in sein Gesicht, hätte ich beinahe angefangen zu weinen, blickte ich zu seinem großen Bruder, war mir eher nach Lachen und In-die-Hände-Klatschen zumute.

Dann war es Zeit, mit Mini den Aufenthaltsraum zu verlassen und mit ihm zurück zur Garderobe zu gehen. Mein Zweijähriger war am Boden zerstört. So tieftraurig hatte ich ihn schon lange nicht mehr gesehen. Immer wieder wollte er auch seine Jacke ausziehen und hinter Maxi herrennen. Dicke Tränen kullerten über seine geröteten Kinderwangen. „Auch Kindergarten? Auch Kindergarten?“ schrie er mir immer wieder heulend entgegen. Die Worte kamen zugleich traurig als auch fordernd über seine Lippen und begleiteten mich (und sämtliche Anwohner) noch den halben Nachhauseweg. Erst die Aussicht auf eine leckere Banane zum zweiten Frühstück konnte seine Stimmung ein wenig aufhellen. Dass der heutige Abschied für ihn so schmerzhaft würde, hätte ich in dem Maße nicht gedacht. Dass ich derart mitempfinden würde und selbst bald ein paar Tränen verdrückt hätte, noch viel weniger. Wird Zeit für ein Wochenende zum Durchatmen!

2 Gedanken zu „Tschüss, Bruderherz!“

  1. Frühlingskindermama sagt:

    Ach Mensch, wie traurig für den Mini. Genau das habe ich befürchtet und ja auch in meinem Kommentar zu Deinem letzten Eingewöhnungspost geschrieben. Das ist für Geschwister eine ganz schwierige Situation. Wie geschrieben, habe ich das sogar schon bei meiner Tochter bemerkt, als sie noch nicht mal ein Jahr alt war und der Bruder in der Kita abgegeben wurde. Und zuhause wird es für den Mini jetzt sicherlich auch merkwürdig ruhig und langweilig sein. Für Dich dagegen vielleicht sogar noch anstrengender, weil der Kleine Dich noch mehr fordert.
    Aber umso schöner wird es dann, wenn sie beide in der Kita sind. Für mich sind es wunderschöne Momente, wenn meine beiden Kinder Hand in Hand in ihre Gruppe laufen oder nachmittags zusammen am Tisch sitzen oder im Garten miteinander spielen. Das ist immer ganz rührend, da geht mein Mamaherz auf.
    Habt ihr die Möglichkeit, etwas früher mit dem Kleinen im Kindergarten zu starten?
    Liebe Grüße!

  2. Rosalie sagt:

    Hihi, das erinnert mich an das Geschrei, wenn die Kleine merkt, dass die Große für ein paar Tage zur Oma geht. Sobald nur noch 1 Autositz im Auto ist, oder eben abends die Große fehlt, ist hier die große Seifenoper! Für mich lässt das nur einen Schluss zu: Die Kleine ist auch bald reif für die Oma, wenn sie lieber mit ihrer Schwester spielen will, als mit mir zu Hause. Soll sie doch! Wir probieren das demnächst mal. Dann werden wir schon sehen, ob die Kleine das wirklich schon verträgt und ob die Oma das überhaupt will…
    Aber es ist schon erstaunlich, wie die Kinder aneinander hängen, oder? Jedenfalls manchmal…

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