Mama-Momente

Trockenwerden oder: Mein Kind war mir peinlich!


Es traf mich völlig unvorbereitet. Wie ein Gespenst, das plötzlich zwischen den Bäumen auftaucht, um dir mitzuteilen, dass unerwartete Kräfte jederzeit wie aus dem Nichts erscheinen und dich in deiner Wahrnehmung förmlich umhauen können. Das Gefühl, das mich dermaßen traf, nannte sich Scham. Peinlich berührtes Fremdschämen, das mir den Impuls gab, möglichst schnell im nächsten Erdloch zu verschwinden und erst wieder herauszuklettern, wenn die Situation vorüber wäre. Ein etwas schwieriges Unterfangen, wenn man bedenkt, dass 1.) weit und breit kein Erdloch zu sehen war und sich 2.) das Fremdschämen auf mein eigenes Kind bezog. Aber der Reihe nach.

Seit neuestem trägt Maxi tagsüber keine Windeln mehr. Unser Dreijähriger, der vor kurzem das entscheidende Signal gab, keine Pampers mehr zu benötigen, befindet sich dementsprechend in der sensiblen Übergangsphase, in der, trotz bester Absichten, auch mal im wahrsten Sinne des Wortes etwas in die Hose gehen kann. Im Kindergarten und Zuhause kein Problem. Nasse Höschen können gewechselt und Kindertränen, falls vorhanden, getrocknet werden. Draußen, in „freier Wildbahn“ sollte das Ganze auch kein Problem sein, gerade jetzt im Sommer. Hatte ich gedacht.

Trockenwerden oder: Mein Kind war mir peinlich!
Mit den entsetzten Blicken der Passanten hatte ich jedoch nicht gerechnet. Und genau die waren es schließlich, die mein Selbstwertgefühl gegen Null tendieren und gleichzeitig meine Wut nach oben schnellen ließen. Maxi, der sich offensichtlich schwer damit tat, rechtzeitig Bescheid zu geben, sobald seine Blase voll war, nässte sich im Laufe des Waldspaziergangs dermaßen ein, dass die ehemals helle Hose zunehmend einen großen, dunklen, sichtbaren Flecken aufwies, der auch auf weite Entfernung nicht zu übersehen war. Wechselwäsche hatte ich „für das Stündchen im Wald“ natürlich nicht eingepackt.

Für das erste Pärchen mit Kinderwagen, das mit angewidertem Blick auf Maxis Hose an uns vorbeilief, hatte ich noch schadenfrohe Gedanken in Hinblick auf ihre eigene Trockenwerdphase mit Kleinkind übrig. Aber als die nächsten Eltern nicht mal auf meinen freundlichen Gruß reagierten, sondern auf mich und meinen Sohn nur abschätzig herabblickten und beschleunigt weiterzogen, löste das heftige Reaktionen bei mir im Inneren aus. Um im Bild zu bleiben: Ich war deutlich angepisst!

Trockenwerden oder: Mein Kind war mir peinlich!
Erstens war ich wütend auf die Menschen, die mir mit ihrem Blick das Gefühl gaben, eine asoziale Mutter zu sein, die ihr Kind so vernachlässigte. Gerade von jungen Eltern hatte ich mehr Verständnis erhofft. Ich zumindest kenne kein Kind, das in der anfänglichen Übergangszeit zwischen Windeltragen und Trockensein absolut jedem Impuls, Wasser lassen zu müssen, rechtzeitig folgen und Mama früh genug Bescheid geben kann. Zweitens empfand ich einen Beschützerinstinkt Maxi gegenüber, ihm ja nicht das Gefühl zu geben, dass er mir in seiner durchnässten Hose peinlich sei. Aber genau das war er mir in dem Moment. Und dafür schämte ich mich am Meisten. Mein eigener Sohn, der von mir in dieser Situation eher Verständnis und Wohlwollen erhalten sollte, war mir peinlich.

Ja, Maxis riesiger Pipifleck auf seiner grünen Hose machte mir sehr wohl etwas aus, auch, wenn ich versuchte, Haltung zu bewahren. Und trotzdem konnte ich mich dabei beobachten, wie ich um den nahe gelegenen Kinderspielplatz einen großen Bogen machte, um meinen Dreijährigen nicht vorzuführen und die letzten Meter bis zum Auto mit den Kindern an der Hand beinahe joggte.

Aber ist das vielleicht genau der falsche Weg? Lernt ein Kind vielleicht besonders schnell, selbst ein Schamgefühl zu entwickeln, wenn es von anderen Kindern oder Fremden auf seine Situation (sicher nicht immer einfühlsam) darauf hingewiesen wird? Immerhin wird dies natürlicherweise in seinem weiteren Leben noch sehr oft bei allen möglichen Gelegenheiten geschehen. Vor mir und seinem Bruder schien es Maxi jedenfalls nicht unangenehm zu sein, dass er fortlaufend Pipi in die Hose machte – im Gegenteil. Bis zu dem Punkt, an dem es kaum noch eine trockene Stelle auf seiner Hose gab, teilte er mir jedes Mal lachend mit, wenn wieder etwas daneben gelaufen war.

Trockenwerden oder: Mein Kind war mir peinlich!
Warum ist es ihm wenigstens nicht selbst unangenehm? Warum muss ich jetzt wieder mit so unangenehmen Gefühlen fertig werden, die Maxi doch empfinden müsste? Warum bin ich als Mutter jetzt schon wieder gezwungen, sämtliche Missgeschicke der Kinder auszubaden? Und warum sind das alles schon wieder Fragen, die eh nicht weiterführen?
Ist einem etwas sehr unangenehm, fühlt man sich schnell in die Defensive gedrängt und sucht einen Schuldigen, rechtfertigt sich oder stellt sich in Gedanken so Fragen, wie sie mir durch den Kopf schossen, auch, wenn sie natürlich unfair anmuteten.

„Ja da musst du natürlich ganz viel Wechselwäsche mitnehmen, wenn du unterwegs bist!“ Solche Ratschläge, die anschließend gegeben werden, kann ich gar nicht leiden. Nicht, weil sie (leider) stimmen, sondern weil sie mir vor Augen halten, dass ich selbst nicht auf diese einfache und vor allem naheliegendste Lösung gekommen bin. Kindererziehung ist für mich oft genug ein Buch mit sieben Siegeln. Und diese sieben Siegel bekommst du als Eltern immer erst dann geknackt, wenn du mit der entsprechenden Entwicklungsphase längst durch bist. Hinterher ist man ja immer schlauer. Vielleicht fehlen mir aber auch nur genügend Vorbilder, an denen ich mich orientieren kann, auch, wenn man letztendlich immer seine eigenen Erfahrungen macht, weil jedes Kind, jeder Elternteil individuell handelt und reagiert.

Maxi möchte ich trotzdem weiterhin nicht mit oberschlauen Sprüchen behelligen, sobald ein kleines (oder größeres) Malheur passiert ist. Ich glaube, damit macht man es den Kindern noch schwerer, als das Thema Sauberwerden eh schon ist. Ich kann nur hoffen, dass ich meine eigenen Scham- und Peinlichkeitsgefühle in Zukunft etwas zurückstecken werde, wenn die Hose meines Sohnes mal wieder durchnässt ist, immerhin erwartet mich das Ganze auch noch mal bei Kind Nr. 2! Vielleicht schneide ich bei der nächsten Begegnung mit angewiderten Mitmenschen einfach mal Grimassen. Oder verteile Bonbons. Oder gucke gar nicht erst hin. Vielleicht schleppe ich aber auch gleich den ganzen Kleiderschrank an Wechselwäsche, inklusive Waschmaschine und Trockner mit. Irgendwas wird mir schon einfallen.

14 Gedanken zu „Trockenwerden oder: Mein Kind war mir peinlich!“

  1. Rosalie sagt:

    Ich hatte total Glück. Die Große sagte damals, dass sie keine Windel mehr wolle und danach ist nie etwas passiert. Mir war aber schon klar, dass das funktioniert, weil sie ca. 5 Monate mit Windel rumlief, die ich ihr jedesmal trocken fürs Tröpfchen abnehmen musste. Auch nachts hab ich sie entscheiden lassen, wann sie sich sicher genug fühlte. Es dauerte noch Wochen, bis sie von selbst entschied, keine Windel zu brauchen.
    Die Kleine ist aber etwas progressiver, denn sie interessiert sich brennend seit sie 1 Jahr wurde für den Toilettengang der Großen. Seit einem halben Jahr macht sie sehr gern ins Tröpfchen und selbst morgens hält sie an und weckt mich, wenn sie jetzt endlich muss… Generell finde ich aber, man sollte sich übers Trocken werden eher wenig Gedanken machen und das dem Kind überlassen. Und eine große dicht verschließbare Tupperdose mit sich tragen. Wir haben sie Pippi-Kacka-Dose getauft. Es gibt auch 1xTöpfchen, die gerade auf Spielplätzen recht beliebt sind. Und ich hab aus Bequemlichkeitsgründen lieber länger gewartet, als zu kurz. Die Sifferei im Auto find ich nämlich nicht so nötig…
    Was sagt denn dein Sohn dazu? Sieht er überhaupt von sich aus einen Vorteil oder einen Grund darin, Trocken zu werden? Ich mein, das ist glaub die wichtigste Voraussetzung. Wenn’s ihm egal ist, hast du bloß viel Arbeit und wenig Nutzen.

    1. Christine sagt:

      Hallo Rosalie,
      Naja, frag mal meinen Sohn nach seiner „Meinung“ oder seinen Vorteilen; da kann ich glaub ich lange warten…
      Wir haben so lange mit dem Thema Klo gewartet, bis Maxi von sich aus Interesse zeigte. Klar, wir haben es ihm immer mal wieder angeboten, aber eine ganze Zeitlang hat er auch mit heftigen Protesten signalisiert, dass er lieber die Windel weiter benutzen will. Irgendwann wollte er dann doch aufs Klo und von da an hat er auch im KiGa nur noch auf „ohne Windel“ bestanden.
      Die Pippi-Kacka-Dose klingt lustig :) Vielleicht sollte ich auch mal über so ein 1xTöpfchen nachdenken. Habe ich ehrlich gesagt noch nie was von gehört. Aber man lernt ja nie aus…

  2. Sheldon sagt:

    Mach Dir mal keinen Kopf. Jeder Fremde ist plötzlich ein großer Experte für die Erziehung Deiner Kinder, wenn er meint, eine Situation zu erkennen, die es „bei mir nie gegeben hätte!“. Es ist alles Quatsch. Klingt ausgeleiert, ist aber so: Jedes Kind ist anders. Manche sind mit 9 Monaten trocken, andere tun sich nach der Einschulung noch schwer mit dem Abschied von der Windel. Meine Kleine ist jetzt 18 Monate. Seit sie ein paar Wochen lang stets bescheid gesagt hatte, habe ich ein Töpfchen bereit gestellt. Hat sie bisher noch nie drauf gesessen. Toilette zweimal probiert, hat nicht geklappt. Ihr „A-ah“ musste ich nach jedem, zugegebenermaßen überrumpelten Versuch auf der Toilette aus der Badewanne fischen. Aber das macht doch nichts! Sie muss selbstverständlich selbst entscheiden, Dass sie das ändern will. Jedes Kind wird irgendwann trocken. Es sind jedesmal die Eltern, die den Stress in diesem Thema auslösen. Klar, die Umstellung hab ich noch vor mir. Aber ich habe die feste Absicht, es so zu handhaben wie das Essen lernen, das Dreirad Fahren und das Schaukeln: Meine Tochter entscheidet am Besten selbst, was sie ohne Hilfe machen möchte und wo sie meine Unterstützung haben will. Jedesmal, wenn wir einen anderen Plan hatten als sie, sind wir gescheitert. Wenn wir mit einem guten Verhältnis, also ohne Angst und Drohungen, mit ihr interagieren wollen, dann bleibt nur zu respektieren, welchen Schritt sie machen will und welchen nicht. Da ist mir die Meinung dahergelaufener Fremder herzlich egal. Wer weiß, was die ihren Kindern angetan habenm um ‚peinliche Situationen‘ zu vermeiden.

    1. Christine sagt:

      Hallo Sheldon,
      sei herzlich willkommen auf meinem Mama Blog, schön, dass du hergefunden und mir gleich einen lieben Kommentar hinterlassen hast!
      Ich finde es schön, dass du an das Thema Trockenwerden so locker rangehst. Ich sehe das ähnlich, dass vor allem die Eltern meist ein ungewollter Stressfaktor sind. Ich wünsche dir, dass es bei euch auch später dann genauso stressfrei verläuft, wie bei den anderen Sachen, bei denen ihr gemerkt habt, dass es besser ist, auf das Tempo eurer Tochter zu vertrauen!
      Lieben Dank noch mal für deine Worte!

  3. lisa sagt:

    Ich kann dir nachfühlen, ich bin sicher auch einer der Mütter die versagt haben.

    Mein Sohn ist im Februar drei Jahre alt geworden.
    Er trägt fröhlich immer noch seine Windel weiter und macht keine Anstalten es zu ändern.
    Er geht zwar zumindest manchmal Zuhause und auch im Kindergarten zur Toilette.
    Etwas rein hat er dort jedoch noch nie gemacht.
    Auch auf die Frage, ob er seine Windel voll hat, bekommt man nie eine ehrliche Antwort, selbst wenn er schon so sehr stinkt das es jeder riechen kann.
    Sehr glaubhaft versichert er mir dann, ich hab kein Kacker in der Pampi.
    Vor zwei Monaten wurde er ein Kindergartenkind und als ich gestern bei ihm im seinem Gruppenraum war, schickte man mich zu den Krippen-Kindern in die erste Etage zum Wickelraum.
    Die Erzieherin schaute mich mit vorwurfsvollem Blick an und meinte nur das es bei ihm schon jetzt mal zeit ist das er sauber wird.
    Mein Sohn ist jetzt da zwar noch einer der jüngsten in der Kindergarten-Gruppe, aber ich fragte dann doch die Erzieherin, ob denn schon die meisten Kinder in der Gruppe sauber seien.
    Die Erzieherin sagte mir dann etwas verlegen, Ja, bis auf ein paar kleinere Unfälle bei andern Kindern, eigentlich alle.
    Mein Sohn ist der letzte, der der noch eine Windel um hat, es gab zwar bei Beginn noch ein Kind in der Gruppe, aber das war nur in der ersten Woche mit einer Windel da.
    Das war dann aber doch erst mal eine große Überraschung für mich.
    Die Erzieherin tröstete mich jedoch da mit das er einfach noch nicht so weit ist.
    In zwei, drei Monate könne man dann schon mehr erwartet, da machen die Kinder oft wegen der andern Kinder einfach mit.

    Das ist jetzt der Punkt, wo ich anfange, doch etwas zu grübeln ob ich was falsch gemacht habe.

    Liebe Grüße

    1. Christine sagt:

      Liebe Lisa,

      sei herzlich Willkommen auf meinem Mama Blog, schön, dass du hergefunden hast!
      Ich finde es absolut kontraproduktiv, wenn die Erzieherin dir da so einen Druck macht, selbst wenn es „nur“ über Blicke und freundliche Worte geschieht. Das gibst du dann ja vielleicht auch unbewusst an deinen Sohn weiter, weil du im Hinterkopf hast, dass es „eigentlich an der Zeit ist“, dass er mal trocken wird. Ich glaube der (sicher von der Erzieherin gutgemeinte) Schuss kann auch schön nach Hinten losgehen. Ich würde mich für euch beide freuen, wenn dein Sohn sich das Aufs-Klo-gehen bei den anderen Kindern abguckt und von sich aus dadurch noch mehr Lust hat, keine Windeln mehr zu brauchen. Bei unserem Maxi wird es stetig besser, auch, wenn er (gerade, wenn er ins Spiel vertieft ist) noch das ein oder andere Mal vergisst, rechtzeitig Bescheid zu sagen. Manches Mal hole ich ihn mittags ab und er ist den ganzen Morgen trocken geblieben und an anderen Tagen hängt an seiner Garderobe eine volle Tüte mit vollgepinkelter Wäsche.
      Ich wünsche dir, dass du nicht zu sehr ins Grübeln kommst, ob du etwas falsch gemacht oder gar versagt haben könntest. Vielleicht ist auch gerade alles noch ein bisschen viel für ihn (Trockenwerden + Kindergartenstart = neue Menschen, andere Regeln als Zuhause, Mama ist nicht im Kindergarten dabei,…). Weißt du was ich meine?
      Sei lieb gegrüßt und danke, dass du deine persönlichen Erfahrungen mit uns teilst!
      Christine

  4. lisa sagt:

    Hallo Christine,

    ich finde Deine Seite echt schön hier.
    Du wirkst sehr aus geglichen und machst Dein Ding, dass finde ich echt gut.
    Kann mir schon vor stellen das ich den Druck unbewusst an meinen Sohn weiter geben.
    Da ich mich schon sehr ärgere weil er noch null Anstalten mach was zu ändern und es einfach in die Windel laufen lässt.
    Habe es schon x-mal versucht bei ihm ohne, frage ihn dann auch oft ob er muss, aber er sagt dann immer „nein muss nicht“, und ein paar Minuten später macht er es dann in die Hose, auch wenn ich mit ihm zuvor auf dem Töpfchen gewesen bin.
    Selbst jetzt im Sommer hatte ich ihn immer ohne alles im Garten spielen lassen.
    Da wundert er sich dann über den kleinen Bach zwischen seinen Beinen aber er spielt dann einfach weiter.
    Das gleiche ist bei ihm mit dem großen, er fällt runter und er geht weiter spielen.

    Und ich bekomme von allen Seiten die besten Ratschläge und wie toll es doch bei den andern Kindern gelaufen ist.

    Würde auch so gerne wie Du bei Maxi immer mal wieder eine Tüte von der Garderobe mit neuem können.
    Das wär für mich schon ein super Zeichen das sich was tut.

    Aber ohne eine Pampe drum brauch ich meinen Sohn gar nicht weg schicken oder mit nehmen.
    Das wäre eine Zumutung für alle Beteiligten.

    Du machst es echt einfach besser wie ich.

    Liebe Grüße
    Lisa

    1. Christine sagt:

      Liebe Lisa,

      also ich weiß nicht, ob ich es besser oder schlechter mache als du (oder andere Mütter). Wir haben irgendwann den Entschluss gefasst: Ganz oder gar nicht und uns für „Ganz“ (also ohne Windel) entschieden. Damit unser Maxi nicht ständig verwirrt ist, ob er jetzt unterwegs ist und eine Windel trägt, sprich, einfach laufen lassen kann, oder ob er zuhause oder im Kindergarten ist und keine Windel trägt, also Bescheid geben muss. Aber das haben wir auch erst entschieden, nachdem er von sich aus sagte, dass er jetzt keine Windel mehr möchte.

      Die Situation, die du beschreibst, dass dein Sohn bei Nachfrage verneint und anschließend trotzdem Pipi in der Hose hat, kenne ich auch nur zu gut. Ich habe letztens aufgeschnappt, dass Mädchen sich in der Regel wohl mit dem Trockenwerden leichter tun und schneller merken, wenn sie müssen, als Jungs.

      Vielleicht ist das unser Schicksal als Jungsmama. Dafür müssen wir uns später nicht alle vier Wochen mit Menstruationsbeschwerden beim Nachwuchs herumärgern ;-)

  5. lisa sagt:

    Hy, Christine.

    Ganz ohne Windel kann ich mir bei unserm Pedro zur Zeit noch nicht mal im Ansatz vorstellen.
    Ich habe es vor dem Kindergarten mal eine Woche geschafft ihn über den ganzen Tag Zuhause keine um zu machen.
    Glaube im Schnitt waren es sogar über sieben nasse und volle Hosen pro Tag.
    Aus sich raus sagt er dann nicht mal das er eingepudert hat, es stört ihn dann nicht mal.
    Unterwegs habe ich es auch schon einige mal versucht und dann waren die Blicke der Andern genau so wie Du es in Deinem Beitrag geschrieben hast. Und die Pfützen im Kaufhaus waren auch nicht so toll.

    Glaube das mit der Windel ist ein Fluch und auch ein Segen.
    Mir ist schon klar das er mit den Dingern keinen richtigen Antrieb bekommt, ist ja auch bequem es immer und überall es einfach laufen lassen zu können.

    Ja genau, das es bei Mädchen schneller gehen soll habe ich auch schon gehört, tröstet mich aber zZ gar nicht.

    Das mit den Menstruationsbeschwerden stelle ich mir bei weitem nicht so schlimm vor.

    Wie alt war Euer Maxi als er gesagt hat das er keinen mehr haben will und wie lange macht ihr es schon ohne.
    Kann ja sein das ich mal mehr bei ihm durch greifen muss, so das er mal selber will.

    Liebe Grüße

    1. Christine sagt:

      Liebe Lisa,

      dein letzter Satz ließ mich jetzt aufhorchen.
      Irgendwie hört sich das für mich bei euch etwas festgefahren an. Will Pedro überhaupt schon ohne Windeln herumlaufen oder willst vor allem du bzw. der Kindergarten das, weil es „jetzt mal an der Zeit wäre“?
      Vielleicht braucht dein Sohn ja doch noch ein bisschen Zeit, immerhin ist er ja erst dreieinhalb Jahre. Wäre es eine Option, das auch nochmal mit der Leitung bzw. den ErzieherInnen deines Kindergartens zu besprechen, ob ihr erstmal wieder auf Windeln zurückgeht?
      „Durchgreifen“, wie du sagst, „damit er selber mal will“, klingt für mich eher widersprüchlich, bzw. nach viel Frust und Kampf auf beiden Seiten, den ihr euch besser ersparen solltet. Ich hoffe dich verletzen meine Worte nicht, ich möchte dir nur meine Sichtweise schildern auf das, was ich aus deinen Kommentaren herauslesen kann. Am Ende kennst du deinen Sohn natürlich am Besten.
      Unser Maxi hat vor knapp einem Monat, kurz vor meinem Beitrag, der Kindergärtnerin erklärt, dass er ab sofort keine Windeln mehr will und aufs Klo gehen kann. Damit kam der Stein dann langsam ins Rollen.
      Du wirst das schon gut machen, da bin ich mir ganz sicher!
      Sei lieb gegrüßt!

  6. lisa sagt:

    Hallo Christine,

    genau das ist ja das Problem mit Pedro, er will überhaupt noch nicht ohne seine Pampi rumlaufen.
    Es ist schon mit überreden und Bestechungen verbunden wenn ich ihm mal keine um machen will und er so rumlaufen soll.
    Dann beharrt er auf seine Pampi und will sie doch wieder um haben wenn er seine Hose nass hat und ich sie ihm wechseln will.
    Pedro wird aber in knapp fünf Monaten schon vier Jahre alt und dann kann er doch nicht mehr mit Windeln rumlaufen.
    Okay wenn er sie nur im Bett noch braucht damit kann ich ja leben, aber doch nicht so wie es jetzt ist den ganzen Tag über.

    Sicher habe ich auch Frust weil es bei ihm immer noch nicht klappt.
    Aber das hat wohl jede Mutter wenn bei ihrem Kind nichts geht oder kein Wille da ist mit zu machen.
    Habe echt den Eindruck ich habe alles falsch gemacht und den richtigen Zeitpunkt verpasst oder sonst was….

    Mir ist es ja auch gleich wenn mal was in die Hose geht, aber man sollte so wie bei Euch und Maxi ist mal erkennen das was in die Richtung geht und die Windeln mal weg kommen.
    Wenn das so weiter mit Pedro geht habe ich echt Angst das er gar nicht richtig trocken wird.

    Werden aber auch an diesem Wochenende mal wieder alles versuchen das er was mit macht.
    Lieben Dank und schönes Wochenende
    Gruß Lisa

  7. Marianne sagt:

    Hallo liebe Lisa,
    bitte, bitte bitte mach dir doch selbst nicht so einen Druck. Das kann bei euch auch ein Teufelskreis sein, der sich nur noch schlimmer dreht, wenn ihr (damit meine ich deinen Sohn und dich) weiterhin so verbissen seid. Du denkst: „Alle sind schon zwischen 2-3 Jahren sauber, nur ich kriegs nicht hin. Ich hab versagt.“ Das stimmt doch gar nicht! Und dein Sohn denkt: „Immer werde ich gedrängt, irgendwas zu machen, worauf ich gerade keine Lust habe.“ Damit wird ihm leider die Möglichkeit genommen, von selbst eine Entscheidung zu treffen. Das ist nunmal der Teufelskreis.
    Soweit ich es verstanden habe, hat jedes Kind seine eigene Geschwindigkeit, wann es sauber wird. Ich habe von Kindern gehört, die erst mit 5!!! Jahren trocken waren. Na und??? Aber leider haben dann die Eltern die gesellschaftlichen Probleme. Von allem Seiten kommen viele Ratschläge, mit denen dann doch nichts erreicht wird.
    Denn ich finde: Neben den psychischen und physischen Voraussetzungen beim Kind (z.B. Kind kann Blase kontrollieren und sagt Pipi und Kacka an), sollte jeder Lernprozess vor allem mit Gelassenheit von statten gehen. Es sollte auch Spaß machen und freiwillig geschehen.
    Ich glaube, dass dein Sohn schon fähig ist, sauber zu werden, aber dass er durch den Druck von allen Seiten auf stur stellt.

    Ich hoffe sehr, dass du mir meinen Kommentar nicht übel nimmst. Ich will nicht mit dem großem Zeigefinger kommen. Immerhin habe ich selbst einen Sohn, bei dem ich den Prozess des Sauber Werdens noch vor mir habe. Wer weiß, wie das läuft. Er wird jetzt 2 Jahre. ;)
    Vielleicht kannst du es etwas gelassener angehen und dir selber nicht so einen Druck machst. Du hast auf jeden Fall nicht versagt, nur weil alle anderen es scheinbar besser machen.
    Ich wünsche dir viel Kraft, sich gegen die gesellschaftlichen Normen durchzusetzen.

    LG Marianne

  8. lisa sagt:

    Hallo Marianne,

    genau so fühlt es sich auch für mich an, als wenn ich mit ihm in einem Teufelskreis stecke.
    Habe meinen Sohn jetzt das ganze Wochenende ohne eine Windel rum laufen lassen und in jede Stunde auf den Topf gesetzt.
    Nicht ein mal hat er was da rein gemacht, dafür konnte ich ihn ständig die Sachen wechseln.
    Wenn ich ihn zum Kindergarten bringe oder abhole könnte ich echt heulen weil er der Einzige in seiner Gruppe ist der mit einem dicken Po unter der Hose rum läuft.
    Und dabei stört es ihn nicht einmal vor den andern Kindern, wenn ich ihn wie heute Mittag abhole und sie sind so dick und voll das sie schon auslaufen und er zwei große nasse Flecken am Po hat.
    Dann wird man da auch noch so abfällig von den andern Eltern angeschaut als ob ich das schlimmste Kind da im Kindergarten abgeben würde was es gibt.
    Dabei habe ich das Gefühl als wenn er es könnte und einfach null Bock dran hat es zu ändern.

    Aber ich ziehe das jetzt Zuhause durch da werde ich ihm keine mehr um machen bis es dann mal bei ihm geht.
    Auch wenn ich 100 mal am Tag die Sachen waschen muss.

    Dank Dir und LG
    Lisa

  9. 3Gremlins sagt:

    Oh je, Trockenwerden (bzw. -sein) und „peinlich“ – da kann ich eine ganze Arie von singen. Trotzdem oder gerade deshalb bin ich da reichlich schmerzfrei, was Blicke oder gar Sprüche von Passanten angeht, wenn man mal wieder „einen dieser Momente“ durchlebt…

    Hier habe ich auch mal eine Anekdote:

    Im Allgemeinen sind wir mit unseren Kids (2 Jungs, 1 Mädchen) recht unkompliziert was „Ich muss auf Klo“ unterwegs angeht. Was muss das muss und überall wo es keinen stört bzw. keiner rein treten kann, ist es OK. Wer sich am Anblick stört wenn ein KIND seine Notdurft macht, der hat eh ein anderes Problem. Somit bringt es uns eigentlich nicht aus der Ruhe wenn eine(r) oder auch mal alle drei rufen „ich muss mal“. Ich glaube, es gibt kaum einen Grünstreifen, Gebüsch etc. auf unseren Wegen, die unsere Kinder nicht kennen. Ist halt so wenn man überall hin zu Fuß oder mit Bus&Bahn unterwegs ist.

    Bis zu jenem Tag, an dem mal wieder ein Einkauf bei dem Discounter mit dem großen „A“ anstand. Mittlerweile hatten wir alle 3 Mäuse windelfrei, allerdings waren und sind unsere Jungs bis heute nicht mit dem Stehpinkler-Gen gesegnet (worüber wir eigentlich nicht undankbar sind), aber 3 Kinder gleichzeitig zum sitzen über die Wiese abhalten geht nunmal schlecht, und weil der Kindergarten sich schon mit 3 weigerte, unserem Großen beim draußen im sitzen Pipi machen zu helfen, hat er sich eine eigene Technik ausgeknobelt: Er setzt sich mit dem Popo ganz runter, also ganz auf den Boden hin, und streckt halt die Beinchen nach vorne aus, damit die Hose nichts abbekommt. So klappt das Pipi machen im sitzen draußen auch wirklich prima (vorausgesetzt der Untergrund piekst nicht ;) ). Der Poppes, der dabei nass wird, zählt als Kollateralschaden ;). Taschentuch richtet’s.
    Kompliziert wird es erst wenn es heißt „ich muss kacka“. Leider haben wir alles andere als „Heimsch…er“ *lach*. Auf Reisen ist das ein Segen. Wo befreundete Eltern von Verstopfungsdramen im Türkei-Urlaub berichteten, weil Kind eben nur auf dem heimischen Thron kann und will, geht es bei unseren auf jedem „Örtchen“. Nur leider eben auch dann wenn keines da ist. Mit nur einem windelfreien und „abhalten“ ja kein Problem, aber seit der Herr „alleine“ kann, möchte er eben auch alleine, eben auch draußen. Und seine Geschwister genauso.
    Aber nun erklär doch mal einem damals 4-Jährigen, dass er sich zum Pipi machen gerne mit dem Pöppes auf die Wiese setzen darf, für „AA machen“ das aber eher suboptimal ist… Ja, ich weiß das, der Popo wird ziemlich dreckig, noch dazu geht es total schwer, wenn es überhaupt geht – aber „egal, alleine machen“… Nundenn, wat mutt dat mutt, und ich war immer froh, dass wir immer ein diskretes Plätzchen dafür finden konnten.

    Bis zu jenem besagten Einkauf beim großen „A“. Bekanntermaßen haben alle diese Discounter ja keine Kundentoiletten und viele sind eben auch so unflexibel, einen nicht einmal mit kleinen Kindern aufs Mitarbeiterklo zu lassen. Nun gut, dann muss eben das Ende des Grünstreifens auf dem Parkplatz herhalten, tut mir ja furchtbar leid.
    Auch an diesem Tag wieder, „Papa, ich muss pipi“. Wenigstens klappt das Timing schon soweit dass wir unseren Einkauf in der Regel beieinander haben und schon auf dem Weg aus dem Laden sind. Also wieder Richtung Grünstreifen, Kind „freigemacht“ und sich hinsetzen lassen… Doch dann die Worte, die ich DA definitiv nie hören wollte „Ich muss auch kacka“.
    Kennt ihr den Moment, wenn euch schlagartig alle Schweißperlen im Gesicht auflaufen?
    „Nein, J….., nicht dein Ernst oder?“ „Doch, ich muss ganz dringend, ich kanns nicht mehr aushalten.“
    Ja super, du sitzt ja auch nur mit nacktem Popo völlig sichtbar auf dem Grünstreifen rum. Wer muss eigentlich dafür gehauen werden, einen Supermarktparkplatz ohne ein einziges auch nur zaghaftes Büschlein oder eine abgewandte Ecke zu planen?
    Aber was will man machen, Kind muss und ich weiß, wenn ich ihn jetzt aufhebe und versuche ihm zu sagen „das geht jetzt nicht“, kann ich die Sekunden auszählen, bis es in der Hose landet oder es wieder heißt „ich muss aber wirklich“. Half also nichts.
    Was folgte war „the same procedure as every time“ in diesem Fall. Kind sitzt da und drückt… und drückt… und drückt… und drückt… Ja, ich wiederhole es gern nochmal, „AA machen mit Pöppes auf dem Boden sitzend geht schwer, wenn überhaupt!“ Aber wenn die Alternative „es geht in die Hose“ heißt, weil so lange abhalten einfach mit 6 Jahren nicht mehr drin ist und Kind nicht in der Hocke kann ohne dass die Hose auch gleich hätte an bleiben können (weil danach genauso nass), dann hat man nicht mehr viel Auswahl.
    Den ersten parkenden Kunden, die amüsiert bzw. verständnisvoll rüber lächeln, lächelt man noch zurück. Den ungläubigen Blicken, wenn eben diese Kunden von ihrem Kurzeinkauf wieder raus kommen und man mit dem Kind immer noch unverändert da sitzt, dagegen dann nicht mehr so…
    „J….. komm, das AA will noch nicht, wir probieren es gleich nochmal“ – übersetzt: „Kind, du kannst überall (wo du nicht so auf dem Präsentierteller sitzt) AA machen so lange du willst, aber bitte lass uns hier verschwinden“. Aber nicht doch. Wat mutt dat mutt. „Doch, ich muss wirklich ganz doll, ich kanns nicht mehr einhalten“.. Oh lieber Gott, wenn es dich gibt, schenk meinem Kind seine Erleichterung.
    Und so drückte Kind weiter und ringt um seine Erleichterung, die einfach nicht kommen mag. Nichts übertrifft die stoische Ruhe eines Kindes in einem solchen Moment, ich hingegen wünschte mir immer sehnlicher das Loch zum drin versinken herbei. Mittlerweile war für Kind 2 und 3 schon genug Zeit, um ebenfalls mal Pipi zu machen, während Kind 1 seinem Ziel noch immer nicht näher gekommen war.
    Ich hetze unsere Kinder ja grundsätzlich nie beim Klogang, gerade weil ich ja weiß, dass es so sitzend lange dauern kann, aber 10 Minuten können in so einer Situation so verdammt langt sein…
    „Komm J….., drück ganz fest“ – „mach ich ja, aber AA kommt noch nicht, aber ich muss!“. Ja ich weiß, das machst du schon die ganze Zeit, aber vielleicht hilfts ja was. „Na los, nochmal… und nochmal…“. Ein aus dem Irrenhaus entlaufener hätte nicht schräger angeschaut werden können als ein Papa, der vor seinem halbnackt auf dem Gras sitzenden Kind sitzt und es immer wieder anfeuert, dass es drücken soll, während Frau und Geschwister daneben stehen und warten…
    Mittlerweile interessierten mich weder die ungläubigen Passantenblicke, noch die Uhrzeit mehr. Die beiden Geschwister spielten „ich sehe was was du nicht siehst“, als ein zunehmend bedröppelter Blick von Großkind und die Ansage, „…geht nicht, AA kommt nicht raus“, folgte. Na immerhin, „nur“ eine Viertelstunde und gefühlt eine Million ungläubige Blicke Parkplatz-Kunden. Die Einigung lautete dann auf einhalten so lange es irgend geht. Eine „volle“ Hose auf dem Nachhauseweg wäre das Letzte gewesen, was wir hätten gebrauchen können.
    Und was soll ich sagen: Zum ersten Mal schaffte es Großkind tatsächlich von „ich muss“ bis zur tatsächlichen Verrichtung bis nach Hause einzuhalten…

    Kennt ihr den Moment, wenn man sich sagt, „und warum konntest du das nicht gleich?“
    Aber was solls: Wir sind Eltern. Einfach geht anders – aber man hat die 3 besten und süßesten Gründe, über alle noch so peinlichen Situationen einfach nur drüberweg zu lächeln :)

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