Mama-Momente

Die stressigsten Tage? Tage, an denen mein Kind krank ist

„Vielleicht könnte Maxi die nächsten ein oder zwei Tage zuhause bleiben? Hier sind auch so viele Kinder krank, daheim geht es ihm bestimmt besser.“
Da war er, der gefürchtete Satz. Nachdem schon der gefürchtete Anruf kam. Wenn der Kindergarten vormittags durchklingelt, geht mein Puls automatisch hoch. Manchmal habe ich Glück und es handelt sich lediglich um den Termin für ein banales Elterngespräch oder das Kind hat die Sportsachen vergessen. Aber dem war heute nicht so.

Maxi’s Erzieherin hatte bereits diesen wehleidig-mitfühlenden Unterton in der Stimme, als sie mir erklärte, dass es dem Jungen schon seit dem Frühstück nicht gut ginge. Er sähe auch ganz schlecht aus, die dunklen Augenringe und das blasse Gesicht sprächen Bände. Mein Gesicht sprach auch Bände, aber das konnte Frau Wurm* am anderen Ende der Leitung zum Glück nicht sehen.

Ein krankes Kind zuhause ist für mich Alarmstufe Rot. Ausnahmezustand. Denn bettlägerige Kinder stressen mich. Nicht nur, dass zuhause spielende Kinder mich als Hochsensible grundsätzlich schon stressen: Mit ihrem hohen Geräuschpegel und dem ewig gelangweilt-frustrierten Ton „Was können wir jetzt spielen?“ Mit ihren fünf und knapp sechs Jahren wollen Mini und Maxi am liebsten rund um die Uhr betüddelt werden und im Krankenzustand sieht das nicht anders aus.

Die stressigsten Tage? Tage, an denen mein Kind krank istNein. Gerade, wenn die Kinder blass um die Nase sind und man auf ihrer Stirn Spiegeleier braten könnte, drehen sie nochmal richtig auf bis der Arzt kommt. Bettlägerig ist zwar der offensichtliche Zustand, in dem sie sich dann befinden, aber anscheinend sehen das besagte Bettlägerige anders. Stattdessen fordern Mini und Maxi mich nochmal mehr, als schon an gesunden Tagen. Deswegen sind für mich die Tage, an denen ein Kind krank ist, die schlimmsten überhaupt.

Streiten, nörgeln, herumhopsen – das geht auch immer noch mit neununddreißig Fieber oder in bauchschmerzfreien Minuten. Unterbrochen werden diese Phasen lediglich durch Kotzen oder Quengeln. Für mein hochsensibles Wesen zu viel des Guten.

An solchen Tagen würde ich gerne verreisen und erst wiederkommen, wenn zuhause wieder alle im gesunden Zustand streiten, nörgeln und herumhopsen.

Nein.
Eigentlich will ich das nicht.
Eigentlich will ich für mein krankes Kind da sein.
Ihm zuhören. Ihm stundenlang etwas vorlesen oder -singen.
An seiner Bettkante sitzen und ihm über die Haare streichen und zuflüstern, dass bald alles wieder gut wird.
Eigentlich.

Die stressigsten Tage? Tage, an denen mein Kind krank istStattdessen meldet mein Körper ein Zuviel des Guten und reagiert selbst mit Krankheitssymptomen. Herzrasen, Bauchschmerzen und Übelkeit sind meine ständigen Begleiter, solange das Kind die Tage krank zuhause verbringt. Ich befinde mich in einer ständigen Hab-Acht-Stellung, denn ich weiß nie, was als nächstes kommt. Und ich bin ein Mensch, der gerne die Kontrolle behält. Springt Maxi in zwei Minuten wieder vom Krankenbett auf und will spielen? Rennt er stattdessen zum Klo, weil er Durchfall kriegt? Oder geht es ihm womöglich schlechter, dass wir noch einen Arztbesuch einplanen müssen?

Meine Gedanken kommen kaum zur Ruhe, weil ich die Verantwortung habe.

Und von einer Mutter wird nun mal erwartet, dass sie besorgt aufspringt, innerhalb von zehn Minuten am Kindergarten ist und die nächsten drei Tage ihren eigenen Alltag über den Haufen wirft. Für ein quengelndes, nervenraubendes Kleinkind.

Ja ich weiß, das klingt herzlos. Das Kind ist schließlich arm dran und hat sich seinen Zustand nicht ausgesucht. Aber wer denkt schon an die hochsensible Mutter, die sich diesen Zustand auch nicht ausgesucht hat und infolgedessen ebenfalls arm dran ist?

Die stressigsten Tage? Tage, an denen mein Kind krank istDenn natürlich will das Kind auch von Niemand anderem umsorgt werden, als von den eigenen Eltern. Nicht mal die ansonsten heißgeliebten Großeltern dürften aus Kindersicht diese Aufgabe übernehmen. Ein Zustand, der mir genauso schmeichelt, wie mich an meine Grenzen bringt.

Und so befinde ich mich mal wieder in einer Zerrissenheit, einerseits für mein krankes Kind die fürsorglichste Mutter und anderseits am liebsten weit, weit weg sein zu wollen.

Gleichzeitig für den Sohn gut zu sorgen, aber mich selbst dabei nicht zu vergessen. Zu viel Nähe ertrage ich auch nicht. Verschnaufpausen habe ich in der Regel nur, wenn der Schlaf den Kranken dann doch mal übermannt.

Dann kann mein Puls sich auch wieder senken und mein zerstreuter Geist zur Ruhe kommen.

Tief einatmen. Tief ausatmen. Die Krankheit wird ein Ende haben. Bald. Ganz bald kommt der Alltag wieder.

(*Alle namentlich genannten Personen wurden zum Schutz der Privatsphäre wie immer anonymisiert)

22 Gedanken zu „Die stressigsten Tage? Tage, an denen mein Kind krank ist“

  1. SilkeAusL sagt:

    Hallo Christine.
    Erstmal: gute Besserung.
    I know, what you mean. Total.
    An der KiTa – Tür hängt ein Merkblatt zum Noro-Virus Virus, und ich war gestern am Überlegen, ob ich die Kleine nicht sogar FREIWILLIG zu Hause behalte. Nur bekomme ich das ja leider bei der Arbeit nicht durch 😡. Jetzt warte ich jeden Tag auf den Anruf, habe jede Nacht eine Schüssel neben dem Bett stehen(die Freundin der Kleinen hatte es Sonntag Abend ereilt- und klein P. schläft ja neben mir😱!).
    Dazu kommen sowieso noch Schlafprobleme, da die Nachbarskinder neuerdings nicht um 21:30, sondern 22:30 ins Bett poltern. Kaum ist man eingeknickt, wird man wieder quasi „wachgetrampelt“.
    JETZT gerade ist es im Haus totenstill(17:45); aber ich muss gleich die Kinder beim Vater (hoffentlich noch gesund bis auf Schniefnase)einsammeln. Erholung? Hallo? Was ist das??
    Aber: ich schaue mir am Samstag die Wohnung gegenüber an. Steht schon frei, kurz nachdem ich hier eingezogen bin. Mit niemandem über mir. Leider auch zu einem stolzen Preis 😢.

    Werde Dich auf dem Laufenden halten.
    Schlag Dich wacker und geh zwischendurch eine Runde für mich mit an den Deich!

    LG Silke

    1. Christine sagt:

      Danke dir, liebe Silke!
      Ich drücke ganz fest die Daumen, dass das Virus an euch vorbeizieht!!
      Und auch für die neue Wohnung – klingt ja klasse!
      Ich werde den Deich von dir grüßen ♥

  2. Nova sagt:

    Christine ❤️ Wie immer auf den Punkt gebracht!!

    1. Christine sagt:

  3. Sabrina sagt:

    Ich fühle mit dir, liebe Christine.
    Ich hatte letzte Woche das andere Worst-Case-Szenario: Das Kind putzmutter, allerdings in der Trotzphase inklusive ständigen Brüllattacken und auf den Boden schmeißen, ich krank mit Magen-Darm und Kopfschmerzen, der Vater des niedlichen kleinen Wesens konnte nicht zu Hause bleiben.
    Noch nie war ein Tag so unerträglich lang – und meine Tage allein zu Hause mit Kind scheinen schon an normalen Tagen nie enden zu wollen…
    Hoffentlich geht es Maxi schon besser und deinen Nerven auch!
    Ich denke an dich!

    1. Christine sagt:

      Liebe Sabrina,

      danke für dein Mitgefühl! Oh ja, andersherum ist es genauso schlimm! In dem Alter wird ja natürlicherweise (aber auch ärgerlicherweise) noch keine Rücksicht genommen, die Bespaßung wird also trotzdem eingefordert.
      Maxi geht es leider schlechter als besser. Wie es aussieht, kann er vor Montag nicht in den Kindergarten. Dann aber hoffentlich, weil ja Fasching ist! Das wäre sehr traurig, wenn er das Karnevalsfest verpassen würde.
      Meine Nerven sind momentan recht stabil, die Kinder schlafen beide und der Mann hat für morgen schon Unterstützung angeboten. Mal sehen, wie es wird…
      Ganz liebe Grüße zurück ♥

  4. Egal sagt:

    „Ich ich ich!“ Wie kann ein Mensch so egoistisch sein!? Du scheinst dich auf dem Befund „Hochsensibilität“ echt auszuruhen. Dein Mann und deine Kinder tun mir echt leid!

    1. Christine sagt:

      Wenn du eine richtige E-Mail-Adresse hinterlassen hättest, hätte ich gedacht, du seist an einem ehrlichen Austausch interessiert. So jedoch ist mir meine Zeit für eine ausführliche Antwort zu schade.

    2. Nova sagt:

      Wenn du die Beiträge der Autorin richtig gelesen hättest, wüsstest du, dass sie es sich mit Sicherheit nicht einfach macht.

    3. Anonym sagt:

      Sie ist so hochsensibel, dass es ihr egal ist, wie egoistisch sie rüberkommt. Hier geht es halt AUSSCHLIEßLICH um eigene Bedürfnisse. Ich habe es auch schon einmal versucht, darauf aufmerksam zu machen, hat aber nichts gebracht…
      In diesem Blog wird nur Mitleid erwartet für eine Mutter, die ihre Kinder gerade mal 2 Stunden am Tag betreut, wenn es hoch kommt, und die damit schon so überfordert ist, dass sie sie nicht mal am Wochenende sehen will.

      Was aus den Kindern wird, scheint hier niemanden zu interessieren.

      1. Christine sagt:

        Liebe Anonym,

        ich finde es schön, wieviel Zeit du dir für meinen Blog und somit für dich nimmst! :)
        Und Glückwunsch, richtig erkannt: Hier geht es AUSSCHLIEßLICH um die Bedürfnisse der Mutter! Deswegen heißt der Blog auch „Mama-Blog für hochsensible Mütter“ ;-)

      2. Sabrina sagt:

        Was mich brennend interessieren würde, liebe Anonym: Was machen deine Kinder eigentlich während deines Feldzuges gegen egoistische, selbstsüchtige Mütter? Sie werden sich doch nicht etwa selbst beschäftigen, während du aufmerksam diesen schrecklichen Blog liest, dich um das Kindeswohl von Mini und Maxi sorgst und die anderen dummen Leserinnen, die Christines Ausführungen auch noch nachvollziehen können, vor ihrer Verblendung schützen willst?

        Oder hast du am Ende gar keine Kinder?
        Du siehst, meine Neugier ist groß.

        Liebe Grüße,
        Sabrina (eine von den dummen, verblendeten, womöglich ebenso egoistischen Müttern, die Christines Beiträge lieben :-)

      3. Anonym sagt:

        @Sabrina: nein, sie sind noch zu klein, um sich selbst zu beschäftigen. Ich habe Zeit für mich, wenn sie schlafen oder mit meinem Mann unterwegs sind und ich gerade selbst nicht arbeite oder mit Haushalt beschäftigt bin. Ansonsten sind sie immer da und auch willkommen, die Zeit in der Familie zu verbringen. Und ich wäre nie auf die Idee gekommen (und auch von anderen Müttern nie davon gehört), sie am Wochenende in Fremdbetreuung zu geben. Und nein, wir haben keine Verwandten in der Nähe. Und auch keinen Babysitter, Au Pair oder Kindergarten. Aber wir haben diese Kinder in die Welt gesetzt und müssen uns um sie kümmern, auch wenn es anstrengend ist und wir für uns kaum Zeit haben.
        Wir haben aber kein Bedürfnis, sie abzuschieben. Wahrscheinlich sind wir nicht hochsensibel genug:-)
        Oder sind einfach wie alle normalen Eltern dazu bereit, unsere Bedürfnisse eine Zeit lang hintenanzustellen. Aber das gilt anscheinend nicht für Hochsensible Muttis.

      4. Sabrina sagt:

        Dann bin ich ja froh, dass es so viele „normale“ Eltern gibt und du dazu gehörst.

      5. Sara sagt:

        Liebe Anonym,
        außer dir macht sich hier niemand Sorgen um Christines Kinder, weil sie sich 100% genauso gut um ihre Kinder kümmert wie alle anderen auch. Nur weil man ‚egoistisch‘ ist und an sich und seine Bedürfnisse denkt, hat das rein gar nichts damit zu tun, dass man seine Kinder in irgendeiner weise vernachlässigt oder weniger liebt, als alle anderen auch.
        Die meisten , mich eingeschlossen, werden irgendwann auf dem ,Egotrip‘ gelandet sein, nachdem sie sich für ihre Kinder aufgeopfert haben und dabei vielleicht kurz davor waren vor die Hunde zu gehen. Demnach ist der ‚Egoismus‘ das, was einen am Laufen und Funktionieren hält.
        Bevor ich angefangen habe auf mich zu achten und egoistisch zu werden, habe ich mich bedingungslos für mein Kind aufgeopfert und dabei meine Gesundheit und bald meinen Verstand verloren.
        Egoistisch zu sein ist der einzige Weg um so für seine Kinder da zu sein, wie man es sich vorstellt.
        Alle Hochsensiblen Mütter, die ich kenne umsorgen ihre Kinder bedingungslos, weil sie genau spüren was ihre Kinder brauchen, ganz im Gegenteil zu vielen ,Normalen‘. Die sind auch ständig von ihren Kindern genervt und schnauzen sie einfach zurecht ohne dabei den Fehler bei sich selbst zu suchen.
        Hör doch einfach auf diesen Blog zu lesen, wenn du die Beweggründe eh nicht nachvollziehen und erst recht nicht verstehen möchtest.

  5. Ivi sagt:

    Deine E-Mail kam zur richtigen Zeit: letzte Woche kam Kind Nr 2 zur Welt, heute ist mein Geburtstag und Kind Nr 1 hat Fieber und ist anhänglich.

    Nicht schlimm und vielleicht kommen „nur“ die Backenzähne, aber immer wenn mein Kind krank ist, zieht sich meine Brust zusammen und ich hab das Gefühl ein Zentner Blei legt sich auf mich… Ich kann erst wieder durchatmen wenn die Krankheit vorüber ist und dann hab ich schon Angst vor der nächsten.

    Jetzt ist Kind Nr 1 bei Oma, ich hoffe es bleibt soweit fit dass ich mit meinem Mann und Mini Nr 2 meinen Geburtstag noch ein bisschen genießen kann… Alkoholfreier Sekt perlt schon im Glas.

    1. Christine sagt:

      Liebe Ivi,

      ganz herzlich gratuliere ich dir! Zum einen zu deinem heutigen Geburtstag, zum anderen natürlich zu deinem zweiten Kind! :)

      Ich wünsche dir von Herzen, dass sich die Lage bei deinem älteren Kind nicht verschlechtert und du deinen Sekt noch kühl und spritzig bis zum Ende genießen kannst. Du hast allen Grund, anzustoßen und dich feiern zu lassen.

      Ganz liebe Grüße ♥♥

  6. Sara sagt:

    Liebe Christine,

    das hört sich wahrlich ,himmlisch‘ an. Bei uns ist es allerdings so, dass ich öfter krank bin als meine Kleine. Was eigentlich viel schlimmer für mich ist. Mein Zwerg ist gesundheitlich sehr stabil, nur ich seitdem sie da ist überhaupt nicht mehr. Und selber krank ein gesundes Kind zu bespaßen finde ich für mich schlimmer als gesund ein krankes Kind zu hüten. Aber was soll man tun.
    Der Papa ist heute Vormittag nach Amerika für ne Woche geflogen und die Kita ist Montag und Dienstag auch noch zu. Ich bete zum Himmel, dass ich ab morgen wieder soweit fit bin, dass wir wenigstens was unternehmen können. Denn für die Kleine ist es mit kranker Mutter zu Hause ja auch nicht prickelnd.
    Krankheiten sind, egal wer sie hat, immer beschi…., nur haut es die einen mehr um als die anderen…und ich gehöre natürlich zu der Sorte die es mehr umhaut.

    In dem Sinne einen schönen Sonntag.

  7. Brigitte sagt:

    Mein Sohn und ich haben uns seit Jahresbeginn 3 verschiedene Viren aus dem Kindergarten geteilt. Ich war dieses Jahr schon fast 4 Wochen im Krankenstand und Pflegeurlaub, bin 6 Kilo leichter und grad mit meinen Reserven ziemlich am Ende… Eine sehr intensive Zeit für uns alle, auch für den Papa der ganz stark im Einsatz war. Wir hoffen jetzt ganz stark auf den Frühling…
    LG, Brigitte

  8. Moni sagt:

    @Anonym:Boah es nervt. Dann bitte stell doch deine Persönlichkeit und deine Interessen bitte soweit hinten an bis entweder du selbst oder deine Ehe daran kaputt geht. Was ist den an einem gesunden Selbstverständnis für sich und seinen Partner so verkehrt?Haben wir nicht auch ein Recht für unseren Interessen einzustehen?Und wie sieht dein Leben aus wenn deine Kinder ausgezogen sind???Wo ist dein Leben dann geblieben?Deine Formulierung müssen sagt doch schon alles. Hör doch auf dir selbst eins in die Tasche zu lügen. Jeder braucht mal Zeit fûr sich und darf egoistisch sein ohne direkt als Rabenmutter deklariert zu werden. Es nervt..

  9. Bluemli sagt:

    Liebe Christine,

    erst durch Deinen Blog fühle ich mich verstanden. Ich möchte mich gerne dazugesellen und Dir ebenfalls danken für Deine offenen Worte und Dein Engagement. Ich bin unheimlich gerührt und auch traurig. Seitdem ich Mama bin (mein Sohn ist ein Jahr alt) befinde ich mich in einer tiefen Lebenskrise. Ich fühle mich so unglaublich alleingelassen. Die Stillzeit war anstrengend. Mein Mann war zehn Monate arbeitslos. Und obwohl er zu Hause war, fühlte ich mich sehr allein. Die Stillzeit, die Hormonschwankungen und alles andere haben mich an den Rand meiner Kräfte gebracht. Hinzu kommen die ewigen Vorwürfe meines Mannes. Ich sei ständig wütend und aggressiv. Ja klar reagiere ich mit Wut. Ich bin viele, viele Monate derart überfordert gewesen und mit der egozentrischen Art meins Mannes ebenfalls. Ein Teufelskreis, aus dem man schwer herauskommt. Wie soll eine Frau immer geduldig und freundlich sein, wenn sie nie Kraft tanken kann und keine Auszeiten hat. Diese endlose Schleife an Belastung hört ja nie auf. Nun steht meine Ehe vor dem Aus. Warum? Weil mein Mann mit meiner Persönlichkeit überfordert ist. So kann es hochsensiblen Müttern auch gehen. Wie ein Stigma fühlt es sich an. Mittlerweile bin ich allein, wenn mein Mann auf Dienstreise ist, tatsächlich ausgeglichener und geduldiger mit meinem Sohn. Mein Sohn ist das fröhlichste Kind was ich kenne. Ich möchte nicht mehr, dass er unsere Konflikte miterlebt. Eine Paartherapie hatte bei uns eine Trennungsentscheidung zur Folge. Wenn eine Mutter keine Zeit zum Erholen bekommt, dann wird es für die Kinder unheimlich gefährlich. Anders kann ich es nicht beschreiben. Es gab Nachts Situationen, in denen ich sauer auf mein Baby war und mir dann auch noch die Vorwürfe von meinem Mann anhören musste. Das ist keine Ehe für mich. Bin ich als Hochsensible überhaupt beziehungsfähig? Ich habe mittlerweile keine Antwort darauf. Eins ist mir jedoch sehr klar: Ich bin mit 36 Jahren einfach nicht mehr bereit, Dinge einfach hinzunehmen und auszuhalten. Mein Sohn hat ein Recht auf eine gesunde Mutter, die ihre Lebensfreude nicht verloren hat und keine, die an einer destruktiven Partnerschaft kaputtgeht. Das haben mein Kind und ich nicht verdient. Es wird ein harter und vielleicht zeitweise einsamer Weg, der mir bevorsteht, aber vielleicht ist es zu schaffen. Die Kontaktliste* ist ja eine tolle Idee. Habe auch schon eine Mama angeschrieben. Mal sehen was daraus wird. Dir, liebe Christine, wünsche ich alles Gute und weiterhin viel Energie und weiterhin viel Freude für all das was Du hier mit Deinem Blog bewegst.

    Ganz liebe Grüße

    (*Kontaktliste= neu eingerichtetes Kontaktverzeichnis für hochsensible Mütter, Anm. d. Bloginhaberin)

    1. Christine sagt:

      Liebe Bluemli,

      ich möchte dich ganz herzlich auf meinem Mama-Blog für hochsensible Mütter willkommen heißen, auch, wenn du vielleicht schon ein paar Tage länger mitliest. Danke, dass du hier so offen von deiner Situation und deinen Ängsten sprichst!
      Ich stelle es mir ganz schlimm vor, wenn man noch Schuldzuweisungen oder Vorwürfe von dem Menschen an seiner Seite bekommt, der einem am Nächsten stehen sollte. Vielleicht hat er aus eigener Unsicherheit oder auch aus Unkenntnis deiner geringeren Belastbarkeitsgrenzen gegenüber gehandelt (was natürlich trotzdem nichts an der Situation verbessert). Da hast du wirklich sehr viel durchgemacht und machst es immer noch!
      Ich finde deine Entscheidung sehr mutig, den Weg nun ohne deinen Partner zu gehen und erst einmal hauptsächlich alleine für dein Kind stark zu sein, obwohl du ja selbst viel Kraft dafür benötigst!
      Ich wünsche dir alles Gute für diesen Weg, Menschen um dich herum, die dich unterstützen und ich wünsche dir wirklich von Herzen, dass du über mein Kontaktverzeichnis nette Mütter kennenlernst, mit denen du dich austauschen kannst!
      Viele Grüße
      Christine

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