Mama-Momente

Tag der Einheit? Hier mal wieder nicht.


Manche Feiertage wirken doch geradezu paradox, machen sie ihrem Namen so scheinbar gar nicht die Ehre, die ihnen eigentlich gebührt. Am „Tag der Arbeit“ wird nicht gearbeitet, sondern gefaulenzt, Weihnachten denkt kein Mensch mehr daran, dem kleinen Jesuskind ein Geburtstagsständchen zu singen und an Christi Himmelfahrt schwingt sich heute Niemand mehr in Richtung himmlischer Sphären. Höchstens noch Papas Bollerwagen gen Bierzelt. Also wunderte es mich auch heute, am „Tag der deutschen Einheit“ überhaupt nicht, dass in meiner unmittelbaren Umgebung keine Spur von feierlicher Einheit zu finden war. Wie denn auch, der Kindergarten hatte schließlich zu.

Ich glaube, langsam habe ich jeden Feiertag im Jahr durch, an dem ich mich über geschlossene Kindergärten, zu wenig Babysitter und zu viel Kinderquatsch um mich herum auslasse. Es würde mich auch nicht wundern, wenn du schon mit meinem Beitrag zu diesem Thema gerechnet hast. „Mensch, warum hat die Christine denn noch nicht darüber gebloggt, wie furchtbar ihr Feiertag war?“ könntest du dich vielleicht gefragt haben. Oder nimmst du etwa an, dass ich diesmal die drei freien Tage harmonisch mit Mann und Söhnen verbracht haben könnte? Leider war dem nicht so. Also ja, Mann und Söhne waren dabei, die Harmonie dagegen verweilte lediglich einen Bruchteil des verlängerten Wochenendes bei uns. Vielleicht war sie in der anderen Zeit ja bei dir zuhause? Ich würde es dir wünschen.

Was diesmal noch erschwerend hinzukam, war aber nicht nur ein dritter, kindergartenfreier Tag am Stück, sondern auch die Abwesenheit all unserer Babysittenden Verwandten. Klar, den eigenen Eltern gönnt man ja auch mal ein paar Tage Wellness, bzw. Urlaub (es soll ja Menschen geben, bei denen klappt beides zusammen!). Aber ausgerechnet jetzt (setze für „jetzt“ jeden beliebigen Zeitpunkt ein)? Kinder abschieben war also nicht. Also wappneten mein Mann und ich uns für drei Tage Kinderbespaßung am Stück.

Tag der Einheit? Hier mal wieder nicht.
Was für manche lächerlich dramatisiert klingt, war für uns leider bitterer Ernst. „Mamaaa? Guck mal, wie klein meine Zähne mein Essen gekaut haben!“ „Mamaaaa, da läuft eine Schnecke über Hundekacka! Guck doch mal!“ „Mamaaaa? Warum heißt der Honig Honig?“ Und das ganze von morgens bis abends nach dem Zähneputzen. Und wehe, man macht in den Nachmittagsstunden schon schlapp, will mal nicht hingucken oder antworten, dann reagieren die Herren Sohnemann aber äußerst empfindlich! Kinder wollen mit ihren drei und vier Jahren eben zwölf Stunden (wenn es nach ihnen ginge sicherlich noch länger) bespaßt werden. Zu jeder Zeit musst du dann dem Kind lächelnd einen Elefanten nach dem nächsten kneten, Herbstplätzchen backen oder sonstwie 100 Prozent geben. Weniger ist der Supergau. Und wehe, du willst mal fünf Minuten durchatmen.

Ich bin für jeden Spaß zu haben. Ehrlich! Aber bitte nur an sechs Nachmittagen in der Woche von 14 bis 18 Uhr. Dann nämlich, wenn ich vorher genügend Zeit für mich alleine hatte und keine über Hundekacka kriechenden Schnecken begutachten musste. Auch an meinen freien Samstag habe ich mich inzwischen sehr gewöhnt. Dann, wenn Mini und Maxi ihren Tag bei den Großeltern verbringen, gönnen mein Mann und ich uns den Tag für uns beide. Unserer Beziehung tut das gut und ich kann es jedem Pärchen mit Kindern nur empfehlen. Wenn man denn die Möglichkeit dazu hat.

Tag der Einheit? Hier mal wieder nicht.
Nun, dieses Wochenende hatten wir sie nicht. Und unsere Batterien waren schnell aufgebraucht. Weshalb wir uns in manchen Stunden aufteilten. Der eine macht was mit den Jungs, während der Andere Zeit für sich hat. In der Theorie ein logischer, auch kindgerechter Plan, wollten wir unseren Kindern schließlich zwei bis zum Rande der Erschöpfung unentspannte Eltern ersparen. Unser Plan ging trotzdem kaum auf, denn ich merkte schnell, wie sehr es an mir nagte, dass ich jetzt an unserem freien Wochenende auch noch auf die Gesellschaft meines Mannes verzichten musste. Auftanken funktionierte also nur bedingt, stattdessen wuchs der Frust und schwappte notgedrungen auch irgendwann auf unsere Kinder über.

Die Harmonie ließ sich zum Ende dieses Feiertages dann zum Glück doch noch mal kurz blicken. Und natürlich konnte nur Mutter Natur etwas an unserer aller Laune ändern. Dann nämlich, als ich mit beiden Kindern zum nahe gelegenen Bach gummistiefelte. Eine Stunde lang lag so was wie Frieden über uns und dem nassen Geplätscher, bis ich auf dem Nachhauseweg meinem Ältesten idiotischerweise die falschen Stöcke zum Spielen anpries. Dann war wieder alles beim Alten und der Familien(un-)frieden wieder hergestellt.Tag der Einheit? Hier mal wieder nicht.

Morgen geht der Kindergarten wieder los. Die Sektflasche ist schon kalt gestellt.

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