Mama-Momente

Die Seele berühren

Buntstifte anspitzen und das Ausmalbild in den Lieblingsfarben anmalen. Seifenblasen pusten und beobachten, wohin der Wind die hauchdünnen Wasserbläschen trägt. Eine Kerze anzünden und mich am Tanz der Flamme erfreuen.

Mein Lieblingsoutfit aus dem Schrank kramen und es mir damit auf dem Sofa gemütlich machen. Dem leckeren Tee fünf Minuten beim Ziehen Gesellschaft leisten. Ihn anschließend Schluck für Schluck genießen, ohne dabei etwas anderes zu tun.

Die Seele berührenBarfuß über eine Sommerwiese laufen. Die Nachbarskatze am Kopf kraulen und mich an ihrem Schnurren erfreuen. Ein Stück Schokolade auf der Zunge zergehen lassen.

Meine Hände intensiv mit der lecker duftenden Handcreme einreiben. Das Balkonfenster öffnen und den Vögeln beim Zwitschern lauschen. Das Kapitel im Buch besonders langsam lesen, um jedes Wort wirken lassen zu können.

Die Seele berührenMich an meinen Lieblingsort träumen und mit geschlossenen Augen die Unbeschwertheit genießen. Der Schwester am Telefon sagen, wie lieb ich sie habe. Mir selbst im Spiegel zulächeln und mir das Gleiche sagen.

Das aktuelle Lieblingslied auf Dauer-Repeat stellen. Füller und Briefpapier kaufen und mal wieder einen Brief schreiben. Räucherstäbchen anzünden und den Duft auf meine Sinne wirken lassen.

Die Seele berührenBewusst jeden Fuß einzeln setzend durch den Park spazieren und mich dabei an der Schönheit und dem Geruch der Blüten erfreuen. Mit der Freundin im Café treffen und eine Stunde die Zeit vergessen. Auf den Pferdehof gehen, Heuduft einatmen und den Tieren über die Nüstern streichen.

Bilder in den Rahmen tauschen und umdekorieren. Für den Liebsten abends kochen. Eine warme Dusche nehmen und versuchen, jeden Wassertropfen einzeln auf der Haut zu spüren.

Die Seele berührenDen selbstgebackenen Sandkuchen vom Sohn mit lautem „Ohhhhh“ und „Mmmmhhhh“ vernaschen. Beim Vorlesen den verschiedenen Charakteren die lustigsten Stimmen geben. Mich am Lachen meiner Kinder erfreuen.

Das sind all‘ die vielen Dinge, die ich viel öfter machen sollte, als mal wieder stunden- und gedankenlos durchs Netz zu surfen. Denn das sind die Dinge, die mich wirklich erden und Balsam für meine hochsensible Seele sind.

Und was tut dir gut?

2 Gedanken zu „Die Seele berühren“

  1. Stefanie Olivia Beck sagt:

    Hallo!!!

    Ich bin heute erst auf diesen wunderbaren Blog gestoßen. Und obwohl ich praktisch keine Blogs lese, haupsächlich aus Zeitgründen und weil mir von bereits genug Bildschirmaktivität der Kopf schwirrt, bin ich so sehr angetan!

    Selbst HSP und chronisch migränegeplagt wünsche ich mir ein um’s andere Mal irgendeine Art von Schutzfilter gegen so viel Input von der Welt da draußen und meiner Welt da drinnen. Und immer wieder habe ich versucht, so zu sein, wie „die anderen“, die ständig aus dem Vollen zu schöpfen scheinen, alles erledigt bekommen, nie das Schlafzeug für die Kita am Monatsanfang vergessen und die Freundebücher bereits am nächsten Tag augefüllt und bunt bemalt zurückgeben. Die den hellen Sonnenschein lieben, am Wochenende einen Besuch bei Freunden nach dem anderen abhaken, dabei täglich Sport treiben und mit 4-5 Stunden Schlaf pro Nacht auskommen. Übertreibe ich jetzt? Ich habe tatsächlich eine Freundin, bei der das so ist, sie hat außerdem 3 Kinder und ist Ärztin… Da kommt man sich so defizitär vor! Nun ja, wenn ich dann allerdings auf meine HSP Kollegin höre, alleinstehend und „frei“, die mir ständig sagt, sie fände es unglaublich, was ich alles parallel schaffen würde, da würde ihr schon beim Zuhören schwindelig, und das noch mit Kind… dann bin ich doch mal wieder stolz auf mich und nehme mir dennoch als eines meiner Hauptlebensthemen vor, mich nicht mehr mit anderen zu vergleichen. Vereinfachen und Reduzieren. Meinen Rhythmus zu leben, so gut das mit Familie irgend geht, mir nicht immer zu viel aufzuhalsen, was sich bei mir ja auch noch mit 5-10 Migräneanfällen pro Monat rächt (natürlich nicht nur deshalb, aber on top) Aber das alles ist nicht einfach und ich werde mal noch nach dem zweiten Buch („Hochsensible Mütter“), das du empfiehlst, Ausschau halten, da ich das „Zart besaitet“ bisher auch für das Beste halte, das ich zum Thema Hochsensibilität bisher gelesen habe.

    Außerdem bin ich selbst Redakteurin & Layouterin und bin von der schönen Aufmachung deiner Seiten begeistert! So klar und zugleich leicht, verspielt und zart.

    Aber nun genug davon, eigentlich wollte ich dich nicht zutexten, sondern spontan die Liste bzw. Frage „Und was tut dir gut?“ ergänzen oder beantworten:

    Die weißen Wolkengebilde vor blauem Himmel beobachten, die mich so sehr an Irland erinnern. Mich innerlich hineinbegeben in die Hügel, Täler, Höhlen und Bögen, in die Weichheit und das Schweben, in eine vertraute und doch geheimnisvolle Welt.

    Die feuchte Schnauze meiner alten, grauen Cornish-Rex Katze mit dem seidenweichen Maulwurfsfell in meiner Armbeuge. Ihr vertrauensvolles Schnurren und ihr Einkuscheln, bei dem sie die perfekt passende Form der jeweils zur Verfügung stehenden Kuhle von Hals- oder Armbeuge annimmt und mich ab und zu zärtlich ableckt…bevor ihr Bruder vorbeikommt, um sie zu verjagen.

    Die Stimmung auf einer morgendlichen Autofahrt zwischen Abfahrt und Ankunft. Die Luft ist noch feucht und frisch, ich mache die Fenster auf und rieche die Getreidefelder und den Asphalt. Keiner will etwas von mir, mein Kind ist die nächsten Stunden gut versorgt, mein Mann geschäftlich eingebunden, ich spüre ein Stück von der Freiheit, die ich während meiner Studienzeit oft hatte, derer ich mir aber erst heute so richtig bewusst bin.

    Das Sinken in das Wasser des Freibads. Eigentlich mag ich Freibäder überhaupt nicht, aber wenn ich mich mal dazu entschieden habe, ohne Rücksicht auf die Haare (die ich eigenlich nicht waschen wollte) mit meinem Sohn unterzutauchen, fühlt sich das herrlich an. Und danach können wir dann nach Herzenslust ins Becken springen und rutschen.

    Am feucht-verschwitzten Nacken meines 6-jährigen schnuppern, wenn er nach Wutanfall, Geheule, Beteuerung, dass er mich doch noch lieb hat, Kuscheln, totaler Erschöpfung, Rumgehampel, doch noch einen Schluck Wasser Habenwollen, 8 -10 Kuscheltiere unter seiner Bettdecke Arrangieren, meine Hand Drücken, kurz vor halb elf dann endlich ins Land der Träume gleitet. Ich muss mir dann immer sagen, dass es auch für ihn sehr anstrengend war.

    Die Vorfreude auf’s „In’s Bett gehen“. Ich liebe das, wenn für den Tag alles erledigt ist, ich vielleicht noch ein paar Atemzüge Luft auf der Terrasse schnappe und mir alles zurechtgelegt habe, was ich für die Nacht brauche: Wasser, Wecker, Wärmekissen (brauche ich immer :-). Evt. noch Hörbuch mit Ohrstöpseln. Die Katzen kommen von alleine. Und dann ist Ruhe, Stille… und hoffentlich will keiner mehr etwas von mir.

    1. Christine sagt:

      Liebe Stefanie,

      sei herzlich willkommen auf meinem Mama-Blog! Ich hoffe, du hast dir die Wartezeit auf meine Antwort mit einem Stück Schokokuchen aus meiner Küche versüßt :)

      Ich bin ganz berührt von deinen netten Worten zu meinem Blog, nicht zuletzt, da sie von einer Layouterin kommen! Genau das, was du im Design widergespiegelt findest, sollte es auch ausdrücken. Schön, dass du es wahrgenommen hast.

      Ich freue mich sehr mit dir, dass du es dir inzwischen als Hauptaufgabe gemacht hast, dich nicht mehr mit anderen zu vergleichen. Ich glaube, das täte uns Frauen im Allgemeinen sehr gut, aber uns hochsensiblen Müttern noch einmal mehr, vor allem, wenn es um den Vergleich mit nicht-hochsensiblen Personen geht. Richtig so! Deine Ärztin-Freundin mit ihren drei Kindern macht mir schon beim Lesen Angst ;-)

      Dass du zusätzlich mit Migräne zu kämpfen hast, macht die Sache natürlich nicht einfacher. Aber ich denke, wenn du es schaffst, deine Grundprinzipien umzusetzen (reduzieren, vereinfachen, deinen eigenen Rhyhmus leben), bist du auf dem allerbesten Weg!

      Ich würde mich freuen, wieder von dir zu lesen! Erzähl mir doch bei Gelegenheit, wie du das Buch „hochsensible Mütter“ findest! Bei Georg Parlow stehen ja nicht die Mütter im Vordergrund.

      Nicht zuletzt waren deine Beispiele, was dir guttut, eine unheimliche Bereicherung für meine eigene Liste! Danke dafür!!
      Freibäder kann ich auch GAR nicht leiden, viel zu kalt alles, aber den Moment, den du beschreibst, den kann ich nachempfinden. Vielleicht sollte ich mich diesen Sommer auch mal wieder trauen….?

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