Mama-Momente

Schnipp, schnapp, Haare ab! So klappt das Haareschneiden zuhause!


„Schatz, wer schneidet den Kindern eigentlich bald mal die Haare?“ Bevor ich Mutter wurde, habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Ehrlich gesagt lebte ich jahrelang in der Vorstellung, ich würde mal zwei Mädchen mit Ringellöckchen oder Schnittlauchhaaren wie Mama sie hat, zur Welt bringen. Bis zur Pubertät hätte ich mich dann um die Frisurenfrage drücken können. Einfach wachsen lassen (Mädchen wie Haare), eine lange Mähne finden die meisten Töchter eh toll. Nunja, jetzt habe ich zwei Jungs und da erübrigt sich die Frage des Wachsenlassens ganz schnell.

„Och wie schön, dass ihr dem Mini die Haare wachsen lasst, er hat so tolle Löckchen!“ Meine Mutter, bekennender Fan von blonden Kleinkindlockenköpfen, egal welchen Geschlechts, strahlte über das ganze Gesicht beim Anblick meines zu dem Zeitpunkt 1 ½-jährigen Sohnes, während ich darüber nachdachte, wie sie ernsthaft auf die Idee kommen konnte, das mit dem Wachsen lassen wäre unsere Absicht gewesen.Schnipp, schnapp, Haare ab!

„Schatz, den Mini müssen wir die Tage mal wieder zum Friseur bringen.“ brachte ich zähneknirschend hervor, während sich die Erinnerung an unseren letzten Friseurbesuch mit den Kindern wie eine dunkle Wolke über mein Gemüt schob. Wir saßen 30 Minuten in dem kleinen Salon um die Ecke, während zwei mehr oder weniger motivierte Azubis (die eine mehr, die andere weniger) versuchten, den Kinderbespaßer zu mimen, während sie die Schere durch die Luft zu wirbelten. „Ich verpasse Ihrem Mini einen Stufenschnitt, das passt zu seiner Haarstruktur.“

Stufenschnitt klang jetzt erstmal nicht verkehrt. Das Ergebnis überzeugte mich trotzdem nicht. „Haben Sie jetzt nicht einfach nur die Spitzen geschnitten? Sieht ja jetzt nicht viel anders aus als vorher, nur zwei Zentimeter kürzer.“ – „Ja, das sieht man nach dem nächsten Haarewaschen besser. Wenn es Ihnen dann nicht gefällt, können Sie ja noch mal mit ihm vorbeikommen. Das macht dann 10 Euro für heute bitte.“ Ich schluckte, griff erst zum Portemonnaie, dann zu den Jacken und wir verschwanden so schnell, dass wir das „Tschüss“ der Friseurinnen erst wahrnahmen, als wir schon wieder im Auto saßen.

„Wir könnten die Jungs auch zu meiner Mutter bringen und sie die Haare schneiden lassen.“ Der gutgemeinte Ratschlag meines Mannes ließ bei mir alle Alarmglocken angehen. Wenn man einmal die Verwandtschaft um so einen Akt bemüht, kann der Schuss auch nach Hinten losgehen, wenn der Dienst unsererseits nicht ein weiteres Mal in Anspruch genommen werden möchte. Unausgesprochen hängt dann immer in der Luft, dass Mutter, Schwiegermutter, Tante oder Oma den Schnitt nicht zur vollsten Zufriedenheit hinbekommen hat und man doch lieber wieder Geld für eine gelernte Fachkraft ausgeben möchte. Das ist wie, wenn der Onkel die Tapete hoch motiviert, aber leider krumm und schief an die Wand geklebt hat und nach dem nächsten Umzug entrüstet fragt, warum man ihn nicht wieder hat helfen lassen.

„Oh, hat der schöne, lange Haare. Der sollte sicher ein Mädchen werden nicht wahr?“ Als ob ich dem „falschen Geschlecht“ dermaßen hinterherheulen würde, dass ich jetzt krampfhaft versuchte, meinen Jungen als Mädchen auszugeben. Interessant, was manche Leute interpretieren.Schnipp, schnapp, Haare ab!

„Das Brötchen ist doch sicher für das süße Mädchen hier gedacht, nicht wahr? Komm mal her, Kleines!“ Und während ich der Bäckerin nett lächelnd das passende Geld auf die Theke legte, entschied ich mich dafür, am nächsten Tag selbst zur Schere zu greifen. Der Zenit war deutlich überschritten.

Ein paar wenige Zentimeter sollten es werden. Nur so viel, dass Mini den Nacken frei bekam und eine zukünftige Verwechslung mit dem anderen Geschlecht definitiv ausgeschlossen war. Schnipp, hier ein bisschen, schnapp, dort noch eine Strähne, ach guck mal hier noch und zum Ausgleich da noch. Und zack, saß mit einem Mal ein blondes Kind (eindeutig Junge!) mit Kurzhaarschnitt auf dem Kinderstühlchen. Papa klatschte in die Hände, Mama schnitt sich in die Finger, aber am Ende war das Ergebnis wirklich sehenswert.

Bisher haben Außenstehende noch nicht komisch geguckt oder gekichert, das werte ich als ein gutes Zeichen. Mein Tipp an dich als Mutter: Versuch es im Kleinkindalter selbst mal an den Spitzen, es sei denn, du willst deinem Nachwuchs eine angesagte Starfrisur zaubern. Gute Haarscheren gibt es schon für ein paar Euro z.B. bei Amazon.

Das Kind am Besten in einen Kinderstuhl setzen, damit es nicht von alleine aufstehen kann. Nicht zu viel auf einmal schneiden, was einmal ab ist, ist ab, Nachschneiden kann man immer noch, und dem Kind ein bisher unbekanntes Spielzeug oder Küchengerät in die Hand drücken, damit es wenigstens für ein paar Minuten so was ähnliches wie still hält. Ein Bespaßer, der gleichzeitig noch Korrekturen angeben kann (sprich Papa) ist absolut von Vorteil.

Ich glaube bis zum Kindergarteneintritt werde ich noch selbst ein bisschen Friseurin spielen. Meinen Jungs wachsen die Haare eh so schnell wie Harry Potter, da fällt eine schiefe Strähne vielleicht nicht so auf. Und falls sie doch mal irgendwann über grässliche Haarschnitte auf alten Kinderfotos meckern werden, erzähle ich ihnen einfach was von Geldnöten. Oder stumpfen Haarscheren. Oder angesagten Mama-Sohn-Cuts von 2014.Schnipp, schnapp, Haare ab!
Schnipp, schnapp, Haare ab!

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