Mama-Momente

„Schlafen mit Kind im Bett geht gar nicht.“ Wenn mich die Hochsensibilität zu Kompromissen zwingt

Ich liege unter meiner Bettdecke. Die Beine seitwärts angewinkelt, fühle ich mich wie ein neun Monate alter Embryo im Mutterleib, der kaum noch Platz hat und nicht weiß, wohin mit all seinen Körperteilen. Nein, bequem ist es hier auf dem kleinen Sofa im Wohnzimmer wirklich nicht. Aber in meinem Bett kann ich auch nicht schlafen. Den Platz neben meinem Mann bekommt nämlich heute Nacht unser Dreijähriger.

Als das Fieberthermometer gestern bei unserem Mini stündlich höhere Temperaturen anzeigte, freundete ich mich innerlich schon einmal mit einer Nacht auf dem Sofa an. Unter den genannten Bedingungen macht es mir weiß Gott keinen Spaß, freiwillig mein Bett zu räumen. Aber aus den Erfahrungen der Vergangenheit kenne ich Minis Fieberträume.

Sie überkommen ihn nachts, alle zwei Stunden. Wie Monster, die sich in sein Zimmer schleichen, um ihn gehörig zu erschrecken. Seine panischen Schreie ließen meinem Mann und mir nicht nur beim ersten Mal die Nackenhaare aufstellen und unser Herz wie wild schlagen. Schreie, als ob der Sensemann unser Kind holen wolle. Bevor ich Mini im Fieber schreien hörte, wusste ich nicht, wie sich Todesangst anfühlen muss. Klar, dass wir ihn dann nicht alleine in seinem Zimmer lassen, sondern zu uns ins Bett holen.

Aber das stellt für mich persönlich ein Problem dar.

"Schlafen mit Kind im Bett geht gar nicht." Wenn mich die Hochsensibilität zu Kompromissen zwingtIch bin hochsensibel. Besonders empfindlich reagiere ich auf Geräusche, und wenn sie noch so leise sind. Diesen inneren Sensor kenne ich schon aus der Zeit nach der Geburt meiner Kinder, auch, wenn ich es da noch auf den typischen Mutterinstinkt schob. Das leise Geschmatze der Kinder, ab und an Grunzen oder Schnarchen, vielleicht ein leises Wimmern, das die Stillzeit einläutete, und schon war es um meinen Schlaf geschehen.

Genauso erging es mir aber auch schon als Jugendliche auf Klassenfahrten, wenn ich in der Jugendherberge mit fünf weiteren Mitschülerinnen in einem Zimmer schlafen sollte. Das lange Gequatsche bis weit nach Mitternacht und das ewige Tür-auf und Tür-zu, wenn flüsternd Mädchen aus den Nebenzimmern ein- und ausmarschierten, machte mir jedes Mal zu schaffen. Wollte ich doch einfach nur meine Ruhe, am liebsten in einem Einzelzimmer. Aber das war natürlich der Lehrkraft vorbehalten.

Heute dulde ich gerade so mein „Doppelzimmer“ zuhause. Wahrscheinlich mag ich meinen Mann einfach zu gerne. Aber während er Nebengeräusche ausblenden kann, schießen sie mir wie Adrenalin durch den Körper.

„Willst du es nicht wenigstens versuchen? Vielleicht überkommen Mini heute Nacht ja gar keine Krämpfe.“ probiert mein Mann mich zum Bleiben zu überreden. Leider kann ich das nicht. Alleine schon in dem Wissen ins Bett zu gehen, dass die wahrscheinliche Möglichkeit eines Schreianfalls vom Zimmer nebenan besteht, lässt mich gar nicht erst einschlafen.

"Schlafen mit Kind im Bett geht gar nicht." Wenn mich die Hochsensibilität zu Kompromissen zwingtAngespannt und wie unter Strom warte ich dann nämlich unfreiwillig auf die Unterbrechung meines so wertvollen Schlafes. Jeder Husten, jedes noch so kleine Geräusch von Mini wirkt dann wie ein schrill piepender Rauchmelder, der mir Feuer in meinen eigenen Vier Wänden anzeigt.

Selbst sein monotones, rhythmisches Atmen halte ich kaum aus, weil es so viel schneller und gehetzter klingt, als das eines Erwachsenen. Wenn ich nicht oder nur wenig schlafe, bin ich am nächsten Tag sehr gereizt und alles andere als entspannt. Und genau das ist in meiner Rolle als Mutter sehr destruktiv. Mein Schlaf ist mir also heilig. Mein Kind ist mir aber genauso wichtig.

Und genau da beginnt mein Dilemma.

Wie sehr wünsche ich mir, mein fiebriges Kind nachts zu trösten!
Ihn mit unter meine Bettdecke zu nehmen, ihm zuzuflüstern, dass Mama da ist und ihm Wärme und Geborgenheit von mir zu schenken.

Aber ich kann es nicht. Mein Kind neben mir liegen zu haben, gleicht einer Nacht neben einer tickenden Bombe. Ein Schmatzer zu laut, ein Gehampel zu viel und schon gehe ich innerlich auf die Barrikaden. Nein, in meinem Bett ist kein Platz für ein Kleinkind. Und wenn es schon da liegen muss, muss Mama eben flüchten. Papa ist ja zum Glück auch noch da zum Trösten. Auch ein kleiner Trost für mich.

Wie würde ich nur all die Bedürfnisse meiner Kinder, die mit meiner Hochsensibilität kollidieren, unter einen Hut kriegen, wenn ich alleinerziehend wäre?

"Schlafen mit Kind im Bett geht gar nicht." Wenn mich die Hochsensibilität zu Kompromissen zwingtHier im Wohnzimmer ist es komisch, obwohl ich dort die meiste Zeit des Tages verbringe. Aber nachts herrscht hier ein anderes Flair. Die Luft ist dicker als im Schlafzimmer, die Schatten fallen anders und überall knackt es ungewohnt. Nicht die besten Voraussetzungen für mich, einzuschlafen, vor allem nicht auf dem unbequemen Ledersofa, auf dem sitzend gerade mal zwei Personen Platz haben, aber ich schaffe es trotzdem. Und obwohl ich hier sicher besser geschlafen habe als nebenan im Krankenbett, ist auch meine Nacht gezeichnet von vielen Unterbrechungen und Rückenschmerzen am Morgen.

Als Mutter muss man oft Kompromisse eingehen. Als hochsensible Mutter vielleicht noch mehr.

4 Gedanken zu „„Schlafen mit Kind im Bett geht gar nicht.“ Wenn mich die Hochsensibilität zu Kompromissen zwingt“

  1. Katharina sagt:

    Toller Beitrag! Habe mich schon länger gefragt, ob ich vielleicht alleine so “bekloppt“ bin, dass ich nachts einfach nicht neben meinem Kind schlafen kann! Mir geht es haargenauso! Danke fürs Teilen. Ein Hoch auf Sofas und fürsorgliche Väter!

    1. Christine sagt:

      Danke dir! ♥

  2. mary ann sagt:

    Hallo, ich bin auch hochsensibel und bin alleinerziehend. Es gibt so einige Hürden für mich zu nehmen….

    Ich finde deine Berichte sehr treffend und gut…. obwohl nicht immer….

    Für mich hört es sich oft nach hochsensibel an, aber auch nach ein bisschen Egozentrik und Gefühlskälte???

    Sorry, wenn ich das so schreibe, aber mir tun solche Kinder Leid…. ich bin auch mit einer solchen Mutter aufgewachsen und dadurch entsteht oft das Gefühl falsch und nicht liebenswert zu sein….

    In vielen Beiträgen kann ich erahnen wie sich die Kinder wohl dabei fühlen werden, hoffentlich sind sie nicht auch hochsensibel, sonst werden sie depressiv durch diese unbewusst gefühlten Ablehnungen….

    liebe grüße

    1. Christine sagt:

      Liebe mary ann,

      vielen Dank für dein Feedback! Dein Erleben um eine eventuelle Gefühlskälte meinen Kindern gegenüber kann ich gut nachvollziehen, daher möchte ich dir gerne meine „Über mich„-Seite und meinen Beitrag „Ich mache mir Sorgen um deine Kinder“ ans Herz legen, vielleicht beantwortet er dir noch einige Fragen bzw. hilft er dir möglicherweise, unsere Situation noch besser zu verstehen.

      Alles Liebe dir!
      Christine

Was sagst du dazu? Schreibe einen Kommentar!

Dein Kommentar wurde nicht (oder nur unvollständig) freigeschaltet? Lies hier, warum!