Mama-Momente

Mythos Babyorakel: Können Mütter das Geschlecht ihres Ungeborenen erahnen?

Villa Schaukelpferd-Klassiker


Es gibt ja die dollsten Methoden, wie man in der Schwangerschaft angeblich herausfinden kann, ob man einen Jungen oder ein Mädchen erwartet – ganz ohne Ultraschallgerät versteht sich. Das fängt bei chinesischen Empfängniskalendern an und hört bei kuriosen Bauernregeln wieder auf („Wenn der Bauch spitz ist, wird’s ein Junge, ein runder Bauch deutet auf ein Mädchen hin“). Was all diese Tendenzen jedoch noch überlagert, ist die verbreitete Annahme, die werdende Mutter würde es schon wissen.

Nicht, weil sie so gut in chinesischen Horoskopen ist, sondern aufgrund einer Intuition, einer inneren Stimme, die zu ihr spräche. Ein Gefühl, das sich in ihr breitmachen und ihr über kurz oder lang die Wahl nach dem rosa oder dem blauen Farbeimer für die Kinderzimmerwand erleichtern würde. Aber stimmt das wirklich? Können Mütter das Geschlecht ihres Babys im Bauch wirklich erspüren?

Eine Schwangerschaft ist immer eine große Sache, und, was ich inzwischen bestätigen kann, die Erste ganz besonders. Alles fühlt sich wahnsinnig toll, vielleicht auch wahnsinnig beängstigend, aber in jedem Fall wahnsinnig neu an. Und auch wenn die Gynäkologin routiniert mit dem Ultraschallgerät über den Bauch fährt, hat man das irrationale Gefühl, als wäre man die erste Frau auf diesem Planeten, die das Wunder Schwangerschaft erfahren dürfe. Natürlich stimmt das nicht, aber für einen selbst fühlt es sich so an. Wie die Meisten ja inzwischen wissen, habe ich mir früher immer zwei Mädchen gewünscht. Nun war ich zum ersten Mal schwanger und schwebte –mal grün im Gesicht, mal naturblass- auf Wolke 7. Die ersten Wochen verstrichen, in denen ich 1.) arbeiten ging 2.) Schwangerschaftsratgeber und Kochbücher, speziell für werdende Muttis geschrieben, verschlang und 3.) das Internet nach dem perfekten Vornamen durchforstete.

Schnell standen meine Mädchennamen-Favoriten fest, wobei ich ein paar davon schon mehrere Jahre Monate in meinem Hinterstübchen parat hielt. Bei den Jungennamen tat ich mich schon sichtlich schwerer. Und doch sagte mir schon ziemlich früh in der Schwangerschaft eine innere Eingebung – nennen Sie es Stimme oder Intuition oder was auch immer-, dass ich die Mädchennamenliste getrost beiseite legen könnte und doch noch mal einen genaueren Blick auf Leon, Max oder Emil werfen sollte.

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen. Alle paar Tage immer mal wieder ein hoffnungsvolles Fragen in meinen Bauch hinein, ob es nicht doch das ersehnte Mädchen wird und immer wieder ein promptes, wenn auch sehr leises, sehr feines Gegengefühl, das mir die nächsten Monate Zeit gab, mich an einen Sohn zu gewöhnen. Denn genau das geschah: Das Ultraschallgerät gab nach einer gefühlten Ewigkeit den eindeutigen Beweis preis und noch eine gefühlte Ewigkeit später wurde Maxi geboren. Mutterinstinkt oder purer Zufall?

Mythos Babyorakel: Können Mütter das Geschlecht ihres Ungeborenen erahnen?
Natürlich gab es auch diverse (meist weibliche) Orakelmeister um mich herum.
„Klar, dass es ein Junge wird, so spitz wie dein Bauch ist…“. Spitz? Rund? Mein Gott, er ist gigantisch und ich fühle mich wie ein Melonenverkäufer, der zwanzig Stück seiner Ware ohne Schubkarre vor sich herschieben muss. Wie bitte erkennt ihr da einen spitzen Bauch?

„Du hattest ja auch kaum mit Übelkeit zu kämpfen, logisch, dass es ein Junge wurde!“
Ja, ich hing nicht jeden Tag über der Kloschüssel, aber die ersten Wochen waren auch kein Spaziergang. Wo ist da bitte die eindeutige Grenze zwischen „übel“ und „ganz übel“? Empfindet das nicht jede Frau individuell?

„Wenn deine zweite Schwangerschaft ähnlich verläuft, wird es wieder ein Junge!“

Und dann wurde ich wieder schwanger. So schnell, dass ich mich noch zu gut an die Erste erinnern konnte. Und bis auf ein paar Übelkeitsmomente mehr konnte ich wirklich keinen „bedeutenden“ Unterschied feststellen. Wobei ich ehrlich gesagt auch gar nicht recht wusste, auf was das „bedeutend“ bezogen sein sollte. Ich fühlte mich einfach schwanger. Nicht mehr und nicht weniger. Aber das Gefühl, welches Geschlecht es diesmal werden würde, kam so schnell und so sicher, dass ich meine Hand für ein Mädchen ins Feuer gelegt hätte.

Gott sei Dank tat ich es nicht. Die Glückwünsche meines Frauenarztes zum zweiten Jungen lösten in mir dementsprechend einen kleinen Nervenzusammenbruch aus. Konnte mich mein Gefühl dermaßen täuschen? Die innere Stimme, die mir unseren Maxi „korrekt“ vorgesagt hatte, schien beim zweiten Mal gelogen zu haben. Dass mein Gefühl allein reines Wunschdenken für ein Mädchen war, möchte ich bis heute dementieren.

Mythos Babyorakel: Können Mütter das Geschlecht ihres Ungeborenen erahnen?
Nüchtern betrachtet kann ich jetzt behaupten, dass an der Binsenweisheit sicherlich zu fünfzig Prozent etwas dran ist. In jedem Fall denke ich, dass um den Mutterinstinkt zum Babygeschlecht eine viel zu große Sache gemacht wird. Von jeder Seite kommt in der Schwangerschaft ein „Was denkst denn du als Mutter?“ (und ich gebe zu, ich gehöre selbst zu den Frauen, die diese Frage schon mehr als einer Schwangeren gestellt hat).

Und dann stehst du da und denkst an die Mutterinstinkt-Bauernregel und eigentlich weißt du gar nicht, was du darauf antworten sollst, weil so viel Gewicht darauf gelegt wird. Was, wenn man als Mutter schon danebenliegt? Da sind ja die ersten Komplexe einer guten Mutter bereits vorprogrammiert (bei mir war es das in der zweiten Schwangerschaft jedenfalls, auch, wenn ich es nicht offen zugab).

Wie viele Mütter wird es wohl geben, die überhaupt keine innere Stimme oder eine deutliche Gewissheit wahrgenommen haben? Fühlen sie sich schlecht damit oder gibt es auch solche, denen das ganze Getue um den Mutterinstinkt am Babybauch vorbeigeht? Wie viele Mütter glaubten fest an einen Jungen und wurden dann von einem Mädchen überrascht, das ihnen fröhlich vom Ultraschall entgegenwinkte? Und wie viele mussten die rosa Tapete wieder abreißen und blaue Strampler kaufen?

Wie war das denn bei dir? Hattest du schon schnell ein Gefühl für das Geschlecht deines Kindes? Und wie fühlt sich das bei Zwillingen an? Erspürt man auch die Anwesenheit zweier Herzen unter seinem eigenen, ohne es vorher vom Gynäkologen erfahren zu haben? Ich freue mich auf deine Meinung und einen regen Austausch zum Thema Babyorakel!

4 Gedanken zu „Mythos Babyorakel: Können Mütter das Geschlecht ihres Ungeborenen erahnen?“

  1. SilkeAusL sagt:

    Ich „hätte gern“zuerst einen Jungen und dann ein Mädchen gehabt, da ich mir als Kind immer einen großen Bruder gewünscht habe.
    In der ersten Schwangerschaft habe ich glaube ich noch nicht so sehr meine Fühler ausgestreckt und es wa ziemlich lange versteckt, was es wird/ist. Der kleine Rabauke wurde dann doch ein Mädchen, würde aber zwischen Jungs auch nicht so auffallen.
    In der zweiten Schwangerschaft war ich mir soooo sicher, dass es dieses Mal ein Junge wird.
    Nein, auch dieses Mal ein Mädchen, aber dieses Mal ein „richtiges“…
    So haben wir doch irgendwie Beides ;-)

    1. Christine sagt:

      Liebe Silke,

      es ist schon komisch oder? Erst „wünscht“ man sich vielleicht einen Jungen oder ein Mädchen, weil man denkt, es wäre besser so, wie man es gern hätte. Dann kommt alles ganz anders. Die Kinder stellen -wie in deinem Fall- Charakterzüge in den Vordergrund, die so gar nicht „geschlechtstypisch“ sind oder man merkt mit der Zeit (ich z.B.), dass das andere Geschlecht auch seine Vorzüge hat und man irgendwie doch nichts vermisst. Also ist es am Ende doch gut so wie es ist. Jaja, die Natur findet schon ihren Weg…

  2. Katharina von M.O.M.M.- MoJo on my mind sagt:

    Schöner Post und wirklich interessantes Thema =) Ich wurde während meiner Schwangerschaft auch ständig nach meinem Gefühl gefragt, was es nun werden würde meiner Meinung nach … ;) Meine Intuition sagte ganz klar: Ein Junge! Dann kam die Aussage meiner Ärztin: Es ist ein Mädchen! Da hab ich mich schon erstmal gewundert, wie ich mich so ,,täuschen“ konnte :D Ende des Liedes: Es war DOCH ein Junge, die Gynäkologin hatte sich geirrt, meine Intuition nicht :D:D:D Naja, aber ich denke das ist wohl mehr oder weniger Zufall gewesen. Finde es ganz besonders wichtig, was du geschrieben hast zum Thema ,,danebenliegen“ und Komplexe. Da sollte man glaube ich echt lieber kein zu großes Theater rund um Babyorakel machen und sich einfach überraschen lassen, auch wenns schwer fällt :)

    1. Christine sagt:

      Hallo Katharina,

      sei herzlich Willkommen auf meinem Mama Blog!
      Wie schön, dass sich dein Gefühl doch nicht geirrt hatte (ob es nun Intuition war oder nicht).
      Aber du hast Recht – wie schnell setzt man sich mit seinem Gefühl selbst unter Druck oder lässt sich unter Druck setzen, weil man denkt, man hätte schon als Mutter versagt, wenn man nicht mal das Geschlecht seines eigenen Kindes unterm Herzen erspüren kann! Ich plädiere auch für mehr Gelassenheit und angenehme Überraschungen :)
      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!
      Christine

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