Mama-Momente

Motzbeitrag – Es geht um die Wurst

Ja ich gebe es zu. Ich befinde mich momentan nicht in der „rosarote-Wölkchen-Mama-Stimmung“. Im Gegenteil! Auf der Aufreger-Skala von 1-10 sprengt meine Wut mal wieder den Rahmen. Es gibt Momente hier Daheim (und unterwegs und wenn wir Verwandte besuchen sowieso), in denen Mama Papa kann das manchmal auch ganz gut an die Decke gehen könnte.

Wenn Mini und Maxi das Fass mal wieder zum Überlaufen gebracht haben und sich bei Mutti alle Gedanken an eine liebevolle Montessori-Erziehung unter den Teppich verkrümelt haben. Worum es diesmal geht?

Es geht um unsere gemeinsamen Mahlzeiten. Zumindest morgens und abends, wenn Brot auf den Tisch kommt. Glaub nicht, dass das Weizenprodukt an sich das Problem ist. Indianerjunge Maxi hört man meistens schon von Weitem „Käse!“ und „Wurst!“, als Mantra seines Kriegsgeschreis rufen, wenn er hungrig zu seinem Stuhl läuft. Die ganze Indianerfamilie setzt sich dann an den Tisch, Mama hilft Mini, seinen Haferbrei über den Tisch zu verteilen mit dem Löffel zum Mund zu führen, während Häuptling Papa Sohn Maxi nach seinem gewünschten Brotbelag befragt.

Meistens ist das Wurst. Klar, welches Kind isst schon freiwillig ausschließlich vegetarisch? Um dem Fleischliebhaber unter den Indianerkindern trotzdem Milchprodukte von glücklichen Kühen schmackhaft zu machen (und eine allzu einseitige Ernährung zu vermeiden), haben wir die Regel aufgestellt: Erst ein Brot mit Wurst, dann eins mit Käse, danach darf auch wieder Wurst gegessen werden, dann folgt aber auch wieder –Sie ahnen es- Käse. Und so ist das jeden Tag. Morgens und abends. Seit ca. einem Jahr, nachdem die letzte Breinahrung einer festen Stulle den Weg geebnet hatte. Dass diese Regel erst ein paar Wochen greifen müsste, um von unserem Ältesten akzeptiert zu werden, war uns von Anfang an bewusst. Dass es nach über einem Jahr, also rechnerisch der Hälfte von Maxi’s beschaulichen Lebens, immer noch Proteste geben würde, war uns nicht klar. Und so läuft dann das Gezanke Gespräch am Tisch ab:

„Mehr?“
„Du möchtest mehr essen? Gut, welchen Käse möchtest du jetzt aufs Brot?“
„Die.Wurst.Da!“
„Schau mal, Maxi, du hattest gerade Wurst. Jetzt gibt es ein Brot mit Käse, guck mal hier, wir haben extra deinen Lieblingskräuterkäse hier. Den kannst du z.B. essen und danach gibt es auch wieder Wurst. Oder du probierst den Gouda hier. Also. Welchen Käse möchtest du?“
„Wurst!“
„Welchen Käse?“
„Wurst.“

Motzbeitrag 1.0 - Es geht um die Wurst

Das war die Kurzfassung. Die Diskussion endet hier natürlich nicht. Sobald Maxi oder sein Vater oder ich langsam die Geduld verliert, wird sich noch liebend gern kreischend im Stuhl gewunden, rumgezetert und geheult. Das können wir alle Drei glaube ich inzwischen ganz gut. Wenn ich mich aufrege und schimpfe, dass der Lerneffekt bei unserem Kind mal wieder gleich Null ist, versucht mich mein Mann zu beruhigen und meint, Null wäre noch neutral. Das was wir hier erlebten wäre Lerneffekt = -10. Recht hat er mal wieder (So viel zum Thema Perfekte Mutter).

Kannst du dir vorstellen, was mich das an Nerven kostet? Nachgeben kommt für mich als Obersturkopf der Familie dicht gefolgt von meinem Mann und Maxi, die Reihenfolge variiert minütlich nicht infrage. Dann wären alle Milchprodukt-Erziehungsmaßnahmen der letzten Monate umsonst gewesen. Dass er Käse mag ist auch bewiesen. Sobald er ins Käsebrot gebissen hat, schwärmt er nämlich plötzlich von besagtem Belag. Nur der Weg dahin ist der reinste Kampf.

Ich sage dir, wenn das so weitergeht, kann ich mir bald einen Zweitjob im Zirkus suchen. Die Messerwerferin in mir habe ich zwar bisher noch nicht ausgelebt, aber es dauert nicht mehr lange, bis ich meine Gedanken in die Tat umsetze. Am Materpfahl steht mein Indianersohn jedenfalls bereits, wenn es mal wieder um die Wurst geht. Er müsste mir schon eine starke Friedenspfeife oder gleich einen Joint anbieten, um meinen Blutdruck wieder zu senken. Oder einfach ohne Murren sein Käsebrot essen, hab ich auch nichts dagegen. Schnittchen?

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