Mama-Momente

Mein Kind macht nur Blödsinn

Dass Kinder das eigene Leben verändern, ist Jedem bekannt. In der Theorie wissen auch alle Kinderlosen, dass der Nachwuchs anstrengend sein kann und es Phasen gibt, in denen die Eltern mehr genervt denn gut gelaunt hinter ihren Kindern herlaufen. Meine Nerven sind in den letzten Wochen ziemlich strapaziert worden, man könnte auch sagen, sie sind ziemlich abgenutzt und vergleichbar dünn wie ein zerkauter Bindfaden.

Maxi wird im Februar Drei und darf dann in den Kindergarten gehen. Ein wahrer Lichtblick für mich. Der Junge steckt nämlich gerade in einer ziemlich anstrengenden Phase und die heißt „Grenzen austesten“. Früher habe ich mir das immer so vorgestellt, dass Kinder sich in dieser Entwicklungsphase an der Supermarktkasse vor Mama auf den Boden schmeißen, weil ihnen der begehrte Lolli verwehrt wird oder auch mal zuhause austesten, wie weit sie gehen können, bis Papa schimpft. Die Betonung liegt hier auf mal. Wenn ich an meine naiven Vorstellungen zurückdenke, hat es fast schon etwas von Heiler Welt. Unser Maxi stellt meine Nerven jedenfalls gerade auf eine steinharte Probe.

Kreischen, weil der Bruder den Schlüssel in der Hand hält, grinsend mit den Fingern den Frischkäsebelag vom Brot kratzen, die verbotene Besteckschublade öffnen, langsam kichernd den Becher Wasser über den Tisch gießen, heimlich Papas Notebook aus der Tasche ziehen und lediglich am Passwort scheitern, Mini ins Knie beißen, plötzlich auf die Straße rennen, vor Papas Augen auf die Fliesen spucken, die verbotene Steckdose inspizieren,… Ich könnte Ihnen noch mehr erzählen. Das Schlimme daran sind nicht unbedingt die Taten an sich (die Meisten sind zwar ärgerlich, aber nicht gefährlich), sondern die Häufigkeit. Vom Wachwerden bis zum Einschlafen macht Maxi derzeit Blödsinn. Quasi 13 Stunden am Tag. Ununterbrochen wie es scheint.

Und glauben Sie mir, wir haben bereits alles probiert: Schimpfen, Ignorieren, Konsequenzen androhen und durchsetzen. Letzteres scheint für mich die einzig sinnvolle Lösung zu sein. So soll Maxi lernen, dass sein Verhalten auch zu etwas führt. Gutes Verhalten zu positivem Feedback und unerwünschtes Verhalten zu Strafen. Kein Bilderbuch abends, wenn beim Abendbrot mit Brotkrümeln über den Tisch geworfen wird, zum Beispiel. Oder Staubsauger-Spielverbot, sobald mit dem Stecker gespielt wird. Maxi wird einmal vorgewarnt und ihm die Konsequenzen auch mitgeteilt. Man müsste meinen, das würde ihn abschrecken. In 99% aller Fälle sind wir gezwungen, die Konsequenzen durchzuziehen.

Aber denken Sie nicht, dass hier schon so etwas wie ein Lerneffekt eingetreten wäre. Das Geheule ist jedes Mal riesig, von Einsicht und Verständnis scheint jede Spur zu fehlen. Am Geisteszustand unseres Kindes kann es nicht liegen. Er ist jedenfalls nicht so unterbelichtet, dass er nicht wüsste, was Androhungen bewirken, wiederholt oft noch mal, was wir soeben angedroht haben. Das nächste Drama schon im Blick, wird nicht nur meine Kreativität gefordert, mir den Umständen entsprechend angemessene Strafen auszudenken, sondern vor allem werden meine Nerven bis ins Unermessliche strapaziert. Ich kann die Kinder keine zwei Minuten alleine lassen, ohne hinterher Sodom und Gomorrah vorzufinden.

Dabei möchte ich Mini und Maxi vertrauen, ihnen vermitteln, dass sie nicht permanent überwacht werden, ganz nach dem Motto „Big Mama is watching you“. Und alle gefährlichen, zerstörbaren und persönlichen Sachen, die mir wichtig sind, wegzusperren oder hochzustellen, mag ich auch nicht. Zum Einen wegen der Sache mit dem Vertrauen, zum Anderen würde der gesamte Hausstand dann auf dem Balkon überwintern müssen. Soviel Quatsch wie die Zwei sich ausdenken, kann man sich als Erwachsener auch gar nicht ausmalen. Notfalls wird eben die Tapete von den Wänden geknibbelt, was natürlich einen Heidenspaß macht.

Ja, es liegt in der Natur, dass Kinder in dem Alter Grenzen austesten wollen. Dass sie wissen wollen woran sie sind. Dass sie die Welt noch nicht verstehen und Mamas strapazierte Nerven nicht mit böser Absicht quälen. Aber hat Mutter Natur auch nur einmal dabei an die entnervten Eltern gedacht, die nicht jedes Mal gelassen mit einem „Ach ja, ist nur eine Phase“ reagieren, sonder vielleicht auch mal laut und ungerecht werden? Die langsam aber sicher eine regelrechte Wut auf ihren Nachwuchs entwickeln und die ganzen schönen Seiten des Familiendaseins nicht mehr wahrnehmen können?

Wenn man bei Google „Kind macht nur Blödsinn“ eintippt, erhält man rund 375.000 Einträge (Tendenz sicher steigend). Ersetzt man das Wort „Kind“ durch „Tochter“, erscheinen 387.00 Ergebnisse. Bei der Suchanfrage nach „Sohn macht nur Blödsinn“ sind es sogar 392.000. Nach dieser ziemlich aussagekräftigen Eigenstudie freue ich mich derzeit über jede Minute, in der die Kinder schlafen oder bei Oma und Opa sind. Dann kann auch ich mich mal zurücklehnen, hier im Mama Blog meinen Frust niederschreiben und von einer Welt träumen, in der zwei kleine Jungs friedlich miteinander spielen, einfach so vor sich hin, während Mama daneben sitzt und strickt ihren Kindern beim Spielen zusieht.Motzbeitrag - Mein Kind macht nur Blödsinn

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