Mama-Momente

Der Tag, an dem Maxi endlich ein Kindergartenkind anschrie


„Er scheint sich hier ganz wohl zu fühlen. Aber er spricht immer so leise. Wir verstehen ihn kaum, weil er nur flüstert.“ Den Satz hatte ich weiß Gott nicht zum ersten Mal gehört. Frau Neumeier, Maxis Erzieherin, sprach mich ein paar Wochen nach der Eingewöhnung auf meinen damals Dreijährigen an, genauso wie schon drei andere Kindergärtnerinnen und die Leitung zuvor. Alle mit dem gleichen Ergebnis: Maxi sei ein lieber, zurückhaltender Junge, der sich aber schwer mit anderen Kindern und noch schwerer mit der Verständigung täte. Im Gegensatz zu Zuhause.

Wahrscheinlich ist es dir nicht entgangen, ja, man kommt in meinen vielen Mama-Blogbeiträgen zu dem Thema nur schwer drum herum, aber hier Zuhause erlebe ich meist einen anderen Maxi. Laut, tobend und schreiend. Zumindest, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt, was ziemlich häufig der Fall ist.

Seit Maxis Kindergartenantritt letztes Jahr im Februar haben die täglichen Wutszenarien sogar zugenommen. Vor allem die letzten Wochen waren und sind im Umgang mit unserem inzwischen Vierjährigen eine echte Herausforderung. „Dann stampfe ich eben auf den Boden!“ oder „Dann fresse ich dich halt auf!“ zählen noch zu den harmlosen Androhungen, wenn mein Mann oder ich auf Einhaltung einer Verhaltensregel innerhalb der Familie bestehen. Ernster wird es, wenn vor Wut gleich der jüngere Bruder geschubst, geärgert oder gebissen wird.

Gerade in letzter Zeit hatte ich oft das Gefühl, dass Maxi seinen Frust aus dem Kindergarten am Vormittag nachmittags bei seiner Familie ausließ. Neue Schimpfwörter, gepaart mit aggressivem Verhalten Mini gegenüber bekräftigen meine Vermutung, dass er am Morgen derjenige war, der von größeren Jungs geärgert wurde, und sich eben nicht traute, zurückzugiften.

Ein andermal erzählte er von dem Jungen, der ihm seinen neuen Rucksack wegnahm und versteckte. Seitdem baumelt besagter Beutel zuhause an unserer Kindergarderobe und fristet dort sein Dasein. Maxi weigert sich nämlich partout, ihn irgendwohin mitzunehmen, wo andere Menschen sind, die ihm den erneut klauen könnten. Gutes Zureden, Ermutigungen und Bekräftigungen unsererseits werden ebenso vehement wie lautstark abgelehnt.

Ich mag die sensible Seite meines Sohnes durchaus. Dass er erst einmal schüchtern und leise auf Andere zugeht und nicht gleich losbollert. Dass er trotzdem ein Junge ist, der schon ganz genau weiß, was er will und wenn er etwas nicht möchte. Er darf es auch gerne mal wütend äußern, wie ein Vierjähriger das eben so macht.

Der Tag, an dem Maxi endlich ein Kindergartenkind anschrie
Und dennoch liegt mir am Herzen, dass das Verhältnis stimmt. Dass er nicht bis nachmittags wartet, bis er seinen Frust bei uns loswerden kann. Dass Maxi lernt, sofort laut „Lass das“ zu sagen, wenn ihn Jemand im Kindergarten ärgert. Oder sich traut, trotz schlechter Erfahrung, seinen Rucksack wieder überall hin mitzunehmen. Und gestern war es dann endlich soweit.

Da kam mir Frau Neumeier beim Abholen völlig perplex entgegen. Sie hätte mitbekommen, wie Maxi zu ihrer Überraschung ein Kind an der Schaukel angeschrieen hätte. Erst noch erfreut, dass er Jemanden gefunden hatte, der ihn anschubste, wurde es Maxi irgendwann zu viel. Nachdem er zweimal geäußert hatte, dass er genug habe und das Kind ihn einfach ignorierte, platzte es wohl plötzlich laut aus ihm heraus. Für den kleinen Anschubser Grund genug, schleunigst das Weite zu suchen. Für Frau Neumeier und mich der Anlass, mit Sekt anzustoßen. Haben wir dann doch nicht gemacht. Aber in die Hände geklatscht und innerlich aufgeatmet haben wir beide.

Ein Jahr hat es jetzt gedauert. Eine lange Zeit, wie man meinen könnte. Auch mir kam es oft zu lange vor. Und dennoch weiß ich, dass Maxi für vieles eben länger braucht. Und vielleicht bis zum nächsten Wutanfall im Kindergarten erst einmal wieder seine Zeit benötigt. Das ist auch völlig in Ordnung. Ich weiß ja jetzt, dass er seine Stimme auch außerhalb der Familie erheben kann. Und er weiß es auch. Und das ist wohl die Hauptsache.

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