Mama-Momente

Kein Platz für Mütterlichkeit? Wenn die Wellen von Regretting Motherhood mich mitzureißen drohen

Ich bin wie versteinert, meine Gesichtszüge eingefroren. Mein Atem geht flach. Alles in meinem Körpersystem ist auf Notreserve eingestellt, selbst mein Gehirn traut sich nicht mehr zu denken. Außer diesen einen Gedanken: Nein. Nein, nein, nein.

„Christine, wie sieht’s bei euch nächste Woche aus? Hättet ihr Zeit, an meinem Geburtstag vorbeizukommen?“ Mein Schwiegervater lächelte mich erwartungsvoll an, wohlwissend, dass mein Mann und ich an besagtem Tag ziemlich flexibel für Feierlichkeiten jener Art wären. Denn die aufregende Nachricht, dass unsere Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben auf Klassenfahrt sein würden, hatte sich natürlich auch schon bis zu unseren Eltern rumgesprochen.

Drei Tage Abenteuer für die Jungs, drei Tage kinderfrei für uns Eltern. Drei Tage, an denen wir ungestört durcharbeiten konnten, Essen was und wann wir wollten, drei Tage ohne Mama-Taxi Richtung Sportverein, Kinderbespaßung oder Wäsche waschen.

Und als Sahnehäubchen fiel der Geburtstag meines Schwiegervaters ausgerechnet auf einen dieser Tage!

Endlich mal wieder feiern, ohne auf die Uhr zu gucken, wann wir uns wieder auf den Heimweg machen müssten. Am Kaffeetisch sitzen, ohne ein Ohr ins Nebenzimmer zu haben, ob es dort mit dem Geschrei und Gehopse nicht langsam übertrieben würde (oder, im Gegenteil, ob die überaus ungewohnte Stille schon besorgniserregend und ein Grund zum Nach-dem-Rechten-Sehen wäre). Den Abend im Restaurant ausklingen lassen, ohne, dass zwei Kinder noch vor dem Hauptgericht gelangweilt an der Tischdecke ziehen.

Natürlich sagte ich meinem Schwiegervater zu und hüpfte anschließend beschwingt durchs Treppenhaus von dannen. Drei Tage Leichtigkeit und Unbeschwertheit erleben wie zu kinderlosen Zeiten – ich konnte mein Glück kaum fassen.

Kein Platz für Mütterlichkeit? Wenn die Wellen von Regretting Motherhood mich mitzureißen drohenIch kriege kaum Luft und gleichzeitig möchte ich schreien. Ich könnte heulen vor Wut, aber es kommt kein Laut aus mir heraus. Meine Kehle ist wie zugeschnürt, in meinem Magen zieht sich alles zusammen.

Das Meer lebt in jedem von uns.
Wyland

„Darf ich fragen, wie es gerade um deine Laune steht?“ wagt der Mann mich nach zehn schweigsamen Minuten Autofahrt zu fragen, seit wir das Haus meiner Mutter an diesem Sonntagabend hinter uns gelassen haben. Laune? Ich habe keine Laune mehr. In mir ist alles auf Stand-by geschaltet. Mein Kopf versucht, die Konsequenzen für die kommende Woche aus meinem Gedankenszenario zu verbannen, aber es ist schon zu spät.

Am Nachmittag hatte ich noch über diesen kurz aufblitzenden Einfall gelacht: Was wäre, wenn jetzt noch was dazwischenkäme? Wenn eins der Kinder krank würde?

„Ich glaube erst, dass wir wirklich drei kinderfreie Tage haben, wenn wir dem Bus Richtung Jugendherberge hinterherwinken“ sagte mein Mann, während wir uns auf den Weg machten, die Jungs nach ihrem Besuch bei Oma und Opa wieder abzuholen.

Schwarzsehen erschien mir so absurd, dass ich laut auflachen musste. Immerhin schreien unsere Kinder so gut wie nie „Hier“, wenn es darum geht, Infektionen mitzunehmen. Also malte ich mir lieber die kinderfreie Zeit genüsslich aus, überlegte, wieviel von den herumliegenden Projekten auf dem Schreibtisch ich alles abgearbeitet bekäme und ob ich lieber Pizza oder Pasta beim Italiener bestellen sollte.

Hätte ich mir an meinem Mann doch lieber ein Beispiel genommen.

Kein Platz für Mütterlichkeit? Wenn die Wellen von Regretting Motherhood mich mitzureißen drohen„Hallo ihr beiden, dem Maxi geht es seit einer Stunde nicht gut. Er hat Halsschmerzen und Übelkeit und er hat sich sogar schon freiwillig eine Weile aufs Sofa gelegt.“

Meine Mutter begrüßte uns mit sorgenvoller Miene auf der Türschwelle, dicht gefolgt von einem blassen Zehnjährigen, der wie ein Häufchen Elend auf uns zugeschlichen kam.

Peng.

Das war sie, meine Traumblase, die gerade zerplatzte.

Andere Mütter hätten in dem Moment ihren Sohn sicher ganz fürsorglich in ihren Arm genommen und sich ausschließlich um das Wohlergehen des Kindes gesorgt, während sie in Gedanken die Hausapotheke durchgegangen wären, ob auch alles für die anstehende Krankenpflege zuhause bereitstünde.

Ich drückte meinen Sohn auch an mich, aber eher pflichtbewusst. Und meine ersten Gedanken sahen anders aus.

Nein.

Nein, nein, nein!

Das kann nicht wahr sein!

Krankes Kind? Okay: Keine Klassenfahrt, keine entspannte Geburtstagsfeier, keine kinderlose Verschnaufpause. Vielleicht sogar zwei Wochen Quarantäne, wenn es auch noch Corona ist.

Dieses f**king fremdbestimmte Muttersein!!

Das waren meine Gedanken.

Du findest, das klingt herzlos? Ich gebe dir recht, Mütterlichkeit sieht anders aus.

Das sind genau die Momente, in denen es mir nicht gelingt, als allererstes Empathie für meinen Sohn zu empfinden. Momente, in denen ich ihn nur deshalb in den Arm nehme, weil mein Kopf mir sagt, dass ich ihm das Gefühl geben muss, dass Mama Mitleid mit ihm hat und er nichts dafürkann. Es sind die Momente, in denen ich nur schreien und alles hinschmeißen will, was irgendwie mit dem Muttersein zu tun hat.

Kein Platz für Mütterlichkeit? Wenn die Wellen von Regretting Motherhood mich mitzureißen drohenMitgefühl für meinen Sohn? Steht erstmal hintenan. Dafür ist noch kein Platz in meinem Kopf, der sich gerade bewusstwird, wie alles davongeschwemmt wird: Alle Vorfreude, alle Sehnsucht, alle Leichtigkeit.

Denn was immer wir verlieren (wie ein Du oder ein Ich), es ist immer unser Selbst, das wir im Meer finden.
E.E. Cummings

Stattdessen wirft mir das Leben Knüppel zwischen die Beine und haut mir mit solcher Wucht meine Pläne durcheinander und eine neue Realität vor den Kopf, mit der ich jetzt leben muss. Und zwar sofort! Und bitte dazu noch ganz selbstlos und mitfühlend für andere!

Es sind diese Augenblicke, in denen ich unter akutem Regretting Motherhood leide. Trotz aller Fortschritte, die ich auf dem Weg zu mehr Mütterlichkeit mache. Die Momente, in denen ich mir noch im Flur meiner Mutter die verdammte Fee herbeiwünsche, die mich augenblicklich wieder zur kinderlosen Frau macht.

Mit Moral und Logik braucht mir dann keiner kommen.

„Dein Sohn kann doch auch nichts dafür, der Arme!“ „So ist eben das Leben als Mutter, ständig kommt was dazwischen. Das müsstest du doch nach über zehn Jahren Muttersein langsam wissen.“

Ich weiß das alles. UND ich weiß, dass ich daneben noch eine freiheitsliebende Frau bin, die in solchen Momenten einfach mal nicht zurückstecken, sondern dem Leben den Mittelfinger zeigen möchte.

Ist ja nicht so, als ob sich solche Gelegenheiten öfter bieten würden: Klassenfahrt + Geburtstagsfeier + keine Termine im Kalender!

Das ist wie wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Passiert nicht so häufig. Wissen wir doch alle.

„Es ist nicht die Frage, ob was kommt, sondern nur, was kommt. Das ist doch jedes Mal so.“ reflektierte mein Mann einen Tag später kurz nach Acht den Vorfall, als wir -immer noch fassungslos- am Frühstückstisch in unserem Kaffee rührten, während eine Etage drüber im Kinderzimmer gespielt wurde – von zwei Kindern wohlgemerkt: Mini schniefte ebenfalls schon herum, sodass die Schule an diesem Tag, zwei Tage vor der Klassenfahrt, für beide ausfiel.

Immerhin war der Coronatest negativ ausgefallen. Ein kleiner Lichtblick.

Ich wusste, warum es mich so mitnahm, dass ich selbst einen Tag danach immer noch so down war. Die Nachricht, dass ein willkürlicher Faktor von außen (in diesem Fall mein kranker Sohn) meine eigenen Pläne spontan und ohne Ankündigung dermaßen durchkreuzte, sodass diese nicht nur verschoben werden konnten, sondern direkt zunichte gemacht wurden, war wie eine kleine Retraumatisierung, ein erneutes Durchleben alter traumatischer Gefühle.

Es war für mich ein regelrechter Schock, nicht nur im übertragenen Sinne.

Dieser erbarmungslosen Fremdbestimmtheit so ausgeliefert zu sein ist für mich ein gewaltiger Trigger, der mich an Situationen der Hilflosigkeit und Ohnmacht erinnert, wie ich sie mal als Kind erlebt habe, wo ich Entscheidungen meiner Eltern ausgesetzt war, die so völlig entgegen meiner Selbstbestimmtheit getroffen wurden.

Deswegen die eingefrorenen Gesichtszüge, die innerliche Versteinerung, der flache, kaum mehr spürbare Atem. Mein Körpersystem war durch diese Nachricht, dass meine Pläne über den Haufen geworfen wurden, in einen Schockzustand katapultiert worden, aus dem ich nicht mehr mal eben so wieder rauskam.

Aus diesem Grund konnte ich auch kein Mitgefühl für meinen Sohn empfinden, und kann es grundsätzlich bei spontanem Ausbruch einer Krankheit meiner Kinder nicht (und welche Krankheit bricht nicht spontan aus?). Weil mir meine tiefsten Bedürfnisse nach Sicherheit und Struktur von jetzt auf gleich entzogen werden.

Der Boden wird mir in solchen Momenten unter den Füßen weggerissen und meine Seele von den Wellen des Lebens mitgerissen.

Kein Platz für Mütterlichkeit? Wenn die Wellen von Regretting Motherhood mich mitzureißen drohenIch versuche, meinen Atem wieder zu vertiefen. Es klappt nicht gut, ich fühle immer noch den Schock, dem ich da vor einer Stunde in der Wohnung meiner Mutter ausgesetzt war. Ich sitze auf dem Beifahrersitz und starre in die Dunkelheit vor dem Fenster, während Bäume und Häuser an mir vorbeirasen. Ich bin angespannt in der Erwartung, jeden Moment könnte meinem Sohn hinter mir so übel werden, dass wir von jetzt auf gleich am Straßenrand anhalten müssen.

Ich versuche, meine Gesichtszüge weich werden zu lassen. Es gelingt mir nicht, sie sind wie versteinert. Aber allein, dass ich mir dessen bewusst bin, allein, dass ich darüber nachdenken kann, was da gerade in mir geschieht, ist ein großer Fortschritt für mich.

Es ist der Anfang, mich nicht völlig ohnmächtig von den willkürlichen Wellen des Lebens wegreißen zu lassen. Es ist meine einzige Chance, aus dieser Wut und Hilflosigkeit keine allzu gewichtige Retraumatisierung entstehen zu lassen. Es ist so schwer, mich nicht fortschwemmen zu lassen, mich nicht völlig dem Gefühl der Kapitulation hinzugeben.

Und doch versuche ich, mich irgendwie an diesem Strohhalm namens Achtsamkeit festzuhalten.

Wir müssen uns von der Hoffnung befreien, dass das Meer jemals ruhen wird. Wir müssen lernen, bei starkem Wind zu segeln.
– Aristotle Onassis

Das Gefühl von Regretting Motherhood, von der Ungerechtigkeit des Lebens, vom Nicht-wahr-haben-Wollen der Situation ist noch da, als mein Mann den Rückwärtsgang einlegt und das Auto bei uns zuhause unter den Carport lenkt.

Und gleichzeitig hat sich da auf einmal ein winziger Raum für Mitgefühl aufgetan. Ein schmaler Zugang für Empathie, der vorhin noch nicht da war, so dass ich meinem Sohn plötzlich ganz mütterlich den Arm um seine Schultern legen und ihn an meiner Seite zum Haus begleiten kann.

Diesmal kommt es vom Herzen, nicht vom Kopf, dass ich ihm in diesem Augenblick Trost schenke.

Bilder mit freundlicher Unterstützung von © Klara Kulikova, © Joshua Newton, © Tyler Maddigan, © Alice Alinari und © Tsunami Green, unsplash.com

10 Gedanken zu „Kein Platz für Mütterlichkeit? Wenn die Wellen von Regretting Motherhood mich mitzureißen drohen“

  1. Franzi sagt:

    Hm, ich weiß gar nicht, ob diese Gedanken so arg Regretting-Motherhood-mäßig sind, sondern nicht ziemlich typisch elterlich. Wenn meine Tochter nachts einen langen Hustenanfall bekommt, ist mein erster panischer Gedanke „Wer bleibt morgen mit ihr daheim, wenn sie krank ist?“ „Hast du morgen wichtige Termine?“ frage ich dann gestresst meinen Mann- statt dem Kind fürsorglich was zu trinken zu bringen..,
    Und ich weiß von vielen Eltern, dass das die ersten Gedanken sind…
    Mir hilft es dann, mich kurz mal wieder zu erden, indem ich denke „Es ist nur Fieber und eine Erkältung. Es gibt Kinder, die haben Leukämie oder Epilepsie oder sind querschnittsgelähmt. Da kannst du heulen und schimpfen. Manche Eltern sind aktuell mit ihren Kindern auf der Flucht. Dein Kind hat einfach nur Husten und Fieber und du musst halt zwei Tage daheim bleiben. Denk nach und beruhig dich!
    Mir hilft das immer!
    Liebe Grüße und großes grundsätzliches Verständnis für die Enttäuschung über die ausgefallenen Frei-Tage

    1. Christine sagt:

      Liebe Franzi,
      hab vielen Dank für dein (grundsätzliches) Verständnis und deinen Tipp, sich in solchen Momenten wieder zu erden. Trotzdem ist genau das der Grund, dass ich hier so öffentlich auch über so „kleine“ Probleme (im Gegensatz zu schlimmen Krankheiten, Behinderungen oder Fluchtsituationen) schreibe. Weil unsere Gesellschaft es so verinnerlicht hat, die eigenen Sorgen immer kleinzureden, statt den Schmerz auch mal zu fühlen und anzuerkennen (auch sich selbst gegenüber). Schon meine Oma hat zeit ihres Lebens nie gejammert. Auf die Frage „Wie geht es dir?“ kommt bis heute „Ach, anderen geht es ja schlechter.“ obwohl sie jede Nacht vor Schmerzen kaum schlafen kann. Ich verstehe dich, dass du dir dann vor Augen hältst, dass zwei Tage krankes Kind daheim dann das kleinere Leid bzw. das Glück im Unglück sind. Aber leider ist das auch der Grund, warum so viele Mütter sich schämen, über ihre persönlichen Sorgen zu sprechen, aus Angst, jemand könnte sie daran erinnern, dass es ihnen doch immer noch besser geht als anderen. Jammern auf hohem Niveau sozusagen. Und diese „Volkskrankheit“, dieses Kleinreden vom persönlichen Schmerz, halte ich mindestens für genauso schlimm wie o.g. Schicksalsschläge.
      Deshalb wünsche ich dir, dass du nur bis zu einem gewissen Punkt vergleichst, nur, solange es dir guttut und du deine Sorgen dadurch nicht kleinredest.
      Herzliche Grüße!

      1. Birgit sagt:

        Hmmhhh, also klar ist man als Eltern bei sowas erstmal tierisch enttäuscht. Aber können nicht die Schwiegereltern das kranke Kind/Kinder zu sich nehmen während Dein Mann und Du die 3 Tage Auszeit trotzdem nehmt? Was spricht dagegen?
        Und dann erholt und ohne Bitterkeit zurückzukommen um wieder Eltern zu sein?? Denn sonst richtet sich diese Bitterkeit unbewusst gegen die Kinder, nach dem Motto “ wenn Du nicht krank geworden wärst, dann hätte es mir gut gehen können“…

      2. Tea sagt:

        Ich gebe dir recht Christine, dass man über diese alltäglichen Rückschläge jammern darf und soll, weil es vielen von uns so geht und es trotzdem nicht easy ist, auch wenn es Schlimmeres auf der Welt gibt. Ich bin nur immer ein wenig vor den Kopf gestoßen, weil du dich immer mit Entwicklungstraumata usw. zu rechtfertigen scheinst, so als ob deine Gefühle nicht „normal“ wären. Ich z.B. habe weit und breit keine psychischen Probleme, Traumata oder ähnliches und trotzdem empfinde ich in vielen Situationen genau so wie du. Und ich denke, dass das auch okay ist und dass man das auch nicht weiter rechtfertigen muss. Elternschaft ist die Härte!

      3. Christine sagt:

        Liebe Tea,
        hab vielen Dank für deinen Zuspruch und deine Gedanken, die du dir machst!
        Dass ich das Thema Entwicklungstrauma/Bindungstrauma immer wieder anspreche, hat mehrere Gründe:
        Zum einen möchte ich auch neue Blogleserinnen mit ins Boot holen, die mich und meine Seite gerade erste kennenlernen und von den Themen vorher noch nie gehört haben.
        Zum anderen ist es mir sehr wichtig, solche extremen Erfahrungen eben nicht als typisches „Nebenprodukt“ des Mutterseins hinzustellen (auch, wenn ich mich dann weniger entschuldigen/rechtfertigen müsste). Dass ich an dem Tag so einen heftigen Schock bei der Nachricht erlitten habe und entsprechend körperliche Reaktionen gezeigt habe, die eindeutig auf eine alte Wunde (nichts anderes bedeutet übrigens das Wort Trauma in der Übersetzung) hinweisen, zeigt eben, dass da etwas Unverarbeitetes in den Tiefen meines gespeicherten Körpergedächtnis liegt, was durch den Auslöser der Nachricht, mein Kind sei krank, hochgegangen ist wie eine Rakete (und eben nicht nur Unmut und einen berechtigten Ärger ausgelöst hat).
        Leider empfinden wir es in der Gesellschaft immer noch als Kränkung oder persönliches Versagen, wenn wir mit solchen großen Wörtern wie „Trauma“ oder „Kindheitsverletzungen“ konfrontiert werden, weil wir nicht wahrhaben wollen, dass es verletzte Anteile in uns gibt, die uns als Erwachsene heute noch beeinflussen können.
        Und es ist mir sehr wichtig, mit meinen Beiträgen diejenigen Leserinnen zu erreichen, die sich mit meinen Schilderungen identifizieren können und immer noch davon ausgehen, dass dies alles normale Reaktionen einer überforderten Mutter wären und nichts mit psychischen Problemen oder alten Traumata zu tun hätten.

  2. Anne sagt:

    Moin,
    ich finde das Ideal von selbstlos für die Kinder da sein wollen völlig absurd. In jedem guten Buch über Mitgefühl steht genau das, erst für einen selbst, dann ist man auch anderen gegenüber dazu fähig. Hat nichts mit irgendwelchen Besonderheiten zu tun.
    LG

    1. Caro sagt:

      Hallo,

      Ich finde, ihr Mamas habt alle irgendwo Recht. Denn es geht um das persönliche Befinden, um individuelle Gefühle und bisherige Erfahrung die man in seinem Leben in jedem einzelnen Moment gemacht hat.

      Christine ich finde es toll, was du ausdrücken und betonen willst und sehe es genauso. Leid bleibt Leid und es spielt keine Rolle welcher Umstand, welche Krankheit oder welcher Vorfall dieses Leid beim jeweiligen Menschen ausgelöst hat. Es gibt Dinge und Probleme, die klingen erstmal so lachhaft, aber sie können eine Seele, ein Leben zerstören und zur Hölle machen.

      Unsere Seele kommuniziert mit uns über unsere Gefühle. Wenn wir diese Gefühle unterdrücken, herunterspielen – einfach nicht bereit sind ihnen Raum zu geben, sie zuzulassen und zu spüren… werden wir krank. Seelisch, körperlich, wie auch immer.

      Ich bin froh, dass derzeit die Gesellschaft und die Menschheit in diesem Bereich langsam erwacht und reift. Dass es vielen Leuten mehr und mehr bewusst wird, dass etwas nicht richtig läuft, was diese Dinge betrifft. Dass die Gesellschaft, das System von heute nicht gesund, ja sogar unmenschlich ist.

      Trotzdem finde ich es absolut richtig, sich auch wieder zu Erden. Zu relativieren und wieder dankbar und freudig auf das zu reagieren, was uns das Leben gibt. Nur so lässt es sich aushalten, das Leben.

      Es ist ein Auf und ein Ab und ich nehme diese Berg- und Talfahrt so intensiv wahr, dass es mir manchmal unerträglich erscheint. Ich denke, das ist wohl so, wenn man hochsensibel ist. Und gerade bin ich sehr dankbar dafür, das so endlich für mich erkannt zu haben und dass ich jetzt weiß, dass ich nicht bescheuert oder krank bin. Einfach „nur“ höchst sensitiv und empfindsam. Und ich fange an, es anzunehmen und auch ein bisschen zu mögen.

      Ja ich hatte Momente, in denen ich kurz wünschte, ich wäre nicht Mama von 3 Kindern. Aber ich glaube das sind wirklich normale und menschliche Gefühle und Wünsche. Denn eigentlich danke ich dem Universum von ganzem ❤ dafür, dass ich diesen Weg gehen darf und dieses überfießende Leben erfahren kann. Meine Mutterschaft hat mich reifen und wachsen lassen. Nur so konnte ich Dinge kompensieren, die mir gefehlt haben. Ich denke ein Trauma hat einen bestimmten Zweck. Ich glaube die Seele versucht sich damit zu heilen und etwas auszugleichen.

      Ich wäre nicht die Frau die ich heute bin, ohne all diese Erfahrungen. Klingt abgedroschen, ist aber so.

      Danke Christine…

      …für diese wertvolle Plattform und deine Mühe und Liebe die du investierst.

      Herzliche Grüße

      Caro

  3. Birgit sagt:

    Also ich verstehe Dich da komplett. Mir gehts genauso wenn meine Kinder mir mal wieder etwas Schönes ungewollt „vermiesen“ :-(
    Ich fiebere auch schon dem Auszug meiner Kinder entgegen, 14 wird der Grosse dieses Jahr (yeahhh) und 10 der Kleine….noch 10 Jahre aushalten…tick tock die Zeit läuft….ich hätte WIRKLICH keine Kinder bekommen sollen…

    1. Tea sagt:

      Erfrischend ehrlich, liebe Birgit! Top!

    2. Heike sagt:

      Guten Morgen,
      ich liege hier und lese und bin gerade so dankbar und diese Zeilen. Danke, dafür, dass Du Deine Erfahrungen teilst und ich mich dadurch jetzt weniger einsam fühle.
      Liebe Grüße Heike

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