Mama-Momente

Kinder als sture Esel und andere Marotten


Kinder können ja stur wie Esel sein. Das ist schön, wenn man die Geduld hat, ihnen ein gesundes Maß an eigenem Willen zuzugestehen. Ich stehe mit der Geduld oft auf Kriegsfuß. Und das heißt im Umkehrschluss: Unsere Kinder müssen schon früh lernen, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, sprich ihre Eselmama auch stur sein kann. Ich erinnere mich noch an den Tag, als Maxi partout seinen Mittagsbrei nicht anrühren wollte.

Er konnte gerade seit ein paar Wochen selbstständig essen und das bitte auch ohne Füttern von Mamas Seite! Ein Wunsch, den ich nur zu gerne erfüllte. Aber an diesem Tag war der Wurm drin. Er wollte partout keinen Bissen essen, obwohl er bei der Essenszubereitung noch in höchst gewohnter Ungeduld auf sofortigen Verzehr bestand (soweit ein 1 1/2-Jähriger das ohne Worte eben mitteilen kann). Nein, irgendetwas passte ihm nicht. Er rührte den Plastiklöffel nicht mal an, sondern verzog nur das Gesicht, den sonst so geliebten Möhrenbrei unangetastet.

Ich legte meine eigene Sturheit an den Tag und bestand darauf, dass er keine Banane, keinen Zwieback oder sonstiges bekäme, bevor er nicht seinen Brei gegessen hatte. Es half nichts. Der Nachmittag wurde für uns Beide zur harten Geduldsprobe. Am Abend aß Maxi dann widerstrebend seine Mittagsmahlzeit auf (der Hunger treibts rein, glücklich war ich über meinen Sieg trotzdem nicht), nur um am nächsten Tag auf Wiederholung des Vortages zu setzen.

Wieder stellte ich sein Leibgericht, mit kindlichen Jubelgesängen untermalt, auf den Esstisch, nur um dann wieder einen Maxi mit verzogenem Gesicht vor mir sitzen zu haben. Der Lösung auf den Grund kam schließlich mein Mann an Tag Drei: Es war die falsche Löffelfarbe gewesen. Natürlich! Da saß Maxi am Tisch, versuchte telepathisch seine Mutter zu erreichen, die schon Lösungen in höherer Mathematik suchte. Aber auf so etwas Naheliegendes kam sie einfach nicht. Seitdem darf Maxi sich täglich seinen aktuellen Lieblingslöffel aussuchen und Alle sind glücklich.

Ich konnte mir ja –wie ich zu meiner eigenen Schande gestehen muss- ein leichtes Augenrollen am Tag der Löffel-Erkenntnis nicht verkneifen, weil Maxi die Diva in sich schon in so jungen Jahren nach Außen brachte. Nur um es Tage später rückblickend reumütig wieder zurückzunehmen. Da erfuhr ich von meiner Schwiegermutter, dass mein Mann als Kind bei seinen Großeltern nur dann sein Leberwurstbrot aß, wenn ihm sein Opa vorher brav ein Auto mit dem Messer ins Streichfett gezeichnet hatte.

Ich nehme alles zurück. Kein Wunder, dass unser Maxi solche Marotten schon in den Genen hat. Wer weiß, was er von mir noch mitbekommen hat? Irgendwie graut es mir schon vor der Wahrheit. Bitte beruhige mich und sag mir, dass es dir ähnlich geht. Dass deine Kinder nur ins Bett gehen, wenn du nach dem „Sandmännchen“ im Froschkostüm durchs Wohnzimmer hüpfst. Oder du zum Essen jedes Mal die Gardinen vors Fenster ziehen musst, während dein Mann auf der Mundharmonika das Thema aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ anspielt. Ich freue mich über jegliche Erfahrungen aus deinem persönlichen Kasperletheater zuhause.

4 Gedanken zu „Kinder als sture Esel und andere Marotten“

  1. Josie sagt:

    Jaja, das kenne ich nur all zu gut!
    Ohne Löffel selber aussuchen geht hier nichts, und Abends müssen es genau 2 Gutenachtgeschichten mit den „Und täglich grüßt das Murmeltier“ Figuren sein, sonst kann auch der Sandmann nicht entspannt seinem Job nachgehen…

    Aber egal, es ist alles nur eine Phase! OHHHHM!!!!!

    1. Christine sagt:

      Vielen Dank, liebe Josie, für Ihren persönlichen Kommentar. Das lässt mich gleich mal entspannt tief durchatmen!

  2. Arlene sagt:

    Liebe Christine,
    was für ein schöner Blog!
    Die kleinen „verrückten“ Rituale haben wir auch, gerade auch was Farben betrifft. Jedes meiner Kinder hat eine Lieblingsfarbe. Und nur die „geht“.
    Gut ist aber der Kapuzenpullover-Tick. Es muss für den Kindergarten immer ein Kapuzenpullover sein. Immer. Sind alle Kapuzenpullover in der Wäsche helfen weder Engelszungen noch Wutanfälle meinerseits.
    Herzliche Grüße
    Arlene von http://www.familienjahr.blogspot.de

    1. Christine sagt:

      Hallo Arlene,

      freut mich, dass Ihnen mein Blog gefällt. Das mit dem Kapuzenpullover klingt auch sehr spannend, erinnert mich an das Theater, wenn das Lieblingsplüschtier in der Wäsche ist und kein Anderes als Schlafnachbar aushelfen darf. Es graut mir ehrlich gesagt schon davor, dass die Phase wohl länger zu dauern scheint, unser Ältester kommt erst nächstes Jahr in den Kindergarten, mal sehen was er dann so für Vorlieben hat. Wahrscheinlich hilft nur tief durchatmen, bis zehn zählen und an Gänseblümchen auf einer Sommerwiese denken.

      Viele Grüße
      Christine

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