Mama-Momente

„Danke, Oma!“ Hilfe aus dem Jenseits – Spuk, Schwachsinn oder Segen?

Liebe Oma,

erst heute Mittag war es wieder so weit. Maxi wollte nach dem Mittagsschlaf auch für den Nachmittag unbedingt eine Windel umgebunden bekommen und ich konnte das einfach so akzeptieren. Ohne ihn daran zu erinnern, dass er bald fünf Jahre alt wird. Ohne Augenrollen oder hörbares Aufstöhnen. Ja, selbst in mir drin, wo keiner zuguckt oder zuhört, konnte ich das einfach so hinnehmen, ganz ohne Bewertung. Und in diesem Moment hörte ich deine Stimme. „Gut gemacht!“ sagtest du anerkennend und ich war selbst stolz wie Oskar auf mich. Maxi hatte von all dem nichts mitbekommen. Wie auch? Schließlich kannst du nicht mehr einfach mit uns sprechen, denn du bist schon seit vielen Jahren tot.

Ein bisschen gespenstisch muss das Ganze natürlich jetzt auf meine Leserinnen wirken. Da führt eine Frau Selbstgespräche mit Toten. Klingt ziemlich nach Geisterbeschwörung oder einem Fall von Nicht-Wahrhaben-Wollen, dass da Jemand nicht mehr unter den Lebenden verweilt. Nichts davon könnte der Wahrheit ferner sein.

Ehrlich gesagt muss ich dir an dieser Stelle sagen, Oma, dass wir zu Lebzeiten gar nicht das innigste Verhältnis hatten. Was nicht heißen soll, dass unsere Beziehung schlecht war, ganz und gar nicht. Aber durch die Tatsache, dass meine Eltern sich schon früh scheiden ließen, hatten auch wir nicht so einen engen Kontakt zueinander. Mein Vater nahm uns Kinder zwar des Öfteren mit zu dir und Opa, aber irgendwie schien da immer eine gewisse Distanz zwischen uns zu sein. Ich habe mich aber immer von euch geliebt gefühlt.

"Danke, Oma!" Hilfe aus dem Jenseits - Spuk, Schwachsinn oder Segen?Die Zeit mit dir und Opa habe ich in guter Erinnerung. Als junges Mädchen habe ich mit dir auf dem uralten Sofa oft „Hoppe, hoppe Reiter“ gespielt und wenn im Fernsehen Zirkus lief, hast du in deinem Schaukelstuhl gesessen und immer die Chinesischen Schlangenmenschen bewundert, wie sie ihre Körper verbiegen konnten. In deinen letzten Lebensjahren hatten wir jedoch kaum noch Kontakt, er muss langsam eingeschlafen sein, vielleicht auch, weil ich in die Pubertät kam und andere Interessen hatte, als die Sonntage bei meinen Großeltern zu verbringen.

Als du dann vor über fünfzehn Jahren gestorben bist, hat mich das nicht übermäßig mitgenommen. Es war für mich, als wäre eine entfernte Verwandte gestorben. Erst ein paar Jahre später bin ich zum zweiten Mal nach deiner Beerdigung wieder zum Friedhof zurückgekehrt und habe dein und Opa’s Grab (der inzwischen auch verstorben war) besucht.

"Danke, Oma!" Hilfe aus dem Jenseits - Spuk, Schwachsinn oder Segen?Was mir jedoch früh nach deinem Tod auffiel, war meine beginnende Leidenschaft für’s Kochen. Als Kind und Jugendliche konnte ich nur mäßig Spaß an täglich warm zubereitenden Mahlzeiten aufbringen und auf einmal ging es mir so leicht wie nie zuvor und mit Begeisterung von der Hand. Und als meine Mutter später in einem Gespräch mal zufällig erwähnte, dass du ja früher eine begnadete Köchin warst, sagte ich spaßeshalber, dass ich dieses Talent mit deinem Ableben ja vielleicht von dir übertragen bekommen habe. Heute bin ich fest davon überzeugt, dass es dein Geschenk an mich war!

Was Niemand weiß, nicht mal mein geliebter Mann, ist, dass ich dich während meiner ersten Schwangerschaft zu Maxis Schutzpatronin auserwählt habe. Ich weiß überhaupt nicht mehr, warum meine Wahl auf dich fiel, es hätte genauso gut Opa sein können. Aber ich spürte irgendwie eine Verbindung zwischen euch beiden und bat dich darum, immer ein wachsames Auge auf ihn zu haben.

"Danke, Oma!" Hilfe aus dem Jenseits - Spuk, Schwachsinn oder Segen?Es ist verrückt. Seit du tot bist, haben wir ein viel engeres Verhältnis zueinander, als jemals zu Lebzeiten. Natürlich könnte man auch sagen, dass ich schwer einen an der Waffel habe. Mit Geistern sprechen, sich vorstellen, die Oma schwebte am Fenster vorbei und gäbe Erziehungstipps. Allein bei der Vorstellung muss auch ich lachen, denn natürlich ist es nicht so.

Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Und daran, dass alle Seelen in den Himmel kommen. Ich mag die Vorstellung, dass diese Seelen sich auch weiterhin in der Nähe der Erde aufhalten, um nahe stehende Menschen als Schutzengel zu begleiten. Und ob ich es will oder nicht, aber deine Präsenz spüre ich seit Maxis Schwangerschaft kontinuierlich. Mal täglich, dann wieder wochen- oder monatelang gar nicht.

Ich sehe dich nicht vor mir, es ist mehr eine liebevolle Schwingung, die mir signalisiert, dass du an mich denkst.

Anfangs kam ich mir ehrlich gesagt ein bisschen albern vor, in eine sternklare Nacht zu schauen und dir innerlich zuzuwinken. Was, wenn meine ganzen Gedanken nichts mehr als Wunschträume waren? Wenn du gar keinen Kontakt mehr zur Erde suchtest, sondern als reine, energetische Schwingung nur noch unwissend durchs All zögest?

"Danke, Oma!" Hilfe aus dem Jenseits - Spuk, Schwachsinn oder Segen?Inzwischen lebe ich ganz gut damit, dass ich innerlich immer mal wieder deine Anwesenheit merke. Was und wo auch immer du heute bist: Auf jeden Fall vertrittst du eine großmütterliche, sanftmütige Stimme in mir, die mir gut zuredet und meine innersten Gedanken in Worte fasst. Und ist es dann nicht egal, ob du tatsächlich auch als echter Geist vor unserem Wohnzimmerfenster umherschwirrst?

Seit Samstag tauchst du wieder öfter vor meinem inneren Auge auf. Als erwählte Schutzpatronin für deinen Urenkel, den du zu Lebzeiten leider nie kennen lernen konntest, habe ich dich am Samstag konkret um Beistand für Maxi und mich in der kommenden Zeit gebeten. Du kennst meine derzeitige Situation. Dass ich Maxi seit Januar alleine zuhause betreue und oft an meine Grenzen komme. Die Betreuung ist nicht nur sehr oft sehr kräftezehrend, in vielen Momenten fühle ich mich auch alleingelassen.

Seit Samstag fühle ich mich nicht mehr alleine. Und dafür möchte ich mich bei dir bedanken.

Bildrecht: ©Vadim Ivanov, Shutterstock

 

2 Gedanken zu „„Danke, Oma!“ Hilfe aus dem Jenseits – Spuk, Schwachsinn oder Segen?“

  1. Anna sagt:

    Danke. Ich dachte schon ich spinne, wenn ich mit meinen Vater, mit dem ich zu Lebzeiten ein wirklich schwieriges Verhältnis (das klingt noch viel zu harmlos, in Wirklichkeit war es GRAUSAM) hatte, über meinen Sohn spreche.
    Er starb 4 Wochen, bevor ich meinen Mann kennen lernte.
    Und damit 1 Jahr vor der Geburt meines Sohnes.
    Manchmal, wenn er lächelt, sehe ich meinen Vater in ihm. Und es macht mir nichts mehr aus.

    Ich wünschte er hätte meinen Sohn, seinen wunderschönen Enkel, kennen gelernt. Und meinen tollen Mann auch.
    Manchmal höre ich ihn. Oft träume ich von ihm. Ich spüre seine Gegenwart.
    Mein erster Traum mit ihm war sehr ergreifend. Ich war im 8. Monat schwanger und er saß in meiner Wohnung und sah mich an und sagte mir „Ich liebe dich!“.
    Ich sagte ihm „Du fehlst mir und ich liebe dich auch!“ (Er hat mir das nie gesagt. Nur die letzten 4, 5 Jahre vor seinem Tod gezeigt). Seitdem haben wir das allerbeste Verhältnis.
    Ich war 2 x an seinem Grab, ich bin da nicht der Typ für.

    Ich vermisse meinen Vater nicht.
    Aber ich bedauere es für meinen Sohn, dass er Opa nie kennen lernen wird.
    Er hat aber das Glück, 3 Omas und noch 2 Opas zu haben. Und alle lieben ihn abgöttisch.
    Ich glaube, unsere Lieben sind immer bei uns. Jeden Tag begleiten sie uns, passen auf uns auf.
    Ich habe meinen Vater auch zum Schutzpatron meines Sohnes erwählt. Und was soll ich sagen: Opa macht seinen Job wirklich gut!
    Ich bin einfach dankbar für jeden Tag den ich hier auf Erden habe.
    Ich bin demütig und versuche, ein guter Mensch zu sein, Meinem Kind eine gute Mutter und meinem Mann eine gute Frau.
    Das ist alles, was ich tun kann.

    1. Christine sagt:

      Das sind wirklich unbezahlbar schöne Momente, die du nun mit deinem Vater erleben kannst. Und ich verstehe dich auch sehr, dass du ihn nicht vermisst, er lebt ja weiter und für dich noch einmal „lebendiger“ als für andere :) Da braucht es keine Begegnung auf dem Friedhof, wenn du ihm überall treffen kannst!
      Vielen Dank für deine persönlichen Einblicke!!

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