Mama-Momente

Opfer bringen in der Schwangerschaft

Villa Schaukelpferd-Klassiker

Mit der Schwangerschaft besiegelt man ja gewissermaßen einen Pakt mit dem Teufel. So schön die 9 Monate ja sind (wann sonst darf man die verrücktesten Lebensmittelkombinationen in sich hineinstopfen, ohne, dass Jemand eine Augenbraue hochzieht, den Mann nachts zur Tankstelle schicken, weil man plötzlich Heißhunger auf Gummibärchen verspürt (und er macht es auch noch gerne!) oder auf der Couch entspannt die Füße hochlegen, während die Kollegen bei 30°C im Büro und ausgefallener Klimaanlage schwitzen?), aber der Preis dafür ist hoch.

Und den zahlt man in Raten. Vermutlich bis an sein Lebensende. Und jede Frau hat da wohl ihre eigenen Verhandlungen mit dem Teufel geführt. „Kind ja, aber dafür musst du leiden!“ schien er gesagt zu haben. Wir hörten nur „Kind ja“ und gingen sofort den Handel ein, ohne auch nur über die Konsequenzen nachgedacht zu haben. Meine kamen unmittelbar zum Tragen: Haare färben in der Schwangerschaft? Tut dem Ungeborenen bekanntlich nicht gut. Naja für ein paar Monate wird’s irgendwie gehen, dachte ich tapfer. Außerdem tat ich es ja für mein Kind. Da wird man doch wohl mal ein Opfer bringen können!

Und wenn man schon mal mit Gesundem anfängt, kann man doch auch eigentlich so weitermachen. Schon standen Leinöl, Gouda und Mehrkornmüsli auf der Einkaufsliste. Vorbei die Zeiten, in denen ich genussvoll in ein Mettbrötchen oder meinen geliebten Camembert beißen durfte. Männer sind da entspannter. „Rohmilchkäse?? Nie gehört. Die Menschen in der Steinzeit haben die Kinder auch gesund auf die Welt bekommen.“ Stimmt, aber da gab es bestimmt auch noch keine Ernährungsbücher für Schwangere oder die große Auswahl einer heutigen Supermarkttheke.

Ist die Geburt vorüber, spielen die Lebensmittel „Bäumchen wechsle dich“. Freu dich über dein Rindercarpaccio, aber streich ab sofort unverzüglich Paprika und Orangensaft von der Einkaufsliste, die erzeugen bei deinem Baby einen maximal roten Po. Ja ja, die Risiken und Nebenwirkungen des Stillens. Aber das ist nicht das Schlimmste. Wie viele Frauen klagen jetzt (zu Recht?) über übrig gebliebene Schwangerschaftspfunde, die nicht mehr purzeln wollen? Der dicke Bauch, der nicht sofort mit der Geburt verschwindet, sondern sich eher in einen wabbeligen, mit zu wenig Luft gefüllten Luftballon verwandelt, den man nun vor sich hertragen muss, tagein tagaus.

Schwangerschaftsstreifen, die mit den Jahren (!) nur verblassen, nie verschwinden. Haarausfall, Unlust auf Sex oder dazugewonnene Sorgenfalten. Warum tut der Teufel uns das an? Will er uns ärgern? Demütigen? Oder uns nur zeigen, dass Alles eben seinen Preis hat? Und dass das höchste Gut auf Erden –ein neues Menschenleben- eben mehr Aufwendungen von uns erwartet? Oder dass es noch viel mehr im Leben gibt, als einen perfekten Körper und ein makelloses Ich?

Wenn ich mir in diesen „Ich bin mal wieder unzufrieden mit mir selbst“-Momenten Mini und Maxi anschaue, dann weiß ich wofür ich diesen Pakt besiegelt habe. Keine Zigarette, kein Mettschnittchen, kein Schwangerschaftsstreifen wäre es Wert gewesen, auf diese zwei fröhlichen Kinder zu verzichten! Inzwischen habe ich mich sogar wieder mit meiner Naturhaarfarbe angefreundet. Aufgezwungene Selbstliebe in der Schwangerschaft? Ein netter Nebeneffekt, sicher geschickt eingefädelt vom Teufel persönlich.

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