Mama-Momente

5 Dinge, für die ich nach unserem Umzug dankbar bin

Unglaublich, aber wahr: Jetzt wohnen wir beinahe auf den Tag genau bereits drei Monate in unserer neuen Heimat! Obwohl es mir mindestens doppelt so lang vorkommt, so schnell, wie der neue Alltag an der Küste uns ins Leben zog. Wie ein Sog, dem wir uns alle Vier aber bedingungslos und entzückt hingaben. „Habt ihr euch denn inzwischen eingelebt?“ Diese Frage wird mir heute noch gestellt, von Freunden und Familie aus der 300-Kilometer-entfernten Heimat, dabei konnten wir schon an Tag eins nach unserem Umzug behaupten, angekommen zu sein. So richtig angekommen. Mit Kopf und Herz. Diese Frage erscheint mir also jedes Mal wie von einem anderen Stern, so abwegig wie die Nachfrage, ob denn auch Sand am Strand vorhanden sei.

Und jetzt sitze ich hier, an einem gewöhnlichen Mittwoch in einem doch so anderen Leben, denn vor drei Monaten hätte mein Tag noch ganz anders ausgesehen. Also wird es mal Zeit für mich, eine Bestandsaufnahme zu machen und zu schauen, wofür ich heute, nach zwölf Wochen in der neuen Heimat, dankbar sein kann.

1. Die Zeit der Eigenbetreuung ist vorbei!

Und nicht nur das: Unser fünfjähriger Sohn Maxi, den ich fast acht Monate am Stück mehr oder weniger zwangsweise zuhause betreut hatte, bekommt jetzt die bestmögliche Unterstützung, die wir uns nur vorstellen können. Seine sensible Seele ist in dem heilpädagogischen Kindergarten mit fünf anderen Kindern und vier ErzieherInnen in seiner Gruppe so gut aufgehoben, wie wir es uns in unseren kühnsten Träumen nicht hätten vorstellen können: Liebevolle, geschulte Betreuung, fließender Eltern-Erzieher-Jugendamt-Kontakt, Ergotherapie und aufmerksames Hinterfragen seiner Diagnose (zur Erinnerung: Im Juni wurde bei Maxi atypischer Autismus festgestellt, der heilpädagogische Kindergarten geht aber u.a. eher von einer gestörten/fehlenden Tiefenwahrnehmung (Körperempfinden) aus).

5 Dinge, für die ich nach unserem Umzug dankbar binAuch unser Mini ist gut versorgt. Dreimal die Woche bringe ich ihn morgens zu einer Tagesmutter (ich glaube wir haben den letzten Platz in der ganzen Umgebung ergattert!), ansonsten geht unser Vierjähriger ab mittags in seinen „eigenen“ Kindergarten, also nicht in die gleiche Einrichtung wie sein Bruder Maxi. Wir merken sehr, wie gut es ihm tut, nicht mehr, wie früher, den Kindergarten mit Maxi teilen zu müssen. Er wird immer selbstbewusster und kann sich inzwischen schon sehr gut gegen seinen Bruder behaupten (was bei dessen Temperament nicht gerade leicht ist!).

Und ich bin dankbar für meine Zeiten zum Durchatmen und Kräfte sammeln für den Nachmittag, wenn Maxi mit dem Kindergartenbus nach Hause gebracht wird.

2. Traumwohnen am Ort unserer Sehnsucht

Ab und zu muss ich mich wirklich noch mal kneifen. Wenn ich am Strand stehe, die Wellen über meine Füße laufen lasse und all die Menschen um mich herum sehe, die über ihren perfekten Urlaub reden. Nein, das hier ist kein Urlaub, das ist die Realität, die mir jeden Tag gehört, wenn ich die siebenundzwanzig Minuten mit dem Auto auf mich nehmen möchte, um zum Ruhepol meines Herzens zu gelangen.

5 Dinge, für die ich nach unserem Umzug dankbar binWir haben es tatsächlich geschafft, wir haben alles hinter uns gelassen und den Neustart an der Nordseeküste gewagt. Auch, wenn es viel Arbeit bedeutet, sowohl im Büro meines Mannes, als auch im Haus (Schimmel im Altbau lässt grüßen). Aber zumindest letzteres ist Sache unseres Vermieters und der ist Gott sei Dank sehr engagiert. Alles andere, was noch nicht niet- und nagelfest ist oder nicht rundläuft, wird nicht überbewertet. Kommt Zeit, kommt Rat. Ungeöffnete Umzugskisten gibt es auch noch. Wen kümmert’s?

3. Entschleunigtes Leben

Hier oben auf dem Land mag es auf den ersten Blick nicht so viel weltfremder zugehen, als in unserer alten Heimat, immerhin sind wir immer noch an die nächst größere Stadt angebunden und leben nicht mit Plumpsklo im Garten. Und trotzdem scheinen die Uhren hier oben langsamer zu ticken. Am Bürofenster meines Mannes fahren täglich mehr Traktoren als Autos vorbei, die Vorgärten und Einfahrten der Häuser sind mit Dekofigürchen und Blumenkübeln hübsch geschmückt (und keiner kommt auf die Idee, heimlich etwas wegzunehmen) und wenn auf der Landstraße ein Auto dreißig km/h zu langsam fährt, hält der Einheimische gemütlich Abstand und drängelt nicht.
Herrlich.

4. Ich habe einen Job!

Auch, wenn es „nur“ eine unentgeltliche Arbeit ist, bedeutet sie mir als hochsensible Mutter doch so viel mehr. Einmal die Woche besuche ich im Krankenhaus ehrenamtlich die Patienten, biete ihnen Gespräche an oder erledige kleine Besorgungen, wie einen Kaffee aus der Cafeteria und die passende Klatschzeitschrift dazu ans Bett bringen.
Eine Aufgabe, die Balsam für meine sensitive Seele ist, komme ich doch endlich auch wieder in den Genuss, mit Erwachsenen zu sprechen und meinem Wunsch nach tiefsinnigen Gesprächen nach. Die dankbaren Blicke der Menschen, für die sonst neben der Pflege zu wenig Zeit bleibt, ist mir dabei mehr wert, als ein Gehalt auf meinem Konto (dafür ist bei uns auch mein Mann zuständig).

5. Ich habe den besten Mann, den ich mir wünschen kann

Jajaja, das klingt jetzt sehr kitschig und ich habe es an anderer Stelle schon einmal erwähnt. Aber wenn ich sehe, wie sehr wir beide auch die stürmischen Zeiten nach dem Umzug meistern, ohne Vorwürfe, ohne den eigenen Stress auf dem Anderen abzuladen, aber vor allem mit viel Liebe und Rücksicht unbequeme Tage und Situationen zu umschiffen und immer wieder auf den Anderen einzugehen, das macht mich alles so dankbar.

5 Dinge, für die ich nach unserem Umzug dankbar bin„Ich liebe dich so wie du bist und ich akzeptiere dich auch mit all deinen Merkwürdigkeiten, Macken und Schwächen“ ist ein Satz, den man von seinem Partner gerne hört. Letzte Woche konnte ich es zum wiederholten Mal erleben, dass mein Mann mich bedingungslos so annimmt wie ich bin.

Das ist für mich das größte Geschenk. Ohne ihn hätte ich diesen Umzug sicher nie gewagt. Für ihn bin ich am meisten dankbar.

2 Gedanken zu „5 Dinge, für die ich nach unserem Umzug dankbar bin“

  1. Cathrin sagt:

    Liebe Christine,
    Für mich ist es ein großes Glück deine Gedanken zu lesen; erst seit kurzem kann ich meine Hochsensibilität besser annehmen, dabei belasten mich aber häufig noch Schuldgefühle im Bezug darauf, was ich damit meinem Mann und meinen Kindern zumute. Wir sind auch dieses Jahr umgezogen. Und ich bin so dankbar für dieses besondere Haus. Vielleicht haben wir später noch mal den Mut ans Meer zu ziehen, das Leben hält ja so manche Überraschung bereit , wie den Glücksgriff diese Seite zu finden, vielen Dank für deinen Blog, herzliche Grüße Cathrin

    1. Christine sagt:

      Liebe Cathrin,

      es freut mich sehr, dass du da bist! Sei herzlich willkommen auf meinem Blog für hochsensible Mütter!
      Vielleicht wird es auch noch eine ganze Weile dauern, bis du auch keine oder nur noch selten Schuldgefühle deiner engeren Familie gegenüber hegst. Denn das brauchst du nicht, du bist genau richtig so, wie du bist! Und du gibst deinem Umfeld auf der anderen Seite ja auch so viel mit deiner Sensitivität, auch, wenn dir das möglicherweise nicht immer bewusst ist (und wir sind ja grundsätzlich so geprägt, immer erst das Schlechte zu sehen). Aber es gibt immmer zwei Seiten der Medaille! Und für dein Wesen kannst du nichts und das finde ich auch gut so :)

      Ich freue mich sehr für dich, dass du in deinem besonderen Haus lebst, das ist viel Wert für deine sensible Seele ♥
      Ganz lieben Dank für deine lieben Worte zu meinem Blog, das berührt mich wirklich sehr!!

      Alles Liebe dir
      Christine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.