Mama-Momente

Familienbett – Wenn Wunsch und Wirklichkeit sich nicht vereinbaren lassen


Sonntagmorgen: Während Mama und Papa sich noch einmal gemütlich von der einen auf die andere Seite drehen, kommen zwei kleine Kinder ins Elternbett dazu gekrochen und alle Vier kuscheln noch eine halbe Stunde, bis es Zeit fürs Frühstück ist.

Szenenwechsel. Mittwochnacht um halb drei: Das Neugeborene verlangt nach Mutters Brust. Im Halbschlaf stillt die junge Mama ihr Kind, danach schlafen beide wieder Seite an Seite ein.

Noch einmal Szenenwechsel. Freitagnachmittag: Die Kinder toben ausgelassen durch die Wohnung. Als Highlight gibt es eine wilde Kissenschlacht im Elternbett, bei der Mama eifrig mitmacht.

Es gibt Dinge, die stellt man sich vor dem Muttersein anders vor, als sie später eintreten werden. Statt der geplanten Hausgeburt gibt es einen Notkaiserschnitt im Krankenhaus oder das Stillen klappt nicht wie gewünscht und wird gegen Fläschchengeben getauscht. Das Thema Familienbett war bei mir auch so ein Phänomen, das ich in meinen Wunschvorstellungen romantisch geplant hatte und dann doch ganz anders umsetzen musste.

Familienbett ja oder nein? Darüber brauchte man mit mir vor der Geburt meines ersten Sohnes gar nicht zu diskutieren. Natürlich dürften die Kinder später so lange ins Elternbett gekrochen kommen, wie sie es bräuchten. Dass mein Mann und ich ein wenig zusammenrücken auseinanderrücken würden, um dem kuscheligen Nachwuchs Nähe, Wärme und Geborgenheit zu schenken, stand völlig außer Frage. Und wenn wir das Bett notfalls bis zur Einschulung teilen müssten. Kissenschlachten, gemeinsamer Mittagsschlaf oder das Bett als Zufluchtsort vor dem unheimlichen Gewitter da Draußen – das alles wollte ich meinen Söhnen ermöglichen, das war vor der Geburt so sicher wie das Amen in der Kirche.

Familienbett - Wenn Wunsch und Wirklichkeit sich nicht vereinbaren lassen
Mein guter Vorsatz hielt nach der Entbindung genau zwei Nächte. Danach musste der kleine Säugling namens Maxi nicht nur das Elternbett gegen seinen Stubenwagen tauschen, sondern obendrein auch noch das Schlafzimmer gänzlich verlassen. Was geschehen war? Mama hatte nicht nur mit postpartalen Depressionen zu kämpfen, sondern zusätzlich noch ihre hochsensible Seite entdeckt. In diesem Fall hieß das: Ich konnte nicht schlafen, wenn mein Sohn bei uns im Bett lag. Und auch nur sehr schlecht, wenn die Wiege neben unserem Bett stand. Die leisen Schlafgeräusche, die kleinen Schmatzer oder Grunztöne eines Neugeborenen machten mich schier wahnsinnig. Zum Schlafen brauchte ich absolute Ruhe. Bei Mini war es später genau das Gleiche.

Also schoben wir den Stubenwagen enttäuscht, aber befreit ins Nebenzimmer und holten die Kinder immer nur zum Stillen ins Bett, um sie danach wieder in ihre eigene Schlafstätte zu legen. Es ging einfach nicht anders. Unserem Maxi schien das dabei weniger auszumachen als seinem Bruder. Maxi ist von Natur aus nicht der Kuscheligste, bei Müdigkeit und Krankheit will er vor allem eins haben: Seine Ruhe. Das war schon als Säugling so, als wir bemerkten, dass alles Herumtragen und –schaukeln nichts brachte. Einschlafen konnte er am Besten alleine in seinem Bettchen.

Familienbett - Wenn Wunsch und Wirklichkeit sich nicht vereinbaren lassen
Aber nicht nur das Schlafen meiner Söhne im selben Zimmer machte mir zu schaffen. Ich merkte zusätzlich, dass ich vor der Geburt ein viel intensiveres Bedürfnis nach Nähe zu meinen Kindern verspürte, als mir später als Mutter gut tat. Obwohl ich es mir immer ganz anders gewünscht hatte, wurde mein Schlafzimmer kurzerhand zur Tabuzone für die Kinder auserkoren. Ich brauchte in meiner auslaugenden Mutterrolle mit all der Fremdbestimmtheit, die ich erlebte, einen Ort, an den ich mich zurückziehen konnte. Ein Ort, wo ich immer noch Ich sein konnte. Also gab es keine ausgelassenen Kissenschlachten, keinen gemeinsamen Mittagschlaf und kein Ins-Bett-Gekrabbel seitens der Kinder an einem verschlafenen Sonntagmorgen.

Bis heute hat sich daran übrigens nichts geändert, auch wenn ich merke, dass ich mit der Zeit immer gelassener und offener für Besuche seitens der Kinder in meinem Schlafzimmer werde. Wildes Herumgehopse und unruhiges Umhergerutsche neben mir im Bett kann ich (noch) nicht ertragen. Bereuen tue ich nichts, weil ich weiß, dass es für Alle schlimmer wäre, wenn ich meine eigenen Gefühle überrennen und meine Grenzen nicht akzeptieren würde. Für den positiven Nebeneffekt, dass Mini und Maxi abends problemlos alleine in ihrem Zimmer einschlafen können, bin ich hingegen sehr dankbar.

Und auch, wenn ich weiß, dass wir ihnen das Gefühl des Familienzusammenhalts auch anderweitig vermitteln können, bedaure ich es dennoch manches Mal, dass sowohl mein Mann und ich, als auch die Kinder selbst, in ihren jungen Jahren nie in den Genuss gekommen sind, das Familienbett als intime Einheit von Mutter, Vater und den Kindern kennen zu lernen.

4 Gedanken zu „Familienbett – Wenn Wunsch und Wirklichkeit sich nicht vereinbaren lassen“

  1. Maria sagt:

    Wow.danke. mein Traum vom Familienbett ist auch geplatzt. Ich schlief soooo gut mit den beiden Kids . Aber die Kids nicht. Der Große trâumte laut, die kleine wurde wach und musste aus dem Zimmer um eingetragen zu werden. Gemeinsames Einschlafen ging auch nicht. Sie weinte jeden Abend und der Große war damit etwas überfordert. So,dass er dann überdrehte und die kleine wieder weckte. Ihr Rhythmus änderte sich im Laufe der Monate…..nun schläft sie im Reisebett und der Große wieder in seinem Zimmer. Alles bisher besser. Aber schade.

    1. Christine sagt:

      Oh wie schade :-( Aber schön, dass du das Familienbett nicht erzwingst. Trotzdem schade… Vielleicht klappt es ja zu einem späteren Zeitpunkt wieder!

  2. Micky sagt:

    Oh, das kenne ich nur zu gut. Auch ich werde sofort wach, wenn eines der Kinder nachts ins Bett gekrochen kommt und kann erst wieder einschlafen, sobald ich mich auf der Couch einquartiert habe.
    Leider ist bei uns das Schlafzimmer keine Zone, die ich für mich habe – höchstens die Wäschekammer, die alles andere als gemütlich ist. Tagsüber wird auf dem Bett rumgetobt und daß Playmobil darin verteilt. Oft würde ich gerne einen Riegel vorschieben und sagen „Stopp, kein Spielzeug in meinem Bereich.“ Da spielt mein Partner aber leider nicht mit, sondern schlägt sich auf die Seite der Kinder. Als ich den Kleinsten einmal bat, nicht mit seinen Dreckfüssen durch mein Bett zu laufen, erhielt ich als Antwort: „Das ist aber nicht nur dein Bett, sondern auch das vom Papa!“ Und mein Freund stimmte ihm noch zu.
    In solchen Momenten könnte ich verzweifeln und frage mich, was mit mir nicht stimmt – warum macht es mir so viel aus, bin ich komisch?

    1. Christine sagt:

      Liebe Micky,

      mit dir ist alles in Ordnung! Dein Partner und du, ihr habt lediglich ganz verschiedene Schmerzgrenzen eurer eigenen Komfortzone. Das ist euch wahrscheinlich, bevor ihr Kinder hattet, gar nicht so stark aufgefallen und grundsätzlich auch kein Problem!
      Wichtig wäre es meiner Meinung nach trotzdem, dass ihr vor den Kindern an einem Strang zieht, dass euch die Kinder nicht gegenseitig ausspielen könnt, sondern ihr als Einheit fungiert. Vielleicht könnt ihr ja Kompromisse schließen, die ihr dann als Eltern aber beide unterstützt, z.B.: Das Bett ist tagsüber für die Kinder tabu, nachts darf dann darin gekuschelt und geschlafen werden. Oder „Spielzeit im Bett nur, wenn Mama nicht drin liegt und anschließend wird alles wieder mit ins Kinderzimmer genommen“.
      Fühl dich bitte nicht komisch oder verkehrt! Deine Gefühle zeigen dir deine Grenzen auf und das ist sehr gut und wichtig! Egal, warum du weniger aushältst, als dein Partner. Jeder hat seine eigene Geschichte!
      P.S.: Bei uns zuhause gelten noch strengere Regeln, vor allem, was das Schlafzimmer betrifft ;-)

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