Mama-Momente

Elli, die Pusteblumen-Katze

Die erste Anschaffung für meine neue Arbeit als Begleiterin von Frauen, die sich mit dem Muttersein schwertun, war eine Katze. Das mag etwas ungewöhnlich klingen, denkt man in der Regel erstmal an Möbel, Bücher, vielleicht ein teures Notebook oder im besten Fall eine Massageliege. Bei mir war es eine vierbeinige Mitarbeiterin.

Als ich letztes Jahr immer konkreter darüber nachdachte, einen Raum für Mütter zu schaffen, die nicht wissen, wohin sie mit ihren ambivalenten Gefühlen sollen, tapste von Anbeginn auch immer eine verschmuste Fellnase durch meine Gedankenfantasien, die meinen Klientinnen vor Ort später im besten Fall auch mal um die Beine streifen würde.

Katzen und Frauen scheinen eine ganz besondere Verbindung zu besitzen, vor allem diejenigen Feinfühligen mit einem ausgeprägten Freiheitssinn.

Es gibt Stellen meiner Seele, die nicht mal mein Mann ergründen kann, obwohl er so sensibel und einfühlsam zu mir ist, wie sonst Niemand um mich herum. So sehr er sich bemüht zu verstehen, so oft er meine Gefühle sogar nachvollziehen kann – manchmal ist auch ihm der Zugang zu der Frau in mir verwehrt, die den Ruf der Freiheit immer noch in sich nachklingen hört und die Sehnsucht nicht vergessen kann.

Elli Pusteblumen-Katze

„Das Herz einer Frau ist ein tiefer Ozean voller Geheimnisse“ wusste schon die empfindsame Rose auf der Titanic. Wie sehr die Mutterrolle einer Frau die Luft abschnüren kann, kann nur eine andere Frau nachempfinden. Und so manch seelischer Schmerz kann nur von einem weiblichen Wesen aufgefangen werden. Und nicht selten in Form einer Katze.

Es gibt Tage, an denen ich mich allein in meinem Kummer und abgeschnitten von meiner Umgebung fühle. Wenn ich weiß, dass Worte und Erklärungen meiner Gefühlswelt keinen Wiederhall erzeugen. Dass es besser ist, meine Gedanken für mich zu behalten, um den Schmerz des fühlbaren Nicht-Verstehens meines Gegenübers nicht auch noch spüren zu müssen.

Wie heilsam ist dann das Schnurren einer Katze auf meinem Schoß! Vibrationen, die wie heilsame Klänge einer Klangschale zu mir durchdringen und von der physischen bis in die psychischen Ebene alles Leid lindern.

Meine langjährige Begleiterin Cindy verstarb an Krebs, nachdem sie viele Monate lang nach der Geburt meines Ältesten in den Schwingungen meiner tiefsten, dunkelsten, depressiven Gedanken und Gefühlen leben musste. Sie hatte meinen Schmerz nicht überlebt, aber ein Stück davon mitgenommen, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Das war der Preis für diese innige Beziehung.

Und so zog auch lange keine weitere Katze bei uns ein. Ich fühlte, dass es zuerst vonnöten war, die Beziehung zu meinen eigenen Kindern zu intensivieren und zu heilen.

Elli Pusteblumen-Katze

Elli kam zu uns, kurz bevor die Situation um Corona hochkochte und man gebeten wurde, das Haus nur noch für absolut wichtige Erledigungen zu verlassen. Ich hatte die Samtpfote, die als besonders anhänglich beschrieben wurde, nur wenige Tage zuvor auf einem Tierschutz-Portal gefunden. Als Straßenkatze in Rumänien aufgewachsen und von einer tierlieben Dame vor dem Tierheim und Schlimmeren bewahrt, kam sie kurz nach Weihnachten nach Deutschland, nachdem ihre Retterin schwer erkrankte, um dann drei Monate später bei uns ihr letztes Zuhause finden zu sollen.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitzt Elli mal wieder schnurrend auf meinem Schoß und lässt mir gerade noch so viel Platz, dass mir das Notebook nicht von meinen Knien rutscht. Anhänglich und verschmust ist sie wirklich, das kann ich bestätigen, weswegen ich inzwischen immer doppelt so lange brauche, meine Beiträge zu verfassen.

Auch, wenn ich meiner neuen Arbeit im Pusteblumengarten nachgehe, ist Elli in der Regel mit von der Partie. Als ob sie genau wissen würde, weshalb sie zu uns gekommen ist und ihrer neuen Aufgabe als Pusteblumen-Katze so gerecht wie möglich werden möchte. Um mental für all die sensiblen Mütterherzen da zu sein, die Trost und das Verständnis einer ebenso freiheitsliebenden Seele benötigen.

Wenn du ganz leise bist, hörst du sie vielleicht jetzt in diesem Moment für dich schnurren.

4 Gedanken zu „Elli, die Pusteblumen-Katze“

  1. Antonia sagt:

    Liebe Christine,

    die ist aber suess! Herzlichen Glueckwunsch zur neuen Mitbewohnerin!

    Liebe Gruesse,
    ich liebe uebrigens auch Katzen*.*
    Antonia

    1. Christine sagt:

      Danke Antonia :)
      Ja Katzen haben schon was besonderes an sich..

      1. Julia sagt:

        Liebe Christine ,

        Wunderschön und berührend geschrieben. Besonders folgender Satz: „Katzen und Frauen scheinen eine ganz besondere Verbindung zu besitzen, vor allem diejenigen Feinfühligen mit einem ausgeprägten Freiheitssinn.„

        Ich habe auch eine Katze, Lilly, 13 Jahre, eine norwegische Waldkatze. Ich liebe sie von Herzen. Oft denke ich an die kinderlose Zeit zurück, als ich mit ihr sorgenfrei kuschelte.
        Leider ist meine alte Dame sehr gestresst von meiner 3,5 jährigen, weshalb sie nur mehr zum Essen reinkommt. Gekuschelt wird nur noch selten, Das war wohl der Preis, den ich zahlen musste, als ich ein Kind wollte …
        Oft beneide ich meine Lilly, wie sie selbstbestimmt, sorgenfrei und unabhängig ihre Wege geht ….

        Danke!! Ich merke, wie ich so vieles nun verstehe und nachvollziehen kann, wenn ich deine Blogs lese. Es macht Vieles einfach mehr Sinn in meinem Leben und es macht die Mutterrolle etwas leichter und erträglicher.

        Lg. Julia

      2. Christine sagt:

        Liebe Julia,

        ich kann deine Trauer um deine Katze, die sich immer mehr zurückzieht, sehr gut nachempfinden, vor allem, weil Katzen eigentlich solche Seelentröster sind. Und ich wünsche dir sehr, dass sie mit der Zeit, wo deine Tochter größer wird, wieder etwas entspannter und kuscheliger reagiert und nicht mehr nur zum Essen reinkommt.

        Hab vielen Dank auch für dein herzliches Feedback, ich freue mich immer sehr, wenn ich anderen Müttern das Gefühl geben kann, nicht alleine zu sein mit ihrem Empfinden.

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