Mama-Momente

Das Kind ist krank und Mama macht schlapp

„Schatz, was brauchst du denn jetzt zum Entspannen?“ Wir hatten gerade die Kinder ins Bett gebracht und die Wohnzimmertür hinter uns geschlossen, als mein Mann mich sanft zum Sofa dirigierte. Die Frage war nun wirklich nicht unberechtigt. Statt eines stinknormalen Dienstags durfte ich heute an dem Abenteuer namens Kinderkrankheit teilnehmen. Unser Großer, Maxi, hatte gleich in der ersten Kindergartenwoche anscheinend laut „Hier!“ geschrien, als Jemand etwas gratis zu verteilen hatte und bekam statt der wohl erhofften Süßigkeiten eine Tüte Bakterien mit nach Hause.

Nach drei Tagen stand dann heute nicht der von Mama sehnlichst erwartete Kindergartenbesuch, sondern der große Fieberausbruch auf dem Programm. Blass und schlapp auf dem Sofa liegen, während Mama bügelt, Fern sieht oder Geschichten vorliest. So zumindest meine Ansicht der Sache. Hätte ich morgens schon geahnt, dass mich ein ganz anderer Tag erwarten würde, ich hätte mich im Bett tot gestellt wäre gar nicht erst aufgestanden.

Kranksein, das hatte ich als Kind immer in guter Erinnerung. Man musste nicht in die Schule, durfte sich mit Wärmflasche und flauschiger Sofadecke auf die Couch lümmeln und den ganzen Tag fernsehen. Oder schlafen. Oder sich Bücher angucken. Gut, es gab ein paar unangenehme Nebenwirkungen wie Kotzen Erbrechen, Durchfall oder Gliederschmerzen, aber alles im Leben hat eben seinen Preis. Wann sonst darf man uneingeschränkt Cola trinken und Unmengen von Salzstangen zu sich nehmen (die dann gleich die nächsten Bauchschmerzen auslösen, es ist aber auch ein Teufelskreis…)? Fieber ist noch mal ein Kapitel für sich. Je höher die Temperaturen, desto mehr ist man außer Gefecht gesetzt. Man vegetiert nur noch so vor sich hin und kriegt irgendwie nicht mehr mit, was um sich herum so geschieht.

Nicht so unser Maxi. Mit über 39°C saß er am Frühstückstisch und ließ es sich nicht nehmen, seinem jüngeren Bruder Tischmanieren rüber zu brüllen beizubringen („Mini, nich matschen! Mach Mund leer. Sieht nich schön aus!“). Auch dem obligatorischen Krankenbett Sofa blieb er vormittags erstmal fern. Lieber zankte er sich in gewohnter Lautstärke mit Mini um die besten Spielzeuge (die immer der Andere gerade hatte), nur um zwischendurch leichenblass in der Küche seinen Kamillentee anzufordern.

Nach dem Mittagsschlaf wurde in gewohnter Manier weitergeknatscht, wobei es mir lieber gewesen wäre, er wäre dabei nicht glühend wie ein kleiner Hochofen durch die Wohnung gelaufen. Bevor mein Mann wieder ins Büro fuhr, verfrachtete er den kleinen Mann kurzerhand aufs Sofa, nicht ohne dass Maxi dabei lautstark protestierte. Er schaffte es immerhin 5 (!) Minuten, still liegen zu bleiben. Erstaunlicher, dass ich es in derselben Zeit hinbekam, die Geschichte von Conni im Kindergarten vorzulesen und obiges BeweisFoto zu knipsen.

Danach standen wieder Duplo, Zanken & Co. auf der Tagesordnung. Auch eine Pause der derzeit sehr beliebten Besserwisserei wurde mir nicht gegönnt.
„Da! Vogel!“ – „Ja Maxi, der Vogel in dem Buch ist eine Möwe.“ – „Nä! Vogel!“ – „Ja du hast Recht, das ist ein Vogel und zwar eine Möwe.“ – NÄ! VOGEL!“ – „Ja. Möwe.“ – „NÄ!“
Sie sehen also, für Mama blieb kaum Zeit, mal durchzuatmen. Den Mittagsschlaf der Kinder nutzte ich für ein Telefonat und zum Füße hochlegen auf dem (ansonsten vorher so verschmähten) Sofa.

Und dann abends die lieb gemeinte Frage meines Mannes, womit ich denn jetzt entspannen könne. Jetzt. Wo die Kinder im Bett sind, es Draußen stockdunkel und mein Magen mit Verdauen des Abendessens beschäftigt ist. Vorhin, ja vorhin war ich noch voller Tatendrang. Ich könnte mal wieder in dem neuen Buch oder der tollen Deko-Zeitschrift lesen. Ich könnte neue Mama-Blogbeiträge verfassen oder ein bisschen im Internet surfen. Wie gesagt, das war vorhin. Als ich noch genug Energie für Ideen hatte, die ich am Abend ausführen könnte.

Und jetzt zur fortgeschrittenen Stunde bin ich schon froh, kein fiebriges, hustendes oder knatschiges Kind mehr hören zu müssen. Reicht das denn nicht an Entspannung? Muss ich jetzt wirklich noch künstlich etwas machen, das mein Gehirn mir eh versagt? Geistiger Input auf hohem Niveau z.B.? Ich habe mir eine Kerze angezündet, einen Tee gekocht und dem Drang widerstanden, einfach weiter zu schlafen. Das sind immerhin drei Dinge, die schon einen gewissen Kraftaufwand erfordern. Das ist doch mal einen Applaus wert!

Für die nächste Krankenphase meiner Kinder muss ich mir jedenfalls einen guten Plan ausdenken. Oder einfach abwarten. Maxi kam dann plötzlich doch noch von alleine auf die Idee, das Sofa anzusteuern. Eine ganze Stunde döste er dort vor sich hin, während sein Bruder ihm etwas mit seinem Bagger vorspielte. Mama quetschte sich auch noch an sein Fußende, knipste schnell den Fernseher an und schon waren alle glücklich. Muss ja auch mal sein. Wenn nicht, wenn man krank ist, sollte man Regeln und Verbote auch mal hinten anstellen?

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